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Donnerstag, 10. Oktober 2013

Jägerblut (1957) Hans H. König

Inhalt: Als der langjährige Förster Ferdinand Aiblinger (Willy Rösner) des nachts glaubt, zwei Schmugglern auf die Spur gekommen zu sein, muss er feststellen, dass es sich nur um Direktor Emil Zoppel (Ernst Waldow) aus Berlin handelt, der seinen Urlaub in den bayerischen Bergen verbringt. Gemeinsam mit dem Knecht der Pension seiner zwei Nichten Barbara (Edith Mill) und Gretl (Elisabeth Terval) Aiblinger, versucht dieser einem seltenen Nachtvogel auf die Spur zu kommen. Diese Art Misserfolg begleitete den Förster schon länger, weshalb er gegen seinen Willen in die Pension versetzt wird und ein jüngerer Kollege seine Stelle übernimmt.

Entsprechend ablehnend reagiert er auf seinen Nachfolger Franz Sixt (Helmuth Schneider), als dieser abends ausgerechnet in der Pension seiner Nichten auftaucht und ganz offensichtlich mit ihnen flirtet. Es kommt zu einem offenen Streit, den Sixt damit beendet, dass er die Gaststätte verlässt. Sie ahnen nicht, dass Schmuggler ihre Ware im Keller der Pension versteckt hatten, als sie in der Nacht zuvor von Grenzpolizisten gestört wurden. Als sie deshalb versuchen, wieder an ihr Schmuggelgut heranzukommen, werden sie zufällig von dem jungen Förster gestört. Der Schuss, der ihn trifft, verletzt ihn nicht schwer, aber die Tatwaffe gehört eindeutig dem alten Förster Aiblinger, weshalb er von der Polizei als Verdächtiger verhaftet wird...


Als "Jägerblut" Weihnachten 1957 in die deutschen Kinos kam, hatte das Heimatfilm-Genre seine Hochphase schon überschritten. Zwar bestand nach wie vor eine große Nachfrage, aber die Standards, die sich seit den frühen 50er Jahren als Erfolg versprechend erwiesen hatten, wurden in der Regel nur noch leicht verändert wiederholt - ein signifikantes Verhalten für eine abklingende Phase, die von dem möglichst risikolosen Versuch bestimmt wird, letzten wirtschaftlichen Nutzen aus einem Erfolgsmodell zu ziehen. Der Hintergrund einer intakten, vertrauten Landschaft gehörte von Beginn an zu den Grundlagen des Heimatfilms, ebenso wie eine hierarchisch geprägte, die traditionellen Geschlechterrollen betonende Sozialisation, aber zunehmend war der häufig ernsthafte, teilweise dramatische Grundtenor früher Heimatfilme einer ausgewogenen Unterhaltungsmischung gewichen - komödiantische Elemente und eine voraussehbare Liebesgeschichte, die nur Komplexität vortäuschte,  wechselten sich mit eingestreuten folkloristischen Szenen ab, um eine möglichst große Zuschauerzahl zu befriedigen. Die eigenständigen Heimatfilme unter der Regie von Hans H. König blieben eine seltene Ausnahme innerhalb des Genres, aber in "Jägerblut", seinem letzten Film als Regisseur - wie gewohnt mit Johannes Kai als Drehbuchautor an seiner Seite - schien ihn diese individuelle Ausrichtung verlassen zu haben.

Zum wiederholten Mal stand ein Förster im Mittelpunkt, der in die Mühlen aus Ablehnung, Eifersucht und Verbrechen gerät. Da der alternde Förster Ferdinand Aiblinger (Willy Rösner) seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen zu sein scheint, wird er von Franz Sixt (Helmuth Schneider) abgelöst, der auch das Forsthaus neu bezieht. Schon an einem der ersten Abende, als Sixt sich in die Gaststätte der Pension der Schwestern Barbara (Edith Mill) und Gretl Aiblinger (Elisabeth Terval) begibt – Tanz und Heimatgesang inbegriffen – gerät er in Streit mit seinem dickköpfigen Vorgänger. Auch Toni Moosbacher (Jan Henricks), ortsansässiger Frauenheld, reagiert nicht erfreut auf den Neuankömmling, der Gretl zu nah rückt. Zudem erschwert der junge Förster seine einträgliche Arbeit als Schmuggler, die er mit den beiden Brüdern Benno (Hans von Bosordy) und Simon Schaidler betreibt. Zusätzlich wird der bayerische Bergort noch von den gewohnten Witzfiguren bevölkert, wie dem „preußischen“ Touristen aus Berlin (Ernst Waldow), der nachts nach einer Eule sucht, die es in den Bergen nicht gibt, und Schleifspuren eines Seils an einem Baum für eine Tierspur hält. Gemeinsam mit dem Knecht seiner Pension begibt er sich auf nächtliche Ausflüge, die meist in alkoholischen Exzessen münden, was wiederum den Ärger der Ehefrau (Ruth Lommel) des Urlaubers und der Magd hervorruft, die ein Auge auf ihren Kollegen geworfen hat.

Es dauert nicht lange, bis es zu einem Schuss kommt. Der neue Förster wird getroffen und sein Vorgänger verhaftet, weil die Patrone aus seiner Dienstpistole stammt, die am Tatort aufgefunden wird. Aiblinger gibt zwar zu, den Verlust seiner Dienstwaffe nicht gemeldet zu haben, weil er zuvor schon in die Kritik geraten war, schwört aber, unschuldig zu sein – doch die Indizien sprechen gegen ihn. „Jägerblut“ verfügt über sämtliche Voraussetzungen für eine wilde Schmonzette. Große Liebesgefühle im Kampf um eine begehrte Frau und dramatische Szenen um Recht und Unrecht könnten auf der Leinwand herrschen, während die Flachlandtiroler neckischen Spielchen nachgehen und der Damenchor heimatliches Volksliedgut erklingen lässt. Und was macht Hans H. König daraus? – Einen straff erzählten, fast provokativ zurückhaltenden Film.

Der Schuss auf Franz Sixt hat nur eine Fleischwunde zur Folge, die den Protagonisten nicht aus der Bahn wirft. Dass Aiblinger auf ihn geschossen haben soll, glaubt außer der Polizei Niemand, denn auf das übliche Schüren übertriebener Emotionen - Hassgefühle, Verzweiflung oder dramatische Vorwürfe - verzichtete König vollständig. Auch die Liebesgeschichten bewahren sich in „Jägerblut“ einen eigenartig nebensächlichen Charakter. Besonders um Edith Mill, die in den meisten Heimatfilmen unter Königs Regie die Hauptrolle spielte und hier ebenfalls ihren Abschied vom Genre gab, geschieht fast nichts. Mit Ludwig Angerer (Armin Dahlen) entwickelt sich eine Beziehung, die nur kurz Irritationen ausgesetzt wird. Selbst die Eifersüchteleien um ihre Schwester Gretl, die versucht Toni Moosbacher gegen den Förster auszuspielen, erhalten keinen ernsthaft dramatischen Gestus, so wie den komödiantischen Szenen die übliche Penetranz und Überheblichkeit fehlt.

Oberflächlich betrachtet erscheint „Jägerblut“ heute als typischer, die gängigen Stilmittel verwendender Genre-Vertreter, doch im Vergleich wird deutlich, dass Hans H. König die Thematik nicht nur entschlackte, sondern auch Klischees vermied. Die beiden weiblichen Protagonistinnen werden zwar geheiratet, aber weder untergeordnet, noch müssen sie als zu rettende Opfer für die männlichen Helden herhalten - besonders Edith Mill tritt wie häufig in Königs Filmen („Der Fischer vom Heiligensee“ (1955)) selbstbewusst und bestimmt auf. Ihr grantiger Onkel, der gegen seinen Willen pensioniert wird, nimmt als Familienältester nicht die Position eines Oberhauptes ein – ein klassisches Motiv im Heimatfilm - sondern wird gezwungen, sich in seine Situation zu fügen. Zu verdanken ist der geradlinige Charakter des Films einer kammerspielartigen Szenerie, in der nur selten Statisten ins Bild gerückt werden, und einer Bildsprache, die neben den klassischen Gebirgsbildern mit nächtlichen Aufnahmen von Schluchten und Baumwipfeln auch eine melancholisch, düstere Stimmung verbreiten kann, wie sie auch in dem von Edith Mill gesungenen Lied nachzuempfinden ist.

Ob Hans H. König, der in seinem vorletzten Heimatfilm „Heiße Ernte“ (1956) eine individuellere Storyanlage wählte, in „Jägerblut“ den Gesetzen der Branche folgen musste, bleibt Spekulation. Es wurde sein letzter Film, mit dem es ihm gelang, die klassischen Genre-Regeln in einen nachvollziehbaren, unangenehme Auswüchse vermeidenden Rahmen unterzubringen.

"Jägerblut" Deutschland 1957, Regie: Hans H. König, Drehbuch: Johannes Kai, Darsteller : Edith Mill, Helmuth Schneider, Elisabeth Therval, Jan Hendricks, Ernst Waldow, Hans von Bosordy, Sepp RistLaufzeit : 93 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Hans H. König:

Sonntag, 30. Juni 2013

Der Fischer vom Heiligensee (1955) Hans H. König

Inhalt: Stefan Staudacher (Helmuth Schneider) kommt nach Jahren der Ausbildung zum Forst-Ingenieur wieder in seine Heimat zurück, um die Stelle als Verwalter auf dem Gut der Baronin von Velden (Lil Dagover) anzutreten, die der verstorbene Baron für ihn vorgesehen hatte. Doch nach dessen Tod hatte sich einiges verändert, denn Wolfgang von Döring (Albert Lieven), der Neffe der Baronin, hatte diese Aufgabe übernommen, weshalb er die Ankunft Staudachers als Kritik an seinen Fähigkeiten ansieht. Doch die Baronin kann ihn beruhigen und versichert ihm, dass er weiter die finanzielle Verantwortung trägt und der junge Mann mit ihm zusammenarbeiten soll.

Für Staudacher stellt sich diese Konstellation als schwierig heraus, da sich Von Döring jede Einmischung in seine Angelegenheiten verbietet. Er ahnt nicht, dass Von Döring kein Interesse daran hat, dass Jemand in die Bücher sieht, da er heimlich Geld für sich abzweigt, um Gilchert (Siegfried Lowitz) zu bezahlen, der ihn erpresst, weil er allein für einen von ihnen begangenen Betrug im Gefängnis gesessen hatte. Auch die Annäherung Staudachers an die Baronesse Sabine (Edith Mill) durchkreuzt seine Pläne, da er sich eine Heirat mit ihr erhofft, um endgültig Zugriff auf das Vermögen der Familie Von Velden zu bekommen…


Mitte der 50er Jahre befand sich der Heimatfilm in seiner Hochphase und die Standards, die wirtschaftlichen Erfolg an der Kinokasse versprachen, hatten sich entsprechend bewährt. Die Schönheit einer unberührten Landschaft, die das Publikum von den im Krieg zerstörten Städten ablenken sollte, gab den Hintergrund für die nach den immer gleichen Regeln entworfenen Geschichten, in deren Mittelpunkt meist ein Liebespaar stand, dass auf Grund von Standesdünkeln oder moralischer Entrüstung der örtlichen Bewohner nicht zusammen kommen durfte. Dabei vertraten die Heimatfilme einen scheinbar modernen, gegen die herrschende Meinung gerichteten Standpunkt, da sie die Liebe der zwei attraktiven Protagonisten herauf beschworen, aber in der Regel fanden sich am Ende - selbstverständlich nach einer gewissen dramatischen Zuspitzung - begütigende Situationen, die sowohl das Happy-End ermöglichten, als auch eine konservative Haltung bestätigten, mit der sich der Großteil der Zuschauer identifizieren konnte.

Regisseur Heinz H.König, dessen erster zu pessimistisch angelegten Heimatfilm "Rosen blühen auf dem Heidegrab" (1952) kein großer Erfolg wurde, hielt sich in "Der Fischer vom Heiligensee" an diese Kriterien, weshalb sein zweiter Film mit Hauptdarstellerin Edith Mill, der damaligen Frau seines Bruders, aus heutiger Sicht als typischer Vertreter des Genres angesehen wird. Doch dieser Eindruck täuscht, denn die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Johannes Kai, der später noch in "Heiße Ernte" (1956) und "Jägerblut" (1957) an Königs Seite mitwirkte, unterscheidet sich in wesentlichen Details von den überwiegend konventionellen Ablegern des Genres, die dem Film zwar nicht die Vorhersehbarkeit nahmen, aber fast vollständig auf reaktionäres Gedankengut und die damals propagierten konservativen Geschlechterrollen verzichtete.

Neben dem außergewöhnlichen Fakt, dass es hier die Frau ist - Baronesse Sabine von Velden (Edith Mill) - die gesellschaftlich über dem Forst-Ingenieur Stefan Staudacher (Helmuth Schneider) steht, der nur der Sohn des ortsansässigen Fischers (Heinrich Gretel) ist und seine Ausbildung Sabines verstorbenem Vater verdankt, sind es besonders die Darsteller Lil Dagover, Albert Lieven und Siegfried Lowitz, die hier den Unterschied ausmachen. Lil Dagover als Sabines Mutter Baronin Hermine von Velden ist jederzeit souverän in ihrem Standesdünkel, dabei angemessen und selbstbewusst auftretend. Sie vertraut ihrem Neffen Wolfgang von Döring (Albert Lieven), der das Gut nach dem Tod ihres Mannes verwaltet, ohne zu ahnen, dass er sie hintergeht, um seinen früheren Kompagnon Gilchert (Siegfried Lowitz) auszubezahlen, der für ein von ihnen gemeinsam begangenes Betrugsdelikt ins Gefängnis gegangen war.

Diese Gut-Böse-Konstellation ist zwar klischeehaft angelegt, weshalb jedem Betrachter klar sein dürfte, dass Von Döring bei Sabine als Mann keine Chance gegen den anständigen und tüchtigen Stefan Staudacher hat, aber Albert Lieffens Spiel verliert in seinem immer verzweifelter werdenden Versuch, gegenüber seiner Tante das Gesicht zu wahren, nie die Contenance, während Siegfried Lowitz geradezu aufreizend lässig die Rolle des Erpressers übernimmt, der keine groben Mittel anwendet, sondern mit gewählten Worten Druck ausübt. Heinz H.König inszenierte diese Konstellation straff und mit fast vollständigem Verzicht auf den sonst typischen Altherren-Humor (nur Beppo Brem darf einmal kurz alkoholisch über die Stränge schlagen), herzige Kinder und folkloristische Einlagen, die nur bei dem abschließenden Happy-End einen Moment lang ins Bild gerückt werden. Der Landschaft widmet er einige beeindruckende Kameraeinstellungen, aber sein Augenmerk liegt auf den Protagonisten, die jederzeit nachvollziehbar und ohne die für den Heimatfilm typischen Übertreibungen agieren – selbst die vorhersehbare Liebesgeschichte fällt innerhalb des Gesamtkontextes nicht unangenehm ins Gewicht.

Stattdessen entwickelt König geschickt eine Dramatik, die zwangläufig auf die Katastrophe zuläuft, und erinnert damit in seinen besten Momenten an die Melodramen Douglas Sirks. Auch wenn dem Ende die Konzession an den Heimatfilm anzumerken ist, benötigt der Film keine zusätzlichen Beschönigungen und relativiert nicht, dass der Sohn des Fischers die Baronesse heiratet – ein überraschender Moment der Moderne im deutschen Heimatfilm.

"Der Fischer vom Heiligensee" Deutschland 1955, Regie: Hans H. König, Drehbuch: Johannes Kai, Darsteller : Edith Mill, Lil Dagover, Helmuth Schneider, Albert Lieven, Siegfried Lowitz, Anneliese Kaplan, Heinrich Gretler, Beppo BremLaufzeit : 87 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Hans H. König:

"Heiße Ernte" (1956)
"Jägerblut" (1957)

Sonntag, 2. Juni 2013

Heiße Ernte (1956) Hans H.König

Inhalt: Wie jedes Jahr im August kommen zahlreiche Erntehelfer nach Tettnang in die Nähe des Bodensees, um bei der Hopfenernte mit anzupacken. Nach Geschlechtern getrennt werden sie in Baracken untergebracht, von wo aus sie jeden Tag zu den Feldern gebracht werden - für viele von ihnen eine wichtige Erwerbsquelle. Doch diesmal kommt es für Konrad Stammer (Erik Schumann), Sohn des Gutsbesitzers und engagierter Organisator des Ernteeinsatzes, zu einer überraschenden Wiederbegegnung.

Unter den Arbeiterinnen befindet sich Auschra (Edith Mill), eine junge Vertriebene, bei deren Familie er als Soldat während des 2.Weltkriegs im Memelland Unterkunft gefunden hatte. Schon damals hatte sie ihm gefallen, weshalb seine Gefühle für sie erneut entflammen. Zuerst zurückhaltend, beginnt Auschra seine Liebe zu erwidern, womit sie erhebliche Konflikte herauf beschwört. Konrad Stammer ist mit Sybille Scharfenberg (Hanna Rucker), der Tochter des benachbarten Gutsbesitzers (Ernst F.Fürbringer), verlobt und mit Stanislaus Sadowski (Harald Schmid) taucht ein Mann aus Auschras Heimat auf, der für sich ältere Rechte an ihr einfordert...


Während seiner nur wenige Jahre andauernden Karriere als Regisseur und Drehbuchautor widmete sich Hans H. König größtenteils dem Heimatfilm, bevor er nach "Jägerblut" (1957) wieder ausschließlich als Schriftsteller arbeitete. Beginnend mit "Rosen blühen auf dem Heidegrab" (1952), entstanden seine Werke während der Hochphase des Genres, weshalb seine außergewöhnliche Art der Inszenierung unter den die Erwartungshaltung des Publikums meist auf übliche Weise bedienenden Heimatfilmen in Vergessenheit geriet. An "Heiße Ernte" arbeitete König zudem das vierte Mal mit Edith Mill zusammen, der damaligen Frau seines Bruders, die erneut die weibliche Hauptrolle übernahm. Auch Johannes Kai, der seinen Namen nach dem Krieg änderte, da er unter seinem gebürtigen Namen Hanns Wiedemann für einschlägige Publikationen während der Zeit des Nationalsozialismus verantwortlich war, war das dritte Mal an einem seiner Drehbücher beteiligt, dass sich offensichtlich am neorealistischen Reißer "Riso amaro" (Bitterer Reis, 1949) von Giuseppe De Santis orientierte.

In beiden Filmen steht der Einsatz einfacher Arbeiter - hier zur Ernte von Hopfen, in "Riso amaro" zur Anpflanzung von Reis - im Mittelpunkt, die aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, entfernt von ihrer Heimat unter wenig komfortablen Bedingungen einem harten Broterwerb nachzugehen. Auch die Unterbringung in Baracken, die teilweise handgreiflichen Auseinandersetzung der Frauen auf engstem Raum, die der Regisseur zur Befriedigung voyeuristischer Einblicke nutzte (von König gleichzeitig wieder ironisiert, indem er die Männer schamlos glotzen lässt) und die realistische Darstellung des Arbeitseinsatzes, erinnern stark an "Riso amaro", aber König verzichtete auf jegliche politische Relevanz und schilderte die Gutsherrn als untadelige Autoritäten, die ihre Arbeiter unter fairen Bedingungen beschäftigen.

Auch "Riso amaro" nutzte seinen gesellschaftskritischen Gestus nur oberflächlich, legte seine Protagonisten aber komplexer an. Anders als Silvana Mangano, die in ihrer Rolle kriminell handelte und provozierend erotisch auftrat, muss allein der Hintergrund als nach dem Krieg Vertriebene dafür herhalten, das Auschra (Edith Mill) mit den Vorurteilen ihrer Umgebung konfrontiert wird. Ihr wird promiskuitives Verhalten und kalte Berechnung unterstellt, um den Sohn des Gutsbesitzers Konrad Stammer (Erik Schumann), der mit der Tochter des benachbarten Gutsbesitzers Sybille Scharfenberg (Hanna Rucker) verlobt ist, zu verführen. Doch König lässt weder einen Zweifel am Anstand von Auschra, noch an seiner kritischen Haltung gegenüber den so Urteilenden. Die Vorurteile gegenüber den Vertriebenen waren sicherlich Realität in der jungen BRD, aber König nutzte sie nur zur Dramatisierung, ohne einen generellen gesellschaftskritischen Bezug herzustellen.

Auch die männlichen Charaktere unterschieden sich deutlich zwischen beiden Filmen. Vittorio Gassman ist als charmanter Krimineller in „Riso amaro“ differenzierter gestaltet als Helmut Schmid, der – das dritte Mal von Hans H.König in seinen Filmen besetzt - mit seiner  körperbetonten Energie für die Rolle des Bösewichts geradezu prädestiniert wirkt. Wieder aus dem Gefängnis entlassen, verdingt sich Stanislaus Sadowski (Helmut Schmid) ebenfalls als Erntearbeiter, hat es aber nur auf Auschra abgesehen, der er bei der Flucht aus dem Memelland beigestanden war, nachdem ihre Eltern gestorben waren. Daraus macht er gegenüber Konrad Stammer - der im Vergleich zu Stanislaus blass bleibt, auch wenn er um seine Liebe kämpft - ältere Rechte an ihr geltend, als sich zwischen dem jungen Gutsherrn und Auschra etwas anbahnt. So lässt es sich begründen, warum der Film später den Titel "Der Gutsherr und das Mädchen" erhielt, der nur noch auf diese klassenübergreifende Liebesgeschichte hinwies, obwohl diese Änderung sicherlich auch von dem Vorbild "Riso amaro" ablenken sollte.

Unnötigerweise, denn auch wenn Königs Film die italienische Lässigkeit im Umgang mit moralischen Standards vermissen ließ, so unterschied sich sein Heimatfilm - sowohl in den spontan wirkenden musikalischen Einlagen, den ungekünstelten Naturaufnahmen, als auch dem Umgang der Geschlechter untereinander - wesentlich von vielen volkstümelnden und moralisch verlogenen Kreationen des Genres. Zwar entsprach die negative Charakterisierung der "selbstbewussten und unabhängigen Frau" Sybille - die ihren Verlobten folgerichtig an Auschra verliert - der damals gängigen Meinung, aber entscheidender für die abschließende Wirkung des Films war, dass die Produktionsgesellschaft in das von König geplante Ende eingriff. Anstatt dem eindrucksvoll agierenden Helmut Schmid als Wüterich Stanislaus die abschließende Konsequenz zu überlassen, was den guten Gesamteindruck gesteigert hätte, musste Edith Mill in einer später nachgedrehten Szene unrealistischerweise einen meterhohen Absturz überleben, da dem Publikum das negative Ende nicht zuzumuten gewesen wäre.

"Heiße Ernte" Deutschland 1956, Regie: Hans H. König, Drehbuch: Johannes Kai, Hans H. König, Carl Winston, Darsteller : Edith Mill, Erik Schumann, Helmut Schmid, Hanna Rucker, Maria Sebaldt, Ernst F. Fürbringer Friedrich DominLaufzeit : 92 Minuten


weitere im Blog besprochene Filme von Hans H. König:

Dienstag, 16. April 2013

Der rote Kreis (1960) Jürgen Roland


Inhalt: Der Deliquent wird zu einer Guillotine geführt, doch das Vorhaben, das Todesurteil gegen ihn zu vollstrecken, misslingt, da der betrunkene Henker einen Fehler macht. Acht Jahre später hält ein Erpresser London in Atem, denn Jeder, der seinen Forderungen nicht nachkommt oder ihn an die Polizei verraten will, wird ermordet. Als Zeichen hinterlässt er einen Papierstreifen mit einem roten Kreis.

Auch Lady Doringham (Edith Mill) wird Opfer des Erpressers, als dieser von ihr verlangt, das Kollier der Familie Doringham gegen ein Imitat einzutauschen. Er hat sie in der Hand, denn er weiß, dass sie ihren viel älteren Ehemann betrügt. Dagegen will sich der ebenfalls erpresste Mr. Beardmore (Thomas Alder) wehren und nicht mehr länger ansehen, wie Scotland Yard ergebnislos versucht, den Mörder zu fassen. Er beauftragt den erfolgreichen Privatdetektiv Derrick Yale (Klausjürgen Wussow) mit der Angelegenheit…


Schon die erste Szene macht deutlich, dass es sich bei dem Mörder, der nach jeder Tat sein Zeichen - einen roten Kreis - zurücklässt, um keinen Wahnsinnigen handelt, sondern um einen ruhig und kalkuliert vorgehenden Verbrecher. Mit wenigen Worten erklärt er Lady Doringham (Edith Mill), die gerade von ihrem Liebhaber kommt, was er von ihr verlangt. Der Tod droht ihr nur, wenn sie seine erpresserische Forderung nicht erfüllt - oder bei Verrat.

Zu Beginn erzählt "Der rote Kreis" noch eine kleine Vorgeschichte, die in Paris spielt, und den gescheiterten Versuch zeigt, einen Mann per Guillotine ins Jenseits zu befördern, weil der betrunkene Henker einen Nagel zu tief eingeschlagen hatte. Vordergründig wirkt die Szenerie fremdartig, ganz abgesehen davon, das es offen bleibt, warum der verurteilte Mörder daraufhin lebenslänglich bekam, was ihm erst die Gelegenheit gab, aus dem Gefängnis zu entkommen. Einzig die Stimme aus dem Off, die vermittelt, dass dieses Missgeschick 8 Jahre später 25 Morde zur Folge haben sollte, stellt die Verbindung zum weiteren Geschehen her.

Im Gegensatz zu diesem ersten Eindruck entwickelt sich die weitere Story sachlich und rational in der Einführung der Protagonisten. Wie schon in der ersten Edgar-Wallace-Verfilmung "Der Frosch mit der Maske" (1959) spielte Ernst F.Fürbringer den Chef von Scotland Yard, dem diesmal Karl-Georg Saebisch als kurz vor der Rente stehender Ermittler Inspektor Parr zur Seite steht. Sein ruhiges und seinem Alter entsprechendes Tempo bleibt für den gesamten Film bestimmend, was diesem zu Gute kommt, da die wenigen Actionszenen wesentlich deutlicher hervortreten, als in einigen späteren Filmen, die vor lauter Morden manchmal den Überblick verlieren.

Ganz so viele Tötungsdelikte können auf den Betrachter auch nicht mehr zukommen, da 19 ungeklärte Morde bereits geschehen sind, wie der Privatdetektiv Derrick Yale (Klausjürgen Wussow) Mr. Beardmore (Thomas Alder) mitteilt, der ihn wegen der Unfähigkeit der Polizei mit der Angelegenheit beauftragt hatte, nachdem er selbst vom "Roten Kreis" bedroht wurde. Eine offensichtlich peinliche Situation für die Polizei, allerdings stellt sich Yale als besonnener Zeitgenosse heraus, der nicht an Konkurrenz interessiert ist, sondern daran, seinen Mandanten zu schützen, weshalb er bereitwillig mit der Polizei zusammenarbeitet.

Regisseur Jürgen Roland bleibt seinem aus der "Stahlnetz" Fernsehserie bekannten geradlinigen, nachvollziehbaren Stil treu, auch bedingt durch die erneute Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Wolfgang Menge, so dass der Betrachter dem verwickelten Geschehen problemlos folgen kann. Zu diesem gesellen sich Mr.Beardmors`s Neffe Jack (Thomas Adler), die geheimnisvolle und schöne Renate Ewert als Thalia Parr, deren Chef Froyant (Fritz Rasp) und ein seltsamer Franzose namens Marles (Richard Lauffen), der wieder eine Verbindung zur Pariser Vorgeschichte herstellt. Und - wie in vielen späteren Edgar-Wallace-Filmen üblich - Eddie Arent als Sergeant Haggett, der erst zur Mitte der Laufzeit eingreift, da sich Roland viel Zeit lässt für die Zusammenführung der verschiedenen Handlungsstränge.

Besonders Renate Ewerts Rolle ist bemerkenswert modern gestaltet, da sie erstaunlich frivol und selbstbewusst agiert, und hier trotz ihrer Rolle als Love-Interest nicht zum typischen Opfer wird. Auch ihre Beziehung zu einem der Männer, die bei Edgar Wallace Filmen in der Regel schnell feststeht, bleibt bei der Vielzahl der Interessenten und ihrer bis zuletzt schwer einschätzbaren Rolle lange offen. Neben diesen Qualitäten fallen auch die gut inszenierten Action-Szenen auf, besonders der Mord an Lady Doringham, die den Fehler begeht, die Erpressung der Polizei zu melden.

Dank der Zusammenarbeit von Yale mit der Polizei wird es zunehmend eng für den Erpresser, dessen Spur zurück nach Paris führt, und es kommt zu einem Ende, dass an einen Agatha Christie-Krimi erinnert, wenn Inspektor Parr in Hercule-Poirot-Manier den Täter im Kreis der Verdächtigen mit einem Trick überführt. Selbst der fast versöhnliche Schluss, der noch einmal die Ermittler und den Gesuchten zusammenführt, hat wenig vom üblichen Getöse, das normalerweise zum Tod des Mörders führt. Ganz abgesehen davon, dass die Lösung trotz aller Konstruiertheit nachvollziehbar ist und bei aufmerksamer Betrachtung des Geschehens vorausgesehen werden kann.

Obwohl "Der rote Kreis" schon einige typische Elemente beinhaltet, unterscheidet er sich dank seiner Ernsthaftigkeit und Strukturiertheit von den späteren Filmen der Edgar-Wallace-Reihe. Selbst Eddie Arent albert noch nicht herum, sondern glänzt mit schwarzem Humor. Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass der zweite Edgar-Wallace-Film eher zu den unbekannten Filmen der Reihe gehört. Während der "Der Frosch mit der Maske" stilbildend für die späteren Filme wurde, überrascht es nicht, dass Jürgen Roland mit "Der grüne Bogenschütze" nur noch einen weiteren Film nach Edgar Wallace drehte, sondern stattdessen gemeinsam mit Wolfgang Menge Filme wie "Polizeirevier Davidswache" (1964) heraus brachte, deren Handlung eng an die Realität angelehnt wurde. Trotzdem ist "Der rote Kreis" auch für Wallace-Enthusiasten ein Erlebnis, weil er zwei Stile zusammenführte, die scheinbar nicht zusammengehören – eine schräge, plakative Handlung mit einem klassischen Krimi.

"Der rote Kreis" Deutschland, Dänemark 1960, Regie: Jürgen Roland, Drehbuch: Wolfgang Menge, Egon Eis, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Renate Ewert, Klausjürgen Wussow, Ernst F. Fürbringer, Karl-Georg Saebisch, Fritz Rasp, Edith Mill, Eddie ArentLaufzeit : 88 Minuten

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