Posts mit dem Label Siegfried Lowitz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Siegfried Lowitz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Gestehen Sie, Dr. Corda! (1958) Josef von Báky

Inhalt: Dr. Corda (Hardy Krüger), Familienvater und Anästhesie-Arzt in der örtlichen Klinik, hat ein heimliches Liebesverhältnis mit der Krankenschwester Gabriele Montag (Eva Pflug), was ihren Kollegen nicht verborgen blieb. Sie versucht deshalb Abstand von ihm zu bekommen und hat den Chefarzt um ihre Versetzung gebeten, aber Corda kann Gabriele noch einmal zu einem Treffen überreden, wofür sie auf ihren geplanten Besuch bei der Volkshochschule verzichtet.

Auf Grund eines Notfalls im Krankenhaus verspätet sich Corda, findet Gabriele aber weder am geplanten Treffpunkt, noch an der Volkshochschule an, wo er sie ebenfalls sucht. Erst als er erneut in den Wald zurückkehrt, wo sie sich üblicherweise verabredeten und die Umgebung absucht, stößt er auf ihren am Fluss liegenden Körper. Gabriele wurde erschlagen. Geschockt und panisch verwischt er seine Spuren, kehrt mit lehmbeschmierten Schuhen ins Krankenhaus zurück und versucht nach außen hin Ruhe zu bewahren. Nach einer unruhigen Nacht neben seiner Frau (Elisabeth Müller) scheint er die Leiche als Mitglied eines Suchtrupps zufällig zu finden, aber die Polizei fasst ihn schnell als Täter ins Auge…

"Gestehen Sie, Dr. Corda!" , von der PIDAX am 14.10.2014 erstmals auf DVD veröffentlicht, gehört nicht zu den Vorboten der zukünftigen Krimi-Welle um die Edgar-Wallace-Reihe - wie die Vermarktung des Films vorgab, die damit eine falsche Erwartungshaltung erzeugte - , sondern vermittelte in seiner sachlichen Inszenierung ein realistisches Zeitbild der BRD, Ende der 50er Jahre. Drehbuchautor Stemmle beabsichtigte gemeinsam mit Regisseur Josef von Báky eine Kritik an der aus ihrer Sicht veralteten Strafrechtsordnung, die bis heute wenig von ihrer Aktualität verloren hat. (Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite). 













Ein schlichterer Beginn ist kaum vorstellbar. Im Stil einer Akte wurden die Credits zu Beginn mit einer Schreibmaschine auf einfaches Papier geschrieben - signifikant für einen Film, der sich um größtmögliche Sachlichkeit bemühte. Drehbuchautor Robert A. Stemmle orientierte sich an dem realen "Fall Hoflehner", einem österreichischen Anästhesisten, der 1955 fälschlich eines Mordes verdächtigt wurde und nur zufällig seine Unschuld beweisen konnte. Die Vorverurteilung auf Grund von Indizienbeweisen, die Funktion der Sachverständigen und die Stellung des Beschuldigten waren für Stemmle Ausdruck einer veralteten Strafgesetzverordnung, deren Reform er wiederholt anmahnte.

Er selbst bezeichnete sich als Spezialisten für Justizirrtümer, hatte 1948 das Drehbuch zu dem DEFA-Film "Affäre Blum" verfasst, der einen Fall während der Weimarer Republik behandelte, verfilmte die Story 1962 erneut, diesmal für das westdeutsche Fernsehen, um ein Jahr später "Der Fall Rohrbach - eine Rekonstruktion" über die Hausfrau Maria Rohrbach als TV-Trilogie herauszubringen. Ihr war vorgeworfen worden, ihren Mann zuerst vergiftet und dann zerstückelt zu haben, weshalb sie 1958 auf Basis eines Sachverständigengutachtens verurteilt wurde. Erst nach vier Jahren Haft wurde dem Urteil in einem Wiederaufnahmeverfahren widersprochen. Tatsächlich war ihr ihre stadtbekannte Leichtlebigkeit zum Verhängnis geworden, die sie in der Augen der Bevölkerung moralisch vorverurteilte - ein wesentlicher Aspekt auch für die Eigendynamik in „Gestehen Sie, Dr.Corda!“.

Die ermordete Krankenschwester Gabriele Montag (Eva Pflug) war die Geliebte des verheirateten Anästhesie-Arztes Dr.Corda (Hardy Krüger), die an diesem Abend ursprünglich zum Englisch-Kurs an der Volkshochschule gehen wollte. Corda hatte sie überredet, sich mit ihm noch einmal zu treffen. Seine Frage, ob sie ihn noch liebt, lässt sie unbeantwortet, aber daran wird deutlich, dass er spürt, dass sie sich von ihm entfernt. Als er sie weder am verabredeten Treffpunkt, noch an der Volkshochschule anfindet, beginnt er sie zu suchen und stößt dabei auf ihre Leiche. Anstatt die Polizei zu rufen, versucht er dilettantisch seine Spuren zu verwischen, begibt sich nach Hause zu seiner Frau (Elisabeth Müller), um am nächsten Morgen als Mitglied einer Suchgruppe scheinbar zufällig die am Fluss liegende Tote zu entdecken. Die Polizei braucht nicht lange, um ihn ins Auge zu fassen. Von seiner Affäre wusste die gesamte Krankenhaus-Belegschaft, Indizien für seine Anwesenheit am Tatort gibt es genügend und die offensichtlichen Lügen, die er der Polizei auftischt, machen ihn zum perfekten Täter.

Leider geht die Story auf die Qualität der Beziehung von Corda und Gabriele später nicht mehr ein, sondern betont nur dessen hektisches Reagieren auf den Tod der Geliebten. Stattdessen wird seine Ehefrau Beate zu einer Idealfigur hochstilisiert, die trotz der erdrückenden Beweislast und seines Betrugs als Einzige an die Unschuld ihres Mannes glaubt. Obwohl er es war, der sich unbedingt mit der Krankenschwester treffen wollte, die schon ihre Verlegung in ein anderes Krankenhaus beantragt hatte, erhält die Liebes-Affäre zunehmend den Charakter einer früheren Sünde, weshalb Corda seine Rolle als Ehemann und Vater einer kleinen Tochter nicht in Frage stellen muss. Offensichtlich wollte Stemmle die Identifikationsfigur Hardy Krüger nicht weiter belasten, um die Tragik des unschuldig Verurteilten Dr.Corda noch zu betonen, und sparte sich den logischen Konflikt zwischen ihm und seiner Frau. Und damit die Frage, wieso er dieser schönen und scheinbar idealen Ehefrau eine Andere vorzog?

Diese manipulative, oberflächliche Charakterisierung, die zudem in einen unnötig dramatisierenden Selbstmordversuch der Ehefrau mündet (der damals noch strafrechtlich hätte geahndet werden müssen) nimmt dem Film ein wenig von seiner sonst realistischen, auf emotionale Schürungen verzichtenden Qualität. Wie schon ein Jahr zuvor in „Die Frühreifen“ (1957) gelang es Regisseur Josef von Báky stimmig die bürgerliche Atmosphäre einer mittelgroßen Stadt einzufangen. Die Arbeit im Krankenhaus, Volkshochschule und selbst das Fassnachts-Treiben erzeugen ein Umfeld der Normalität, in der der Mord durch einen unauffällig wirkenden Mann wie nebenbei geschieht. Auch das Vorgehen der Polizei kommt ohne besondere Härten aus - anders als es der Filmtitel vermuten lassen könnte. Weder setzen sie Corda besonders unter Druck, noch verhalten sie sich ungesetzlich. Für Inspektor Guggitz (Siegfried Lowitz) und seinen Vorgesetzten Oberinspektor Dr.Pohlhammer (Fritz Tillmann) ist der Mann, der seine Geliebte loswerden wollte, einfach der logische Täter, auf den alle Spuren hindeuten. Warum sollen sie sich auf die Suche nach dem großen Unbekannten machen? - Genauso nachvollziehbar verhält sich Cordas Verteidiger (Hans Nielsen), der ohne die aus US-Justiz-Filmen bekannten Tricks auskommt.

Mit einem klassischen Thriller hat der Film entsprechend wenig gemeinsam, auch spielt die Suche nach dem wahren Täter nur eine untergeordnete Rolle. Die Vermarktung betonte leider einen reißerischen Charakter und erzeugte damit eine Erwartungshaltung, die Stemmle und Von Báky weder erfüllen konnten noch wollten. Sie vermieden in der Schilderung der Justiz-Vorgänge jeden Eindruck von Übertreibung, um ihre Kritik an diesem Beispiel möglichst objektiv ausdrücken zu können. Extrem sind nur die Reaktionen der Bevölkerung, die Corda und seine Familie vorverurteilen und massiv bedrohen, womit ihnen die Chance auf ein normales Weiterleben genommen wird. Stemmle wollte damit seinen Wunsch nach einer Reform der Strafgesetzordnung noch betonen, aber geändert hat sich seitdem wenig – die hier gezeigten Abläufe könnten heute noch in ähnlicher Form stattfinden.

"Gestehen Sie, Dr. Corda!" Deutschland 1958, Regie: Josef von Báky, Drehbuch: Robert A. Stemmle, Darsteller : Hardy Krüger, Elisabeth Müller, Lucie Mannheim, Siegfried Lowitz, Hans Nielsen, Eva Pflug, Rudolf Fernau, Paul Edwin Roth, Laufzeit : 94 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Josef von Báky:

Montag, 16. September 2013

Das schwarze Schaf (1960) Helmut Ashley

Inhalt: Nach dem Ende der sonntäglichen Messe wird direkt neben dem Kirchengebäude ein Toter entdeckt, der offensichtlich mit einem Hammer erschlagen wurde. Nachdem Inspector Graven (Herbert Tiede) erfahren hatte, dass nur ein sehr großer Mann einen solchen Schlag hätte ausführen können, steht sein Urteil fest und er schreitet zur Verhaftung. Doch Pater Brown (Heinz Rühmann) durchschaut im Gegensatz zu ihm den tatsächlichen Tatvorgang und kann den Täter überführen.

Damit schützt er den zu unrecht Verdächtigten vor einer Verurteilung, was ihm entsprechende Zeitungsberichte einbringt, nicht aber die Anerkennung des Bischofs (Friedrich Domin), der zwar die positiven Aspekte seines detektivischen Spürsinns sieht, diese aber im Sinne der Kirche nicht dulden kann. Um weitere Nebentätigkeiten zu unterbinden, versetzt er Pater Brown zu einer neuen Gemeinde, in der es schon viele Jahre keine Verbrechen mehr gegeben hat…


Dass Heinz Rühmann in "Das schwarze Schaf", der Ende 1960 in die Kinos kam, erstmals die Romanfigur "Father Brown" des englischen Kriminalbuchautors G.K. Chesterton verkörperte, hatte mehrere Ursachen. Zwei Jahre zuvor hatte er einen Polizeioffizier in "Es geschah am hellichten Tag" (1958) gespielt, an dessen Drehbuch neben Friedrich Dürrenmatt auch Hans Jacoby beteiligt war, der seit "Vater sein dagegen sehr" (1957) an den meisten Rühmann-Filmen dieser erfolgreichen Phase mitgearbeitet hatte. Gemeinsam mit István Békeffy schrieb er Heinz Rühmann die Rolle des "Pater Brown", wie die Figur in der deutschen Version heißt, auf den Leib - ein gottesfürchtiger, moralisch integrer Mann, dem Obrigkeitsdenken, Vorurteile und blinder Gehorsam fremd sind.

Diese Konstellation hatte neben der altersgerechten Rolle für den knapp 60jährigen Rühmann den Vorteil, dass sie keine Relativierungen benötigte, wie sie in seinen Filmen mit Familienanhang in der Regel vorgesehen wurden. Der katholische Priester Pater Brown (Heinz Rühmann) ist nur seiner Haushälterin Mrs. Smith (Lina Carstens) verpflichtet, die gezwungen ist, seine ständigen Umzüge mitzumachen. Und natürlich Gott, dessen Güte er für die Entstehungszeit des Films erstaunlich liberal auslegte. Nicht nur der ehemalige Einbrecher Flambeau (Siegfried Lowitz) gehört zu seinen Freunden, auch sonst erweist sich Pater Brown als tolerant. Souverän bewältigt er den ersten, zur Einführung des Protagonisten nur kurz geschilderten Kriminalfall des Films damit, dass er eine junge Prostituierte zu Hilfe holt, um ihren als Mörder überführten Vater dazu zu überreden, sich der Polizei zu stellen. Die sachliche Schilderung dieser Situation kommt ohne moralische Fingerzeige aus, womit sich der Film deutlich von seinen in dieser Zeit entstandenen Filmen wie "Ein Mann geht durch die Wand" (1959) oder "Max, der Taschendieb" (1962) unterschied, in denen Rühmanns Verstöße gegen die bürgerliche Ordnung jeweils in gesellschaftlicher Anpassung endeten.

Hier dagegen nicht. Auch wenn die Kirchenführung in Person des Bischofs (Friedrich Domin) gelassen auftritt und Browns Verdienste durchaus zu schätzen weiß, hinterlässt sie einen ungerechtfertigt strengen Eindruck. Aus heutiger Sicht einer säkular geprägten Gesellschaft wirkt diese Kritik an der katholischen Kirche zwar sehr dezent, bewies 1960 aber Mut, auch wenn Chesterton seine "Father Brown"-Romane freier auslegte. Sein "Father" war als "Weltgeistlicher" kein an einen festen Ort gebundener Priester, so dass er auch in einem Gefängnis in Chicago arbeiten konnte. Die meisten Fälle fanden aber in England statt, dessen Bewohner größtenteils der "Church of England" angehören, weshalb das Umfeld keineswegs so homogen wie im Film ausfiel. Um das in Deutschland gewohnte christliche Ambiente mit dem britisch geprägten Hintergrund verbinden zu können, wurde die Handlung ins streng katholische Irland verlegt. Angesichts dieser Bemühungen wird deutlich, dass Heinz Rühmanns Interpretation eines unvoreingenommenen Geistlichen, der konsequent seinen Überzeugungen folgt, auch wenn diese gegen die Anordnungen seiner Vorgesetzten verstoßen, im Zeitkontext modern angelegt war.

Zu Hilfe kam ihm dabei die allgemeine Begeisterung für Kriminalfilme im deutschen Kino, die seit der Edgar-Wallace-Verfilmung "Der Frosch mit der Maske" (1959) große Erfolge feierten - ein weiterer Anlass für die Entstehung der Pater Brown-Filme. Mit Fritz Rasp und Siegfried Lowitz gehörten zudem zwei prägende Edgar-Wallace-Darsteller der ersten Stunde zur Besetzung, aber die Einflussnahme erfolgte gegenseitig. Komponist Martin Böttcher wurde mit der Pater Brown-Erkennungsmelodie bekannt, bevor er im Jahr darauf begann („Der Fälscher von London“, 1961), auch die Musik zu Edgar-Wallace-Filmen zu schreiben. 1962 landete er mit der Musik zum Karl May-Film "Ein Schatz im Silbersee" seinen größten Erfolg. Auch Helmut Ashley, der nach vielen Jahren als Kameramann erstmals Regie führte, sollte zwei Jahre später die Leitung eines Edgar-Wallace-Films ("Das Rätsel der roten Orchidee" (1962)) übernehmen. Beim zweiten Pater-Brown Film "Er kann's nicht lassen" (1962) war zudem Egon Eis, unter dem Pseudonym Trygve Larsen einer der Initiatoren der Wallace-Reihe, für das Drehbuch verantwortlich und die "Omnia Deutsche Film Export", maßgeblich an der "Mabuse" - Filmreihe ("Die 1000 Augen des Doktor Mabuse" (1960)) beteiligt, übernahm den Vertrieb.

Entsprechend wenig fiel „Das schwarze Schaf“ stilistisch aus dem Rahmen. Etwas weniger reißerisch als die Wallace-Filme oder das „Mabuse“ – Franchise angelegt, ist den klar strukturierten Schwarz-Weiß-Bildern ihr Bemühen um die Darstellung einer anrüchigen „Halbwelt“ deutlich anzumerken. Auch die klischeehaften Charaktere können ihre deutsche Herkunft nicht verleugnen, vermitteln weder irisches Lokalkolorit, noch Internationalität und könnten eins zu eins in einem Edgar-Wallace-Film mitspielen. Ähnliches ließe sich zu dem wie gewohnt konstruierten Kriminalfall feststellen, dessen Aufklärung nicht nur das „Kaninchen aus dem Hut“, sondern den vollkommen unnötig geäußerten Hinweis eines Beteiligten benötigt - gäbe es nicht Heinz Rühmann als Pater Brown. Seine differenziert gespielte Figur besitzt deutlich mehr Profil als die üblichen Polizeioffiziere in den Wallace-Krimis, weshalb seine Eigensinnigkeit, gepaart mit Humor dem „Schwarzen Schaf“ bis heute einen vergnüglichen, altmodischen Charme verleihen kann.

"Das schwarze Schaf" Deutschland 1960, Regie: Helmut Ashley, Drehbuch: Hans Jacoby, István Bekéffy, G.K.Chesterton (Roman), Darsteller : Heinz Rühmann, Lina Carstens, Siegfried Lowitz, Fritz Rasp, Karl Schönböck, Friedrich Domin, Maria SebaldtLaufzeit : 89 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Ashley:

Montag, 15. Juli 2013

Haie und kleine Fische (1957) Frank Wisbar

Inhalt: 1940 – der 18jährige Hans Teichmann (Hansjörg Felmy) und seine Kameraden Gerd Heyne (Horst Frank), Emil Stollenberg (Thomas Braut) und Vögele (Ernst Reinhold) treten ihren ersten Dienst als angehende Offiziere auf dem Minensuchboot „Albatros“ an, und lassen sich ihre gute Laune auch nicht von dem unfreundlichen Empfang durch Leutnant Pauli (Siegfried Lowitz) vermiesen. Im Gegenteil – schon bald überqueren Teichmann und ein Freund den nahe gelegenen See mit ihrer Jolle, bis sie fast mit einem Motorboot zusammen stoßen, dem Teichmann unfreundliche Worte hinterher ruft.

Zurecht wie er findet, auch als er erfährt, dass die Frau seines Flotillen-Chefs Erich Wegener (Heinz Engelmann) am Steuer saß. Zur Strafe muss er ihr beim Einkauf und der Einrichtung der Wohnung helfen, aber die Nähe zu der jungen und hübschen Frau Engelmann (Sabine Bethmann) empfindet Teichmann zunehmend als Vergnügen. Als er sie küsst, wehrt sie sich einen Moment nicht, weist ihn dann aber von sich, womit sein Job bei ihr beendet ist. Kurz darauf sticht er mit dem Minensuchboot in See, wo es zu dramatischen Ereignissen kommt, in die auch sein Flotillen-Chef verwickelt wird…


Obwohl der Kriegsfilm seit der "08/15" - Trilogie (1954/55) erfolgreich in den deutschen Kinos lief, hielten sich die Produzenten mit der Darstellung von Kampfhandlungen merklich zurück. Das änderte sich mit "Der Stern von Afrika" und "Haie und kleine Fische", die kurz nacheinander im Herbst 1957 in die deutschen Lichtspielhäuser kamen. Basierte "Der Stern von Afrika" noch auf der Biografie eines bekannten Kampffliegers und stand in der Tradition zuvor entstandener Kriegsfilme, die der Thematik auf diese Weise einen seriösen Anstrich geben sollte ("Canaris" 1954), verarbeitete der sonst unbekannt gebliebene Schriftsteller Wolfgang Ott in "Haie und kleine Fische" seine persönlichen Erfahrungen als Soldat der Marine und wirkte auch am Drehbuch der Verfilmung mit.

Sein überraschender Erfolg als Autor stand signifikant für die damalige Sehnsucht nach Stoffen, die das Erleben eines durchschnittlichen Soldaten im Krieg wiedergaben, weshalb "Haie und kleine Fische" stilbildend für die zukünftigen Kriegsfilme werden sollte. Im Mittelpunkt steht der angehende Marine-Offizier Hans Teichmann (Hansjörg Felmy), der als gerade 18jähriger kurz nach Kriegsbeginn auf einem Minensuchboot dient, bevor er 1941 an Bord eines U-Bootes versetzt wird. Das gab Regisseur Frank Wisbar die Gelegenheit, zuerst Gefechte auf See zu zeigen, bevor er die intensiven Erlebnisse der Männer unter Wasser mit der Enge an Bord, Luftknappheit und Torpedoangriffen wiedergab, die vom Gegner mit Echolot-Suche und Wasserbomben beantwortet wurden. Geschickt verband Wisbar dazu originale Aufnahmen mit gespielten Szenen, was einen authentischen Eindruck hinterlässt, auch wenn einzelnen davon die Studio-Atmosphäre anzumerken ist.

Regisseur Frank Wisbar hatte zum Zeitpunkt seines ersten deutschen Films nach dem Krieg schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit "Anna und Elisabeth" war er 1933 erstmals bei den Nationalsozialisten angeeckt, die seinen Film als Verstoß "gegen das gesunde Volksempfinden" betrachteten, bevor er mit "Fährmann Maria" (1936) zwar wenig Begeisterung bei Joseph Göbbels auslöste, aber einen exemplarischen Fantasy-Film mit Sybille Schmitz in der Hauptrolle ablieferte. 1946 drehte er mit "Strangler of the swamp" ein Remake des Films in Hollywood, nachdem er 1938 in die USA emigriert war, da seine halbjüdische Frau unter die Rassegesetze fiel. Erfolg hatte er dort erst, als er begann, für das Fernsehen zu arbeiten und daraufhin eine eigene Produktionsgesellschaft aufbaute. Seine Rückkehr nach Deutschland wurde von der Intention begleitet, die jüngere Vergangenheit aufzuarbeiten, weshalb er nach "Haie und kleine Fische" mit "Hunde, wollt ihr ewig leben" (1958), "Nacht fiel über Gotenhafen" (1959) und "Fabrik der Offiziere" (1960) drei weitere während des 2.Weltkriegs spielende Filme herausbrachte, die trotz ihres offensichtlichen Unterhaltungscharakters eine kritische Betrachtungsweise versuchten.

Die bemerkenswerteste Szene in "Haie und kleine Fische" erinnert direkt an Wisbars Schicksal. Horst Frank, der Teichmanns Freund und Kameraden Gerd Heyne spielt, der gerade zum Oberleutnant befördert wurde, sinniert angesichts des Todes seines Vaters im KZ Bergen-Belsen darüber, was denn wäre, wenn er eine Frau heiratet, die nicht jüdisch wäre wie seine Großeltern. Dann wären seine Kinder Achtel-Juden und hätten eine Überlebenschance - nur kurz danach erschießt er sich selbst. Abgesehen von dieser kurzen, spät im Film angeordneten Sequenz, die verdeutlicht, dass die nationalsozialistische Ideologie in jeden Lebensbereich eindrang, taucht sie im übrigen Film nicht mehr auf. Stattdessen verkörperte Hansjörg Felmy den Typus des unangepassten Burschen, der zwar freiwillig zur Marine geht und auch für sein Vaterland kämpfen will, darüber hinaus aber jede soldatische Disziplin vermissen lässt und auch einen Vorgesetzten schlägt, wenn es der moralischen Gerechtigkeit dient  - eine idealisierte Mischung aus Kriegsheld und antiautoritärem Geist, die mehr die Coolness der 50er Jahre, als das Soldatenleben in der Wehrmacht abbildete.

Der Beginn des Films erinnert entsprechend an eine Sommerfrische. Während ihr Vorgesetzter Leutnant Pauli (Siegfried Lowitz) nur Wert auf korrekte Kleidung und respektvolles Grüßen legt, darüber hinaus aber nichts vom soldatischen Handwerk versteht, vergnügt sich Teichmann mit Freunden beim Segeln und hilft der Frau seines Flottillenchefs Erich Wegener (Heinz Engelmann) "zur Strafe" für freche Bemerkungen beim Einkaufen und Einrichten der Wohnung. Da es sich bei Frau Engelmann (Sabine Bethmann) zudem um eine hübsche und junge Frau handelt, kann Charmeur Teichmann einfach nicht dagegen an, mit ihr anzubändeln - zwar wird er von ihr zurückgewiesen, aber nur weil es Sitte und Anstand so verlangen. Die "Tragik" dieser verhinderten Liebesgeschichte, die sich durch die gesamte Handlung zieht, kann ihren konstruierten und unrealistischen Charakter zwar nicht ablegen, förderte aber Hansjörg Felmys Reputation als ganzer Kerl und Womanizer.

Felmy, der auch in "Der Stern von Afrika" mitspielte (ebenso wie Horst Frank), gab die wichtige Identifikationsfigur, die die linear erzählte und sich vorhersehbar entwickelnde Story unbedingt benötigte. Seine Kriegserlebnisse - Lebensgefahr, Erfolg, Mannschaftsfeiern, aber auch großes Leid und der Verlust enger Freunde - deckten sich mit den Erfahrungen vieler Betrachter, ohne das schwierige Themen wie Kriegsverbrechen oder ideologische Verflechtungen berührt wurden. Selbst der Feind wird auch in den gefährlichsten Momenten kaum einmal sprachlich verdammt, so dass der Film keinen Moment vermitteln kann, warum es überhaupt zum Krieg gekommen war und welche Ziele damit verfolgt wurden. Schuld daran sind abstrakt die "Haie" - also die Nationalsozialisten - die die "kleinen Fische" - die Soldaten  - einem gefährlichen und sinnlosen Abenteuer aussetzten. Diesen Abenteuer-Charakter vermittelt zumindest der Film, der Teichmann die Gelegenheit gibt, zu zeigen, dass er ein mutiger Kämpfer ist, der sich damit letztlich auch den Respekt seines U-Boot-Kommandanten Jochen Lüttke verdient, den Wolfgang Preiss als autoritären Offizier gibt, der für den ängstlichen Berichterstatter - kein Soldat und der Partei nahe stehend - nur Verachtung übrig hat. Seine Bemerkungen wirken aus heutiger Sicht kleinlich und unsouverän, sprachen den ehemaligen Soldaten aber aus dem Herzen.

"Haie und kleine Fische" galt zum Zeitpunkt seiner Entstehung als "Anti-Kriegsfilm" und an Frank Wisbars Intention lässt sich auch nicht zweifeln, aber gleichzeitig wird deutlich, welche Kompromisse notwendig waren, um mit einem Kriegsfilm an der Kinokasse Erfolg zu haben. Aus heutiger Sicht wirkt der Film nicht nur verharmlosend, sondern regelrecht naiv in der völligen Abwesenheit einer alles beherrschenden Diktatur. Zudem spielte Felmy den Soldaten in einer Mischung aus kernigem Held und Freigeist, wie er in der Realität nicht hätte überleben können, mit der die Identifikation 1957 aber leicht fiel. Dass der Film Kampfhandlungen konkret zeigte und Teichmann am Ende als Einer von Wenigen überlebte, genügte schon als Kritik an einem Krieg, der noch nicht lange genug vorbei war, um ihn in auch nur annähernd ermessen zu können.

"Haie und kleine Fische" Deutschland 1957, Regie: Frank Wisbar, Drehbuch: Alf Teichs, Wolfgang Ott (Roman), Darsteller : Hansjörg Felmy, Horst Frank, Wolfgang Preiss, Sabine Bethmann, Mady Rahl, Siegfried LowitzLaufzeit : 98 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Frank Wisbar:

Sonntag, 30. Juni 2013

Der Fischer vom Heiligensee (1955) Hans H. König

Inhalt: Stefan Staudacher (Helmuth Schneider) kommt nach Jahren der Ausbildung zum Forst-Ingenieur wieder in seine Heimat zurück, um die Stelle als Verwalter auf dem Gut der Baronin von Velden (Lil Dagover) anzutreten, die der verstorbene Baron für ihn vorgesehen hatte. Doch nach dessen Tod hatte sich einiges verändert, denn Wolfgang von Döring (Albert Lieven), der Neffe der Baronin, hatte diese Aufgabe übernommen, weshalb er die Ankunft Staudachers als Kritik an seinen Fähigkeiten ansieht. Doch die Baronin kann ihn beruhigen und versichert ihm, dass er weiter die finanzielle Verantwortung trägt und der junge Mann mit ihm zusammenarbeiten soll.

Für Staudacher stellt sich diese Konstellation als schwierig heraus, da sich Von Döring jede Einmischung in seine Angelegenheiten verbietet. Er ahnt nicht, dass Von Döring kein Interesse daran hat, dass Jemand in die Bücher sieht, da er heimlich Geld für sich abzweigt, um Gilchert (Siegfried Lowitz) zu bezahlen, der ihn erpresst, weil er allein für einen von ihnen begangenen Betrug im Gefängnis gesessen hatte. Auch die Annäherung Staudachers an die Baronesse Sabine (Edith Mill) durchkreuzt seine Pläne, da er sich eine Heirat mit ihr erhofft, um endgültig Zugriff auf das Vermögen der Familie Von Velden zu bekommen…


Mitte der 50er Jahre befand sich der Heimatfilm in seiner Hochphase und die Standards, die wirtschaftlichen Erfolg an der Kinokasse versprachen, hatten sich entsprechend bewährt. Die Schönheit einer unberührten Landschaft, die das Publikum von den im Krieg zerstörten Städten ablenken sollte, gab den Hintergrund für die nach den immer gleichen Regeln entworfenen Geschichten, in deren Mittelpunkt meist ein Liebespaar stand, dass auf Grund von Standesdünkeln oder moralischer Entrüstung der örtlichen Bewohner nicht zusammen kommen durfte. Dabei vertraten die Heimatfilme einen scheinbar modernen, gegen die herrschende Meinung gerichteten Standpunkt, da sie die Liebe der zwei attraktiven Protagonisten herauf beschworen, aber in der Regel fanden sich am Ende - selbstverständlich nach einer gewissen dramatischen Zuspitzung - begütigende Situationen, die sowohl das Happy-End ermöglichten, als auch eine konservative Haltung bestätigten, mit der sich der Großteil der Zuschauer identifizieren konnte.

Regisseur Heinz H.König, dessen erster zu pessimistisch angelegten Heimatfilm "Rosen blühen auf dem Heidegrab" (1952) kein großer Erfolg wurde, hielt sich in "Der Fischer vom Heiligensee" an diese Kriterien, weshalb sein zweiter Film mit Hauptdarstellerin Edith Mill, der damaligen Frau seines Bruders, aus heutiger Sicht als typischer Vertreter des Genres angesehen wird. Doch dieser Eindruck täuscht, denn die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Johannes Kai, der später noch in "Heiße Ernte" (1956) und "Jägerblut" (1957) an Königs Seite mitwirkte, unterscheidet sich in wesentlichen Details von den überwiegend konventionellen Ablegern des Genres, die dem Film zwar nicht die Vorhersehbarkeit nahmen, aber fast vollständig auf reaktionäres Gedankengut und die damals propagierten konservativen Geschlechterrollen verzichtete.

Neben dem außergewöhnlichen Fakt, dass es hier die Frau ist - Baronesse Sabine von Velden (Edith Mill) - die gesellschaftlich über dem Forst-Ingenieur Stefan Staudacher (Helmuth Schneider) steht, der nur der Sohn des ortsansässigen Fischers (Heinrich Gretel) ist und seine Ausbildung Sabines verstorbenem Vater verdankt, sind es besonders die Darsteller Lil Dagover, Albert Lieven und Siegfried Lowitz, die hier den Unterschied ausmachen. Lil Dagover als Sabines Mutter Baronin Hermine von Velden ist jederzeit souverän in ihrem Standesdünkel, dabei angemessen und selbstbewusst auftretend. Sie vertraut ihrem Neffen Wolfgang von Döring (Albert Lieven), der das Gut nach dem Tod ihres Mannes verwaltet, ohne zu ahnen, dass er sie hintergeht, um seinen früheren Kompagnon Gilchert (Siegfried Lowitz) auszubezahlen, der für ein von ihnen gemeinsam begangenes Betrugsdelikt ins Gefängnis gegangen war.

Diese Gut-Böse-Konstellation ist zwar klischeehaft angelegt, weshalb jedem Betrachter klar sein dürfte, dass Von Döring bei Sabine als Mann keine Chance gegen den anständigen und tüchtigen Stefan Staudacher hat, aber Albert Lieffens Spiel verliert in seinem immer verzweifelter werdenden Versuch, gegenüber seiner Tante das Gesicht zu wahren, nie die Contenance, während Siegfried Lowitz geradezu aufreizend lässig die Rolle des Erpressers übernimmt, der keine groben Mittel anwendet, sondern mit gewählten Worten Druck ausübt. Heinz H.König inszenierte diese Konstellation straff und mit fast vollständigem Verzicht auf den sonst typischen Altherren-Humor (nur Beppo Brem darf einmal kurz alkoholisch über die Stränge schlagen), herzige Kinder und folkloristische Einlagen, die nur bei dem abschließenden Happy-End einen Moment lang ins Bild gerückt werden. Der Landschaft widmet er einige beeindruckende Kameraeinstellungen, aber sein Augenmerk liegt auf den Protagonisten, die jederzeit nachvollziehbar und ohne die für den Heimatfilm typischen Übertreibungen agieren – selbst die vorhersehbare Liebesgeschichte fällt innerhalb des Gesamtkontextes nicht unangenehm ins Gewicht.

Stattdessen entwickelt König geschickt eine Dramatik, die zwangläufig auf die Katastrophe zuläuft, und erinnert damit in seinen besten Momenten an die Melodramen Douglas Sirks. Auch wenn dem Ende die Konzession an den Heimatfilm anzumerken ist, benötigt der Film keine zusätzlichen Beschönigungen und relativiert nicht, dass der Sohn des Fischers die Baronesse heiratet – ein überraschender Moment der Moderne im deutschen Heimatfilm.

"Der Fischer vom Heiligensee" Deutschland 1955, Regie: Hans H. König, Drehbuch: Johannes Kai, Darsteller : Edith Mill, Lil Dagover, Helmuth Schneider, Albert Lieven, Siegfried Lowitz, Anneliese Kaplan, Heinrich Gretler, Beppo BremLaufzeit : 87 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Hans H. König:

"Heiße Ernte" (1956)
"Jägerblut" (1957)

Dienstag, 14. Mai 2013

Der Frosch mit der Maske (1959) Harald Reinl


Inhalt: Wieder wurde ein Tresor professionell geknackt und die wertvollen Juwelen gestohlen, ohne das Inspektor Elk (Siegfried Lowitz) von Scotland Yard eine Spur hat. Einzig das Froschzeichen, das der Täter hinterließ, deutet auf die Bande des mit einer Froschmaske verkleideten Schwerverbrechers hin, dessen Taten die Bevölkerung schon lange in Unruhe versetzen. Doch Elk ist guter Hoffnung, ihm auf die Spur zu kommen, denn einem seiner Männer ist es nach einem Jahr gelungen, Mitglied in der Bande des Froschs zu werden. Nachdem diesem das Abzeichen auf den Unterarm gebrannt wurde, erfährt er vom Frosch, dass er sich um Ella (Elfie von Kalkreuth) und Ray Bennet (Walter Wilz) kümmern soll. Jeder Mann, der sich Ella nähert, soll getötet werden, aber der Polizist lässt sich nicht darauf ein und will den Frosch verhaften, was gleichbedeutend mit seinem Todesurteil ist.

Als Inspektor Elk seine Leiche außerhalb Londons entdeckt, kommen auch Richard Gordon (Joachim Fuchsberger) und sein Butler (Eddie Arent) hinzu, die selbst den Frosch verfolgen. Sie entdecken einen seltsamen Stiefelabdruck in der Nähe der Leiche und Gordon, reicher amerikanischer Erbe und Neffe des Chefs von Scotland Yard Sir Archibald (Ernst F.Fürbringer), folgt der Spur bis er auf John Bennet (Carl Lange) trifft, einen wortkargen Mann, den er mitnimmt und zu dessen Haus fährt. Dort begegnet er erstmals dessen Tochter Ella und deren Bruder Ray, den er mit seinem Sportwagen fahren lässt, um die hübsche Ella zum Bus bringen zu können. Doch Gordon wird bei seinem Flirt jäh unterbrochen, als ein Mann zwischen den Bäumen heraustritt und ein Messer auf ihn wirft. Er kann ihn überwältigen und entdeckt das Zeichen des Froschs an dessen Arm – offensichtlich ist Ella in die Sache verwickelt…


Als die Dreharbeiten der deutsch-dänischen Co-Produktion "Der Frosch mit der Maske" 1959 begannen, konnte zwar noch niemand voraussehen, das damit eine mehr als zehn Jahre andauernde Erfolgsgeschichte ihren Anfang nehmen sollte, die Rialto-Produktionsgesellschaft hatte aber schon weitere Verfilmungen der Edgar-Wallace-Kriminalromane geplant und sich die Rechte am Nachfolger "Der rote Kreis" gesichert, der 1960 herauskommen sollte. Entsprechend stabsplanmäßig wurden auch die Mitwirkenden verpflichtet. Regisseur Harald Reinl, in den 50er Jahren hauptsächlich im Heimatfilm-Genre aktiv ("Die Fischerin vom Bodensee" 1956) hatte seine Fähigkeiten, auch Actionfilme zu inszenieren, im Jahr zuvor mit den Kriegsfilmen "Die grünen Teufel von Monte Cassino" und "U47 - Kapitänleutnant Priem" bewiesen und war zudem vertraglich gebunden. Autor Egon Eis, der vor seiner Emigration aus Nazi-Deutschland das Drehbuch zur ersten Edgar-Wallace-Verfilmung von "Der Zinker" (1931) verfasst hatte, schrieb nach dem großen Erfolg von "Der Frosch mit der Maske" noch fünf weitere Drehbücher zu Edgar Wallace-Verfilmungen, deren Handlung er in die Gegenwart übertrug, unter dem Pseudonym Trygve Larson.

Auch die Darsteller  erfüllten die Anforderungen. Joachim Fuchsberger, seit der "08/15" - Trilogie ein Filmstar in Deutschland, und Dieter Eppler hatten unter Harald Reinl Hauptrollen in dessen Kriegsfilmen gespielt, Siegfried Lowitz hatte als Polizeioffizier in "Es geschah am hellichten Tag" (1958) überzeugt und Fritz Rasp hatte schon im "Zinker" von 1931 mitgewirkt. Ernst F.Fürbringer als Sir Archibald, Chef von Scotland Yard, wurde stilprägend für die spätere Filmreihe und die Besetzung von Eddie Arent als Butler sogar zu einer Institution. Die weiblichen Darstellerinnen blieben dagegen größtenteils austauschbar - hier verkörpert die spätere Fernsehansagerin Elfie von Kalkreuth (unter dem Pseudonym Eva Anthes) in einer ihrer wenigen Rollen das anständige Mädchen (zudem auch Love-Interest des Helden und gefährdetes Opfer), während Eva Pflug die Nachtclub-Sängerin und Hure gibt, die ihrer verdienten Strafe nicht entkommt.

Das Spiel mit der Unterwelt Londons - bestehend aus finsteren Spelunken, düsterer Hafengegend und nebligen Gassen, in denen gedungene Mörder und promiskuitive Flittchen ihr Unwesen treiben - übten im braven Deutschland der späten 50er/frühen 60er Jahre einen großen Reiz aus. Harald Reinl betonte diese Wirkung noch mit einem starken Licht/Schatten Kontrast und nutzte die Vorlage des Kriminalromans, um mit ungewohnter Härte vorzugehen - weniger die große Zahl an Morden, sondern besonders der Schnitt in die Kehle und eine im Kugelhagel sterbende Frau waren im deutschen Film neu. Trotz der seriösen Besetzung und der eindeutigen Moral des Films, konnte es an der Haltung des Feuilletons keinen Zweifel geben, welches die gesamte Reihe als klischeehaft und trivial einstufte. Mit diesem Urteil lagen die Kritiker keineswegs falsch, aber die Edgar-Wallace-Filme trafen den Nerv ihrer Zeit und ihre Entwicklung bis zu den frühen 70er Jahren spiegeln die parallel stattfindenden gesellschaftlichen Veränderungen anschaulich wider.

Entsprechend verstieß "Der Frosch mit der Maske" 1959 noch eher sanft gegen die moralischen Sitten. Die angebliche Hafenspelunke "Lolita-Bar" hat noch das Ambiente eines großstädtischen Nacht-Clubs für seriöse Paare und Eva Pflug bleibt als Verführerin des unerfahrenen und leicht beeinflussbaren Ray Bennet (Walter Wilz) dezent. Auch die Gewalttätigkeiten hinterlassen keinen konsequenten Eindruck, denn trotz des Schwerverbrechers mit der "Frosch-Maske", der schon viele Morde begangen hatte und auch den von Inspektor Elk (Siegfried Lowitz) eingeschleusten Polizeispitzel ohne zu zögern erschießt, verfällt Reinls Film jedesmal in den "harmlosen" Modus, sobald Joachim Fuchsberger als Held Richard Gordon im Bild auftaucht. Kurz nachdem er Ella Bennet (Elfie von Kalkreuth) kennengelernt hatte, die selbstverständlich sofort das Interesse des reichen amerikanischen Erben weckte, wird er von einem Messerangriff bedroht, der so dilettantisch ausgeführt wird, das Gordon gleich seine schlagkräftige Seite zeigen kann, die er noch mehrfach beweisen darf, während in anderen Situationen sofort geschossen wird.


Edgar Wallace 1925 erstmals erschienener Kriminalroman "The fellowship of the frog" gehört zu seinen umfangreichsten Werken, weshalb die knapp 90minütige Laufzeit nicht ausreichte, die Charaktere schlüssig unter einen Hut zu bringen, auch wenn sich das Drehbuch an die grundsätzlichen Abläufe hielt. Besonders der titelgebende "Frosch" kommt zu kurz, von dessen Verbrechen mehr in eingeblendeten Zeitungsausschnitten zu lesen ist, als das Reinl sie im Bild festhält. Im Zentrum des Geschehens stehen Ella und ihr Bruder Ray, die ohne ersichtlichen Grund vom "Frosch" bedroht werden, der dafür teilweise abenteuerliche Umwege einplant, während er sonst für seinen direkten professionellen Stil bekannt ist, den er aber nur bei der Bestrafung von Verrätern beweist. Zudem wirkt die zum Ende hin sich zuspitzende Situation übertrieben. Während zur Entstehungszeit des Romans die Todesstrafe in England noch üblich war, galt sie dort inzwischen als stark umstritten und wurde nur noch in extremen Ausnahmefällen ausgesprochen - ganz sicher nicht für den ungeschickt fingierten Mord in der "Lolita"-Bar.

Der Story gelingt es nicht, die unterschiedlichen Handlungsstränge zu einer schlüssigen Einheit zusammen zu fügen, weshalb die überraschende Lösung eher einer allgemeinen Verwirrtheit entspringt als einer logischen Herführung und viele Fragen unbeantwortet lässt. An dem Erfolg des Films konnte das nichts ändern, denn Reinls atmosphärische Umsetzung und sein gewagter Blick in die Unterwelt, übten eine hohe Faszination aus, die auch heute noch spürbar ist. "Der Frosch mit der Maske" wurde qualitativ noch von einigen Edgar-Wallace-Verfilmungen übertroffen, aber er setzte die wichtigsten Standards für die Reihe.

"Der Frosch mit der Maske" Deutschland, Dänemark 1959, Regie: Harald Reinl, Drehbuch: Egon Eis, J.Joachim Bartsch, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Elfie von Kalkreuth, Siegfried Lowitz, Dieter Eppler, Ernst F. Fürbringer, Jochen Brockmann, Fritz Rasp, Eddie ArentLaufzeit : 87 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Reinl:

Mittwoch, 1. Mai 2013

Himmel ohne Sterne (1955) Helmut Käutner



Inhalt: Anfang der 50er Jahre - unter dramatischen Umständen flieht Anna Kaminski (Eva Kotthaus) über die innerdeutsche Grenze, die zwar noch einen provisorischen Charakter hat, aber schon streng bewacht wird. Leicht verletzt auf der westdeutschen Seite angekommen, trifft sie dort den Grenzsoldaten Carl Altmann (Erik Schumann), der ihr Hilfe anbietet. Ohne darauf einzugehen, begibt sie sich in das nahe gelegene Städtchen und sucht Otto (Gustav Knuth) und Elsbeth Friese (Camilla Spira) auf, die wenig erfreut über ihren Besuch sind, denn Anna ist die Mutter ihres Enkelsohns Jochen, der hier bei seinen Großeltern lebt.

Ihr Sohn war im Krieg gefallen und hatte Anna nicht mehr geheiratet. Durch die Trennung Deutschlands hatten sie entschieden, den Enkelsohn bei sich zu behalten, weil er es im Westen besser hätte. Als Anna auch diesmal zum wiederholten Male den Jungen mitnehmen will, verweigern sie ihr diese Bitte mit der Begründung, dass sie ihn schließlich mit ihrem Einverständnis adoptiert hätten. Doch Anna flieht in der Nacht mit Jochen und bittet Carl Altmann nun doch um Hilfe, um ihn über die Grenze zu schmuggeln. Willi (Georg Thomalla), ein Freund von Altmann, hilft ihr dabei, indem er sie in seinem LKW versteckt, doch als sie in der DDR ankommen, ist der Junge verschwunden...


Anna Kaminskis (Eva Kotthaus) Schicksal kam Ende des zweiten Weltkriegs sicher nicht selten vor. Als ihr Freund an die Front befohlen wurde, war sie schwanger von ihm und an eine Hochzeit nicht zu denken. Nachdem dieser im Krieg fiel, blieb sie als allein erziehende Mutter mit einem unehelichen Kind zurück. In ihrer Not wandte sie sich an die Eltern ihres Freundes, die Ihre Hilfe allerdings an die Bedingung einer Adoption ihres Enkelkindes knüpften, in die Anna gezwungenermaßen einwilligte. Diese Vorgeschichte, die sich nur aus wenigen Worten Annas erschließt, liegt zum Beginn der Filmhandlung schon einige Jahre zurück, aber sie ist die Ursache für das dramatische Geschehen und typisch für Regisseur Helmut Käutner.

Schon in seinen ersten, noch während der Zeit des Nationalsozialismus entstandenen Filmen, betonte er die Verlogenheit der allgemeinen Moralvorstellungen, die den realen menschlichen Bedürfnissen widersprach und sie zu einem Verhalten zwang, dass erst die späteren tragischen Folgen ermöglichte („Große Freiheit Nr.7“, 1943). Die Nachkriegsjahre hatten in der moralischen Strenge nicht nachgelassen, obwohl die gemeinsamen Erfahrungen im Krieg Verständnis für Annas Situation hätte erzeugen müssen. Doch erst der moralische Druck als uneheliche Mutter zwang sie zum Einverständnis in die Adoption. Anfang der 50er Jahre hatte sich ihre finanzielle Situation geändert, weshalb Anna in der Lage wäre, ihren Sohn Jochen wieder zu sich zu holen, aber zwei Fakten behindern ihren Wunsch – rechtlich ist Jochen das Adoptivkind seiner Großeltern und die neue innerdeutsche Grenze verläuft ausgerechnet zwischen den beiden unweit von einander entfernten Heimatorten.

Helmut Käutner nahm sich als einer von Wenigen schon Mitte der 50er Jahre der Teilung Deutschlands an, weshalb "Himmel ohne Sterne" nur ein Film werden konnte, der auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs provozieren musste. Dabei hätte es sich der westdeutsche Regisseur in seiner Anklage an die Trennung Deutschlands leicht machen können, in dem er die politischen Umstände und damit besonders die sowjetische Besatzungsmacht angeprangert hätte, aber das entspräche nicht Käutners Linie, der die Ursachen nie im Grossen, sondern immer im Kleinen suchte. "Ich habe die Grenze nicht gemacht!" legt er seinen Protagonisten häufig in den Mund, aber er lässt kein Zweifel daran, dass die tatsächlichen Probleme untereinander eben doch selbst erzeugt sind und die Umstände immer als Ausrede dafür herhalten müssen.

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Nebenfigur Mischa Bjelkin, einem sehr jungen sowjetischen Soldaten, von Horst Buchholz in einer seiner ersten Rollen mit erstaunlicher Zurückhaltung gespielt, auch bedingt dadurch, dass seine Umgebung kein Russisch versteht. Er verdeutlicht, dass für Jeden eine Wahl in seinen Entscheidungen besteht, auch ohne sich davon Vorteile zu versprechen. Gegensätzlich charakterisiert Käutner dagegen die westdeutsche Seite, die - dank des schnell eintretenden wirtschaftlichen Erfolgs in der jungen BRD - nur noch wenige Gedanken an die kommunistisch regierten Landsleute in der DDR verschwendet. Die Wahl der sympathischen Darsteller Camilla Spira und Gustav Knuth als Großeltern Elsbeth und Otto Friese, die den adoptierten Enkelsohn nicht mehr hergeben wollen, ist geschickt, denn Käutner vermeidet damit Einseitigkeiten und demonstriert authentisch, wie schnell sich die Menschen damals an die neue Situation gewöhnt hatten, besonders, wenn sie persönlich davon profitierten.

Auch den DDR-Alltag zeigte Käutner ohne Beschönigungen, vermeidet dabei aber für die Zeit typische Abqualifizierungen. So zeigt sich auch, dass es für Anna, die in einem volkseigenen Betrieb arbeitet (sehr gut Siegfried Lowitz als korrekter, aber nicht unmenschlicher Leiter), in der DDR leichter ist, als allein erziehende Mutter ihr Leben zu organisieren, obwohl sie sich sogar noch um ihre Großeltern (Lucie Höflich, Erich Ponto) kümmern muss, die sie nicht allein lassen will, weshalb für sie eine Flucht in den Westen nicht in Frage kommt. Wer aus heutiger Sicht glaubt, erst nach dem Bau der Mauer wurde es schwierig in den Westen zu fliehen, wird hier eines Besseren belehrt, denn auch wenn Anfang der 50er Jahre die Perfektion der späteren „Todesstreifen“ noch nicht bestand, so galt schon der Schießbefehl der ständig patrouillierenden Grenzsoldaten.

Auch in "Himmel ohne Sterne" spielt Käutner wieder seine Stärke aus, eine Vielzahl von Darstellern so agieren zu lassen, dass ein komplexes Geflecht an Beziehungen entsteht. Selbst kleine Rollen sind hervorragend besetzt (Georg Thomalla, Josef Offenbach, Wolfgang Neuss) und die Wahl der beiden Hauptrollen (der Sachse Erik Schumann als westdeutscher Grenzer, die aus der BRD stammende Eva Kotthaus als Anna) ist intelligent, besonders da beide damals von der DEFA besetzt wurden. Man spürt an jeder Einstellung des Films, wie ernst es Käutner damit war, ein ausgewogenes Bild beider Seiten zu zeigen. Betonte er in seinen Filmen aus der nationalsozialistischen Zeit noch die individuelle Freiheit des Einzelnen, die im Widerspruch zur äußeren Reglementierung stand, scheinen die Beteiligten hier nicht in der Lage zu sein, sich aus den ihnen aufgesetzten Strukturen und Vorurteilen zu befreien.

"Himmel ohne Sterne" fehlt jeglicher Optimismus, positive Momente entstehen nur im Verhalten einzelner Menschen, die aber wenig am Fortlauf des Dramas ändern können. In dieser Konsequenz wirkt der Film manchmal übertrieben melodramatisch, da er die Umstände so aneinander reiht, dass sich alles zum Negativen fügen muss, womit er sich auf einer Linie mit den Filmen Douglas Sirks befindet. Indem Käutner nicht einmal den Liebenden zugesteht, sich über bestehende Grenzen hinweg zu setzen, und ihnen damit einiges ihrer Reputation nimmt, geht er weit über die übliche Sezierung einer gesellschaftlichen Situation hinaus. "Himmel ohne Sterne" ist keine differenzierte Analyse, sondern eine unparteiische Anklage, etwas an den bestehenden Zuständen zu ändern – nicht erstaunlich, dass der unbequeme Film bis heute die ihm zustehende Anerkennung nicht erfahren hat.

"Himmel ohne Sterne" Deutschland 1955, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Darsteller : Eva Kotthaus, Erik Schumann, Horst Buchholz, Siegfried Lowitz, Erich Ponto, Wolfgang Neuss, Josef Offenbach, Georg Thomalla, Lina Carstens, Gustav Knuth, Laufzeit : 104 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner: