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Mittwoch, 14. August 2013

Die Zürcher Verlobung (1957) Helmut Käutner

Inhalt: Die bisher wenig erfolgreiche Schriftstellerin Juliane Thomas (Lieselotte Pulver) beendet enttäuscht die Beziehung mit ihrem untreuen Freund Jürgen Kolbe (Wolfgang Lukschy) und fährt nach Berlin zu ihrem Onkel Dr.Julius Weyer (Werner Finck), einem Zahnarzt, um die Angelegenheit zu verdauen. Damit sie auf andere Gedanken kommt, dient sie sich als Zahnarzthelferin an, zeigt dabei aber nur wenig Engagement. Das ändert sich, als mit Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid) ein attraktiver Mann im Wartezimmer erscheint, der seinen Freund Paul Frank (Bernhard Wicki) begleitet, den die Zahnschmerzen zum Arzt trieben. Obwohl schon mit Alkohol beruhigt, erweist sich Frank wenig souverän im Patientenstuhl, während dessen Freund Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, weshalb sich Juliane Hals über Kopf in ihn verliebt.

Wieder zu Hause in Hamburg, nimmt sie dieses Erlebnis zum Anlass, ein Drehbuch zu schreiben. Den ungehobelten Paul Frank nennt sie darin „Büffel“ und aus ihrer Begegnung mit Dr. Berner lässt sie eine Liebesgeschichte entstehen - selbstverständlich mit Happy-End. Zu ihrer Überraschung wird ihr Drehbuch angenommen und sie soll bei dem Regisseur vorsprechen, bei dem es sich ausgerechnet um den besagten „Büffel“ handelt…


"Die Zürcher Verlobung" gehört zu den unverwüstlichen Komödien des Fernsehzeitalters, die meist an irgendwelchen Sonntagnachmittagen wiederholt werden, was der Reputation nicht unbedingt dienlich war. Dabei drehte Regisseur Helmut Käutner nach seinem Erfolg mit der Zuckmayer-Verfilmung „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) im Jahr darauf neben „Monpti“ noch eine zweite Komödie, die neben ihrem intelligenten, charmanten und witzigen Drehbuch nach dem Roman von Barbara Noack noch eine weitere, Mitte der 50er Jahre im deutschen Film, seltene Eigenschaft aufwies – sie befand sich auf der Höhe der Zeit, oder genauer, war ihr vielleicht sogar ein wenig voraus. Selten beschäftigte sich ein humorvoll angelegter Film dieser Phase so unmittelbar mit der bundesrepublikanischen Gegenwart und wurde zudem von Käutner, obwohl die Handlung unter Filmprominenz und Besserverdienenden angelegt ist, gleichzeitig selbstironisch und ohne kitschige Peinlichkeiten inszeniert.

Neben Liselotte Pulver, die zwischen den Kurt Hoffmann Filmen „Heute heiratet mein Mann“ (1956) und „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1957) erstmals mit Helmut Käutner zusammen arbeitete, wählte er nicht zufällig Bernhard Wicki für die Rolle des Regisseurs Paul Frank aus, dessen im Film vertretene Meinung viel über Käutners eigene Haltung verrät. Wicki hatte nicht nur in „Die letzte Brücke“ (1954) unter ihm seine erste Hauptrolle gespielt, er ging noch im selben Jahr bei den Dreharbeiten zu „Monpti“ als Assistent bei ihm in die Lehre, bevor er selbst mit „Die Brücke“ (1959) als Regisseur reüssierte – entsprechend viel Persönliches wird in „Zürcher Verlobung“ spürbar, von Käutner noch auf die Spitze getrieben, indem er selbst in einem Cameo-Auftritt als Journalist äußert, er fände es nicht gut, wenn ein Regisseur in seinem eigenen Film mitspielt. Auch Sonja Ziemann tritt als sie selbst auf und spielt darin mit ihrem Image, nicht die talentierteste zu sein.

Dieser hintergründige, selbstironische Humor zeichnet den gesamten Film aus, der nach außen hin eine scheinbar normale Liebesgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht Juliane Thomas (Liselotte Pulver), die in einem großen 50er Jahre - Wohnblock in Hamburg lebt. Zu Beginn sieht man sie enttäuscht Reliquien einer vergangenen Liebes-Affäre verbrennen, um dann - um Abstand zu gewinnen - nach Berlin zu ihrem Onkel, dem Zahnarzt Dr.Julius Weyer (Werner Finck), zu fahren, der sie mit den freundlichen Worten empfängt, wann endlich eine ihrer Beziehungen klappt und sie einen ordentlichen Job findet. Finck wiederholte damit seine Rolle als Zahnarzt in „Heute heiratet mein Mann“, in dem Liselotte Pulver ebenfalls eine selbstbewusste, junge Frau spielte, allerdings noch nicht mit der Konsequenz wie in „Die Zürcher Verlobung“. Die Szene, in der sich Lieselotte Pulver in knappem Negligé über ihren ins Nebenzimmer ausgelagerten Ex (Wolfgang Lukschy) beugt, um die Schallplatte auszumachen, während er versucht, sie zu sich ins Bett zu ziehen, erzählt eine andere Geschichte als im konservativ geprägten Heimatfilm oder moralisch genormten Komödien dieser Zeit – Sex vor der Ehe ist hier genauso selbstverständlich wie unsichere Arbeitsverhältnisse.

Ihre Erlebnisse als Zahnarzthelferin bei ihrem Onkel, hatte die selbstbewusste Juliane in einem Drehbuch umgesetzt, welches sie an diverse Produktionsgesellschaften geschickt hatte. Im Mittelpunkt ihrer Story stehen zwei Männer – Einer, den sie "Büffel" nennt, da er einen besonders unfreundlichen und gleichzeitig feigen Eindruck hinterließ, als er auf denkbar unvorteilhafteste Weise auf dem Zahnarztstuhl randalierte, und im Gegensatz dazu, dessen Freund und Begleiter Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid), einem attraktiven Schweizer Arzt, in den sich die junge Frau sofort verliebt, weshalb sie aus dieser Begegnung eine romantische Liebesgeschichte entwickelte. Ihre Freude, als ihr Drehbuch angenommen wird, ist zuerst sehr groß, trübt sich aber, als sie sich bei dem Regisseur des geplanten Films vorstellt, bei dem es sich um Niemand Anderen als den von ihr beschriebenen "Büffel" handelt. Paul Frank (Bernhard Wicki), der sich gut getroffen findet, gefällt das Drehbuch gerade deshalb, hält aber die Liebesgeschichte für unrealistisch und kitschig – besonders das typische Happy-End lehnt er ab.

Von ihm darauf angesprochen, ob sie selbst in seinen Freund verliebt wäre, widerspricht Juliane diesem Verdacht und erfindet in ihrer Erklärungsnot einen anderen Mann, mit dem sie sich demnächst in Zürich verloben würde. Die Titel gebende „Zürcher Verlobung" ist entsprechend eine Fälschung, die der Film zum Anlass für eine Vielzahl an Diskussionen nimmt, die bis heute aktuell geblieben sind. Allein die Frage, ob sich die Story nach dem Willen des Publikums richten soll oder künstlerische Gesichtspunkte wichtiger sind, wird wiederholt aufgeworfen. Beide Haltungen gelten nicht als vereinbar und geben die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Film wider – während der Produzent von Julianes Liebesgeschichte sehr angetan ist und schon die Begeisterung des Publikums vor Augen hat, lässt Regisseur Paul Frank ständig das Drehbuch ändern, um die Story authentischer und realistischer werden zu lassen.

Trotz dieser Thematik blieb Käutner in „Die Zürcher Verlobung" schwerelos und siedelte die Handlung, deren Liebesgeschichte sich unerwartet und untypisch entwickelt, vor den verschneiten Berge um St.Moritz an. Und bewies damit, dass auch deutsche Komödien der 50er Jahre geistreich, witzig und modern wirken konnten.

"Die Zürcher Verlobung" Deutschland 1944, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Heinz Pauck, Barbara Noack (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Bernhard Wicki, Paul Hubschmid, Rudolf Platte, Wolfgang Lukschy, Werner Finck, Maria Sebaldt, Sonja Ziemann, Laufzeit : 103 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner:

Montag, 12. August 2013

Playgirl (1966) Will Tremper

Inhalt: Alexandra Borowski (Eva Renzi) ist ein sehr hübsches Model, das ihre große Attraktivität beim männlichen Geschlecht auch privat nutzt. Gewohnt begehrt zu werden, verfügt sie über eine Vielzahl von Bewunderern, deren Einfluss ihre Karriere fördern soll.

Als sie beruflich nach Berlin kommt, weiß sie schon genau, an wen sie sich richten muss - an den Baulöwen Steigewald (Paul Hubschmied), mit dem sie früher eine Affäre hatte. Dieser scheint aber wenig begeistert zu sein, weshalb er selbst nie erreichbar ist, sondern jedes Mal seinen Mitarbeiter Siegbert Lahner (Harald Leibniz) vorschickt. Dieser verliebt sich sofort in Alexandra und auch sie verliert langsam die Kontrolle über ihre eigene Vorgehensweise...


Will Tremper gehörte zu den wenigen deutschen Drehbuchautoren und Regisseuren, die schon in den 50er Jahren Genre-Beiträge zu kontroversen Themen schrieben und später auch drehten, was damals für erhebliches Aufsehen sorgte. Als Autor war er erstmals an „Die Halbstarken“ (1956) beteiligt, einem Film über die angeblichen Gefahren durch die aufbegehrende Jugend während der Rock’n Roll-Ära, gefolgt von einer Zusammenarbeit mit Regisseur Frank Wisbar in „Nasser Asphalt“ (1958) über den Sensations-Journalismus. Seine erste Regie, der nur noch vier weitere bis 1970 („Mir hat es immer Spaß gemacht“) folgen sollten, führte er in „Flucht nach Berlin“ (1961). Sein vorletzter Film „Playgirl“ provozierte 1966 das „vor  68er Deutschland“ mit einer Thematik, die heute nicht weniger zeitgemäß ist, weshalb es überrascht, dass Will Tremper und seine Filme inzwischen fast unbekannt sind.

Einer der Gründe dafür lag in Trempers unverhohlener Nähe zum Trivialen. Seine Filme analysierten das damalige Deutschland weder intellektuell, noch begab er sich auf das Feld des harmlosen Kabaretts wie in „Herrliche Zeiten im Spessart“ (1967), sondern er dokumentierte die damalige Gegenwart an Hand von Autos, Klamotten, Hits und Prominenten und lässt die Menschen sprechen, wie ihnen das Maul gewachsen ist, was dem Film eine erfrischende Vulgarität verleiht. Politische Ereignisse spielten für das entsprechende Zeitgefühl dagegen nur eine untergeordnete Rolle, was „Playgirl“ authentisch wirken lässt, obwohl die Story unter den so genannten „Schönen und Reichen“ spielt – und denen, die dazu gehören wollen.

Zwar kommt Alexandra Borowski (Eva Renzi) das erste Mal nach Berlin, aber sie ist schon länger ein erfolgreiches Fotomodell und hat viele Kontakte. In Berlin will sie den reichen Baulöwen Joachim Steigewald (Paul Hubschmied) wieder treffen, mit dem sie früher eine Affäre hatte. Doch der lässt sie von seinem Mitarbeiter Siegbert Lahner (Harald Leibniz) mit der vorgeschobenen Behauptung abfangen, er wäre auf Dienstreise. Stattdessen kümmert sich Lahner persönlich um die schöne Alexandra und verliebt sich natürlich prompt in sie.

Die Story selbst spielt kaum eine Rolle, sie verläuft linear ohne besondere Überraschungen oder Nebenhandlungen – es ging Tremper vor allem um den nahezu dokumentarischen Charakter seines Films. Sämtliche Darsteller agieren realistisch - besonders Eva Renzi ist nicht nur sehr hübsch, so dass man ihr den Beruf als Model abnimmt, sondern in ihrer Art so reizend, dass die Reaktionen der Männer nachvollziehbar sind. Auch Harald Leibniz wirkt als Möchtegern - Lebemann mit Jaguar, der eine hübsche Verlobte hat, parallel mit Alexandra flirtet und nebenbei noch mit seiner Sekretärin schläft, gleichzeitig überzeugend und bieder. Solche Rollen werden häufig klischeehaft oder betont satirisch angelegt, aber Will Tremper meinte es ernst mit seinen Figuren und ließ keinen Zweifel an deren realistischer Charakterisierung Mitte der 60er Jahre.

Deutschland befand sich damals in einem gesellschaftlichen Umbruch – die Vorboten der Moderne sind in Trempers Film genauso gegenwärtig, wie das reaktionäre Denken der Vergangenheit. Wenn Siegbert „Ich mag keine Neger, denn sie nehmen uns die Frauen weg“ sagt, dann wird er zwar von Alexandra sanft dafür getadelt, aber danach gehen sie schnell wieder zur Tagesordnung über. Rockmusik oder eine neue politisch gefärbte kritische Denkweise hatten noch keinen Einzug in das allgemeine Bewusstsein gehalten, auch nicht in das der „nachtaktiven“ Menschen, die sich selbst für modern und unbürgerlich hielten. Siegbert führt Alexandra stolz in eine Jazz-Bar, in der Paul Kuhn mit Zigarette ein letztes Lied am Klavier gibt. Das ist für ihn der ultimative Ausdruck der Coolness. Alexandra verkörpert zwar schon optisch einen „neuen“ moralisch legeren Frauentyp, der sich promiskuitiv wie ein „Playgirl“ benimmt, mit verschiedenen Männern anbandelt und ins Bett geht, aber das entspringt keinem Selbstbewusstsein, sondern tiefer Unsicherheit und der Suche nach Liebe und Geborgenheit - die Männer können sie deshalb unwidersprochen als „verrückt“ bezeichnen.

Der gesamten Konstellation haftet nichts emanzipatorisches an, sondern sie zeigt im Gegenteil Frauen, die den Männern ständig Honig um den Bart schmieren („endlich mal ein großer Mann“), um deren Gunst zu erringen. Dazu gehörte auch, dass sie ihre eigene Intelligenz bewusst leugnen. Bei den jungen nach 1940 geborenen Menschen schien zudem das Geschichtsbewusstsein immer mehr nachzulassen, denn Tremper lässt mehrfach eine junge Frau fragen, was denn damals „mit dem Hitler oder so...“ gewesen wäre, womit sich der Regisseur auf ein vermintes Feld wagte. Sein abwechslungsreicher, unterhaltender, sehr authentischer Film zeigte die Deutschen Mitte der 60er Jahre ohne Schönfärberei und Idealismus, verzichtete aber auch auf Kritik oder einen intellektuellen Überbau, womit er Unterhaltungsfilm und Dokumentation geschickt vermischte. Doch es half nicht, dem Film die gerechtfertigte Seriösität zu verleihen – allein dass eine junge Frau hier wie ein „Playgirl“ agierte, genügte schon zur Provokation, ganz abgesehen von den vielen sehr genau getroffenen Verhaltensmustern der Deutschen, an denen sich bis heute nur wenig geändert hat.

"Playgirl" Deutschland 1966, Regie: Will Tremper, Drehbuch: Will Tremper, Darsteller : Eva Renzi, Paul Hubschmid, Harald Leipnitz, Umberto Orsini, Elga StassLaufzeit : 85 Minuten


weitere im Blog besprochene Filme von Will Tremper:

Sonntag, 31. März 2013

Heute heiratet mein Mann (1956) Kurt Hoffmann


Inhalt: Thesi Petersen (Liselotte Pulver) ist geschieden und lebt in einer kleinen Atelier-Wohnung über den Dächern Hamburgs. Die junge Mode-Designerin weiß ihren Charme einzusetzen und verkauft dem Chef eines Modehauses alle ihre Entwürfe, obwohl dieser sich zuerst ablehnend zeigt. Weniger souverän reagierte sie kurz zuvor, als sie von ihrem Zahnarzt (Werner Finck) erfuhr, dass ihr Ex-Mann (Johannes Heesters) erneut heiraten will.

Sie erinnert sich an ihre kleinlichen Streitigkeiten, die damals zur Scheidung geführt hatten, und plant, mit einem aufregenden Kleid unangemeldet zu der Verlobungsfeier gehen. Als sie am Nachmittag an der Alster spazieren geht, findet sie es angesichts der vielen Paare seltsam, allein zu sein, aber zufällig lernt sie über eine Bekannte Georg Lindberg (Paul Hubschmid), einen deutschen Diplomaten, und dessen Freund Niki Springer (Charles Regnier), einen Schriftsteller, kennen. Spontan beschließt sie, beide Männer zu der Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes mitzunehmen...


Die Kombination war vielversprechend - Komödienspezialist Kurt Hoffmann wählte mit Annemarie Selinkos Roman "Heute heiratet mein Mann" eine populäre Drehbuch-Grundlage für seinen neuen Film und besetzte wieder Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle, mit der er ein Jahr zuvor mit "Ich denke oft an Piroschka" einen großen Erfolg gefeiert hatte. Obwohl Kurt Hoffmanns leichter Inszenierungsstil und Liselotte Pulver als selbstbewusst auftretende junge Frau wie gewohnt überzeugen konnten, ist "Heute heiratet mein Mann" in Vergessenheit geraten zwischen ihrer "Piroschka"-Rolle und Helmut Käutners "Die Zürcher Verlobung" (1957), in dem sie erneut auf Paul Hubschmid treffen sollte. Zurecht, denn anders als den genannten Filmen und Hoffmanns kommendem Film mit Liselotte Pulver "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957), gelang es "Heute heiratet mein Mann" nicht, sich vom Mief der 50er Jahre zu befreien.

Dabei nimmt Liselotte Pulver als junge Mode-Designerin Thesi Petersen, die allein in einer Hamburger Dachwohnung lebt und ihr Leben lässig schmeißt, hier ihre moderne Frauenrolle aus "Die Zürcher Verlobung" schon vorweg, ebenso wie Werner Finck schon als Zahnarzt zu sehen ist, der zum Auslöser der weiteren Verwicklungen wird. Arglos und unwissend, wer sich gerade auf seinem Patientenstuhl befindet, ist er voll des Lobes für den Architekten des neuen Krankenhauses Robert Petersen (Johannes Heesters) und erwähnt dessen geplante Hochzeit mit der jungen Karin Nielsen (Gundula Korte), Tochter des wohlhabenden Unternehmers Karl Nielsen (Gustav Knuth). Erst als Thesi Petersen seine Praxis wieder verlässt, begreift er, dass sie die Ex-Frau ist, der er zuvor ganz selbstverständlich die Allein-Schuld an der ersten gescheiterten Ehe des Architekten gegeben hatte.

Scheidungen waren Mitte der 50er Jahre noch keineswegs an der Tagesordnung, weshalb der selbstverständliche Umgang damit überrascht, zudem kombiniert mit einer Frau, die in der jungen Bundesrepublik ihren eigenen Weg zu gehen scheint. Doch dieser zukunftsweisende Eindruck eines guten Beginns verschwindet schnell zugunsten einer altbackenen Story, die nur noch davon bestimmt wird, die geschiedenen Eheleute wieder zusammen zu bringen. Nachdem Thesi die Informationen von ihrem Zahnarzt erhalten hatte, spielen realistische Dinge wie ihr Job oder ihr Selbstverständnis als Frau keine Rolle mehr - sie will nur noch mit einem aufreizenden Kleid in die Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes platzen und dabei kommt ihr die Bekanntschaft mit den attraktiven Herren Georg Lindberg (Paul Hubschmid) und Niki Springer (Charles Regnier), die sie in einem Café an der Alster kennenlernt, gerade recht. Dass sie die Trennung von ihrem Mann noch nicht überwunden hätte, wie Georg angesichts dieser Aktion zurecht mutmaßt, weist Thesi weit von sich - eine Lüge, die Niemand glauben wird.

Die weiteren, den Großteil des Films einnehmenden Handlungsabläufe, lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Nach dem gelungenen Auftritt mit schickem Abendkleid und zwei sie begleitenden Männern auf der Verlobungsfeier, lässt sich Thesi von dem Diplomaten Georg Lindberg nach mehreren vergeblichen Versuchen doch dazu überreden, ihn zu heiraten und mit ihm nach Mexiko zu gehen, erkrankt glücklicherweise einen Tag vor der Abreise an Scharlach und wird täglich von ihrem Ex-Mann im Krankenhaus besucht. Nach wochenlanger Quarantäne trennt sie sich wieder von Georg, während auch ihr Ex seine Hochzeitsfeierlichkeiten absagt - es kommt zum erwartet guten Ende.

Die hier gezeigten Geschlechterrollen und die Eingriffe in Annemarie Selinkos literarische Vorlage, verraten noch eine deutliche Nähe zum konservativen Zeitgeist der 50er Jahre, worüber auch die gut aufgelegten Nebendarsteller und Hoffmanns schmissiger Stil nicht hinweg täuschen können. Selinko gliederte die 1940 erschienene Geschichte um ein geschiedenes Ehepaars in eine komplexe Handlung ein, die unmittelbar auf die damaligen Ereignisse in Europa reagierte. Der Widerstand gegen die Nationalsozialisten, dem sich Selinko später selbst anschloss, wurde bestimmend für die persönlichen Konsequenzen der Handelnden, auch für Thesis Rückkehr zu ihrem Mann. Dass Hoffmann auf die politischen Aspekte verzichtete und die Story als reine Komödie inszenierte, war legitim, nahm den Protagonisten aber ihre charakterliche Tiefe und ließ sie oberflächlich agieren.

Schon der Grund für das Scheitern der Ehe von Thesi und Robert, der in Rückblicken erzählt wird, ist in seiner Nichtigkeit eine Bestätigung der Vorurteile des Zahnarztes. Offensichtlich hatte Thesi als nicht arbeitende Hausfrau viel Zeit, um ständig die Einrichtung umzustellen, was zu Streitigkeiten mit ihrem Abends spät nach der Arbeit nach Hause kommenden Mann führte. Ein harmloses Wortgefecht genügte schon, damit sie ihre Koffer packte. Der Film verzichtet darauf, weitere Folgen einer Scheidung zu zeigen - eine für Frauen in den 50er Jahren noch einschneidende Konsequenz - um den Eindruck, ein sich immer noch liebendes Paar hätte sich aus geringfügigen Gründen getrennt, nicht zu gefährden. Noch unwahrscheinlicher ist Robert Petersens geplante Hochzeit mit der zwar hübschen, aber bieder-braven Karin Nielsen, die ständig von zwei alten Frauen bewacht wird. Die einzige sympathische Figur der Industriellenfamilie ist das von Gustav Knuth gespielte Familienoberhaupt, das sich ganz selbstverständlich eine junge Geliebte (Ingrid van Bergen) leisten darf und damit Lebensfreude ausstrahlt, während die Frauen nur vorwurfsvoll moralische Verfehlungen geißeln.

Während die Männer alle gut bezahlte Jobs haben und trotz ihres gehobenen Alters attraktiv sind - Johannes Heesters spielte mit 53 Jahren den "jungen" Architekten und Bräutigam, der 55jährige Gustav Knuth den "älteren" Liebhaber und zukünftigen Schwiegervater - werden die Frauen nur in die Kategorien jung und hübsch oder alt und knöchern unterteilt. Man könnte über die im Vergleich zu ihren Kolleginnen deutlich älteren männlichen Darsteller hinweg sehen, da nicht das tatsächliche, sondern das gespielte Alter maßgebend sein sollte, aber besonders Heesters wirkt mit seinen Verniedlichungen gegenüber seinen "Frauchen" wie ein typischer "Sugar-Daddy", was Liselotte Pulvers anfänglich selbstbewusstes Auftreten zunehmend relativiert und sie in die damals beliebte Rolle des lebenslustigen, aber noch etwas unreifen Dings verfällt. Wenigstens ihre geplante Hochzeit mit dem netten, aber natürlich langweiligen Georg brauchte Niemanden zu überzeugen - zu offensichtlich beruhte diese Entscheidung nur darauf, ihren Frust über die geplante Hochzeit ihres Ex-Mannes zu kanalisieren.

"Heute heiratet mein Mann" ist eine harmlose Filmkomödie, der die Entstehung in den 50er Jahren deutlich anzumerken ist. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wären die Voraussetzungen nicht so vielversprechend gewesen. Dass Annemarie Selinkos Vorlage nur auszugsweise genutzt wurde, war dem damaligen Zeitgeist zu verdanken, dem Regisseur Kurt Hoffmann und Liselotte Pulver in ihren Filmen allerdings häufig widerstanden - hier leider nicht.

"Heute heiratet mein Mann" Deutschland 1956, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius, Annemarie Selinko (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Paul Hubschmid, Charles Regnier, Gustav Knuth, Lina Carstens, Ingrid van Bergen, Werner Finck, Laufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)