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Montag, 30. Januar 2017

Heubodengeflüster (1967) Rolf Olsen


Maderer (Peter Carsten), Blasius (Gunter Phillip) und Genoveva (Elfie Pertramer)
Inhalt: Eine von ihm angezettelte Schlägerei bei einem Volksfest hat für den Landwirt und Lokalpolitiker Florian Maderer (Peter Carsten) erhebliche Folgen. Er wird zu einer Haftstrafe verurteilt, die er in Kürze in der Kreisstadt antreten muss. Damit wären seine Chancen, bei der nächsten Wahl den amtierenden Bürgermeister Limbusch (Rolf Olsen) abzulösen, auf ein Minimum gefallen. Gemeinsam mit seiner Frau Genoveva (Elfie Pertramer) kommt Maderer die Idee, dass sein einfältiger Vetter Blasius Schantl (Gunter Phillip) für ihn ins Gefängnis gehen könnte, da ihn in der Kreisstadt Niemand kennt. Doch es bedarf viel Überzeugungsarbeit und noch mehr Geld, um den Vetter, der nur ungern seine Legehennen allein lässt, dazu zu überreden. 

Auch Dr. Dorn (Ralf Wolter) und Gruber (Willy Millowitsch) äußern ihre Erwartungen
Empfangen wird Blasius bei Haftantritt von dem Oberaufseher Gruber (Willy Millowitsch), der ihn hart rannehmen will, schnell aber umschwenkt, als der Abgeordnete Dr. Dorn (Ralf Wolter) erscheint, um zum Geburtstag des Bundespräsidenten einen Insassen zu amnestieren. Seine Wahl war auf Maderer gefallen, von dessen lokalpolitischem Einfluss er sich Vorteile verspricht. Zudem gedenkt er, demnächst einen Kurzurlaub auf Maderers Hof zu verbringen - ein Wunsch, dem sich der beflissene Oberaufseher schnell anschließt. Blasius, der falsche Maderer, willigt in alles ein und kehrt zur Überraschung des Echten schon nach wenigen Tagen zurück. Noch mehr staunt dieser aber, als kurz darauf auch Dr.Dorn mit der blonden Dodo (Ann Smyrner) auftaucht, denn jetzt fangen seine Schwierigkeiten erst an… 


Rückblick auf den 16.Hofbauer Kongress vom 06.01. bis 08.01.2017

"Heubodengeflüster" lief am ersten Tag des 16. Hofbauer-Kongresses als "Stählerner Überraschungsfilm". Angesichts von Kritiken wie „Ein öder Klamaukfilm mit plattesten Gags aus der Klamottenkiste; insgesamt eine Attacke gegen den gesunden Menschenverstand.“ (Lexikon des internationalen Films) offensichtlich eine gute Wahl, reduziert man das "stählern" auf die Beschaffenheit der Nerven, die der Betrachter beim Anblick des Films mitbringen muss.

Das einseitig vernichtende Urteil über das "...besonders beklagenswerte deutsche Lustspiel" (Evangelischer Filmbeobachter) ließ zwei Aspekte aus: der Zeitpunkt des Erscheinens in der Hochphase des soziokulturellen Wandels und das sich Olsen und seine Mitstreiter schlicht nicht ernst nahmen. "Heubodengeflüster" ist gleichzeitig Heimatfilm, Polit-Satire, Erotik-Komödie und platter Klamauk. Und liefert ein maßloses Vergnügen.






Idyllischer Beginn im Heimatfilm-Gewand
Ausseerland im Salzkammergut. Vor sonnenbeschienenen Alpen-Gipfeln und der dunklen Oberfläche des Altaussees findet ein zünftiges Volksfest statt. Paare drehen sich im Kreis zur Musik der Blaskapelle, während die Bedienung kaum mit dem Servieren der gefüllten Bierkrüge hinterher kommt. Zwei Mannsbilder geraten in Streit und wenige Augenblicke später ist die schönste Schlägerei im Gang, bis ein Großteil der Hitzköpfe Abkühlung im See findet. Rolf Olsens Film "Heubodengeflüster" ist nicht einfach ein Heimatfilm, sondern ein Heimatfilm in Potenz. Besetzt mit Peter Carsten ("Das fröhliche Dorf" (1955)), Elfie Permoser ("Der Herrgottschnitzer von Ammergau" (1952)), dem seit den frühen 50er Jahren im Kino omnipräsenten Gunter Philipp ("Ja, ja, die Liebe in Tirol" (1955)) und dem Autor und Volksschauspieler in Personalunion Paul Löwinger ("Der keusche Adam" (1950)) in den Hauptrollen, die zum Urgestein des Genres gehörten. Mehr Heimatfilm ging nicht.

Vinzenz (Paul Löwinger) glaubt vergeblich an seine Chancen bei Resi (Christiane Rücker)
Nur das "Heubodengeflüster" nicht in den 50er Jahren herauskam, als das Genre seine Boom-Phase erlebte (siehe "Im Zenit des Wirtschaftswunders - der Heimatfilm der Jahre 1955 bis 1957"), sondern 1967, als der Heimatfilm schon lange aus der Mode gekommen war. Die Erotikwelle rollte in großen Schritten heran (siehe "Bis die Schulmädchen kamen") und einer ihrer auffälligsten Wegbereiter war Rolf Olsen. Vor „Heubodengeflüster“ hatte er sich im Frankfurter Großstadt-Dschungel herumgetrieben („In Frankfurt sind die Nächte heiß“, 1966) und mit „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ (1967) seine St. Pauli-Phase eingeleitet, die er noch bis Anfang der 70er Jahre pflegen sollte („Käpt’n Rauhbein aus St. Pauli“ (1971)).Auch „Das Rasthaus der grausamen Puppen“ (1967) bediente mit einer Mischung aus „Sex“ und „Crime“ einen Publikumsgeschmack, der die rasanten soziokulturellen Veränderungen in den 60er Jahren widerspiegelte. Was sollte da noch der Heimatfilm?

Rolf Olsen als schmieriger Bürgermeister mit Machtanspruch
Ganz aus den Augen verloren hatte Rolf Olsen das „Genre“ nie. Gemeinsam mit Franz Antel hatte er das Drehbuch zu „Im singenden Rössl am Königssee“ (1963) geschrieben, eine Mischung aus Schlager- und Heimatfilm, die er auch als Regisseur und Autor in Personalunion mit „Hochzeit am Neusiedler See“ (1963) bediente. Der seit den frühen 50er Jahren in vielen kleinen Nebenrollen aktive Olsen trat auch in Franz Antels „Ruf der Wälder“ (1965) und „Happy End am Wolfgang-See“ (1966) auf, dessen späterer Vertriebs-Titel „00 sex am Wolfgang-See“ die eigentliche Richtung vorgab, die der Heimatfilm eingeschlagen hatte (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969 "). Dass auch in „Heubodengeflüster“ nicht mehr das hohe Lied auf die moralisch integre Landbevölkerung gesungen wurde, lassen schon die Credits zu Beginn erkennen, die die weiblichen Darsteller vor Kühen, die männlichen Mitwirkenden vor Hausschweinen oder einem Gockel auflisten. Rolf Olsen selbst sieht sich als kleines Ferkel.

Der Abgeordnete kommt mit Dodo (Ann Smyrner) und Blasius spielt den Hausherrn
Die Story, die größtenteils auf dem Hof des Landwirts und Lokalpolitikers Florian Maderer (Peter Carsten) spielt, watet in den Tiefen lokalpolitischer Interessen. Vetternwirtschaft, Erpressung und Vorteilsnahme sind an der Tagesordnung. Weil Maderer auf Grund der anfangs gezeigten Schlägerei ein paar Wochen Knast drohen, sieht er seine Chancen bei den kommenden Bürgermeister-Wahlen schwinden und schickt stattdessen seinen verschrobenen Vetter Blasius Schantl (Gunter Phillip) gegen entsprechende Bezahlung zum Haftantritt in die entfernt gelegene Kreisstadt. Doch dieser kehrt überraschend schon nach wenigen Tagen wieder zurück, weil er in den Genuss einer Amnestie kam. Diese wurde von dem Abgeordneten Dr. Dorn (Ralf Wolter) ausgesprochen, der sich von dem Kommunalpolitiker Maderer mehr Einfluss verspricht und auf ein Liebes-Wochenende in den Alpen spekuliert. Natürlich mit der blonden Dodo (Ann Smyrner) an seiner Seite statt Ehefrau Trude (Trude Herr), die ihm im Gegenzug den Privatdetektiv Hugo Zehe (Herbert Hisel) auf die Spur setzt.

Paar 1: Hannerl (Renate von Holt) und Andreas (Bernd Ander)
Zur Polit-Satire hat es bei „Heubodengeflüster“ nicht gereicht, obwohl die hier gezeigte Respektlosigkeit, die auch vor Anspielungen an die Nazi-Zeit nicht zurückschreckte, Mitte der 60er Jahre keineswegs selbstverständlich war. Zu sehr vereinte Olsen hier ein Figuren-Ensemble, das kein Komödien-Klischee ausließ und geradezu in Klamauk badete. Ausgehend vom stotternden Stallburschen, über den selbstverliebten Knecht Vinzenz (Paul Löwinger) und die doofe Blondine erreichte der Film seinen Höhepunkt mit Hisels Darstellung eines dämlichen Privatdetektivs, dessen schräge Verkleidungen erwartungsgemäß in Frauenkleidern münden. Das Paar Vinzenz / Hugo war entsprechend vorprogrammiert. Inmitten dieses Chaos-Haufens wirkt das gestandene Bauern-Ehepaar Maderer wie ein Ruhepol, obwohl Peter Carsten ständig knapp unterhalb der Wutanfall-Grenze agiert, weil er seinen Vetter als Hausherrn ausgeben muss, als kurz nach dessen Rückkehr der Großstadt-Politiker mit seiner Geliebten auftaucht. Schließlich darf nicht herauskommen, dass er nicht selbst ins Gefängnis gegangen war.

Paar 2: Privatdetektiv Hugo (Herbert Hisel) und Vinzenz
Obwohl mit dem Liebespaar Hannerl (Renate von Holt) und Andreas (Bernd Ander), dessen Glück Vater Maderer entgegen steht, noch ein typisches Heimatfilm-Relikt vorhanden war, wurde „Heubodengeflüster“ zum Anti-Genre-Stück. Alles was in den 50er Jahren noch heilig war, wurde von Olsen deftig durch den Kakao gezogen -  verbunden mit Frivolitäten, die über Franz Antels „Liebe durch die Hintertür“ (1969) und Hans Albins „Pudelnackt in Oberbayern“ (1969) die Linie in Richtung der Lederhosen-Sex-Filme von Franz Marischka in den 70er Jahren vorgab. Mit „Paradies der flotten Sünder“ (1968) legte Olsen selbst noch einen Film im gleichen Gestus nach, der aber nicht an den kompakten Charakter von „Heubodengeflüster“ heranreichte, sondern mehr den Eindruck einer Resteverwertung hinterlässt. In einzelnen thematisch unabhängigen Episoden, von denen nur die vierte und letzte das Heimatfilm-Genre streifte, durften Herbert Hisel, Ralf Wolter und Gunther Philipp noch einmal zeigen, welches Potential in ihnen steckte. 

Als verbindendes Element der einzelnen Stories dient ein Reisebüro, in dem ein nervender Kunde den Inhaber mit seiner permanenten Rechthaberei quält. Paul Löwinger schloss mit dieser Charakterisierung unmittelbar an seine Rolle als Knecht Vinzenz an, aber mehr noch steht Willy Millowitsch, der den armen Reise-Verkäufer gab, für den Wandel im Heimatfilm. Der ewige Kölner Millowitsch spielte in “Heubodengeflüster“ den Gefängniswärter, der sich um den falschen Maderer im Kreis-Gefängnis kümmerte und dem Abgeordneten sehr hilfreich zur Seite stand. Natürlich auch gegen eine Einladung. Als er samt Gattin in der Schlussszene auch noch auf dem Maderer-Hof eintrifft, nehmen die Einheimischen schreiend Reißaus. Vor Städtern flüchten? – Das wäre im klassischen Heimatfilm Niemand eingefallen. 

HeubodengeflüsterDeutschland 1967Regie: Rolf Olsen, Drehbuch: Rolf Olsen, Darsteller : Peter Carsten, Elfie Pertramer, Gunther Philipp, Ralf Wolter, Ann Smyrner, Trude Herr, Paul Löwinger, Herbert Hisel, Christiane Rücker, Renate von Holt, Bernd Ander, Willy MillowitschLaufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen 

"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1964) 
"Das Spukschloss im Salzkammergut" (1966) 
"Der Arzt von St.Pauli" (1968) 
"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1969)

Mittwoch, 18. Januar 2017

Drei Mann in einem Boot (1961) Helmut Weiss


Georg (Heinz Erhardt), Harry (Hans-Joachim Kulenkamff) und Jo (Walter Giller)...
Inhalt: Die Werbefachleute Jerome (Walter Giller), genannt „Jo“, und Harry (Hans-Joachim Kulenkampff) wollen ein paar ruhige Tage am Bodensee verbringen. In der Sonne liegen und über einen neuen Slogan für einen Kunden nachdenken – die ideale Kombination aus Urlaub und Arbeit. Doch ganz will die Konzentration auf das Wesentliche nicht funktionieren. Jo hat Grit (Ina Duscha) kennengelernt und ist frisch verliebt und Harry muss feststellen, dass ihm Julischka (Ida Boros) hinterher gefahren ist, mit der er zuvor Schluss gemacht hatte. Eine für sie nicht akzeptable Entscheidung, weshalb sie ständige Aufmerksamkeit einfordert. 

...fahren in einem kleinen Motorboot vom Bodensee aus den Rhein entlang
In seiner Not erwirbt der gelernte Kapitän spontan ein kleines Motorboot, um sich auf dem Bodensee zurückziehen zu können. Während Jo eher unwillig mit an Bord kommt, ergreift der Kunsthändler Georg Nolte (Heinz Erhardt) die Gelegenheit, nachdem er zufällig ein Gespräch der beiden Männer über Harrys Plan belauscht hatte. Seine Frau Carlotta (Loni Heuser) lässt ihm keinen Moment der Ruhe, um ein wenig am Bodensee zu angeln. Für sie zählen nur gesellschaftliche Anlässe und Geschäftstermine, weshalb er ohne sie zu informieren spontan mit Jo und Harry in See sticht. Doch so einfach gibt es kein Entrinnen. Carlotta und die zurückgestoßene Julischka machen sich auf die Verfolgung...


Im Gegensatz zu Helmut Weiss' kurz zuvor herausgekommenem Film "Vertauschtes Leben" (1961) und dem 1962 folgenden "Auf Wiedersehen am blauen Meer" hat sich "Drei Mann in einem Boot" seine Popularität bis heute bewahrt. Das ist einerseits den drei Hauptdarstellern zu verdanken, andererseits fehlt dem Film der gehobene Zeigefinger der beiden anderen Helmut Weiss-Werke, die in dieser Phase der soziokulturellen Veränderungen in der BRD mit ihrer Warnung vor dem moralischen Verfall nicht allein standen. Ein Großteil dieser Filme, die gleichzeitig den Voyeurismus ihrer Betrachter bedienten, sind heute vergessen. Auch in "Drei Mann in einem Boot" lassen sich diese Tendenzen wiederfinden, aber der Film nahm sich schlicht weniger ernst.










Ursprünglich wollten Jo und Harry Arbeit und Freizeit kombinieren...
"Drei Mann in einem Boot...ganz zu schweigen vom Hund" beruft sich auf den gleichnamigen, zu seiner Zeit sehr populären Roman von Jerome K.Jerome, den der britische Schriftsteller 1889 herausbrachte. Aus der Ich-Perspektive beschrieb er den zweiwöchigen Ausflug dreier Freunde mit einem Ruder-Boot auf der Themse, der aber nur die Rahmenhandlung für eine Vielzahl komischer Geschichten und Anekdoten abgab. Auch in der Verfilmung von 1961 ist Jerome (Walter Giller) mit an Bord eines kleinen Motorschiffs, mit dem drei Männer erst auf dem Bodensee und dann auf dem Rhein herumschippern. Doch darüber hinaus hat der Film mit der Buchvorlage kaum etwas gemeinsam. Jerome lässt sich "Jo" nennen (wahrscheinlich war der Name damals im deutschen Film zu ungewöhnlich) und der Anlass für die Bootsreise war kein Ausflug unter männlichen Freunden, sondern die Flucht vor den Frauen.

...und Georg wollte in Ruhe angeln. Sie hatten aber die Rechnung ohne...
Obwohl die Männer im Filmtitel dominieren, beherrschen die Frauen die Szenerie als fordernde, kritisierende und kontrollierende Persönlichkeiten. Ganz konkret in Person von Carlotta Nolte (Loni Heuser), der Frau des Kunsthändlers Georg Nolte (Heinz Erhardt), und der ehemaligen Geliebten des Werbefachmanns Harry Berg (Hans-Joachim Kulenkampff), Julischka (Ida Boros), genannt „Fee“ von Wendorf, eine üppig gebaute ungarische Blondine mit entsprechend klischeehaftem Temperament. Besagte „Fee“ legt nicht nur Wert auf Luxus, sie räkelt sich auch im rosa Negligee in Erwartung ihres geliebten Harry auf dem Hotelzimmer. Womit sie als ernsthafte Partnerin schon disqualifiziert ist, zumal sie jede Zuwiderhandlung gegen ihren Willen ignoriert - auch das Harry ihre Beziehung beendet hatte. Angesichts ihres exaltierten und nervigen Auftretens, wäre es interessant gewesen, warum er überhaupt mit ihr zusammen war, aber solche komplexen Hintergedanken sparte der Film aus. Entscheidend war, dass Harrys Fluchtinstinkte auf eine breite Zustimmung trafen.

...Carlotta (Loni Heuser) und Julischka (Ida Boros) gemacht
Das galt auch für Georg Noltes Motivation. Seine Gattin Carlotta verkörpert den weiblichen Gegenentwurf zur emotionalen Julischka – die allein Vernunftgründe gelten lassende Unternehmergattin, die nur den nächsten Geschäftstermin im Blick hat. Anstatt irgendwelchen gesellschaftlichen Anlässen im gehobenen Ambiente beizuwohnen, will Georg am Bodensee in Ruhe angeln gehen. Flieht der eine Mann vor permanenter Aufdringlichkeit, sehnt sich der Andere nach den einfachen Genüssen des Lebens. Beide suchen nur ihre Ruhe auf dem kleinen Motorboot und haben die Sympathien auf ihrer Seite. Jo, der Dritte im Bunde, schließt sich ihnen aus Solidarität an, denn er hat den weiblichen Idealtyp abbekommen – die junge und schöne Grit (Ina Duscha). Dass es sich um die Tochter seines Mitstreiters Georg handelt, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, nur dass sie aus wohlhabender Familie kommt und angemessen selbstbewusst auftritt. Ihr Flirt wird schnell konkret, denn viel Zeit bleibt der Handlung nicht, bevor die Männer in See stechen, aber das aus ihrer Liebelei etwas Ernsthaftes werden wird, ist schon klar – nur der vermeintlich gestrenge Papa muss noch überzeugt werden.

Steuerfrau Beetje Ackerboom (Susanne Cramer)...
Im weiteren Verlauf der Handlung kommt noch eine vierte weibliche Protagonistin hinzu, die einerseits die nicht mehr genehme Julischka bei Harry ersetzen sollte, die dank der Schweizer Polizei – sie hatte keinen gültigen Pass – aus dem Verkehr gezogen wird, andererseits für die Rückbesinnung auf die weiblichen Werte stand. Zuerst gibt Beetje Ackerboom (Susanne Kramer) die toughe Steuerfrau eines Lastschiffs, die die Männer anzupacken weiß, aber als sie ausrutscht und von den drei Helden aus dem Rhein gefischt wird, entdeckt sie ihre weiche Seite. Der gelernte Seemann Harry hat es ihr gleich angetan und bei ihrer nächsten Verabredung trägt sie statt Arbeitsklamotten ein langes Kleid. Auch die Männer blieben nicht von Klischees verschont, aber mit den spaßigen Anspielungen auf ihre Unfähigkeit zu kochen und Ordnung zu halten, die regelmäßig in Slapstick-Einlagen mündeten, konnten sie gut leben. Am Ende - nach der allgemeinen Versöhnung - übernahmen wieder die Frauen ihr angestammtes Ressort und sorgten für Ordnung.

...legt eine rasante Wandlung hin
Angesichts der Besetzung der männlichen Hauptrollen mit den beliebten Stars Erhardt, Kulenkampff und Giller konnte diese Sympathie-Gewichtung kaum überraschen, zudem „Drei Mann in einem Boot“ den Geschlechter-Kampf von der lässigen Seite nahm und sogar Julischka noch ein versöhnliches Ende gönnte. Trotz der Leichtigkeit eines Rhein-Ausflugs mit Landschaftsaufnahmen, die nochmals tief in die Heimatfilm-Kiste griffen, lässt der hier verbreitete Humor den Konflikt zwischen den traditionellen Geschlechterrollen und einer im Wandel befindlichen Sozialisation, Anfang der 60er Jahre, nicht übersehen. Frivolitäten wechselten mit Moralpredigten und Anflüge weiblicher Emanzipation trafen auf das Beharren männlicher Hoheit. Regisseur Helmut Weiss und sein Autor Wolf Neumeister nahmen diese Entwicklung in ihrem folgenden gemeinsamen Film "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962) deutlich schwerer und winkten kräftig mit der Moralkeule, hier dagegen blieben sie noch zurückhaltend.

Jo bei der schnellen Überzeugung von Grit (Ina Duscha)
Das war auch den männlichen Darstellern zu verdanken, deren anklingende Macho-Allüren Niemand ernst nahm. Walter Giller und mehr noch Heinz Erhardt ironisierten mit ihrem Spiel die klassische männliche Autoritätsperson. Entsprechend endet der Film gegen die Erwartungshaltung, als eine Hand sanft den Nacken des Fahrers eines us-amerikanischen Cabriolets krault. Sie gehört Jo und am Steuer sitzt seine Braut Grit. 






"Drei Mann in einem BootDeutschland 1961Regie: Helmut Weiss, Drehbuch: Margarete Reinhardt, Richard Billinger, Wolf NeumeisterDarsteller : Heinz Erhardt, Walter Giller, Hans-Joachim Kulenkampff, Susanne Cramer, Ida Boros, Loni Heuser, Ina Duscha, Bum Krüger, Sepp Rist, Rolf Wanka, Willy Reichert, Laufzeit : 91 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Weiss:

 "Die Feuerzangenbowle" (1944)

Montag, 19. Dezember 2016

Auf Wiedersehen am blauen Meer (1962) Helmut Weiss

Andreas Pucher (Toni Sailer) poussiert erst mit Vroni (Monika Jobst)...
Inhalt: Andreas Pucher (Toni Sailer) kommt auf seinem Weg durch sein Jagdrevier zu einem hoch in den Bergen gelegenen Hof, wo er freundlich von Vroni (Monika Jobst) begrüßt wird. Der fesche junge Mann flirtet mit der blonden Bauerntochter, was deren Vater nicht gefällt, denn Andreas besitzt einen schlechten Ruf als Casanova. Im letzten Jahr hatte er noch mit Christa (Eva Astor), der Nichte des Dorfwirts, angebändelt. Doch davon lässt sich der Jäger nicht beirren, denn er hat noch keine Lust sich festzulegen, weshalb er auch die nächste Gelegenheit nicht auslässt, die sich ihm im nahe gelegenen Wald überraschend bietet. 

...dann lässt er bei Manuela Grassi (Hannelore Cremer) nicht mehr locker
Ein weißes Mercedes-Cabriolet mit einer hübschen und sehr gut angezogenen Dame hinter dem Steuer war im Waldboden stecken geblieben. Andreas hilft ihr und erfährt, dass die Italienerin Manuela Grassi (Hannelore Cremer) in der Nähe ein altes Schloss geerbt hat, in dem sie während ihrer Kindheit einige Jahre verbracht hatte. Um ihr den Weg zu zeigen, steigt er zu ihr und besichtigt gemeinsam mit ihr das verlassene, aber gut erhaltene Gebäude. Ihm gefällt nicht nur die junge Frau, auch das sie aus Italien kommt weckt sein Interesse. Er träumte schon lange davon, endlich mehr von der Welt zu sehen und lässt seinen ganzen Charme spielen. Die selbstbewusste Manuela weist ihn in die Schranken, aber als er nachts plötzlich in ihrem Hotelzimmer steht, ergibt sie sich seinem Drängen… 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms 

Jugoslawisches Filmplakat mit Hannelore Cremer und Toni Sailer
"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Zwar spielte "Auf Wiedersehen am blauen Meer" größtenteils in Italien, ist aber als Tourismusfilm eine Mogelpackung. Das "blaue Meer" ist hier ein Versprechen, das sich als Illusion herausstellt. Trotz der Schlagermusik und touristischen Landschaftsaufnahmen, ist der Film dem Heimatfilm näher. Das erste Drittel zitierte klassische Motive des Genres als Hort der Vertrautheit und Sicherheit, um den Kontrast zur Dekadenz und sexuellen Unmoral am Zielort in Italien stärker hervorzuheben. "Auf Wiedersehen am blauen Meer" ist ein Sammelsurium verschiedener Einflüsse und war hierzulande offensichtlich kein Erfolg, wie auch am jugoslawischen Filmplakat deutlich wird, denn auf Deutsch ist keines im Netz zu finden. Aus heutiger Sicht fasziniert der Film in der Spiegelung einer sich im Wandel befindlichen Sozialisation. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Heimatidyll: Jäger mit Hund in den Schweizer Alpen
Nach drei Jahren tauchte erstmals wieder das "Blaue Meer" in einem Filmtitel auf. Nicht nur im Filmgewerbe eine lange Zeit, auch die seit Mitte der 50er Jahre stark anwachsende Zahl deutscher Urlauber mit Ziel Südeuropa hatte inzwischen zu einer Gewöhnung geführt. Schon Ende der 50er Jahre ("Mein Schatz komm mit ans blaue Meer", 1959) hatte es im Schlager- und Tourismusfilm nicht mehr genügt, allein die Schönheit der Mittelmeerlandschaft ins Bild zu rücken, es bedurfte zusätzlich einer möglichst abwechslungsreichen Story. Das "blaue Meer" wurde zwar noch besungen, war aber als Kulisse in den Hintergrund gerückt. Warum die Macher um Regisseur Helmut Weiss den Begriff hier wieder hervorholten, blieb vorerst ihr Geheimnis?! – Erst nach einer guten halben Stunde wechselt der Handlungsort nach Italien ans Mittelmeer, genauer nach Neapel und auf die Insel Ischia, aber die Landschaft selbst blieb austauschbar. Die Story um den Jäger Andreas Pucher hätte auch vor einem anderen Hintergrund erzählt werden können – irgendwo in der Fremde.

Die Ferne: Jäger im Cabriolet in Neapel
Seine Entstehungszeit in den frühen 60er Jahren ist dem Film in den ersten Minuten nicht anzusehen, so traditionell bediente „Auf Wiedersehen am blauen Meer“ klassische Heimatfilm-Mythen. Der Jäger Andreas Pucher (Toni Sailer) kommt beim Weg durch sein Revier an einem hoch gelegenen Bergbauernhof vorbei, wo die junge Magd Vroni (Monika Jobst) ihre schwere Arbeit an der Seite ihres alten Vaters verrichtet. Vor der Kulisse eines beeindruckenden Bergpanoramas drückt sie sehr vorsichtig ihre Gefühle für den feschen jungen Mann aus. Doch erste Schatten stören das Idyll. Der Vater hält nichts von dem jungen Burschen, der im Ruf eines Casanova steht. Im Jahr zuvor hatte er mit Christa (Eva Astor), der Nichte des Dorfwirts, angebändelt, jetzt poussiert er mit seiner Tochter. Wenig später dringen weitere Störungen in das Idyll. Ein Mercedes-190er Cabriolet – die Anspielung auf „Rosemarie Nitribitt“ konnte kein Zufall sein - steht mitten im Wald und steckt fest. Am Steuer sitzt Manuela Grassi (Hannelore Cremer), eine schöne mondäne Erscheinung aus Italien, die in der Umgebung ein altes Schloss geerbt hat. Vor allem aber ist sie für die Menschen hier „die Ausländische“.

Eva Astor singt "Casanova bye bye" im Berghotel ihrer Heimat...
Immer deutlicher zieht die Gegenwart in die Schweizer Berge. Manuela Grassis Hotelzimmer erfüllt gehobene Ansprüche, im Restaurant wird eine moderne Küche gepflegt und die damals 18jährige Sängerin Eva Astor in ihrer ersten Filmrolle singt ihren Hit von 1961 „Casanova bye bye“. Gemeint ist hier Andreas Pucher, der sich alle Mühe gibt, diesem Ruf gegenüber Manuela Grassi gerecht zu werden. Zu ihr wird Christa später in Italien sagen, dass Andreas sie nie leicht bekleidet gesehen hätte, obwohl sie mit ihm im letzten Sommer zusammen war. Ein unglaubwürdiges Hervorheben altmodischer Anstandsregeln, angesichts der Skrupellosigkeit, mit der Andreas gen Manuelas Bett strebt. Diese hatte zuvor in den Augen des Jägers „Fernweh“ erkannt – und damit dessen Lust, mehr als nur die heimischen Berge kennenzulernen. Aber sie hatte ihn weder darin bestärkt, seine Heimat zu verlassen, noch wollte sie sich auf ihn einlassen. Allein ihre Anwesenheit genügte schon als Verheißung.

„buntes Routinestück, in dem nichts zusammenpassen will“

...und in Manuala Grassis Nachtclub...
schrieb der „film-dienst“ und traf damit ins Schwarze, denn die Anlage des Drehbuchs hätte die Phase im deutschen Unterhaltungsfilm, Anfang der 60er Jahre, nicht genauer reflektieren können. Der Heimatfilm befand sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969"). Auch die Kombination mit dem Schlagerfilm, der zunehmend die Fernseh-Konkurrenz zu spüren begann, hatte daran nichts ändern können und dessen 50er Jahre Ableger „Tourismusfilm“ hatte den Reiz des Exotischen schon lange verloren. Gleichzeitig ließen sich die soziokulturellen Veränderungen nicht mehr verdrängen. Die sexuelle Liberalisierung schritt ebenso unaufhaltsam voran, wie sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft veränderte – eine Entwicklung, die Ängste auslöste, und in Folge von "Die Halbstarken" (1956) eine Welle an Filmen hervorbrachte, die vor dem moralischen Verfall warnten, gleichzeitig diesen aber publikumswirksam bebilderten. Ein Trend, der sich in den 60er Jahren zunehmend in Richtung gewalttätiger Kriminalfilme und einer freizügigeren Optik fortsetzte, die die Grundlage für den Sexfilm schuf.

...vor den Augen der reichen Sommergäste
„Auf Wiedersehen am blauen Meer“ vereinte alle diese Einflüsse. Erfüllen die anfänglichen Lieder von Eva Astor und das fröhliche Duett von Hannelore Cremer und Toni Sailer auf ihrer Fahrt nach Italien noch die Erwartungen an einen Schlagerfilm, ändern die musikalischen Beiträge mit dem Standortwechsel gen Süden ihren Charakter. Exotische Tänze mit leicht geschürzten Protagonisten treten in den Vordergrund und die Solo-Beiträge von Hannelore Cremer und Eva Astor (erneut „Casanova bye bye“) verbreiten Nachtclub-Feeling. Noch mehr entfernt von seiner ursprünglichen Intention, Reiselust bei den Betrachtern zu erzeugen, hatte sich der südländische Hintergrund der Handlung. Bei den Gästen, die auf Ischia in der Residenz von Manuela Grassi den Sommer verbringen, handelt es sich um keine Pauschalurlauber, sondern um eine internationale Ansammlung schwerreicher Männer und Frauen. Dekadenz und sexuelle Gier sind gegenwärtig, weshalb die Ankunft des jungen Liebhabers an der Seite der Hausherrin bei den Männern eine abschätzige Haltung erzeugt, bei den meist älteren Frauen dagegen großes Interesse.

Das „blaue Meer“ als Menetekel

Anulfi (Rolf Wanka) und Bob (Regisseur Helmut Weiss) planen Böses
Gegenteilig ist die Reaktion der Sommerfrischler, als Christa wenige Tage später ebenfalls auf Ischia ankommt und besonders bei dem arabischen Waffenhändler Anulfi (Rolf Wanka) Begehrlichkeiten weckt. Unabhängig von Andreas hatte die Begegnung mit der italienischen Erbin in den Schweizer Bergen auch bei der jungen Frau den Wunsch bestärkt, nach Italien zu gehen. Statt im Hotel ihres Onkels zu arbeiten, möchte sie eine Karriere als Sängerin beginnen. Manuela Grassi hatte ihr ein Engagement in einem ihrer Clubs in Aussicht gestellt und so kommt es für Andreas und Christa zu einem überraschenden „Wiedersehen am blauen Meer“. Das „blaue Meer“, stellvertretend für Schönheit und Fernweh, wurde hier zu einem Ort des Schreckens und moralischen Niedergangs. Bewusst sollte der positiv klingende Filmtitel über die Intention der drei am Drehbuch beteiligten Autoren hinwegtäuschen. Der Sehnsuchtsort erweist sich als Illusion. Christa und Andreas müssen erfahren, dass in der Fremde nichts Gutes auf sie wartet.

Andreas will mit Christa weg vom "blauen Meer" zurück in die Heimat
Wolf Neumeister, schon während der Zeit des Nationalsozialismus sehr erfolgreich („Kampfgeschwader Lützow“ (1941)), blieb in den 50er Jahren einer der aktivsten Film-Autoren. Allein in den vier Jahren vor 1962 wirkte er an den Drehbüchern zu zwölf Filmen mit, größtenteils Komödien („Immer die Radfahrer“, 1958), aber auch zeitgenössische Dramen wie „Der Mann, der sich verkaufte“ von 1959. 1962 kamen noch „Wilde Wasser“ und „Der Pastor mit der Jazz-Trompete“ nach seinen Vorlagen hinzu, die ähnlich im Spannungsfeld von Tradition und Moderne angelegt wurden. Auch sein Co-Autor Richard Billinger machte Karriere während der Zeit des Nationalsozialismus, zog sich nach dem Ende des Kriegs aber größtenteils aus dem Filmgeschäft zurück. Gemeinsam mit Veit Harlan, mit dem er zuvor „Die goldene Stadt“ (1942) herausgebracht hatte, schrieb er „Hanna Amon“ (1951), bevor 1952 der Heimatfilm „Einmal am Rhein“ nach seinem Drehbuch in die Kinos kam. Entstanden unter der Regie von Helmut Weiss, zu dem er für „Auf Wiedersehen am blauen Meer“ einmalig ans Film-Set zurückkehrte.

Der Arzt Eric (Bob Franco) meint es ernst mit Manuela
Entscheidende Ideengeberin war aber Margarete Reinhardt, die erstmals an einem Film direkt mitwirkte und ihn auch produzierte. In den 60er Jahren sollten noch zwei weitere Filme nach ihren Vorstellungen herauskommen – „St.Pauli Herbertstraße“ (1965) und "Sünde mit Rabatt" (1968), jeweils besetzt mit Eva Astor - die ihre Warnung vor den Folgen einer zunehmend von Unmoral und Dekadenz bestimmten Sozialisation mit größerer Vehemenz fortsetzten. In „Auf Wiedersehen am blauen Meer“ blieb diese Attitüde noch vergleichsweise zurückhaltend. Die Ursache lag außerhalb des vertrauten Terrains und eine Rückbesinnung auf die eigene Heimat versprach Erlösung. Insgesamt endete der Film, der noch die Wende in Richtung einer Kriminalhandlung nahm, versöhnlich. Auch Manuela Grassi, als Geschäftsfrau, die ihre Männer selbstbewusst wählt und offen ihre Sexualität lebt, die provokativste Figur des Films, wurde ein Happy-End gegönnt. Ihr einen adäquaten Mann an die Seite zu stellen, bedeutete, sie auch ihrer eigentlichen Bestimmung als Frau wieder näher zu bringen. Eine Lösung ganz nach dem Geschmack von Margarete Reinhardt.
 
"Auf Wiedersehen am blauen MeerDeutschland 1962Regie: Helmut Weiss, Drehbuch: Margarete Reinhardt, Richard Billinger, Wolf NeumeisterDarsteller : Toni Sailer, Eva Astor, Hannelore Cremer, Joachim Brennecke, Rolf Wanka, Bob Franco, Helmut WeissLaufzeit : 87 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Weiss:

 "Die Feuerzangenbowle" (1944)
 "Schloss Hubertus" (1954)
 "Drei Mann in einem Boot" (1961)