Inhalt: Für die 16jährige Jutta (Barbara Frey) bricht eine
Welt zusammen, als sie von dem Verhältnis ihrer Mutter (Nina Sandt) zu dem
Diplomaten George Romanescu (Ivan Desny) erfährt. Auch ihr Vater (Wolfgang
Preiss) weiß davon, glaubt aber, dass die Affäre beendet sei. Als Jutta ihre
Mutter daraufhin anspricht, bestätigt diese das vorläufige Ende ihrer Beziehung.
Bis sie feststellte, dass ihr Mann weiter seinen außerehelichen Liebschaften
nachging. Eine Begründung, die Jutta nicht glauben kann, da sie überzeugt davon
ist, dass ihr geliebter Vater treu war.
Nach der Schule wartet zum wiederholten Male Hans (Michael
Hinz) auf sie, der sie unbedingt näher kennenlernen will. Jutta ist sein
Drängen zu viel, aber seine Hartnäckigkeit bricht langsam ihren Widerstand und
sie verbringt den Nachmittag mit ihm. Hans ist der Sohn getrennter Eltern, die
ihn bei seinem Onkel in Deutschland wohnen lassen. Als Jutta ihm von den
Eheproblemen ihrer Eltern erzählt, an denen aus ihrer Sicht allein der
Liebhaber ihrer Mutter die Schuld trägt, rät er ihr, einen anonymen Brief an
ihren Vater zu schreiben, um ihn über die wieder aufgenommene Affäre zu
informieren…
"Ich schrieb es nicht, um zu moralisieren, sondern um
darzulegen, wie ernst Kinder zu nehmen sind. Es ist besser, ihnen harte
Wahrheiten zuzumuten, als sie mit sanften Lügen zu betrügen."
![]() |
Die Mutter (Nina Sandt) |
„So wird das Tagebuch (der Sechzehnjährigen) zu einem
schonungslosen Spiegel, den der Kommissar den Eltern vorhält. Waren sie noch vor
wenigen Stunden bereit, die Verantwortung für das tragische Geschehen dem
anderen zuzuschieben, müssen sie jetzt erkennen, wie schwer die eigene Schuld
wiegt.“
![]() |
Der Vater (Wolfgang Preuss) |
![]() |
Die Tochter (Barbara Frey) |
![]() |
Szenen einer Ehe |
Auch Tresslers Film „Das Totenschiff“ (1959)
zeichnete sich vor allem durch seinen pessimistischen Blick auf die menschliche
Sozialisation aus. Positiv stimulierende Zukunftsaussichten waren von ihm kaum
zu erwarten, wie sie der herausgebende Verlag angesichts der Buchvorlage noch
für möglich hielt:
„Dass es sich nicht um einen Mord, sondern um einen
Unglücksfall handelt, entlastet die Eltern nicht, lässt ihnen aber die
Hoffnung, das verloren gegangene Vertrauen ihres Kindes wieder
zurückzugewinnen.“
![]() |
Der Liebhaber (Ivan Desny) |
![]() |
Die zukünftige Frau (Senta Wengraf) |
![]() |
Hans (Michael Hinz) und Jutta |
Barbara Frey ist in ihrem Spiel keine kindliche Angst vor
dem Verlust von Sicherheit und Vertrautheit anzumerken, im Gegenteil verliert Jutta
trotz ihrer Jugend nie die Kontrolle über sich. Ihr Weg zu dem Liebhaber ihrer
Mutter wird nicht von Unsicherheit begleitet, sondern zeigt eine junge Frau,
die mit der Waffe in der Hand bewusst vorgeht. Ob sie ihn töten wollte, bleibt
offen, aber ihr Schuss fällt aus Entfernung und ist weder die Folge tragischer
Umstände, noch eines Gerangels. Hier handelte kein verzweifeltes Opfer, sondern
eine Täterin, um sich ihre Illusionen zu bewahren. Mit ihrem Geständnis bei der
Polizei will sie nicht, wie im Roman, den Verdacht von den Eltern fern halten, sondern
reagiert damit auf ihren Vater, den sie auf einem Rock’n Roll-Konzert mit einer
Frau antrifft, die er zu heiraten gedenkt. Es ist der einzige Moment im Film,
in dem er heiter wirkt. Juttas Gesichtszüge bleiben dagegen stoisch, fast
regungslos erträgt sie die polizeilichen Untersuchungen, nicht mehr zu
Emotionen fähig.
Am Beispiel einer gutsituierten Bürgerfamilie entlarvte „Geständnis
einer Sechzehnjährigen“ den äußerlichen Glanz der Wirtschaftswunderjahre als
hohle Fassade und spiegelte mit seiner kaum Lebensfreude ausstrahlenden
Inszenierung die innere Entfremdung seiner Protagonisten wider. Aber der Film
musste auch dem moralischen Auftrag der Romanvorlage gerecht werden, sollte vor
den Folgen einer Ehescheidung für die Trennungskinder warnen. Entsprechend
betroffene Gesichter machen die Eltern angesichts ihrer inhaftierten Tochter,
predigt der Staatsanwalt von schlechtem Einfluss und Schuld der Erwachsenen und
beschränkt sich der Richter deshalb auf zwei Jahre Jugendhaft – mit der
Aussicht, diese vielleicht noch auf Bewährung aussprechen zu können. Doch
Tressler hatte zuvor eindeutige Schuldzuweisungen vermieden, hatte kein
kindliches Opfer hochstilisiert, um mit dem Mitgefühl des Publikums rechnen zu
können, sondern ließ es in das desillusionierte Gesicht einer jungen Frau blicken.
"Geständnis einer Sechzehnjährigen" Österreich 1961, Regie: Georg Tressler, Drehbuch: Eberhard Kleindorff, Johanna Sibelius, Robert Pilchowski (Roman), Darsteller : Barbara Frey, Michael Hinz, Nina Sandt, Wolfgang Preiss, Ivan Desny, Rose Renee Roth, Laufzeit : 83 Minuten