Posts mit dem Label Ruth Stephan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ruth Stephan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 31. Dezember 2016

Komm mit zur blauen Adria (1966) Lothar Gündisch


Walter (Dietmar Schönherr) poussiert mit Tina (Margitta Scherr)
Inhalt: Dass Walter (Dietmar Schönherr) gerade der hübschen Tochter des Hoteliers, Tina (Margitta Scherr), auf dem Meer nahe kommt, ärgert nicht nur deren Vater, dem er schon einige Tage Kost und Logis schuldet, sondern auch seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer), mit der er sich ein Hotelzimmer teilt. Walter versteht die ganze Aufregung nicht. Schließlich muss er seinen kreativen Kopf frei bekommen, um die neuen Bademoden zu entwerfen. Und da kommt ihm jedes Mittel gelegen. Sein Chef (Fritz Benscher) in Deutschland wird von Tag zu Tag ungeduldiger und sein Geld ist längst weg. 

Seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) reagiert wenig begeistert
Walter ahnt nicht, wie recht er hat. Angespitzt von der Chefsekretärin Fräulein Habicht (Ruth Stephan) hat ihm sein Chef den Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) undercover als Frau verkleidet hinterher geschickt, um den Arbeitsfortschritt seines Angestellten zu überprüfen. Kindlein ist nicht der Einzige, der sich auf den Weg ans Mittelmeer macht. Die Tochter seines Chefs, Renate (Maria Brockerhoff), war aus ihrem Mädchen-Internat abgehauen, um endlich etwas zu erleben, und der reiche Geschäftsmann Senior Hernandez (Gustavo Rojo), wichtigster Kunde ihres Vaters, macht sich auf ihre Verfolgung. Er hatte sich in Renates Porträt verliebt und will sie heiraten… 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms 

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

1966 war die Nachkriegszeit vorbei. Das "blaue Meer" kam hier zwar noch ein letztes Mal zur Geltung (mit der geografisch falschen Präzisierung "Adria", denn der Film wurde in Spanien gedreht), aber als Sehnsuchtsbegriff hatte es ausgedient. Das Mittelmeer war inzwischen fester Bestandteil von Pauschal- und Individualurlaub, weshalb nicht mehr Land und Leute im Mittelpunkt der Tourismuswerbung standen, sondern die vielfältigen Attraktionen eines Strandurlaubs, Liebe und Sex inbegriffen. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Endstation "blaue Adria". 

Walter versucht seinen Chef von seinem Arbeitseinsatz zu überzeugen...
Nicht im übertragenen Sinn wie das wiederholte Ankündigen des "Heimatfilm"-Endes, sondern ganz konkret. "Komm mit zur blauen Adria" war ein Nachzügling, das letzte Relikt eines Genres, das es seitdem in dieser reinen Form nicht mehr gibt - der "Schlagerfilm", zudem kombiniert mit einem Restposten "Tourismusfilm". "Das Spukschloss im Salzkammergut" kam zwar erst Ende 1966 in die deutschen Kinos, war aber eine Mogelpackung - gefilmt 1963 und mit einer nachgedrehten Rahmenhandlung modernisiert. Zudem ganz ohne internationales Flair. Und spätere Musik-Filme wie "Heintje - Einmal wird die Sonne wieder scheinen" (1969) oder "Wenn du bei mir bist" (1970) mit Roy Black waren ganz auf ihre Stars zugeschnitten.

...was ihm aber nicht recht gelingt (Fritz Benscher und Ruth Stephan)
"Komm mit zur blauen Adria" konnte, wie im Schlagerfilm üblich, noch mit einer Reihe an mitspielenden Sängern aufwarten, deren Songs gleichwertig in die Handlung integriert wurden: Manfred Schnelldorfer, Hannelore Auer und Maria Brockerhoff. Selbst Dietmar Schönherr, sonst nicht als Sängerknabe bekannt, gab hier eine Gilbert Becaud-Komposition zum Besten. Die Anzahl der Gastauftritte blieben in "Komm mit zur blauen Adria" dagegen vergleichsweise spärlich. Ein weiteres Anzeichen für dessen späten Status. Außer dem Trompeter Roy Etzel, dessen "Golden midnight sun" hier als Erkennungsmelodie diente, trat nur noch Vivi Bach mit einem Schlager auf. Eine lieblos hineingeschnittene Szene, die offensichtlich zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort entstanden war.

Dieser schickt Buchhalter Kindlein (Thomas Alder) undercover hinterher...
Stichwort "Vivi Bach". Die dänische Sängerin und Schauspielerin war das Gesicht des Schlagerfilms und der Musik-Komödie in der ersten Hälfte der 60er Jahre. Seit "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) an der Seite von Fred Bertelmann war sie bis "Tausend Takte Übermut" (1965) in mehr als zwanzig Kinofilmen aufgetreten. Der Verlauf ihrer Kino-Karriere steht ebenfalls symbolisch für das Ende des Genres. Bis 1969 folgten nur noch wenige Filme, meist internationale Produktionen. Darunter ein Auftritt in "Europa canta" (Lass die Finger von der Puppe, 1966), eine italienisch-spanische Co-Produktion, die noch ein wenig Schlagerfilm-Feeling herüberretten wollte. Ob Vivi Bachs kurzer Gesangsauftritt hier noch beim Dreh zu "Tausend Takte Übermut" entstanden war, ist fraglich, sicher ist aber, dass sich aus dessen Crew der größte Teil der Mitwirkenden an "Komm mit zur blauen Adria" rekrutierte.

...um Walters kreative Arbeitsmethodik zu beobachten
Neben Vivi Bach fehlten noch Rex Gildo und Gunter Philipp, aber ihr Ehemann Dietmar Schönherr, der uruguayische Schauspieler Gustavo Rojo und Maria Brockerhoff sorgten für adäquaten Ersatz. Wieder mit von der Partie waren Hannelore Auer, Margitta Scherr, Thomas Alder, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan und Fritz Benscher. Statt Ernst Hofbauer übernahm dessen Assistent Lothar Gündisch die Regie und Hans Billian war erneut für das Drehbuch verantwortlich. Vielleicht ist dieser Kontinuität der Filmtitel zu verdanken, der letztmalig das „Blau“ des Meeres betonte, wenn hier auch fälschlich als „Adria“ bezeichnet. "Tausend Takte Übermut" hatte noch an der italienischen Adria-Küste gespielt, der geistige Nachfolger entstand aber im Süden Spaniens an der „Costa del sol“, worauf in den Credits schon zu Beginn hingewiesen wird. Unter dem Filmtitel „El Bikini rojo“ kam die deutsch-spanische Co-Produktion am Drehort heraus und es bleibt das Geheimnis der deutschen Produzenten, warum sie auch inhaltlich auf einem italienischen Handlungsort bestanden, obwohl dem Kino-Besucher das spanische Ambiente vertraut gewesen sein wird.

Erst wird sie von Joachim (Manfred Schnelldorfer) gerettet,...
Mitte der 60er Jahre war der Pauschalurlaub an der spanischen Küste kein Geheimtipp mehr, aber der Hintergrund mit Sandstrand, blauem Meer und allerlei Freizeitmöglichkeiten erfüllte seinen Zweck als attraktive Reisekulisse. Mit dem „Tourismusfilm“ der späten 50er Jahre, als die südlichen Gestade am Mittelmeer noch weit entfernt schienen, berühmte Sehenswürdigkeiten und folkloristische Eigenarten des Gastgeber-Landes ins Bild gerückt wurden und schon die Reise dorthin zum Abenteuer wurde, hatte das nur noch wenig gemeinsam. Mit solchen Details schlug sich „Komm mit zur blauen Adria“ nicht mehr herum, sondern entfaltete seine Story um eine deutsche Textilfirma, deren Designer nur wenig motiviert ist, die neuen Bademoden zu kreieren, sondern lieber seinen Charme bei den zahlreichen hübschen Mädchen spielen lässt, vor dem Hintergrund eines ewig scheinenden Hotel- und Strand-Urlaubs.

...dann landet Renate (Maria Brockerhoff) neben Walter im Bett...
In einer kurzen Szene gibt es eine kleine Reminiszenz an das „Reisen per Anhalter“, das in "Unter Palmen am blauen Meer" (1957) und seinen „Blauen Meer“-Epigonen noch ein wichtiger Story-Bestandteil war. Kurz vor ihrem Ziel am Ferienort wird Renate (Maria Brockerhoff) von einem Cabriolet-Fahrer, der sie mitgenommen hatte, belästigt und vom zufällig vorbei kommenden Joachim (Manfred Schnelldorfer) aus einer unangenehmen Situation gerettet. Ein bisschen Drama durfte noch sein, aber es fehlte der moralische Zeigefinger, der die jungen Damen davor warnen sollte, zu fremden Herren ins Auto zu steigen. Die Wirkung einer solchen Botschaft wäre angesichts des frivol unbeschwerten Treibens am Meer auch schnell verpufft, denn wenn etwas in „Komm mit zur blauen Adria“ lange Zeit offenbleibt, dann wer hier mit wem anbandelt.

...bevor sie sich des aufdringlichen Hernandez (Gustavo Rojo) erwehren muss
Besonders Walter (Dietmar Schönherr) kann sich nur schwer festlegen. Statt endlich die Bikini-Mode für die kommende Saison zu entwerfen, poussiert er mit Tina (Margitta Scherr), der Tochter des Hoteliers, während seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) mit abendlichen Gesangsauftritten ihre Hotel-Schulden abarbeiten will. Ingrid trauert ihm nicht lange nach, sorgt aber dafür, dass er aus ihrem gemeinsamen Zimmer geschmissen wird, denn ihre Gage behält sie für sich. Den frei gewordenen Schlafplatz neben ihr belegt eine neu ankommende ältere Dame, bei der es sich in Wahrheit um einen Mann in Frauenkleidern handelt. Der Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) wurde von seinem Chef (Fritz Benscher) an die Küste geschickt, um Walter undercover zu beobachten, ist aber mehr damit beschäftigt, sein wahres Geschlecht vor Ingrid zu verbergen. Währenddessen sorgt Tina dafür, dass Walter in einer leerstehenden Ferien-Villa einen Schlafplatz erhält. Und trifft dort im Bett auf Renate.

Alles klar? – Offensichtlich muss allen Beteiligten um Drehbuchautor Hans Billian bewusst gewesen sein, dass ihr schon aus der Zeit gefallener Film kaum noch auf Resonanz stoßen würde. Anders ist der hemmungslose Umgang mit den Lustspiel-Klischees kaum zu erklären. Ideen, die im Normalfall über eine Spielfilmlänge ausgewalzt werden, werden hier im Schnelldurchlauf abgearbeitet. „Komm mit zur blauen Adria“ ist nicht eine Verwechslungskomödie, sondern gleich drei. Mehrfach wird „Charlies Tante“ zitiert und die Liebespaare finden sich im Minutentakt, um sich kurz danach wieder neu zu orientieren. Dazu gibt es Eifersucht, Männerwitze, viel nackte Haut – allerdings noch im züchtigen Rahmen – und eine Massen-Prügelei.

Vielleicht war es auch nur das blaue Meer, das nie blauer ins Bild gerückt wurde, oder die heiße Sonne, die ständig auf die versammelte Crew schien. Niemand schien hier etwas ernst zu nehmen. Im Gegenteil lässt sich der Spaß, den die Beteiligten beim Dreh gehabt haben müssen, unmittelbar nachempfinden. Als Schlager- und Tourismusfilm steht „Komm mit zur blauen Adria“ am Ende einer langjährigen Genre-Entwicklung, gemessen am Unterhaltungswert aber ganz vorne. 

"Komm mit zur blauen AdriaDeutschland 1966Regie: Lothar GündischDrehbuch: Hans BillianDarsteller : Hannelore Auer, Dietmar Schönherr, Thomas Alder, Margitta Scherr, Gustavo Rojo, Ruth Stephan, Fritz Benscher, Maria Brockerhoff, Manfred Schnelldorfer, Vivi BachLaufzeit : 91 Minuten

Sonntag, 13. März 2016

Das Spukschloss im Salzkammergut (1966) Rolf Olsen, Hans Billian

Udo (Jürgens) und seine Eva (Gertraud Jesserer) im Beziehungs-Clinch
Inhalt: Nachdem Manfred (Schnelldorfer) Hannelore (Auer) nach drei Jahren in den USA und Zwischenstopp auf Mallorca mit seinem Alfa Spider am Flughafen abgeholt hatte, umkurven sie entspannt den Wolfgangsee und kommen auf alte Zeiten zu sprechen – genauer auf Udo (Jürgens) und dessen amouröses Abenteuer, das im Ehehafen endete.

Der Beginn klingt allerdings wenig vielversprechend, denn anstatt ihn auf seiner Tournee zu begleiten, wollte seine Freundin (Gertraud Jesserer) eine eigene Karriere als Schauspielerin starten. Ob so viel weiblichen Widerspruchsgeists, blieb Udo nur der Bruch und er gesellte sich allein zu seiner international besetzten Show-Truppe, die im selben alten Schloss am Neusiedler See landete wie die notorisch klamme Theatergruppe, der sich seine Freundin angeschlossen hatte. Klar, dass das nicht lange gut gehen konnte… 

Rückblick auf den 15.Hofbauer Kongress vom 07.01. bis 11.01.2016

"Das Spukschloss im Salzkammergut" erfreute am dritten Tag des 15. Hofbauer-Kongresses die Herzen mit seinem Mix aus Musik- und Heimatfilm sowie platter Komödie - ganz den populären Vorbildern "Das Spukschloss im Spessart" (1960) und Billians erster Regie-Arbeit "Übermut im Salzkammergut" (1963) verpflichtet, aus deren Titeln die Produktionsgesellschaft raffiniert einen "neuen" Titel zusammensetzte. Es wurde ihr letzter Akt, war aber insofern konsequent, weil auch der Film nichts Neues bot.

Das Filmplakat verweist auf ihre Absichten. Udo Jürgens sieht darauf deutlich "flotter" aus als in den Filmaufnahmen, die mehr als drei Jahre zuvor entstanden waren. Und als Stars wurden neben ihm Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer groß aufgeführt, die mit der eigentlichen Filmhandlung genauso wenig zu tun hatten, wie das "Spukschloss" im Salzkammergut steht. Sie sollten der Resteverwertung nur einen modernen Anstrich geben.






"Mercie, chérie" sang Udo Jürgens am 5. März 1966 in Luxemburg und gewann den 11. Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne für Österreich - vielleicht der entscheidende Grund, warum "Das Spukschloss im Salzkammergut" am 23. November 1966 noch das Licht der Kinoleinwand erblickte.

"Da steht Udo ganz groß drauf" meint Eva - wohl eine optische Täuschung...
Heimatfilm und Schlagerfilm waren in den frühen 60er Jahren eine Allianz eingegangen, um der darbenden Branche auf die Beine zu helfen, aber inzwischen war nur noch ein leises Röcheln zu vernehmen (siehe den Essay "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969 "). Udo Jürgens, dessen Karrierebeginn eng mit dem Schlagerfilm verbunden war ("Die Beine von Dolores" (1957)), hatte Anfang 1964 in "Unsere tollen Tanten in der Südsee" seinen letzten Filmauftritt, bevor er sich ausschließlich auf den Gesang konzentrierte. Der deutsche Verleihtitel "Siebzehn Jahr, blondes Haar" für die italienisch-deutsche Co-Produktion "La battaglia dei mods", September 1966 herausgekommen, war reiner Etikettenschwindel, erst in "Das Spukschloss im Salzkammergut" tauchte Udo Jürgens tatsächlich noch ein letztes Mal als Schauspieler aus der Versenkung auf.

...denn seine "Internationale Show-Gruppe" reist per Bus durch die Provinz
Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um die Entstehung des Films als Resteverwertung der "Music House" - Production Company am Ende ihrer kurzen Existenz zu erkennen. Udo Jürgens‘ einziger Song im Film "Das kann auch dir gescheh'n" stammte aus dem Jahr 1962, weshalb viel dafür spricht, dass Regisseur Rolf Olsen die von ihm erdachte Story um den Streit einer Schauspieltruppe und einer tingelnden Music-Show direkt nach "Hochzeit am Neusiedler See" abdrehte, der Ende 1963 in die Kinos kam. Die Besetzung um das Protagonisten-Paar Getraud Jesserer und Udo Jürgens sowie bekannte Darsteller wie Ruth Stephan, Mady Rahl, Oskar Sima oder Rudolf Schündler war bis in kleine Nebenrollen identisch, gedreht wurde jeweils vor dem Hintergrund des Neusiedler Sees im Burgenland und Rocco Granata  trat in beiden Filmen auf – auch sein 1966 gesungener „Tango d’amore“ stammte aus dem Jahr 1962. 


Von 1963 bis 1966 – ein Quantensprung

Hannelore Auer ganz 1966
Verräterisch sind auch die Angaben zum Drehbuch in den Credits. Idee und Ausführung stammten von Rolf Olsen, Hans Billian hatte es nur bearbeitet. Dass Olsen an der letztlichen Kino-Fassung von „Das Spukschloss im Salzkammergut“ aktiv beteiligt war, ist unwahrscheinlich. Obwohl fast gleichaltrig gibt es keinen weiteren Berührungspunkt in ihren umfangreichen Oevres. Dem erfahrenen Schlagerfilm-Spezialisten Billian blieb es allein überlassen, eine Modernisierung einzuleiten. Er montierte neben die handlungsintegrierten Musiknummern einige ortsfremde, aber aktuelle Schlager, darunter zwei von Peggy March. Sein größter Regie-Eingriff galt einer zusätzlichen Rahmenhandlung, mit der er den Film im Salzkammergut verortete und in die Gegenwart von 1966 versetzte. Zuerst sollten die Bilder eines Düsen-Jets internationales Flair vermitteln, bevor der Olympionike und Teilzeit-Sänger Manfred Schnelldorfer Hannelore Auer im Alfa-Spider um den Wolfgangsee kutschierte. Deren Lied „Nur mein Herz bleibt in Mallorca“ spielte nicht nur auf die zunehmende Reisefreude der Deutschen an, die frivol und selbstbewusst agierende Auer ließ auch die Protagonisten der Haupthandlung alt aussehen.

Udo und Gertraud ganz 1963
Gegen sie wirkte Udo Jürgens im Anzug mit akkuratem Haarschnitt entsprechend der altbackenen Story wie ein Musterschüler. Da kann Hannelore Auer in der Rahmenhandlung noch so oft „den Udo“ erwähnen, im Film hebt er sich nur durch seinen wenig sympathischen Umgang mit seiner Freundin Eva (Gertraud Jesserer) ab, deren Wunsch, als Schauspielerin berufstätig sein zu wollen, er lächerlich findet – der daraus entstehende Streit zu Beginn der Handlung war noch ganz dem traditionellen Geschlechter-Rollenbild zu verdanken. Dass Udo sich darüber hinaus nicht zu schade war, die geringen Erfolgsaussichten der kräftig dilettierenden Darsteller-Riege um seine Freundin am „Spukschloss“ zu torpedieren, war eine unnötige Dramatisierung dieser Thematik. Den Produzenten muss die dünne Story bewusst gewesen sein, weshalb sie den einzigen Höhepunkt des Films gleich zu Beginn schon vorwegnahmen – die zentral gelegene 2minütige Spukszene im Schloss, in der die Schauspieler die arroganten Musiker aus dem Schlaf schrecken. Vermutlich der einzige Grund neben Udo Jürgens‘ gewachsener Popularität, Olsens unveröffentlichte Filmrolle aus der Mottenkiste zu holen.

Die schauspielernde Konkurrenz
Bleibt nur noch die Frage, warum die so schmählich behandelte Verlobte am Ende ihren Udo doch heiratet? – Die Antwort findet sich im Jahr 1963, als der weibliche Wunsch nach einem eigenen Einkommen noch wenig populär war und Udos Verhalten als legitim galt. Nun ist 1966 nicht als Jahr des emanzipatorischen Durchbruchs in die Geschichte eingegangen, aber die Gesellschaft veränderte sich Mitte der 60er Jahre rasant und Hannelore Auers abschließende Verteidigung der Haltung Udos klang nur noch halbherzig – die Erwartung des Publikums an Typen, die cool und modern wirken wollten, hatte sich verändert. Es kann entsprechend ausgeschlossen werden, dass Udo Jürgens seine einmalige Wiederauferstehung auf der Leinwand begrüßte – auch für Manfred Schnelldorfer blieb es der letzte Auftritt in einem Kinofilm.

Das Händchen macht Schluss
Parallel feierte Rolf Olsen „heiße Nächte“ in Frankfurt, („In Frankfurt sind die Nächte heiß“ (1966)) und Billian beteiligte sich wenig später an der spanisch-deutschen Co-Produktion „Das Haus der tausend Freuden“ (1967), bevor er es „Pudelnackt in Oberbayern“ (1969) trieb. Hannerlore Auer ließ es derweil bei "Suzanne - die Wirtin von der Lahn" (1967) krachen. Auf die „Sex-Karte“ hatte Billian bei seiner Frischzellenkur noch verzichtet, zu brav kam Olsens 63er Vorlage daher. Irgendwie aus der Zeit gefallen, aber in der von Billian zusammengeschusterten Vielfalt ein wunderschöner Abgesang auf Heimat- und Musikfilm.

"Das Spukschloss im Salzkammergut" Deutschland 1966Regie: Rolf Olsen, Hans Billian, Drehbuch: Rolf Olsen, Hans Billian, Darsteller : Udo Jürgens, Gertraud Jesserer, Hannelore Auer, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan, Oskar Sima, Mady Rahl, Ilse Peternell, Laufzeit : 82 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen

"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1964) 
"Heubodengeflüster" (1967) 
"Der Arzt von St.Pauli" (1968)

Sonntag, 28. Februar 2016

Die spanische Fliege (1955) Carl Boese

Sommer (Rudolf Platte) und Klinke (Joe Stöckel) vor der "spanischen Fliege"
Inhalt: Daxburg soll ein eigenes Amtsgericht bekommen. Für den Stadtrat und Unternehmer Heinrich Klinke (Joe Stöckel) prinzipiell eine gute Nachricht, wäre da nicht die alte Geschichte, die irgendwo in den Gerichtsakten vergraben ist. Zwar wurde die „Spanische Fliege“, wie die verführerische Varieté-Sängerin von ihm und seinen Freunden genannt wurde, vor 18 Jahren von den Moralwächtern des Staates ausgewiesen, aber Klinke sah sich wenige Monate später mit den Folgen seines Techtelmechtels konfrontiert. Und zahlte seitdem brav Alimente für seinen unehelichen Sohn. Sollte das Amtsgericht nach Daxburg kommen, könnte dieser Vorgang bekannt werden.

Dr. Gerlach (Hans Richter) erfährt Interessantes von Ambrosius (Paul Henckels)
Als er diese Sorge seinem Freund Hugo Sommer (Rudolf Platte) anvertraut, reagiert dieser überraschend. Den Sohn beansprucht der Vater dreier Töchter für sich selbst, schließlich zahle auch er seit 18 Jahren Alimente. Bald stellt sich heraus, dass die beiden Stadträte Hartmann (Kurt Großkurth) und Breilmann (Hans Leibelt) ebenfalls für den damaligen Fehltritt zahlen, aber damit erschöpft sich das Thema noch nicht. Der junge Anwalt Dr. Gerlach (Hans Richter) tritt die Nachfolge des alten Dr. Ambrosius (Paul Henckels) an, der damals die Alimente-Zahlungen mit den vier Männern aushandelte, und gerät dadurch in den Besitz der Akten…


Rückblick auf den 15.Hofbauer Kongress vom 07.01. bis 11.01.2016

Schön war's. Aber es hat gedauert. Nachrufe auf Ruth Leuwerik und Ettore Scola, zwei sehr von mir geschätzte Filmkünstler, kamen mir im Januar dazwischen, der Alltag sowieso. Aber der Beginn des Jahres ist nicht vergessen, der wie bisher bei jedem Hofbauer-Kongress für mich von bewusstseinserweiternder Qualität war, womit ich schon bei der "spanischen Fliege" bin, der den zweiten Kongresstag in Nürnberg am 08.01. einleitete. 

Fast könnten Erinnerungen an sonntägliche Nachmittage in den 70er Jahren aufkommen, an denen sich die Familie vor dem Bildschirm versammelte, um eine "alte Schwarz-Weiß"-Komödie zu sehen - Joe Stöckel, Rudolf Platte und Hans Richter erwiesen sich in solchen Situation als Garanten für beste Unterhaltung. So auch hier, nur dass "Die spanische Fliege" kein familientauglicher Dauergast im TV wurde und es auch auf kein anderes Medium schaffte. Ein Fall für das Hofbauer-Kommando, dass hier eine niederländische Version in 35mm zeigte. Dank deren Abneigung gegenüber Synchronisationen in OV mit holländischen Untertiteln.


Was führt der Bildhauer (Stanislav Ledinek) im Schilde? 
Dass es sich bei der "spanischen Fliege" um ein Potenzmittel handelt, gehörte Mitte der 50er Jahre noch zum Allgemeinwissen. Obwohl es in der Story nicht vorkommt – „die spanische Fliege“ ist der Kosename für eine verführerische Varieté-Tänzerin -  hatte Franz Arnold seinen 1913 herausgebrachten Bühnenschwank danach benannt, damit gezielt die Assoziationen eines Publikums anregend, dass von Sex nur hinter vorgehaltener Hand sprach. Der Erfolg seines ersten Theaterstücks gab ihm Recht, das eine Vielzahl weiterer Lustspiele aus Arnolds und Ernst Bachs Feder, seinem Compagnon, nach sich zog, in denen sie die bürgerliche Doppelmoral humorvoll sezierten. Komödien-Spezialist und Vielfilmer Carl Boese hatte schon 1931 mit „Die schwebende Jungfrau“ erstmals einen ihrer Texte verfilmt. Im selben Jahr folgten noch „Die spanische Fliege“ unter der Regie von Ernst Jacoby und drei weitere Kino-Adaptionen ihrer populären Bühnenwerke. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war der Boom schlagartig vorbei und Arnold musste aus Deutschland emigrieren. Erst Anfang der 50er Jahre erlebten ihre Werke eine erneute Konjunktur im Kino.

Joe Stöckel - drei Jahrzehnte Dauergast auf der Komödien-Leinwand
Angesichts der Prüderie, die in den 50er Jahre in Deutschland vorherrschte, überrascht die Wiederentdeckung der in den moralischen Niederungen spielenden Stücke. Zumal sich ausgesprochene Prominenz darum kümmerte. Parallel zu seinen Heimatfilm-Erfolgen „Schwarzwaldmädel“ (1950) und „Grün ist die Heide“ (1951) drehte Hans Deppe „Die Nacht im Separee“ (1950) und „Der Fürst von Pappenheim“ (1952), unter Mitwirkung von Sonja Ziemann, Olga Tschechowa, Paul Hörbiger, Grethe Weiser, Viktor De Kowa und zweimal Georg Thomalla, nur um die Bekanntesten zu nennen. Auch Carl Boese griff 1952 wieder auf eine Vorlage des Duos Arnold/Bach zurück und verfilmte „Der keusche Lebemann“ - erneut mit Georg Thomalla und Grethe Weiser in tragenden Rollen. Dazu gesellten sich der aufgehende Stern am Heimatfilm-Himmel Marianne Koch und das Komödien-Urgestein Joe Stöckel. Umso bemerkenswerter ist es, dass diese Filme anders als viele Heimatfilme und Liebeskomödien dieser Zeit inzwischen in Vergessenheit geraten sind. Auch im Fernsehen gehörten sie nicht zum Standard-Repertoire.

Hans Richter einmal als Schwerenöter (mit Jester Naefe)...
Das gilt auch für „Die spanische Fliege“, Boeses Remake der 31er Verfilmung, der neben Joe Stöckel noch mit Rudolf Platte, Paul Henckels, Hubert von Meyerinck, Ruth Stephan und Hans Richter aufwarten konnte. Letzterer in einer für ihn ungewohnten Rolle als trickreicher Rechtsanwalt, denn seit „Die Feuerzangenbowle“(1944) war Richter auf das „Enfant terrible“ festgelegt, gab in „Grün ist die Heide“ den Lautsprecher eines Landstreicher-Trios oder spielte in den „Knall und Fall“ – Filmen den Knall, ein wörtlich zu nehmender Name. Doch trotz seines seriösen Auftretens und seiner ernsten Absichten bei Hannelore Klinke (Jester Naefe), der Tochter des im Örtchen Daxburg einflussreichen Stadtrats und Unternehmers Heinrich Klinke (Joe Stöckel), spielte Richter auch hier den Störenfried, der ein seit 18 Jahren gehütetes Geheimnis aufzudecken droht.

...und als Anwalt der Damen vom Wohltätigkeitsverein
Damals hatten vier honorige Herren – neben Klinke, noch Hugo Sommer (Rudolf Platte) und die ebenfalls im Stadtrat sitzenden Hartmann (Kurt Großkurth) und Breilmann (Hans Leibelt) – eine Affäre mit einer schönen Tänzerin, bis diese von der Sittenpolizei des Landes verwiesen wurde. Eine wenig verklausulierte Anspielung auf die Nationalsozialisten, die über den moralischen Anstand der Bürger wachten, selbst aber gerne hinsahen. Bei den vier verheirateten Männern kam ihr Einsatz offensichtlich zu spät, denn ihnen wird von dem Rechtsanwalt Dr. Ambrosius (Paul Henckels) die Rechnung in Form von Alimentezahlungen aufgemacht – für den Sohn der „spanischen Fliege“, den sie ein paar Monate später im Ausland gebar. Vier Männer zahlen für einen Sohn. Das an dieser Konstellation etwas nicht stimmen konnte, ist von Beginn an klar, aber weitere Ungereimtheiten kommen hinzu bis es in Daxburg kaum noch Jemanden gibt, der Interesse an der Aufdeckung der vollständigen Wahrheit hat, die alle zu überrollen scheint.

"Es ist mein Sohn" beharrt Hugo Sommer
Oberflächlich betrachtet gehört „Die spanische Fliege“ zum Typus der Moral-Komödien, in der ein einmaliger, zeitlich weit zurückliegender Fehltritt zur Lawine wird, weil sich der „Sünder“ beim Versuch, das Geheimnis zu wahren, immer tiefer in sein Lügengebäude verstrickt.  In der Regel enden diese Stücke mit einem geläuterten Protagonisten, dessen Ehre nach kurzer Abbitte wieder hergestellt ist – Happy-End und Wiederherstellung der Moral  inbegriffen. Das „Stillhalteabkommen“, mit dem Arnolds Bühnenstück endet, hat mit dieser Art „Happy End“ nichts gemein. Geläutert ist hier Niemand. Im Gegenteil schlägt die Angst vor der Aufdeckung des Seitensprungs regelmäßig um in den Stolz über den gezeugten „Sohn“ bis zur Anbetung der damaligen Geliebten in Form eines Fetischs. Obwohl es nicht auszuschließen ist, dass der körperliche Kontakt mit der Tänzerin bei einem Teil der Männer eher der Fantasie als der Realität entsprungen sein könnte, leugnet Niemand den lang zurückliegenden Fehltritt – besonders Platte und Stöckel gefallen sich gut im Selbstbild des feurigen Liebhabers.

Heiles Familienleben (Stöckel mit Erika von Thellmann)
Mit hohem Tempo und subversivem Witz entfaltete „Die spanische Fliege“ eine Situation, die sich nicht mehr in Wohlgefallen auflösen konnte. Wer deshalb hofft, die Beteiligten werden mit der Härte der Konsequenzen konfrontiert, wird enttäuscht werden. Daran ist nicht einmal den Ehefrauen gelegen. Selbst die gewohnt autoritär auftretende Elisabeth Flickenschildt als Frau Sommer, deren Ehemann Hugo vor ihr zittert, macht sich keine Illusionen hinsichtlich der Qualität ihrer Beziehung. Wichtig ist ihr nur, dass er weiterhin kuscht. Die bürgerliche Oberfläche blieb zwar gewahrt, überdeckte hier aber nur schwach die Bedürfnisse des Einzelnen und ließ die moralischen Anstandsregeln zur Makulatur werden.

"Die spanische Fliege" Deutschland 1955Regie: Carl Boese, Drehbuch: Edgar Kahn, Franz Arnold (Theaterstück), Darsteller : Joe Stöckel, Rudolf Platte, Hans Richter, Paul Henckels, Elisabeth Flickenschildt, Hubert von Meyerinck, Erika von Thellmann, Jester Naefe, Ruth Stephan, Albert FlorathLaufzeit : 94 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Carl Boese:

"Fünf Millionen suchen einen Erben" (1938)