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Dienstag, 11. November 2014

Tausend Takte Übermut (1965) Ernst Hofbauer

Die Männer (Thomas Alder und Kurt Liederer) haben einen Plan
Inhalt: Die Plattenfirma „Melodia“ steht kurz vor der Pleite, da sie nicht über genug Zugpferde verfügt, die Umsatzzahlen versprechen. Deshalb sollen Firmenanwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer) und Manfred Reiner (Thomas Alder) an die italienische Adria-Küste fahren, wo die so erfolgreiche, wie exzentrische Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer), begleitet von ihrer Privatsekretärin gerade ihren Urlaub verbringt, verbunden mit einigen Gesangs-Auftritten. Manfred Reiner soll seinen Erfolg bei Frauen auch bei der vor kurzem geschiedenen Sherry wirken lassen, um sie als Ehefrau fest an die „Melodia“ zu binden. Dafür hat er einen psychologisch ausgefeilten Plan geschmiedet, den er am Urlaubsort angekommen sogleich in die Tat umsetzt. Er will die eitle Sherry mit Missachtung strafen, wodurch er sich ihre Aufmerksamkeit verspricht.

Das Objekt ihrer Begierde (Hannelore Auer)
Doch er ist nicht der Einzige, der etwas im Schilde führt. Michaela Andreas (Margitta Scherr) checkt als glamouröse Erscheinung im Hotel ein, um den Vater ihres Verlobten (Gus Backus), ihren Chef Robert Hilman (Harry Hardt), von sich zu überzeugen, denn dieser ist gegen ihre Verbindung, da er sie für eine „graue Maus“ hält. Er ahnt nicht, dass sie weiß, dass er inkognito in seinem eigenen Hotel als Gast nach dem Rechten sehen will…







Schlagerfilm goes Erotikfilm - das langsame Ende eines Genres

Vater (Harry Hardt) und Sohn (Gus Backus) sind unterschiedlicher Meinung
Ernst Hofbauers zweiter Schlagerfilm "Tausend Takte Übermut" blieb nach "Ferien in St.Tropez" (1964) nicht nur sein letzter Ausflug in die seit den frühen 50er Jahren populären Kino-Filme um aktuelle Gesangsstars und Sternchen, sondern wurde einer der letzten Vertreter dieses aussterbenden Genres, das vor der tagesaktuelleren Fernseh-Konkurrenz kapitulierte. Auch für Vivi Bach, mit mehr als zehn Schlagerfilmen seit ihrem Debüt in "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960) die wichtigste Protagonistin der Spät-Phase des Genres, leitete "Tausend Takte Übermut" das Ende ihrer Kino-Karriere ein. In "Komm mit zur blauen Adria" (1966), einem ähnlich konzipierten Schlagerfilm, der wenig später ebenfalls nach einem Drehbuch Thomas Billians entstand, hatte sie nur noch einen Gastauftritt - eine ohne Zusammenhang zur eigentlichen Handlung hinein geschnittene, früher gedrehte Gesangsszene.

Manfred Schnelldorfer als singender Taxifahrer
Parallel zu „Tausend Takte Übermut“ produzierte Dr. Karl-Heinz Busse noch „Ich kauf‘ lieber einen Tirolerhut“ (1965), der nur drei Wochen später in den deutschen Kinos anlief. Billian hatte neben dem Drehbuch auch die Regie übernommen, assistiert von Gündisch, aber trotz Gus Backus, Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer auf dem Höhepunkt seiner kurzen Karriere als Schlagersänger konnte der Niedergang nicht mehr aufgehalten werden, wurde diese Produktion auch die letzte für Busse, der als Drehbuchautor im Heimatfilm begonnen hatte („Die Fischerin vom Bodensee“, 1956), bevor er zwischen 1962 und 1965 noch sechs späte Musikfilme beisteuerte. Ernst Hofbauer setzte seine Regie-Tätigkeit stattdessen bei „Die Liebesquelle“(1966) fort - mit Hans-Jürgen Bäumler in der Hauptrolle, der Schnelldorfer nicht nur als Eiskunstlauf-Star ablöste. Damit bewies Hofbauer früh Weitsicht, denn trotz der Heimatfilm-Komödien-Attitüde, machte der Film aus seiner sexuellen Ausrichtung kein Geheimnis mehr, setzte ausführlich auf Nuditäten und gab ihm die Gelegenheit, die erotischen Anspielungen seiner Schlagerfilme zu konkretisieren.

Der Geschäftsführer (Fritz Benscher) verfolgt eigene Interessen
In den 50er Jahren wurde noch versucht, den sexuellen Subtext des Musikfilms mit seinen leicht geschürzten Sängerinnen und Tänzerinnen mit möglichst tugendhaftem Verhalten der Protagonisten zu deckeln. Inzwischen durfte das Genre dank der fortschreitenden Liberalisierung mehr wagen - eine Konsequenz, die die seltsamsten Blüten trieb, denn so sehr es die Frauen und Männer zwischendurch krachen ließen, zuletzt hatte alles wieder seine schönste „Pärchen“-Ordnung. In dieser Hinsicht bildet auch „Tausend Takte Übermut“ keine Ausnahme, aber bis am Ende jedes Töpfchen sein Deckelchen findet, verzichtete Hofbauer anders als noch in „Ferien in St.Tropez“ auf familiäre Elemente und ließ keinen Zweifel daran, worum es tatsächlich geht – um Sex.

Vater und Sohn mit der begehrten Michaela (Margitta Scherr)
Zwar wurde die Handlung erneut an Mittelmeer-Gestaden angesiedelt – diesmal geben die italienische Adria und Venedig den stimmigen Hintergrund ab – aber Urlaub macht hier keiner der Protagonisten. Als Anlass der Story dient die drohende Pleite der Plattenfirma „Melodia“, weshalb Manfred Reiner (Thomas Alder), begleitet von seinem Freund und Anwalt Dr. Peter Hold (Kurt Liederer), mit dem Auftrag nach Italien geschickt wird, die glamouröse Sängerin Sherry Davis (Hannelore Auer) zu verführen, damit sie einen Vertrag bei seiner Firma unterschreibt. Während Reiner seine vermeintlich erfolgsversprechende Strategie bei der exzentrischen Sängerin anwendet, will Industriellen-Sohn Frank (Gus Backus) seinem Vater Robert Hilman (Harry Hardt) seine Braut schmackhaft machen. Dem präsidialen Hilman ist die in seiner Firma arbeitende, ihm persönlich unbekannte Sekretärin Michaela Andreas (Margitta Scherr) als Schwiegertochter zu wenig vorzeigbar, aber ihr gelingt es mühelos, den an die Adria gereisten Senior vom Gegenteil zu überzeugen.

Gunter Phillip (noch) in seinem Element
Auch sein Aufenthalt kommt nicht ohne Hintergedanken aus, denn er will inkognito als Gast die Qualitäten seines Hotelpersonals überprüfen, die sich als äußerst dürftig erweist, da der Geschäftsführer Theodor Rassel (Fritz Benscher) und sein Portier Pizzanini (Fritz Korn) vor allem an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert sind. Größtenteils verbringt Hilman aber seine Zeit mit der reizvollen Michaela, was seinen Sohn später zu der Bemerkung verleitet, warum er sie nicht gleich selbst heiratet. Nicht ganz unbegründet, denn zwischen dem Alten und der jungen Frau knistert es deutlich mehr als zwischen dem geplanten Liebespaar. Leider kommt es nicht zu dieser Konsequenz, ebenso wie Gunther Phillip in gewohnter Aufschneider-Rolle nicht den drei Mädels frönen darf, die ihm generös von der Hotelleitung zur Verfügung gestellt wurden. Bevor er zum Zuge kommt taucht seine Ehefrau (Edith Hancke) auf, die den Möchtegern-Casanova brachial zur Räson bringt.

Vivi Bach als witzige Telefonistin
Doch diese Konzessionen lassen nicht übersehen, mit welcher Ironie Billian und Hofbauer an den Filmstoff herangingen, bekannte Verwechslungs-Komödienelemente zitierten – Gunther Phillip wagte sogar den Jerry-Lewis-Sprung – und den italienischen Schlagersänger Peppino di Capri mit Besen als Arbeiter auf dem Hoteldach inszenierten, was heute noch lässig wirkt. Besonders Vivi Bach, in „Holiday in St.Tropez“ gewohnt seriöser Mittelpunkt des irren Geschehens, bewies hier ihr komödiantisches Talent und persiflierte ihre Rolle als blonder Blickfang. Selbstverständlich kommt am Ende auch sie wieder unter die Haube, ebenso wie das geschiedene Schlagerpaar Hannelore Auer und Rex Gildo als „Rick Tanner“ wieder zusammenfindet, aber diesen am Ende im Minuten-Takt verabreichten Happy-Ends fehlt jede Ernsthaftigkeit, um das zuvorige frivole Treiben noch zu kaschieren.

"Tausend Takte Übermut" Deutschland 1965, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Bilian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Hannelore Auer, Thomas Alder, Kurt Liederer, Rex Gildo, Gunther Phillip, Harry Hardt, Fritz Benscher, Gus Backus, Edith Hancke, Margitta Scherr, Adi BerberLaufzeit : 93 Minuten

Lief am ersten Abend des 1. Auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer Kommando in Frankfurt/Main vom 07. bis 09.11.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Holiday in St.Tropez" (1964)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Sonntag, 10. August 2014

Holiday in St.Tropez (1964) Ernst Hofbauer

Inhalt: Das Hotelier-Ehepaar Marisa (Elma Karlowa) und Carlos Fonti (Kurt Großkurth) schaut verdutzt, als die Handwerker sich aus dem Staub machen und sie mit einem unbewohnbaren Kasten am Mittelmeer zurücklassen, für den ihre Nichte Vivi (Vivi Bach) schon Kunden anwirbt. Ihr Freund Theo Reich (Gerd Vespermann) betreibt ein Reisebüro und bereitet sich schon darauf vor, mit einer großen Zahl Gäste demnächst ins Hotel zu ziehen, um dort die Sommerferien zu verbringen. Parallel haben zwei junge Frauen eigene Pläne. Die 18jährige Carola (Margitta Scherr) büxt aus, um ihren Eltern einen Schrecken einzujagen, weil sie nur an ihre Geschäfte denken, und Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), eine einfache Angestellte ihres Vaters (Rudolf Prack), staffiert sich als reiche Frau auf der Suche nach einem ebenso vermögenden Herrn aus.

Sie alle begegnen sich am Mittelmeer wieder – teils per Schiff, teils auf vier Rädern angereist – und werden mit dem unfertigen Hotelbau konfrontiert. Doch kein Problem. Theo Reich kauft von seinem letzten Geld ein paar Zelte und die Sommerfrische kann bei Gesang, Spaß und Liebeleien beginnen…




Für Ernst Hofbauer stand "Holiday in St.Tropez" am Beginn seiner Karriere als Regisseur - sein erster Film "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X" (1964) erschien erst kurz zuvor im Kino - das Metier des Schlagerfilms befand sich dagegen am Ende einer langen Erfolgsgeschichte. Im Gegensatz zum Heimatfilm, dessen Gesangsnummern mehr den folkloristisch-heimatlichen Charakter betonen sollten, und als kultureller Gegenentwurf zu den beliebten Operetten-Filmen kamen die Schlagerfilme dem Bedürfnis entgegen, aktuelle Stars mit ihren Hits nicht nur hören, sondern auch in Aktion sehen zu können. Schon einer der ersten dieser Hitparaden-Vorläufer mit dem bezeichnenden Titel "Schlagerparade" (1953) schuf die Grundstruktur, an der sich die Nachfolger orientierten. Eine belanglos-komödiantische Story gab den Hintergrund für die Integrierung einer möglichst großen Anzahl an Musiknummern, vorgetragen von verschiedenen beliebten Interpreten.

Im Gegensatz zum Heimatfilm bedienten die Schlagerfilme früh die Sehnsucht nach fernen Ländern. Stars wie Vico Torriani ("Straßenserenade" (1953)) oder Caterina Valente ("Große Star-Parade" (1954)) verbreiteten gemäßigtes internationales Flair und drehten Mitte der 50er Jahre eine Vielzahl ähnlich angelegter Filme. Auch deutsche Sänger wie Peter Alexander ("Liebe, Tanz und tausend Schlager" (1955)) oder Conny Froboess ("Der lachende Vagabund" (1958)) starteten auf diese Weise ihre Film- und späteren Fernseh-Karrieren, ebenso wie die Dänin Vivi Bach, die erst spät zum Musikfilm-Genre ("Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960)) stieß, als die Konkurrenz des Fernsehens zunahm, das schneller auf Hitparadenerfolge und aktuelle Musikrichtungen reagieren konnte. Trotzdem kam Bach, die in Deutschland den Ruf einer „dänischen Bardot“ genoss, in der ersten Hälfte der 60er Jahre noch zu einigen Auftritten und erfüllte auch in Ernst Hofbauers zwei Schlagerfilmen – im Jahr darauf folgte noch „Tausend Takte Übermut“ (1965), ebenfalls nach einem Drehbuch Hans Billians – die Erwartungshaltung der Zuschauer als blond strahlender Mittelpunkt.

An „Holiday in St.Tropez“ lassen sich zwei aktuelle Strömungen der frühen 60er Jahre ablesen, auf die Hofbauer in seinen späten Genre-Vertretern geschickt reagierte - der zunehmende anglo-amerikanische Einfluss auf die Musikbranche und die Reiselust der Deutschen, die in den Sommerferien in Scharen über die Alpen gen Mittelmeer fuhren. Denn Hofbauer war kein Anfänger, hatte als Regie-Assistent von Franz Marischka schon früh Erfahrung bei „Liebe, Sommer und Musik“ (1956) gesammelt und dessen „Schlagerparade 1961“ (1961) für eigene Kontakte genutzt. Mit Vivi Bach, Gus Backus, Billy Mo sowie Rex Gildo beim Nachfolgefilm „Tausend Takte Übermut“ verpflichtete er vier der Hauptakteure für seine eigenen Filme, gab dazu der 15jährigen US-Amerikanerin Peggy March, die nach einem Nummer 1 Hit in den USA („I will follow him“) in den deutschen Markt einsteigen wollte, eine Chance und reagierte auf die Erfolge des englischen Jazz-Klarinettisten Acker Bilk, der Anfang der 60er Jahre zwei veritable Instrumental-Hits („Le petite fleur“) verzeichnen konnte. Auch Manfred Schnelldorfer, erst im Winter zuvor Olympiasieger im Eiskunstlauf geworden, durfte erstmals unter Hofbauer seine Fähigkeiten als Schlagersänger beweisen – eine damals beliebte Form, sportliche Erfolge zu vermarkten.

Neben diesen Stars gehörten auch die obligatorischen „Hupfdohlen“ zum Ensemble, hier als züchtige Internatsschülerinnen unter einer gestrengen Gouvernante (Alice Treff) auftretend, die aber jede Gelegenheit zu leichter Bekleidung nutzten, um zu beat-ähnlichen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen. Wie Hofbauer und Billian das unter einen Hut bringen wollten? – In dem sie es nicht so genau nahmen. So wurde die jugoslawische Adria-Küste, vor deren felsiger Kulisse die Handlung gedreht wurde, kurzerhand nach Italien versetzt, um das gewohnte Amore- und Cinzano-Feeling zu verbreiten, was aber auch einen französischen Polizisten nicht davon abhielt, an den jugoslawischen Gestaden Streife zu laufen. Von St.Tropez ist im Film absolut nichts zu sehen, aber im Titel machte sich der berühmte Badeort definitiv gut. Konkret findet Deutschland zwar nur zu Beginn und größtenteils in einem Reisebüro statt, dessen umtriebiger Chef Theo Reich (Gerd Vespermann) Reisen in ein mondänes (italienisches) Hotel vermittelt, das sich dann vor Ort als unbewohnbare Bruchbude erweist, aber deutsch ist im Film letztlich alles – die mit Akzent vorgetragenen Liedtexte, die Camper-Mentalität (sämtliche geprellten Urlauber geben sich mit der Unterbringung in Zelten zufrieden), die Witze und die Vorurteile.

Schon in der ersten Szene, wenn die italienischen Bauarbeiter die beiden Hotel-Besitzer im Stich lassen, um als Gastarbeiter in Deutschland „richtig Geld“ zu verdienen, bediente gängige Klischees, die vor allem in der Story um Heidi Kirschmann (Ann Smyrner) die schönsten Blüten trieben. Nicht nur das die attraktive Heidi plant, sich einen Millionär zu angeln, indem sie sich ein Mercedes-Cabriolet leiht und sich optisch entsprechend aufbretzelt, um ihr Verkäuferinnen-Image loszuwerden, auch der italienische Lover ist natürlich nicht weit, bei dem es sich folgerichtig nur um einen Hochstapler handeln kann. Bestraft wird die gute Heidi für ihr egoistisches Ansinnen nicht - zumindest nicht nach den Regeln zeitgenössischer Komödien. Sie landet im Ehehafen beim braven Reisebüro-Besitzer, womit alles seine schönste Ordnung hat. Aber was kann man von einem Filmstoff anderes erwarten, bei dem die 18jährige Tochter Carola (Margitta Scherr) aus reicher BRD-Wirtschaftswunder-Familie abhaut und auf „Gammler“ macht, um endlich einmal gemeinsam mit ihren vielbeschäftigten Business-Eltern (Mady Rahl und Rudolf Prack) Urlaub machen zu können?

Trotz dieser kleinbürgerlichen Avancen und dem konsequenten Ausspielen altbackener Witze, überrascht das muntere Treiben, dass Hofbauer jederzeit unterhaltsam und ohne allzu große Peinlichkeiten vor dem Zuschauer ausbreitete und das viel von den sozialen Veränderungen in dieser Zeit verriet. Besonders aus dem Kindermund der zwei frechen Gören, deren Jargon sich von heutigen Heranwachsenden nur rudimentär unterscheidet, lässt sich heraushören, dass die Zeiten nicht mehr zurückgedreht werden konnten, auch wenn das multiple Happy-End noch Ordnung vorgaukeln wollte. Wirklich ernst nahmen die Macher die Chose sowieso nicht und befriedigten die Erwartungshaltung mit Mittelmeer-Länder-Mix, Kleinkunst-Potpourri und einen Gag-Dichte, die Fehlschüsse verzieh.

"Holiday in St.Tropez" Deutschland 1964, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Billian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Gerd Vespermann, Ann Smyrner, Rudolf Prack, Mady Rahl, Gus Backus, Edith Hancke, Hannelore Auer, Margitta ScherrLaufzeit : 84 Minuten

Abendlicher Eröffnungsfilm beim 13. Hofbauer-Kongress zu Nürnberg vom 24. bis 28.07.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Montag, 30. Juni 2014

Schwarzer Markt der Liebe (1966) Ernst Hofbauer

Inhalt: Die jungen Frauen, die im Hafen Genuas an Bord eines Linien-Schiffs gehen, ahnen weder, dass sie beobachtet werden, noch was sie tatsächlich erwartet. Harald (Claus Tinney), der sie für die Fahrt mit falschen Versprechungen angeworben hatte, sieht unbemerkt zu, kann sich seines Erfolgs aber nicht erfreuen, denn es gibt viele Interessenten am lukrativen Geschäft mit den Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden sollen.

Nachdem zwei Gangster den zwielichtigen Lemaire (Omero Antonutti) erschossen hatten, der Harald zuvor erpresst hatte, kann er unbehelligt nach Berlin zu seinem Compagnon Rolf (Rolf Eden) zurückkehren, aber die Konkurrenz bleibt ihm auf den Fersen und droht das Geschäft zu stören. Um ungestört die nächste Party bei der Gräfin (Tilly Lauenstein) zu veranstalten, bei der in einem mondänen Umfeld weitere Frauen angeworben werden sollen, müssen sich Rolf und Harald etwas einfallen lassen…



Mit "Schwarzer Markt der Liebe" füllt die PIDAX am 22.07.2014 erneut eine wichtige Lücke im deutschen Genre-Film an der Seite des schon 2013 herausgebrachten "St.Pauli zwischen Nacht und Morgen". Erst die Zusammenführung beider Filme, die unter der Ägide des Schweizer Produzenten Erwin C.Dietrich entstanden, lässt den Einfluss des Erotikfilm-Pioniers José Bénazéraf auf die Entwicklung des deutschen Genres erkennen, beweist aber auch die Vielfältigkeit Ernst Hofbauers, der nach der einmaligen Zusammenarbeit mit Dietrich seinen eigenen Weg Richtung der erfolgreichen "Report-Filme" ging. (Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).












"Schwarzer Markt der Liebe" entstand zwar ein Jahr vor "St.Pauli zwischen Nacht und Morgen" (1967), für den Produzent Erwin C.Dietrich José Bénazéraf als Regisseur verpflichtete, aber dessen frühe erotische Filme („L’enfer dans la peau“ (Sexus, 1965)) standen sowohl stilistisch, wie inhaltlich schon Pate bei Regisseur Ernst Hofbauers einziger Zusammenarbeit mit Dietrich. Ein Einfluss, der auf den Schweizer Produzenten zurückzuführen ist, auch wenn dieser in den Credits nicht als Drehbuchautor aufgeführt wurde, denn Hofbauers zuvor Anfang 1966 herausgebrachter Film "Die Liebesquelle" entfaltete seine frühen erotischen Einblicke noch vor dem Hintergrund einer kolorierten Heimatfilm-Komödienhandlung, während die in stylischen Schwarz-Weiß-Bildern gedrehte Crime-Story, deren erotische Ausstrahlung nur wenig Nacktheit benötigt, so wirkt, als hätte sich Dietrich damit für ein zukünftiges Engagement Bénazérafs bewerben wollen.

Typische Bénazéraf-Elemente wie die obligatorischen Ami-Schlitten, coole, nicht über die infantilen Verhaltensmuster hinwegtäuschende Gangster-Posen oder erotisch verpackte Frauenkörper überraschen entsprechend wenig, viel mehr erstaunt es, dass es Hofbauer gemeinsam mit Kameramann Andreas Demmer ("Die Nichten der Frau Oberst" (1968)) vortrefflich gelang, den Stil des französischen Erotikfilm-Pioniers als Bindeglied zwischen dessen frühen französischen Filmen und seinem deutschen St.Pauli-Ausflug stimmig umzusetzen. Begleitet von den Pop-Jazz-Klängen Frank Valdors, die Bénarérafs Vorliebe für jazzige Filmmusik zitierten (und dazu führten, dass Valdor auch "St.Pauli zwischen Nacht und Morgen" vertonen sollte), beginnt der Film im Hafen Genuas mit der Einschiffung junger Frauen, die noch glauben, auf bequeme Weise ein hohes Gehalt verdienen zu können.

Dass sie nicht wieder nach Europa zurückkommen werden, sondern zur Prostitution gezwungen werden sollen, erfährt der Betrachter nur aus den Worten Haralds (Claus Tinney), der mit der Organisation der Mädchen sein Geld verdient. Die Filmstory selbst kümmert sich nicht weiter um deren Schicksal, sondern konzentriert sich auf die Machenschaften der Gangster untereinander, die versuchen die Hoheit über das lukrative Geschäft zu erlangen und sich gegenseitig bekämpfen, womit der Film wieder mitten im Bénazéraf-Universum angekommen war. Dabei gelangen den Kreativen großartige Bilder in Genua - besonders die Aufnahmen auf der Hochstraße erinnern schon früh an spätere Verfolgungsjagden im „Polizieschi“ an gleicher Stelle. Nicht nur der Handlungsort, auch die Eingangsszenen in der abseits gelegenen Albergo zitierten unmittelbar den italienischen Film. Der dicke, grobschlächtige Hausherr mit der hübschen jungen Ehefrau (Karin Field), die sich dem gutaussehenden Harald an den Hals schmeißt und mit ihm abhauen will, variierte Viscontis „Ossessione“(1942) auf eigene Weise – Harald selbst verrät dem gehörnten Ehemann die Absichten seiner Frau, um die als Betthäschen willkommene Blondine wieder bequem loszuwerden.

Willkommen in der Kälte Berlins, wohin Harald zurückkehrt, um mit seinem Compagnon die nächste Ladung Mädchen zu organisieren. Und damit kommt es zum Auftritt von Rolf Eden (natürlich als „Rolf“), der hier erstmals eine tragende Rolle spielte und sich dank seines abgeklärten Spiels als Boss in „St.Pauli zwischen Nacht und Morgen“ empfahl – cooler konnten auch die Gangster in Bénazérafs französischen Streifen nicht auftreten. Die Verzahnung mit Bénazérafs Stil wird an der gesamten Anlage des Films deutlich, dessen Handlung nur wenige Orientierungspunkte benötigte, da er von den Blicken und Gesten seiner Protagonisten lebt – und dem Handlungsort Berlin (West), der selten in tristere 60er Jahre-Grautöne getaucht wurde.

In der tragischen Geschichte um die unschuldige – und damit besonders begehrte – Karin lassen sich noch die moralischen Fingerzeige deutscher Provenienz erkennen, deren Schicksal als Warnung vor den Verführungen der Moderne verstanden werden sollte. Die Rolle Tilly Lauensteins als Gräfin mit lesbischen Neigungen vermittelte noch eine homophobe Note, deren pädagogische Wirkung dank der unaufgeregten, auf emotionale Zuspitzungen verzichtenden Umsetzung aber zurückhaltend blieb. Bénazéraf sollte die abschließende Drogen-Sequenz der Anwerbe-Party in seinem Beitrag zum deutschen Genre-Kino „St.Pauli zwischen Nacht und Morgen“ erneut variieren, befreit von moralischen Attitüden – ein signifikantes Beispiel für die gegenseitige Beeinflussung in der fiktiven Zusammenarbeit Hofbauer-Bénazéraf, deren außergewöhnliches Ergebnis dem Produzenten-Scharnier Erwin C. Dietrich zu verdanken ist, der mit "Schwarzer Markt der Liebe" ins Erotik-Gerne eintrat.

"Schwarzer Markt der Liebe" Deutschland 1966, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Ernst Hofbauer, Darsteller : Claus Tinney, Rolf Eden, Tilly Lauenstein, Karin Field, Astrid Frank, Uta LevkaLaufzeit : 86 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Holiday in St.Tropez" (1964)
"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)



weitere im Blog besprochene Filme von Erwin C.Dietrich:

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten (1970) Ernst Hofbauer

Inhalt: Während des Besuchs der weiblichen Oberprima in einer großen Fabrikanlage kommt es zu einem skandalösen Vorfall. Als die Lehrerin eine ihrer Schülerinnen vermisst, läuft sie zurück zu dem Bus, mit dem sie gekommen waren, um sie zu suchen. Und findet sie – gemeinsam mit dem Busfahrer beim Sex auf der Rückbank. Selbstverständlich meldet sie das Verhalten der Schülerin dem Direktor, der daraufhin die Lehrerkonferenz einberuft, um ihren Verweis von dem Gymnasium zu beraten.

Zuvor soll auch der Elternrat dazu gehört werden, der sich einstimmig empört zeigt. Einzig der Psychologe Dr. Bernauer (Günter Kieslich) ergreift Partei für die Schülerin. Mit weiteren Beispielen aus seiner Berufspraxis versucht er den Eltern zu vermitteln, wie sich junge Mädchen heutzutage verhalten…


Ein Film wie "Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten", der 1970 eine zehn Jahre andauernde Fortsetzungs-Welle lostrat, gilt heute als rückständig, nur noch dazu geeignet, um sich über die ersten, noch sehr verklemmten Gehversuche eines beginnenden neuen sexuellen Zeitalters zu amüsieren. Auch die wenigen, zurückhaltenden Nacktaufnahmen haben jeden Sensationscharakter verloren, ganz abgesehen von den konstruierten, von Laien gespielten Sexgeschichten, die männlich geprägte Fantasien an allzeit promiskuitiv veranlagte junge Frauen bedienten.

Tatsächlich waren die Macher mit diesem Format ihrer Zeit voraus. Der Psychologe Günther Hunold hatte seit den frühen 60er Jahren Sexualforschung betrieben und 1969 ein Buch mit Gesprächsprotokollen herausgebracht, in dem 14 bis 20jährige junge Frauen von ihren sexuellen Erfahrungen berichteten. Produzent Wolf C. Hartwig, der dieses Buch zum Anlass für seinen Film nahm, bewies schon 1957 mit "Liebe, wie die Frau sich wünscht", dass er die Dynamik der sich verändernden moralischen Standards begriffen hatte, und engagierte mit Ernst Hofbauer einen Regisseur, der mit "Schwarzer Markt der Liebe" (1966) und "Heisses Pflaster Köln" (1967) ebenfalls früh das Potential der zunehmenden Liberalisierung auf der Kinoleinwand erkannte. Doch nicht wegen seiner Nacktdarstellungen wurde der erste „Schulmädchen-Report“ zum überragenden Erfolg an der Kino-Kasse – in dieser Hinsicht hatten schon viele Erotik-Filme der späten 60er Jahre mehr vorzuweisen – sondern aus der Kombination mit einer realistischen, die bürgerliche Gesellschaft polarisierenden Thematik: dem sich verändernden Sexualverhalten junger Frauen, das als Anzeichen einer wachsenden Emanzipationsbewegung gewertet wurde.

Um sich dem Film jenseits heutiger Trash-Gelüste nähern zu können, ist es notwendig sich die historische Schnittstelle vor Augen zu führen, zu der der Film 1970 in die Kinos kam. Weder hatten junge Frauen gerade erst eine neue Einstellung zum Sex entwickelt, noch hatte diese auch nur annähernd den Grad einer Normalität erreicht, wie es die Spielszenen im Film weismachen wollten. Der entscheidende Schritt zur sexuellen Revolution war die Erfindung der Anti-Baby-Pille Anfang der 60er Jahre, die ein Jahrzehnt einleitete, dass mit freier Liebe, Kommunen und Drogen-Exzessen vor allem bürgerliche Fantasien befeuern sollte. Damit zusammenhängende Ereignisse, meist im Milieu von Rock-Bands oder Film-Stars angesiedelt, wurden medial ausgeschlachtet – auch in den Jugendzeitschriften Mitte der 60er Jahre wurde das sexuelle Erwachen schon ausführlich thematisiert - wodurch aus heutiger Sicht häufig der falsche Eindruck entsteht, 1970 hätte schon eine liberalere Haltung vorgeherrscht.

Doch die moralischen Standards hatten sich zu diesem Zeitpunkt kaum verändert. Im Gegenteil galten freie Liebe, lange Haare, Studentenproteste oder Rock-Musik als Ausdruck einer anti-bürgerlichen Haltung, der die große Mehrheit der Bevölkerung kritisch gegenüber stand. Zwar traten junge Frauen in den Großstädten selbstbewusster auf, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grenze zur Rufschädigung nach wie vor sehr schmal war – ein sexuell offensives Vorgehen, wie es die Darstellerinnen im Film an den Tag legten, konnte sich keine Frau leisten, auch die solidarische Haltung mit ihrer vom Verweis bedrohten Mitschülerin war unvorstellbar. Entsprechend unrealistisch sind die meisten der im Film gezeigten Spielszenen, aber sie bedienten die Vorurteile aufs trefflichste – letztlich der Auslöser für den Geschlechter übergreifenden Massenansturm auf die Kinosäle. Schon die Szene zu Beginn, die die Versammlung des Elternrats auslöst, um über den Schulverweis der beim Sex mit dem Busfahrer erwischten Schülerin zu beraten, führte direkt in die feuchtesten Vorstellungen von einer moralisch entarteten weiblichen Jugend.

Abgesehen davon, dass der Busfahrer auch heute noch größte Probleme bekäme (und mit Sicherheit seinen Job verlöre), ist besonders die Zurschaustellung des Geschlechtsakts fernab jeder Realität. Selbst vorausgesetzt, sie hätte es vor lauter Geilheit nicht mehr ausgehalten, hätte sich die Schülerin einen versteckteren Ort suchen können, an dem sie nicht mittendrin gestört wird – die Lehrerin musste sie quasi erwischen. Als Ausnahmefall wäre eine solche Szene noch vorstellbar, aber der „Schulmädchen-Report“ nimmt diese per Psychologen zum Anlass, ein grundsätzliches Plädoyer über das veränderte weibliche Sexualverhalten zu halten. Mit weiteren, ähnlich gearteten Beispielen untermauert Dr. Bernauer vor dem Elternrat seine These, um damit den Schulverweis der Schülerin zu verhindern. Allen diesen Storys ist neben den gewährten Blicken auf nackte weibliche Körper gemein, dass die Sexualität ausschließlich von den Frauen ausgeht. Männer werden zu passiven Profiteuren der auf diese Weise dokumentierten gesellschaftlichen Veränderungen, was die Spielszenen als das outet, was sie tatsächlich sind – Ausdruck männlicher Wunschvorstellungen.

Trotzdem wäre es falsch, den „Schulmädchen-Report“ als reines Vehikel für sensationslüsterne Zuschauer zu betrachten, denn das hätte nicht zu dessen nachhaltigen Erfolg geführt. Hartwig und Hofbauer zeigten ein gutes Gespür für die damaligen Tendenzen, die aus den Aussagen der jungen Frauen heraus zu hören sind, die von Friedrich von Thun hinsichtlich ihrer sexuellen Erfahrungen befragt wurden. Seltsamerweise werden diese in heutigen Betrachtungen oft als „Fake“ angesehen, obwohl sie sich im Gegensatz zu den Spielszenen wesentlich näher am damaligen Zeitgeist befanden. Unabhängig davon, wie viele Frauen Thun interviewen musste, um an diese privaten Informationen zu gelangen, oder ob einzelne davon gestellt waren, vermittelten sie das reale Bild einer neuen weiblichen Generation – weder promiskuitiv, noch auf der Suche nach dem nächsten sexuellen Kick, wie es die Spielszenen vorgaukelten, sondern selbstbewusst agierend.

Damit wagte sich der „Schulmädchen-Report“ 1970 weit mehr hinaus als mit den ausgedachten Sex-Szenen, die aber dank des erfolgreichen Plädoyers des Psychologen letztlich auch ihre, die konservative Moral herausfordernde, Funktion erfüllten. So übertrieben, amateurhaft und unfreiwillig komisch Hofbauers Film im Detail häufig erscheint, so richtig war der Zusatz „Was Eltern nicht für möglich halten“ im Filmtitel. Die Welt, die der „Schulmädchen-Report“ 1970 vor den Betrachtern entfaltete, hatte mit der damaligen Realität nur wenig gemeinsam, aber er besetzte Sexualität positiv und verband sie zumindest ansatzweise mit einem realistischen Umfeld. Hofbauers Film gelang so das Kunststück, große Zuschauerkreise zu erschließen, deren sexuelle Ansichten zwar nicht „revolutioniert“, aber langsam und unmerklich ausgehöhlt wurden.

"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" Deutschland 1970, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Günther Heller, Günther Hunold (Buchvorlage), Darsteller : Günter Kieslich, Wolf Harnisch, Helga Kruck, Friedrich von Thun, Lisa Fitz, Jutta SpeidelLaufzeit : 85 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Holiday in St.Tropez" (1964)
"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)