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Montag, 31. August 2015

Warum hab' ich bloß 2x ja gesagt? (1969) Franz Antel

Vittorio (Landa Buzzanca) mit italienischer Ehefrau (Raffella Carrà)...
Inhalt: Wie immer wird Vittorio Coppa (Lando Buzzanca) von seiner Frau Teresa (Raffaella Carrà) am Bahnhof in Rom verabschiedet, wo er als Zugbegleiter im Schlafwagenabteil seinen Dienst antritt. Seine Tour führt ihn wie gewohnt nach München, wo ihn seine Frau Ingrid (Teri Tordai) schon erwartet. Entsprechend wechselt Vittorio bei jeder Dienstfahrt Ehering und das Bild der Liebsten im Anhänger und freut sich über seine zwei schönen Ehefrauen. Ein schlechtes Gewissen kennt er nicht, denn er hat sie Beide schließlich ordentlich geheiratet, weshalb er seinem Schwager auch voller Überzeugung die Meinung geigt, weil dieser seine Frau betrogen haben soll.

...und deutscher Ehefrau (Teri Tordai)
Ganz im Sinn von Teresa, die stolz ist auf ihren anständigen Ehemann. Nur wundert sie sich, weshalb nach wie vor kein Nachwuchs unterwegs ist und bittet ihn, sie zu einem Arzt zu begleiten. Dr. Pellegrini (Jacques Herlin) erklärt ihm, dass bei seiner Frau alles in Ordnung ist, weshalb er ihn gerne untersuchen möchte. Vittorio kann sich dem nicht verweigern, aber er kennt den wahren Grund. Heimlich hat er Teresa die Anti-Baby-Pille untergejubelt, die seine Frau Ingrid nimmt, denn ein Kind würde sein schönes Arrangement nur gefährden. Doch noch weitere Schwierigkeiten tauchen auf…

Die am 23.10.2003 erschienene, keineswegs vergriffene DVD ist nicht wirklich empfehlenswert. Eine lieblose Veröffentlichung im falschen Bildformat (meine Screenshots stammen von der italienischen TV-Fassung), aber geschnitten, wie häufig behauptet wird, ist sie nicht. Franz Antel schuf von Beginn an zwei eigenständige Versionen, die mit kurzem Abstand nacheinander 1969 in die Kinos kamen. Nur in der italienischen Variante wurde eine einsekündige Sequenz heraus geschnitten, in der Andrea Rau einen Moment lang vollständig nackt von vorne zu sehen ist.

Dabei ist "Warum hab' ich bloß 2 x ja gesagt" insgesamt zurückhaltend hinsichtlich seiner erotischen Bilder. Sicherlich auch dem italienischen Markt geschuldet, der in dieser Hinsicht Ende der 60er Jahre noch viel konservativer war. Die "Commedia all'italiana" der 60er Jahre, die sich langsam in Richtung "Commedia sexy all'italiana" entwickelte, wollte mehr inhaltlich provozieren, weniger mit konkreten Nacktaufnahmen. Die Besonderheit des Films liegt in seiner ausgewogenen deutsch-italienischen Mischung und ist für mich ein Bindeglied zum Italo-Filmblog "L'amore in città" und ein wichtiger Baustein zu meinem Essay über die "Commedia sexy all'italiana".

  
Schon früh hatte Regisseur Franz Antel sein Gespür für den sich wandelnden Publikumsgeschmack bewiesen, weshalb es ihm seit „Kleiner Schwindel am Wolfgangsee“ (1949) gelang, mehr als zwei Jahrzehnte lang kontinuierlich im stark dem Zeitgeist ausgesetzten Heimatfilm-Genre erfolgreich zu arbeiten (siehe „Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969“). Gemeinsam mit Drehbuchautor Kurt Nachmann, der ihn seit Mitte der 50er Jahre begleitete, war er maßgeblich für die Modernisierung des Genres verantwortlich, kombinierte den Heimat- mit dem Schlagerfilm und ließ auch die zunehmende sexuelle Liberalisierung einfließen („Happy End am Wolfgangsee“, 1966). Den konkreten Schritt in Richtung Erotikfilm wagten sie innerhalb des konservativen Genres aber noch nicht, sondern wählten einen historischen Hintergrund für die fiktive Geschichte um Suzanne - die Wirtin von der Lahn (1967).

Franz Antel, der sich das Pseudonym François Legrand zulegte, besetzte die Hauptrolle mit der in Deutschland bis dahin nahezu unbekannten ungarischen Schauspielerin Teri Tordai, stellte ihr Harald Philipp als männlichen Protagonisten zur Seite und kombinierte das Ganze mit populären Heimatfilm-Mimen wie Gunther Phillip, Franz Muxeneder und Oskar Sima. Nach den zwei schnell folgenden Fortsetzungen „Frau Wirtin hat auch einen Grafen“ (1968) und „Frau Wirtin hat auch eine Tochter“ (1969) hatte Antel nicht nur Erfahrungen in der deutsch-italienischen Zusammenarbeit gesammelt – Edwige Fenech und Femi Benussi hatten darin frühe Auftritte als erotischer Blickfang – sondern war offensichtlich gewillt, mit seinem internationalen Team eine zeitgenössische Komödie abzudrehen.

Willy Millowitsch als italienischer Minister
Neben der obligatorischen Teri Tordai verpflichtete er die junge Italienerin Raffaella Carrà ("Rose rosse per Angelica" (Der Unbesiegbare, 1968, Regie Steno)) für die zweite weibliche Hauptrolle und als männlichen Protagonisten den damaligen italienischen Komödienstar Lando Buzzanca („Il merlo maschio“ (Das nackte Cello, 1971)), der zuvor schon eine Rolle in „Frau Wirtin hat auch eine Tochter“ übernommen hatte. Dazu kamen eine Vielzahl populärer Mimen in den Nebenrollen – Heinz Erhardt, Willy Millowitsch, Edith Hancke, Fritz Muliar und Peter Weck auf deutschsprachiger Seite, der französische Darsteller Jacques Herlin (wie gewohnt im Louis de Funès-Modus) und Franco Giacobini für den italienischen Part. Nur für die dezenten Nacktaufnahmen war allein die deutsche Seite zuständig – außer Teri Tordai noch Ann Smyrner und die damals 22jährige Andrea Rau in einer ihrer ersten Rollen.

Heinz Erhardt und Lando Buzzanca als sprachgemischtes Doppel
Auch das Drehbuch wurde zu einer austarierten Co-Produktion. Kurt Nachmann und Günter Ebert, zuvor schon an „Frau Wirtin hat auch einen Grafen“ beteiligt, arbeiteten mit den erfahrenen Italienern Mario Guerra und Vittorio Vighi („James Tont operazione D.U.E.“ 1965, Regie Bruno Corbucci, Hauptrolle Lando Buzzanca)) zusammen und schufen auf diese Weise eine Kombination aus „Commedia sexy all’italiana“ und deutscher „Erotik-Komödie“, wie sie in dieser ausgeglichenen Form eine Ausnahme blieb. Die Handlung wurde gleichmäßig auf die Städte München und Rom verteilt, zwischen denen Vittorio Coppa (Lando Buzzanca) als Zugbegleiter des Schlafwagenabteils pendelt. Anstatt sich dort auszuleben, wie ihm regelmäßig unterstellt wird, verfügt er an beiden Zielorten über eine Ehefrau plus Wohnung und gesellschaftlichem Anschluss.  

Aus heutiger Sicht werden die erotischen Komödien der späten 60er/frühen 70er Jahre häufig undifferenziert und ohne historischen Zusammenhang betrachtet. Bei „Warum hab‘ ich bloß 2 mal ja gesagt“ (italienischer Filmtitel „Professione bigamo“ (übersetzt „Beruf Bigamist“)) kamen noch die unterschiedlichen soziokulturellen Voraussetzungen und die damit verbundenen Intentionen beider Länder hinzu.

„Dieses groteske deutsch-italienische Farb-Lustspiel hätte amüsant werden können, wurde jedoch durch überflüssige Sex-Attribute und einen Tiefschlag gegen die Ehemoral nur geschmacklos und peinlich. Ohne jede Befürwortung.“

Vittorio knöpft sich seinen fremdgehenden Schwager vor
Diese Reaktion des „Evangelischen Film-Beobachters“ galt in Deutschland Ende der 60er Jahre schon als konservativ, im erzkatholischen Italien, in dem zu dieser Zeit Ehescheidungen noch nicht legalisiert waren, bedeutete der sympathische Bigamist noch eine echte Provokation. Und stand damit ganz in der Tradition der „Commedia all’italiana“, die sich als Angriff auf Doppelmoral und tradierte Geschlechterrollen verstand. Deutlich wird der Unterschied zwischen beiden Ländern an der kleinen Nebengeschichte um die Anti-Baby-Pille. Für Vittorio, da sehr um die Aufrechterhaltung seines Arrangements bemüht, spielt sie eine große Rolle, weil ihm Nachwuchs nicht in den Kram passt. Während Ingrid (Terri Tordai) ganz selbstverständlich das Präparat nimmt, schmuggelt es Vittorio seiner italienischen Ehefrau Teresa (Raffella Carrà) als Medikament unter – Geburtenkontrolle wurde in Italien Ende der 60er Jahre noch streng geächtet.

Großfamilie in Rom...
Es ist müßig, über den Realitätsanspruch einer solchen Konstellation nachzudenken, da allein Lando Buzzancas Spiel und das seiner gut aufgelegten Mitstreiter keinen Zweifel an der überdrehten Situation lassen, die ganz in italienisch-deutschen Klischees badete. In Rom die in einem leicht herunter gekommenen Haus lebende generationsübergreifende Großfamilie, die jedes Detail mit größter Emotionalität kommentiert – Streiks und fremd gehende Machos sind selbstverständlich an der Tagesordnung – in München das modern eingerichtete Neubau-Appartement mit berufstätiger Ehefrau, die mehr Ehrgeiz von ihrem Ehemann erwartet. Dazu ein befreundetes Paar, das sich nur um sein Sexleben sorgt, und Nachbarn, die ungeniert mit dem Fernglas spannen. Größer könnte der Unterschied kaum sein – während Vittorio in Italien den moralischen Ehemann gibt, hat er in Deutschland nichts eiligeres zu tun, als sich auf seine Frau zu stürzen.

...und modernes Großstadtleben in München
Es wäre einiges herauszuholen gewesen aus dieser Versuchsanordnung, aber anders als Vittorio scheitert der Film an seinen Sprach- und Mentalitätsgrenzen. Die Italienische Fassung verfügt über einige schöne Ansätze, etwa wenn Vittorio seinen fremdgehenden Schwager zurechtweist, weil er sich moralisch überlegen fühlt - er hat schließlich seine beiden Frauen korrekt geheiratet. Auch die abschließende Gesichtsszene und das Vittorio am Ende gut davon kommt – der italienische Filmtitel „Professione bigamo“ erweist sich in dieser Hinsicht als stimmiger – sind eine wunderbare Satire auf die damalige Scheinmoral. Nur verwässern die vielen „deutschen“ Handlungsanteile diesen Eindruck. Dass es in Deutschland sexuell offener zuging, wird keinen Italiener provoziert haben, abgesehen davon, dass der spezifische Sprach-Witz von Heinz Erhardt, Willy Millowitsch und Edith Hancke auf Italienisch nicht mehr wirkt.

Püppi (Ann Smyrner) versucht wieder Pepp in ihr Eheleben zu bringen
In der deutschen Sprachfassung funktioniert ihr Humor selbstverständlich, aber dafür fehlt ihr jede anarchische Qualität. Zwar sollten das Spanner-Paar und Ann Smyrner als notgeile Püppi, deren Mann (Rainer Basedow) nach wenigen Ehejahren keine rechte Lust mehr verspürt, ironisch auf die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft anspielen, lagen damit aber ganz auf der Linie vieler Erotik-Komödien dieser Zeit, die damit gleichzeitig voyeuristische Bedürfnisse befriedigten. Auch der „Tiefschlag gegen die Ehemoral“, den der „Evangelische Film-Beobachter“ beklagt, besitzt nur die Kraft eines lauen Lüftchens. Schuld und damit unmoralisch ist nur Vittorio – und der ist bekanntlich Italiener. Die Ereignisse in Rom vermitteln typisches Lokalkolorit ohne doppelten Boden, auch wenn Willy Millowitsch als italienischer Minister mit kölschem Dialekt den Eindruck ein wenig stört.


Trotzdem ist „Warum hab‘ ich bloß 2 x ja gesagt“ allein wegen des Versuchs bemerkenswert, deutsche und italienische Eigenarten miteinander zu verbinden. Lando Buzzanca überzeugt wie gewohnt als Mischung aus Macho und Trottel – ein Typ, dem man die schönen Frauen genauso zutraut, wie das Chaos, dass er um sich herum anrichtet. Trotz seines Einsatzes ist aber kaum anzunehmen, dass Franz Antels Film in Italien erfolgreich lief – zu groß war der Anteil an deutschen Eigenarten. Der deutschen Komödie tat der italienische Einschlag dagegen gut und nahm der Chose ein wenig die kleinbürgerliche Betulichkeit vieler zeitgleich entstandener Komödien. Wann durfte am Ende schon ein überzeugter Bigamist der Gewinner sein?

"Warum hab' ich bloß 2x ja gesagt" Deutschland, Italien 1969, Regie: Franz Antel, Drehbuch: Kurt Nachmann, Günter Ebert, Mario Guerra, Vittorio Vighi, Darsteller : Lando Buzzanca, Teri Tordai, Raffaella Carrà, Ann Smyrner, Jacques Herlin, Franco Giacobini, Peter Weck, Edith Hancke, Fritz Muliar, Heinz Erhardt, Willy Millowitsch, Andrea RauLaufzeit : 85 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Franz Antel:

Dienstag, 11. November 2014

Tausend Takte Übermut (1965) Ernst Hofbauer

Die Männer (Thomas Alder und Kurt Liederer) haben einen Plan
Inhalt: Die Plattenfirma „Melodia“ steht kurz vor der Pleite, da sie nicht über genug Zugpferde verfügt, die Umsatzzahlen versprechen. Deshalb sollen Firmenanwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer) und Manfred Reiner (Thomas Alder) an die italienische Adria-Küste fahren, wo die so erfolgreiche, wie exzentrische Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer), begleitet von ihrer Privatsekretärin gerade ihren Urlaub verbringt, verbunden mit einigen Gesangs-Auftritten. Manfred Reiner soll seinen Erfolg bei Frauen auch bei der vor kurzem geschiedenen Sherry wirken lassen, um sie als Ehefrau fest an die „Melodia“ zu binden. Dafür hat er einen psychologisch ausgefeilten Plan geschmiedet, den er am Urlaubsort angekommen sogleich in die Tat umsetzt. Er will die eitle Sherry mit Missachtung strafen, wodurch er sich ihre Aufmerksamkeit verspricht.

Das Objekt ihrer Begierde (Hannelore Auer)
Doch er ist nicht der Einzige, der etwas im Schilde führt. Michaela Andreas (Margitta Scherr) checkt als glamouröse Erscheinung im Hotel ein, um den Vater ihres Verlobten (Gus Backus), ihren Chef Robert Hilman (Harry Hardt), von sich zu überzeugen, denn dieser ist gegen ihre Verbindung, da er sie für eine „graue Maus“ hält. Er ahnt nicht, dass sie weiß, dass er inkognito in seinem eigenen Hotel als Gast nach dem Rechten sehen will…







Schlagerfilm goes Erotikfilm - das langsame Ende eines Genres

Vater (Harry Hardt) und Sohn (Gus Backus) sind unterschiedlicher Meinung
Ernst Hofbauers zweiter Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut" blieb nach "Ferien in St.Tropez" (1964) nicht nur sein letzter Ausflug in die seit den frühen 50er Jahren populären Kino-Filme um aktuelle Gesangsstars und Sternchen, sondern wurde einer der letzten Vertreter dieses aussterbenden Genres, das vor der tagesaktuelleren Fernseh-Konkurrenz kapitulierte. Auch für Vivi Bach, mit mehr als zehn Schlagerfilmen seit ihrem Debüt in "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) die wichtigste Protagonistin der Spät-Phase des Genres, leitete "Tausend Takte Übermut" das Ende ihrer Kino-Karriere ein. In "Komm mit zur blauen Adria" (1966), einem ähnlich konzipierten Schlagerfilm, der wenig später ebenfalls nach einem Drehbuch Thomas Billians entstand, hatte sie nur noch einen Gastauftritt - eine ohne Zusammenhang zur eigentlichen Handlung hinein geschnittene, früher gedrehte Gesangsszene.

Manfred Schnelldorfer als singender Taxifahrer
Parallel zu „Tausend Takte Übermut“ produzierte Dr. Karl-Heinz Busse noch „Ich kauf‘ lieber einen Tirolerhut“ (1965), der nur drei Wochen später in den deutschen Kinos anlief. Billian hatte neben dem Drehbuch auch die Regie übernommen, assistiert von Gündisch, aber trotz Gus Backus, Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer auf dem Höhepunkt seiner kurzen Karriere als Schlagersänger konnte der Niedergang nicht mehr aufgehalten werden, wurde diese Produktion auch die letzte für Busse, der als Drehbuchautor im Heimatfilm begonnen hatte („Die Fischerin vom Bodensee“, 1956), bevor er zwischen 1962 und 1965 noch sechs späte Musikfilme beisteuerte. Ernst Hofbauer setzte seine Regie-Tätigkeit stattdessen bei „Die Liebesquelle“(1966) fort - mit Hans-Jürgen Bäumler in der Hauptrolle, der Schnelldorfer nicht nur als Eiskunstlauf-Star ablöste. Damit bewies Hofbauer früh Weitsicht, denn trotz der Heimatfilm-Komödien-Attitüde, machte der Film aus seiner sexuellen Ausrichtung kein Geheimnis mehr, setzte ausführlich auf Nuditäten und gab ihm die Gelegenheit, die erotischen Anspielungen seiner Schlagerfilme zu konkretisieren.

Der Geschäftsführer (Fritz Benscher) verfolgt eigene Interessen
In den 50er Jahren wurde noch versucht, den sexuellen Subtext des Musikfilms mit seinen leicht geschürzten Sängerinnen und Tänzerinnen mit möglichst tugendhaftem Verhalten der Protagonisten zu deckeln. Inzwischen durfte das Genre dank der fortschreitenden Liberalisierung mehr wagen - eine Konsequenz, die die seltsamsten Blüten trieb, denn so sehr es die Frauen und Männer zwischendurch krachen ließen, zuletzt hatte alles wieder seine schönste „Pärchen“-Ordnung. In dieser Hinsicht bildet auch „Tausend Takte Übermut“ keine Ausnahme, aber bis am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, verzichtete Hofbauer anders als noch in „Ferien in St.Tropez“ auf familiäre Elemente und ließ keinen Zweifel daran, worum es tatsächlich geht – um Sex.

Vater und Sohn mit der begehrten Michaela (Margitta Scherr)
Zwar wurde die Handlung erneut an Mittelmeer-Gestaden angesiedelt – diesmal geben die italienische Adria und Venedig den stimmigen Hintergrund ab – aber Urlaub macht hier keiner der Protagonisten. Als Anlass der Story dient die drohende Pleite der Plattenfirma „Melodia“, weshalb Manfred Reiner (Thomas Alder), begleitet von seinem Freund und Anwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer), mit dem Auftrag nach Italien geschickt wird, die glamouröse Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer) zu verführen, damit sie einen Vertrag bei seiner Firma unterschreibt. Während Reiner seine vermeintlich erfolgsversprechende Strategie bei der exzentrischen Sängerin anwendet, will Industriellen-Sohn Frank (Gus Backus) seinem Vater Robert Hilman (Harry Hardt) seine Braut schmackhaft machen. Dem präsidialen Hilman ist die in seiner Firma arbeitende, ihm persönlich unbekannte Sekretärin Michaela Andreas (Margitta Scherr) als Schwiegertochter zu wenig vorzeigbar, aber ihr gelingt es mühelos, den an die Adria gereisten Senior vom Gegenteil zu überzeugen.

Gunter Phillip (noch) in seinem Element
Auch sein Aufenthalt kommt nicht ohne Hintergedanken aus, denn er will inkognito als Gast die Qualitäten seines Hotelpersonals überprüfen, die sich als äußerst dürftig erweist, da der Geschäftsführer Theodor Rassel (Fritz Benscher) und sein Portier Pizzanini (Fritz Korn) vor allem an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert sind. Größtenteils verbringt Hilman aber seine Zeit mit der reizvollen Michaela, was seinen Sohn später zu der Bemerkung verleitet, warum er sie nicht gleich selbst heiratet. Nicht ganz unbegründet, denn zwischen dem Alten und der jungen Frau knistert es deutlich mehr als zwischen dem geplanten Liebespaar. Leider kommt es nicht zu dieser Konsequenz, ebenso wie Gunther Phillip in gewohnter Aufschneider-Rolle nicht den drei Mädels frönen darf, die ihm generös von der Hotelleitung zur Verfügung gestellt wurden. Bevor er zum Zuge kommt taucht seine Ehefrau (Edith Hancke) auf, die den Möchtegern-Casanova brachial zur Räson bringt.

Vivi Bach als witzige Telefonistin
Doch diese Konzessionen lassen nicht übersehen, mit welcher Ironie Billian und Hofbauer an den Filmstoff herangingen, bekannte Verwechslungs-Komödienelemente zitierten – Gunther Phillip wagte sogar den Jerry-Lewis-Sprung – und den italienischen Schlagersänger Peppino di Capri mit Besen als Arbeiter auf dem Hoteldach inszenierten, was heute noch lässig wirkt. Besonders Vivi Bach, in „Holiday in St.Tropez“ gewohnt seriöser Mittelpunkt des irren Geschehens, bewies hier ihr komödiantisches Talent und persiflierte ihre Rolle als blonder Blickfang. Selbstverständlich kommt am Ende auch sie wieder unter die Haube, ebenso wie das geschiedene Schlagerpaar Hannelore Auer und Rex Gildo als „Rick Tanner“ wieder zusammenfindet, aber diesen am Ende im Minuten-Takt verabreichten Happy-Ends fehlt jede Ernsthaftigkeit, um das zuvorige frivole Treiben noch zu kaschieren.

"Tausend Takte Übermut" Deutschland 1965, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Bilian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Hannelore Auer, Thomas Alder, Kurt Liederer, Rex Gildo, Gunther Phillip, Harry Hardt, Fritz Benscher, Gus Backus, Edith Hancke, Margitta Scherr, Adi BerberLaufzeit : 93 Minuten

Lief am ersten Abend des 1. Auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer Kommando in Frankfurt/Main vom 07. bis 09.11.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Holiday in St.Tropez" (1964)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Sonntag, 10. August 2014

Holiday in St.Tropez (1964) Ernst Hofbauer

Inhalt: Das Hotelier-Ehepaar Marisa (Elma Karlowa) und Carlos Fonti (Kurt Großkurth) schaut verdutzt, als die Handwerker sich aus dem Staub machen und sie mit einem unbewohnbaren Kasten am Mittelmeer zurücklassen, für den ihre Nichte Vivi (Vivi Bach) schon Kunden anwirbt. Ihr Freund Theo Reich (Gerd Vespermann) betreibt ein Reisebüro und bereitet sich schon darauf vor, mit einer großen Zahl Gäste demnächst ins Hotel zu ziehen, um dort die Sommerferien zu verbringen. Parallel haben zwei junge Frauen eigene Pläne. Die 18jährige Carola (Margitta Scherr) büxt aus, um ihren Eltern einen Schrecken einzujagen, weil sie nur an ihre Geschäfte denken, und Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), eine einfache Angestellte ihres Vaters (Rudolf Prack), staffiert sich als reiche Frau auf der Suche nach einem ebenso vermögenden Herrn aus.

Sie alle begegnen sich am Mittelmeer wieder – teils per Schiff, teils auf vier Rädern angereist – und werden mit dem unfertigen Hotelbau konfrontiert. Doch kein Problem. Theo Reich kauft von seinem letzten Geld ein paar Zelte und die Sommerfrische kann bei Gesang, Spaß und Liebeleien beginnen…




Für Ernst Hofbauer stand "Holiday in St.Tropez" am Beginn seiner Karriere als Regisseur - sein erster Film "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X" (1964) erschien erst kurz zuvor im Kino - das Metier des Schlagerfilms befand sich dagegen am Ende einer langen Erfolgsgeschichte. Im Gegensatz zum Heimatfilm, dessen Gesangsnummern mehr den folkloristisch-heimatlichen Charakter betonen sollten, und als kultureller Gegenentwurf zu den beliebten Operetten-Filmen kamen die Schlagerfilme dem Bedürfnis entgegen, aktuelle Stars mit ihren Hits nicht nur hören, sondern auch in Aktion sehen zu können. Schon einer der ersten dieser Hitparaden-Vorläufer mit dem bezeichnenden Titel "Schlagerparade" (1953) schuf die Grundstruktur, an der sich die Nachfolger orientierten. Eine belanglos-komödiantische Story gab den Hintergrund für die Integrierung einer möglichst großen Anzahl an Musiknummern, vorgetragen von verschiedenen beliebten Interpreten.

Im Gegensatz zum Heimatfilm bedienten die Schlagerfilme früh die Sehnsucht nach fernen Ländern. Stars wie Vico Torriani ("Straßenserenade" (1953)) oder Caterina Valente ("Große Star-Parade" (1954)) verbreiteten gemäßigtes internationales Flair und drehten Mitte der 50er Jahre eine Vielzahl ähnlich angelegter Filme. Auch deutsche Sänger wie Peter Alexander ("Liebe, Tanz und tausend Schlager" (1955)) oder Conny Froboess ("Der lachende Vagabund" (1958)) starteten auf diese Weise ihre Film- und späteren Fernseh-Karrieren, ebenso wie die Dänin Vivi Bach, die erst spät zum Musikfilm-Genre ("Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960)) stieß, als die Konkurrenz des Fernsehens zunahm, das schneller auf Hitparadenerfolge und aktuelle Musikrichtungen reagieren konnte. Trotzdem kam Bach, die in Deutschland den Ruf einer „dänischen Bardot“ genoss, in der ersten Hälfte der 60er Jahre noch zu einigen Auftritten und erfüllte auch in Ernst Hofbauers zwei Schlagerfilmen – im Jahr darauf folgte noch „Tausend Takte Übermut“ (1965), ebenfalls nach einem Drehbuch Hans Billians – die Erwartungshaltung der Zuschauer als blond strahlender Mittelpunkt.

An „Holiday in St.Tropez“ lassen sich zwei aktuelle Strömungen der frühen 60er Jahre ablesen, auf die Hofbauer in seinen späten Genre-Vertretern geschickt reagierte - der zunehmende anglo-amerikanische Einfluss auf die Musikbranche und die Reiselust der Deutschen, die in den Sommerferien in Scharen über die Alpen gen Mittelmeer fuhren. Denn Hofbauer war kein Anfänger, hatte als Regie-Assistent von Franz Marischka schon früh Erfahrung bei „Liebe, Sommer und Musik“ (1956) gesammelt und dessen „Schlagerparade 1961“ (1961) für eigene Kontakte genutzt. Mit Vivi Bach, Gus Backus, Billy Mo sowie Rex Gildo beim Nachfolgefilm „Tausend Takte Übermut“ verpflichtete er vier der Hauptakteure für seine eigenen Filme, gab dazu der 15jährigen US-Amerikanerin Peggy March, die nach einem Nummer 1 Hit in den USA („I will follow him“) in den deutschen Markt einsteigen wollte, eine Chance und reagierte auf die Erfolge des englischen Jazz-Klarinettisten Acker Bilk, der Anfang der 60er Jahre zwei veritable Instrumental-Hits („Le petite fleur“) verzeichnen konnte. Auch Manfred Schnelldorfer, erst im Winter zuvor Olympiasieger im Eiskunstlauf geworden, durfte erstmals unter Hofbauer seine Fähigkeiten als Schlagersänger beweisen – eine damals beliebte Form, sportliche Erfolge zu vermarkten.

Neben diesen Stars gehörten auch die obligatorischen „Hupfdohlen“ zum Ensemble, hier als züchtige Internatsschülerinnen unter einer gestrengen Gouvernante (Alice Treff) auftretend, die aber jede Gelegenheit zu leichter Bekleidung nutzten, um zu beat-ähnlichen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen. Wie Hofbauer und Billian das unter einen Hut bringen wollten? – In dem sie es nicht so genau nahmen. So wurde die jugoslawische Adria-Küste, vor deren felsiger Kulisse die Handlung gedreht wurde, kurzerhand nach Italien versetzt, um das gewohnte Amore- und Cinzano-Feeling zu verbreiten, was aber auch einen französischen Polizisten nicht davon abhielt, an den jugoslawischen Gestaden Streife zu laufen. Von St.Tropez ist im Film absolut nichts zu sehen, aber im Titel machte sich der berühmte Badeort definitiv gut. Konkret findet Deutschland zwar nur zu Beginn und größtenteils in einem Reisebüro statt, dessen umtriebiger Chef Theo Reich (Gerd Vespermann) Reisen in ein mondänes (italienisches) Hotel vermittelt, das sich dann vor Ort als unbewohnbare Bruchbude erweist, aber deutsch ist im Film letztlich alles – die mit Akzent vorgetragenen Liedtexte, die Camper-Mentalität (sämtliche geprellten Urlauber geben sich mit der Unterbringung in Zelten zufrieden), die Witze und die Vorurteile.

Schon in der ersten Szene, wenn die italienischen Bauarbeiter die beiden Hotel-Besitzer im Stich lassen, um als Gastarbeiter in Deutschland „richtig Geld“ zu verdienen, bediente gängige Klischees, die vor allem in der Story um Heidi Kirschmann (Ann Smyrner) die schönsten Blüten trieben. Nicht nur das die attraktive Heidi plant, sich einen Millionär zu angeln, indem sie sich ein Mercedes-Cabriolet leiht und sich optisch entsprechend aufbretzelt, um ihr Verkäuferinnen-Image loszuwerden, auch der italienische Lover ist natürlich nicht weit, bei dem es sich folgerichtig nur um einen Hochstapler handeln kann. Bestraft wird die gute Heidi für ihr egoistisches Ansinnen nicht - zumindest nicht nach den Regeln zeitgenössischer Komödien. Sie landet im Ehehafen beim braven Reisebüro-Besitzer, womit alles seine schönste Ordnung hat. Aber was kann man von einem Filmstoff anderes erwarten, bei dem die 18jährige Tochter Carola (Margitta Scherr) aus reicher BRD-Wirtschaftswunder-Familie abhaut und auf „Gammler“ macht, um endlich einmal gemeinsam mit ihren vielbeschäftigten Business-Eltern (Mady Rahl und Rudolf Prack) Urlaub machen zu können?

Trotz dieser kleinbürgerlichen Avancen und dem konsequenten Ausspielen altbackener Witze, überrascht das muntere Treiben, dass Hofbauer jederzeit unterhaltsam und ohne allzu große Peinlichkeiten vor dem Zuschauer ausbreitete und das viel von den sozialen Veränderungen in dieser Zeit verriet. Besonders aus dem Kindermund der zwei frechen Gören, deren Jargon sich von heutigen Heranwachsenden nur rudimentär unterscheidet, lässt sich heraushören, dass die Zeiten nicht mehr zurückgedreht werden konnten, auch wenn das multiple Happy-End noch Ordnung vorgaukeln wollte. Wirklich ernst nahmen die Macher die Chose sowieso nicht und befriedigten die Erwartungshaltung mit Mittelmeer-Länder-Mix, Kleinkunst-Potpourri und einen Gag-Dichte, die Fehlschüsse verzieh.

"Holiday in St.Tropez" Deutschland 1964, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Billian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Gerd Vespermann, Ann Smyrner, Rudolf Prack, Mady Rahl, Gus Backus, Edith Hancke, Hannelore Auer, Margitta ScherrLaufzeit : 84 Minuten

Abendlicher Eröffnungsfilm beim 13. Hofbauer-Kongress zu Nürnberg vom 24. bis 28.07.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Donnerstag, 16. Januar 2014

Frühstück im Doppelbett (1963) Axel von Ambesser

Inhalt: Seit ihrer Hochzeit 1960 haben Henry (O.W.Fischer) und Liane (Liselotte Pulver) viel Zeit im gemeinsamen Doppelbett verbracht, besonders an den folgenden Hochzeitstagen, weshalb sich Liane auch an ihrem dritten Jahrestag auf ein gemeinsames Frühstück mit ihrem Mann freut. Doch weit gefehlt – weder gibt es besondere Speisen, noch Geschenke. Ihr Mann ist schon lange bei der Arbeit in seinem Zeitungsverlag und nur das Hausmädchen Cilly (Ruth Stephan) serviert wie gewohnt das tägliche Frühstück.

So schnell gibt Liane nicht auf, zieht sich schick an und geht ins Pressehaus ihres Mannes, ohne sich von dessen Vorzimmerdame (Edith Hancke) aufhalten zu lassen. Doch es hilft nicht, denn er hat den Hochzeitstag vergessen und will abends nur noch ins Bett, ohne zu begreifen, warum seine Frau den ganzen Tag so einen Aufriss macht. Erst am nächsten Tag evrsteht er ihr Verhalten und geht zum direkten Angriff über. Zuerst beschwert er sich bei ihr, nicht an ihr Jubiläum gedacht zu haben, um danach zerknirscht zu gestehen, sich im Datum vertan zu haben. Liane ist beruhigt und freut sich auf ein feudales Abendessen, worauf sie sich mit ausführlicher Schönheitspflege vorbereitet – doch ihr Mann versetzt sie, da er zu einem wichtigen Termin muss…

Die von der PIDAX am 17.01.2014 herausgebrachte DVD "Frühstück im Doppelbett" füllt nicht nur eine Lücke im umfangreichen Oevre Liselotte Pulvers, sondern gibt einen Einblick in die frühen 60er Jahre, der beweist, dass Fitness- und Gesundheitswahn oder die "sexuelle Revolution" schon früh in der Bundesrepublik ankamen. Der Film geriet trotz seiner prominenten Besetzung in Vergessenheit, da er sich sehr nah am damaligen Zeitgeschehen orientierte - genau das macht ihn heute wieder interessant.(Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).














Mit "Frühstück im Doppelbett" entriss die „Pidax film media ltd.“ erneut einen Film der Vergessenheit, der angesichts der beteiligten Künstler sofort die Frage provoziert, warum er zuvor in der Versenkung verschwand. Die Besetzung mit Liselotte Pulver, die im selben Jahr den Bambi als beste nationale Darstellerin verliehen bekam, O.W.Fischer, seit Beginn der 50er Jahre erfolgreich, dem dank der Karl-May-Filme sehr populären Lex Barker und der als "Sex-Bombe" bekannten Ann Smyrner erfüllte höchste Ansprüche, aber auch Regisseur Axel von Ambesser und Autor Ladislas Fodor gehörten zu den erfolgreichsten Vertretern ihrer Zunft. Fodor schrieb parallel die Drehbücher zu der "Mabuse" - Filmreihe und Von Ambessers ebenfalls mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle im Jahr zuvor herausgebrachter Film "Kohlhiesls Töchter" (1962) gehört heute noch zu den bekanntesten deutschen Filmkomödien dieser Zeit.

Doch Von Ambesser und Fodor verstanden "Frühstück im Doppelbett" nicht als reinen Unterhaltungsfilm, sondern als Gesellschaftssatire, die das Schicksal vieler zeitaktueller Filme ereilte - sie wurde schnell altmodisch. Während die Story um das junge Ehepaar Henry (O.W.Fischer) und Liane Clausen (Lieselotte Pulver), das in den Routinemodus verfällt und sich scheiden lassen will, wenig überraschend verläuft, vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendeine Anspielung auf gegenwärtige Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen geäußert wird - meist aus dem Mund O.W.Fischers in der Rolle eines Zeitungsverlegers (sein Vorname „Henry“ spielte auf Stern-Herausgeber und Chefredakteur „Henry Nannen“ an), aber immer aus einer konservativen Haltung heraus. Zwar geben sich die Eheleute Clausen modern, jonglieren mit neuen Partnern und gehen scheinbar leichtfertig mit einer Scheidung um, aber damit wollten die Macher nur aktuelle Strömungen in der jungen BRD persiflieren. Ernst meinten sie es damit nicht, denn geradezu penetrant betont der Film, dass es zu keinen sexuellen Interaktionen mit den geplanten Nachfolgern kommt – entsprechend rückständig erscheint der Film heute in seiner Betonung der klassischen Geschlechterrollen etwa im Vergleich zu dem im selben Jahr erschienenen Liebesfilm "Schloss Gripsholm".

Besonders Liselotte Pulver, die häufig moderne, selbstständig agierende Frauenrollen spielte, wirkt trotz ihres gewohnt frechen Mundwerks als verwöhnte Ehefrau, die sich nur um ihr Aussehen und die Wohnungseinrichtung kümmert, fehlbesetzt. Die Hausarbeit wird ihr von Cilly (Ruth Stephan) abgenommen und von Kindern ist nie die Rede, weshalb ihre Rolle ganz untypisch nicht der Identifikation diente. Möglicherweise konnten ihre Vorwürfe an den viel beschäftigten Ehemann, der glatt den dritten Hochzeitstag vergisst, das damalige Publikum noch überzeugen, aber aus heutiger Sicht wirken ihre Reaktionen unangemessen. Nachdem Henry am nächsten Tag noch gerade die Kurve bekommen hatte – er behauptet sich im Datum geirrt zu haben – versetzt er seine Frau beim geplanten Abendessen, weil er die einmalige Gelegenheit bekam, Nikita Chruschtschow, den Regierungschef der UDSSR, zu interviewen und es ihm vom Flughafen aus nicht mehr gelingt, sie zu benachrichtigen. Ihr folgendes Techtelmechtel mit dem Fitnesstrainer Victor (Lex Barker) und die plötzliche Scheidungsforderung, weil ihr Mann darauf äußerlich gelassen reagierte, wirken völlig überzogen, weshalb dieser Konstellation von Beginn an die Glaubwürdigkeit fehlte.

Entsprechend kann es nicht funktionieren, „Frühstück im Doppelbett“ auf eine reine Komödie zu reduzieren, viel mehr sollte der Film als das betrachtet werden, als das ihn Von Ambesser und Fodor beabsichtigten – als zugespitzte satirische Betrachtung der frühen 60er Jahre. Für diese These sprechen auch die künstliche, theaterartige Kulisse oder die Einblendungen von Nikita Chruschtschow, der angeblich direkt mit Henry kommuniziert. Keinen Moment versuchte der Film, real zu wirken – einmal findet Liselotte Pulver unter Fotografien Prominenter wie Franz-Josef Strauß, Konrad Adenauer oder Willy Brandt auch ein Fotos von sich in der Rolle der weniger schönen Kohlhiesl Tochter aus ihrem letzten Film. Die Macher planten einen Rundumschlag auf alle neuen Zeiterscheinungen, der beweist, dass fast alles, was heute noch populär ist, damals schon seinen Anfang nahm.

Lex Barkers, seinen sonstigen Heldentypus kontrastierende Rolle ist eine Verballhornung des beginnenden Fitness- und Gesundheitswahns, die in ihrer klischeehaften Ausgestaltung nichts an Aktualität verloren hat. Yoga, Gemüsesäfte und Schlankheitsmaschinen bestimmten schon die Freizeit der Besserverdienenden und was die Macher davon hielten, zeigte sich in ihrer Charakterisierung des Yoga- und Fitnesstrainers Victor, der ständig Lebensweisheiten von sich gibt, dabei sein Einkommen aber nicht vergisst. Zudem hat er keine Hemmungen, sofort nach Henrys Abwesenheit dessen Frau anzubaggern, um genauso schnell den Schwanz einzuziehen, als dieser vermittelt, nichts dagegen zu haben. War Victor zu Beginn noch ganz der charmante Draufgänger, wird er plötzlich zum ungeschickten Frischluftfanatiker, weshalb Liane die Nacht bei ihm auf dem Balkon in einem Schlafsack übernachten muss. Natürlich ohne Sex – idiotischer hätte man diese Figur kaum degradieren können.

Ann Smirnow als sexuell erfahrene Jung-Autorin Claudia, die ihren erotischen, autobiografischen Roman von Henry verlegen lassen will, kommt dagegen besser weg, aber ihre Rolle spielte ironisch auf die zunehmenden Sex-Welle seit Nabokovs Erfolg mit „Lolita“ an. Mehrfach verwendet Henry spöttisch den Begriff „Sexuelle Revolution“ in diesem Zusammenhang, der offensichtlich keine 68er-Erfindung war. Auch Bemerkungen zur „Spiegel“-Affäre oder über das fortgeschrittene Alter von Bundeskanzler Konrad Adenauer fallen, aber „Frühstück im Doppelbett“ kann seine konservative Gesinnung nicht verbergen. Besonders die wiederholt von der Hausangestellten Cilly vorgetragenen Klassenkampf - Parolen sollten, angesichts ihres gut bezahlten Arbeitsplatzes, nur der Lächerlichkeit preisgegeben werden – inclusive ihres angeblich allwissenden Arbeiterführer-Bruders.

Bei seinem Erscheinen traf der Film noch auf eine mehrheitliche Zustimmung, aber die fortschreitende Entwicklung der 60er Jahre überholte dessen keineswegs immer unzutreffende, aber zu einseitigen ironischen Seitenhiebe schnell – zwei Jahre später drehte Axel von Ambesser die Episode „Lolita“ zu der frühen Erotik-Komödie „Das Liebeskarussell“(1965). Für ein Publikum der 70er Jahre musste der Film schon altmodisch wirken - erst aus heutiger Sicht verbirgt sich dahinter dessen Stärke als stimmiges Zeitdokument der frühen 60er Jahre.

"Frühstück im Doppelbett" Deutschland 1963, Regie: Axel von Ambesser, Drehbuch: Ladislas Fodor, Darsteller : Liselotte Pulver, O.W.Fischer, Lex Barker, Ann Smirnow, Ruth Stephan, Edith Hancke, Laufzeit : 96 Minuten

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