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Donnerstag, 9. Februar 2017

Junge Adler (1944) Alfred Weidenmann


Dr. Voß (Paul Henckels) ist von Theos (Dietmar Schönherr) Leistungen nicht angetan
Inhalt: Theo Brakke (Dietmar Schönherr) lässt sich nach seinem Sieg in der Einer-Regatta feiern, aber sein Vater (Herbert Hübner), Direktor der Flugzeug-Werke, hat kein Verständnis für solche Vergnügungen, so lange die Schulleistungen des Gymnasiasten nicht in Ordnung sind. Theos Lehrer Dr. Voß (Paul Henckels) sieht nur noch geringe Chancen für ein erfolgreiches Abitur, was den Jungen nicht daran hindert, anstatt zu lernen in der Gastwirtschaft eine Runde auszugeben. Wie gewohnt lässt er anschreiben, da er nicht genügend Geld hat, aber nachdem er zudem noch in betrunkenem Zustand das Auto des Gastwirts (Aribert Wäscher) beschädigt hatte, wendet sich dieser direkt an seinen Vater. 

Sein Vater (Herbert Hübner), Direktor der Flugzeug-Werke, zieht die Konsequenz
Den Autoschaden erwähnt er nicht, aber die Zeche lässt er sich bezahlen, worauf Theo von seinem Vater zur Rede gestellt wird. Während er noch nach Ausflüchten sucht, ist die Entscheidung des Vaters schon gefallen. Er nimmt ihn vom Gymnasium und lässt ihn in seiner Fabrik zum Flugzeug-Mechaniker ausbilden. Er hofft, dass der verwöhnte Junge in der Gemeinschaft der Lehrlinge zur Vernunft kommt. Doch anders als Bäumchen (Hardy Krüger), der trotz seines jungen Alters mit Begeisterung in sein erstes Lehrjahr startet, tut sich Theo in der ungewohnten Umgebung schwer und kann sich nicht anpassen. Auch seine Kameraden, die ihm offen begegneten, reagieren verärgert…  


 Von "Junge Adler" (1944) bis "Weg in die Freiheit" (1952)

Seit den frühen 30er Jahren gehörten Alfred Weidenmann, Jahrgang 1916, und Herbert Reinecker, 1914 geboren, zu den führenden Köpfen in der Propaganda-Abteilung der Hitler-Jugend. 1935 mit 19 Jahren drehte Weidenmann seinen ersten Film für die HJ, seit 1942 war er Leiter der Hauptabteilung "Film" in der Reichsjugendführung, in deren Presse- und Propagandaamt Herbert Reinecker seit 1935 tätig war. Im 2. Weltkrieg gehörte er als Kriegsberichterstatter zu einer Propagandakompanie der Waffen SS. Mit "Hände Hoch! " hatte Weidenmann zwar 1942 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm gedreht, aber erst "Junge Adler" sollte das erste gemeinsame Projekt der langjährigen Freunde werden. Und der Beginn einer Zusammenarbeit, die bis ins hohe Alter andauern sollte. Noch in den späten 90er Jahren drehte Weidenmann Folgen für die TV-Krimiserie "Derrick" auf Basis der Drehbücher Reineckers.

Nach "Junge Adler" kam es aber auf Grund des Zusammenbruchs des Nationalsozialismus mit dem Kriegsende 1945 zu einer längeren Schaffenspause. Weidenmann geriet in Kriegsgefangenschaft und schrieb nach seiner Entlassung Jugendbücher, Reinecker erhielt keine Anstellung als Journalist und arbeitete für einen Pressedienst. Der Kurzfilm "Illustrierte" wurde 1951 ihr erstes gemeinsames Projekt nach dem Krieg, mit "Ich und du" folgte 1953 ihr erster Kinofilm seit "Junge Adler" - nicht zufällig wieder mit Hardy Krüger in der Hauptrolle, der inzwischen zum Star avanciert war. Schon im Jahr darauf brachten sie mit "Canaris" einen der ersten Filme heraus, der sich kritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzte, auch wenn das Ergebnis umstritten war. Bemerkenswerter ist aber ihr Kurzfilm "Weg in die Freiheit" von 1952, der den deutschen Filmpreis für das "Beste Drehbuch" erhielt und als "Film, der das soziale Problem eindrucksvoll behandelt" ausgezeichnet wurde. Erneut standen junge Männer im Mittelpunkt und ihre Eingliederung in die Gesellschaft.

 
Begeistert verfolgen die angehenden Mechaniker einen Probeflug
Propagandaminister Joseph Goebbels vermutete angesichts des Misserfolgs des Films an den Kinokassen, dass man „augenblicklich keine politischen Filme sehen will“ (Quelle: Peter Longerich, Goebbels, Biographie, S.563). Vielleicht hätte ihm mehr zu denken geben sollen, dass „Junge Adler“, der seine Uraufführung am 24. Mai 1944 aus Anlass des 10jährigen Jubiläums des Filmschaffens der Hitler-Jugend in Anwesenheit hoher Parteifunktionäre erlebte, mit der damaligen Lebenswirklichkeit der Zuschauer nichts gemein hatte. Das galt auch für einen Kostümfilm wie den sehr erfolgreichen „Münchhausen“ von 1943, aber „Junge Adler“ betonte seinen Realitätsbezug und spielte unter den Auszubildenden einer großen Flugzeug-Werft. Hakenkreuze und Uniformen der Hitlerjugend – Symbole des Alltags, die im Unterhaltungsfilm sonst streng vermieden wurden – gehörten ebenso dazu, wie der Firmenchef, der Ausbilder oder der tägliche Leistungsdruck. Realistisch war daran trotzdem nichts.

So jung "Bäumchen" (Hardy Krüger) ist, Angst vorm Fliegen kennt er nicht
Das lag weniger an der Abwesenheit eines Kriegs, der längst in alle Lebensbereiche vorgedrungen war, als an der künstlichen Idealisierung einer Arbeitswelt, in der das Individuum zugunsten eines homogenen Gemeinschaftsgefühls vollständig zurücktrat. An der Qualität der Mitwirkenden lag es nicht. Regisseur Alfred Weidenmann und sein befreundeter Co-Autor Herbert Reinecker, beide langjährige verdiente Mitglieder der Hitlerjugend, ließen kaum einen Kniff aus, um dem Eindruck einer Gleichschaltung entgegenzuwirken. Ihre abwechslungsreiche, schnell geschnittene Inszenierung spielte geschickt auf der Klaviatur der Emotionen, unterstützt von einer Darstellerriege talentierter Newcomer. Für Dietmar Schönherr, Gunnar Möller und Eberhard „Hardy“ Krüger wurde „Junge Adler“ nicht zufällig der Ausgangspunkt einer großen Karriere.

Noch tanzt Theo aus der Reihe, aber bald schon...
Besonders der knapp 16jährige, noch kindlich wirkende Hardy Krüger – damals Schüler der Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen –, der spielend die gesamte Bandbreite von Trauer bis zur Berliner Schnauze abdeckte, lieferte ein Identifikations-Musterbeispiel ab. Was war daran nicht individuell? - Gleiches galt auch für den von Dietmar Schönherr gespielten Fabrikanten-Sohn Theo Bracke, dessen selbstgefälliges Auftreten und schlechte Schulleistungen seinen Vater (Herbert Hübner) dazu veranlassen, ihn vom Gymnasium zu nehmen, um ihn zum Flugzeugmechaniker ausbilden zu lassen. Für den Schnösel sozusagen die Höchststrafe. Schönherr spielte die eingebildete Sportskanone, die seine Zeche nicht zahlt, das Auto des Gastwirts beschädigt und ihn noch erpresst, ihn nicht anzuzeigen, so überzeugend, dass Jeder ihm diese Konsequenz gegönnt haben wird.

...trennen ihn Welten von seinem dicklichen Kumpel aus Schulzeiten
Das lässt übersehen, dass sein Vater nicht mehr aus der Position eines nachsichtigen Verwandten, sondern aus der des Staats handelte, der noch einen letzten Versuch unternimmt, den jungen Mann zu einem nützlichen Mitglied der Gemeinschaft zu erziehen. Dass die anderen Lehrlinge nicht feindselig auf den Abkömmling der Oberschicht reagieren, wie man hätte erwarten können, sondern ihm trotz seines schlechten Benehmens noch eine Chance geben, idealisierte die Kameradschaft als einen Ort, der über jedem Klassendenken steht. Dass diese vermeintliche Offenheit an Bedingungen geknüpft war, wird schon an der Eingangssequenz deutlich, in der Theo überlegen ein Rennen im Einer-Rudern gewinnt. Anders als sein dicklicher Klassenkamerad, über den sich der Film lustig macht, verfügt Theo über die geforderten körperlichen und geistigen Grundlagen. Ihm fehlt es nur an der notwendigen Charakterbildung.

Spatz (Gunnar Möller) erkennt die Qualität in Wolfgangs Komposition
Männlich konnotierte Verhaltensmuster wie Technikbegeisterung, Mut, Leistungswille, Wettbewerb auf allen Ebenen und klare Ansprachen im Fall von Meinungsverschiedenheiten sind hier selbstverständliche Voraussetzungen. Der begnadete Musiker Wolfgang (Robert Fillippowitz), die einzige Figur, der ein gewisses Maß an Ängstlichkeit und Verzagtheit zugestanden wird, stellt seine Kunst in den Dienst der gemeinsamen Sache. Eine Ausnahme, die nur gewährt wird, weil seine Kameraden sie gemeinschaftlich mittragen. Entscheidend für diese künstlich überhöhte Homogenität ist der Verzicht auf Weiblichkeit. Darüber kann auch die Rolle von Theos älterer Schwester Annemie (Gerta Böttcher) nicht hinwegtäuschen, die ungewöhnlich oft bei den Auszubildenden vorbei sieht und sich zum dezenten Love-Interest des Ausbildungsleiters Roth (Willy Fritsch) entwickelt. Lässt sich die Abwesenheit gleichaltriger Mädchen mit der konservativen Moral erklären, ist das Fehlen der Mütter signifikant. Selbst Theo und Wolfgang, die einzigen Figuren mit familiärem Hintergrund, werden nur mit ihren gestrengen Vätern konfrontiert.

Ausbildungsleiter Roth (Willy Fritsch) und "Vater" Stahl (Albert Florath)
Auch Emotionen wie Heimweh oder Sehnsucht nach mütterlicher Fürsorge – bei Jungen dieses Alters normale Gefühle – existieren hier nicht. Die Gruppe wird zur Familie, der Ausbildungsleiter Roth sowie „Vater“ Stahl (Albert Florath), ein früherer Seemann, der sich um die Ausrüstung der Jungen kümmert, treten an die Stelle der Eltern. Willy Fritsch als stets gut aufgelegter Vorgesetzter, der immer ein offenes Ohr für seine „Jungs“ hat, ist der unrealistischste Charakter des Films. Strenge muss er nicht walten lassen, da ihm die Lehrlinge sein ihnen gewährtes Vertrauen zurückgeben. Nicht korrektes Verhalten wird auf Männerart innerhalb der Gruppe geklärt. Alfred Weidenmann und Herbert Reinecker leisteten gute Arbeit. Sie entwarfen einen Lebensraum, dessen Anziehungskraft verständlich ist. Aufgehoben in einer klar definierten Gemeinschaft, geleitet von einer gerechten Vaterfigur, eine spannende und anspruchsvolle Tätigkeit, Sport und Spaß in der Freizeit – welcher Junge sollte sich das nicht wünschen? 

Roth mit der allgegenwärtigen Alibi-Frau Annemie (Gerta Böttcher)
 „Junge Adler“ wurde nach dem Krieg als nationalsozialistischer Propagandafilm verboten, erhielt 1980 aber eine Freigabe ab 6 Jahren und war bis 1996 auf Video käuflich erwerblich. Erst seitdem wird er als „Vorbehaltsfilm“ eingestuft, der nur mit einer fachlichen Einführung öffentlich gezeigt werden darf. Angesichts eines Films, der den Charakter eines dreiwöchigen Ferienlagers mit Arbeitseinsatz vermittelt, scheint diese Maßnahme übertrieben. Hinterfragt werden sollte in diesem Zusammenhang Joseph Goebbels Einordnung als „politischer Film“. Sieht man von den Insignien der NSDAP einmal ab, wirkt in „Junge Adler“ vordergründig wenig politisch. Weder gibt es Aussagen über den Verwendungszweck der Flugzeuge, noch wird die aufopferungsvolle nächtliche Arbeit der Jugendlichen an den Pilotenkanzeln der Bomber in einen ideologischen Kontext gebracht. Als sie am nächsten Morgen übermüdet im Unterrichtssaal sitzen, wirken sie, als hätten sie zu lang gefeiert. Arbeitssicherheit, Überforderung, Verletzungsgefahr – alles kein Thema. „Junge Adler“ ist die pure Verharmlosung.

In der Nacht bei der Arbeit - die reine Freude für die "Jungs"
Eine Verharmlosung, die 1944 Niemand mehr täuschen konnte. Jedem damaligen Kinobesucher musste bewusst gewesen sein, worauf „Junge Adler“ abzielte, weshalb es überrascht, dass der penetrant optimistische Film, dessen dramatische Wendungen sich selbstverständlich in Wohlgefallen auflösen, von nationalsozialistischer Seite ausschließlich positiv besprochen wurde, galt doch Goebbels Maxime einer verklausulierten, nicht zu offensichtlichen Filmsprache. Mit dem heutigen zeitlichen Abstand verschwinden die realen Hintergründe zugunsten der Idealisierung einer homogen wirkenden Gruppe. Weidenmanns moderner Inszenierungsstil, das jungenhaft unbeschwerte Spiel der begabten Darsteller und der Verzicht auf einen konkreten Gegenwartsbezug lassen den Eindruck eines reinen Unterhaltungsfilms entstehen, der übersehen lässt, dass sich der Wert des Einzelnen nur an seinem Nutzen orientierte. Keine auf den nationalsozialistischen Propagandafilm beschränkte Intention, deren Negierung des Individuums nur innerhalb eines künstlichen Lebensraums wie in „Junge Adler“ ohne Repressalien und Ausgrenzungen funktioniert - in der Realität nicht. 

"Junge Adler" Deutschland 1944, Regie: Alfred Weidenmann, Drehbuch: Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann, Darsteller : Dietmar Schönherr, Hardy Krüger, Gunnar Möller, Willy Fritsch, Herbert Hübner, Albert Florath, Paul Henckels, Gerta BöttcherLaufzeit : 101 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Alfred Weidenmann: 

"Weg in die Freiheit" (1952) 
"Der Stern von Afrika" (1957) 

Samstag, 31. Dezember 2016

Komm mit zur blauen Adria (1966) Lothar Gündisch


Walter (Dietmar Schönherr) poussiert mit Tina (Margitta Scherr)
Inhalt: Dass Walter (Dietmar Schönherr) gerade der hübschen Tochter des Hoteliers, Tina (Margitta Scherr), auf dem Meer nahe kommt, ärgert nicht nur deren Vater, dem er schon einige Tage Kost und Logis schuldet, sondern auch seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer), mit der er sich ein Hotelzimmer teilt. Walter versteht die ganze Aufregung nicht. Schließlich muss er seinen kreativen Kopf frei bekommen, um die neuen Bademoden zu entwerfen. Und da kommt ihm jedes Mittel gelegen. Sein Chef (Fritz Benscher) in Deutschland wird von Tag zu Tag ungeduldiger und sein Geld ist längst weg. 

Seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) reagiert wenig begeistert
Walter ahnt nicht, wie recht er hat. Angespitzt von der Chefsekretärin Fräulein Habicht (Ruth Stephan) hat ihm sein Chef den Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) undercover als Frau verkleidet hinterher geschickt, um den Arbeitsfortschritt seines Angestellten zu überprüfen. Kindlein ist nicht der Einzige, der sich auf den Weg ans Mittelmeer macht. Die Tochter seines Chefs, Renate (Maria Brockerhoff), war aus ihrem Mädchen-Internat abgehauen, um endlich etwas zu erleben, und der reiche Geschäftsmann Senior Hernandez (Gustavo Rojo), wichtigster Kunde ihres Vaters, macht sich auf ihre Verfolgung. Er hatte sich in Renates Porträt verliebt und will sie heiraten… 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms 

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

1966 war die Nachkriegszeit vorbei. Das "blaue Meer" kam hier zwar noch ein letztes Mal zur Geltung (mit der geografisch falschen Präzisierung "Adria", denn der Film wurde in Spanien gedreht), aber als Sehnsuchtsbegriff hatte es ausgedient. Das Mittelmeer war inzwischen fester Bestandteil von Pauschal- und Individualurlaub, weshalb nicht mehr Land und Leute im Mittelpunkt der Tourismuswerbung standen, sondern die vielfältigen Attraktionen eines Strandurlaubs, Liebe und Sex inbegriffen. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Endstation "blaue Adria". 

Walter versucht seinen Chef von seinem Arbeitseinsatz zu überzeugen...
Nicht im übertragenen Sinn wie das wiederholte Ankündigen des "Heimatfilm"-Endes, sondern ganz konkret. "Komm mit zur blauen Adria" war ein Nachzügling, das letzte Relikt eines Genres, das es seitdem in dieser reinen Form nicht mehr gibt - der "Schlagerfilm", zudem kombiniert mit einem Restposten "Tourismusfilm". "Das Spukschloss im Salzkammergut" kam zwar erst Ende 1966 in die deutschen Kinos, war aber eine Mogelpackung - gefilmt 1963 und mit einer nachgedrehten Rahmenhandlung modernisiert. Zudem ganz ohne internationales Flair. Und spätere Musik-Filme wie "Heintje - Einmal wird die Sonne wieder scheinen" (1969) oder "Wenn du bei mir bist" (1970) mit Roy Black waren ganz auf ihre Stars zugeschnitten.

...was ihm aber nicht recht gelingt (Fritz Benscher und Ruth Stephan)
"Komm mit zur blauen Adria" konnte, wie im Schlagerfilm üblich, noch mit einer Reihe an mitspielenden Sängern aufwarten, deren Songs gleichwertig in die Handlung integriert wurden: Manfred Schnelldorfer, Hannelore Auer und Maria Brockerhoff. Selbst Dietmar Schönherr, sonst nicht als Sängerknabe bekannt, gab hier eine Gilbert Becaud-Komposition zum Besten. Die Anzahl der Gastauftritte blieben in "Komm mit zur blauen Adria" dagegen vergleichsweise spärlich. Ein weiteres Anzeichen für dessen späten Status. Außer dem Trompeter Roy Etzel, dessen "Golden midnight sun" hier als Erkennungsmelodie diente, trat nur noch Vivi Bach mit einem Schlager auf. Eine lieblos hineingeschnittene Szene, die offensichtlich zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort entstanden war.

Dieser schickt Buchhalter Kindlein (Thomas Alder) undercover hinterher...
Stichwort "Vivi Bach". Die dänische Sängerin und Schauspielerin war das Gesicht des Schlagerfilms und der Musik-Komödie in der ersten Hälfte der 60er Jahre. Seit "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) an der Seite von Fred Bertelmann war sie bis "Tausend Takte Übermut" (1965) in mehr als zwanzig Kinofilmen aufgetreten. Der Verlauf ihrer Kino-Karriere steht ebenfalls symbolisch für das Ende des Genres. Bis 1969 folgten nur noch wenige Filme, meist internationale Produktionen. Darunter ein Auftritt in "Europa canta" (Lass die Finger von der Puppe, 1966), eine italienisch-spanische Co-Produktion, die noch ein wenig Schlagerfilm-Feeling herüberretten wollte. Ob Vivi Bachs kurzer Gesangsauftritt hier noch beim Dreh zu "Tausend Takte Übermut" entstanden war, ist fraglich, sicher ist aber, dass sich aus dessen Crew der größte Teil der Mitwirkenden an "Komm mit zur blauen Adria" rekrutierte.

...um Walters kreative Arbeitsmethodik zu beobachten
Neben Vivi Bach fehlten noch Rex Gildo und Gunter Philipp, aber ihr Ehemann Dietmar Schönherr, der uruguayische Schauspieler Gustavo Rojo und Maria Brockerhoff sorgten für adäquaten Ersatz. Wieder mit von der Partie waren Hannelore Auer, Margitta Scherr, Thomas Alder, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan und Fritz Benscher. Statt Ernst Hofbauer übernahm dessen Assistent Lothar Gündisch die Regie und Hans Billian war erneut für das Drehbuch verantwortlich. Vielleicht ist dieser Kontinuität der Filmtitel zu verdanken, der letztmalig das „Blau“ des Meeres betonte, wenn hier auch fälschlich als „Adria“ bezeichnet. "Tausend Takte Übermut" hatte noch an der italienischen Adria-Küste gespielt, der geistige Nachfolger entstand aber im Süden Spaniens an der „Costa del sol“, worauf in den Credits schon zu Beginn hingewiesen wird. Unter dem Filmtitel „El Bikini rojo“ kam die deutsch-spanische Co-Produktion am Drehort heraus und es bleibt das Geheimnis der deutschen Produzenten, warum sie auch inhaltlich auf einem italienischen Handlungsort bestanden, obwohl dem Kino-Besucher das spanische Ambiente vertraut gewesen sein wird.

Erst wird sie von Joachim (Manfred Schnelldorfer) gerettet,...
Mitte der 60er Jahre war der Pauschalurlaub an der spanischen Küste kein Geheimtipp mehr, aber der Hintergrund mit Sandstrand, blauem Meer und allerlei Freizeitmöglichkeiten erfüllte seinen Zweck als attraktive Reisekulisse. Mit dem „Tourismusfilm“ der späten 50er Jahre, als die südlichen Gestade am Mittelmeer noch weit entfernt schienen, berühmte Sehenswürdigkeiten und folkloristische Eigenarten des Gastgeber-Landes ins Bild gerückt wurden und schon die Reise dorthin zum Abenteuer wurde, hatte das nur noch wenig gemeinsam. Mit solchen Details schlug sich „Komm mit zur blauen Adria“ nicht mehr herum, sondern entfaltete seine Story um eine deutsche Textilfirma, deren Designer nur wenig motiviert ist, die neuen Bademoden zu kreieren, sondern lieber seinen Charme bei den zahlreichen hübschen Mädchen spielen lässt, vor dem Hintergrund eines ewig scheinenden Hotel- und Strand-Urlaubs.

...dann landet Renate (Maria Brockerhoff) neben Walter im Bett...
In einer kurzen Szene gibt es eine kleine Reminiszenz an das „Reisen per Anhalter“, das in "Unter Palmen am blauen Meer" (1957) und seinen „Blauen Meer“-Epigonen noch ein wichtiger Story-Bestandteil war. Kurz vor ihrem Ziel am Ferienort wird Renate (Maria Brockerhoff) von einem Cabriolet-Fahrer, der sie mitgenommen hatte, belästigt und vom zufällig vorbei kommenden Joachim (Manfred Schnelldorfer) aus einer unangenehmen Situation gerettet. Ein bisschen Drama durfte noch sein, aber es fehlte der moralische Zeigefinger, der die jungen Damen davor warnen sollte, zu fremden Herren ins Auto zu steigen. Die Wirkung einer solchen Botschaft wäre angesichts des frivol unbeschwerten Treibens am Meer auch schnell verpufft, denn wenn etwas in „Komm mit zur blauen Adria“ lange Zeit offenbleibt, dann wer hier mit wem anbandelt.

...bevor sie sich des aufdringlichen Hernandez (Gustavo Rojo) erwehren muss
Besonders Walter (Dietmar Schönherr) kann sich nur schwer festlegen. Statt endlich die Bikini-Mode für die kommende Saison zu entwerfen, poussiert er mit Tina (Margitta Scherr), der Tochter des Hoteliers, während seine Freundin Ingrid (Hannelore Auer) mit abendlichen Gesangsauftritten ihre Hotel-Schulden abarbeiten will. Ingrid trauert ihm nicht lange nach, sorgt aber dafür, dass er aus ihrem gemeinsamen Zimmer geschmissen wird, denn ihre Gage behält sie für sich. Den frei gewordenen Schlafplatz neben ihr belegt eine neu ankommende ältere Dame, bei der es sich in Wahrheit um einen Mann in Frauenkleidern handelt. Der Buchhalter Heribert Kindlein (Thomas Alder) wurde von seinem Chef (Fritz Benscher) an die Küste geschickt, um Walter undercover zu beobachten, ist aber mehr damit beschäftigt, sein wahres Geschlecht vor Ingrid zu verbergen. Währenddessen sorgt Tina dafür, dass Walter in einer leerstehenden Ferien-Villa einen Schlafplatz erhält. Und trifft dort im Bett auf Renate.

Alles klar? – Offensichtlich muss allen Beteiligten um Drehbuchautor Hans Billian bewusst gewesen sein, dass ihr schon aus der Zeit gefallener Film kaum noch auf Resonanz stoßen würde. Anders ist der hemmungslose Umgang mit den Lustspiel-Klischees kaum zu erklären. Ideen, die im Normalfall über eine Spielfilmlänge ausgewalzt werden, werden hier im Schnelldurchlauf abgearbeitet. „Komm mit zur blauen Adria“ ist nicht eine Verwechslungskomödie, sondern gleich drei. Mehrfach wird „Charlies Tante“ zitiert und die Liebespaare finden sich im Minutentakt, um sich kurz danach wieder neu zu orientieren. Dazu gibt es Eifersucht, Männerwitze, viel nackte Haut – allerdings noch im züchtigen Rahmen – und eine Massen-Prügelei.

Vielleicht war es auch nur das blaue Meer, das nie blauer ins Bild gerückt wurde, oder die heiße Sonne, die ständig auf die versammelte Crew schien. Niemand schien hier etwas ernst zu nehmen. Im Gegenteil lässt sich der Spaß, den die Beteiligten beim Dreh gehabt haben müssen, unmittelbar nachempfinden. Als Schlager- und Tourismusfilm steht „Komm mit zur blauen Adria“ am Ende einer langjährigen Genre-Entwicklung, gemessen am Unterhaltungswert aber ganz vorne. 

"Komm mit zur blauen AdriaDeutschland 1966Regie: Lothar GündischDrehbuch: Hans BillianDarsteller : Hannelore Auer, Dietmar Schönherr, Thomas Alder, Margitta Scherr, Gustavo Rojo, Ruth Stephan, Fritz Benscher, Maria Brockerhoff, Manfred Schnelldorfer, Vivi BachLaufzeit : 91 Minuten