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Samstag, 11. März 2017

Freddy unter fremden Sternen (1959) Wolfgang Schleif


Freddy und Stefan (Christian Malachet) haben es nach Kanada geschafft
Inhalt: Am Hafen von Toronto versucht Freddy Ullmann (Freddy Quinn) den 10jährigen Waisenjungen Stefan (Christian Malachet) mit ins Land zu nehmen, aber das wird ihm von der kanadischen Einreisebehörde verweigert. Doch Stefan, der ohne Papiere als blinder Passagier mit Freddy von Hamburg per Schiff über den Ozean gekommen war, weiß sich zu helfen und schlüpft durch die Beine eines Grenzpolizisten. Gemeinsam besuchen sie die Niagara-Fälle, bevor sie sich zu der alten Holzhütte begeben, die Freddy von seinem Onkel geerbt hat. Diese erweist sich nur noch als zerfallene Ruine inmitten eines riesigen Grundstücks, aber Freddy und Stefan beginnen sofort tatkräftig mit dem Wiederaufbau. 

Henry O'Brien (Gustav Knuth) versucht vergeblich, Freddy zu beeinflussen
Es dauert nicht lange, bis auch die Nachbarn auf die Neuankömmlinge aufmerksam werden. Manuela (Vera Tschechowa), verwöhnte Tochter des reichen Großgrundbesitzers Henry O’Brien (Gustav Knuth), begegnet Freddy erstmals, als dieser mit dem Ruderboot über den See kommt und berichtet ihrem Vater, der den jungen Mann gleich darauf zu sich einlädt. Doch seine Gastfreundschaft ist nicht ohne Hintergedanken, denn O‘Brien steht kurz vor dem Ruin. Er hatte sich verspekuliert und die Bank droht ihm seinen Besitz zu pfänden. Einzig die Kupfervorkommnisse auf Freddys Grundstück könnten ihn noch retten, weshalb er versucht, ihm das Grundstück für wenig Geld abzukaufen. Doch Freddy denkt nicht daran, es herzugeben… 


Unter fremden Sternen

Es kommt der Tag, da will man in die Fremde.
Dort wo man lebt, scheint alles viel zu klein.
Es kommt der Tag, da zieht man in die Fremde,
und fragt nicht lang, wie wird die Zukunft sein.
Fährt ein weißes Schiff nach Hongkong,
hab‘ ich Sehnsucht nach der Ferne.
Aber dann in weiter Ferne,
hab‘ ich Sehnsucht nach zu Haus.
Und ich sag zu Wind und Wolken:
"Nehmt mich mit. Ich tausche gerne
all die vielen fremden Länder
gegen eine Heimfahrt aus!"
 








Freddy singt "Unter fremden Sternen", die aber...
Aldo von Pinellis Text zum Titelsong "Unter fremden Sternen" traf die Botschaft des Films so genau, dass die Handlung damit obsolet gewesen wäre, aber dann hätte das Publikum nicht nur auf einen singenden Freddy Quinn verzichten müssen, sondern auch auf einen, der Action kann. Quinn betätigte sich als Holzfäller, hoch zu Ross, beim Sprung in reißende Fluten und als Lebensretter aus einem brennenden Haus. Nebenbei gewinnt er noch einen Wettbewerb im Schießen. Auch wenn dieser nicht im Bild zu sehen ist, hätte Niemand an diesem Ergebnis gezweifelt. Auf einen Mann wie Freddy Ullmann hatte Kanada nur gewartet. Und die Frauen ganz besonders.

...gar nicht so fremdartig daher kommen
Nach dem großen Erfolg mit "Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) setzte sich Texter und Autor Aldo von Pinelli - gemeinsam mit Co-Autor Gustav Kampendonk und Regisseur Wolfgang Schleif - sofort an dessen Fortsetzung, um das von ihnen entworfene Profil eines bodenständigen Mannes, der mit der Gitarre unter dem Arm und einem Lied auf den Lippen den Widrigkeiten des Lebens gelassen begegnet, weiter zu schärfen. Dabei kamen ihnen die im Gegensatz zum Erstling deutlich großzügiger vorhandenen Produktionsmittel entgegen. Gedreht wurde in Technicolor, zum Cast gehörten mit Gustav Knuth und Dieter Eppler bekannte Namen, dazu mit Vera Tschechowa, Helga Sommerfeld und Hannelore Elsner eine Schar junger vielversprechender Darstellerinnen und als Drehorte standen Toronto, die Niagara-Fälle und das weitläufige Panorama der kanadischen Landschaft statt der engen Gassen St.Paulis im Brennpunkt.

Stefan wird mit Gugelhupf verwöhnt...
Von dort hatte sich Freddy auf den Weg „unter fremde Sterne“ gemacht, aber sieht man von der Skyline Torontos und ein paar einsamen Elchen ab, hielt sich das Nordamerika-Feeling in engen Grenzen. Der Handlungsort mit weitläufigen Seen, dichten Wäldern und schneebedeckten Bergen im Hintergrund unterschied sich nur gering von der Alpenlandschaft im Heimatfilm, Sprachgrenzen existierten nicht und die Menschen vor Ort pflegten vertraute Gebräuche. Trotz kleiner Anfangs-Schwierigkeiten gilt Freddy hier keinen Moment als „Fremder“. Im Gegenteil sorgt er bei einer Geburtstags-Feier als „Hillbilly“-Sänger für folkloristische Stimmung. Klar, dass ihn auch der Händler Miller (Benno Sterzenbach) und der Großgrundbesitzer O’Brien (Gustav Knuth), zwei alteingesessen Platzhirsche, sofort respektieren. Kanada hat hier die Anmutung eines Deutschlands mit kostümierten Cowboys und Western-Kulissen, weshalb Freddys tatsächliche Heimat erst gar nicht thematisiert wurde.

...und Freddy von den Frauen
„Freddy unter fremden Sternen“ entstand für ein Publikum, das die Vorgeschichte kannte. Selbst die Anwesenheit eines 10jährigen Jungen an der Seite eines knapp 30jährigen Mannes, der in Kanada einwandert, warf keinerlei Fragen auf. Wie selbstverständlich wird Stefan als Freddys kleiner Freund angesehen, von der Damenwelt mit Gugelhupf und Pudding gemästet und darf zu allen Gelegenheiten seine altklugen Kommentare abgeben. Dass Christian Malachet als einziges Überbleibsel aus "Freddy, die Gitarre und das Meer" erneut zur Besetzung gehörte, war neben der Handlungskontinuität seiner Funktion als Störenfried zu verdanken. Die Macher um Aldo von Pinelli trieben in „Freddy unter fremden Sternen“ dessen Schlag bei Frauen auf die Spitze. Neben Millers vier Töchtern, von denen sich vor allem Ellen (Helga Sommerfeld) ins Zeug legte – Hannelore Elsner in ihrer ersten Filmrolle betrachtete die Balz-Rituale eher spöttisch -, trat besonders Manuela (Vera Tschechowa) im Auftrag ihres Vaters O’Brien als Verführerin auf den Plan und sorgte sogar beim coolen Freddy für weiche Knie.

Wenn Freddy für folkloristische Einlagen sorgt, ...
Hinter Manuelas Ambitionen steht ein fieser Plan, denn ihr Daddy ist von der Pleite bedroht, weshalb er billig an Freddys Grundstück herankommen muss, unter dessen Oberfläche sich wertvolle Kupfervorkommen befinden. Zuerst schickte er seinen Verwalter Ted O’Connor (Dieter Eppler) und dessen Helfershelfer vor, um das „Greenhorn“ unter Druck zu setzen, aber so ließ sich Freddy erwartungsgemäß nicht aus der Ruhe bringen. Erst Manuela verfügt über die notwendigen Mittel, wird aber dank Stefans Eingreifen am Austausch konkreter Zärtlichkeiten gehindert. Als Grund muss Susi aus "Freddy, die Gitarre und das Meer" herhalten, die in Deutschland angeblich auf ihn wartet, obwohl keine Rückkehr eingeplant war. Ursprünglich sollte sie nachkommen, sobald Freddy eine Existenz in Kanada aufgebaut hätte, aber das erwähnt nicht einmal mehr der penetrante Stefan.

...betrachtet ihn auch Manuela (Vera Tschechowa) mit anderen Augen
Von Pinelli, Kampendonk und Schleif standen vor einem Dilemma. Einerseits war von Beginn an klar, dass ihr Star am Ende wieder in die Heimat zurückkehrt, andererseits sollte „Freddy unter fremden Sternen“ ein Wohlfühl-Film und kein Auswanderer-Drama werden. Nicht nur der alte O’Brien wird reumütig und beichtet Freddy von seinen finanziellen Schwierigkeiten, auch die gar nicht mehr eingebildete Manuela entdeckt ihre wahren Gefühle für den singenden Helden, der ihrem Vater das Leben gerettet hatte. Selbst die kanadische Polizei agiert ähnlich konstruktiv wie die deutsche im Vorgängerfilm und überführt Ted als den wahren Übeltäter, worauf sich Alle einigen können. Welchen Grund hätte Freddy also gehabt, die gar nicht so fremden Sterne wieder zu verlassen? - Dafür musste erneut Stefan in die Bresche springen, der wegen fehlender Einwanderungspapiere von der Polizei nach Deutschland zurückgeschickt werden soll. Als sein Freund kann Freddy ihn nicht im Stich lassen und begleitet ihn.

Abschlussbild mit Planwagen und Gitarre
Eine mehr als dünne Drehbuchwendung, die keiner näheren Betrachtung standhält. Wie hätte Freddy reagiert, wenn es Stefan zu Beginn des Films nicht gelungen wäre, am Hafen bei der Passkontrolle an den Beamten vorbei zu schlüpfen? – War es nicht viel zu riskant, ihn als blinden Passagier mit nach Kanada zu nehmen? – Jetzt, nachdem sich alles gefügt und O’Brien einen fairen Preis für Freddys Grundstück gezahlt hatte, geht es mit den Taschen voller Geld nach Deutschland zurück. Und prompt denkt Freddy wieder an Susi und die beiden Ossenkamps in Hamburg-St.Pauli, aber es bedarf schon sehr der 50er Jahre-Brille, um das angesichts der süßen Manuela und der schneebedeckten Wipfel im Hintergrund als Happy-End zu begreifen. Nicht ohne Grund endete "Freddy unter fremden Sternen" mit den beiden Protagonisten auf dem Bock eines Planwagens und Freddys Griff zur Gitarre - die im Titelsong beschworene "Heimfahrt" sparte man lieber aus. 

"Freddy unter fremden Sternen" Deutschland 1959, Regie: Wolfgang Schleif, Drehbuch: Aldo von Pinelli, Gustav Kampendonk, Darsteller : Freddy Quinn, Gustav Knuth, Vera Tschechowa, Dieter Eppler, Christian Machalet, Benno Sterzenbach, Helga Sommerfeld, Hannelore Elsner, Laufzeit : 92 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Wolfgang Schleif: 

"Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) 
"Freddy und die Melodie der Nacht" (1960)

Sonntag, 5. März 2017

Freddy, die Gitarre und das Meer (1959) Wolfgang Schleif

Freddy (Freddy Quinn) und Stefan (Christian Machalet) mussten von Bord gehen
Inhalt: Ein 10jähriger Junge (Christian Machalet) treibt sich im Hamburger Hafengebiet herum und nutzt einen unbeobachteten Moment, um an Bord eines Frachters zu gelangen. Er ahnt nicht, dass ihm Freddy (Freddy Quinn), der es sich unter der Plane eines Rettungsboots eingerichtet hatte, dabei zusieht. Doch als ein Kran seine Ladung in den Frachtraum absetzen will, kommt diese dem Jungen gefährlich nah, so dass Freddy ihm zur Seite springt und ihn wegzieht. Mit dem Ergebnis, dass Beide erwischt werden und von Bord verwiesen werden. Statt als blinder Passagier nach Kanada zu schippern, muss Freddy in einem Schuppen übernachten, in dem sich Stefan, der aus dem Waisenhaus abgehauen war, versteckt hält. 

Freddy gefällt Susi (Corny Collins)
Freddy ist dem Jungen deshalb nicht böse und will ihn nicht im Stich lassen. Als sie am kommenden Tag ein wenig Geld für etwas Essbares auftreiben wollen, hält Stefan einer Dame (Sabine Sesselmann) die Tür ihres Cabriolets auf, wofür er 50 Pfennig erhält. Dabei fällt dieser unbemerkt ein 50 Markschein aus dem Portmonee, den Stefan sofort an sich reißt. Aber Freddy ermahnt ihn und gibt ihn ihr wieder zurück. Eine Begegnung, an die sich die junge Journalistin sofort erinnert, als sie einige Stunden später erneut auf Freddy trifft, der im Lokal "Bei Onkel Max" einige Lieder singt, um ein wenig Geld zu verdienen. Susi (Corny Collins), die dort kellnert, hatte ihm und Stefan eine Bulette zukommen lassen und sich ein wenig mit Freddy angefreundet. Doch die angenehme Situation ändert sich, als Polizisten das Lokal betreten. Freddy ergreift die Flucht. 


In "Heimatlos" wurde Freddy Quinn noch von der weiblichen Protagonistin zugunsten eines anderen Mannes zurückgewiesen, ab "Freddy, die Gitarre und das Meer" stieg er endgültig zum Hauptdarsteller und Star auf, dem die Frauenherzen nur so zuflogen. Das betonten die diversen Filmplakate, die ihn wahlweise mit Sabine Sesselmann oder Corny Collins zeigten, und passte zu Freddys neuem Image als cooler Seemann, der den Widrigkeiten des Lebens mit der Gitarre in der Hand trotzt - eine Kreation, die auf die Autoren Aldo von Pinelli und Gustav Kampendonk zurückging, die gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Schleif die ersten drei Freddy-Filme innerhalb eines Jahres herausbrachten, deren großer Erfolg Quinns Image bis heute verfestigte.

Tatsächlich spielten die Macher nur mit der Aura eines Frauenhelden, denn Quinn blieb immer ein Muster an Anstand, der die Gelegenheiten selbstverständlich nicht ausnutzte. Mit Sabine Sesselmann, deren Porträt im Hintergrund des Filmplakats eine bedeutungsvolle Schwere vermitteln sollte, existiert im Film nicht einmal ein kleiner Flirt. Stattdessen erlebt Freddy seine Abenteuer mit einem 10jährigen Jungen, den er am Ende aus einem Waisenhaus befreit und als blinden Passagier mit nach Kanada nimmt. Bei solch menschlich nachvollziehbaren Umständen durft auch ein wenig über die Strenge geschlagen werden. 


"Freddy, die Gitarre und das Meer" wurde der "kassenstärkste Film deutsch" (goldener Bambi 1960) im Jahr 1959 und stand am Beginn einer Reihe von insgesamt zehn Freddy Quinn-Filmen innerhalb der kommenden fünf Jahre. Doch so selbstverständlich wie dieser Erfolg rückwirkend erscheint, war er nicht. Als Sänger seit seinem ersten Nummer 1-Hit "Heimweh" (1956) in Deutschland ein Star, war Quinn bis dahin im Kino nur in zwei Nebenrollen zu sehen. Zuletzt in dem Heimatfilm "Heimatlos" (1958), dessen gleichnamiger Titelsong für Quinn zu einem weiteren Nummer-1-Hit avancierte. Der Text stammte von Aldo von Pinelli, dem Impresario hinter einer Figur, die er gemeinsam mit Co-Autor Gustav Kampendonk und Regisseur Wolfgang Schleif zu einer Reife brachte, dass sie zum "Alter Ego" des aus Österreich stammenden Sängers wurde: der bodenständige, großherzige und weitgereiste Seemann, der seine Gitarre und die Einsamkeit des Meers jederzeit einer aufgeregten, materiell orientierten Gesellschaft vorzog.

Freddy bei Katja (Sabine Sesselmann) zu Hause - natürlich ganz züchtig
Den Machern musste das Risiko dieser Kreation bewusst gewesen sein, denn die Produktionskosten blieben verglichen mit seinem unmittelbaren Nachfolger "Freddy unter fremden Sternen" (1959) bescheiden - gedreht in Schwarz/Weiß, ohne große Co-Stars und mit einer auf das Hafengebiet von Hamburg beschränkten Location. Dabei bewiesen sie ein gutes Gespür sowohl für den damaligen Zeitgeist, als auch den Menschen Quinn. Dieser hatte, als er 1954 als 23jähriger von Jürgen Roland auf der Reeperbahn entdeckt worden war, schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit seinem irischen Vater war er als Kleinkind in die USA gezogen, später zu seiner Mutter nach Wien zurückgekehrt, bevor er schon als Minderjähriger jahrelang singend durch Südeuropa und Nordafrika gereist war. Quinn nahm man den Typus des selbstbewussten, jeder Situation gewachsenen Kerls ab, dessen zwischen Abenteuerlust und Biederkeit austarierter Charakter exakt den Nerv des Publikums traf.

Jan (Peter Carsten) hat Freddy wieder erkannt
Entsprechend angelegt ist auch die Handlung. Der von der Polizei wegen Totschlags in Genua gesuchte Freddy schlägt sich als blinder Passagier bis Hamburg durch, um von dort weiter nach Kanada zu gelangen, wo ihm sein Onkel ein großes Stück Land vererbt hat. Weil er Stefan (Christian Machalet), einem aus dem Waisenhaus geflohenen etwa 10jährigen hilft, wird er entdeckt und muss von Bord des Schiffes gehen, das ihn nach Nordamerika bringen sollte. Gemeinsam mit dem Jungen schlägt er sich in St.Pauli durch, übernachtet in einem heruntergekommenen Schuppen und versucht in einem Lokal mit seinem Gesang etwas zu verdienen. Dabei lernt er die Kellnerin Susi (Corny Collins) kennen, aber auch eine hübsche Journalistin (Sabine Sesselman) aus besten Hamburger Kreisen wird auf ihn aufmerksam. Sie will sein Talent als Sänger fördern und nimmt ihn mit zu sich nach Hause, was ihrem arroganten Verlobten gar nicht gefällt. Auch Susi reagiert eifersüchtig, aber Freddy hat noch ganz andere Probleme. Ein ehemaliger Kamerad (Peter Carsten) hat ihn wieder erkannt und droht ihn an die Polizei zu verraten.

"Mutter" Ossenkamp (Camilla Spira) steckt Fietjes (Ralf Wolter) Lohntüte ein
St.Pauli, Kriminalität, Frauen. Von Pinelli und Kampendonk entwarfen eine Story, die nach Sex und Gewalt klang, sich aber als familientauglicher Musikfilm entpuppte. Keiner der hier behaupteten Konflikte wird auch nur annähernd ausgespielt, mögliche Missverständnisse oder Animositäten lösen sich umgehend in Wohlwollen auf. Eine Inszenierung, die um Freddy die Aura eines Vagabunden und Abenteurers schuf, diesen aber am heimischen Küchenherd verortete. Hamburg-Reeperbahn, die Hafengegend, die schmalen Gassen, selbst das Tanzlokal, in dem Vicky Henderson die einzige nicht von Quinn gesungene Nummer zum Besten gab, wirken sauber und aufgeräumt. Dagegen war selbst Rühmanns "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1954) ein Ort finsterer Verruchtheit. Das Traumziel Kanada und der Blick über das Meer sollten Fernweh demonstrieren, aber das Lokal "Bei Onkel Max" des Ehepaars Ossenkamp, obwohl kinderlos von allen nur „Mutter“ (Camilla Spira) und „Vater“ (Walter Scherau) genannt, wird zum Rückzugort für Freddy und Stefan.

"Vater" Ossenkamp (Walter Scherau) lässt sich schnell von Susi und Stefan erweichen
Allein das Aldo von Pinelli seinem Hauptdarsteller mit Christian Machalet ein Kind an die Seite stellte, das dem Film altklug und redselig den Stempel aufdrückte, nahm der Handlung jede Chance auf eine dramatische Entwicklung. Freddy rückte sofort in die Rolle des großen Bruders, der den Kleinen nicht im Stich lassen konnte, weshalb es die beiden Frauen an seiner Seite schwer hatten. Das ist umso erstaunlicher, da Corny Collins ("Schmutziger Engel", 1958) und Sabine Sesselmann („Liebe kann wie Gift sein“, 1958) zuvor sexuell aktive Frauen gespielt hatten, hier an Hochgeschlossenheit aber kaum zu übertreffen sind. Collins als Kellnerin Susi ist ganz das einfache Mädchen, dass sich ein anständiger Kerl wie Freddy an seiner Seite wünscht – fleißig, zurückhaltend und dezent hübsch. Klar, dass er sie will, aber mehr als ein Kuss am Kai, als er sich von ihr gen Kanada verabschiedet, springt nicht für sie heraus. Trauer ist ihm wegen der Trennung nicht anzumerken, dagegen große Freude, als in seiner Schiffskajüte zu seiner Überraschung Stefan aus dem See-Sack springt.

Sein Verhältnis zu den Frauen ist signifikant für die Kunstfigur „Freddy“. Einerseits gehörte es zum Klischee des Abenteurers, dass ihm die Herzen der Frauen zufliegen, andererseits hätte eine intensive Beziehung, gar eine dramatische „Amour fou“, nicht nur dem Saubermann-Image widersprochen, sondern auch seinen Status als cooler Einzelgänger in Frage gestellt. Ein kleiner Junge an seiner Seite wurde akzeptiert, denn gehören sollte „Freddy“ allein dem Publikum.

Katja kann ihren Verlobten Lothar (Harry Meyen) beruhigen
Die Rolle der Journalistin Katja besaß darüber hinaus noch eine andere Funktion. Obwohl das Filmplakat eine emotionale Beziehung zwischen ihr und Freddy andeutete, durfte ihre Aufmerksamkeit allein seinem Gesangstalent gelten. Selbst als sie ihn mit zu sich nach Hause nimmt, wird jede größere Nähe ausgeschlossen. Betont wird dagegen ihr mondäner Hintergrund mit Villa, Sportwagen und Hausmädchen, der in keinem größeren Kontrast zur kleinbürgerlichen Welt der Ossenkamps stehen könnte, der hier selbstverständlich die Sympathien gehörten. Zwar agierte Sabine Sesselmann in ihrer Rolle freundlich – sonst hätte Freddy nichts mit ihr zu tun haben wollen - aber Harry Meyen als ihr Verlobter durfte die gesamte Palette von Arrogant bis Hochnäsig abdecken. Wenn Katja ihm am Ende zu verstehen gibt, dass Jemand wie Freddy bei ihr keine Chance hatte und sie auch dessen Gesangsaufnahmen wieder löscht, unterscheidet sie nichts mehr von ihm.

Wahre Freude - Stefan kommt mit nach Kanada
Diese Trennung zwischen den sozialen Schichten war ein weiterer Grund für den Erfolg der „Freddy“-Filme, die den Heimatfilm modern interpretierten (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969"). Hier die klar umrissene, vertraute Scholle, bevölkert mit Menschen, die trotz kleinerer Schwächen das Herz auf dem rechten Fleck haben, dort eine gebildete und auf Etikette wert legende Oberschicht. Auch dieser Kontrast wurde nicht übertrieben zugespitzt, denn das hätte den harmonischen Gesamteindruck gestört – selbst die Polizei ging hier ganz in ihrer Funktion als „Freund und Helfer“ auf - aber er machte deutlich, auf welcher Seite Freddy stand. Dass er in die weite Welt hinausfahren wollte, war kein Widerspruch. Ein Verbleiben zu Hause, wie es die frühen Heimatfilme propagierten, war nicht mehr zeitgemäß. Der Blick in die Fremde sollte das Hochhalten der eigenen Heimat legitimieren – eine Rolle, die Freddy stellvertretend für das Publikum einnahm. Am Ende von „Freddy, die Gitarre und das Meer“ begibt er sich auf die große Reise, aber das war noch nicht das Ende seiner Geschichte. 

"Freddy, die Gitarre und das MeerDeutschland 1959, Regie: Wolfgang Schleif, Drehbuch: Aldo von Pinelli, Gustav Kampendonk, Darsteller : Freddy Quinn, Corny Collins, Sabine Sesselmann, Christian Machalet, Peter Carsten, Walter Scherau, Camilla Spira, Harry Meyen, Ralf Wolter, Laufzeit : 89 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Wolfgang Schleif: 

"Freddy unter fremden Sternen" (1959) 
"Freddy und die Melodie der Nacht" (1960)

Sonntag, 5. Juni 2016

Freddy und die Melodie der Nacht (1960) Wolfgang Schleif

Freddy (Freddy Quinn) kümmert sich um Inge (Heidi Brühl)...
Inhalt: Wie jeden Abend tritt Freddy (Freddy Quinn) seinen Job als Taxi-Fahrer an, der seine Kunden durchs nächtliche Berlin transportiert. Zu seinen ersten Fahrgästen gehören Karl (Peter Carsten) und Willy (Harry Engel), die am Tempelhofer Flughafen in sein Taxi steigen. Freddy ahnt nicht, dass sie einen Überfall auf einen Geldtransport begangen hatten, ohne Beute zu machen. Ihre Flucht aus Berlin (West) per Flugzeug scheiterte an 50 Mark, weshalb sie das fehlende Geld dringend auftreiben wollen. Als sie mitbekommen, wie Freddy seinem Kollegen Paul (Werner Stock) 50 Mark für eine Tankfüllung gibt, wechseln sie mit dessen Einverständnis das Taxi.

...Karl (Peter Carsten) und Willy (Harry Engel) sind erst später dran
Die scheinbar lukrative Fahrt wird für den Familienvater Paul schnell zum Alptraum, denn Karl schießt rücksichtslos auf ihn. Mit den 50 Mark fliehen die beiden Männer und lassen den Schwerverletzten zurück. Inzwischen kümmert sich Freddy um Direktor Wendlandt (Hans Nielsen), der auf der Suche nach frivoler Unterhaltung im Berliner Nachtleben ist. Zuerst musste Freddy die Blumenverkäuferin Inge (Heidi Brühl) aus dessen Fängen befreien, aber der Mittfünfziger erweist sich zunehmend als sympathische Frohnatur…


Coolness war 1960 noch kein stehender Begriff für einen souveränen Charakter, der nie die Nerven verliert. Und Freddy Quinn, der Schlagersänger und "Junge von St.Pauli", gehört aus heutiger Sicht kaum zu den üblichen Verdächtigen dieser Spezies, aber genau das war er in seinen Rollen - cool bis zum Abwinken. In "Freddy und die Melodie der Nacht" spielte er einen Taxifahrer in Berlin (West), der immer weiß was zu tun ist und immer die richtigen Worte findet. Egal ob er einen reichen Unternehmer (Hans Nielsen) zu den einschlägigen Etablissements der Stadt kutschiert, seinem Kollegen - Typ kinderreicher Familienvater – eine lukrative Fahrt überlässt, auf dem Polterabend seines Chefs die Unterhaltungs-Kanone gibt, für die Imbissverkäuferin Frau Bremer (Grethe Weiser) ein paar charmante Worte übrig hat oder Jagd auf Verbrecher macht.

Selbstverständlich weiß er auch Inge (Heidi Brühl) zu umgarnen, die als Blumenmädchen nachts Geld für ihr Studium verdient und Anmache gewohnt ist. Sie lässt sonst Jeden abblitzen, nur Freddy findet den Zugang zu ihr - dabei jederzeit den gebotenen Anstand wahrend. Mühelos kombinierte Quinn den Typus "idealer Schwiegersohn" mit dem Typus "einsamer Wolf", zu dem er zu Beginn des Films hochstilisiert wird, wenn er in Lederjacke seinem nächtlichen Gewerbe nachgeht und das Lied "Melodie der Nacht" zum Besten gibt:


"Melodie der Nacht, wenn die Dunkelheit erwacht,
zieh' ich durch die große Stadt,
einsam hallt mein Schritt, es geht Niemand mit mir mit,
durch die menschenleeren Straßen,
so bin ich allein und frage mich, gibt`s ein Herz, das mich vermisst,
und wo ist der Mensch, der zu mir hält, der genau wie ich einsam ist?
Melodie der Nacht, du hast Freud' und Leid gebracht, doch die Nacht, sie wird vergeh‘n,
Melodie der Nacht, wenn ein neuer Tag erwacht, wird dein Klang im Wind verweh'n"

Direktor Wendlandt (Hans Nielsen) schlägt ein wenig über die Strenge...
Drehbuchautor und Liedtexter Aldo von Pinelli, seit "Schlagerparade" (1953) eine Institution im deutschen Schlagerfilm, hatte wieder ganze Arbeit geleistet und kein Klischee ausgelassen. Gemeinsam mit Gustav Kampendonk und Regisseur Wolfgang Schleif war er seit "Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) für den Aufstieg Quinns zum Superstar verantwortlich. Im Schlagerfilm "Die große Chance" (1957) nach Von Pinellis Drehbuch spielte Quinn noch eine Nebenrolle, "Freddy und die Melodie der Nacht" wurde nach "Freddy unter fremden Sternen" (1959) dann schon sein dritter Film als Hauptdarsteller innerhalb eines Jahres - immer gemeinsam mit dem Kreativ-Trio.

...und Mutter Brehmer (Grethe Weiser) sorgt für nächtliches Wohlbefinden
Das ließ auch sonst keinen Zweifel am Charakter der übrigen Rollen, die streng auf Linie gebürstet wurden. Hans Nielsen als Direktor Wendlandt spielte einen Kapitalisten mit menschlichem Anstrich, der nach langer Ehe hin und wieder ein wenig Ablenkung sucht. Natürlich ganz im Verständnis-Modus für männliche Schwächen – angetrunken, leicht über die Strenge schlagend, aber auch spendabel und selbstironisch. Im Stil eines großen Bruders sorgt Freddy dafür, dass er am Ende wohlbehalten nach Hause kommt. Auch Grethe Weiser als Würstchenverkäuferin mit Berliner Schnauze ist hier in ihrem Element. Immer herzlich direkt gegenüber ihrer Kundschaft, nur Sohn Willy (Harry Engel) kann bei ihr machen was er will – ihm kann sie nicht böse sein.

„Der Junge ist kein schlechter Kerl, nur zu verwöhnt“

Kai Fischer als promiskuitive Anka...
Keine typischen Worte eines Altvorderen, sondern von Inge, der Idealverkörperung einer tüchtigen jungen Frau. Hübsch, aber dezent gekleidet, nachts für ihr Sprachen-Studium arbeitend, aber moralisch integer bei Mutter Bremer zur Untermiete wohnend. Heidi Brühl gegenüber steht Kai Fischer in ihrer gewohnten Rolle als „billiges Flittchen“ (Zitat Mutter Bremer). Optisch sexuell herausfordernd, lässt sich Anka (Kai Fischer) gerne von den Männern aushalten, ohne sich festzulegen. Der schwache Willy ist für sie ein willkommenes Opfer – bei Freddy hätte sie keine Chance. Das gilt auch für Willys Freund Karl Bachmann (Peter Carsten), ein Krimineller, der keine Skrupel kennt, Frauen zu schlagen und auf Wehrlose zu schießen. Mit Willy zusammen hat er einen Geldtransport überfallen, musste aber ohne Beute abziehen. Jetzt fehlt ihnen das Geld, um aus dem Berliner Westen in die Bundesrepublik zu fliehen.

...und Erotik im Berliner Nachtleben
An dieser Figuren-Konstellation wird die Nähe des Films zum damals populären „Moral-Film“ deutlich, mit dem die Jugend vor den Gefahren einer sich verändernden Sozialisation gewarnt werden sollte. Anka, Willy und Karl stehen für die negativen Auswirkungen loser Moral- und egoistischer Konsumvorstellungen, Inge für die gewünschte Rolle einer zukünftigen Hausfrau und Mutter. Und Freddy ist „der Fels in der Brandung“, ein Mann, der immer zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, dabei auch mal ein Auge zudrückend. Gesanglich blieb er zurückhaltend. Wie der gesamte Film, dessen Musiknummern sich - anders als im „Schlagerfilm“ üblich - stimmig ins Geschehen integrierten. Das Hauptgewicht lag auf zwei professionellen Tanznummern, die im Zusammenhang mit Freddys Tour durch die Berliner Nacht-Clubs gezeigt wurden. Hier durfte es hemmungslos erotisch zugehen, damit nicht nur Direktor Wendlandt auf seine Kosten kam.

Geschuldet war diese frivole Seite auch dem Bild Berlins als verruchte Großstadt zwischen Kriminalität und Verlockung. Der Heimatfilm-Charakter, den Quinns Filme im Kontrast zu seinem weltmännischen Auftreten (Motto „in der Heimat ist’s am schönsten“) sonst auszeichneten, blieb wie die Sehenswürdigkeiten der Stadt oder deren politische Teilung fast vollständig ausgeblendet. Betont wurde dagegen die fehlende Sperrstunde. Berlin hat nie geschlossen – die Wurst bei Mutter Brehmer nachts um 2 ist genauso selbstverständlich wie die geöffnete Kneipe am frühen Morgen. Zwischendurch geht Freddy auch aufs Polizeirevier und macht eine Aussage über die zwei Verbrecher. Anzusehen ist den Protagonisten die nächtliche Stunde nicht, müde wirkt hier Niemand, viel mehr wurde die Handlung einfach in die Dunkelheit verlegt.

Will man von Handlung reden, denn eine echte Story existiert hier nicht. Einzig die beiden Kriminellen Karl und Willy sorgen für etwas Dynamik, aber ihr Verhalten ist an Unlogik schwer zu übertreffen. Da ihnen Geld für die Flucht per Flugzeug aus dem Westteil Berlins fehlt, überfallen sie Freddys Taxi-Kollegen, nachdem sie mit angesehen hatten, dass er von Freddy 50 Mark für eine Tankfüllung erhalten hatte. Blöderweise hatte Karl das Ersatzmagazin seiner Waffe zuvor in Freddys Taxi verloren, weshalb sie sich in den folgenden Stunden auf dessen Spur setzen, um das mögliche Beweisstück gegen sie wiederzubekommen. Nicht nur das sie sich dabei ungeschickt und zögerlich verhalten, sie hatten inzwischen so viele Indizien hinterlassen, dass es darauf gar nicht angekommen wäre – sie verlieren nur unnötig Zeit.

Eine Rolle spielte das nicht, denn „Freddy und die Melodie der Nacht“ erinnert in seiner Ziellosigkeit, dem Aufnehmen unterschiedlicher Handlungselemente, ohne sie zu Ende bringen zu müssen, an die parallel aufkommende „Nouvelle vague“. Von Pinelli, Kampendonk und Schleif kombinierten Schlagerfilm, Großstadt-Drama, Moralfilm, Liebes- und Kriminalgeschichte zu einem Mix, der den einzelnen Bestandteilen wieder ihr Gewicht nahm. In seiner auf Relativierungen verzichtenden Tragik ist der Film zudem von einer überraschenden Konsequenz. Das Bild der zurückgelassenen Grethe Weiser brennt sich in die Erinnerung und widerspricht Freddys Liedtext – der Klang der Nacht verweht nicht beim Tagesanbruch.

"Freddy und die Melodie der Nacht" Deutschland 1960, Regie: Wolfgang Schleif, Drehbuch: Aldo von Pinelli, Gustav Kampendonk, Darsteller : Freddy Quinn, Heidi Brühl, Grethe Weiser, Peter Carsten, Kai Fischer, Harry Engel, Hans Nielsen, Werner Stock, Laufzeit : 89 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Wolfgang Schleif: 

"Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) 
"Freddy unter fremden Sternen" (1959)