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Samstag, 31. Dezember 2016

Komm mit zur blauen Adria (1966) Lothar Gündisch


Walter (Dietmar Schönherr) poussiert mit Tina (Margitta Scherr)
Inhalt: Dass Walter (Dietmar Schönherr) gerade der hübschen Tochter des Hoteliers, Tina (Margitta Scherr), auf dem Meer nahe kommt, ärgert nicht nur deren Vater, dem er schon einige Tage Kost und Logis schuldet, sondern auch seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer), mit der er sich ein Hotelzimmer teilt. Walter versteht die ganze Aufregung nicht. Schließlich muss er seinen kreativen Kopf frei bekommen, um die neuen Bademoden zu entwerfen. Und da kommt ihm jedes Mittel gelegen. Sein Chef (Fritz Benscher) in Deutschland wird von Tag zu Tag ungeduldiger und sein Geld ist längst weg. 

Seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) reagiert wenig begeistert
Walter ahnt nicht, wie recht er hat. Angespitzt von der Chefsekretärin Fräulein Habicht (Ruth Stephan) hat ihm sein Chef den Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) undercover als Frau verkleidet hinterher geschickt, um den Arbeitsfortschritt seines Angestellten zu überprüfen. Kindlein ist nicht der Einzige, der sich auf den Weg ans Mittelmeer macht. Die Tochter seines Chefs, Renate (Maria Brockerhoff), war aus ihrem Mädchen-Internat abgehauen, um endlich etwas zu erleben, und der reiche Geschäftsmann Senior Hernandez (Gustavo Rojo), wichtigster Kunde ihres Vaters, macht sich auf ihre Verfolgung. Er hatte sich in Renates Porträt verliebt und will sie heiraten… 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms 

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

1966 war die Nachkriegszeit vorbei. Das "blaue Meer" kam hier zwar noch ein letztes Mal zur Geltung (mit der geografisch falschen Präzisierung "Adria", denn der Film wurde in Spanien gedreht), aber als Sehnsuchtsbegriff hatte es ausgedient. Das Mittelmeer war inzwischen fester Bestandteil von Pauschal- und Individualurlaub, weshalb nicht mehr Land und Leute im Mittelpunkt der Tourismuswerbung standen, sondern die vielfältigen Attraktionen eines Strandurlaubs, Liebe und Sex inbegriffen. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Endstation "blaue Adria". 

Walter versucht seinen Chef von seinem Arbeitseinsatz zu überzeugen...
Nicht im übertragenen Sinn wie das wiederholte Ankündigen des "Heimatfilm"-Endes, sondern ganz konkret. "Komm mit zur blauen Adria" war ein Nachzügling, das letzte Relikt eines Genres, das es seitdem in dieser reinen Form nicht mehr gibt - der "Schlagerfilm", zudem kombiniert mit einem Restposten "Tourismusfilm". "Das Spukschloss im Salzkammergut" kam zwar erst Ende 1966 in die deutschen Kinos, war aber eine Mogelpackung - gefilmt 1963 und mit einer nachgedrehten Rahmenhandlung modernisiert. Zudem ganz ohne internationales Flair. Und spätere Musik-Filme wie "Heintje - Einmal wird die Sonne wieder scheinen" (1969) oder "Wenn du bei mir bist" (1970) mit Roy Black waren ganz auf ihre Stars zugeschnitten.

...was ihm aber nicht recht gelingt (Fritz Benscher und Ruth Stephan)
"Komm mit zur blauen Adria" konnte, wie im Schlagerfilm üblich, noch mit einer Reihe an mitspielenden Sängern aufwarten, deren Songs gleichwertig in die Handlung integriert wurden: Manfred Schnelldorfer, Hannelore Auer und Maria Brockerhoff. Selbst Dietmar Schönherr, sonst nicht als Sängerknabe bekannt, gab hier eine Gilbert Becaud-Komposition zum Besten. Die Anzahl der Gastauftritte blieben in "Komm mit zur blauen Adria" dagegen vergleichsweise spärlich. Ein weiteres Anzeichen für dessen späten Status. Außer dem Trompeter Roy Etzel, dessen "Golden midnight sun" hier als Erkennungsmelodie diente, trat nur noch Vivi Bach mit einem Schlager auf. Eine lieblos hineingeschnittene Szene, die offensichtlich zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort entstanden war.

Dieser schickt Buchhalter Kindlein (Thomas Alder) undercover hinterher...
Stichwort "Vivi Bach". Die dänische Sängerin und Schauspielerin war das Gesicht des Schlagerfilms und der Musik-Komödie in der ersten Hälfte der 60er Jahre. Seit "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) an der Seite von Fred Bertelmann war sie bis "Tausend Takte Übermut" (1965) in mehr als zwanzig Kinofilmen aufgetreten. Der Verlauf ihrer Kino-Karriere steht ebenfalls symbolisch für das Ende des Genres. Bis 1969 folgten nur noch wenige Filme, meist internationale Produktionen. Darunter ein Auftritt in "Europa canta" (Lass die Finger von der Puppe, 1966), eine italienisch-spanische Co-Produktion, die noch ein wenig Schlagerfilm-Feeling herüberretten wollte. Ob Vivi Bachs kurzer Gesangsauftritt hier noch beim Dreh zu "Tausend Takte Übermut" entstanden war, ist fraglich, sicher ist aber, dass sich aus dessen Crew der größte Teil der Mitwirkenden an "Komm mit zur blauen Adria" rekrutierte.

...um Walters kreative Arbeitsmethodik zu beobachten
Neben Vivi Bach fehlten noch Rex Gildo und Gunter Philipp, aber ihr Ehemann Dietmar Schönherr, der uruguayische Schauspieler Gustavo Rojo und Maria Brockerhoff sorgten für adäquaten Ersatz. Wieder mit von der Partie waren Hannelore Auer, Margitta Scherr, Thomas Alder, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan und Fritz Benscher. Statt Ernst Hofbauer übernahm dessen Assistent Lothar Gündisch die Regie und Hans Billian war erneut für das Drehbuch verantwortlich. Vielleicht ist dieser Kontinuität der Filmtitel zu verdanken, der letztmalig das „Blau“ des Meeres betonte, wenn hier auch fälschlich als „Adria“ bezeichnet. "Tausend Takte Übermut" hatte noch an der italienischen Adria-Küste gespielt, der geistige Nachfolger entstand aber im Süden Spaniens an der „Costa del sol“, worauf in den Credits schon zu Beginn hingewiesen wird. Unter dem Filmtitel „El Bikini rojo“ kam die deutsch-spanische Co-Produktion am Drehort heraus und es bleibt das Geheimnis der deutschen Produzenten, warum sie auch inhaltlich auf einem italienischen Handlungsort bestanden, obwohl dem Kino-Besucher das spanische Ambiente vertraut gewesen sein wird.

Erst wird sie von Joachim (Manfred Schnelldorfer) gerettet,...
Mitte der 60er Jahre war der Pauschalurlaub an der spanischen Küste kein Geheimtipp mehr, aber der Hintergrund mit Sandstrand, blauem Meer und allerlei Freizeitmöglichkeiten erfüllte seinen Zweck als attraktive Reisekulisse. Mit dem „Tourismusfilm“ der späten 50er Jahre, als die südlichen Gestade am Mittelmeer noch weit entfernt schienen, berühmte Sehenswürdigkeiten und folkloristische Eigenarten des Gastgeber-Landes ins Bild gerückt wurden und schon die Reise dorthin zum Abenteuer wurde, hatte das nur noch wenig gemeinsam. Mit solchen Details schlug sich „Komm mit zur blauen Adria“ nicht mehr herum, sondern entfaltete seine Story um eine deutsche Textilfirma, deren Designer nur wenig motiviert ist, die neuen Bademoden zu kreieren, sondern lieber seinen Charme bei den zahlreichen hübschen Mädchen spielen lässt, vor dem Hintergrund eines ewig scheinenden Hotel- und Strand-Urlaubs.

...dann landet Renate (Maria Brockerhoff) neben Walter im Bett...
In einer kurzen Szene gibt es eine kleine Reminiszenz an das „Reisen per Anhalter“, das in "Unter Palmen am blauen Meer" (1957) und seinen „Blauen Meer“-Epigonen noch ein wichtiger Story-Bestandteil war. Kurz vor ihrem Ziel am Ferienort wird Renate (Maria Brockerhoff) von einem Cabriolet-Fahrer, der sie mitgenommen hatte, belästigt und vom zufällig vorbei kommenden Joachim (Manfred Schnelldorfer) aus einer unangenehmen Situation gerettet. Ein bisschen Drama durfte noch sein, aber es fehlte der moralische Zeigefinger, der die jungen Damen davor warnen sollte, zu fremden Herren ins Auto zu steigen. Die Wirkung einer solchen Botschaft wäre angesichts des frivol unbeschwerten Treibens am Meer auch schnell verpufft, denn wenn etwas in „Komm mit zur blauen Adria“ lange Zeit offenbleibt, dann wer hier mit wem anbandelt.

...bevor sie sich des aufdringlichen Hernandez (Gustavo Rojo) erwehren muss
Besonders Walter (Dietmar Schönherr) kann sich nur schwer festlegen. Statt endlich die Bikini-Mode für die kommende Saison zu entwerfen, poussiert er mit Tina (Margitta Scherr), der Tochter des Hoteliers, während seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) mit abendlichen Gesangsauftritten ihre Hotel-Schulden abarbeiten will. Ingrid trauert ihm nicht lange nach, sorgt aber dafür, dass er aus ihrem gemeinsamen Zimmer geschmissen wird, denn ihre Gage behält sie für sich. Den frei gewordenen Schlafplatz neben ihr belegt eine neu ankommende ältere Dame, bei der es sich in Wahrheit um einen Mann in Frauenkleidern handelt. Der Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) wurde von seinem Chef (Fritz Benscher) an die Küste geschickt, um Walter undercover zu beobachten, ist aber mehr damit beschäftigt, sein wahres Geschlecht vor Ingrid zu verbergen. Währenddessen sorgt Tina dafür, dass Walter in einer leerstehenden Ferien-Villa einen Schlafplatz erhält. Und trifft dort im Bett auf Renate.

Alles klar? – Offensichtlich muss allen Beteiligten um Drehbuchautor Hans Billian bewusst gewesen sein, dass ihr schon aus der Zeit gefallener Film kaum noch auf Resonanz stoßen würde. Anders ist der hemmungslose Umgang mit den Lustspiel-Klischees kaum zu erklären. Ideen, die im Normalfall über eine Spielfilmlänge ausgewalzt werden, werden hier im Schnelldurchlauf abgearbeitet. „Komm mit zur blauen Adria“ ist nicht eine Verwechslungskomödie, sondern gleich drei. Mehrfach wird „Charlies Tante“ zitiert und die Liebespaare finden sich im Minutentakt, um sich kurz danach wieder neu zu orientieren. Dazu gibt es Eifersucht, Männerwitze, viel nackte Haut – allerdings noch im züchtigen Rahmen – und eine Massen-Prügelei.

Vielleicht war es auch nur das blaue Meer, das nie blauer ins Bild gerückt wurde, oder die heiße Sonne, die ständig auf die versammelte Crew schien. Niemand schien hier etwas ernst zu nehmen. Im Gegenteil lässt sich der Spaß, den die Beteiligten beim Dreh gehabt haben müssen, unmittelbar nachempfinden. Als Schlager- und Tourismusfilm steht „Komm mit zur blauen Adria“ am Ende einer langjährigen Genre-Entwicklung, gemessen am Unterhaltungswert aber ganz vorne. 

"Komm mit zur blauen AdriaDeutschland 1966Regie: Lothar GündischDrehbuch: Hans BillianDarsteller : Hannelore Auer, Dietmar Schönherr, Thomas Alder, Margitta Scherr, Gustavo Rojo, Ruth Stephan, Fritz Benscher, Maria Brockerhoff, Manfred Schnelldorfer, Vivi BachLaufzeit : 91 Minuten

Dienstag, 11. November 2014

Tausend Takte Übermut (1965) Ernst Hofbauer

Die Männer (Thomas Alder und Kurt Liederer) haben einen Plan
Inhalt: Die Plattenfirma „Melodia“ steht kurz vor der Pleite, da sie nicht über genug Zugpferde verfügt, die Umsatzzahlen versprechen. Deshalb sollen Firmenanwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer) und Manfred Reiner (Thomas Alder) an die italienische Adria-Küste fahren, wo die so erfolgreiche, wie exzentrische Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer), begleitet von ihrer Privatsekretärin gerade ihren Urlaub verbringt, verbunden mit einigen Gesangs-Auftritten. Manfred Reiner soll seinen Erfolg bei Frauen auch bei der vor kurzem geschiedenen Sherry wirken lassen, um sie als Ehefrau fest an die „Melodia“ zu binden. Dafür hat er einen psychologisch ausgefeilten Plan geschmiedet, den er am Urlaubsort angekommen sogleich in die Tat umsetzt. Er will die eitle Sherry mit Missachtung strafen, wodurch er sich ihre Aufmerksamkeit verspricht.

Das Objekt ihrer Begierde (Hannelore Auer)
Doch er ist nicht der Einzige, der etwas im Schilde führt. Michaela Andreas (Margitta Scherr) checkt als glamouröse Erscheinung im Hotel ein, um den Vater ihres Verlobten (Gus Backus), ihren Chef Robert Hilman (Harry Hardt), von sich zu überzeugen, denn dieser ist gegen ihre Verbindung, da er sie für eine „graue Maus“ hält. Er ahnt nicht, dass sie weiß, dass er inkognito in seinem eigenen Hotel als Gast nach dem Rechten sehen will…







Schlagerfilm goes Erotikfilm - das langsame Ende eines Genres

Vater (Harry Hardt) und Sohn (Gus Backus) sind unterschiedlicher Meinung
Ernst Hofbauers zweiter Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut" blieb nach "Ferien in St.Tropez" (1964) nicht nur sein letzter Ausflug in die seit den frühen 50er Jahren populären Kino-Filme um aktuelle Gesangsstars und Sternchen, sondern wurde einer der letzten Vertreter dieses aussterbenden Genres, das vor der tagesaktuelleren Fernseh-Konkurrenz kapitulierte. Auch für Vivi Bach, mit mehr als zehn Schlagerfilmen seit ihrem Debüt in "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) die wichtigste Protagonistin der Spät-Phase des Genres, leitete "Tausend Takte Übermut" das Ende ihrer Kino-Karriere ein. In "Komm mit zur blauen Adria" (1966), einem ähnlich konzipierten Schlagerfilm, der wenig später ebenfalls nach einem Drehbuch Thomas Billians entstand, hatte sie nur noch einen Gastauftritt - eine ohne Zusammenhang zur eigentlichen Handlung hinein geschnittene, früher gedrehte Gesangsszene.

Manfred Schnelldorfer als singender Taxifahrer
Parallel zu „Tausend Takte Übermut“ produzierte Dr. Karl-Heinz Busse noch „Ich kauf‘ lieber einen Tirolerhut“ (1965), der nur drei Wochen später in den deutschen Kinos anlief. Billian hatte neben dem Drehbuch auch die Regie übernommen, assistiert von Gündisch, aber trotz Gus Backus, Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer auf dem Höhepunkt seiner kurzen Karriere als Schlagersänger konnte der Niedergang nicht mehr aufgehalten werden, wurde diese Produktion auch die letzte für Busse, der als Drehbuchautor im Heimatfilm begonnen hatte („Die Fischerin vom Bodensee“, 1956), bevor er zwischen 1962 und 1965 noch sechs späte Musikfilme beisteuerte. Ernst Hofbauer setzte seine Regie-Tätigkeit stattdessen bei „Die Liebesquelle“(1966) fort - mit Hans-Jürgen Bäumler in der Hauptrolle, der Schnelldorfer nicht nur als Eiskunstlauf-Star ablöste. Damit bewies Hofbauer früh Weitsicht, denn trotz der Heimatfilm-Komödien-Attitüde, machte der Film aus seiner sexuellen Ausrichtung kein Geheimnis mehr, setzte ausführlich auf Nuditäten und gab ihm die Gelegenheit, die erotischen Anspielungen seiner Schlagerfilme zu konkretisieren.

Der Geschäftsführer (Fritz Benscher) verfolgt eigene Interessen
In den 50er Jahren wurde noch versucht, den sexuellen Subtext des Musikfilms mit seinen leicht geschürzten Sängerinnen und Tänzerinnen mit möglichst tugendhaftem Verhalten der Protagonisten zu deckeln. Inzwischen durfte das Genre dank der fortschreitenden Liberalisierung mehr wagen - eine Konsequenz, die die seltsamsten Blüten trieb, denn so sehr es die Frauen und Männer zwischendurch krachen ließen, zuletzt hatte alles wieder seine schönste „Pärchen“-Ordnung. In dieser Hinsicht bildet auch „Tausend Takte Übermut“ keine Ausnahme, aber bis am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, verzichtete Hofbauer anders als noch in „Ferien in St.Tropez“ auf familiäre Elemente und ließ keinen Zweifel daran, worum es tatsächlich geht – um Sex.

Vater und Sohn mit der begehrten Michaela (Margitta Scherr)
Zwar wurde die Handlung erneut an Mittelmeer-Gestaden angesiedelt – diesmal geben die italienische Adria und Venedig den stimmigen Hintergrund ab – aber Urlaub macht hier keiner der Protagonisten. Als Anlass der Story dient die drohende Pleite der Plattenfirma „Melodia“, weshalb Manfred Reiner (Thomas Alder), begleitet von seinem Freund und Anwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer), mit dem Auftrag nach Italien geschickt wird, die glamouröse Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer) zu verführen, damit sie einen Vertrag bei seiner Firma unterschreibt. Während Reiner seine vermeintlich erfolgsversprechende Strategie bei der exzentrischen Sängerin anwendet, will Industriellen-Sohn Frank (Gus Backus) seinem Vater Robert Hilman (Harry Hardt) seine Braut schmackhaft machen. Dem präsidialen Hilman ist die in seiner Firma arbeitende, ihm persönlich unbekannte Sekretärin Michaela Andreas (Margitta Scherr) als Schwiegertochter zu wenig vorzeigbar, aber ihr gelingt es mühelos, den an die Adria gereisten Senior vom Gegenteil zu überzeugen.

Gunter Phillip (noch) in seinem Element
Auch sein Aufenthalt kommt nicht ohne Hintergedanken aus, denn er will inkognito als Gast die Qualitäten seines Hotelpersonals überprüfen, die sich als äußerst dürftig erweist, da der Geschäftsführer Theodor Rassel (Fritz Benscher) und sein Portier Pizzanini (Fritz Korn) vor allem an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert sind. Größtenteils verbringt Hilman aber seine Zeit mit der reizvollen Michaela, was seinen Sohn später zu der Bemerkung verleitet, warum er sie nicht gleich selbst heiratet. Nicht ganz unbegründet, denn zwischen dem Alten und der jungen Frau knistert es deutlich mehr als zwischen dem geplanten Liebespaar. Leider kommt es nicht zu dieser Konsequenz, ebenso wie Gunther Phillip in gewohnter Aufschneider-Rolle nicht den drei Mädels frönen darf, die ihm generös von der Hotelleitung zur Verfügung gestellt wurden. Bevor er zum Zuge kommt taucht seine Ehefrau (Edith Hancke) auf, die den Möchtegern-Casanova brachial zur Räson bringt.

Vivi Bach als witzige Telefonistin
Doch diese Konzessionen lassen nicht übersehen, mit welcher Ironie Billian und Hofbauer an den Filmstoff herangingen, bekannte Verwechslungs-Komödienelemente zitierten – Gunther Phillip wagte sogar den Jerry-Lewis-Sprung – und den italienischen Schlagersänger Peppino di Capri mit Besen als Arbeiter auf dem Hoteldach inszenierten, was heute noch lässig wirkt. Besonders Vivi Bach, in „Holiday in St.Tropez“ gewohnt seriöser Mittelpunkt des irren Geschehens, bewies hier ihr komödiantisches Talent und persiflierte ihre Rolle als blonder Blickfang. Selbstverständlich kommt am Ende auch sie wieder unter die Haube, ebenso wie das geschiedene Schlagerpaar Hannelore Auer und Rex Gildo als „Rick Tanner“ wieder zusammenfindet, aber diesen am Ende im Minuten-Takt verabreichten Happy-Ends fehlt jede Ernsthaftigkeit, um das zuvorige frivole Treiben noch zu kaschieren.

"Tausend Takte Übermut" Deutschland 1965, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Bilian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Hannelore Auer, Thomas Alder, Kurt Liederer, Rex Gildo, Gunther Phillip, Harry Hardt, Fritz Benscher, Gus Backus, Edith Hancke, Margitta Scherr, Adi BerberLaufzeit : 93 Minuten

Lief am ersten Abend des 1. Auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer Kommando in Frankfurt/Main vom 07. bis 09.11.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Holiday in St.Tropez" (1964)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Sonntag, 10. August 2014

Holiday in St.Tropez (1964) Ernst Hofbauer

Inhalt: Das Hotelier-Ehepaar Marisa (Elma Karlowa) und Carlos Fonti (Kurt Großkurth) schaut verdutzt, als die Handwerker sich aus dem Staub machen und sie mit einem unbewohnbaren Kasten am Mittelmeer zurücklassen, für den ihre Nichte Vivi (Vivi Bach) schon Kunden anwirbt. Ihr Freund Theo Reich (Gerd Vespermann) betreibt ein Reisebüro und bereitet sich schon darauf vor, mit einer großen Zahl Gäste demnächst ins Hotel zu ziehen, um dort die Sommerferien zu verbringen. Parallel haben zwei junge Frauen eigene Pläne. Die 18jährige Carola (Margitta Scherr) büxt aus, um ihren Eltern einen Schrecken einzujagen, weil sie nur an ihre Geschäfte denken, und Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), eine einfache Angestellte ihres Vaters (Rudolf Prack), staffiert sich als reiche Frau auf der Suche nach einem ebenso vermögenden Herrn aus.

Sie alle begegnen sich am Mittelmeer wieder – teils per Schiff, teils auf vier Rädern angereist – und werden mit dem unfertigen Hotelbau konfrontiert. Doch kein Problem. Theo Reich kauft von seinem letzten Geld ein paar Zelte und die Sommerfrische kann bei Gesang, Spaß und Liebeleien beginnen…




Für Ernst Hofbauer stand "Holiday in St.Tropez" am Beginn seiner Karriere als Regisseur - sein erster Film "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X" (1964) erschien erst kurz zuvor im Kino - das Metier des Schlagerfilms befand sich dagegen am Ende einer langen Erfolgsgeschichte. Im Gegensatz zum Heimatfilm, dessen Gesangsnummern mehr den folkloristisch-heimatlichen Charakter betonen sollten, und als kultureller Gegenentwurf zu den beliebten Operetten-Filmen kamen die Schlagerfilme dem Bedürfnis entgegen, aktuelle Stars mit ihren Hits nicht nur hören, sondern auch in Aktion sehen zu können. Schon einer der ersten dieser Hitparaden-Vorläufer mit dem bezeichnenden Titel "Schlagerparade" (1953) schuf die Grundstruktur, an der sich die Nachfolger orientierten. Eine belanglos-komödiantische Story gab den Hintergrund für die Integrierung einer möglichst großen Anzahl an Musiknummern, vorgetragen von verschiedenen beliebten Interpreten.

Im Gegensatz zum Heimatfilm bedienten die Schlagerfilme früh die Sehnsucht nach fernen Ländern. Stars wie Vico Torriani ("Straßenserenade" (1953)) oder Caterina Valente ("Große Star-Parade" (1954)) verbreiteten gemäßigtes internationales Flair und drehten Mitte der 50er Jahre eine Vielzahl ähnlich angelegter Filme. Auch deutsche Sänger wie Peter Alexander ("Liebe, Tanz und tausend Schlager" (1955)) oder Conny Froboess ("Der lachende Vagabund" (1958)) starteten auf diese Weise ihre Film- und späteren Fernseh-Karrieren, ebenso wie die Dänin Vivi Bach, die erst spät zum Musikfilm-Genre ("Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960)) stieß, als die Konkurrenz des Fernsehens zunahm, das schneller auf Hitparadenerfolge und aktuelle Musikrichtungen reagieren konnte. Trotzdem kam Bach, die in Deutschland den Ruf einer „dänischen Bardot“ genoss, in der ersten Hälfte der 60er Jahre noch zu einigen Auftritten und erfüllte auch in Ernst Hofbauers zwei Schlagerfilmen – im Jahr darauf folgte noch „Tausend Takte Übermut“ (1965), ebenfalls nach einem Drehbuch Hans Billians – die Erwartungshaltung der Zuschauer als blond strahlender Mittelpunkt.

An „Holiday in St.Tropez“ lassen sich zwei aktuelle Strömungen der frühen 60er Jahre ablesen, auf die Hofbauer in seinen späten Genre-Vertretern geschickt reagierte - der zunehmende anglo-amerikanische Einfluss auf die Musikbranche und die Reiselust der Deutschen, die in den Sommerferien in Scharen über die Alpen gen Mittelmeer fuhren. Denn Hofbauer war kein Anfänger, hatte als Regie-Assistent von Franz Marischka schon früh Erfahrung bei „Liebe, Sommer und Musik“ (1956) gesammelt und dessen „Schlagerparade 1961“ (1961) für eigene Kontakte genutzt. Mit Vivi Bach, Gus Backus, Billy Mo sowie Rex Gildo beim Nachfolgefilm „Tausend Takte Übermut“ verpflichtete er vier der Hauptakteure für seine eigenen Filme, gab dazu der 15jährigen US-Amerikanerin Peggy March, die nach einem Nummer 1 Hit in den USA („I will follow him“) in den deutschen Markt einsteigen wollte, eine Chance und reagierte auf die Erfolge des englischen Jazz-Klarinettisten Acker Bilk, der Anfang der 60er Jahre zwei veritable Instrumental-Hits („Le petite fleur“) verzeichnen konnte. Auch Manfred Schnelldorfer, erst im Winter zuvor Olympiasieger im Eiskunstlauf geworden, durfte erstmals unter Hofbauer seine Fähigkeiten als Schlagersänger beweisen – eine damals beliebte Form, sportliche Erfolge zu vermarkten.

Neben diesen Stars gehörten auch die obligatorischen „Hupfdohlen“ zum Ensemble, hier als züchtige Internatsschülerinnen unter einer gestrengen Gouvernante (Alice Treff) auftretend, die aber jede Gelegenheit zu leichter Bekleidung nutzten, um zu beat-ähnlichen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen. Wie Hofbauer und Billian das unter einen Hut bringen wollten? – In dem sie es nicht so genau nahmen. So wurde die jugoslawische Adria-Küste, vor deren felsiger Kulisse die Handlung gedreht wurde, kurzerhand nach Italien versetzt, um das gewohnte Amore- und Cinzano-Feeling zu verbreiten, was aber auch einen französischen Polizisten nicht davon abhielt, an den jugoslawischen Gestaden Streife zu laufen. Von St.Tropez ist im Film absolut nichts zu sehen, aber im Titel machte sich der berühmte Badeort definitiv gut. Konkret findet Deutschland zwar nur zu Beginn und größtenteils in einem Reisebüro statt, dessen umtriebiger Chef Theo Reich (Gerd Vespermann) Reisen in ein mondänes (italienisches) Hotel vermittelt, das sich dann vor Ort als unbewohnbare Bruchbude erweist, aber deutsch ist im Film letztlich alles – die mit Akzent vorgetragenen Liedtexte, die Camper-Mentalität (sämtliche geprellten Urlauber geben sich mit der Unterbringung in Zelten zufrieden), die Witze und die Vorurteile.

Schon in der ersten Szene, wenn die italienischen Bauarbeiter die beiden Hotel-Besitzer im Stich lassen, um als Gastarbeiter in Deutschland „richtig Geld“ zu verdienen, bediente gängige Klischees, die vor allem in der Story um Heidi Kirschmann (Ann Smyrner) die schönsten Blüten trieben. Nicht nur das die attraktive Heidi plant, sich einen Millionär zu angeln, indem sie sich ein Mercedes-Cabriolet leiht und sich optisch entsprechend aufbretzelt, um ihr Verkäuferinnen-Image loszuwerden, auch der italienische Lover ist natürlich nicht weit, bei dem es sich folgerichtig nur um einen Hochstapler handeln kann. Bestraft wird die gute Heidi für ihr egoistisches Ansinnen nicht - zumindest nicht nach den Regeln zeitgenössischer Komödien. Sie landet im Ehehafen beim braven Reisebüro-Besitzer, womit alles seine schönste Ordnung hat. Aber was kann man von einem Filmstoff anderes erwarten, bei dem die 18jährige Tochter Carola (Margitta Scherr) aus reicher BRD-Wirtschaftswunder-Familie abhaut und auf „Gammler“ macht, um endlich einmal gemeinsam mit ihren vielbeschäftigten Business-Eltern (Mady Rahl und Rudolf Prack) Urlaub machen zu können?

Trotz dieser kleinbürgerlichen Avancen und dem konsequenten Ausspielen altbackener Witze, überrascht das muntere Treiben, dass Hofbauer jederzeit unterhaltsam und ohne allzu große Peinlichkeiten vor dem Zuschauer ausbreitete und das viel von den sozialen Veränderungen in dieser Zeit verriet. Besonders aus dem Kindermund der zwei frechen Gören, deren Jargon sich von heutigen Heranwachsenden nur rudimentär unterscheidet, lässt sich heraushören, dass die Zeiten nicht mehr zurückgedreht werden konnten, auch wenn das multiple Happy-End noch Ordnung vorgaukeln wollte. Wirklich ernst nahmen die Macher die Chose sowieso nicht und befriedigten die Erwartungshaltung mit Mittelmeer-Länder-Mix, Kleinkunst-Potpourri und einen Gag-Dichte, die Fehlschüsse verzieh.

"Holiday in St.Tropez" Deutschland 1964, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Billian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Gerd Vespermann, Ann Smyrner, Rudolf Prack, Mady Rahl, Gus Backus, Edith Hancke, Hannelore Auer, Margitta ScherrLaufzeit : 84 Minuten

Abendlicher Eröffnungsfilm beim 13. Hofbauer-Kongress zu Nürnberg vom 24. bis 28.07.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)