Sonntag, 11. Dezember 2016

Mein Schatz komm mit ans blaue Meer (1959) Rudolf Schündler


Lilo (Renate Ewert) und Hansi (Monika Dahlberg) mit Camillo Felgen von RTL
Inhalt: Camillo Felgen von Radio Tele Luxemburg stellt vor einem großen Publikum die Gewinnerinnen des „Bravo“- Preisausschreibens vor:  Lilo (Renate Ewert), von Beruf Maniküre, und Hansi (Monika Dahlberg), die ihrer Mutter im Haushalt hilft. Von ihr ist der auf den Rängen wild klatschende Bubi Hannemann (Harald Juhnke) so begeistert, dass er sie gegenüber seinem Freund schon als seine zukünftige Frau vorstellt. Der hält ihn für verrückt, aber Bubi hat einen konkreten Plan. Als LKW-Fahrer fährt er demnächst eine Tour nach Italien - genau dorthin, wohin auch die beiden jungen Frauen reisen sollen, um 10000 Mark zu gewinnen. 

Der Wohnwagen wurde von der "Bravo" übergeben - es kann los gehen...
Für diese fängt der eigentliche Wettbewerb jetzt erst an. Mit dem Wohnwagen, der ihnen von der „Bravo“ zur Verfügung gestellt wurde, sollen sie ans Mittelmeer und wieder zurückreisen. Innerhalb von drei Wochen und ohne eigenes Auto. Das Zugfahrzeug sollen sie sich per Anhalter organisieren. Zudem müssen sie unterwegs noch ein paar Aufgaben lösen, kontrolliert von Dr.Karin Beer (Christine Görner), die sie als Journalistin der „Bravo“ begleitet und für die Jugendzeitschrift berichtet. Doch bevor Bubi mit seinem LKW vor Ort sein kann, hat Lilo schon den ersten "Kavalier der Straße“ organisiert. 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Als Genre tritt der "Tourismusfilm" heute kaum in Erscheinung, da er sich vom Schlagerfilm nur wenig abgrenzte und sich stark an einem Zeitgeist orientierte, der sich vehement wandelte. "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" spiegelte den wachsenden Trend zu mehr Aktionismus und einer freizügigeren Optik wider, auch dank der Zusammenarbeit mit der aufstrebenden Jugendzeitschrift "Bravo", die ein besonders junges Publikum ansprechen wollte. Für ruhige Momente an beschaulichen Orten blieb da keine Zeit mehr. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Lilo organisert den ersten "Kavalier" (Werner Finck)
Gemessen an den nackten Zahlen, gehörte die Urlaubsreise in den europäischen Süden Ende der 50er Jahre noch zu den exklusiven Vergnügungen in Deutschland - 1960 reiste etwa jeder Zehnte über die Alpen - im schnelllebigen Kino galt sie schon als alter Hut. Wie in den artverwandten Genres Heimat- und Schlagerfilm ging der Trend auch im Tourismusfilm zunehmend in Richtung Aktionismus. Es genügte nicht mehr, malerische Küstenorte vor der untergehenden Mittelmeer-Sonne ins Bild zu rücken, sondern es bedurfte einer abwechslungsreichen und zeitgemäßen Story. Das galt doppelt für eine aufstrebende Jugendzeitschrift wie die "Bravo", deren Auflage seit ihrer Premiere 1956 ständig gestiegen war und die in "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" nicht einfaches "Product Placement" betrieb, sondern eng mit der Franz Seitz Filmproduktion zusammenarbeitete.

Dany Mann singt "Weil ich noch jung bin, gefährlich jung bin"
Offensichtlich zu beiderseitigem Vorteil, denn die Besetzung sowohl vor als auch hinter der Kamera sollte ein möglichst breit gefächertes Publikum erreichen. Der Schauspieler Rudolf Schündler, seit 1950 („Der Geigenmacher aus Mittenwald“) auch im Regie-Fach tätig, und die Autorin Ilse Lotz-Dupont („Wetterleuchten um Maria“, 1957) gehörten in den 50er Jahren zu den Aktivposten im Heimatfilm-Genre (siehe "Im Zenit des Wirtschaftswunders - der Heimatfilm der Jahre 1955 bis 1958") und hatten schon mehrfach ihre Anpassungsfähigkeit an den Zeitgeist bewiesen. Anders als in "Das blaue Meer und Du", der im letzten Drittel zu einem bebilderten Reise-Prospekt mit Musik wurde, legten sie gemeinsam mit Co-Autor Franz Marischka ("Liebe, Sommer und Musik", 1956) das Gewicht auf eine turbulente Story mit einer großen Anzahl bekannter Film-Stars wie Renate Ewert, Joachim Fuchsberger, Harald Juhnke und Hans von Bosordy sowie den noch frischen Gesichtern von Christine Görner und Monika Dahlberg. Dazu gesellten sich diverse Show-Acts um die mitspielende Sängerin Dany Mann:

„Weil ich noch jung bin, gefährlich jung bin,
möcht‘ ich küssen, alles wissen, von der Liebe und vom Glück“ 

Lilo gefällt Mercedes-Fahrer Martin (Hans von Bosordy)...
singt sie gleich zu Beginn und gab damit das Motto eines Films vor, in dessen Mittelpunkt verschiedene Varianten der Beziehungsanbahnung stehen. Auch Dany Mann bekam mit dem Sänger Günther Frank einen Partner an die Seite gestellt, aber ihre Rollen als Annabelle und Tommy blieben im Schatten der drei „Haupt-Paare“. Tommy war seiner angebeteten Lilo (Renate Ewert) per Goggomobil an den Comer See gefolgt und Annabelle befand sich als Cousine des reichen Hoteliers Paul Marzez (Joachim Fuchsberger) auf Grund des Bootrennens dort. Dass sie im Handumdrehen ein Paar werden, täuscht nicht darüber hinweg, dass sie wie ihre Musiker-Kollegen Ted Herold, Gus Backus oder das Orchester unter der Leitung von Max Greger ausschließlich für die Untermalung im Film zuständig waren.

...ahnt aber nicht, dass der Wagen seinem Chef Paul Marzez (Joachim Fuchsberger) gehört
Das galt auch für die geographischen Schönheiten im Hintergrund, auf die sich der Film entgegen der Betonung des „blauen Meers“ im Filmtitel nur selten konzentrierte. Stattdessen trieben die Macher das im Tourismusfilm beliebte Motiv des „Reisens per Anhalter“ auf die Spitze. Die zwei Gewinnerinnen eines „Bravo“- Preisausschreibens Lilo und Hansi (Monika Dahlberg) sollen mit einem von der Zeitschrift zur Verfügung gestellten Wohnwagen innerhalb von drei Wochen ans Mittelmeer und wieder zurück nach München reisen – ohne eigenes Zugfahrzeug. Das müssen sie sich per Anhalter organisieren. Damit noch nicht genug. Als Reise-Reporterin wird ihnen Dr. Karin Beer (Christine Görner) an die Seite gestellt, die nicht nur an einer Kolumne für die „Bravo“ arbeitet, sondern noch einige Überraschungs-Aufgaben parat hat, die die beiden jungen Frauen erfüllen müssen, wollen sie am Ende 10000 Mark gewinnen - darunter innerhalb eines Tages 10 Mark verdienen und eine Nacht im Gefängnis verbringen.

Spielchen auf dem Markus-Platz
Mit einer typischen Urlaubsreise hatte das nichts mehr zu tun. Entsprechend schnell wurden auch die touristischen Höhepunkte abgehandelt. Vor dem Anblick der Salzburg gibt Ted Herold einen Rock’n Roll auf einem Camping-Platz zum Besten, der Comer See dient als Ort für ein rasantes Schnellbootrennen und der Campanile am Markus-Platz bildet die pittoreske Kulisse für die abschließende Aufgabe mit „verbundenen Augen über einen verkehrsreichen Platz zu laufen“. Einmal sitzen Lilo und Hansi beim Rotwein auf einer Terrasse einer Osteria am Mittelmeer und betrinken sich aus Liebeskummer. Ein beschaulicher Ort, an dem sich auch viele Italiener aufhalten. Nur die Musik passt nicht dazu. Es erklingt der Schlager „So lange du einen Freund hast“ des österreichischen Vokal-Quartetts „Die blauen Jungs“, schunkelnde Gäste inclusive. Das „Blaue Meer“, Venedig und typische Italien-Vorurteile, wie der rasende Klein-LKW-Fahrer, der sich in den Bergen des Wohnwagens annimmt, bildeten nur den Rahmen, Authentizität war nicht gefragt.

Bubi (Hans Juhnke) macht die Sache mit Hansi klar...
„Mein Schatz komm mit ans blaue Meer“ hätte sich als Potpourri aus Schlager, Urlaubskulisse und einer Handlung ohne Anspruch auf Logik bis heute seinen Unterhaltungswert bewahrt, steckten die erstaunlich vielen weiblichen Hauptrollen nicht so tief in der Klischeekiste. Hansi ist der hausfrauliche Typ und erhält vom selbstbewussten LKW-Fahrer Bubi Hannemann (Harald Juhnke) schon bei der ersten Verabredung einen Heiratsantrag. Allein das sie „Eisbein mit Sauerkraut“ wie seine Mutter kochen kann, beflügelt seine Liebe. Einen Moment reagiert Hansi ob dieser wenig romantischen Argumentation beleidigt, worauf Bubi schnell einen Strauß Rosen ordern will. Doch sie stoppt ihn und begnügt sich mit einer Rose – sie müssten schließlich sparen. Die Kombination aus rustikalem Kraftfahrer und genügsamer, fleißiger Hausfrau ließe sich heute als ironische Überhöhung verstehen, war damals aber als Sympathieträger ernst gemeint.

...und Paul nimmt Dr. Karin Beer (Christine Görner) die Brille ab
Entgegengesetzt steht die flatterhafte Figur der Lilo, deren wichtigstes Kriterium für die Männer-Wahl in deren finanzieller Potenz zu finden ist. Selbstbewusst weiß sie ihre körperlichen Vorzüge ins Licht zu setzen und glaubt, jeden Mann um den Finger wickeln zu können. Natürlich einzig und allein, um den richtigen Ehemann für die zukünftige Vollversorgung sicherzustellen. Ein Anstand, um den sich die Kamera wenig scherte, die die schöne Renate Ewert meist stöckelnd und leicht geschürzt ins rechte Bild rückte. Selbstverständlich durfte Lilos berechnende Strategie nicht aufgehen. In Salzburg lernt sie den feschen Martin (Hans von Bosordy) kennen, der ihr mit seinem Mercedes-Cabriolet imponiert. Dass er nur der Mechaniker seines Chefs Marzez ist, verrät er ihr (noch) nicht. Der reiche Hotelier interessiert sich dagegen für die studierte Dr.Karin Beer, die hier für den berufstätigen, früh-emanzipierten Frauentyp steht, der seine weibliche Seite freudlos unterdrückt. Ein Fall für „Blacky“ Fuchsberger, der erst einmal dafür sorgt, dass sie ihre Brille abnimmt und ihre schönen Augen hervorkommen. Der Rest läuft dann von allein.

Nimmt man noch die ständig plappernde Annabelle hinzu, die gar nicht versteht, warum sie ihr Cousin stoppen will, ist das Frauenquartett an Vorurteilen komplett, ohne dass der Film diese Charakteristika besonders schwer nahm. Typischer Komödienstoff der späten 50er Jahre, der die beliebten Klischees ungeniert bediente. Am Ende kommen alle vier Damen unter die Haube und feiern den Gewinn von 10tsd Mark mit ihren zukünftigen Männern gemeinsam auf der „Bravo“-Bühne. Mit der „gefährlichen Jugend“ war es damit natürlich vorbei. 


"Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" Deutschland 1959, Regie: Rudolf SchündlerDrehbuch: Ilse Lotz-Dupont, Franz MarischkaDarsteller : Joachim Fuchsberger, Christine Görner, Harald Juhnke, Monika Dahlberg, Hans von Bosordy, Renate Ewert, Dany Mann, Werner Finck, Gus Backus, Ted Herold, Ady Berber, Laufzeit : 93 Minuten

Sonntag, 27. November 2016

Verdammt die jungen Sünder nicht (Morgen beginnt das Leben, 1961) Hermann Leitner

Dr. Behrmann (Josef Kastrel) bemüht sich um die junge Mutter (Cordula Trantow)
Inhalt: Die Schreie ihres neugeborenen Babys können Silvia (Cordula Trantow) kein Lächeln ins Gesicht zaubern, denn die 17jährige hatte es nicht gewollt. Aus einem ärmlichen Elternhaus stammend, der Vater schon lange abgehauen, hatte sie versucht mit einer guten Ausbildung diesem Teufelskreis zu entkommen. Doch dann wurde sie schwanger und der Kindsvater verließ sie. Jetzt befindet sie sich in einer Abteilung für junge unverheiratete Mütter, die von Dr. Behrmann (Josef Kastrel) geleitet wird, der sich für seine Patientinnen einsetzt. Er möchte Silvia die Freude am eigenen Kind vermitteln, aber sie tut sich schwer. 

Ruth (Corny Collins) findet Freds (Michael Heltau) Cabrio cool
Ganz anders verläuft dagegen das Leben der Gymnasiastin Ruth (Corny Collins), die wohlbehütet aufwächst. Ihre Eltern Oskar (Werner Hinz) und Vera (Magda Schneider) sehen es zwar nicht gern, wie freizügig sich ihre Tochter anzieht und mehr Party als Schule im Kopf hat, aber sie wollen ihr auch Freiheiten lassen. Nachdem Ruth betrunken und ohne Führerschein einen Autounfall mit dem Wagen eines Freundes verursacht hatte, ändert sich ihre Strategie. Besonders ihr Vater hält es für notwendig, die Zügel anzuspannen, was Ruth aber nur noch tiefer in einen Kreis von Gaunern hineintreibt, die ihr Geld mit Autodiebstählen und Sex-Fotos verdienen… 


Pitt (Rainer Brandt) und Fred haben neue Objekte im Blick:
Regisseur Hermann Leitner, Jahrgang 1927, war Mitte 30 als er nach 1962 begann, nur noch für das Fernsehen zu arbeiten - nicht nur gemessen am Durchschnittsalter von Regisseuren noch ein junger Mann. Trotzdem hatte er zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zehn Kinofilm in einer Art Querschnitt des populären Kinos in der BRD der späten 50er Jahre abgedreht: Heimatfilm ("Pulverschnee nach Übersee", 1956), Kriminalkomödie ("Lilli - ein Mädchen aus der Großstadt", 1958) und Musik-/Tourismusfilm ("Glück und Liebe in Monaco", 1959). Sogar ins exotisch, abenteuerliche Fach hatte er sich mit der Fortsetzung von "Liane, das Mädchen aus dem Urwald" (1956) gewagt. "Liane: die weiße Sklavin" (1957) wurde ebenso ein Erfolg an der Kinokasse wie seine anderen, meist kunterbunten Unterhaltungsfilme. 

Gymnasiastinnen - Ruth und ihre Klassenkameradin Eva (Getraud Jesserer)
Umso mehr fallen die drei Film-Dramen aus dem Rahmen, mit denen Hermann Leitner Anfang der 60er Jahre seine Kino-Karriere beendete, sieht man von dem Heimatfilm „Heimweh nach dir, mein grünes Tal“ (1961) einmal ab (bei der Veröffentlichung von „Liane, die Tochter des Dschungels“ im selben Jahr handelte es sich um einen Zusammenschnitt der beiden 50er Jahre Filme). Wartete der erste dieser drei Filme "Wegen Verführung Minderjähriger" (1960) noch mit einem veritablen Kino-Star auf - Hans Söhnker - und integrierte Elemente des damals populären Schlagerfilms, nahm dessen Nachfolger den trockenen Charakter eines Schul-Lehrfilms an. „Verdammt die jungen Sünder nicht“, der in Leitners Heimatland Österreich gleichzeitig unter dem Titel „Morgen fängt das Leben an“ herauskam, erzählt die Geschichte zweier 17jähriger Mädchen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, begleitet von den analytischen Betrachtungen eines allgegenwärtig scheinenden Arztes.

Dr. Behrmanns Ratschläge beginnen zu fruchten...
Neben diesem existieren einige weitere Berührungspunkte im Leben der beiden jungen Frauen. Gegen Ende des Films landen sie sogar in derselben Schlafunterkunft im städtischen Fürsorgeheim, ohne sich näher kennenzulernen. Das war auch nicht beabsichtigt, denn ihr jeweiliger Entwicklungsprozess sollte exakt entgegengesetzt verlaufen und sowohl Gefahren wie Chancen vermitteln – ganz gemäß dem deutschen Verleihtitel „Verdammt die jungen Sünder nicht“. Als „Sünderin“ taucht gleich in der ersten Einstellung Silvia Reimers (Cordula Trantow) auf, die gerade ihr Kind zur Welt bringt. Unehelich natürlich, vom Vater keine Spur. Ein Fall für das Jugendamt, das sich der jungen Frau verständnisvoll annimmt. Dr. Behrmann (Josef Kastrel) weiß zwar von Silvias schwieriger Herkunft - ihre arbeitslose Mutter (Gaby Banschenbach) hatte gerade selbst erst ein Kind von ihrem Liebhaber bekommen - aber er gibt die Hoffnung nicht auf, dass aus dem grundanständigen Mädchen noch etwas werden kann.

...und Silvia nimmt sich zunehmend ihres Kindes an
Schon die Besetzung dieser Rolle mit der damals 18jährigen Cordula Trantow gab die Richtung vor, denn sie hatte in "Wegen Verführung Minderjähriger" die brave Teenager-Tochter eines Lehrer-Ehepaars gespielt, die noch ohne die frühreife Attitüde ihrer von Marisa Mell verkörperten Klassenkameradin auftrat. Fast ist man geneigt, zu hinterfragen, wie sie schwanger werden konnte, so bescheiden und sexuell zurückhaltend sie hier erneut spielte. Nicht überraschend beginnt sich Silvia langsam an ihren kleinen Sohn zu gewöhnen, den sie zu Beginn noch zur Adoption freigeben wollte, und macht sich auch auf die Suche nach dem Kindsvater, der sie verlassen hatte. Es ist Hermann Leitner, der diesmal auch am Drehbuch mitwirkte, zugute zu halten, dass er auch die Schwierigkeiten dieses Prozesses einbezog, aber das lässt nicht die Idealisierung eines „gefallenen Mädchens“ übersehen, dass hier als unrealistisches Beispiel für eine gelungene Resozialisierung herhalten musste.

Ihre Tochter bereitet ihnen Sorgen (Werner Hinz und Magda Schneider)
Das verlieh dem Film einen verständnisvollen Habitus, der die gewünschte pädagogische Wirkung unterstützen sollte. Eine übliche Strategie im „Moral-Film“ der späten 50er/frühen 60er Jahre, der der vom Absturz bedrohten Figur immer ein positives Beispiel gegenüberstellte. Als „gefährdet“ gilt hier Ruth Jüttner, gespielt von der inzwischen schon 27jährigen Corny Collins, seit Jahren eine feste Größe im so genannten „Halbstarken-Film“ ("Schmutziger Engel" (1958)). Leitners Intention wird an der Gestaltung des sozialen Umfelds deutlich, in dem die Gymnasiastin Ruth aufwächst. Eine Art Vorzeigefamilie in der BRD, Anfang der 60er Jahre: Vater (Werner Hinz), gut verdienender Angestellter, streng und gerecht, Mutter (Magda Schneider, hier in ihrer letzten Kinorolle zu sehen), Hausfrau, ausgleichend und nachsichtig, gepflegte Wohnung, geordnete Verhältnisse.

Ruth landet auf der Polizeiwache
Und selbstverständlich kümmern sie sich um ihre kecke Tochter und versuchen ihr die Flausen auszutreiben. Als Ruth eifersüchtig, weil sich der von ihr bevorzugte Kerl um eine Andere kümmert, mit dessen VW Käfer losfährt - betrunken und ohne Führerschein - landet sie schnell am nächsten Laternenpfahl. Für die teure Reparatur will Vater Oskar sie in die Pflicht nehmen, damit sie die Folgen ihres Fehlverhaltens spürt. Eine nachvollziehbare pädagogische Maßnahme, die bei Ruth aber nicht fruchtet. Anstatt ihren Stubenarrest abzusitzen, haut sie heimlich ab, um in einer stadtbekannten Bar selbst Geld für die Reparatur zu verdienen. Ganz harmlos natürlich, wie ihr Fred (Michael Heltau) versichert. Ein Typ mit Sportwagen, der bei Ruth sehr gut ankommt, und gemeinsam mit seinem Freund Pitt (Rainer Brandt) in Leitners Film als Sündenbock herhalten muss. Für Heltau ("Schloss Hubertus", 1954) ein eher untypisches Rollenfach, aber Rainer Brandt war früh auf den verschlagenen Mädchenverführer festgelegt. Hier betätigte er sich mit Autoschiebereien und als Fotograf von Nackt-Aufnahmen. Einen Job, den er in seiner Rolle in "Straßenbekanntschaften auf St.Pauli" (1968) wiederholte.

Vater Oskar Jüttner erweist sich als beratungsresistent und setzt auf Härte
Die Botschaft dahinter war klar. Da konnte das Elternhaus noch so seriös sein – gegen die Versuchungen von Sex und Materialismus half bei schweren Fällen wie Ruth nur professionelle Hilfe. Doch anstatt auf die pädagogischen Ratschläge des Doktors einzugehen, der der unverheirateten Mutter Silvia den Weg in Richtung eines geordneten Lebens weisen konnte, setzt Vater Oskar nur auf mehr Strenge und bringt seine Tochter damit auf direkten Weg ins staatliche Fürsorgeheim, aus dem sie bei erster Gelegenheit wieder ausbricht. Der tiefe Fall der Ruth wurde in „Verdammt die jungen Sünder nicht“ genauso zugespitzt wie die Resozialisierung Silvias. Ein Hinterfragen ihrer Situation, basierend auf ihrer bürgerlichen Erziehung, findet bei Ruth nicht einmal ansatzweise statt. Selbst als ihre Klassenkameradin Eva (Gertraud Jesserer) davor zurückscheut, mit ihr zu Pitt und Fred in ein Haus zu gehen, wo diese angeblich Modefotos von ihnen machen wollen, weckt das kein Misstrauen bei ihr.

Ruth lässt sich von Pitt und Fred zu gewagten Aufnahmen überreden
Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wieso ein junger Regisseur wie Hermann Leitner, nur wenig älter als die handelnden Personen in seinem Film, einen solch konservativen Standpunkt einnehmen konnte? – Ein täuschender Eindruck, denn Leitner nahm den Titel seines Films ernst. Zwar stellte er die vorherrschenden pädagogischen Ansichten nicht in Frage und gab – wie im „Moral-Film“ üblich – der sich verändernden Sozialisation nach dem Krieg die Schuld an der Verführung der Jugend, aber er ließ seine Protagonistinnen nicht fallen. Ein Mann wie Dr. Behrmann, so professoral und altbacken sich sein Verständnis für die Situation der Mädchen heute anhören mag, dachte für die damalige Zeit tolerant. Leitners im Stil einer technischen Versuchsanordnung angelegtes Drehbuch war entsprechend notwendig. Nur mit einer klaren Ausrichtung – hier das gefallene, aber grundanständige Mädchen, dort die in Versuchung geratene junge Frau aus gutem Elternhaus – ließ sich Verständnis beim Publikum aufbauen.

Bei Gerda (Chris van Loosen) ist das nicht mehr notwendig
Ob der Film die angestrebte Wirkung erzielte, ist fraglich, denn Leitner, der mit "Liane: die weiße Sklavin" (1957) schon früh ein einschlägiges Werk mit erotischem Subtext abgeliefert hatte, nutzte den angeprangerten gesellschaftlichen Verfall gleichzeitig als Attraktion. Ein im moralisch konnotierten Problemfilm dieser Phase gewohntes Bild, das den Weg in Richtung Sex-Film in der BRD bereitete, der in seinen Anfängen noch vielfach den pädagogischen Zeigefinger einsetzte ("Sünde mit Rabatt", 1968). Allein die Gewichtung in Richtung optischer Freizügigkeit änderte sich. Doch auch in „Verdammt die jungen Sünder nicht“ besitzen die Szenen um Fred und Pitt schon den höchsten Unterhaltungswert. Zuerst gehört noch Walter (Walter Wilz) dazu, der ihnen die geklauten Autos neu lackiert, aber bei ihm handelt es sich um Silvias Ex-Freund und Vater ihres Kindes, wie sich später herausstellt, weshalb ihm die Läuterung zugestanden wird. Gerda (Chris van Loosen), blonder Mittelpunkt der erotischen Aufnahmen und sexuell aktiv, wurde dieser Prozess dagegen nicht mehr zugetraut, obwohl sie sich eine ernsthafte Beziehung mit Walter wünscht. Soweit ging das Verständnis nun doch nicht. 

"Verdammt die jungen Sünder nicht" Österreich 1961, Regie: Hermann Leitner, Drehbuch: Hermann Leitner, August Rieger, Wolfgang Schnitzler, Darsteller : Corny Collins, Cordula Trantow, Werner Hinz, Magda Schneider, Josef Krastel, Chris van Loosen, Rainer Brandt, Michael Heltau, Gertraud Jesserer, Walter WilzLaufzeit : 81 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Hermann Leitner:

 "Wegen Verführung Minderjähriger" (1961)

Sonntag, 20. November 2016

Das blaue Meer und Du (1959) Thomas Engel


Direktor Heidebrink (Hans Nielsen) lässt sich von Helga (Karin Dor) überreden...
Inhalt: Eigentlich wollte Dr. Fred Bürkner (Fred Bertelsmann) seinem Chef Heidebrink (Hans Nielsen) nur seine neueste Erfindung, eine Selbstbewusstseins-Pille, vorstellen, aber dieser hat andere Pläne mit ihm vor. Seine Tochter Helga (Karin Dor) und deren französische Freundin Suzy (Renate Ewert) hatten ihm gerade offeriert, nur per Anhalter an die jugoslawische Küste reisen zu wollen, wo sie einen Archäologie-Professor besuchen wollen. Für den sorgenden Vater Heidebrink eine Horror-Vorstellung, weshalb er den braven Fred zum Aufpasser der Mädchen ernennt. Dieser scheint ihm besonders geeignet, da er nicht zu bemerken scheint, dass ihm alle Frauen-Herzen in der Firma zufliegen.

...und Fred (Fred Bertelmann) soll es wieder richten
Der Plan scheint einfach. Fred fährt zu einem verabredeten Ort, wo Heidebrink seine Tochter und deren Freundin an der Straße aussteigen lässt, und nimmt sie mit. Zufällig hat er dasselbe Ziel. Doch ein anderer Fahrer kommt ihm zuvor, der nur zu gerne die hübschen jungen Frauen mitnimmt und Fred muss sehen, dass er ihnen auf den Fersen bleibt.






"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Thomas Engels Film "Das blaue Meer und Du" war nach "Der lachende Vagabund" (1958) sein zweiter Film mit dem in den 50er Jahren erfolgreichen Sänger und Schauspieler Fred Bertelmann. Beide Filme, in denen Bertelmann als polyglotter Deutscher der Reiselust quasi voranschritt, wurden zu "Tourismusfilmen" in Reinkultur. Als Genre tritt der "Tourismusfilm" heute kaum in Erscheinung, da er sich vom Schlagerfilm nur wenig abgrenzte und sich stark an einem Zeitgeist orientierte, der sich vehement wandelte. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 

"Denk ich an Capri, dann denk ich auch an Tina, sie liebte einen Lord,
aber als sie mich sah, die schöne Signorina, lief sie ihm gleich fort, lief sie ihm gleich fort."

Fred Bertelmann als deutscher Tourist in "Der lachende Vagabund" (1958)
sang Fred Bertelmann in seinem Nummer 1-Hit von 1957 "Der lachende Vagabund“, auf dessen Basis auch der gleichnamige Film unter der Regie von Thomas Engel 1958 herauskam. Die Inszenierung dieses Lieds gleich in der ersten Szene des Films, sagt viel aus über das Männerbild der späten 50er Jahre. Mit einem großen Fotoapparat um den Hals, die Füße in Socken und Sandalen, schmetterte der Frauenschwarm das Lied vor der malerischen Kulisse eines Ortes an der jugoslawischen Adria-Küste. Ein Bild von einem deutschen Touristen, das der Betrachter vor Augen haben sollte, um die Charakterisierung des Hauptdarstellers in "Das blaue Meer und du" nachvollziehen zu können, der ein Jahr später unter der Leitung des nahezu identischen Kreativ-Teams entstand.

Bei den Anfangs-Credits noch mit einer anderen Blondine an der Seite...
Neben Regisseur Engel waren die Drehbuchautoren Fritz Böttger und Per Schwenzen, Kameramann Hans Hölscher und Produzent Willi Seyn erneut mit an Bord, diesmal unterstützt von Arthur Brauner. Zudem gab Hans Nielsen wieder einen Generaldirektor und Ursula Herking seine weibliche Begleitung. Doch anders als im "lachenden Vagabund" spielte Fred Bertelmann hier zu Beginn keinen Frauenhelden, sondern einen schüchternen Wissenschaftler, der mit einer Pille experimentiert, die Selbstbewusstsein verleihen soll. Nötig hätte er sie nicht, denn alle Frauen in der Fabrik von Generaldirektor Heidebrink (Hans Nielsen) sind Fred verfallen, der ihre schmachtenden Blicke und eindeutigen Angebote aber nicht wahrnimmt. Warum der Mann so gut bei den Frauen ankam? - Siehe oben.

...gilt Freds Aufmerksamkeit bald nur noch Helga
Doch selbst mit diesen Vorkenntnissen fällt der Zugang zu „Das blaue Meer und du“ nicht leicht, denn der Film wurde ganz auf einen Star zugeschnitten, dessen Film- und Sänger-Karriere Anfang der 60er Jahre schon beendet war und der auch im aufkommenden TV-Zeitalter kaum noch eine Rolle spielte. Im Gegensatz zur damals 21jährigen, ausnahmsweise einmal erblondeten Karin Dor, die in den 60er Jahren zum Kino-Star aufstieg, hier dem männlichen Helden aber noch als williges Love-Interest diente. An ihrer Seite stand mit der früh verstorbenen Renate Ewert eine weitere Schönheit, die sich für Chris Howland erwärmen sollte, der als einziger Solist neben dem Star gesanglich in Erscheinung treten durfte. Lieber gab Bertelmann allein den Titelsong viermal zum Besten.

 Helga landet mit Freundin Suzy (Renate Ewert) zuerst im falschen Auto
Diese Konzentration auf einen Star war im Schlagerfilm der späten 50er Jahre keineswegs unüblich, weshalb sich der Vergleich zu Peter Alexander aufdrängt und damit die Frage, warum dessen Popularität über Jahrzehnte andauerte und seine Filme heute noch beliebt sind? – Die Antwort darauf ist einfach. Alexander nahm sich selbst nicht allzu ernst. Im Gegensatz zu Bertelmann, dessen Versuch in „Das blaue Meer und du“ zu Beginn einen weltfremden Wissenschaftler zu mimen, krachend scheiterte. Daran änderte auch die Selbstbewusstseins-Pille nichts, die dem Ganzen einen ironischen Beigeschmack verleihen sollte. Ob mit oder ohne Pille – Dr. Fred Bürkner (Fred Bertelmann) blieb immer Herr der Lage.

Doch bald gibt es Anhalter-Romantik pur
Offensichtlich diente diese Vorgeschichte nur dazu, zu begründen, warum Direktor Heidebrink ausgerechnet ihn damit beauftragt, auf Tochter Helga (Karin Dor) aufzupassen, die sich partout nicht davon abbringen ließ, mit ihrer französischen Freundin Suzy (Renate Ewert mit falschem französischen Akzent) von Berlin per Anhalter an die jugoslawische Adria-Küste zu fahren. Schließlich schien der brave Mann gegenüber Frauen resistent zu sein. Da stellt sich nur die Frage, warum er in einem schicken, immer offenen Cabriolet statt mit einer braven Familienkutsche unterwegs ist? – So viel Coolness musste bei Bertelmann offensichtlich sein. Mit den Schüchternheitsanfällen, die Peter Alexander sehr überzeugend spielen konnte, hatte das nichts zu tun. Auch nicht als die beiden jungen Damen nach einigen Verwirrungen endlich neben ihm auf der Vorderbank Platz genommen hatten. Klar, dass sich Helga sofort in Fred verliebt.

Die ersten touristischen Ziele tauchen auf....
Das im Tourismus-Film beliebte Motiv, per Anhalter zu reisen, hatte in „Das blaue Meer und du“ seinen ursprünglichen Zweck verloren. Keine knappen Finanzen führten mehr zu der Wahl dieses Mittels wie in "Unter Palmen am blauen Meer" (1957), sondern allein die Abenteuerlust zweier junger Damen aus reichem Hause. Der moralische Zeigefinger ließ nicht lange auf sich warten. Erst geraten Helga und Suzy an einen geifernden Handlungsreisenden, dann an einen LKW-Fahrer, der ihnen die Leviten liest. Die pädagogische Wirkung verpuffte bei den beiden höheren Töchtern, da Fred in die Rolle des anständigen Autofahrers schlüpfte und ordentlich Anhalter-Romantik verbreitete, aber bei den Zuschauern, die den Trick kannten, sollte sie ankommen.

...und mit Christopher (Chris Howland) ein Mann für Suzy
Dank der ausführlichen Wegschilderung werden erst nach einer guten halben Stunde touristische Ziele sichtbar, dann aber gleich mit einem Aha-Effekt: die berühmte Brücke von Mostar, von wo aus die beiden jungen Frauen weiter an der Adria-Küste entlang zu Professor Petrovic fahren wollen, dem eigentlichen Ziel ihrer Reise. Gut, dass Fred zufällig denselben Weg hat. Weniger überzeugend ist die Drehbuch-Wendung, dass besagter Professor gerade zu einem Termin nach Dubrovnik fahren muss, obwohl er seine Gäste erwartet. Diese Gelegenheit nutzt sein Nachbar Christopher Greenwood (Chris Howland), um sich stattdessen als Archäologie-Gelehrter auszugeben, denn er hatte ein Bild von Suzy gesehen und hofft so, sie näher kennenzulernen. Dass beide Männer gegenüber den Frauen noch in Erklärungsnot geraten werden, ist da schon abzusehen, aber ein wenig Drama sollte noch in die Ferienidylle einziehen.

Der Urlaub kann beginnen
Anders als in "Unter Palmen am blauen Meer", der vor dem Hintergrund eines kleinen idyllischen Orts am Mittelmeer in Italien spielte, durfte Jugoslawien in „Das blaue Meer und du“ seine touristische Vielfalt ausspielen. Neben Sehenswürdigkeiten und Meeresblick sollten Bootsfahrten, Strandleben, Folklore-Veranstaltungen, Restaurants und Tanzabende bei Live-Musik (zur wenig jugoslawischen Musik der Nilsen-Brothers) Urlaubs-Feeling vermitteln. Eine Kulisse, vor der sich die zwei Paare schnell näher kommen. Auch Direktor Heidebrink und seine in ihn verliebte Chef-Sekretärin (Ursula Herking) fliegen aus Sorge noch hinterher – sie hatten von Fred ein paar Tage nichts gehört – um vor Ort dann ebenfalls in den Urlaubs-Modus zu verfallen.

Besuch in Dubrovnik inclusive
„Das blaue Meer und du“ wurde ein Tourismusfilm par excellence. Alltägliche Dinge oder reale Anlässe verschwanden zunehmend aus dem Fokus. Weder die zu Beginn eingeführte „Selbstbewusstseins-Pille“ (Fred schmeißt sie irgendwann weg, gebraucht hatte er sie sowieso nicht), noch der eigentliche Anlass für den Aufenthalt in Jugoslawien – der Besuch des Archäologie-Professors zwecks Weiterbildung – waren noch von Bedeutung. Selbst die Bedenken des Vaters hinsichtlich der Gefahren, die auf junge Mädchen auf einer solchen Reise lauern, hatten sich in Luft auf gelöst. Dabei passierte genau das, wovor er sich gefürchtet hatte: ein paar Kerle machten sich an seine Tochter und deren Freundin heran. Doch schließlich handelte es sich bei diesen um die männlichen Stars des Films - der „reale“ Hintergrund ihrer Rollen war da schon vergessen. Chris Howland wurde gar nicht erst einer angedichtet.

Das galt auch für die sonst im deutschen Unterhaltungsfilm gewohnten Happy-End-Zutaten. Mindestens eine angekündigte Hochzeit war zu erwarten, um die verliebten Blicke und sanften Küsse zu legitimieren. Darauf verzichtete „Das blaue Meer und du“ konsequent und endete wie er bei den Credits begonnen hatte – Fred Bertelmann singend vor traumhafter Kulisse mit einer Blondine an seiner Seite. Weitere Abwechslung in Zukunft nicht ausgeschlossen. 


 

"Das blaue Meer und Du" Deutschland 1959, Regie: Thomas EngelDrehbuch: Fritz Böttger, Per Schwenzen, Fred IgnorDarsteller : Fred Bertelmann, Karin Dor, Renate Ewert, Hans Nielsen, Ursula Herking, Chris HowlandLaufzeit : 88 Minuten