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Montag, 30. Januar 2017

Heubodengeflüster (1967) Rolf Olsen


Maderer (Peter Carsten), Blasius (Gunter Phillip) und Genoveva (Elfie Pertramer)
Inhalt: Eine von ihm angezettelte Schlägerei bei einem Volksfest hat für den Landwirt und Lokalpolitiker Florian Maderer (Peter Carsten) erhebliche Folgen. Er wird zu einer Haftstrafe verurteilt, die er in Kürze in der Kreisstadt antreten muss. Damit wären seine Chancen, bei der nächsten Wahl den amtierenden Bürgermeister Limbusch (Rolf Olsen) abzulösen, auf ein Minimum gefallen. Gemeinsam mit seiner Frau Genoveva (Elfie Pertramer) kommt Maderer die Idee, dass sein einfältiger Vetter Blasius Schantl (Gunter Phillip) für ihn ins Gefängnis gehen könnte, da ihn in der Kreisstadt Niemand kennt. Doch es bedarf viel Überzeugungsarbeit und noch mehr Geld, um den Vetter, der nur ungern seine Legehennen allein lässt, dazu zu überreden. 

Auch Dr. Dorn (Ralf Wolter) und Gruber (Willy Millowitsch) äußern ihre Erwartungen
Empfangen wird Blasius bei Haftantritt von dem Oberaufseher Gruber (Willy Millowitsch), der ihn hart rannehmen will, schnell aber umschwenkt, als der Abgeordnete Dr. Dorn (Ralf Wolter) erscheint, um zum Geburtstag des Bundespräsidenten einen Insassen zu amnestieren. Seine Wahl war auf Maderer gefallen, von dessen lokalpolitischem Einfluss er sich Vorteile verspricht. Zudem gedenkt er, demnächst einen Kurzurlaub auf Maderers Hof zu verbringen - ein Wunsch, dem sich der beflissene Oberaufseher schnell anschließt. Blasius, der falsche Maderer, willigt in alles ein und kehrt zur Überraschung des Echten schon nach wenigen Tagen zurück. Noch mehr staunt dieser aber, als kurz darauf auch Dr.Dorn mit der blonden Dodo (Ann Smyrner) auftaucht, denn jetzt fangen seine Schwierigkeiten erst an… 


Rückblick auf den 16.Hofbauer Kongress vom 06.01. bis 08.01.2017

"Heubodengeflüster" lief am ersten Tag des 16. Hofbauer-Kongresses als "Stählerner Überraschungsfilm". Angesichts von Kritiken wie „Ein öder Klamaukfilm mit plattesten Gags aus der Klamottenkiste; insgesamt eine Attacke gegen den gesunden Menschenverstand.“ (Lexikon des internationalen Films) offensichtlich eine gute Wahl, reduziert man das "stählern" auf die Beschaffenheit der Nerven, die der Betrachter beim Anblick des Films mitbringen muss.

Das einseitig vernichtende Urteil über das "...besonders beklagenswerte deutsche Lustspiel" (Evangelischer Filmbeobachter) ließ zwei Aspekte aus: der Zeitpunkt des Erscheinens in der Hochphase des soziokulturellen Wandels und das sich Olsen und seine Mitstreiter schlicht nicht ernst nahmen. "Heubodengeflüster" ist gleichzeitig Heimatfilm, Polit-Satire, Erotik-Komödie und platter Klamauk. Und liefert ein maßloses Vergnügen.






Idyllischer Beginn im Heimatfilm-Gewand
Ausseerland im Salzkammergut. Vor sonnenbeschienenen Alpen-Gipfeln und der dunklen Oberfläche des Altaussees findet ein zünftiges Volksfest statt. Paare drehen sich im Kreis zur Musik der Blaskapelle, während die Bedienung kaum mit dem Servieren der gefüllten Bierkrüge hinterher kommt. Zwei Mannsbilder geraten in Streit und wenige Augenblicke später ist die schönste Schlägerei im Gang, bis ein Großteil der Hitzköpfe Abkühlung im See findet. Rolf Olsens Film "Heubodengeflüster" ist nicht einfach ein Heimatfilm, sondern ein Heimatfilm in Potenz. Besetzt mit Peter Carsten ("Das fröhliche Dorf" (1955)), Elfie Permoser ("Der Herrgottschnitzer von Ammergau" (1952)), dem seit den frühen 50er Jahren im Kino omnipräsenten Gunter Philipp ("Ja, ja, die Liebe in Tirol" (1955)) und dem Autor und Volksschauspieler in Personalunion Paul Löwinger ("Der keusche Adam" (1950)) in den Hauptrollen, die zum Urgestein des Genres gehörten. Mehr Heimatfilm ging nicht.

Vinzenz (Paul Löwinger) glaubt vergeblich an seine Chancen bei Resi (Christiane Rücker)
Nur das "Heubodengeflüster" nicht in den 50er Jahren herauskam, als das Genre seine Boom-Phase erlebte (siehe "Im Zenit des Wirtschaftswunders - der Heimatfilm der Jahre 1955 bis 1957"), sondern 1967, als der Heimatfilm schon lange aus der Mode gekommen war. Die Erotikwelle rollte in großen Schritten heran (siehe "Bis die Schulmädchen kamen") und einer ihrer auffälligsten Wegbereiter war Rolf Olsen. Vor „Heubodengeflüster“ hatte er sich im Frankfurter Großstadt-Dschungel herumgetrieben („In Frankfurt sind die Nächte heiß“, 1966) und mit „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ (1967) seine St. Pauli-Phase eingeleitet, die er noch bis Anfang der 70er Jahre pflegen sollte („Käpt’n Rauhbein aus St. Pauli“ (1971)).Auch „Das Rasthaus der grausamen Puppen“ (1967) bediente mit einer Mischung aus „Sex“ und „Crime“ einen Publikumsgeschmack, der die rasanten soziokulturellen Veränderungen in den 60er Jahren widerspiegelte. Was sollte da noch der Heimatfilm?

Rolf Olsen als schmieriger Bürgermeister mit Machtanspruch
Ganz aus den Augen verloren hatte Rolf Olsen das „Genre“ nie. Gemeinsam mit Franz Antel hatte er das Drehbuch zu „Im singenden Rössl am Königssee“ (1963) geschrieben, eine Mischung aus Schlager- und Heimatfilm, die er auch als Regisseur und Autor in Personalunion mit „Hochzeit am Neusiedler See“ (1963) bediente. Der seit den frühen 50er Jahren in vielen kleinen Nebenrollen aktive Olsen trat auch in Franz Antels „Ruf der Wälder“ (1965) und „Happy End am Wolfgang-See“ (1966) auf, dessen späterer Vertriebs-Titel „00 sex am Wolfgang-See“ die eigentliche Richtung vorgab, die der Heimatfilm eingeschlagen hatte (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969 "). Dass auch in „Heubodengeflüster“ nicht mehr das hohe Lied auf die moralisch integre Landbevölkerung gesungen wurde, lassen schon die Credits zu Beginn erkennen, die die weiblichen Darsteller vor Kühen, die männlichen Mitwirkenden vor Hausschweinen oder einem Gockel auflisten. Rolf Olsen selbst sieht sich als kleines Ferkel.

Der Abgeordnete kommt mit Dodo (Ann Smyrner) und Blasius spielt den Hausherrn
Die Story, die größtenteils auf dem Hof des Landwirts und Lokalpolitikers Florian Maderer (Peter Carsten) spielt, watet in den Tiefen lokalpolitischer Interessen. Vetternwirtschaft, Erpressung und Vorteilsnahme sind an der Tagesordnung. Weil Maderer auf Grund der anfangs gezeigten Schlägerei ein paar Wochen Knast drohen, sieht er seine Chancen bei den kommenden Bürgermeister-Wahlen schwinden und schickt stattdessen seinen verschrobenen Vetter Blasius Schantl (Gunter Phillip) gegen entsprechende Bezahlung zum Haftantritt in die entfernt gelegene Kreisstadt. Doch dieser kehrt überraschend schon nach wenigen Tagen wieder zurück, weil er in den Genuss einer Amnestie kam. Diese wurde von dem Abgeordneten Dr. Dorn (Ralf Wolter) ausgesprochen, der sich von dem Kommunalpolitiker Maderer mehr Einfluss verspricht und auf ein Liebes-Wochenende in den Alpen spekuliert. Natürlich mit der blonden Dodo (Ann Smyrner) an seiner Seite statt Ehefrau Trude (Trude Herr), die ihm im Gegenzug den Privatdetektiv Hugo Zehe (Herbert Hisel) auf die Spur setzt.

Paar 1: Hannerl (Renate von Holt) und Andreas (Bernd Ander)
Zur Polit-Satire hat es bei „Heubodengeflüster“ nicht gereicht, obwohl die hier gezeigte Respektlosigkeit, die auch vor Anspielungen an die Nazi-Zeit nicht zurückschreckte, Mitte der 60er Jahre keineswegs selbstverständlich war. Zu sehr vereinte Olsen hier ein Figuren-Ensemble, das kein Komödien-Klischee ausließ und geradezu in Klamauk badete. Ausgehend vom stotternden Stallburschen, über den selbstverliebten Knecht Vinzenz (Paul Löwinger) und die doofe Blondine erreichte der Film seinen Höhepunkt mit Hisels Darstellung eines dämlichen Privatdetektivs, dessen schräge Verkleidungen erwartungsgemäß in Frauenkleidern münden. Das Paar Vinzenz / Hugo war entsprechend vorprogrammiert. Inmitten dieses Chaos-Haufens wirkt das gestandene Bauern-Ehepaar Maderer wie ein Ruhepol, obwohl Peter Carsten ständig knapp unterhalb der Wutanfall-Grenze agiert, weil er seinen Vetter als Hausherrn ausgeben muss, als kurz nach dessen Rückkehr der Großstadt-Politiker mit seiner Geliebten auftaucht. Schließlich darf nicht herauskommen, dass er nicht selbst ins Gefängnis gegangen war.

Paar 2: Privatdetektiv Hugo (Herbert Hisel) und Vinzenz
Obwohl mit dem Liebespaar Hannerl (Renate von Holt) und Andreas (Bernd Ander), dessen Glück Vater Maderer entgegen steht, noch ein typisches Heimatfilm-Relikt vorhanden war, wurde „Heubodengeflüster“ zum Anti-Genre-Stück. Alles was in den 50er Jahren noch heilig war, wurde von Olsen deftig durch den Kakao gezogen -  verbunden mit Frivolitäten, die über Franz Antels „Liebe durch die Hintertür“ (1969) und Hans Albins „Pudelnackt in Oberbayern“ (1969) die Linie in Richtung der Lederhosen-Sex-Filme von Franz Marischka in den 70er Jahren vorgab. Mit „Paradies der flotten Sünder“ (1968) legte Olsen selbst noch einen Film im gleichen Gestus nach, der aber nicht an den kompakten Charakter von „Heubodengeflüster“ heranreichte, sondern mehr den Eindruck einer Resteverwertung hinterlässt. In einzelnen thematisch unabhängigen Episoden, von denen nur die vierte und letzte das Heimatfilm-Genre streifte, durften Herbert Hisel, Ralf Wolter und Gunther Philipp noch einmal zeigen, welches Potential in ihnen steckte. 

Als verbindendes Element der einzelnen Stories dient ein Reisebüro, in dem ein nervender Kunde den Inhaber mit seiner permanenten Rechthaberei quält. Paul Löwinger schloss mit dieser Charakterisierung unmittelbar an seine Rolle als Knecht Vinzenz an, aber mehr noch steht Willy Millowitsch, der den armen Reise-Verkäufer gab, für den Wandel im Heimatfilm. Der ewige Kölner Millowitsch spielte in “Heubodengeflüster“ den Gefängniswärter, der sich um den falschen Maderer im Kreis-Gefängnis kümmerte und dem Abgeordneten sehr hilfreich zur Seite stand. Natürlich auch gegen eine Einladung. Als er samt Gattin in der Schlussszene auch noch auf dem Maderer-Hof eintrifft, nehmen die Einheimischen schreiend Reißaus. Vor Städtern flüchten? – Das wäre im klassischen Heimatfilm Niemand eingefallen. 

HeubodengeflüsterDeutschland 1967Regie: Rolf Olsen, Drehbuch: Rolf Olsen, Darsteller : Peter Carsten, Elfie Pertramer, Gunther Philipp, Ralf Wolter, Ann Smyrner, Trude Herr, Paul Löwinger, Herbert Hisel, Christiane Rücker, Renate von Holt, Bernd Ander, Willy MillowitschLaufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen 

"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1964) 
"Das Spukschloss im Salzkammergut" (1966) 
"Der Arzt von St.Pauli" (1968) 
"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1969)

Sonntag, 13. März 2016

Das Spukschloss im Salzkammergut (1966) Rolf Olsen, Hans Billian

Udo (Jürgens) und seine Eva (Gertraud Jesserer) im Beziehungs-Clinch
Inhalt: Nachdem Manfred (Schnelldorfer) Hannelore (Auer) nach drei Jahren in den USA und Zwischenstopp auf Mallorca mit seinem Alfa Spider am Flughafen abgeholt hatte, umkurven sie entspannt den Wolfgangsee und kommen auf alte Zeiten zu sprechen – genauer auf Udo (Jürgens) und dessen amouröses Abenteuer, das im Ehehafen endete.

Der Beginn klingt allerdings wenig vielversprechend, denn anstatt ihn auf seiner Tournee zu begleiten, wollte seine Freundin (Gertraud Jesserer) eine eigene Karriere als Schauspielerin starten. Ob so viel weiblichen Widerspruchsgeists, blieb Udo nur der Bruch und er gesellte sich allein zu seiner international besetzten Show-Truppe, die im selben alten Schloss am Neusiedler See landete wie die notorisch klamme Theatergruppe, der sich seine Freundin angeschlossen hatte. Klar, dass das nicht lange gut gehen konnte… 

Rückblick auf den 15.Hofbauer Kongress vom 07.01. bis 11.01.2016

"Das Spukschloss im Salzkammergut" erfreute am dritten Tag des 15. Hofbauer-Kongresses die Herzen mit seinem Mix aus Musik- und Heimatfilm sowie platter Komödie - ganz den populären Vorbildern "Das Spukschloss im Spessart" (1960) und Billians erster Regie-Arbeit "Übermut im Salzkammergut" (1963) verpflichtet, aus deren Titeln die Produktionsgesellschaft raffiniert einen "neuen" Titel zusammensetzte. Es wurde ihr letzter Akt, war aber insofern konsequent, weil auch der Film nichts Neues bot.

Das Filmplakat verweist auf ihre Absichten. Udo Jürgens sieht darauf deutlich "flotter" aus als in den Filmaufnahmen, die mehr als drei Jahre zuvor entstanden waren. Und als Stars wurden neben ihm Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer groß aufgeführt, die mit der eigentlichen Filmhandlung genauso wenig zu tun hatten, wie das "Spukschloss" im Salzkammergut steht. Sie sollten der Resteverwertung nur einen modernen Anstrich geben.






"Mercie, chérie" sang Udo Jürgens am 5. März 1966 in Luxemburg und gewann den 11. Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne für Österreich - vielleicht der entscheidende Grund, warum "Das Spukschloss im Salzkammergut" am 23. November 1966 noch das Licht der Kinoleinwand erblickte.

"Da steht Udo ganz groß drauf" meint Eva - wohl eine optische Täuschung...
Heimatfilm und Schlagerfilm waren in den frühen 60er Jahren eine Allianz eingegangen, um der darbenden Branche auf die Beine zu helfen, aber inzwischen war nur noch ein leises Röcheln zu vernehmen (siehe den Essay "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969 "). Udo Jürgens, dessen Karrierebeginn eng mit dem Schlagerfilm verbunden war ("Die Beine von Dolores" (1957)), hatte Anfang 1964 in "Unsere tollen Tanten in der Südsee" seinen letzten Filmauftritt, bevor er sich ausschließlich auf den Gesang konzentrierte. Der deutsche Verleihtitel "Siebzehn Jahr, blondes Haar" für die italienisch-deutsche Co-Produktion "La battaglia dei mods", September 1966 herausgekommen, war reiner Etikettenschwindel, erst in "Das Spukschloss im Salzkammergut" tauchte Udo Jürgens tatsächlich noch ein letztes Mal als Schauspieler aus der Versenkung auf.

...denn seine "Internationale Show-Gruppe" reist per Bus durch die Provinz
Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um die Entstehung des Films als Resteverwertung der "Music House" - Production Company am Ende ihrer kurzen Existenz zu erkennen. Udo Jürgens‘ einziger Song im Film "Das kann auch dir gescheh'n" stammte aus dem Jahr 1962, weshalb viel dafür spricht, dass Regisseur Rolf Olsen die von ihm erdachte Story um den Streit einer Schauspieltruppe und einer tingelnden Music-Show direkt nach "Hochzeit am Neusiedler See" abdrehte, der Ende 1963 in die Kinos kam. Die Besetzung um das Protagonisten-Paar Getraud Jesserer und Udo Jürgens sowie bekannte Darsteller wie Ruth Stephan, Mady Rahl, Oskar Sima oder Rudolf Schündler war bis in kleine Nebenrollen identisch, gedreht wurde jeweils vor dem Hintergrund des Neusiedler Sees im Burgenland und Rocco Granata  trat in beiden Filmen auf – auch sein 1966 gesungener „Tango d’amore“ stammte aus dem Jahr 1962. 


Von 1963 bis 1966 – ein Quantensprung

Hannelore Auer ganz 1966
Verräterisch sind auch die Angaben zum Drehbuch in den Credits. Idee und Ausführung stammten von Rolf Olsen, Hans Billian hatte es nur bearbeitet. Dass Olsen an der letztlichen Kino-Fassung von „Das Spukschloss im Salzkammergut“ aktiv beteiligt war, ist unwahrscheinlich. Obwohl fast gleichaltrig gibt es keinen weiteren Berührungspunkt in ihren umfangreichen Oevres. Dem erfahrenen Schlagerfilm-Spezialisten Billian blieb es allein überlassen, eine Modernisierung einzuleiten. Er montierte neben die handlungsintegrierten Musiknummern einige ortsfremde, aber aktuelle Schlager, darunter zwei von Peggy March. Sein größter Regie-Eingriff galt einer zusätzlichen Rahmenhandlung, mit der er den Film im Salzkammergut verortete und in die Gegenwart von 1966 versetzte. Zuerst sollten die Bilder eines Düsen-Jets internationales Flair vermitteln, bevor der Olympionike und Teilzeit-Sänger Manfred Schnelldorfer Hannelore Auer im Alfa-Spider um den Wolfgangsee kutschierte. Deren Lied „Nur mein Herz bleibt in Mallorca“ spielte nicht nur auf die zunehmende Reisefreude der Deutschen an, die frivol und selbstbewusst agierende Auer ließ auch die Protagonisten der Haupthandlung alt aussehen.

Udo und Gertraud ganz 1963
Gegen sie wirkte Udo Jürgens im Anzug mit akkuratem Haarschnitt entsprechend der altbackenen Story wie ein Musterschüler. Da kann Hannelore Auer in der Rahmenhandlung noch so oft „den Udo“ erwähnen, im Film hebt er sich nur durch seinen wenig sympathischen Umgang mit seiner Freundin Eva (Gertraud Jesserer) ab, deren Wunsch, als Schauspielerin berufstätig sein zu wollen, er lächerlich findet – der daraus entstehende Streit zu Beginn der Handlung war noch ganz dem traditionellen Geschlechter-Rollenbild zu verdanken. Dass Udo sich darüber hinaus nicht zu schade war, die geringen Erfolgsaussichten der kräftig dilettierenden Darsteller-Riege um seine Freundin am „Spukschloss“ zu torpedieren, war eine unnötige Dramatisierung dieser Thematik. Den Produzenten muss die dünne Story bewusst gewesen sein, weshalb sie den einzigen Höhepunkt des Films gleich zu Beginn schon vorwegnahmen – die zentral gelegene 2minütige Spukszene im Schloss, in der die Schauspieler die arroganten Musiker aus dem Schlaf schrecken. Vermutlich der einzige Grund neben Udo Jürgens‘ gewachsener Popularität, Olsens unveröffentlichte Filmrolle aus der Mottenkiste zu holen.

Die schauspielernde Konkurrenz
Bleibt nur noch die Frage, warum die so schmählich behandelte Verlobte am Ende ihren Udo doch heiratet? – Die Antwort findet sich im Jahr 1963, als der weibliche Wunsch nach einem eigenen Einkommen noch wenig populär war und Udos Verhalten als legitim galt. Nun ist 1966 nicht als Jahr des emanzipatorischen Durchbruchs in die Geschichte eingegangen, aber die Gesellschaft veränderte sich Mitte der 60er Jahre rasant und Hannelore Auers abschließende Verteidigung der Haltung Udos klang nur noch halbherzig – die Erwartung des Publikums an Typen, die cool und modern wirken wollten, hatte sich verändert. Es kann entsprechend ausgeschlossen werden, dass Udo Jürgens seine einmalige Wiederauferstehung auf der Leinwand begrüßte – auch für Manfred Schnelldorfer blieb es der letzte Auftritt in einem Kinofilm.

Das Händchen macht Schluss
Parallel feierte Rolf Olsen „heiße Nächte“ in Frankfurt, („In Frankfurt sind die Nächte heiß“ (1966)) und Billian beteiligte sich wenig später an der spanisch-deutschen Co-Produktion „Das Haus der tausend Freuden“ (1967), bevor er es „Pudelnackt in Oberbayern“ (1969) trieb. Hannerlore Auer ließ es derweil bei "Suzanne - die Wirtin von der Lahn" (1967) krachen. Auf die „Sex-Karte“ hatte Billian bei seiner Frischzellenkur noch verzichtet, zu brav kam Olsens 63er Vorlage daher. Irgendwie aus der Zeit gefallen, aber in der von Billian zusammengeschusterten Vielfalt ein wunderschöner Abgesang auf Heimat- und Musikfilm.

"Das Spukschloss im Salzkammergut" Deutschland 1966Regie: Rolf Olsen, Hans Billian, Drehbuch: Rolf Olsen, Hans Billian, Darsteller : Udo Jürgens, Gertraud Jesserer, Hannelore Auer, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan, Oskar Sima, Mady Rahl, Ilse Peternell, Laufzeit : 82 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen

"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1964) 
"Heubodengeflüster" (1967) 
"Der Arzt von St.Pauli" (1968)

Montag, 12. Oktober 2015

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (1969) Rolf Olsen

Hannes (Curd Jürgens) kommt nach acht Jahren wieder frei
Inhalt: Der nächtliche Einbruch in eine Apotheke im Stadtteil St.Pauli endet tödlich für den Besitzer, aber von den Tätern, die ihre Beute an einen anonym bleibenden Kontaktmann weiter reichen, fehlt jede Spur. Das organisierte Verbrechen hat längst die Reeperbahn im Griff. Auch für Pit Pitter Pittjes (Heinz Reincke), der ein altmodisches Hippodrom betreibt, sind Schutzgelderpressungen Alltag, aber mehr noch hat er Probleme mit dem Gerichtsvollzieher, der ihm auch noch seine Pferde pfänden will. In Zeiten, in denen nur noch Sex zählt, hat sein Etablissement längst ausgedient.

Hannes und sein bester Freund Pitter (Heinz Reincke)
Währenddessen wird sein alter Freund Hannes (Curd Jürgens) nach acht Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Sein erster Weg führt ihn gezwungenermaßen zum Kommissariat, wo ihn Kriminalrat Norbert Krause (Konrad Georg) empfängt, um ihn davor zu warnen, das Gesetz in eigene Hände zu nehmen. Denn Hannes beteuert nach wie vor seine Unschuld und will beweisen, dass ein Anderer seine damalige Geliebte ermordet hat. Nur so hat er eine Chance, seinen Ruf wiederherzustellen und damit sein Kapitänspatent zurückzuerhalten. Doch nach acht Jahren hat sich die Welt draußen stark verändert…

Nach zwei St.Pauli-Filmen wagte sich Rolf Olsen 1969 an einen Klassiker: "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins"  von 1954 mit den großen Stars Hans Albers und Heinz Rühmann in den Hauptrollen. Damals eine gleichwertige Besetzung gewichtete Olsen seine freie Interpretation wieder in Richtung des erfahrenen Seemanns "Hannes" - eine idealtypische Rolle für seinen favorisierten Hauptdarsteller Curd Jürgens.

Offensichtlich hatten die Macher der DVD zu Olsens Film nur das Original gesehen. Anders ist der Hüllentext "Hannes ist bis vor kurzem zur See gefahren, doch die Wehmut verschlägt ihn zurück nach St.Pauli, wo er sich zur Ruhe setzen will" nicht zu verstehen, der exakt den Inhalt des 54er Films wiedergibt. Auch das Cover-Foto, dass zwei Sekunden vor dem Filmende aufgenommen wurde, zeugt von wenig Kenntnis über Olsens Film. Nichtsdestotrotz eine lohnenswerte Anschaffung.







Hannes trifft eine alte Bekannte (Birke Bruck)
Ein Jahr nach "Der Arzt von St.Pauli" (1968) holte sich Regisseur Rolf Olsen erneut Curd Jürgens ans Set, um mit ihm einen weiteren St.Pauli-Film zu drehen. Diesmal sollte der charismatische Schauspieler in besonders große Fußstapfen treten, denn Olsen plante ein Remake des 1954 erschienenen „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Darin hatte das Hamburger Urgestein Hans Albers die Rolle des „Hannes“ gespielt, seine eigene Rolle als „Singender Seemann“ aus dem Helmut-Käutner-Film „Große Freiheit Nr.7“ (1944) zitierend, der den titelgebenden Schlager berühmt gemacht hatte. Albers zur Seite stand Heinz Rühmann als sein bester Freund Pittes, bei Olsen eine Rolle für Heinz Reincke, der neben Curd Jürgens zur Stammbesetzung der St.Pauli-Filme zählte. Doch während die Rollen der Filmstars Rühmann und Albers in der 54er Version gleichwertig angelegt waren, stand Reincke erwartungsgemäß im Schatten von Curd Jürgens, auf den die gesamte Handlung zugeschnitten wurde.

Hannes und Pitter: singend durch die Nacht auf der Reeperbahn
Diese unterschiedliche Gewichtung lässt schon erkennen, dass Rolf Olsen das Remake sehr frei interpretierte. In den Credits seines Films tauchten die Autoren der 54er Version konsequenterweise nicht auf - verantwortlich für das Drehbuch war allein der Regisseur, der der Handlung seinen gewohnten „Sex and Crime“- Stempel aufdrückte. Zudem war Curd Jürgens anders als Hans Albers kein großer Sänger, sollte aber ein paar der klassischen Reeperbahn-Schlager intonieren, was Olsen in einer zentralen Szene unterbrachte: Hannes (Curd Jürgens) und Pit Pitter (Heinz Reincke) streifen eine Nacht lang über die Reeperbahn, immer ein Lied auf den Lippen. Eine Parallele zum Albers/Rühmann-Film, in dem die beiden Protagonisten ebenfalls mit einer gemeinsamen Nacht auf der Reeperbahn ihr Wiedersehen feierten, aber interessanter sind die Unterschiede, die viel über die soziokulturelle Entwicklung der BRD in den voraus gegangenen 15 Jahren aussagen.

Der Kriminalrat (Konrad Georg) warnt Hannes
Hannes Rückkehr nach acht Jahren ist hier nicht der Seefahrt geschuldet, sondern einer langjährigen Gefängnisstrafe, die der frühere Kapitän wegen des Mordes an seiner Geliebten ableisten musste. Entsprechend desillusioniert spielte Jürgens einen Mann, der seine Unschuld beweisen will, um seinen Ruf wieder herzustellen – die einzige Chance, sein Kapitänspatent wieder zurück zu erhalten. Im Gegensatz zum gut gelaunt vom Schiff kommenden Hans Albers wird der Hannes der späten 60er sogleich mit Schutzgelderpressung, Mord und den kriminellen Machenschaften des nach außen hin ehrenwert auftretenden Geschäftsmanns Lauritz (Fritz Tillmann) konfrontiert, dessen Ehefrau es war, die Hannes angeblich tötete. Gegenüber dem hier von Olsen entfalteten Moloch wirkt die aufgesetzte Kriminalhandlung des Originals wie Sozialromantik, auch wenn der Regisseur hinsichtlich der Gewaltdarstellungen im Vergleich zu seinem „Der Arzt von St.Pauli“ zurückhaltender blieb.

Schutzgelderpresser (Karl-Otto Alberty und Erik Schumann) bei Pitter
Die Rettung des verschuldeten und aus der Mode geratenen Reeperbahn-Etablissements von Freund Pit, die im Rühmann/Albers-Film noch im Mittelpunkt stand, spielte hier dagegen kaum noch eine Rolle. Zwar zitierte Olsen die Szenen mit den falschen Etiketten für den Billigwein und die Rettung der Dressurpferde vor dem Schlachthaus, aber an eine Zukunft mit neuer Einrichtung und modernem Show-Programm glaubte hier Niemand mehr. Um die Finanzierung dafür zu übernehmen, fehlte Hannes - anders als seinem potenten Vorgänger - auch schlicht das nötige Kleingeld. Während der 54er Film einen ungebremsten Optimismus ausstrahlte, der soziale Schranken und finanzielle Schwierigkeiten mühelos überwand, entfaltete Olsen einen pessimistischen Blick auf eine dekadente und egoistische Gesellschaft – und nutzte diesen Hintergrund wie in „Der Arzt von St.Pauli“ für den Kampf des Einzelgängers gegen alle Widrigkeiten.

Hannes ist von Antje (Jutta D'Arcy) begeistert
Die Reeperbahn gab dafür den so faszinierenden, wie verkommenen Handlungsort ab, während sie dem sonst braven Geschehen im 50er Jahre Original einen Hauch von Unmoral verlieh. Die damals gewagte Konstellation um Pits Tochter Antje (Jutta D’Arcy) wurde von Olsen konkreter und authentischer angepackt. Hannes ist ihr leiblicher Vater, erfuhr aber nie davon, da Pit seine schwangere Freundin während er auf See war heiratete, um das Kind zu legitimieren. Antjes Mutter war früh verstorben, aber anders als seinem Vorgänger Heinz Rühmann wurde Reincke keine Pseudo-Ehefrau zur Seite gestellt, die die hausfraulichen Pflichten erledigte, ohne dem liebenden Vater Emotionen abzuringen. Den Job übernahm hier Cousine Martha, gewohnt resolut von Heidi Kabel gespielt. Auch stand noch kein zukünftiger Schwiegersohn aus reichem Haus parat, sondern verliebt sich Antje in ihren eigenen, höchst charmanten Vater.

Gemeinsam auf Helgoland kommen sie sich näher
Da Pit sich nicht überwinden kann, seinem Freund die Wahrheit zu sagen, kommt es wie im Original zum gemeinsamen Ausflug von Antje und Hannes nach Helgoland. Nur ein Zufall verhindert, dass sie sich küssen. Ein Wagnis, dass der 50er Jahre Film nicht einging. Die Fahrt nach Helgoland diente im Original nur dem Zweck, der Tochter und ihrem Verehrer ein paar gemeinsame Stunden zu verschaffen, heimlich von Hannes am unwilligen Schwiegervater vorbei organisiert. Nur ein Missverständnis brachte Pit dazu, seinen Freund über seine Vaterschaft aufzuklären – bei Olsen ist er dazu gezwungen. Auch die Konsequenzen daraus sind im Nachfolger ehrlicher. Kein künstlich dramatisierter Konflikt trennt die Freunde, da Hannes Pits Beweggründe versteht.

Die feine Gesellschaft um Unternehmer Lauritz (Fritz Tillmann)
Die Souveränität des alles beherrschenden Curd Jürgens bleibt das bestimmende Element in Olsens Film, der viel anreißt, aber wenig vertieft. Die privaten Szenen um die Tochter (Diana Körner) des kriminellen Unternehmers Lausitz nehmen leider zu wenig Raum ein im aktionistischen Geschehen. Ihre Empörung über Hannes - für sie der verurteilte Mörder ihrer Mutter - ihr Verhältnis zum Vater, die Party in dessen Villa oder ihre angedeutete Liebesbeziehung zu Till Schippmann (Fritz Wepper) bleiben Momentaufnahmen, höchstens für kurze Nacktszenen geeignet. Wepper, an beiden vorherigen unter der Regie Olsens entstandenen St.Pauli-Filmen beteiligt, wird hier zum reinen Stichwortgeber, ohne seiner Rolle eigene Konturen geben zu können. Das gilt auch für die Vielzahl an Schlägern und gedungenen Mördern, die hier die Leinwand bevölkern – selbst prägnante Darsteller wie Erik Schumann und Karl-Otto Alberty konnten sich nur wenig profilieren.

Nebenfiguren: Till (Fritz Wepper) und Unternehmertochter (Diana Körner)
Entscheidend für die Wirkung des Films war das nicht, worin sich beide Versionen von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ wieder gleichen. Zwar hatte sich die Reeperbahn seit Mitte der 50er Jahre parallel zur allgemeinen Liberalisierung in Westdeutschland verändert, aber sie behielt als Ort der Extreme weiterhin die Hoheit über das Handeln der hier lebenden Menschen. Am Ende verlässt Hannes wie zuvor in „Große Freiheit Nr.7“ und der 54er Version wieder diesen Ort der Sehnsucht, um aufs Meer zurückzukehren. Doch diesmal ohne das schwermütige Gefühl des Scheiterns an Land, sondern voller Vorfreude auf die Seefahrt – und begleitet von Pitter. Das wäre Heinz Rühmann in seiner Rolle damals nicht eingefallen.

"Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" Deutschland 1969, Regie: Rolf Olsen, Drehbuch: Rolf Olsen, Darsteller : Curd Jürgens, Horst Naumann, Heinz Reincke, Fritz Wepper, Jutta D'Arcy, Diana Körner, Fritz Tillmann, Erik Schumann, Christiane Rücker, Hans-Otto Alberty, Konrad Georg, Laufzeit : 98 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen: