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Mittwoch, 29. Januar 2014

Das verbotene Paradies (1958) Max Nosseck

Inhalt: „Das verbotene Paradies“ beginnt, begleitet vom Off-Kommentar Georg Thomallas, mit dokumentarischen Aufnahmen deutschen Badevergnügens und zeichnet die Entwicklung von hochgeschlossenen Badeanzügen und Geschlechtertrennung bis zum freizügigen Bikini nach. Doch damit nicht genug, denn auch die FKK-Bewegung wird in bunten Bildern wieder gegeben, die vor allem junge unbekleidete Frauen bei gymnastischen Übungen auf der Wiese, am Strand und im Wasser zeigen.

Ein Ruderboot mit fünf neugierigen älteren Insassen nähert sich vom See aus einem abseits gelegenen Camp mit jungen Leuten in Badebekleidung. Diese fühlen sich beobachtet, stürzen sich ins Wasser und kippen das Boot um, was eine Diskussion zwischen der Besitzerin der Ferienanlage, Margit Sund (Maly Delschaft), und dem Ehepaar Dettmann zur Folge hat. Herr Dettmann (Bruno Fritz) äußert sich empört darüber, dass der Ruf seiner Tochter Inge (Brigitte Olm), die sich im Camp aufhielt, darunter leidet und ist gegen deren Verbindung mit Margit Sunds Sohn Thomas (Siegfried Breuer Jr.). Erneut scheint eine Liebe an den moralischen Vorstellungen der Eltern zu scheitern, was Dr. Theo Krailing (Jan Hendriks), einem Jugendfreund Margit Sunds, dazu animiert, eine Geschichte aus seiner Jugend zu erzählen, um die Anwesenden umzustimmen…

Der von der PIDAX am 24.01.2014 herausgebrachte Film "Das verbotene Paradies" gehört zu den Skurrilitäten einer sich verändernden Gesellschaft, Ende der 50er Jahre. Obwohl er dank reichlicher Nacktaufnahmen in den ersten Minuten als früher Erotik-Film bekannt sein müsste, geriet er schnell in Vergessenheit, da die Freiwillige Selbstkontrolle die Veröffentlichung vierzehnmal zurückpfiff und dafür sorgte, dass die offenherzigen Bilder des Beginns dank einer die moralischen Grenzen einhaltenden Handlung wieder relativiert wurden. Unterhaltender Einblick in eine Phase des Widerstreits zwischen 50er Jahre Moral und Moderne (Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).











Angesichts der jungen Frauen, die sich - fast verschämt zwischen dokumentarischen Bildern eingeblendet - in den ersten 10 Minuten des Films nackt auf der Leinwand tummeln - meist aus einer Totalen bei gymnastischen Gruppenübungen betrachtet, aber auch die körperlichen Vorzüge aus der Nähe in Augenschein nehmend - überrascht es nicht, dass der von Arthur Brauner produzierte Film 1958 vierzehnmal vor seiner Aufführung von der FSK abgelehnt wurde, wie die "PIDAX Film" auf der Hülle ihrer DVD erwähnt. So harmlos und ohne sexuelle Attitüde die Nacktaufnahmen aus heutiger Sicht wirken, erfüllte "Das verbotene Paradies" die Voraussetzungen für einen veritablen Skandal und hätte es zum Ruf eines frühen Erotik-Films bringen können, denn die Einbindung in historische Dokumente deutscher Badekultur und Georg Thomallas launiger Kommentar aus dem Off lassen nicht übersehen, dass entgegen der selbst gewählten alters- und geschlechterübergreifenden Thematik fast ausschließlich junge und attraktive Frauen nackt ins Bild gerückt wurden.

Doch das Gegenteil trat ein. "Das verbotene Paradies", welches mit Wolfgang Lukschy, Günter Pfitzmann, Siegfried Schürenberg und Ingeborg Schöner über damals bekannte Darsteller verfügte und unter der Regie Max Nossecks (als Max Meier) entstand, der während seines Exils nach der Flucht vor den Nationalsozialisten auch in Hollywood arbeitete, erregte weder Aufmerksamkeit, noch blieb er in Erinnerung. Leider lassen sich die von der FSK erwirkten Änderungen nicht mehr nachvollziehen, aber dem Film gelang in seiner endgültigen Fassung das Kunststück, jeden weiteren provokativen oder erotischen Anflug im Keim zu ersticken. Stattdessen entstand ein Unikat, das nach dem dokumentarischen Beginn zwar in der damaligen Gegenwart anknüpfte, diese aber nur als Rahmen für die tatsächliche Handlung des Films nutzte - eine vor 1914 spielende Story über den fiktiven Lehrer Professor Wetterstein (Wolfgang Lukschy), der mit seinen Ideen über die Körperkultur im Freien bei seinen konservativen Zeitgenossen aneckte.

Ob dessen pädagogischen Vorstellungen der Anfang des letzten Jahrhunderts aufkommenden "FKK"-Bewegung nahe standen, wird im Film nicht näher erläutert, denn von Nackten ist nichts mehr zu sehen. Zwar beschwört die Rahmenhandlung einen moralischen Konflikt in der Gegenwart, aber dieser erscheint seltsam zahnlos, als hätte die FSK hier eingegriffen. Als Auslöser dient ein Streit zwischen jungen Leuten in züchtiger Badebekleidung, die in einem Zeltlager abseits des sonstigen Strandlebens campieren, und Neugierigen mittleren Alters, die mit einem Boot über den See fahren, um sich deren Treiben näher anzusehen. Es ist gut vorstellbar, dass ursprünglich die Konfrontation von Spannern und Nackten beabsichtigt war, wie es die Zeichnung auf dem der DVD beigefügten Nachdruck der "Illustrierten Filmbühne" vermittelt. Damit hätte sich auch deren rüde Reaktion erklärt, das Boot mit den "Spießern" umzukippen. Stattdessen entstand eine konstruiert wirkende Diskussion zwischen der Besitzerin der Ferienanlage Margit Sund (Maly Delschaft) und dem Ehepaar Dettmann, deren Tochter Inge (Brigitte Olm) sich gegen den Willen ihrer Eltern in dem keineswegs verrucht wirkenden Camp aufhielt und Gegenstand von Klatsch und Tratsch wurde.

Anstatt das Verhalten der älteren Generation zu hinterfragen, gerät nur die Beziehung von Inge zu Thomas (Siegfried Breuer Jr.), dem Sohn Margit Sunds, in den Fokus, die von den Dettmanns auf Grund der Ereignisse missbilligt wird. Damit schlägt die Stunde des Dr. Theo Krailing (Jan Hendriks), der wie gerufen erstmals nach Jahrzehnten bei Margit Sund auftaucht und eine Geschichte aus ihrer gemeinsamen Jugend erzählt, womit die eigentliche Handlung des Films beginnt. Diese verdankt ihren Unterhaltungswert vor allem einem überzeugend als hinterlistigem Assessor auftretenden Günter Pfitzmann, der nach außen Moral predigt und die Klage gegen den angeblich unsittlichen Professor selbst übernimmt, mit den Kameraden der schlagenden Verbindung aber gerne zwielichtige Lokale aufsucht und das hübsche Industriellen-Töchterchen Elsa (Ingeborg Schöner) wegen der Mitgift heiraten will, da ihm seine Gläubiger auf den Fersen sind. Entsprechend nimmt die Story mehr einen komödiantischen als dramatischen Charakter an und hätte als solitärer Film besser funktioniert.

Dass die Macher ursprünglich ein Plädoyer für die Freikörperkultur beabsichtigten, lässt sich nur noch rudimentär an dem knapp 80minütigen Film ablesen, denn offensichtlich blieb nur die vor dem ersten Weltkrieg spielende Story von Veränderungen verschont, da sie einen moralisch akzeptierten Konsens widerspiegelte. Mit den Absichten des Pädagogen Professor Wetterstein, der die Ausübung sportlicher Betätigung im Freien für Heranwachsende propagierte, um sie vor schädlichen Einflüssen zu bewahren, konnte Ende der 50er Jahre Jeder mitgehen. Nicht aber mit den Freuden der nach dem Krieg wieder auflebenden Freikörperkultur, die in den 60er Jahren ihren Durchbruch erlebte. Dafür kam "Das verbotene Paradies" noch zu früh, dessen Gegenwartsbezug rückständiger wirkt als die Ereignisse kurz nach der Jahrhundertwende. Dass dank der Erzählung von Theo Krailing Inge und Thomas am Ende wieder eine Chance bekommen, ändert daran nichts - zu brav und moralisch integer werden sie beschrieben, als das sich daraus ein Plädoyer für mehr Toleranz, über die Vorstellungen eines Professor Wetterstein hinaus, ableiten ließe.

Dass „Das verbotene Paradies“ keinen bleibenden Eindruck hinterließ, ist schade und verständlich zugleich. Als Gesamtwerk wirkt der Film uneinheitlich, ist in seiner Intention nicht schlüssig und verliert seine aufklärerische Absicht an typische Komödienelemente. Gleichzeitig zeigt sich in seiner Handlung trefflich der Widerstreit zwischen Moderne und der sehr konservativen Nachkriegsgesellschaft. Die Nacktaufnahmen des Beginns wurden akzeptiert, aber die folgende Handlung durfte nicht vom moralischen Pfad abweichen.

"Das verbotene Paradies" Deutschland 1958, Regie: Max Nosseck, Drehbuch: H.G. Bondy, Darsteller : Wolfgang Lukschy, Günter Pfitzmann, Jan Hendricks, Siegfried Schürenberg, Ingeborg Schöner, Bruno Fritz, Georg Thomalla (Specher), Laufzeit : 78 Minuten

Samstag, 17. August 2013

Das Spukschloss im Spessart (1960) Kurt Hoffmann

Inhalt: Die fünf Räuber Onkel Max (Georg Thomalla), Hugo (Curt Bois), Jockel (Hans Richter), Toni (Paul Esser) und als einzige Frau Katrin (Hanne Wieder) sollen unter der Aufsicht von Von Teckel (Hubert von Meyerinck) hingerichtet werden, aber dem Volk ist diese Strafe nicht hart genüg. Sie fordern, die Fünf in dem alten Wirtshaus im Spessartwald einzumauern, damit sie dort elendig verhungern. Von Teckel ist einverstanden und sperrt sie scheinbar für immer hinter einer Mauer ein, aber er konnte nicht mit den intensiven Arbeiten am Ausbau des Autobahnnetzes in der jungen Bundesrepublik Deutschland rechnen, denen Jahrhunderte später das Wirtshaus zum Opfer fiel. Inzwischen zu Gespenstern geworden, wollen sie sich eine neue Bleibe suchen, weshalb sie sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau erinnern, das in der Nähe gelegen ist.

Dort lebt inzwischen deren Nachfahre Charlotte (Liselotte Pulver), die nicht nur das alte Gemäuer von ihrem Vater geerbt hatte, sondern auch dessen Schulden. Deshalb steht ihr das Wasser bis zum Hals und die Pfändung des Schlosses kurz bevor. Die Ankunft der Gespenster erzeugt des nachts seltsame Vorkommnisse im Schloss, weshalb sie und ihre Tante Yvonne (Elsa Wagner) froh sind, als mit Martin „Dings“ (Heinz Baumann) ein junger Mann vor der Tür steht, der behauptet, in der Nähe einen Unfall gehabt zu haben, weshalb er um eine Unterkunft für eine Nacht bittet. Sie ahnen noch nicht, dass sein Besuch geplant war, aber die Gespenster, die sich Charlotte als ihre Freunde vorstellen, erweisen sich bald als hilfreiche Gesellen…


Nach dem großen Erfolg mit "Das Wirtshaus im Spessart" (1958), der seine kabarettistischen Seitenhiebe auf die Bundesrepublik Deutschland mit einer komödiantischen Geschichte aus alten Räuber-Zeiten und viel Musik verband, ließ Regisseur Kurt Hoffmann mit "Wir Wunderkinder" (1958) einen Film folgen, der seine Kritik unmittelbarer und vor einem ernsthafteren Hintergrund formulierte. Zu verdanken waren die respektlosen Anspielungen auf die "Wirtschaftswunderjahre" in beiden Filmen dem Duo Wolfgang Neuss / Wolfgang Müller, das besonders in "Wir Wunderkinder" zu Hochform auflief. Nach einigen weiteren Filmen des viel beschäftigten Regisseurs (unter anderen "Das schöne Abenteuer" (1959), ebenfalls mit Liselotte Pulver), die an den Kinokassen deutlich schwächer abschnitten und heute nahezu unbekannt sind, griff Hoffmann bei "Das Spukschloss im Spessart" erneut auf die alte Erfolgsformel zurück.

Zwar waren außer Hauptdarstellerin Liselotte Pulver, Hans Clarin, Hubert von Meyrinck in seiner ewigen Rolle als preußischer Kommiskopp (auch wenn er hier einen Bonner Staatsbeamten mimt) und Paul Esser Niemand der früheren Besetzung aus "Das Wirtshaus im Spessart" wieder mit an Bord, aber mit Hanne Wieder, Curt Bois, Hans Richter und Georg Thomalla wurde geeigneter Ersatz gefunden. Allerdings nicht für Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, nach dessen Unfall-Tod auch auf Neuss verzichtet wurde - ein herber Verlust, der sich deutlich in der Qualität der ironischen Anspielungen niederschlägt, die in „Das Spukschloss im Spessart“ gröber und weniger wirkungsvoll ausfielen, obwohl die Handlung diesmal in der Gegenwart spielte - zeitweise sogar unmittelbar in Bonn am Rhein, der damaligen Hauptstadt der BRD.

Um einen Zusammenhang zum ersten Film herzustellen, transferierten die Drehbuchautoren Heinz Pauck und Günter Neumann fünf der Räuber aus dem Spessartwald in die Gegenwart, wo sie diesmal als Geister ihr Unwesen treiben sollten. Der Film beginnt noch in der Vergangenheit, wo die Räuber statt am Strang zu enden, im titelgebenden Wirtshaus eingemauert werden, um sie dort qualvoller sterben zu lassen - Initiator dieses Vorgangs ist natürlich Hubert von Meyerinck als zackiger Offizier. Doch ein paar Jahrhunderte später, als das Wirtshaus einer Autobahntrasse weichen muss, kommen die Fünf wieder frei, die als Gespenster "überlebt" haben. Sie erinnern sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau, die in Teil 1 am Ende den Räuberhauptmann heiratete, und freuen sich, sie dort wieder zu sehen. Tatsächlich handelt es sich um deren Ur-Urenkelin Charlotte (Liselotte Pulver), die sie ebenfalls sofort in ihr Herz schließen, womit sich der Kreis zwischen den beiden Filmen schließt.

Auch in „Das Spukschloss im Spessart“ sind es wieder die Räuber, die für die respektlosen Sprüche und Anspielungen zuständig sind und sich nicht an die damals gängigen Moralvorstellungen halten mussten. Hanne Wieder darf deshalb eine hemmungslos promiskuitiv handelnde Schöne mimen, die vor allem im Duett mit Prinz Kalaka, den Hans Clarin als hektischen, sexgeilen Trottel gibt, ihre Reize einzusetzen weiß. Besonders an dieser Konstellation wird der stark angestaubte Charakter des Films sichtbar. Clarins zwar nicht unsympathische, aber klischeehafte Verkörperung eines reichen Scheichs, der nach Deutschland kommt, um die Finanzierung einer Talsperre zu übernehmen, lässt kaum ein Vorurteil aus, so wie Hanne Wieders Darstellung einer selbstbewusst erotisch auftretenden Frau keine emanzipatorische Züge trägt, da ihr nur als Räuberin aus dem Mittelalter ein solches Benehmen zugestanden wurde. Liselotte Pulver, die in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch überzeugend in einer „Hosenrolle“ auftrat, verkörpert hier dagegen nicht nur Bravheit und Anstand pur, sondern wird in eine Liebesgeschichte mit dem jungen Martin Hartog (Heinz Baumann) verwickelt, die bemüht und konstruiert wirkt.

Deutlich wird daran auch, wie wenig „Das Spukschloss im Spessart“ letztlich riskierte. Für die wenigen konkreten Anspielungen – etwa wenn sich hinter dem Putz des Bonner Gerichtsgebäudes noch ein Hakenkreuz befindet, oder Hanne Wieder gegenüber Prinz Kalaka andeutet, es gäbe noch viel „Braune“ in Deutschland – sind ausschließlich die „Gespenster“ zuständig und als Karikatur auf den Bonner Beamten muss wie gewohnt einzig Hubert von Meyerinck herhalten. Dagegen wird das Potential um die Versteigerung des Schlosses der Comtesse - ein häufig gewähltes Motiv dieser Phase, siehe „Das Schloss in Tirol“ (1957) oder „Die Mädels vom Immenhof“ (1955) - verschenkt. Kaum hat Martin Hartog die bezaubernde Comtesse kennen gelernt, hat er seine ursprüngliche Intention, ihr Schloss unter einem Vorwand zu besuchen, um die Umbaumaßnahmen zu planen, schon vergessen. Er handelte im Auftrag seines Vaters, dessen Unternehmen Charlotte 100.000 Mark schuldet, weshalb die Pfändung kurz bevor steht. Eventuelle Seitenhiebe auf einen rücksichtslosen Kapitalismus wagte der Film natürlich nicht, denn nachdem sich Martin mit seinem Vater kurz entzweite, erweist sich dieser wenig später ebenfalls als anständiger Charakter, der Charlotte ihr Schloss nicht wegnehmen will. Als sich dann auch noch ein blöder US-Amerikaner findet, der 100.000 Mark für die fünf Gespenster bezahlt, um sie mit einer Rakete zum Mond zu schießen, ist nicht nur diese Schuld getilgt, sondern stellt sich auch die Frage, warum der Film nicht gleich mit hinauf geschossen wurde?

„Das Spukschloss im Spessart“, das sich selbst „Grusical“ nennt, da der Anteil an Gesangseinlagen gegenüber „Das Wirtshaus im Spessart“ deutlich gesteigert wurde, bedarf eines sehr nostalgischen Blicks, um sich an dem nur in seltenen Momenten ironischen, meist albernen und klischeehaften Treiben zu erfreuen – einzig die Tricks um die Gespenster können noch atmosphärisch überzeugen. Besonders Liselotte Pulver, deren erfrischendes Spiel immer auch selbstbewusste, emanzipatorische Züge trug, ist hier als nettes Mädel zu einseitig charakterisiert, während Heinz Baumann viel zu blass agiert, um nur einen Moment lang den knallharten Geschäftsmann zu verkörpern. Der Spagat zwischen kritisch-ironischen Anspielungen und einer unterhaltenden Komödie, der in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch zeitweise gelang, wird in „Das Spukschloss im Spessart“ zu sehr an die Gespenster-Effekte und dem krampfhaften Bemühen, die Story im letzten Drittel noch nach Bonn zu versetzen, verschenkt, weshalb der Film den Eindruck eines Sammelsuriums hinterlässt, dessen Einzelteile nicht überzeugen können.

"Das Spukschloss im Spessart" Deutschland 1960, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Günter Neumann, Heinz Pauck, Darsteller : Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hanne Wieder, Hans Clarin, Hubert von Meyerinck, Hans Richter, Laufzeit : 97 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)

Mittwoch, 1. Mai 2013

Himmel ohne Sterne (1955) Helmut Käutner



Inhalt: Anfang der 50er Jahre - unter dramatischen Umständen flieht Anna Kaminski (Eva Kotthaus) über die innerdeutsche Grenze, die zwar noch einen provisorischen Charakter hat, aber schon streng bewacht wird. Leicht verletzt auf der westdeutschen Seite angekommen, trifft sie dort den Grenzsoldaten Carl Altmann (Erik Schumann), der ihr Hilfe anbietet. Ohne darauf einzugehen, begibt sie sich in das nahe gelegene Städtchen und sucht Otto (Gustav Knuth) und Elsbeth Friese (Camilla Spira) auf, die wenig erfreut über ihren Besuch sind, denn Anna ist die Mutter ihres Enkelsohns Jochen, der hier bei seinen Großeltern lebt.

Ihr Sohn war im Krieg gefallen und hatte Anna nicht mehr geheiratet. Durch die Trennung Deutschlands hatten sie entschieden, den Enkelsohn bei sich zu behalten, weil er es im Westen besser hätte. Als Anna auch diesmal zum wiederholten Male den Jungen mitnehmen will, verweigern sie ihr diese Bitte mit der Begründung, dass sie ihn schließlich mit ihrem Einverständnis adoptiert hätten. Doch Anna flieht in der Nacht mit Jochen und bittet Carl Altmann nun doch um Hilfe, um ihn über die Grenze zu schmuggeln. Willi (Georg Thomalla), ein Freund von Altmann, hilft ihr dabei, indem er sie in seinem LKW versteckt, doch als sie in der DDR ankommen, ist der Junge verschwunden...


Anna Kaminskis (Eva Kotthaus) Schicksal kam Ende des zweiten Weltkriegs sicher nicht selten vor. Als ihr Freund an die Front befohlen wurde, war sie schwanger von ihm und an eine Hochzeit nicht zu denken. Nachdem dieser im Krieg fiel, blieb sie als allein erziehende Mutter mit einem unehelichen Kind zurück. In ihrer Not wandte sie sich an die Eltern ihres Freundes, die Ihre Hilfe allerdings an die Bedingung einer Adoption ihres Enkelkindes knüpften, in die Anna gezwungenermaßen einwilligte. Diese Vorgeschichte, die sich nur aus wenigen Worten Annas erschließt, liegt zum Beginn der Filmhandlung schon einige Jahre zurück, aber sie ist die Ursache für das dramatische Geschehen und typisch für Regisseur Helmut Käutner.

Schon in seinen ersten, noch während der Zeit des Nationalsozialismus entstandenen Filmen, betonte er die Verlogenheit der allgemeinen Moralvorstellungen, die den realen menschlichen Bedürfnissen widersprach und sie zu einem Verhalten zwang, dass erst die späteren tragischen Folgen ermöglichte („Große Freiheit Nr.7“, 1943). Die Nachkriegsjahre hatten in der moralischen Strenge nicht nachgelassen, obwohl die gemeinsamen Erfahrungen im Krieg Verständnis für Annas Situation hätte erzeugen müssen. Doch erst der moralische Druck als uneheliche Mutter zwang sie zum Einverständnis in die Adoption. Anfang der 50er Jahre hatte sich ihre finanzielle Situation geändert, weshalb Anna in der Lage wäre, ihren Sohn Jochen wieder zu sich zu holen, aber zwei Fakten behindern ihren Wunsch – rechtlich ist Jochen das Adoptivkind seiner Großeltern und die neue innerdeutsche Grenze verläuft ausgerechnet zwischen den beiden unweit von einander entfernten Heimatorten.

Helmut Käutner nahm sich als einer von Wenigen schon Mitte der 50er Jahre der Teilung Deutschlands an, weshalb "Himmel ohne Sterne" nur ein Film werden konnte, der auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs provozieren musste. Dabei hätte es sich der westdeutsche Regisseur in seiner Anklage an die Trennung Deutschlands leicht machen können, in dem er die politischen Umstände und damit besonders die sowjetische Besatzungsmacht angeprangert hätte, aber das entspräche nicht Käutners Linie, der die Ursachen nie im Grossen, sondern immer im Kleinen suchte. "Ich habe die Grenze nicht gemacht!" legt er seinen Protagonisten häufig in den Mund, aber er lässt kein Zweifel daran, dass die tatsächlichen Probleme untereinander eben doch selbst erzeugt sind und die Umstände immer als Ausrede dafür herhalten müssen.

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Nebenfigur Mischa Bjelkin, einem sehr jungen sowjetischen Soldaten, von Horst Buchholz in einer seiner ersten Rollen mit erstaunlicher Zurückhaltung gespielt, auch bedingt dadurch, dass seine Umgebung kein Russisch versteht. Er verdeutlicht, dass für Jeden eine Wahl in seinen Entscheidungen besteht, auch ohne sich davon Vorteile zu versprechen. Gegensätzlich charakterisiert Käutner dagegen die westdeutsche Seite, die - dank des schnell eintretenden wirtschaftlichen Erfolgs in der jungen BRD - nur noch wenige Gedanken an die kommunistisch regierten Landsleute in der DDR verschwendet. Die Wahl der sympathischen Darsteller Camilla Spira und Gustav Knuth als Großeltern Elsbeth und Otto Friese, die den adoptierten Enkelsohn nicht mehr hergeben wollen, ist geschickt, denn Käutner vermeidet damit Einseitigkeiten und demonstriert authentisch, wie schnell sich die Menschen damals an die neue Situation gewöhnt hatten, besonders, wenn sie persönlich davon profitierten.

Auch den DDR-Alltag zeigte Käutner ohne Beschönigungen, vermeidet dabei aber für die Zeit typische Abqualifizierungen. So zeigt sich auch, dass es für Anna, die in einem volkseigenen Betrieb arbeitet (sehr gut Siegfried Lowitz als korrekter, aber nicht unmenschlicher Leiter), in der DDR leichter ist, als allein erziehende Mutter ihr Leben zu organisieren, obwohl sie sich sogar noch um ihre Großeltern (Lucie Höflich, Erich Ponto) kümmern muss, die sie nicht allein lassen will, weshalb für sie eine Flucht in den Westen nicht in Frage kommt. Wer aus heutiger Sicht glaubt, erst nach dem Bau der Mauer wurde es schwierig in den Westen zu fliehen, wird hier eines Besseren belehrt, denn auch wenn Anfang der 50er Jahre die Perfektion der späteren „Todesstreifen“ noch nicht bestand, so galt schon der Schießbefehl der ständig patrouillierenden Grenzsoldaten.

Auch in "Himmel ohne Sterne" spielt Käutner wieder seine Stärke aus, eine Vielzahl von Darstellern so agieren zu lassen, dass ein komplexes Geflecht an Beziehungen entsteht. Selbst kleine Rollen sind hervorragend besetzt (Georg Thomalla, Josef Offenbach, Wolfgang Neuss) und die Wahl der beiden Hauptrollen (der Sachse Erik Schumann als westdeutscher Grenzer, die aus der BRD stammende Eva Kotthaus als Anna) ist intelligent, besonders da beide damals von der DEFA besetzt wurden. Man spürt an jeder Einstellung des Films, wie ernst es Käutner damit war, ein ausgewogenes Bild beider Seiten zu zeigen. Betonte er in seinen Filmen aus der nationalsozialistischen Zeit noch die individuelle Freiheit des Einzelnen, die im Widerspruch zur äußeren Reglementierung stand, scheinen die Beteiligten hier nicht in der Lage zu sein, sich aus den ihnen aufgesetzten Strukturen und Vorurteilen zu befreien.

"Himmel ohne Sterne" fehlt jeglicher Optimismus, positive Momente entstehen nur im Verhalten einzelner Menschen, die aber wenig am Fortlauf des Dramas ändern können. In dieser Konsequenz wirkt der Film manchmal übertrieben melodramatisch, da er die Umstände so aneinander reiht, dass sich alles zum Negativen fügen muss, womit er sich auf einer Linie mit den Filmen Douglas Sirks befindet. Indem Käutner nicht einmal den Liebenden zugesteht, sich über bestehende Grenzen hinweg zu setzen, und ihnen damit einiges ihrer Reputation nimmt, geht er weit über die übliche Sezierung einer gesellschaftlichen Situation hinaus. "Himmel ohne Sterne" ist keine differenzierte Analyse, sondern eine unparteiische Anklage, etwas an den bestehenden Zuständen zu ändern – nicht erstaunlich, dass der unbequeme Film bis heute die ihm zustehende Anerkennung nicht erfahren hat.

"Himmel ohne Sterne" Deutschland 1955, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Darsteller : Eva Kotthaus, Erik Schumann, Horst Buchholz, Siegfried Lowitz, Erich Ponto, Wolfgang Neuss, Josef Offenbach, Georg Thomalla, Lina Carstens, Gustav Knuth, Laufzeit : 104 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner: