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Mittwoch, 8. Oktober 2014

...denn das Weib ist schwach (1961) Wolfgang Glück

Inhalt: Seitdem Kovacz (Karl-Otto Alberty) wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde, befindet sich Jolly Gebhardt (Helmut Schmid) auf der Flucht vor dessen Männern. Als Anwalt hatte er eine große Geldsumme anvertraut bekommen, die er zur Aufrechterhaltung seines aufwändigen Lebensstils unterschlagen hatte. Zwar kann er mit seinem schnellen Jaguar kurzzeitig entkommen, aber er weiß, dass er keine Ruhe haben wird, bevor er das Geld nicht zurückzahlt.

Einzig sein gewohnter Erfolg bei Frauen könnte ihm noch helfen. Er hatte den Aufenthaltsort von Hanna Schäferkamp (Sonja Ziemann) in einer Erbschaftsangelegenheit ausfindig gemacht, von der er zu profitieren hofft. Unter einem Vorwand begibt er sich an ihren Arbeitsplatz, um mit ihr anzubändeln, aber sie, die nichts von ihrem Millionenerbe weiß, weist ihn ab. Auch Lissy (Kai Fischer), seine Geliebte, reagiert nicht begeistert, als sie von seinen Bemühungen um Hanna erfährt, unterstützt ihn aber, als sie seine Beweggründe erfährt. Dank ihrer Hilfe gelingt es ihm, das Vertrauen Hannas zu gewinnen…


Der Titel des Films "...denn das Weib ist schwach" könnte den Eindruck erwecken, die Männer hätten hier alles im Griff. Doch das täuscht. Jolly Gebhardt (Helmut Schmid) - Rechtsanwalt, Frauentyp und Jaguar-Fahrer - hat die Kontrolle über sein nach außen hin luxuriöses Leben längst verloren. Zwar kann er Kovaczs (Karl-Otto Alberty) Handlanger Vigulla (Werner Peters) noch einmal entkommen, der das Geld zurückfordert, das er unterschlagen hatte, als sein Mandant im Gefängnis saß, aber Gebhardt weiß, dass ihn die skrupellosen Verbrecher nicht in Ruhe lassen werden. Krampfhaft sucht er nach einer Lösung, die keine Erlösung bringen wird. Die Blues-Stimme von Ottilie Patterson, begleitet von der Chris Barber Jazzband, die während seiner rasenden Fahrt durch West-Berlin erklingt, lässt daran von Beginn an keinen Zweifel.

Nur schnelles Geld kann ihn aus seiner Situation retten, aber der Wunsch nach Reichtum bleibt in Wolfgang Glücks letztem Kinofilm (vor seiner langen Fernseh-Karriere) ein Versprechen, das schon die Bilder nicht einlösen. West-Berlin ist vom Krieg gezeichnet - trostlose Miethäuser, auf Schrottplätzen spielende Kinder, brache Gleisanlagen und die Ruinen früherer Industriegebäude bilden den Hintergrund einer Story, in der Hanna Schäferkamp (Sonja Ziemann), eine geschiedene, allein erziehende kleine Angestellte, zur personifizierten Hoffnung für Gebhardt wird, ohne es selbst zu ahnen. Als Anwalt sollte er ihren Aufenthaltsort ausfindig machen, da ihr ein in Kanada verstorbener Onkel ein Millionen-Erbe vermacht hatte, aber er behält seine Informationen noch zurück, um sich an sie heranzumachen. Überzeugt von seiner Wirkung auf Frauen, hofft er als ihr zukünftiger Ehemann an ihr Geld zu kommen.

Helmut Schmid gelang es, dieser Figur trotz ihres Egoismus und der skrupellosen Vorgehensweise dank der stets spürbaren Tragik Sympathien zu verleihen, die auch seinen Erfolg bei Frauen verständlich werden lässt. Über der gesamten Handlung verblieb - nicht zuletzt dank der Jazz-Musik - eine schwermütige Stimmung, die keinen Wirtschaftswunder-Optimismus mehr ausstrahlte, auch wenn sich die Beziehung zwischen Hanna und Jolly äußerlich nach typischen Mustern entwickelte. Natürlich verliebt er sich in die hübsche Frau, doch die Autoren Wolfgang Steinhardt und Hans Nicklisch nutzten die Romanvorlage "Post aus Ottawa" von Bruno Hampel für den Entwurf einer Nachkriegsgesellschaft, die sich auf der Suche nach dem persönlichen Glück verloren hat - Sex und Intrige sind zu adäquaten Mitteln geworden, ohne dass der Film ins Moralisieren verfällt.

Steinhardts Stil, der auch das Drehbuch zu Max Pécas' parallel erschienenen "De quoi tu te mêles Daniela!" (Zarte Haut in schwarzer Seide, 1961) verfasste, deutete früh auf die Erwin C.Dietrich Produktionen "St.Pauli zwischen Nacht und Morgen" (1967) und "Unruhige Töchter" (1967) hin, die ebenfalls auf Basis seiner Drehbücher entstanden und damit seinen Einfluss auf den deutschen Erotik-Film dokumentieren. Co-Autor Hans Nicklisch wiederum hatte in seinem Drehbuch zu "Geheimaktion schwarze Kapelle" (1959) sein Händchen für desillusionierte Lebensentwürfe bewiesen. Auch Regisseur Wolfgang Glück hatte sich nach einem kurzen Ausflug ins Heimatfilm-Genre („Der Pfarrer von St.Michael“ 1957) der sich verändernden 50er Jahre-Sozialisation zugewendet („Gefährdete Mädchen“, 1958) und verpflichtete nach „Mädchen für die Mambo-Bar“ (1959) erneut Kai Fischer in ihrer angestammten Rolle als laszive Geliebte.

Obwohl sie dem Anwalt entscheidend dabei hilft, die etwas spröde und von den Männern enttäuschte Hanna zu verführen, befindet sie sich dank ihrer offenen sexuellen Ausstrahlung von Beginn an in der schlechteren Position als dessen mögliche Ehefrau. Lissy (Kai Fischer) kommt für Gebhardt nicht über einen netten Zeitvertreib hinaus, während die anständige Hanna sein Herz gewinnt. In dieser Hinsicht entsprach die Handlung zwar den gewohnten moralischen Konzessionen, aber Glück und Steinhardt verzichteten darüber hinaus auf jede Idealisierung. Auch Hanna schläft schon nach dem ersten gemeinsamen Abend mit Gebhardt und seine Versuche, die Sympathien ihrer Tochter zu gewinnen, fruchten nur bei ihrer Mutter – die Kleine kann er nicht überzeugen.

Der Titel „…denn das Weib ist schwach“ erweist sich am Ende als bittere Ironie, denn der smarte, von Schmid gewohnt körperlich agil gespielte Jolly Gebhardt scheitert letztlich an dem Kind und der von ihm zurückgewiesenen Geliebten. Ein wunderbarer, melancholischer Abgesang inmitten eines vom Krieg verwundeten Berlins auf die behaupteten Ideale der 50er Jahre.









"...denn das Weib ist schwach" Deutschland 1961, Regie: Wolfgang Glück, Drehbuch: Wolfgang Steinhardt, Hans Nicklisch, Bruno Hampel (Roman), Darsteller : Sonja Ziemann, Helmut Schmid, Kai Fischer, Werner Peters, Karl-Otto AlbertyLaufzeit : 84 Minuten 

Mittwoch, 14. August 2013

Die Zürcher Verlobung (1957) Helmut Käutner

Inhalt: Die bisher wenig erfolgreiche Schriftstellerin Juliane Thomas (Lieselotte Pulver) beendet enttäuscht die Beziehung mit ihrem untreuen Freund Jürgen Kolbe (Wolfgang Lukschy) und fährt nach Berlin zu ihrem Onkel Dr.Julius Weyer (Werner Finck), einem Zahnarzt, um die Angelegenheit zu verdauen. Damit sie auf andere Gedanken kommt, dient sie sich als Zahnarzthelferin an, zeigt dabei aber nur wenig Engagement. Das ändert sich, als mit Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid) ein attraktiver Mann im Wartezimmer erscheint, der seinen Freund Paul Frank (Bernhard Wicki) begleitet, den die Zahnschmerzen zum Arzt trieben. Obwohl schon mit Alkohol beruhigt, erweist sich Frank wenig souverän im Patientenstuhl, während dessen Freund Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, weshalb sich Juliane Hals über Kopf in ihn verliebt.

Wieder zu Hause in Hamburg, nimmt sie dieses Erlebnis zum Anlass, ein Drehbuch zu schreiben. Den ungehobelten Paul Frank nennt sie darin „Büffel“ und aus ihrer Begegnung mit Dr. Berner lässt sie eine Liebesgeschichte entstehen - selbstverständlich mit Happy-End. Zu ihrer Überraschung wird ihr Drehbuch angenommen und sie soll bei dem Regisseur vorsprechen, bei dem es sich ausgerechnet um den besagten „Büffel“ handelt…


"Die Zürcher Verlobung" gehört zu den unverwüstlichen Komödien des Fernsehzeitalters, die meist an irgendwelchen Sonntagnachmittagen wiederholt werden, was der Reputation nicht unbedingt dienlich war. Dabei drehte Regisseur Helmut Käutner nach seinem Erfolg mit der Zuckmayer-Verfilmung „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) im Jahr darauf neben „Monpti“ noch eine zweite Komödie, die neben ihrem intelligenten, charmanten und witzigen Drehbuch nach dem Roman von Barbara Noack noch eine weitere, Mitte der 50er Jahre im deutschen Film, seltene Eigenschaft aufwies – sie befand sich auf der Höhe der Zeit, oder genauer, war ihr vielleicht sogar ein wenig voraus. Selten beschäftigte sich ein humorvoll angelegter Film dieser Phase so unmittelbar mit der bundesrepublikanischen Gegenwart und wurde zudem von Käutner, obwohl die Handlung unter Filmprominenz und Besserverdienenden angelegt ist, gleichzeitig selbstironisch und ohne kitschige Peinlichkeiten inszeniert.

Neben Liselotte Pulver, die zwischen den Kurt Hoffmann Filmen „Heute heiratet mein Mann“ (1956) und „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1957) erstmals mit Helmut Käutner zusammen arbeitete, wählte er nicht zufällig Bernhard Wicki für die Rolle des Regisseurs Paul Frank aus, dessen im Film vertretene Meinung viel über Käutners eigene Haltung verrät. Wicki hatte nicht nur in „Die letzte Brücke“ (1954) unter ihm seine erste Hauptrolle gespielt, er ging noch im selben Jahr bei den Dreharbeiten zu „Monpti“ als Assistent bei ihm in die Lehre, bevor er selbst mit „Die Brücke“ (1959) als Regisseur reüssierte – entsprechend viel Persönliches wird in „Zürcher Verlobung“ spürbar, von Käutner noch auf die Spitze getrieben, indem er selbst in einem Cameo-Auftritt als Journalist äußert, er fände es nicht gut, wenn ein Regisseur in seinem eigenen Film mitspielt. Auch Sonja Ziemann tritt als sie selbst auf und spielt darin mit ihrem Image, nicht die talentierteste zu sein.

Dieser hintergründige, selbstironische Humor zeichnet den gesamten Film aus, der nach außen hin eine scheinbar normale Liebesgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht Juliane Thomas (Liselotte Pulver), die in einem großen 50er Jahre - Wohnblock in Hamburg lebt. Zu Beginn sieht man sie enttäuscht Reliquien einer vergangenen Liebes-Affäre verbrennen, um dann - um Abstand zu gewinnen - nach Berlin zu ihrem Onkel, dem Zahnarzt Dr.Julius Weyer (Werner Finck), zu fahren, der sie mit den freundlichen Worten empfängt, wann endlich eine ihrer Beziehungen klappt und sie einen ordentlichen Job findet. Finck wiederholte damit seine Rolle als Zahnarzt in „Heute heiratet mein Mann“, in dem Liselotte Pulver ebenfalls eine selbstbewusste, junge Frau spielte, allerdings noch nicht mit der Konsequenz wie in „Die Zürcher Verlobung“. Die Szene, in der sich Lieselotte Pulver in knappem Negligé über ihren ins Nebenzimmer ausgelagerten Ex (Wolfgang Lukschy) beugt, um die Schallplatte auszumachen, während er versucht, sie zu sich ins Bett zu ziehen, erzählt eine andere Geschichte als im konservativ geprägten Heimatfilm oder moralisch genormten Komödien dieser Zeit – Sex vor der Ehe ist hier genauso selbstverständlich wie unsichere Arbeitsverhältnisse.

Ihre Erlebnisse als Zahnarzthelferin bei ihrem Onkel, hatte die selbstbewusste Juliane in einem Drehbuch umgesetzt, welches sie an diverse Produktionsgesellschaften geschickt hatte. Im Mittelpunkt ihrer Story stehen zwei Männer – Einer, den sie "Büffel" nennt, da er einen besonders unfreundlichen und gleichzeitig feigen Eindruck hinterließ, als er auf denkbar unvorteilhafteste Weise auf dem Zahnarztstuhl randalierte, und im Gegensatz dazu, dessen Freund und Begleiter Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid), einem attraktiven Schweizer Arzt, in den sich die junge Frau sofort verliebt, weshalb sie aus dieser Begegnung eine romantische Liebesgeschichte entwickelte. Ihre Freude, als ihr Drehbuch angenommen wird, ist zuerst sehr groß, trübt sich aber, als sie sich bei dem Regisseur des geplanten Films vorstellt, bei dem es sich um Niemand Anderen als den von ihr beschriebenen "Büffel" handelt. Paul Frank (Bernhard Wicki), der sich gut getroffen findet, gefällt das Drehbuch gerade deshalb, hält aber die Liebesgeschichte für unrealistisch und kitschig – besonders das typische Happy-End lehnt er ab.

Von ihm darauf angesprochen, ob sie selbst in seinen Freund verliebt wäre, widerspricht Juliane diesem Verdacht und erfindet in ihrer Erklärungsnot einen anderen Mann, mit dem sie sich demnächst in Zürich verloben würde. Die Titel gebende „Zürcher Verlobung" ist entsprechend eine Fälschung, die der Film zum Anlass für eine Vielzahl an Diskussionen nimmt, die bis heute aktuell geblieben sind. Allein die Frage, ob sich die Story nach dem Willen des Publikums richten soll oder künstlerische Gesichtspunkte wichtiger sind, wird wiederholt aufgeworfen. Beide Haltungen gelten nicht als vereinbar und geben die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Film wider – während der Produzent von Julianes Liebesgeschichte sehr angetan ist und schon die Begeisterung des Publikums vor Augen hat, lässt Regisseur Paul Frank ständig das Drehbuch ändern, um die Story authentischer und realistischer werden zu lassen.

Trotz dieser Thematik blieb Käutner in „Die Zürcher Verlobung" schwerelos und siedelte die Handlung, deren Liebesgeschichte sich unerwartet und untypisch entwickelt, vor den verschneiten Berge um St.Moritz an. Und bewies damit, dass auch deutsche Komödien der 50er Jahre geistreich, witzig und modern wirken konnten.

"Die Zürcher Verlobung" Deutschland 1944, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Heinz Pauck, Barbara Noack (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Bernhard Wicki, Paul Hubschmid, Rudolf Platte, Wolfgang Lukschy, Werner Finck, Maria Sebaldt, Sonja Ziemann, Laufzeit : 103 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner:

Samstag, 6. April 2013

Am Brunnen vor dem Tore (1952) Hans Wolff


Inhalt: Die drei Landstreicher Hans (Hans Richter), Nachtigall (Kurt Reimann) und Tünnes (Ludwig Schmitz) sind immer noch auf der Walz und kommen an eine kleine Tankstelle in der Nähe von Dinkelbühl, wo sich Kurt Kramer (Paul Klinger), erst seit kurzem Besitzer der Tankstelle, seine Mahlzeit mit ihnen teilt. Während sie weiter in die Stadt ziehen, um mit ihrem Gesang etwas Geld zu verdienen, taucht plötzlich Erich Bachner (Fritz Kösling) in Kramers Haus auf. Er ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und auf der Flucht vor der Polizei, was Kramer aber nicht weiß. Deshalb gibt er ihm Briefpapier und bringt auch dessen Brief zu seiner Schwester Inge Bachner (Sonja Ziemann) nach Dinkelbühl, wo sie den Gasthof „Am Brunnen vor dem Tore“ führt, der von der Polizei überwacht wird. 

Inge bittet Kramer, sie mitzunehmen, um ihren Bruder zu treffen. Doch dieser ist inzwischen verschwunden, weshalb sie ergebnislos zu ihrem Gasthof zurückläuft. Dort trifft sie auf ihre alte Freundin Lilo (Marina Ried), die frisch geschieden wieder aus den USA zurückgekommen ist. Auch Inge hat schon länger nichts mehr von ihrem Verlobten Robert (Fritz Wagner) gehört, seitdem dieser vor einigen Monaten nach England zurück ging…


Weder handelt es sich um ein Hollywood-Privileg, noch wurde diese Marketingmethode erst in den letzten Jahren erfunden - das muntere Plagiieren erfolgreicher Filme, um einen Trend wirtschaftlich zu nutzen. Bobby E. Tüthke, der schon das Drehbuch zu „Grün ist die Heide“ (1951) geschrieben hatte, der einer der erfolgreichsten Filme der deutschen Nachkriegszeit wurde, versuchte bei der Drehbuchfassung zu "Am Brunnen vor dem Tore" allzu offensichtliche Parallelen zu vermeiden, konnte aber nicht verhindern, nur einen schwachen Abklatsch der Erfolgsformel abzuliefern, auch wenn es dem damaligen Publikum, dass nach solchen Geschichten gierte, egal gewesen sein wird.

Die Ähnlichkeit lag weniger am weiblichen Star Sonja Ziemann, die hier wie in vielen Filmen dieser Zeit im Mittelpunkt stand, sondern an der gesamten Konzeption. Schon der Filmtitel deutet darauf hin, der wieder einen bekannten Klassiker zitiert. Doch während Löns’ Ode an die Lüneburger Heide dem Film seinen Charakter gab, hatte "Am Brunnen vor dem Tore" mit dem Geschehen dieses Films nichts zu tun. Zwar wird Schuberts Kunstlied aus der "Winterreise" im Rahmen vieler weiterer Volkslieder besungen, aber darüber hinaus hat das Lied für die Story keine Bedeutung, ganz abgesehen von Schuberts Intentionen. Man könnte diese oberflächliche Nutzung eines populären Liedes schnell wieder vergessen, wenn dieser Umgang nicht signifikant für den gesamten Film wäre. Aus heutiger Sicht neigt man dazu, Heimatfilme dieser Ära in einen Topf zu schmeißen, aber der Qualitätsunterschied zwischen "Am Brunnen vor dem Tore" und dessen Vorbild "Grün ist die Heide" ist groß, auch wenn es in beiden Filmen um die üblichen Heimatfilm-Inhalte geht – Liebe, ein wenig Dramatik, Weib, Wein und Gesang vor schöner, intakter Kulisse.

Wie in "Grün ist die Heide" bekommt ein Familienmitglied von Sonja Ziemann (hier als Inge Bachner) Ärger mit der Polizei. Diesmal ist es nicht der wildernde Vater, sondern der Bruder, der versehentlich einer Verbrecherbande beim Raub eines wertvollen Bildes geholfen hatte. Sowohl dessen Verurteilung, die ein schlechtes Bild auf die deutsche Justiz wirft, da sie ohne stichhaltige Beweise gehandelt haben muss, als auch sein Ausbruch, um seine Unschuld zu beweisen, wirken unglaubwürdig und konstruiert. Künstlich wird hier mit dürftiger Logik versucht, ein Drama um einen Unschuldigen zu kreieren. In „Grün ist die Heide“ war der Vater tatsächlich ein Wilderer, ging es nicht um die Frage seiner Schuld, sondern um seine Intention zu jagen, die im Zusammenhang mit der Aussiedlerthematik stand. In „Am Brunnen vor dem Tore“ fehlen solche authentischen Emotionen.

Deshalb muss allein Inge Bachner (Sonja Ziemann) als Anlass für die weiteren Ereignisse herhalten. Aus heutiger Sicht ist es schwer nachvollziehbar, aber damals nahm das Publikum den Autoren ab, dass nicht nur sämtliche männliche Protagonisten in die Dame verliebt sind, sondern manche auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückschrecken, um sie zu erobern. So positiv es aus heutiger Sicht scheinen mag, das die Aussiedlerproblematik hier keine Rolle mehr spielte und auch kein Bauernopfer als kriminelles Subjekt mehr hinzugezogen wurde, so deutlich wird gleichzeitig daran, dass "Grün ist die Heide" sehr viel näher an die damaligen Empfindungen herankam, während hier eine oberflächliche, aufgesetzt wirkende Geschichte abgespult wird. Das gilt auch für das äußere Ambiente, auch wenn Dinkelbühl mit seinem mittelalterlichen Stadtkern hier eine prächtige Kulisse abgibt, die aber innerhalb der Story austauschbar bleibt. Wie im Heimatfilm üblich, wollte man dem deutschen Publikum einen starken Kontrast zur Realität bieten, ohne kleinste Anzeichen von Kriegszerstörungen, aber es blieb bei dieser oberflächlichen Intention. Während der Hintergrund der Heidelandschaft in Verbindung mit den Löns-Liedern dem Film "Grün ist die Heide" erst die dichte Atmosphäre ermöglichte, kann "Am Brunnen vor dem Tore" nie ein komplexes Gefühl vermitteln.

Gut erkennbar am einzig unverändert übernommenen Detail, den drei Landstreichern Hans (Hans Richter), Nachtigall (Kurt Reimann) und Tünnes (Ludwig Schmitz), die sich diesmal 300 Kilometer weiter südlich befinden. Auch in "Am Brunnen vor dem Tore" liefern die Drei die besten Kabinettstückchen ab, aber ihr Witz wird innerhalb der konstruierten Story zunehmend klamaukhafter und hat seine ursprüngliche Funktion verloren - der leicht ironische Blick auf die Realitäten. Die Story um Tünnes, der fast zur Hochzeit gezwungen wird, ist billiger, frauenfeindlicher Humor, und auch wenn die Drei zum Schluss wieder weiter ziehen, hat man den Eindruck echter Freiheit, der sie - wenn auch romantisierend - in "Grün ist die Heide" noch umgab, endgültig verloren.

Auch "Am Brunnen vor dem Tore" war ein veritabler Publikumserfolg und erfüllte damit seinen Auftrag, aber die Qualitätsunterschiede im deutschen "Heimatfilm" waren erheblich. Zwar hadert der Film nur ein wenig mit der englischen Besatzungsmacht, und polarisiert damit aus heutiger Sicht weniger als "Grün ist die Heide", der ganz offen Partei für die Vertriebenen ergriff, aber das lässt nicht übersehen, dass der Film in seiner inneren Schlüssigkeit, in den Charakterisierungen und besonders in seiner gestalterischen Linie im Vergleich zum Vorgänger misslungen ist.

"Am Brunnen vor dem Tore" Deutschland 1952, Regie: Hans Wolff, Drehbuch: Bobby E. Lüthge, Rold DortenwaldDarsteller : Sonja Ziemann, Paul Klinger, Hans Stüwe, Fritz Kösling, Hans Richter, Willy FritschLaufzeit : 88 Minuten


Mittwoch, 27. März 2013

Strafbataillon 999 (1960) Harald Philipp


Inhalt: Während des 2.Weltkriegs genügten kleine Verfehlungen, um wegen Hochverrats oder Feigheit vor dem Feind angeklagt zu werden, in der Regel gefolgt von einem schnell vollzogenen Todesurteil. Doch als der Russland-Feldzug ins Stocken kam, benötigte die Wehrmacht jeden gesunden Mann, weshalb das Strafbataillon 999 ins Leben gerufen wurde, wo wegen geringer Verbrechen vorbestrafte Männer, Kommunisten oder Deserteure versammelt wurden, die zu sogenannten "Himmelsfahrtkommandos" ins Feld geschickt wurden.

Auch Ernst Deutschmann (Georg Thomas), ein Bakteriologe, wurde zum Dienst in dem Strafbataillon verurteilt, weil man ihm Selbstverstümmelung vorwarf, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Tatsächlich unternahm er einen Selbstversuch, um ein Serum zu entwickeln, aber er stand der SS im Wege, weshalb Dr.Kukil (Ernst Schröder), ein ehrgeiziges Parteimitglied, ein entsprechendes Gutachten verfasste. Im Lager trifft er auf weitere, ähnlich bestrafte Soldaten wie den ehemaligen Offizier Von Bartlitz (Werner Hessenland), der gegen den Befehl seiner Vorgesetzten gehandelt hatte, als er mit einem Rückzug das Leben seiner Soldaten rettete. Sie und die anderen verurteilten Kameraden geraten in die Fänge des Hauptfeldwebels Krüll (Werner Peters), der als Schleifer gefürchtet ist...


Als "Strafbataillon 999" 1960 in die deutschen Kinos kam, war das Urteil über den Film schon gesprochen. Die Geschichte basierte auf einem Roman des zwar sehr erfolgreichen, aber vom Feuilleton missachteten Vielschreibers Heinz G.Konsalik, dessen Werke zur Trivialliteratur gezählt werden - eine Einschätzung, die den Autor selbst nicht störte, da er sich seiner großen Leserschaft sicher sein konnte. Auf Grund dieses Erfolges war ein Jahr zuvor mit "Der Arzt von Stalingrad" erstmals einer seiner Romane verfilmt worden, aber diesmal schrieb Konsalik auch am Drehbuch, gemeinsam mit Wolfgang Menge, der bei der Fernsehserie "Stahlnetz" (ab 1958) schon ein gutes Händchen für kontroverse Stoffe bewiesen hatte.

Trotzdem wurde der Film nicht als seriöse Auseinandersetzung mit der Thematik begriffen, obwohl das "Strafbataillon 999" einen hohen Bekanntheitsgrad während des Krieges besaß und bis dahin noch keine historische Aufarbeitung erfahren hatte. Tatsächlich hatte es Konsalik mit der Realität nicht immer genau genommen, wie eine historische Studie Jahrzehnte später feststellen sollte. Er hatte die Situation übertrieben, indem er behauptete, die Männer wären ständig schikaniert und teilweise unbewaffnet an die Front geschickt worden, obwohl die Einheiten auch seriös befehligt wurden, und er hatte den Widerstands-Geist des Strafbataillons nicht erwähnt. Hitler musste die Division (die damals schon trotz ihrer Größe "Bataillon" genannt wurde) mehrfach verlegen oder zurückziehen lassen, da sie - von den politischen Häftlingen unterwandert - Angriffsstrategien verriet oder in großer Zahl zum Gegner überlief.

Zudem hatte Konsalik zur Identifikation einige edle Charaktere entworfen, die nicht nur aus fadenscheinigen Gründen verurteilt worden waren, sondern trotz dieser ungerechten Behandlung jederzeit mutig und fair - auch gegenüber ihrem Heimatland - blieben. Ähnlich wie in der "08/15" - Trilogie von 1954/55 machen zwar feige und sadistische Vorgesetzte den Soldaten das Leben schwer, aber Nazis gab es in der Wehrmacht offensichtlich keine. Einzig zu Beginn, als der Arzt Ernst Deutschmann (Georg Thomas) zu Unrecht wegen Selbstverstümmelung in Berlin verurteilt wird - er hatte im Selbstversuch ein von ihm entwickeltes Serum getestet - werden die Insignien der Machthaber sichtbar, während unter den Soldaten weder Hitlergruß, noch sonst irgendwelche Elogen an den "Führer" zu existieren scheinen.

Auch Sonja Ziemann, der einzige Star des Films, hatte - von kleinen Zugeständnissen an ein weibliches Publikum einmal abgesehen - vor allem die Funktion, den Unterschied zwischen den Schreibtischtätern in Berlin und den tapferen Kämpfern an der Front noch zu betonen. Julia Deutschmann (Sonja Ziemann) versucht die Verurteilung ihres Mannes wieder aufheben zu lassen und muss sich dabei mit dem windigen Arzt und Parteimitglied Dr. Kukill (Ernst Schröder), dessen Gutachten ausschlaggebend für das Urteil war, und dem zuständigen Standartenführer der SS auseinandersetzen. Doch während ihr Mann in Russland in Lebensgefahr gerät und Bomben über Berlin fallen, haben die Herren nur Augen für die schöne Julia, die sie mit eindeutigen Absichten bedrängen.

Der Vorwurf einer historisch ungenauen Darstellung und die Verharmlosung der Rolle der Wehrmacht ist gerechtfertigt, aber darüber hinaus macht "Strafbataillon 999" wenig falsch. So plakativ und mit einfachen Mitteln zuspitzend Konsalik vorgeht, so beeindruckend konkret ist der Film. Schon die ersten Szenen, die beispielhaft die Rigorosität zeigen, mit der die Männer zum Tode oder zum "Strafbataillon 999" verurteilt werden - letztlich gleichbedeutend mit einem Todesurteil - sind von schockierender Wirkung und beleuchten kritisch die unmenschliche Vorgehensweise der Gesetzesvertreter. Auch die Offiziere im Strafbataillon halten sich nicht zurück in ihrer Verachtung für die "Verbrecher", die in ihrer Einheit Dienst schieben müssen, und haben keine Probleme damit, sie in Todeskommandos zu verheizen - Nachschub steht ja genügend zur Verfügung.

Zwar gibt es mit Oberleutnant Obermaier (Heinz Weiss) eine menschlich anständige Ausnahme, aber dem gegenüber steht mit Hauptfeldwebel Krüll (Werner Peters) ein kleingeistiger Feigling, der als sadistischer Schleifer die Soldaten schikaniert. Entscheidend für die Wirkung des Films und seine für die Entstehungzeit Ende der 50er Jahre erstaunlich kritische Haltung, ist nicht diese vertraute Konstellation, sondern das der Film keine Konzessionen an die damaligen (und heutigen) Publikumserwartungen macht. Die langen Kriegshandlungen zum Ende des Films verdeutlichen nur die ausweglose Situation, in die die Soldaten geschickt wurden, und vermitteln keine heroischen Gefühle. Im Gegenteil verhöhnt das konsequente Ende jeden anständigen Gestus und lässt keinen Zweifel an einem Menschen verachtenden System.

"Strafbataillon 999" Deutschland 1960, Regie: Harald Phillip, Drehbuch: Wolfgang Menge, Harald Philip, Heinz G.Konsalik (Roman), Darsteller : Sonja Ziemann, Werner Peters, Georg Thomas, Ernst Schröder, Heinz Weiss, Laufzeit : 104 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Philipp:


Montag, 18. März 2013

Grün ist die Heide (1951) Hans Deppe

Inhalt: Der Oberförster (Josef Sieber) ist verzweifelt, da ein Wilderer in seinem Revier sein Unwesen treibt und er ihm nicht auf die Schliche kommt. Der junge Förster Walter Reiner (Rudolf Prack), der erst vor wenigen Wochen seine Stelle antrat, ist da wesentlich erfolgreicher und hätte den Wilderer beinahe auf frischer Tat ertappt.

Doch die Spur, die er verfolgte, führte ihn ausgerechnet zum nahe gelegenen Landschloss, in der die angesehene Familie Lüdersen zu Hause ist. Hier wohnt auch Helga (Sonja Ziemann), die hübsche Tochter von Lüder Lüdersen (Hans Stüwe), der bei seinem Bruder Gottfried untergekommen ist. Reiner hat ihren Vater in Verdacht, aber er bekommt zusehends Gewissensbisse, da er sich in dessen Tochter verliebt hat...


Erst seit 1968 werden die Besucherzahlen in den deutschen Kinos gezählt, da zuvor keine genauen Erhebungen gemacht wurden. Trotzdem steht es unzweifelhaft fest, dass die Zuschauerzahlen, die gerade deutsche Filme in den 50er Jahren erzielten, von zeitgenössischen Filmen kaum noch erreicht werden können. 1951, als "Grün ist die Heide" von etwa 16 Millionen Menschen gesehen wurde, gab es nur wenige alternative Unterhaltungsmöglichkeiten, aber das allein erklärt nicht den großen Erfolg dieses Films.

Die Gattung des 50er Jahre "Heimatfilms", die mit "Grün ist die Heide" ihre frühe Blüte erlebte (siehe "Die erste Boom-Phase - der Heimatfilm der Jahre 1951 bis 1954"), gilt heute als konservativ veraltet und filmisch uninteressant - quasi ein Relikt aus einer Zeit, mit dem man sich höchstens noch aus historischen Gründen beschäftigt. Eine unberechtigte Sichtweise, spiegelt die Gattung nicht nur das Lebensgefühl ihrer Zeit wider, sondern gibt es innerhalb des Genres große Qualitätsunterschiede. Besonders an "Grün ist die Heide" wird das erkennbar - ein Film, der viele Nachfolger erzeugte, die nicht annähernd dessen Dichte und Atmosphäre erreichten.


Unabhängig davon, wie man zu der Wilderer-Thematik steht, muss man Drehbuchautor Bobby E. Lüthge gute Arbeit bescheinigen. Er kombinierte aktuelle gesellschaftliche Probleme der Nachkriegszeit mit einer Liebesgeschichte und reicherte dieses Konglomerat mit heimatlicher Musik und Landschaftsbildern an, die in starkem Kontrast zur damaligen Realität in Deutschland standen. Dabei griff er auf Motive seines eigenen Drehbuchs zum 1932 entstandenen Original "Grün ist die Heide" zurück. Zwar fußte dieses ebenfalls auf den von dem Großstädter Hermann Löns geschriebenen Texten über die Lüneburger Heide, besaß aber nicht dessen Realitätsbezug - ein entscheidender Unterschied, der mit zum Erfolg des 1951er Remakes beitrug. 

Über der gesamten Handlung steht immer die Vertriebenen-Thematik und der damit verbundene Verlust der Heimat, der nicht nur die Bewohner der ehemaligen Ostgebiete betraf, sondern viele Menschen, die im Krieg ihre Wohnung oder Haus verloren hatten. Das gilt auch für Lüder Lüdersen (Hans Stüwe) und seine Tochter Helga (Sonja Ziemann), die nach der Vertreibung bei seinem Cousin und Gutsbesitzer Gottfried Lüdersen (Otto Gebühr) untergekommen sind. Der Film macht kein Geheimnis daraus, dass es sich bei Lüder Lüdersen um den Wilderer handelt, der schon lange vom Oberförster ergebnislos verfolgt wird. Doch sein zukünftiger Nachfolger Walter Rainer (Rudolf Prack), der gerade erst die Stelle angetreten hat, erwischt den Wilderer beinahe auf frischer Tat. Als er bei der Verfolgung an den Gutshof gelangt, wird er brüsk zurückgewiesen, angesichts der Unterstellung, es könnte sich bei dem Wilderer Jemand aus dem ehrwürdigen Hause handeln. Zudem begegnet der junge Förster noch Tochter Helga, für die er sich schnell begeistert, weshalb er unverrichteter Dinge wieder davon geht.

Von der Tochter zur Rede gestellt, gesteht ihr Vater, nur beim Jagen glücklich sein zu können, da er dann wieder das Gefühl der Heimatverbundenheit in Erinnerung an die eigenen Wälder empfinden kann. Auch wenn Helga ihm das Gewehr abnimmt und er versprechen muss, es nie wieder zu tun, steht außer Zweifel, dass Niemand im Publikum ihn deshalb verurteilt haben wird, obwohl es sich bei den Lüdersens um Mitglieder einer privilegierten Klasse handelte, die nur wenig mit den Problemen gemein hatte, die der Durchschnittsbürger damals bewältigen musste.

Die Stimme des Volkes spricht dagegen durch die drei Landstreicher Hannes (Hans Richter), Nachtigall (Kurt Reimann) und Tünnes (Ludwig Schmitz), die im Film die heimliche Hauptrolle einnehmen und nicht ohne Grund in gleicher oder ähnlicher Formation in anderen Filmen erneut antraten. Dank ihrer respektlosen Art, die das Geschehen teilweise auch ironisch kommentiert, verzeiht man die Romantisierung des Landstreichertums. In Anspielungen weisen die Drei mehrfach auf gesellschaftliche Probleme hin (zum Beispiel die schwierige Arbeitssituation), um sofort wieder einen Witz darüber zu machen. Die Akzeptanz, die sie bei der bürgerlichen Gesellschaft genießen, ist unrealistisch, aber da sie für die besten musikalischen Einlagen zuständig sind (bei dem Sänger Kurt Fröhlich handelte es sich um einen bekannten Opern-Tenor) entsteht für das Publikum ein Gleichgewicht zwischen der ärmlichen Grundsituation und der gleichzeitigen Meinungshoheit. Als die Drei Lüdersen helfen, dessen Gewehr in Sicherheit bringen und selbstverständlich kein Wort darüber verraten, ist das positive Urteil über den vertriebenen Landadeligen schon gesprochen.

Dagegen entwickelt sich die eigentliche Story über die langsam entstehenden Gefühle zwischen Helga und dem Förster linear und überraschungsarm und ist als reines Starvehikel für die damals seit Hans Deppes erstem Heimatfilm-Erfolg nach dem Krieg "Schwarzwaldmädel" (1950) sehr populären Sonja Ziemann und Rudolf Prack zu verstehen. Letztlich erweist sich diese Einfachheit als vorteilhaft für den Film, der vor allem von den vielen kleinen musikalischen und humorigen Einlagen und der optisch sehr schön in Szene gesetzten Lüneburger Heide lebt. Das ein Zirkusmitarbeiter, der dazu keinen gültigen deutschen Pass besitzt, am Ende als Bösewicht herhalten muss, verdeutlicht nur die allgemein verbreitete sehr konservative Stimmung, die auch in der unverhohlenen Haltung verborgen ist, die vom Wiedererhalt der ehemals deutschen Ostgebiete ausgeht. Das gemeinsame Singen des "Riesengebirge"-Liedes war sicherlich ein Höhepunkt des Films.

Aus heutiger Sicht verfügt der Film über viele veraltete, teils reaktionäre Elemente, deren Bedeutung inzwischen entweder überholt oder deren Attraktivität kaum noch vorhanden ist. Nur schwer vorwerfen kann man dem Film, dass er mit seiner Idealisierung des Landlebens, den Betrachter von seinem tristen Alltag ablenken wollte, denn letztlich haben populäre Filme auch heute keine andere Aufgabe. Unter diesem Gesichtspunkt ist "Grün ist die Heide" sehr gelungen, denn selten gelang eine ausgewogenere Mischung aus Starverehrung, dramatischer Geschichte, ironischem Witz und musikalischen Einlagen im deutschen Heimatfilm.

"Grün ist die Heide" Deutschland 1951, Regie: Hans Deppe, Drehbuch: Bobby E. Lüthge, Hermann LönsDarsteller : Sonja Ziemann, Rudolf Prack, Maria Holst, Willy Fritsch, Oskar Sima, Otto Gebühr, Hans Richter, Laufzeit : 87 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Hans Deppe:

"Schloss Hubertus" (1934)


Thematisch weiterführender Link:

"Vom Bergdrama zur Sexklamotte - der Heimatfilm im Zeitkontext" (Grundlagen des Heimatfilm Genres)