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Freitag, 2. Mai 2014

Ein Herz spielt falsch (1953) Rudolf Jugert

Zum 90.Geburtstag von Ruth Leuwerik am 23.04.2014:

Inhalt: Peter van Booven (O.W. Fischer), ständig pleite und von seinen Gläubigern verfolgt, will die junge Gerda (Gertrud Kückelmann) dazu überreden, ihr gemeinsames Kind abtreiben zu lassen. Mehr als ein kurzes Abenteuer wäre das zwischen ihnen nicht gewesen und sie würden auch nicht zusammenpassen. Ohne ihr Unglück weiter zu beachten, begibt er sich zu dem Chefarzt Professor Linz (Carl Wery), der mit seinem Vater befreundet war, um ihn um einen Eingriff bei Gerda zu bitten. Zuerst ihm wohlwollend begegnend, verweigert der Arzt empört Van Boovens Ansinnen und wirft ihn aus seiner Praxis.

Als er aus dem Krankenhaus tritt, begegnet er Sybilla Zander (Ruth Leuwerik), einer ehemaligen Klassenkameradin, die sich wegen ihrer Schmerzen am Hinterkopf bei dem mit ihr befreundeten Professor untersuchen lassen will. Er erkennt die unscheinbare, allein stehende junge Frau aus reichem Hause sofort wieder, die sich nicht verändert hat – schon während der Schulzeit hatte er sie „Alte Schachtel“ genannt. Wenig später kehrt er nochmals ins Krankenhaus zurück, da er seinen Hut vergaß, und wird zufällig Zeuge eines Gesprächs unter Ärzten, in dem Professor Linz seine tödliche Diagnose äußert. Sybilla hat seiner Meinung nach nur noch sechs Monate zu leben. Wieder in seiner kleinen Wohnung, erfährt er von seiner Vermieterin (Lina Carstens), dass ein ungehobelter Kerl nach ihm gefragt hätte, der bald wieder kommen will. Peter van Booven fasst einen perfiden Plan…


Ein Abenteurer, dem die Gläubiger im Nacken sitzen und dessen einzige Reaktion darauf, dass seine Geliebte schwanger ist, darin liegt, sich bei einem Arzt um eine Abtreibung zu bemühen, hört in dessen Praxis zufällig mit, dass eine frühere Klassenkameradin an einem unheilbaren Tumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Zwar machte er sich schon damals über das altmodische, unscheinbare Aussehen der Industriellentochter lustig, aber angesichts des verlockenden Erbes, dass auf einen Schlag seine Probleme lösen könnte, setzt er seinen gesamten Charme ein, um ihre frühere Bekanntschaft wieder aufzufrischen. Mit Erfolg, denn die nach einer Operation noch geschwächte junge Frau, die nichts von ihrem tatsächlichen Zustand weiß - der mit ihr befreundete Arzt wagt es nicht, sie über ihren baldigen Tod aufzuklären - freut sich über dessen Aufmerksamkeiten und verliebt sich in den attraktiven Mann.

Angesichts dieser Schmonzette überrascht es nicht, dass der Text als Fortsetzungsroman Anfang der 50er Jahre in der "Hör Zu" veröffentlicht wurde, geschrieben von deren langjährigen Chefredakteur Eduard Rhein unter dem Pseudonym Hans-Ulrich Horster. Entsprechend geringschätzig fielen die Kommentare der zeitgenössischen Kritiker ("oberflächlich konstruiert", "konventionell und falsch im Stoff") für einen Filmplott aus, der auch in heutigen Komödien vorstellbar wäre. Erst die Zusammenführung zweier gegensätzlicher kaum vorstellbarer Menschen unter emotional zugespitzten Bedingungen, die folgerichtig zu geschlechtsimmanenten Charakter Veränderungen führen - aus dem hässlichen Entchen wird ein schöner Schwan und aus dem egoistischen Schwerenöter ein verantwortungsvoller Ehemann. Äußerlich beschreitet "Ein Herz spielt falsch" genau diesen Weg, aber es wird deutlich, wie zeitlos, konkret und stimmig Regisseur Rudolf Jugert und seine Drehbuchautorin Erna Fentsch, Ehefrau von Carl Wery und mehrfache Mitstreiterin Jugerts („Ich heiße Niki“, 1952), die Romanvorlage umsetzten.

Dank seines Charmes vermied O.W. Fischer eine gänzlich unsympathische Gestaltung des berechnend vorgehenden männlichen Protagonisten Peter van Booven, aber an Konsequenz ließ er es nicht missen. Die von ihm schwangere Gerda (Gertrud Kückelmann) weist er zurück, bis sie sich das Leben nehmen will. Mit der Erinnerung an seinen verstorbenen Vater versucht er dessen Freund Professor Linz (Carl Wery) zu einer Abtreibung zu überreden und für den Blumenstrauß, mit dem er bei seiner früheren Klassenkameradin Sybilla Zander (Ruth Leuwerik) am Krankenbett Eindruck schinden will, verkauft er ein Andenken an den gefallen Sohn seiner Vermieterin (Lina Carstens). Selbst heute ließe sich kaum ein männlicher Filmstar auf das Risiko ein, eine ähnlich negativ besetzte Hauptfigur zu spielen, die Anfang der 50er Jahre zudem gegen die sehr viel konservativeren moralischen Standards verstieß. So überzeichnet diese Figur angelegt wurde, so authentisch vermittelt sie die häufig gebrochenen Lebensläufe in der Nachkriegszeit. O.W. Fischer spielte van Booven als Getriebenen, der nach dem Krieg die Kontrolle über sein Leben verloren hat und dem jedes Mittel recht ist, um seiner Notlage zu entkommen. Trotz dessen Charakterlosigkeit fiel es damals nicht schwer, sich mit dessen Situation zu identifizieren.

Ruth Leuwerik verkörperte das Gegenteil – eine altmodisch wirkende junge Frau, die von geradezu atemberaubender Verlässlichkeit und innerer Ruhe ist. Schon während ihrer gemeinsamen Schulzeit nannte sie Van Booven eine „Alte Schachtel“, aber diese Bezeichnung erweist sich hier als Prädikat. Denn im Gegensatz zu den üblichen Geschichten vom „Hässlichen Entchen“ ändert sie sich nicht, sondern gewinnt in den Augen des Betrachters gerade dadurch, dass sie sich selbst treu bleibt. Ruth Leuwerik, die zuvor schon zwei Filme an der Seite Dieter Borsches gedreht hatte und mit „Königliche Hoheit“ (1953, Regie Harald Braun) noch im selben Jahr eine weitere Zusammenarbeit folgen ließ, wurde durch „Ein Herz spielt falsch“ endgültig zum großen Filmstar. Zwei weitere gemeinsame Filme mit O.W. Fischer unter der Regie Helmut Käutners („Bildnis einer Unbekannten“ (1954) und „Ludwig II.: Glanz und Elend eines Königs“ (1955)) gaben Ruth Leuwerik erneut die Gelegenheit, einen selbstbewussten und eigenständigen Frauen - Typus zu spielen, der auch viel über ihre enge Zusammenarbeit mit Braun, Käutner und Jugert aussagt, die die frühen Jahre ihrer Karriere prägten und mit denen sie auch später wiederholt zusammen arbeitete.

Harald Braun, der einen Großteil der Käutner-Filme der 50er Jahre produzierte (bis er früh 1960 starb), besetzte sie erstmals in einer Hauptrolle in „Vater braucht eine Frau“ (1951) und Rudolf Jugert, seit Käutners erstem Film „Kitty und die Weltkonferenz“ (1939) als Regie-Assistent an dessen Seite tätig - bis er 1948 in „Film ohne Titel“ selbst erstmals die Regie übernahm – profitierte in „Ein Herz spielt falsch“ ungemein von Leuweriks exaktem und unaufgeregtem Spiel. Ihre Präsenz, die auch in den letzten Minuten des Films, als ihr Tod unmittelbar bevorsteht, jedes Abgleiten in Kitsch verhindert und O.W. Fischers schnelle Wandlung vom Saulus zum Paulus in den Hintergrund drängt, verlieh dem Film die notwendige Seriosität, um hinter dem klischeehaften Treiben den Angriff auf die damaligen Moralvorstellungen zu erkennen. „Ein Herz spielt falsch“ klingt zwar nach schicksalsschwerem Liebesdrama, aber Jugerts ein hohes Tempo vorlegender Unterhaltungsfilm wagte die Grobheit menschlicher Abgründe um eine zentrale Frauenfigur, die sich keinen gängigen Vorurteilen anbiederte.

"Ein Herz spielt falsch" Deutschland 1953, Regie: Rudolf Jugert, Drehbuch: Erna Fentsch, Hans-Ulrich Hörster, Darsteller : Ruth Leuwerik, O.W. Fischer, Carl Wery, Getrud Kückelmann, Lina Carstens, Günther Lüders, Gert Fröbe, Ernst F. Fürbringer, Rudolf VogelLaufzeit : 98 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rudolf Jugert:

Mittwoch, 5. Juni 2013

Das Wirtshaus im Spessart (1958) Kurt Hoffmann

Inhalt: Obwohl der Moritatensänger (Rudolf Vogel) vor den Räubern im Spessart warnt und eine hohe Belohnung auf den Räuberhauptmann (Carlos Thompson) ausgesetzt ist, wagen sich die Wanderburschen Felix (Helmut Lohner) und Peter (Hans Clarin) in den finsteren Wald, ängstlich darauf vertrauend, dass sie als arme Schlucker nicht beraubt werden. Ganz anders sieht die Situation für die Comtesse Franziska von Sandau (Liselotte Pulver) und ihren Verlobten Baron Sperling (Günter Lüders) samt ihrer Begleitung aus, die mit ihrer Kutsche in eine Grube fahren und nicht mehr weiter können.

Zu ihrem scheinbaren Glück erscheinen wie zufällig Knoll (Wolfgang Neuss) und Funzel (Wolfgang Müller) an der Unglücksstelle, die ihnen den Tipp geben, die Nacht in einem nahe gelegenen Wirtshaus zu verbringen. Doch die beiden Räuber locken sie damit in die vorbereitete Falle, denn in dem abseits gelegenen Gasthaus taucht bald die Räuberbande mit dem Hauptmann an der Spitze auf, der sich ein ordentliches Lösegeld für die Comtesse erhofft. Um ihn zu täuschen, gibt sich Felix, der gemeinsam mit Peter auch im Wirtshaus untergekommen war, verschleiert als Comtesse aus, die selbst als Räuber verkleidet zu fliehen versucht. Doch als ihr klar wird, dass sie ihre Freunde damit im Stich lässt, schließt sie sich der Bande an…


Die Moritat um die Räuberbande im Spessart, die im 18.Jahrhundert spielen soll, war nicht nur die vierte Zusammenarbeit Kurt Hoffmanns mit Liselotte Pulver, sondern wurde einer der erfolgreichsten deutschen Filme der 50er Jahre, der folgerichtig mit „Spukschloss im Spessart“ (1960) und „Herrliche Zeiten im Spessart“ (1967) noch zwei Fortsetzungen nach sich zog, natürlich jeweils mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle. Ein Erfolg dieser Größenordnung funktionierte nur mit einem genauen Gespür für den damaligen Publikumsgeschmack, weshalb der Zahn der Zeit deutlich mehr an "Das Wirtshaus im Spessart" genagt hat, als an einem weniger kompatiblen Werk wie "Die Zürcher Verlobung", den Helmut Käutner ein Jahr zuvor mit Lieselotte Pulver drehte.

Der Grund für den Erfolg der Geschichte um Comtesse Franziska (Liselotte Pulver) lag in der idealen Kombination damals beliebter Genres. Beginnend mit einem Vogelhändler und Moritatenerzähler (Rudolf Vogel), der dem Geschehen eine erzählerische Klammer gibt, liegt ein Schwerpunkt auf dem Gesang, der nicht kitschig klingt, sondern in einer Art Sprechgesang zwischen komödiantischen, albernen und sanft kabarettistischen Momenten wechselt. Besonders die beiden Erz-Komiker Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, die hier als gutmütige, leicht trottelige Räuber in das Geschehen eingreifen, dürfen sich auf diese Weise über kleinbürgerliches Denken amüsieren.

Die historisch anmutende Kulisse vor dem Hintergrund von Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart, wirkt theatralisch künstlich mit betont schmutzigem Räuberlager und einem von waberndem Nebel umflorten düsteren Wirtshaus mitten im Wald. Eine bewusst herbei geführte Wirkung, denn trotz der gruseligen Atmosphäre macht Regisseur Hoffmann kein Geheimnis daraus, dass es sich hier um eine leicht abgedrehte Komödie handelt, deren Räubermilieu er für respektlose Bemerkungen und moralisch gewagte Konstellationen nutzte. Der dicke Pfarrer, der das Geschehen mit weisen Sprüchen und erhobenem religiösen Zeigefinger kommentiert, wirkt entsprechend deplaziert und lächerlich – eine sanfte Kritik an den kirchlichen Moralvorstellungen.

"Das Wirtshaus im Spessart" vermittelt aus heutiger Sicht ein so vieldeutiges, wie uneinheitliches Bild. Der historische Rahmen versucht trotz schöner Kostüme gar nicht erst authentisch zu wirken. Einerseits gibt es den Oberst eines Kavallerieregiments, dessen Auftritt an einen typischen preußischen Offizier (Hubert von Meyerinck) aus der Zeit von Wilhelm II. erinnert, obwohl der Film optisch früher angesiedelt ist, andererseits spielt Liselotte Pulver die junge Adlige in einer Mischung aus Rüpelhaftigkeit und Selbstbewusstsein, die für 1958 sehr modern war. Noch heute ist es gut nachvollziehbar, dass diese Mischung aus Märchen, gruseliger Räuber-Atmosphäre und Komödie mit vielen witzig frechen Sprüchen und Gesängen sehr gut ankam, besonders dank der burschikos, respektlosen Liselotte Pulver. Dazu werden Seitenhiebe auf das Militär, die Kirche, die adligen geldgierigen Führungskräfte und das Spießbürgertum im Allgemeinen abgegeben. Und zu alledem gibt es noch eine romantische Liebesgeschichte zwischen der Comtesse und dem Räuberhauptmann (Carlos Thompson).

Die Story selbst ist sehr einfach gehalten und liefert nur das Grundgerüst für die Gesänge und komödiantischen Szenen - und für die frivolen Momente zwischen unverheirateten Männlein und Weiblein. Leider geht dem wilden Treiben am Ende ein wenig die Luft aus, da auch „Das Wirtshaus im Spessart“ nicht ohne Happy-End auskommt und sich der Räuberhauptmann in Wirklichkeit als ganz lieber und dazu noch adliger Kerl entpuppt. Auch daran wird der Geist von 1958 sichtbar, der sich in einem akzeptierten Rahmen ein wenig Kritik leistet, letztlich aber doch die Erwartungshaltungen des Publikums an eine schöne unterhaltende Geschichte erfüllen will.

Trotz kleinerer Wagnisse wirkt "Das Wirtshaus im Spessart" heute altmodisch, da sich die kabarettistisch komödiantischen Anspielungen am damaligen Zeitgeist orientierten und inzwischen betulich und harmlos daher kommen. Auch den emanzipatorischen Ansatz hält der Film nicht durch, denn die lange Zeit in einer Hosenrolle agierende Liselotte Pulver akzeptiert am Ende ihre mädchenhafte Unterordnung, um die Erwartung an Romantik und die gewohnten Geschlechterrollen zu erfüllen. Die Räuberposse um eine Comtesse, die zusammen mit Freunden von Räubern entführt wird und als Mann verkleidet entfliehen kann, hat viel von ihrer damaligen Wirkung verloren, lässt aber den Spaß der Beteiligten an dem Film nach wie vor spüren, denn Kurt Hoffmann konnte eine Vielzahl komödiantischer Schauspieler von Hans Clarin, über Ralf Wolter bis Günter Lüders aufbieten. Und das damals führende Komikerpaar Neuss/Müller befand sich wie üblich in großartiger Spiellaune, weshalb "Das Wirtshaus im Spessart" auch heute noch bestens unterhalten kann.

"Das Wirtshaus im Spessart" Deutschland 1958, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Luiselotte Enderle, Kurt Hoffmann, Heinz Pauck, Darsteller : Liselotte Pulver, Carlos Thompson, Hans Clarin, Rolf Wolter, Günther Lüders, Helmut Lohner, Wolfgang Neuss, Wolfgang Müller, Rudolf Vogel, Ina Peters, Hubert von Meyerinck, Laufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:

"Quax, der Bruchpilot" (1941)
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Ich denke oft an Piroschka" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)

Freitag, 31. Mai 2013

Große Freiheit Nr.7 (1944) Helmut Käutner

Inhalt: Die Padua, das Schiff auf dem Fiete (Gustav Knuth) und Jens (Günther Lüders) als Seeleute arbeiten, hat endlich wieder im Hamburger Hafen angelegt. Sie freuen sich Hannes (Hans Albers) wieder zu sehen, der als „Singender Seemann“ in der „Großen Freiheit“ auf der Reeperbahn auftritt. Nach vielen Jahren gemeinsamer Seefahrt hatte Hannes sich entschlossen an Land zu bleiben, da ihn sein Bruder um viel Geld betrogen hatte und ihm dadurch die Chance nahm, eine Ausbildung zu finanzieren, um nicht nur als einfacher Matrose zur See fahren zu können.

Doch trotz seines Erfolges auf der Reeperbahn ist er nicht glücklich, weshalb er nur unwillig zu seinem Bruder geht, als dieser ihn an sein Sterbebett ruft. Wiederholt macht er ihm Vorwürfe für das, was er ihm angetan hat, aber sein Bruder denkt nur an Gisa (Ilse Werner), seine frühere Geliebte, um die er sich nicht mehr gekümmert hatte. Er bittet Hannes, zu Gisa aufs Land zu fahren, wo sie bei ihrer Mutter auf dem Bauernhof arbeitet. Als er kurz darauf stirbt, kann Hannes trotz seines Grolls nicht anders, als seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Gisa leidet unter den ständigen Vorwürfen ihrer Mutter, sich unverheiratet auf einen Mann eingelassen zu haben. Sie hält auch Hannes für unmoralisch, was dieser energisch von sich weist, aber er bietet Gisa an, mit ihm nach Hamburg zu kommen, wo er für sie sorgen wird. Erst zögert sie, aber nach erneuten Anschuldigungen ihrer Mutter entschließt sie sich, Hannes zu begleiten...


Obwohl Helmut Käutner 1943 wegen „Romanze in Moll“ mit dem Propaganda-Ministerium in Konflikt geraten war, da der melodramatische Film zu sehr einen individuellen Lebensentwurf herausstrich, durfte er mit „Große Freiheit Nr.7“ den ersten Agfa-Farbfilm der Terra - Filmgesellschaft drehen, der mit Hans Albers in der Hauptrolle als Würdigung der deutschen Handelsmarine gedacht war. Dazu gab es klare Vorgaben seitens des Ministeriums. Im Film durfte nichts auf den fortgeschrittenen Krieg hinweisen, sondern sollte eine positive Grundstimmung vorherrschen, um das Volk bei Laune zu halten. Um gegen diese Richtlinien nicht zu verstoßen, setzten in dieser Phase viele Regisseure auf historische oder fantastische Geschichten wie „Münchhausen“ (1943) unter der Regie von Josef von Báky, in dem Hans Albers die Titelrolle übernommen hatte. Auch die Gattung des Musikfilms galt als unverfänglich – ein Genre, das Regisseur Käutner vertraut war. Mit „Wir machen Musik“ hatte er zuletzt 1942 einen erfolgreichen Vertreter auf die Leinwand gebracht - mit Ilse Werner an der Seite von Marika Rökk.

Entsprechend versprach auch "Die große Freiheit Nr.7" eine mit vielen populären Nummern gespickte Musikrevue (unter anderen „La Paloma“ und „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“) zu werden, mit dem "Blonden Hans" Albers und Ilse Werner in den Hauptrollen und populären Komödianten wie Gustav Knuth und Günther Lüders in Nebenrollen. Dank nur weniger Aufnahmen im Hamburger Hafen – der größte Teil der Dreharbeiten fand in Prag statt – konnte Käutner Hinweise auf den Krieg vermeiden, verzichtete aber auch sonst auf jeden konkreten Bezug zur politischen Realität, obwohl die Handlung in der damaligen Gegenwart stattfand. Doch dieser äußerliche Anschein täuschte, denn Helmut Käutner nutzte die abwechslungsreiche Geschichte um Liebe, Reeperbahn und die Sehnsucht nach dem Meer, um ein authentisches Zeitbild zu schaffen, geprägt von nachvollziehbaren menschlichen Emotionen. Schon der geplante Titel „Große Freiheit“ stieß im Propagandaministerium auf Ablehnung, weshalb der mögliche Symbolcharakter mit der Hinzufügung der Hausnummer 7 abgeschwächt werden musste. Trotzdem fand Käutners Film keine Gnade vor den Augen Joseph Goebbels, dem die Handlung zu schwermütig und pessimistisch angelegt war, weshalb der Film nicht zur Aufführung kam. Selbst nach dem Krieg wurde „Große Freiheit Nr.7“ nicht empfohlen, da die Handlungsweise der Protagonisten als moralisch verwerflich galt.

Zwar beginnt der Film humorvoll, wenn sich die beiden Hamburger Seeleute Fiete (Gustav Knuth) und Jens (Günther Lüders) vor dem Landgang mit einem Kölner Kollegen über die Qualitäten ihrer jeweiligen Heimatstädte in die Haare kommen, aber schon als sie ihren alten Freund Hannes (Hans Albers) im Lokal „Große Freiheit Nr.7“ zu besuchen, wo er jeden Abend als „Singender Seemann“ auftritt, wird Wehmut spürbar. Hannes war lange Zeit gemeinsam mit Fiete und Jens auf dem Viermast-Schoner „Padua“ über die Meere gesegelt, bevor er sich entschieden hatte, an Land zu bleiben. Obwohl ihm die Herzen bei seinen Auftritten zufliegen, ist der eingefleischte Seemann Hannes mit seinem Job auf der Reeperbahn unglücklich, den er hatte annehmen müssen, weil ihn sein Bruder mehrfach um sein Geld betrogen hatte und ihm dadurch die Chance genommen wurde, eine Ausbildung auf See zu machen. Doch trotz seiner stattlichen Erscheinung bleibt er gutmütig bis zur Naivität, weshalb er gegen seine ursprüngliche Absicht auch den letzten Wunsch seines Bruders erfüllt und ihm auf dessen Sterbebett verspricht, sich um dessen ehemalige Geliebte Gisa (Ilse Werner) zu kümmern.

Diese lebt weit von Hamburg entfernt wieder bei ihrer Mutter auf einem Bauernhof, wo sie nach dem Tod des Vaters tatkräftig mitarbeiten muss. In wenigen Szenen schildert Käutner, welchen Anfeindungen sie in der ländlichen Gegend ausgesetzt ist, da sie sich nicht wie ein anständiges Mädchen verhalten hatte. Sogar ihre Mutter schämt sich für sie, weshalb Hannes nicht viele Worte braucht, um sie dazu zu überreden, wieder nach Hamburg zurückzukehren. Käutner versucht gar nicht erst, Gisas Handlungsweise zu relativieren, sondern schildert sie als junge Frau, die ein Faible für direkt und frech daher kommende Kerle hat, ohne deshalb ihren Anstand in Frage zu stellen. Auch bei Hannes hinterlässt die hübsche Gisa einen großen Eindruck, weshalb er sich gerne um sie kümmert und sie zu sich in seine Wohnung nimmt, obwohl sich die Leute schnell das Maul darüber zerreißen.

Doch es ist seine Figur, die das kommende Missverständnis erst herauf beschwört. Während sie einfach ihre Emotionen lebt, kann er nicht aus seiner Haut. Weder erkennt er, dass er nicht Gisas Typ ist, noch dass ihn Anita (Hilde Hildebrand), die Chefin der „Großen Freiheit“, liebt. Käutner macht kein Geheimnis daraus, dass auch hier die Gesetze der Reeperbahn gelten. Ganz offensichtlich machen sich die Mädchen an die Matrosen heran, um Geld zu verdienen. Aus heutiger Sicht wirkt die damalige Anmache fast romantisch, aber das ist nur der veränderten Sichtweise auf die Sexualität geschuldet. Zudem spielt Günther Lüders den verprellten Seemann Jens auch in seinem Unglück mit einer gewissen Komik, was seine Enttäuschung etwas abschwächt. Hannes singt zwar dort, sieht sich aber moralisch über seiner Umgebung stehend, weshalb Anita für ihn nicht als „ernste“ Beziehung in Frage kommt. Stattdessen verbietet er Gisa, die sich seine Auftritte ansehen will, dorthin zu gehen, weil sich das für ein anständiges Mädchen nicht gehört. Dabei hätte das seine Chancen bei ihr wahrscheinlich erhöht, denn als Sänger ist er charmant und lässig, während er sonst versucht, besonders solide aufzutreten. Gisa lernt dagegen mit Willem (Hans Söhnker) genau den Typen kennen, auf den sie steht, obwohl es offensichtlich ist, dass er den Umgang mit Frauen gewöhnt ist.

Käutner schert sich in „Große Freiheit Nr.7“ weder um die Erwartungshaltung des Publikums, noch um irgendeine ausgleichende Gerechtigkeit, die es in der Realität nicht gibt. Gisa lebt ihre Emotionen, unabhängig von pragmatischen Erwägungen und trotz ihrer schlechten Erfahrungen mit Hannes’ Bruder, auch Willem, der stolz ist, kein Seemann zu sein, sondern bei Blohm & Voss arbeitet, will nicht auf seinen Spaß verzichten – an ihnen verdeutlicht Käutner, dass Unvernunft keine Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist, sondern dank der gepredigten Moralvorstellungen damals nicht existieren durfte. Am ehrlichsten und zuverlässigsten ist Anita, aber sie kann die Vorurteile nicht überwinden und wird zur tragischen Figur des Films. Vordergründig scheint Hannes’ Tragik größer, da er von Gisa zurückgewiesen wird, aber letztlich bleibt seine Braut die See. Er musste an Land scheitern, da er die dortigen Regeln nicht verstand. Den Seeleuten der Handelsmarine mit Hannes an der Spitze gehören die Sympathien, aber der Film lässt auch deutlich werden, dass sie vor echter Verantwortung an Land damit auch fliehen.

Käutner nutzte den Agfa-Film, um mit satten Farben und starken hell/dunkel Kontrasten seine am poetischen Realismus orientierte Bildsprache fortzuführen, wie er sie zuvor in seinen Schwarz/Weiß Filmen schon entwickelt hatte und in seinem folgenden Film „Unter den Brücken“ zur Meisterschaft führen sollte. Auch thematisch bleibt er dem Realismus nah, schildert das Leben in Hamburg lakonisch und ohne seine Figuren zu bewerten. Wie in Hannes melancholischen Liedern ist das Dasein eine Abfolge von Glück und Trauer, ohne Garantien auf irgendein Gelingen – eine der nationalsozialistischen Ideologie gänzlich widersprechende Sichtweise. „Große Freiheit Nr. 7“ hat sich seine Zeitlosigkeit nicht nur wegen seiner unvergesslichen Lieder und Hans Albers eindrucksvollem Spiel bis heute bewahrt.

"Große Freiheit Nr. 7" Deutschland 1944, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Richard Nicolas, Darsteller : Hans Albers, Ilse Werner, Hans Söhnker, Hilde Hildebrand, Gustav Knuth, Günther Lüders, Laufzeit : 106 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner:

Montag, 20. Mai 2013

Drei Männer im Schnee (1955) Kurt Hoffmann


Inhalt: Der Geheimrat Schlüter (Paul Dahlke) ist zwar schwerreich und Direktor eines großen Konzerns, hat sich aber eine kindliche Lebensfreude bewahrt, die seine Tochter Hildegard (Nicole Heesters), seinen Diener Johann Kesselhut (Günther Lüders) und die Gouvernante Frau Kunkel (Margarete Haagen) regelmäßig in helle Aufregung stürzt. Diesmal hat Schlüter unter dem falschen Namen Schulze den zweiten Platz eines Preisausschreibens seiner eigenen Firma belegt und beabsichtigt als einfacher Mann die gewonnene Reise an einen mondänen Wintersportort auch anzutreten. Er akzeptiert, dass Kesselhut nicht als sein Diener, sondern als wohlhabender Tourist ebenfalls dorthin reist, um ein wenig auf ihn aufzupassen. Er weiß aber nicht, dass seine Tochter hinter seinem Rücken die Hotelleitung informieren wollte, dabei aber unterbrochen wurde, was ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen sollte.

Den ersten Preis hatte Dr. Fritz Hagedorn (Klaus Biederstädt) gewonnen, der die Reise lieber in Geld ausbezahlt bekommen hätte. Der studierte Werbefachmann ist arbeitslos und schämt sich, dass er noch seiner Mutter (Alma Seidler) zu Lasten ist. Doch eine Umwandlung in Geld ist nicht möglich, weshalb er in die verschneiten Berge reist. Zwar in Kenntnis gesetzt, dass ein verkappter Millionär ankommen wird, aber im Unwissen über dessen Identität, glaubt die Hotelleitung in ihm den reichen Fabrikbesitzer zu erkennen und hofiert ihn zu Hagedorns Überraschung, während Herr Schlüter, vermeintlich ein armer Schlucker, mit Verachtung behandelt wird… 


Erich Kästner schrieb seinen Roman "Drei Männer im Schnee" während seines von den Nationalsozialisten verhängten Berufsverbots, weshalb dieser 1934 zuerst in der Schweiz veröffentlicht wurde. Eventuelle Bezüge zur damaligen gesellschaftspolitischen Realität in Deutschland sind trotzdem nicht zu erkennen, denn Kästner konzentrierte sich auf eine originelle Konstellation, die später noch mehrfach Drehbuchautoren beschäftigen sollte - der Tausch eines armen mit einem reichen Mann und die Reaktion ihrer Umgebung auf diese Verwechslung.

Soziologisch handelt es sich um ein interessantes Thema, denn es entlarvt die Behauptung als Lüge, dass man sich bei seinem Urteil auf seinen Verstand verlassen könnte. Gerade Hoteldirektor Kühne (Hans Olden) und Portier Polter (Fritz Imhoff) bilden sich viel auf ihre Menschenkenntnisse ein, weshalb ihre Reaktion bei drei neuen Gästen in ihrem mondänen Wintersport-Hotel sehr unterschiedlich ausfällt. Während der angeblich wohlhabende Johann Kesselhut (Günther Lüders) wie jeder solvente Gast behandelt wird, ist das bei Dr. Fritz Hagedorn (Claus Biederstädt) und Herrn Schulze (Paul Dahlke) völlig anders. Die Beiden hatten den Hotelaufenthalt bei einem Preisausschreiben der Schlüter-Werke gewonnen und passen nicht in die übrige Gesellschaft, da sie sich kostspielige Vergnügungen wie Ski zu fahren oder teure Restaurantaufenthalte nicht leisten können.

Allerdings gab es vor ihrer Ankunft einen geheimnisvollen Anruf im Hotel, der darauf hinwies, dass es sich bei einem der beiden Herren, die ein Preisausschreiben gewonnen hatten, in Wirklichkeit um den Millionär Geheimrat Schlüter handeln soll, was für reichlich Aufregung sorgt. Da Herr Hagedorn aus Sicht der Hotelleitung einen seriösen Eindruck macht, bekommt er prompt eine Suite zur Verfügung gestellt, während Herr Schulze in die unbeheizte Besenkammer muss, weil man den armen Schlucker möglichst schnell wieder loswerden will. Natürlich spricht sich die Geschichte vom heimlichen Millionär schnell herum, was auch gewisse Damen auf den Plan ruft, die nach einem solventen Ehemann suchen. Doch sie unterliegen alle einem Irrtum, denn tatsächlich ist der ärmliche Herr Schulze der echte Millionär. Und Herr Kesselhut ist dessen Diener, der auf diese Weise ein bisschen auf ihn aufpassen soll.

Erich Kästner und Regisseur Kurt Hoffmann, der mit „Das fliegende Klassenzimmer“ schon ein Jahr zuvor einen Kästner-Roman verfilmt hatte und auch diesmal um eine werkgetreue Umsetzung bemüht war, befriedigen mit dieser Geschichte emotionale Grundbedürfnisse. Mit freudiger Gelassenheit kann der Betrachter dabei zusehen, wie dem vermeintlich armen Schlucker das Leben schwer gemacht wird, während der anständige, aber arme Typ aus dem Volke, der Anfang der 50er Jahre als Arbeitsloser noch der Mutter auf der Tasche liegt (und sich dafür angemessen schämt), von den arroganten Hotelleitern verwöhnt wird. Über die reichen, nicht mehr ganz jungen zickigen Frauen, die sich zwecks Wohlstandserhaltung mit allen Mitteln dem vermeintlichen Millionär an den Hals schmeißen, lässt es sich ebenfalls leicht lästern, während sich der so Begehrte in ein anständiges junges Mädel verliebt (Nicole Heesters), ohne zu Wissen, dass diese die Tochter des echten Millionärs ist.

Keine Frage, "Drei Männer im Schnee" ist die Umsetzung eines Wunschtraums, aber die Story macht es sich zu leicht und bedient nur klischeehafte Ressentiments, ohne das kritische Potential, dass diese Konstellation bietet, dafür zu nutzen, einen zwar humorvollen, aber auch entlarvenden Blick auf die Auswirkungen plötzlichen Reichtums bzw. Armut zu zeigen. Paul Dahlke als Geheimrat verliert auch bei den größten Erniedrigungen nie seine Souveränität. Sein Selbstbewusstsein ist offensichtlich so stabil, dass weder ein ungeheiztes Zimmer, noch die skandalöse Verpflichtung, unentgeltlich Eis fegen zu müssen, seiner Laune schadet. Zudem wirkt diese Form der erzwungenen Arbeitsrekrutierung eines vermeintlich armen, aber zahlenden Gastes stark übertrieben und soll den Betrachter zusätzlich gegen die Hotelleitung einnehmen. Hätten diese ihn loswerden wollen, hätte ein einfacher Rausschmiss genügt, aber an einer realistischen Darstellung war den Machern nicht gelegen.

Doch während die Handlung um den Geheimrat noch eine ansatzweise kritische Sichtweise andeutet, verfällt der Film bei der Figur des Dr. Hagedorn endgültig ins Seichte. Claus Biederstaedt ist in seiner Rolle eine Spur zu wohlerzogen, zu bescheiden und anständig. Die Vorzugsbehandlung im Hotel ist ihm selbstverständlich peinlich, die Damen, die sich ihm an den Hals schmeißen, unangenehm und sein ganzes Denken wird nur davon bestimmt, endlich eine Arbeit zu finden, damit er seiner armen Mutter nicht mehr zur Last fällt. Nicht einen Moment gerät er in den Sog der Verführung, fühlt sich durch die Behandlung gebauchpinselt oder lässt es sich einfach nur ungeniert gut gehen. Dagegen flirtete selbst Heinz Rühmann in einer kalkulierten Komödie wie „Der Gasmann“ (1941), die die Bevölkerung während des Krieges ablenken sollte, einen Moment lang mit der Versuchung, bevor er sich wieder dem moralischen Anstand hingab. Das Hagedorn sich mit dem scheinbar armen Herrn Schulze anfreundet, ist nur folgerichtig und nutzt ihnen in doppelter Hinsicht  – der Reiche erhält einen echten Freund und der Arme bekommt die richtigen Beziehungen. Dass der Geheimrat zudem noch eine hübsche Tochter hat, die auf diese Weise an einen Ehemann gerät, der es nicht auf ihr Erbe abgesehen hat, lässt alles in Wohlgefallen aufgehen.

Vielleicht war diese Art Unterhaltung, die flott inszeniert, gut gespielt und mit witzigen Dialogen daher kommt, Mitte der 50er Jahre in der BRD einfach notwendig, denn was Dr.Hagedorn hier an Wohltaten widerfährt, war nur noch wenig zu steigern. Die sanfte Kritik an arroganten und selbstüberheblichen Menschen und die Geschichte vom Aufstieg eines bescheidenen Mannes aus dem Bürgertum zum reichen Schwiegersohn, erinnert an ein Märchen, bei dem am Ende der Held die Prinzessin heiraten darf. Unrealistisch, aber motivierend.

Doch die Klischeehaftigkeit der Charaktere und das einseitige Gut-Böse-Schema lassen in ihrer freudvollen Erfüllung vorhandener Vorurteile übersehen, dass hier nicht die Durchlässigkeit einer modernen Gesellschaft gepredigt wird, sondern die Erhaltung hierarchischer Strukturen. Der Firmenchef besitzt eine natürliche Autorität und ist ein freundlicher und selbstloser Mann, mit dem man auch seinen Spaß haben kann, während Frauen generell – außer es handelt sich um jungfräuliche, heiratsfähige und hübsche Mädchen - und niedere Angestellte hier nur als egoistische und gemeine Zeitgenossen geschildert werden. Auch der scheinbare Aufstieg eines einfachen Bürgers, den Dr. Fritz Hagedorn hier erlebt, täuscht die Chancen einer modernen Gesellschaft vor, denn die Handlung korrigiert nur das, was von Beginn an offensichtlich ist – das ein so feiner, bescheidener und gebildeter Mensch wie Dr.Fritz Hagedorn zur gesellschaftlichen Elite gehört. „Drei Männer im Schnee“ war ein typisches Kind der 50er Jahre, das seine unterschwellige Botschaft geschickt unter dem Deckmantel einer optimistisch stimmenden, menschelnden Komödie verbarg. 

"Drei Männer im Schnee" Österreich 1955, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Erich Kästner (Roman), Darsteller : Paul Dahlke, Claus Biederstaedt, Günther Lüders, Nicole Heesters, Margarethe Haagen, Fritz Imhoff, Laufzeit : 89 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann: