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Sonntag, 11. Dezember 2016

Mein Schatz komm mit ans blaue Meer (1959) Rudolf Schündler


Lilo (Renate Ewert) und Hansi (Monika Dahlberg) mit Camillo Felgen von RTL
Inhalt: Camillo Felgen von Radio Tele Luxemburg stellt vor einem großen Publikum die Gewinnerinnen des „Bravo“- Preisausschreibens vor:  Lilo (Renate Ewert), von Beruf Maniküre, und Hansi (Monika Dahlberg), die ihrer Mutter im Haushalt hilft. Von ihr ist der auf den Rängen wild klatschende Bubi Hannemann (Harald Juhnke) so begeistert, dass er sie gegenüber seinem Freund schon als seine zukünftige Frau vorstellt. Der hält ihn für verrückt, aber Bubi hat einen konkreten Plan. Als LKW-Fahrer fährt er demnächst eine Tour nach Italien - genau dorthin, wohin auch die beiden jungen Frauen reisen sollen, um 10000 Mark zu gewinnen. 

Der Wohnwagen wurde von der "Bravo" übergeben - es kann los gehen...
Für diese fängt der eigentliche Wettbewerb jetzt erst an. Mit dem Wohnwagen, der ihnen von der „Bravo“ zur Verfügung gestellt wurde, sollen sie ans Mittelmeer und wieder zurückreisen. Innerhalb von drei Wochen und ohne eigenes Auto. Das Zugfahrzeug sollen sie sich per Anhalter organisieren. Zudem müssen sie unterwegs noch ein paar Aufgaben lösen, kontrolliert von Dr.Karin Beer (Christine Görner), die sie als Journalistin der „Bravo“ begleitet und für die Jugendzeitschrift berichtet. Doch bevor Bubi mit seinem LKW vor Ort sein kann, hat Lilo schon den ersten "Kavalier der Straße“ organisiert. 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Als Genre tritt der "Tourismusfilm" heute kaum in Erscheinung, da er sich vom Schlagerfilm nur wenig abgrenzte und sich stark an einem Zeitgeist orientierte, der sich vehement wandelte. "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" spiegelte den wachsenden Trend zu mehr Aktionismus und einer freizügigeren Optik wider, auch dank der Zusammenarbeit mit der aufstrebenden Jugendzeitschrift "Bravo", die ein besonders junges Publikum ansprechen wollte. Für ruhige Momente an beschaulichen Orten blieb da keine Zeit mehr. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 


Lilo organisert den ersten "Kavalier" (Werner Finck)
Gemessen an den nackten Zahlen, gehörte die Urlaubsreise in den europäischen Süden Ende der 50er Jahre noch zu den exklusiven Vergnügungen in Deutschland - 1960 reiste etwa jeder Zehnte über die Alpen - im schnelllebigen Kino galt sie schon als alter Hut. Wie in den artverwandten Genres Heimat- und Schlagerfilm ging der Trend auch im Tourismusfilm zunehmend in Richtung Aktionismus. Es genügte nicht mehr, malerische Küstenorte vor der untergehenden Mittelmeer-Sonne ins Bild zu rücken, sondern es bedurfte einer abwechslungsreichen und zeitgemäßen Story. Das galt doppelt für eine aufstrebende Jugendzeitschrift wie die "Bravo", deren Auflage seit ihrer Premiere 1956 ständig gestiegen war und die in "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" nicht einfaches "Product Placement" betrieb, sondern eng mit der Franz Seitz Filmproduktion zusammenarbeitete.

Dany Mann singt "Weil ich noch jung bin, gefährlich jung bin"
Offensichtlich zu beiderseitigem Vorteil, denn die Besetzung sowohl vor als auch hinter der Kamera sollte ein möglichst breit gefächertes Publikum erreichen. Der Schauspieler Rudolf Schündler, seit 1950 („Der Geigenmacher aus Mittenwald“) auch im Regie-Fach tätig, und die Autorin Ilse Lotz-Dupont („Wetterleuchten um Maria“, 1957) gehörten in den 50er Jahren zu den Aktivposten im Heimatfilm-Genre (siehe "Im Zenit des Wirtschaftswunders - der Heimatfilm der Jahre 1955 bis 1958") und hatten schon mehrfach ihre Anpassungsfähigkeit an den Zeitgeist bewiesen. Anders als in "Das blaue Meer und Du", der im letzten Drittel zu einem bebilderten Reise-Prospekt mit Musik wurde, legten sie gemeinsam mit Co-Autor Franz Marischka ("Liebe, Sommer und Musik", 1956) das Gewicht auf eine turbulente Story mit einer großen Anzahl bekannter Film-Stars wie Renate Ewert, Joachim Fuchsberger, Harald Juhnke und Hans von Bosordy sowie den noch frischen Gesichtern von Christine Görner und Monika Dahlberg. Dazu gesellten sich diverse Show-Acts um die mitspielende Sängerin Dany Mann:

„Weil ich noch jung bin, gefährlich jung bin,
möcht‘ ich küssen, alles wissen, von der Liebe und vom Glück“ 

Lilo gefällt Mercedes-Fahrer Martin (Hans von Bosordy)...
singt sie gleich zu Beginn und gab damit das Motto eines Films vor, in dessen Mittelpunkt verschiedene Varianten der Beziehungsanbahnung stehen. Auch Dany Mann bekam mit dem Sänger Günther Frank einen Partner an die Seite gestellt, aber ihre Rollen als Annabelle und Tommy blieben im Schatten der drei „Haupt-Paare“. Tommy war seiner angebeteten Lilo (Renate Ewert) per Goggomobil an den Comer See gefolgt und Annabelle befand sich als Cousine des reichen Hoteliers Paul Marzez (Joachim Fuchsberger) auf Grund des Bootrennens dort. Dass sie im Handumdrehen ein Paar werden, täuscht nicht darüber hinweg, dass sie wie ihre Musiker-Kollegen Ted Herold, Gus Backus oder das Orchester unter der Leitung von Max Greger ausschließlich für die Untermalung im Film zuständig waren.

...ahnt aber nicht, dass der Wagen seinem Chef Paul Marzez (Joachim Fuchsberger) gehört
Das galt auch für die geographischen Schönheiten im Hintergrund, auf die sich der Film entgegen der Betonung des „blauen Meers“ im Filmtitel nur selten konzentrierte. Stattdessen trieben die Macher das im Tourismusfilm beliebte Motiv des „Reisens per Anhalter“ auf die Spitze. Die zwei Gewinnerinnen eines „Bravo“- Preisausschreibens Lilo und Hansi (Monika Dahlberg) sollen mit einem von der Zeitschrift zur Verfügung gestellten Wohnwagen innerhalb von drei Wochen ans Mittelmeer und wieder zurück nach München reisen – ohne eigenes Zugfahrzeug. Das müssen sie sich per Anhalter organisieren. Damit noch nicht genug. Als Reise-Reporterin wird ihnen Dr. Karin Beer (Christine Görner) an die Seite gestellt, die nicht nur an einer Kolumne für die „Bravo“ arbeitet, sondern noch einige Überraschungs-Aufgaben parat hat, die die beiden jungen Frauen erfüllen müssen, wollen sie am Ende 10000 Mark gewinnen - darunter innerhalb eines Tages 10 Mark verdienen und eine Nacht im Gefängnis verbringen.

Spielchen auf dem Markus-Platz
Mit einer typischen Urlaubsreise hatte das nichts mehr zu tun. Entsprechend schnell wurden auch die touristischen Höhepunkte abgehandelt. Vor dem Anblick der Salzburg gibt Ted Herold einen Rock’n Roll auf einem Camping-Platz zum Besten, der Comer See dient als Ort für ein rasantes Schnellbootrennen und der Campanile am Markus-Platz bildet die pittoreske Kulisse für die abschließende Aufgabe mit „verbundenen Augen über einen verkehrsreichen Platz zu laufen“. Einmal sitzen Lilo und Hansi beim Rotwein auf einer Terrasse einer Osteria am Mittelmeer und betrinken sich aus Liebeskummer. Ein beschaulicher Ort, an dem sich auch viele Italiener aufhalten. Nur die Musik passt nicht dazu. Es erklingt der Schlager „So lange du einen Freund hast“ des österreichischen Vokal-Quartetts „Die blauen Jungs“, schunkelnde Gäste inclusive. Das „Blaue Meer“, Venedig und typische Italien-Vorurteile, wie der rasende Klein-LKW-Fahrer, der sich in den Bergen des Wohnwagens annimmt, bildeten nur den Rahmen, Authentizität war nicht gefragt.

Bubi (Hans Juhnke) macht die Sache mit Hansi klar...
„Mein Schatz komm mit ans blaue Meer“ hätte sich als Potpourri aus Schlager, Urlaubskulisse und einer Handlung ohne Anspruch auf Logik bis heute seinen Unterhaltungswert bewahrt, steckten die erstaunlich vielen weiblichen Hauptrollen nicht so tief in der Klischeekiste. Hansi ist der hausfrauliche Typ und erhält vom selbstbewussten LKW-Fahrer Bubi Hannemann (Harald Juhnke) schon bei der ersten Verabredung einen Heiratsantrag. Allein das sie „Eisbein mit Sauerkraut“ wie seine Mutter kochen kann, beflügelt seine Liebe. Einen Moment reagiert Hansi ob dieser wenig romantischen Argumentation beleidigt, worauf Bubi schnell einen Strauß Rosen ordern will. Doch sie stoppt ihn und begnügt sich mit einer Rose – sie müssten schließlich sparen. Die Kombination aus rustikalem Kraftfahrer und genügsamer, fleißiger Hausfrau ließe sich heute als ironische Überhöhung verstehen, war damals aber als Sympathieträger ernst gemeint.

...und Paul nimmt Dr. Karin Beer (Christine Görner) die Brille ab
Entgegengesetzt steht die flatterhafte Figur der Lilo, deren wichtigstes Kriterium für die Männer-Wahl in deren finanzieller Potenz zu finden ist. Selbstbewusst weiß sie ihre körperlichen Vorzüge ins Licht zu setzen und glaubt, jeden Mann um den Finger wickeln zu können. Natürlich einzig und allein, um den richtigen Ehemann für die zukünftige Vollversorgung sicherzustellen. Ein Anstand, um den sich die Kamera wenig scherte, die die schöne Renate Ewert meist stöckelnd und leicht geschürzt ins rechte Bild rückte. Selbstverständlich durfte Lilos berechnende Strategie nicht aufgehen. In Salzburg lernt sie den feschen Martin (Hans von Bosordy) kennen, der ihr mit seinem Mercedes-Cabriolet imponiert. Dass er nur der Mechaniker seines Chefs Marzez ist, verrät er ihr (noch) nicht. Der reiche Hotelier interessiert sich dagegen für die studierte Dr.Karin Beer, die hier für den berufstätigen, früh-emanzipierten Frauentyp steht, der seine weibliche Seite freudlos unterdrückt. Ein Fall für „Blacky“ Fuchsberger, der erst einmal dafür sorgt, dass sie ihre Brille abnimmt und ihre schönen Augen hervorkommen. Der Rest läuft dann von allein.

Nimmt man noch die ständig plappernde Annabelle hinzu, die gar nicht versteht, warum sie ihr Cousin stoppen will, ist das Frauenquartett an Vorurteilen komplett, ohne dass der Film diese Charakteristika besonders schwer nahm. Typischer Komödienstoff der späten 50er Jahre, der die beliebten Klischees ungeniert bediente. Am Ende kommen alle vier Damen unter die Haube und feiern den Gewinn von 10tsd Mark mit ihren zukünftigen Männern gemeinsam auf der „Bravo“-Bühne. Mit der „gefährlichen Jugend“ war es damit natürlich vorbei. 


"Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" Deutschland 1959, Regie: Rudolf SchündlerDrehbuch: Ilse Lotz-Dupont, Franz MarischkaDarsteller : Joachim Fuchsberger, Christine Görner, Harald Juhnke, Monika Dahlberg, Hans von Bosordy, Renate Ewert, Dany Mann, Werner Finck, Gus Backus, Ted Herold, Ady Berber, Laufzeit : 93 Minuten

Montag, 14. November 2016

Unter Palmen am blauen Meer (1957) Hans Deppe


Die Band (mit Bibi Johns und Harald Juhnke) erfährt von ihrem Engagement in Italien
Inhalt: Freddy (Harald Juhnke), Sängerin Kitty (Bibi Johns) und ihre drei Mitmusiker freuen sich über ein Engagement in Italien, das neben einem Einkommen auch Ferien am Mittelmeer verspricht. Nur stellt sich die Frage, wie sie dort mit ihren beschränkten Finanzen hinkommen sollen, die nur für drei Bus-Fahrkarten reichen. Sie beschließen, dass zwei von ihnen per Anhalter von München über die Alpen reisen sollen. Wer, soll per Los entschieden werden. Nur Kitty steht dafür nicht zur Verfügung, wie ihr Freund Freddy findet. Das wäre zu gefährlich. Doch sie denkt gar nicht daran und begleitet den Bassisten, der das Auswahlverfahren verloren hatte. Mit dem Ergebnis, dass sie sofort mitgenommen wird und er auf der staubigen Straße mit seinem Instrument zurückbleibt.

Die Contessa (Lil Dagover) und ihre Nichte Marina (Giulia Rubini)
Parallel befindet sich auch der Orchesterchef und Violinist Helmut Zacharias auf dem Weg zu dem idyllisch am Mittelmeer gelegenen Ort. Er will sich von seiner anstrengenden Tournee erholen und hat sich in der Villa der Contessa (Lil Dagover) eingemietet. Allerdings kann er nicht alle Räume wie geplant nutzen, da überraschend auch deren 19jährige Nichte Marina (Giulia Rubini) eingetroffen war. Das stört Zacharias ebenso wenig wie das Musikverbot, dass in der Villa herrscht und auf das die stets in Schwarz gekleidete Contessa, unterstützt von ihrem Diener Cesare (Charles Regnier), streng achtet. Doch die kommenden Ereignisse werden dieses Diktat auf eine harte Probe stellen… 


"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Hans Deppes Film "Unter Palmen am blauen Meer" griff als einer der ersten Filme diesen Trend auf und variierte die bekannten Muster des Schlager- und Heimatfilms in Richtung einer neuen Gattung, dem "Tourismusfilm". Schauspieler, Musik und Handlungselemente blieben vertraut, fanden aber vor der malerischen Kulisse des Mittelmeers statt, angereichert mit südländischer Folklore. Als Genre tritt der "Tourismusfilm" heute kaum in Erscheinung, da er sich vom Schlagerfilm nur wenig abgrenzte und sich stark an einem Zeitgeist orientierte, der sich vehement wandelte. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und Du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966)


Perspektiv-Wechsel ans "blaue Meer"
Regisseur Hans Deppes Einfluss auf den Heimatfilm ist allgemein bekannt. 1934 verantwortete er die Verfilmung des Ludwig-Ganghofer-Romans "Schloss Hubertus", Anfang der 50er Jahre wurden seine Filme "Schwarzwaldmädel" (1950) und "Grün ist die Heide" (1951) zu Initialzündungen für ein Wiederaufleben des Genres nach dem Krieg ("Die erste Boom Phase - der Heimatfilm der Jahre 1951 bis 1954"). Weniger bekannt ist seine Rolle im Zusammenhang mit dem "Tourismusfilm", eine Begrifflichkeit, die auf Grund der Nähe zum Schlager- und Heimatfilm selten Anwendung findet. Tatsächlich tauchte in Deppes Film nicht nur erstmals der Sehnsuchtsbegriff "blaues Meer" in einem Filmtitel (und dem dazu gehörigen Titelsong) auf, "Unter Palmen am blauen Meer" wurde zum Prototyp einer Gattung, die die aufkommende Reisefreudigkeit der Deutschen in den späten 50er Jahren aufgriff. 

Kleine Verschnaufpause der Busfahrer...

Besonderheiten des Tourismusfilms

Man nehme den Schlagerfilm, versetze die wahlweise komödiantische/dramatische Handlung an südliche Gestade und mixe das Ganze noch mit ein paar folkloristischen Eigenarten des Gastgeberlandes. Eine Rezeptur, die Hans Deppe schon in „Der Fremdenführer von Lissabon“ (1956) erfolgreich anwendete, in dem Vico Torriani vor der prachtvollen portugiesischen Kulisse zwischen zwei Frauen gerät. Gleich in der ersten Szene des Films wird er berufsbedingt mit einer internationalen Reisegruppe konfrontiert. Damit sprach „Der Fremdenführer von Lissabon“ oder der im gleichen Jahr herausgekommene „Santa Lucia“, ebenfalls mit Vico Torriani in der Hauptrolle, zwar das aufkommende Fernweh im prosperierenden Wirtschaftswunder-Deutschland an, stellte aber keine Verbindung her zur Realität des durchschnittlichen Kino-Besuchers.

...während Kitty (Bibi Johns) per Anhalter reist
Das änderte sich in „Unter Palmen am blauen Meer“, in dessen Mittelpunkt eine Gruppe junger Musiker steht, die ein Engagement in einem beschaulichen Ort an der italienischen Küste erhält und zuerst die schwierige Aufgabe bewältigen muss, von München aus ans Mittelmeer zu gelangen. Ein Motiv, das stilbildend für den „Tourismusfilm“ wurde, dessen Ausgangspunkt in Deutschland lag. Der Weg wurde so zum ersten Ziel und führte direkt zu einem zweiten prägenden Motiv, bedingt durch die fehlenden finanziellen Mittel: das Reisen per Anhalter. Während der Pianist Freddy (Harald Juhnke) und zwei seiner Mitmusiker mit dem Bus reisen können – nur für drei Fahrkarten reicht ihr Geld - ist ihr Bassist gezwungen mit Instrument per Anhalter über die Alpen zu gelangen. Kein leichtes Unterfangen für ihn im Vergleich zu Sängerin Kitty (Bibi Johns), die schnell einen Kavalier findet, der die hübsche Blondine mitnimmt. Gegen den Willen von Freddy, der seine Freundin dadurch Gefahren ausgesetzt sieht. Die wiederholte Verwendung dieses Motivs im Tourismusfilm und die Gegenüberstellung von Reiz und Risiko spiegelte offensichtlich eine damals in Deutschland geführte Kontroverse wider.

Teddy Reno legt sich schwer ins Zeug...
Eine Antwort darauf, warum eine deutsche Combo engagiert wurde, um abendlich in einer Bar in Portofino zum Tanz aufzuspielen, blieb der Film dagegen schuldig. Es genügte, dass die schwedische Sängerin Bibi Johns und drei Berufsmusiker, verstärkt durch Harald Juhnke, schmissige Schlager aufs Parkett legen konnten, darunter den Titelsong. Dieser im deutschen Schlager/Tourismusfilm keineswegs unübliche Stilbruch fiel in „Unter Palmen am blauen Meer“ deshalb ins Gewicht, weil sich Hans Deppe ernsthaft um Authentizität des italienischen Flairs bemühte, ohne in Folklore zu verfallen. Der Film entstand als deutsch-italienische Co-Produktion und konnte neben dem Orchester-Chef und Violinisten Helmut Zacharias noch mit dem italienischen Sänger Teddy Reno aufwarten, der zarte „Amore“-Weisen von sich gab, und im Mittelpunkt der Love-Story steht. Seine Partnerin war die italienische Schauspielerin Giulia Rubini, während Juhnke und Bibi Johns in einer Art On/Off-Beziehung herumalberten.

...und kann auch die Contessa überzeugen
Die Gegenüberstellung zweier Sprachen erzeugte die schönsten Stilblüten. Ständig wechselte es zwischen italienisch und deutsch, immer darauf bedacht den Verständigungsgrad für den deutschen Betrachter hochzuhalten. Das hatte zur Folge, dass Teddy Reno mal deutsch mit Akzent sprach, dann wieder ins Italienische fiel, während seine italienische Partnerin konsequent deutsch synchronisiert wurde. Nebenfiguren parlierten dagegen ausschließlich in der Landessprache – nicht selten alles innerhalb einer Szene. Es existiert auch eine italienische Sprachfassung (Filmtitel „Vacanze a Portofino“), die aber aus dem italienischen Filmgedächtnis verschwunden ist. Vielleicht weil die wichtigen Rollen der Contessa Celestina Morini und ihres langjährigen Dieners Cesare - allerdings hochkarätig - mit den deutschsprachigen Darstellern Lil Dagover und Charles Regnier besetzt wurden. Wahrscheinlicher ist, dass die deutschen Schlager ein Übergewicht hatten und der touristische Reiz für den italienischen Zuschauer geringer ausfiel.

Bei Kitty und Freddy (Harald Juhnke) läufts dagegen lässig
Zudem ist der Story die Hoheit des deutschen Drehbuchautors Kurt E.Walter, der gemeinsam mit Deppe zuvor den Heimatfilm „Heideschulmeister Uwe Karsten“ (1954) schuf, immer anzumerken. Dass auf dem Anwesen der Contessa (Lil Dagover) keine Musik gespielt werden darf, weil sie vor zwanzig Jahren von einem Sänger in der Liebe enttäuscht wurde und seitdem ein Leben in Einsamkeit führt, wirkt übertrieben dramatisiert. Ließe sich aber als Basis einer entspannten Geschichte um Weib und Gesang verkraften, wie sie besonders von Bibi Johns, Juhnke und Regnier mit offensichtlichem Vergnügen ausgespielt wurde. Leider durfte Teddy Reno, ganz dem Klischee des italienischen Schmuse-Sängers entsprechend, nicht in diesen Chor einstimmen. Er sollte mit Inbrunst um die süße Marina (Giulia Rubini) werben. Da deren Tante erwartungsgemäß etwas dagegen hatte, war der Konflikt vorprogrammiert. Doch der gute Teddy konnte natürlich beweisen, dass der Sängerberuf in den 50er Jahren so seriös wie ein 8-Stunden-Büro-Job geworden war. Dass er der Contessa nicht noch seinen Steuerbescheid und seine Kontoauszüge vorlegte, als er um die Hand ihrer Nichte anhielt, überrascht da schon - der „Latin Lover“ wird zum Lieblings-Schwiegersohn.

Individuelles Ferienidyll Portofino, Anno 1957
Diese Betonung von Anstand und Sitte erzeugt inzwischen einen altmodischen Eindruck, lässt aber übersehen, wie modern „Unter Palmen am blauen Meer“ 1957 war, geradezu gewagt in seinem Subtext. Die Truppe um das unverheiratete Paar Freddy und Kitty pflegte nicht nur einen Musik-Stil mit Jazz-Anleihen, ihr lässiges, individuelles Auftreten war noch weit weg vom organisierten Massen-Tourismus, der hier auch im Hintergrund noch keine Rolle spielte. Trotz diverser Konzessionen an den deutschen Kino-Markt blieb so viel Italo-Feeling übrig, um bis heute Fernweh transportieren zu können. 

"Unter Palmen am blauen Meer" Deutschland, Italien 1957, Regie: Hans Deppe, Drehbuch: Kurt E. WaltherDarsteller : Bibi Johns, Harald Juhnke, Giulia Rubini, Teddy Reno, Lil Dagover, Charles Regnier, Helmut ZachariasLaufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Hans Deppe:

"Schloss Hubertus" (1934) 
"Grün ist die Heide" (1951)