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Freitag, 2. Mai 2014

Ein Herz spielt falsch (1953) Rudolf Jugert

Zum 90.Geburtstag von Ruth Leuwerik am 23.04.2014:

Inhalt: Peter van Booven (O.W. Fischer), ständig pleite und von seinen Gläubigern verfolgt, will die junge Gerda (Gertrud Kückelmann) dazu überreden, ihr gemeinsames Kind abtreiben zu lassen. Mehr als ein kurzes Abenteuer wäre das zwischen ihnen nicht gewesen und sie würden auch nicht zusammenpassen. Ohne ihr Unglück weiter zu beachten, begibt er sich zu dem Chefarzt Professor Linz (Carl Wery), der mit seinem Vater befreundet war, um ihn um einen Eingriff bei Gerda zu bitten. Zuerst ihm wohlwollend begegnend, verweigert der Arzt empört Van Boovens Ansinnen und wirft ihn aus seiner Praxis.

Als er aus dem Krankenhaus tritt, begegnet er Sybilla Zander (Ruth Leuwerik), einer ehemaligen Klassenkameradin, die sich wegen ihrer Schmerzen am Hinterkopf bei dem mit ihr befreundeten Professor untersuchen lassen will. Er erkennt die unscheinbare, allein stehende junge Frau aus reichem Hause sofort wieder, die sich nicht verändert hat – schon während der Schulzeit hatte er sie „Alte Schachtel“ genannt. Wenig später kehrt er nochmals ins Krankenhaus zurück, da er seinen Hut vergaß, und wird zufällig Zeuge eines Gesprächs unter Ärzten, in dem Professor Linz seine tödliche Diagnose äußert. Sybilla hat seiner Meinung nach nur noch sechs Monate zu leben. Wieder in seiner kleinen Wohnung, erfährt er von seiner Vermieterin (Lina Carstens), dass ein ungehobelter Kerl nach ihm gefragt hätte, der bald wieder kommen will. Peter van Booven fasst einen perfiden Plan…


Ein Abenteurer, dem die Gläubiger im Nacken sitzen und dessen einzige Reaktion darauf, dass seine Geliebte schwanger ist, darin liegt, sich bei einem Arzt um eine Abtreibung zu bemühen, hört in dessen Praxis zufällig mit, dass eine frühere Klassenkameradin an einem unheilbaren Tumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Zwar machte er sich schon damals über das altmodische, unscheinbare Aussehen der Industriellentochter lustig, aber angesichts des verlockenden Erbes, dass auf einen Schlag seine Probleme lösen könnte, setzt er seinen gesamten Charme ein, um ihre frühere Bekanntschaft wieder aufzufrischen. Mit Erfolg, denn die nach einer Operation noch geschwächte junge Frau, die nichts von ihrem tatsächlichen Zustand weiß - der mit ihr befreundete Arzt wagt es nicht, sie über ihren baldigen Tod aufzuklären - freut sich über dessen Aufmerksamkeiten und verliebt sich in den attraktiven Mann.

Angesichts dieser Schmonzette überrascht es nicht, dass der Text als Fortsetzungsroman Anfang der 50er Jahre in der "Hör Zu" veröffentlicht wurde, geschrieben von deren langjährigen Chefredakteur Eduard Rhein unter dem Pseudonym Hans-Ulrich Horster. Entsprechend geringschätzig fielen die Kommentare der zeitgenössischen Kritiker ("oberflächlich konstruiert", "konventionell und falsch im Stoff") für einen Filmplott aus, der auch in heutigen Komödien vorstellbar wäre. Erst die Zusammenführung zweier gegensätzlicher kaum vorstellbarer Menschen unter emotional zugespitzten Bedingungen, die folgerichtig zu geschlechtsimmanenten Charakter Veränderungen führen - aus dem hässlichen Entchen wird ein schöner Schwan und aus dem egoistischen Schwerenöter ein verantwortungsvoller Ehemann. Äußerlich beschreitet "Ein Herz spielt falsch" genau diesen Weg, aber es wird deutlich, wie zeitlos, konkret und stimmig Regisseur Rudolf Jugert und seine Drehbuchautorin Erna Fentsch, Ehefrau von Carl Wery und mehrfache Mitstreiterin Jugerts („Ich heiße Niki“, 1952), die Romanvorlage umsetzten.

Dank seines Charmes vermied O.W. Fischer eine gänzlich unsympathische Gestaltung des berechnend vorgehenden männlichen Protagonisten Peter van Booven, aber an Konsequenz ließ er es nicht missen. Die von ihm schwangere Gerda (Gertrud Kückelmann) weist er zurück, bis sie sich das Leben nehmen will. Mit der Erinnerung an seinen verstorbenen Vater versucht er dessen Freund Professor Linz (Carl Wery) zu einer Abtreibung zu überreden und für den Blumenstrauß, mit dem er bei seiner früheren Klassenkameradin Sybilla Zander (Ruth Leuwerik) am Krankenbett Eindruck schinden will, verkauft er ein Andenken an den gefallen Sohn seiner Vermieterin (Lina Carstens). Selbst heute ließe sich kaum ein männlicher Filmstar auf das Risiko ein, eine ähnlich negativ besetzte Hauptfigur zu spielen, die Anfang der 50er Jahre zudem gegen die sehr viel konservativeren moralischen Standards verstieß. So überzeichnet diese Figur angelegt wurde, so authentisch vermittelt sie die häufig gebrochenen Lebensläufe in der Nachkriegszeit. O.W. Fischer spielte van Booven als Getriebenen, der nach dem Krieg die Kontrolle über sein Leben verloren hat und dem jedes Mittel recht ist, um seiner Notlage zu entkommen. Trotz dessen Charakterlosigkeit fiel es damals nicht schwer, sich mit dessen Situation zu identifizieren.

Ruth Leuwerik verkörperte das Gegenteil – eine altmodisch wirkende junge Frau, die von geradezu atemberaubender Verlässlichkeit und innerer Ruhe ist. Schon während ihrer gemeinsamen Schulzeit nannte sie Van Booven eine „Alte Schachtel“, aber diese Bezeichnung erweist sich hier als Prädikat. Denn im Gegensatz zu den üblichen Geschichten vom „Hässlichen Entchen“ ändert sie sich nicht, sondern gewinnt in den Augen des Betrachters gerade dadurch, dass sie sich selbst treu bleibt. Ruth Leuwerik, die zuvor schon zwei Filme an der Seite Dieter Borsches gedreht hatte und mit „Königliche Hoheit“ (1953, Regie Harald Braun) noch im selben Jahr eine weitere Zusammenarbeit folgen ließ, wurde durch „Ein Herz spielt falsch“ endgültig zum großen Filmstar. Zwei weitere gemeinsame Filme mit O.W. Fischer unter der Regie Helmut Käutners („Bildnis einer Unbekannten“ (1954) und „Ludwig II.: Glanz und Elend eines Königs“ (1955)) gaben Ruth Leuwerik erneut die Gelegenheit, einen selbstbewussten und eigenständigen Frauen - Typus zu spielen, der auch viel über ihre enge Zusammenarbeit mit Braun, Käutner und Jugert aussagt, die die frühen Jahre ihrer Karriere prägten und mit denen sie auch später wiederholt zusammen arbeitete.

Harald Braun, der einen Großteil der Käutner-Filme der 50er Jahre produzierte (bis er früh 1960 starb), besetzte sie erstmals in einer Hauptrolle in „Vater braucht eine Frau“ (1951) und Rudolf Jugert, seit Käutners erstem Film „Kitty und die Weltkonferenz“ (1939) als Regie-Assistent an dessen Seite tätig - bis er 1948 in „Film ohne Titel“ selbst erstmals die Regie übernahm – profitierte in „Ein Herz spielt falsch“ ungemein von Leuweriks exaktem und unaufgeregtem Spiel. Ihre Präsenz, die auch in den letzten Minuten des Films, als ihr Tod unmittelbar bevorsteht, jedes Abgleiten in Kitsch verhindert und O.W. Fischers schnelle Wandlung vom Saulus zum Paulus in den Hintergrund drängt, verlieh dem Film die notwendige Seriosität, um hinter dem klischeehaften Treiben den Angriff auf die damaligen Moralvorstellungen zu erkennen. „Ein Herz spielt falsch“ klingt zwar nach schicksalsschwerem Liebesdrama, aber Jugerts ein hohes Tempo vorlegender Unterhaltungsfilm wagte die Grobheit menschlicher Abgründe um eine zentrale Frauenfigur, die sich keinen gängigen Vorurteilen anbiederte.

"Ein Herz spielt falsch" Deutschland 1953, Regie: Rudolf Jugert, Drehbuch: Erna Fentsch, Hans-Ulrich Hörster, Darsteller : Ruth Leuwerik, O.W. Fischer, Carl Wery, Getrud Kückelmann, Lina Carstens, Günther Lüders, Gert Fröbe, Ernst F. Fürbringer, Rudolf VogelLaufzeit : 98 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rudolf Jugert:

Donnerstag, 16. Januar 2014

Frühstück im Doppelbett (1963) Axel von Ambesser

Inhalt: Seit ihrer Hochzeit 1960 haben Henry (O.W.Fischer) und Liane (Liselotte Pulver) viel Zeit im gemeinsamen Doppelbett verbracht, besonders an den folgenden Hochzeitstagen, weshalb sich Liane auch an ihrem dritten Jahrestag auf ein gemeinsames Frühstück mit ihrem Mann freut. Doch weit gefehlt – weder gibt es besondere Speisen, noch Geschenke. Ihr Mann ist schon lange bei der Arbeit in seinem Zeitungsverlag und nur das Hausmädchen Cilly (Ruth Stephan) serviert wie gewohnt das tägliche Frühstück.

So schnell gibt Liane nicht auf, zieht sich schick an und geht ins Pressehaus ihres Mannes, ohne sich von dessen Vorzimmerdame (Edith Hancke) aufhalten zu lassen. Doch es hilft nicht, denn er hat den Hochzeitstag vergessen und will abends nur noch ins Bett, ohne zu begreifen, warum seine Frau den ganzen Tag so einen Aufriss macht. Erst am nächsten Tag evrsteht er ihr Verhalten und geht zum direkten Angriff über. Zuerst beschwert er sich bei ihr, nicht an ihr Jubiläum gedacht zu haben, um danach zerknirscht zu gestehen, sich im Datum vertan zu haben. Liane ist beruhigt und freut sich auf ein feudales Abendessen, worauf sie sich mit ausführlicher Schönheitspflege vorbereitet – doch ihr Mann versetzt sie, da er zu einem wichtigen Termin muss…

Die von der PIDAX am 17.01.2014 herausgebrachte DVD "Frühstück im Doppelbett" füllt nicht nur eine Lücke im umfangreichen Oevre Liselotte Pulvers, sondern gibt einen Einblick in die frühen 60er Jahre, der beweist, dass Fitness- und Gesundheitswahn oder die "sexuelle Revolution" schon früh in der Bundesrepublik ankamen. Der Film geriet trotz seiner prominenten Besetzung in Vergessenheit, da er sich sehr nah am damaligen Zeitgeschehen orientierte - genau das macht ihn heute wieder interessant.(Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).














Mit "Frühstück im Doppelbett" entriss die „Pidax film media ltd.“ erneut einen Film der Vergessenheit, der angesichts der beteiligten Künstler sofort die Frage provoziert, warum er zuvor in der Versenkung verschwand. Die Besetzung mit Liselotte Pulver, die im selben Jahr den Bambi als beste nationale Darstellerin verliehen bekam, O.W.Fischer, seit Beginn der 50er Jahre erfolgreich, dem dank der Karl-May-Filme sehr populären Lex Barker und der als "Sex-Bombe" bekannten Ann Smyrner erfüllte höchste Ansprüche, aber auch Regisseur Axel von Ambesser und Autor Ladislas Fodor gehörten zu den erfolgreichsten Vertretern ihrer Zunft. Fodor schrieb parallel die Drehbücher zu der "Mabuse" - Filmreihe und Von Ambessers ebenfalls mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle im Jahr zuvor herausgebrachter Film "Kohlhiesls Töchter" (1962) gehört heute noch zu den bekanntesten deutschen Filmkomödien dieser Zeit.

Doch Von Ambesser und Fodor verstanden "Frühstück im Doppelbett" nicht als reinen Unterhaltungsfilm, sondern als Gesellschaftssatire, die das Schicksal vieler zeitaktueller Filme ereilte - sie wurde schnell altmodisch. Während die Story um das junge Ehepaar Henry (O.W.Fischer) und Liane Clausen (Lieselotte Pulver), das in den Routinemodus verfällt und sich scheiden lassen will, wenig überraschend verläuft, vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendeine Anspielung auf gegenwärtige Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen geäußert wird - meist aus dem Mund O.W.Fischers in der Rolle eines Zeitungsverlegers (sein Vorname „Henry“ spielte auf Stern-Herausgeber und Chefredakteur „Henry Nannen“ an), aber immer aus einer konservativen Haltung heraus. Zwar geben sich die Eheleute Clausen modern, jonglieren mit neuen Partnern und gehen scheinbar leichtfertig mit einer Scheidung um, aber damit wollten die Macher nur aktuelle Strömungen in der jungen BRD persiflieren. Ernst meinten sie es damit nicht, denn geradezu penetrant betont der Film, dass es zu keinen sexuellen Interaktionen mit den geplanten Nachfolgern kommt – entsprechend rückständig erscheint der Film heute in seiner Betonung der klassischen Geschlechterrollen etwa im Vergleich zu dem im selben Jahr erschienenen Liebesfilm "Schloss Gripsholm".

Besonders Liselotte Pulver, die häufig moderne, selbstständig agierende Frauenrollen spielte, wirkt trotz ihres gewohnt frechen Mundwerks als verwöhnte Ehefrau, die sich nur um ihr Aussehen und die Wohnungseinrichtung kümmert, fehlbesetzt. Die Hausarbeit wird ihr von Cilly (Ruth Stephan) abgenommen und von Kindern ist nie die Rede, weshalb ihre Rolle ganz untypisch nicht der Identifikation diente. Möglicherweise konnten ihre Vorwürfe an den viel beschäftigten Ehemann, der glatt den dritten Hochzeitstag vergisst, das damalige Publikum noch überzeugen, aber aus heutiger Sicht wirken ihre Reaktionen unangemessen. Nachdem Henry am nächsten Tag noch gerade die Kurve bekommen hatte – er behauptet sich im Datum geirrt zu haben – versetzt er seine Frau beim geplanten Abendessen, weil er die einmalige Gelegenheit bekam, Nikita Chruschtschow, den Regierungschef der UDSSR, zu interviewen und es ihm vom Flughafen aus nicht mehr gelingt, sie zu benachrichtigen. Ihr folgendes Techtelmechtel mit dem Fitnesstrainer Victor (Lex Barker) und die plötzliche Scheidungsforderung, weil ihr Mann darauf äußerlich gelassen reagierte, wirken völlig überzogen, weshalb dieser Konstellation von Beginn an die Glaubwürdigkeit fehlte.

Entsprechend kann es nicht funktionieren, „Frühstück im Doppelbett“ auf eine reine Komödie zu reduzieren, viel mehr sollte der Film als das betrachtet werden, als das ihn Von Ambesser und Fodor beabsichtigten – als zugespitzte satirische Betrachtung der frühen 60er Jahre. Für diese These sprechen auch die künstliche, theaterartige Kulisse oder die Einblendungen von Nikita Chruschtschow, der angeblich direkt mit Henry kommuniziert. Keinen Moment versuchte der Film, real zu wirken – einmal findet Liselotte Pulver unter Fotografien Prominenter wie Franz-Josef Strauß, Konrad Adenauer oder Willy Brandt auch ein Fotos von sich in der Rolle der weniger schönen Kohlhiesl Tochter aus ihrem letzten Film. Die Macher planten einen Rundumschlag auf alle neuen Zeiterscheinungen, der beweist, dass fast alles, was heute noch populär ist, damals schon seinen Anfang nahm.

Lex Barkers, seinen sonstigen Heldentypus kontrastierende Rolle ist eine Verballhornung des beginnenden Fitness- und Gesundheitswahns, die in ihrer klischeehaften Ausgestaltung nichts an Aktualität verloren hat. Yoga, Gemüsesäfte und Schlankheitsmaschinen bestimmten schon die Freizeit der Besserverdienenden und was die Macher davon hielten, zeigte sich in ihrer Charakterisierung des Yoga- und Fitnesstrainers Victor, der ständig Lebensweisheiten von sich gibt, dabei sein Einkommen aber nicht vergisst. Zudem hat er keine Hemmungen, sofort nach Henrys Abwesenheit dessen Frau anzubaggern, um genauso schnell den Schwanz einzuziehen, als dieser vermittelt, nichts dagegen zu haben. War Victor zu Beginn noch ganz der charmante Draufgänger, wird er plötzlich zum ungeschickten Frischluftfanatiker, weshalb Liane die Nacht bei ihm auf dem Balkon in einem Schlafsack übernachten muss. Natürlich ohne Sex – idiotischer hätte man diese Figur kaum degradieren können.

Ann Smirnow als sexuell erfahrene Jung-Autorin Claudia, die ihren erotischen, autobiografischen Roman von Henry verlegen lassen will, kommt dagegen besser weg, aber ihre Rolle spielte ironisch auf die zunehmenden Sex-Welle seit Nabokovs Erfolg mit „Lolita“ an. Mehrfach verwendet Henry spöttisch den Begriff „Sexuelle Revolution“ in diesem Zusammenhang, der offensichtlich keine 68er-Erfindung war. Auch Bemerkungen zur „Spiegel“-Affäre oder über das fortgeschrittene Alter von Bundeskanzler Konrad Adenauer fallen, aber „Frühstück im Doppelbett“ kann seine konservative Gesinnung nicht verbergen. Besonders die wiederholt von der Hausangestellten Cilly vorgetragenen Klassenkampf - Parolen sollten, angesichts ihres gut bezahlten Arbeitsplatzes, nur der Lächerlichkeit preisgegeben werden – inclusive ihres angeblich allwissenden Arbeiterführer-Bruders.

Bei seinem Erscheinen traf der Film noch auf eine mehrheitliche Zustimmung, aber die fortschreitende Entwicklung der 60er Jahre überholte dessen keineswegs immer unzutreffende, aber zu einseitigen ironischen Seitenhiebe schnell – zwei Jahre später drehte Axel von Ambesser die Episode „Lolita“ zu der frühen Erotik-Komödie „Das Liebeskarussell“(1965). Für ein Publikum der 70er Jahre musste der Film schon altmodisch wirken - erst aus heutiger Sicht verbirgt sich dahinter dessen Stärke als stimmiges Zeitdokument der frühen 60er Jahre.

"Frühstück im Doppelbett" Deutschland 1963, Regie: Axel von Ambesser, Drehbuch: Ladislas Fodor, Darsteller : Liselotte Pulver, O.W.Fischer, Lex Barker, Ann Smirnow, Ruth Stephan, Edith Hancke, Laufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Axel von Ambesser:

Mittwoch, 18. September 2013

Bildnis einer Unbekannten (1954) Helmut Käutner

Inhalt: Bei einer Ballett-Aufführung im Pariser Opernhaus sieht der Maler Jan Maria Keller (O.W. Fischer) das Gesicht einer jungen Frau (Ruth Leuwerik), dass ihn sofort fasziniert, weshalb er es spontan auf sein Programmheft skizziert. Da sie schon in der Pause geht, gelingt es ihm nicht, sie kennenzulernen, aber noch am selben Abend beschließt er, ihren Kopf auf den nackten Körper von Jacqueline (Ingrid van Bergen) zu malen, die ihm Modell sitzt.

Er ahnt nicht, dass es sich bei der Unbekannten um Nicole, die Ehefrau des Diplomaten Walter (Erich Schellow) handelt, weshalb sie wieder zu ihm nach Madrid fuhr, wo er in der Botschaft arbeitet. Glücklich wieder bei ihm zu sein, sieht sie sich noch am selben Abend mit einem Pflichttermin konfrontiert, den sie aber Beide übermütig abkürzen. Wenige Tage später kommen sie nicht so glimpflich davon, denn der Geschäftsmann Hernandez (Paul Hoffmann) veranstaltet eine Gemälde-Versteigerung zugunsten kranker Kinder, an der Walter teilnehmen muss, obwohl er dessen Methoden nicht mag. Kurz bevor das nächste Gemälde aufgerufen wird, zeigt ihm Hernandez unter vier Augen das von Keller gemalte Nacktbild seiner Frau, um ihn zu erpressen, aber Walter gibt nicht nach und es kommt zu einem Skandal...


Helmut Käutners Film "Bildnis einer Unbekannten" beginnt mit der großen Liebe. Nach ein paar Tagen in ihrer Heimatstadt Paris kehrt Nicole (Ruth Leuwerik) wieder zurück zu ihrem Mann Walter (Erich Schellow) nach Madrid, wo dieser als Diplomat tätig ist. Zwar kommen sie um eine abendliche Einladung beim Botschafter (Albrecht Scheonhals) nicht herum, aber diese verbringen sie gemeinsam auf der Tanzfläche, um sich früh in ihre Wohnung zurückzuziehen. Den Kommentar zu dieser Konstellation gibt die Gattin des Botschafters (Irene von Meyendorff) ab, die angesichts des liebenden Paars die Haltbarkeit eines solchen Glücksgefühls ohne Neidgefühle realistisch einzuschätzen weiß.

An dieser Figur lässt sich die Haltung des Regisseurs und seines Drehbuchautors Hans Jacoby, der nach seiner Rückkehr aus der Emigration erstmals wieder in Deutschland arbeitete, genau ablesen, denn aus ihr spricht der Fatalismus einer mit den Realitäten des Lebens vertrauten Frau. Als ein Gemälde von Nicole, auf dem sie nackt die Perlenkette trägt, die sie nach der Hochzeit von ihrem Mann geschenkt bekam, bei einer Kunst-Versteigerung zugunsten kranker Kinder im Haus des windigen spanischen Geschäftsmann Hernandez (Paul Hoffmann) auftaucht, ist ihr die moralische Entrüstung gleichgültig. Ob Nicole mit einem anderen Mann geschlafen hat oder nicht, spielt für sie keine Rolle - aus ihren Worten lässt sich leicht heraushören, dass sie diese Option auch für sich selbst in Betracht zieht - sie kritisiert nur, dass das Bild in die Öffentlichkeit gekommen ist. Der verwerfliche Versuch von Hernandez, Walter mit dem Bild seiner Frau zu erpressen - eine Verklausulierung der Franco-Diktatur, die auf diese Weise einen Gegner ausschalten will - spielt für sie und den Botschafter keine Rolle.  Einzig die öffentliche Meinung ist von Belang, weshalb dieser von Walter verlangt, sich scheiden zu lassen oder seine Karriere beim diplomatischen Dienst zu quittieren.

Aus der Diskrepanz zwischen Realität und den in der Gesellschaft verankerten moralischen Standards entstand in vielen Filmen Käutners erst das notwendige Spannungsverhältnis für seine Geschichten. Hier kehrt er die Thematik um. Der Bruch zwischen den Liebenden wird einzig durch die von dem Gemälde hervorgerufenen Stimmungen erzeugt, ohne dass es dafür einen gerechtfertigten Anlass gibt - der Maler Jan Maria Keller (O.W. Fischer) war von Nicoles Gesicht so fasziniert, dass er es noch in der Pariser Oper skizzierte und als Kopf für den Körper seines Nacktmodells (Ingrid van Bergen) verwendete - wird aber zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Diese Abläufe als Kritik an der internationalen Diplomatie zu begreifen - wie es in manchen zeitgenössischen Kritiken geäußert wurde -, ist oberflächlich, denn Käutner nutzte diesen Hintergrund vor allem wegen der darin verankerten Zuspitzung einer generellen gesellschaftlichen Haltung.

Zudem hat Nicoles Ehemann Walter nichts mit den typischen Männerrollen aktueller romantischer Komödien gemeinsam, die ihre künstliche Dramatik aus konstruierten Missverständnissen erzeugen. Er glaubt Nicole, dass sie ihn nicht betrogen hat, aber er gerät in die Mühlen zwischen beruflicher Karriere und romantischen Liebesfantasien. Dass er den Maler in Paris persönlich aufsuchen will, ist Zeichen seiner Unsicherheit, weshalb er seine Frau, wider seines Empfindens, sofort beim Wort nimmt, als sie plötzlich doch ihre Affäre gesteht – sie liefert ihm damit einen willkommenen Entscheidungsgrund. Aus heutiger Sicht wirkt die Rollenverteilung der beiden konkurrierenden Männer eindeutig – hier der korrekte, etwas langweilige Diplomat, dort der lässige, unterhaltsame Künstler – aber es bedurfte schon eines Mimen wie O.W. Fischer, um diese Figur sympathisch wirken zu lassen, die den Anforderungen an einen zuverlässigen Ehemann deutlich widersprach.

Bis heute werden Bohemiens dieser Art am Filmende zivilisiert – meist wird ihnen ein gesichertes Einkommen angedichtet und die bisherigen Frauengeschichten als nebensächlich relativiert - um die Entscheidung der weiblichen Hauptfigur für diesen Typus rechtfertigen zu können. Nicht bei Käutner, dem es weniger um die gefestigte Figur des Malers ging als um Nicole. Sein Film erzählt die Geschichte ihrer Emanzipation, eines wachsenden Selbstbewusstseins bis zu einer Unabhängigkeit, die sie in der Lage versetzt, nicht nur ihrer eigenen Entscheidungen zu treffen, sondern sie auch selbst umzusetzen. Ruth Leuwerik spielte noch mehrfach unter der Regie von Helmut Käutner, darunter knapp 10 Jahre später in „Die Rote“ (1962), in der sie eine Frau verkörperte, die ohne finanziell abgesicherten Hintergrund ihren Ehemann verlässt. Beide Filme lassen sich als Indiz für die Entwicklung der Emanzipation der Frau in den 50er Jahren verstehen, die Käutner Anfang der 60er Jahre deutlich pessimistischer analysierte als in „Das Bildnis einer Unbekannten“. Ruth Leuwerik, die hier selbst die von Käutner zur Musik Franz Grothes geschriebenen Liedtexte sang, glänzt in der Rolle einer liebenswerten, emotionalen jungen Frau, die ihren eigenen Weg findet – eine Möglichkeit, die ihr in „Die Rote“ nicht mehr offen stand.

Im Zusammenspiel mit O.W. Fischer entwickelte sich ein äußerst Stil sicherer und optimistisch gehaltener Unterhaltungsfilm, der in der Glaubwürdigkeit menschlicher Verhaltensweisen und der Modernität seiner Anlage nur noch selten erreicht wurde.

"Bildnis einer Unbekannten" Deutschland 1954, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Hans Jacoby, Darsteller : Ruth Leuwerik, O.W. Fischer, Erich Schellow, Irene von Meyendorff, Ingrid van Bergen, Laufzeit : 103 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner: