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Montag, 27. Juli 2015

Flucht nach Berlin (1961) Will Tremper

Claus Baade (Christian Doermer) versucht die Bauern zu überzeugen
Inhalt: Während die Insassen laut Arbeiter-Kampflieder singen, fährt ein kleiner Bus in ein verlassen wirkendes Dorf mit wenigen heruntergekommenen Bauernhäusern. Claus Baade (Christian Doermer) als Vertreter der Partei leitet die Aktion und verteilt die Aufgaben an seine Mitstreiter. Einer von ihnen fragt nach der Polizei, aber Baade will erst einmal mit den Bauern sprechen, um sie mit Argumenten davon zu überzeugen, Mitglied in einer LPG zu werden. Doch er und seine Männer treffen auf erheblichen Widerstand und benötigen die Hilfe der Staatsmacht, um die Bauern in der Dorfkneipe versammeln zu können.

Hermann Gueden (Narziß Sokatscheff) fasst mit seiner Frau den Plan zu fliehen
Erneut versucht es Baade mit Argumenten, redet gezielt auf Hermann Gueden (Narziß Sokatscheff) ein, der nach dem Verschwinden des Bürgermeisters zum Sprachführer der kleinen Gemeinschaft wurde. Als dieser zur Überraschung der anderen Bauern plötzlich nachgibt, scheint Baade am Ziel zu sein, aber Gueden wollte nur Zeit gewinnen. Seine Frau und sein kleiner Sohn hatten sich inzwischen Richtung Berlin mit dem Zug abgesetzt, er selbst flieht unmittelbar nach Ende der Zusammenkunft zu Fuß. Baade bekommt Ärger mit seinen Partei-Genossen, denen der selbstbewusste, eigenständig handelnde junge Mann ein Dorn im Auge ist. Sie nehmen ihm den Parteiausweis weg und leiten ein Verfahren ein, aber Baade will sich das nicht gefallen lassen und begibt sich gegen deren Verbot nach Berlin zum Partei-Vorsitzenden Walter Ullbricht…


Mit "Flucht nach Berlin" liegt endlich auch Will Trempers erste Regie-Arbeit auf DVD vor. Dank der spezifischen Berlin-Seite "Darling Berlin", die Trempers atemberaubendes Genre-Werk nicht nur erstmals herausbrachte, sondern mit Interviews anreicherte, die mit Hauptdarsteller Christian Doermer und Filmkomponist Peter Thomas geführt wurden. Ein interessanter Blick in die Tiefen der 50er und 60er Jahre, auch wenn ich mir ein wenig mehr Hintergrundwissen und Hartnäckigkeit beim Interviewer gewünscht hätte. 

Zu empfehlen sind in diesem Zusammenhang Trempers eigene furios geschriebene Erinnerungen in "Meine wilden Jahre" (Ullstein Verlag) und "Große Klappe - meine Filmjahre" (Ruetten & Loening, Berlin), die problemlos antiquarisch zu bekommen sind und mir nicht nur bei meiner Analyse zur Seite standen, sondern genauso viel Freunde bereiteten wie seine Filme.





"Denn "Flucht nach Berlin" wurde, trotz der sagenhaften Kritiken, ein Flop." (Will Tremper, Große Klappe - meine Filmjahre)

Durchbruch einer Polizeisperre
Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass Genre-Filme mit zu großer Nähe zur Realität schlecht beim Publikum ankommen, "Flucht nach Berlin" hätte ihn erbracht. Dabei besaß Will Trempers erste in Eigen-Regie umgesetzte Story die besten Voraussetzungen. Wie seit "Die Halbstarken" (1956) von ihm als Drehbuchautor gewohnt, entwickelte er eine kompromisslose, klare Statements nicht scheuende Handlung, die er in hohem Tempo auf ein dramatisch zugespitztes Ende zusteuern lässt. Es ist die Geschichte zweier unterschiedlicher Männer, deren Begegnung zu Beginn des Films die Ereignisse auslöst, bis sie am Ende in einer Art Showdown wieder aufeinander treffen.

Frühe Konfrontation der beiden Protagonisten
Eine solche Konstellation steht und fällt mit der Qualität seiner Hauptcharaktere - und in dieser Hinsicht gelang Tremper eine atemberaubende Konstellation. Weder Claus Baade (Christian Doermer), noch sein Gegenspieler Hermann Gueden (Narziß Sokatscheff) sind echte Sympathen, aber ohne ihre an Rücksichtslosigkeit grenzende Durchsetzungsfähigkeit wären sie gar nicht in der Lage, in die Nähe ihres Ziels zu gelangen. Von dem glatten Gesicht des Musterschülers Baade und seiner technokratisch geschulten Ausdrucksweise sollte man sich nicht täuschen lassen – er ist kein Feigling. Nicht nur von den Bauern, auch von seinen Mitstreitern fordert er Konsequenz ein. Hermann Gueden, Sprecher der Bauern, steht ihm hinsichtlich Autorität und Selbstbewusstsein in Nichts nach. Sokatscheff verlieh dieser Figur neben ihrer Sturheit auch etwas Weltmännisches. Man nimmt ihm ab, dass er die wenig heldenhafte Schweizer Modejournalisten Doris Lange (Susanne Korda) davon überzeugen kann, ihm bei seiner Flucht zu helfen, obwohl er damit auch ihr Leben gefährdet. Aber er lässt sie auch nicht im Stich, als sie sich später als hinderlich erweist.

Gueden überzeugt die Mode-Journalistin (Susanne Korda), ihm bei der Flucht zu helfen
Diesem Duell auf Augenhöhe – praktisch begegnen sie sich nur zweimal - verdankt Trempers Film seine Komplexität und Tiefe. Dagegen ist der Hintergrund von größtmöglicher Plakativität. Die in abwechselnder Szenenfolge parallel beschriebene Flucht der beiden Protagonisten, die sie aus ganz unterschiedlichen Beweggründen ergreifen, findet vor einer gnadenlosen Diktatur statt. Überwachung, Polizeikontrollen und schwerbewaffnete Einheiten begleiten ihren Weg, Momente von Ruhe und Sicherheit erweisen sich als Illusion. Ständig zum Improvisieren gezwungen, konfrontieren sie Jeden, auf den sie bei ihrer Flucht treffen, damit, Stellung beziehen zu müssen. Es ist ein Land im Ausnahmezustand. Ob Gleiswärter, Soldat, Schaffner oder Binnenschiffer – Niemand kann sich sicher sein, schon geringes Fehlverhalten kann geahndet werden. Die Situation der beiden Männer bleibt ebenso ungewiss. Tremper drehte ständig weiter an der Spannungsschraube – Ausgang offen.

Baade muss seinen Parteiausweis abgeben
Nimmt man die stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bilder hinzu, die den Anfangsszenen in dem aus wenigen Bauernhöfen bestehenden Dorf einen neorealistischen Touch und der Schilf-Landschaft am Wannsee beim abschließenden Höhepunkt einen unheimlichen Labyrinth-artigen Charakter verleihen, drängt sich der Vergleich zu den parallel überaus erfolgreich im Kino laufenden Edgar-Wallace-Filmen auf. Auch an schrägem Humor ist in Trempers Film kein Mangel, wenn er die Fluchtszenen mit den dekadenten Vergnügungen der Sommerfrischler auf dem Wannsee verzahnt. Da wird aus dem pechschwarzen Polizeihund, der gerade noch Baade gefährlich im Nacken saß, im nächsten Moment ein Strandschreck für Sonnenbadende, begleitet von Peter Thomas‘ Filmmusik, die das Geschehen auf der Leinwand mal mit Easy-Listening-Musik kontrastiert, mal im Stil von Paul Dessau die Trommeln rührt. Es lässt sich nur ein Argument dafür finden, warum den Film in Deutschland Niemand sehen wollte - alles in Trempers „Road Movie“ kam der Realität zu nah.

Der junge Soldat ist nicht in der Lage, auf Baade zu schießen
Anlass für seine Story, die zuerst als Roman im „Stern“ herauskam und noch parallel zu den Dreharbeiten lief, war die LPG-Kollektivierung in der DDR. Nach dem Krieg war es in der sowjetischen Besatzungszone zu einer Bodenreform gekommen, in der enteignete landwirtschaftliche Flächen in Parzellen bis zu 10 Hektar an Kleinbauern, Pächtern und Vertriebene aufgeteilt wurden. Auf Grund dieser geringen Größe wurden ab 1952 erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) gegründet, um die Flächen betriebswirtschaftlich sinnvoll bearbeiten zu können. Diese anfänglich freiwillige Maßnahme wich Ende der 50er Jahre zunehmend einer vom Staat forcierten Zwangskollektivierung und traf damit auch die Bauern, die selbstständig bleiben wollten.

Der Polizeihund gerät auf den westdeutschen Strand
Claus Baade als Vertreter der Kommunistischen Partei leitet ein Kommando, dass den widerspenstigen Bauern eines kleinen Dorfes in der Nähe von Dessau, darunter Hermann Gueden als ihr heimlicher Anführer, von den Vorteilen der nach dem Vorbild sowjetischer Kolchosen gebildeten Genossenschaften überzeugen will. Tremper lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass die Bauern keine Wahl haben, auch wenn Baade sich bemüht, nicht gleich mit der großen Keule zu kommen. Er glaubt daran, dass es den Bauern in einer LPG besser geht und will sie ernsthaft davon überzeugen. Ein Idealismus, der ihm auf die Füße fällt, als sich herausstellt, dass ausgerechnet Hermann Gueden unmittelbar nach der Versammlung geflohen ist. Dort hatte er zur Überraschung der anderen Bauern den Forderungen Baades nachgegeben – ein Bluff, wie sich herausstellt, um seiner Frau und seinem Kind einen Vorsprung für ihre Flucht nach Berlin zu verschaffen.

Eine letzte Ruhepause vor der Überquerung der Grenze
Dorthin versucht sich auch Gueden durchzuschlagen, während Baade vor ein Parteigremium zitiert wird, wo ihm sein Versagen vorgeworfen wird. Empört reagiert er auf die Einziehung seines Parteiausweises und beschließt, persönlich beim Generalsekretär der SED, Walter Ullbricht, in Berlin in dieser Sache vorzusprechen. Damit stellte Tremper zwei klassische Diktatur-Prototypen in den Mittelpunkt, die trotz ihrer unterschiedlichen Haltung dasselbe Schicksal erleiden - der Bürger, der seine Heimat verlässt, weil der Staat sein Leben zu sehr bestimmt, und der Idealist, dessen eigenständiges und korrektes Handeln unbequem für seine unmittelbaren Vorgesetzten wird. Beide werden zu Geächteten. Tremper relativierte weder deren Situation, noch die DDR als Diktatur, aber er stand auch konsequent zu seinen Protagonisten. Baade, vordergründig als strammer Partei-Kader eine negativ besetzte Figur, gewinnt dank seiner konsequenten Haltung an Profil. Obwohl er unmittelbar den Mechanismen des Polizeistaates ausgesetzt wird, unterscheidet er zwischen der Realität und seinen Idealen, für die er weiter kämpfen will – eine Haltung, die ihn zunehmend in Konflikte bringt. Und Gueden, anfänglich wenig umgänglich und egoistisch wirkend, erweist sich als hilfsbereiter und geduldiger Mensch. Es ist die Not, die ihn nach Westdeutschland treibt, nicht die Verheißung eines luxuriösen Lebens.

Westdeutsches Idyll
Dieser Luxus wurde von Tremper als Signifikanz für den Westen ins Bild gerückt, womit er die BRD ähnlich plakativ zuspitzte wie die DDR. Unmittelbar an der Demarkationslinie lebend, deren Überwindung 1960, ein Jahr vor dem Mauerbau, nicht weniger lebensgefährlich war als danach, interessieren sich die Bewohner der westlichen Seite kaum noch für die Belange ihrer „Brüder und Schwestern“ im Osten. Flüchtende werden per Fernglas als Abwechslung vom Sonnenbaden betrachtet, bevor man sich wieder dem Schampus zuwendet. Die letzte Szene wurde ohne das Wissen von Will Tremper von der Produktionsgesellschaft herausgeschnitten, da dessen vermeintliches Happy-End mit dem Ruf „Es lebe die Freiheit“ aus dem Mund einer vom Champagner angeheiterten Boots-Insassin ein zu negatives Bild auf Westdeutschland warf. Nur Wenige wie Helmuth Käutner mit „Himmel ohne Sterne“ (1955) hatten sich zuvor an die innerdeutschen Befindlichkeiten gewagt, Niemand ging dabei so rigoros vor wie Will Tremper im Rahmen eines geradlinigen Genre-Films. Wie nah er damit der Realität kam, beweist sein Misserfolg.

"Flucht nach Berlin" Deutschland, Schweiz, USA 1961, Regie: Will Tremper, Drehbuch: Will Tremper, Darsteller : Christian Doermer, Narziß Sokatscheff, Susanne Korda, Gerda Blisse, Inge Drexel, Laufzeit : 100 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Will Tremper:

"Playgirl" (1966)

Montag, 12. August 2013

Playgirl (1966) Will Tremper

Inhalt: Alexandra Borowski (Eva Renzi) ist ein sehr hübsches Model, das ihre große Attraktivität beim männlichen Geschlecht auch privat nutzt. Gewohnt begehrt zu werden, verfügt sie über eine Vielzahl von Bewunderern, deren Einfluss ihre Karriere fördern soll.

Als sie beruflich nach Berlin kommt, weiß sie schon genau, an wen sie sich richten muss - an den Baulöwen Steigewald (Paul Hubschmied), mit dem sie früher eine Affäre hatte. Dieser scheint aber wenig begeistert zu sein, weshalb er selbst nie erreichbar ist, sondern jedes Mal seinen Mitarbeiter Siegbert Lahner (Harald Leibniz) vorschickt. Dieser verliebt sich sofort in Alexandra und auch sie verliert langsam die Kontrolle über ihre eigene Vorgehensweise...


Will Tremper gehörte zu den wenigen deutschen Drehbuchautoren und Regisseuren, die schon in den 50er Jahren Genre-Beiträge zu kontroversen Themen schrieben und später auch drehten, was damals für erhebliches Aufsehen sorgte. Als Autor war er erstmals an „Die Halbstarken“ (1956) beteiligt, einem Film über die angeblichen Gefahren durch die aufbegehrende Jugend während der Rock’n Roll-Ära, gefolgt von einer Zusammenarbeit mit Regisseur Frank Wisbar in „Nasser Asphalt“ (1958) über den Sensations-Journalismus. Seine erste Regie, der nur noch vier weitere bis 1970 („Mir hat es immer Spaß gemacht“) folgen sollten, führte er in „Flucht nach Berlin“ (1961). Sein vorletzter Film „Playgirl“ provozierte 1966 das „vor  68er Deutschland“ mit einer Thematik, die heute nicht weniger zeitgemäß ist, weshalb es überrascht, dass Will Tremper und seine Filme inzwischen fast unbekannt sind.

Einer der Gründe dafür lag in Trempers unverhohlener Nähe zum Trivialen. Seine Filme analysierten das damalige Deutschland weder intellektuell, noch begab er sich auf das Feld des harmlosen Kabaretts wie in „Herrliche Zeiten im Spessart“ (1967), sondern er dokumentierte die damalige Gegenwart an Hand von Autos, Klamotten, Hits und Prominenten und lässt die Menschen sprechen, wie ihnen das Maul gewachsen ist, was dem Film eine erfrischende Vulgarität verleiht. Politische Ereignisse spielten für das entsprechende Zeitgefühl dagegen nur eine untergeordnete Rolle, was „Playgirl“ authentisch wirken lässt, obwohl die Story unter den so genannten „Schönen und Reichen“ spielt – und denen, die dazu gehören wollen.

Zwar kommt Alexandra Borowski (Eva Renzi) das erste Mal nach Berlin, aber sie ist schon länger ein erfolgreiches Fotomodell und hat viele Kontakte. In Berlin will sie den reichen Baulöwen Joachim Steigewald (Paul Hubschmied) wieder treffen, mit dem sie früher eine Affäre hatte. Doch der lässt sie von seinem Mitarbeiter Siegbert Lahner (Harald Leibniz) mit der vorgeschobenen Behauptung abfangen, er wäre auf Dienstreise. Stattdessen kümmert sich Lahner persönlich um die schöne Alexandra und verliebt sich natürlich prompt in sie.

Die Story selbst spielt kaum eine Rolle, sie verläuft linear ohne besondere Überraschungen oder Nebenhandlungen – es ging Tremper vor allem um den nahezu dokumentarischen Charakter seines Films. Sämtliche Darsteller agieren realistisch - besonders Eva Renzi ist nicht nur sehr hübsch, so dass man ihr den Beruf als Model abnimmt, sondern in ihrer Art so reizend, dass die Reaktionen der Männer nachvollziehbar sind. Auch Harald Leibniz wirkt als Möchtegern - Lebemann mit Jaguar, der eine hübsche Verlobte hat, parallel mit Alexandra flirtet und nebenbei noch mit seiner Sekretärin schläft, gleichzeitig überzeugend und bieder. Solche Rollen werden häufig klischeehaft oder betont satirisch angelegt, aber Will Tremper meinte es ernst mit seinen Figuren und ließ keinen Zweifel an deren realistischer Charakterisierung Mitte der 60er Jahre.

Deutschland befand sich damals in einem gesellschaftlichen Umbruch – die Vorboten der Moderne sind in Trempers Film genauso gegenwärtig, wie das reaktionäre Denken der Vergangenheit. Wenn Siegbert „Ich mag keine Neger, denn sie nehmen uns die Frauen weg“ sagt, dann wird er zwar von Alexandra sanft dafür getadelt, aber danach gehen sie schnell wieder zur Tagesordnung über. Rockmusik oder eine neue politisch gefärbte kritische Denkweise hatten noch keinen Einzug in das allgemeine Bewusstsein gehalten, auch nicht in das der „nachtaktiven“ Menschen, die sich selbst für modern und unbürgerlich hielten. Siegbert führt Alexandra stolz in eine Jazz-Bar, in der Paul Kuhn mit Zigarette ein letztes Lied am Klavier gibt. Das ist für ihn der ultimative Ausdruck der Coolness. Alexandra verkörpert zwar schon optisch einen „neuen“ moralisch legeren Frauentyp, der sich promiskuitiv wie ein „Playgirl“ benimmt, mit verschiedenen Männern anbandelt und ins Bett geht, aber das entspringt keinem Selbstbewusstsein, sondern tiefer Unsicherheit und der Suche nach Liebe und Geborgenheit - die Männer können sie deshalb unwidersprochen als „verrückt“ bezeichnen.

Der gesamten Konstellation haftet nichts emanzipatorisches an, sondern sie zeigt im Gegenteil Frauen, die den Männern ständig Honig um den Bart schmieren („endlich mal ein großer Mann“), um deren Gunst zu erringen. Dazu gehörte auch, dass sie ihre eigene Intelligenz bewusst leugnen. Bei den jungen nach 1940 geborenen Menschen schien zudem das Geschichtsbewusstsein immer mehr nachzulassen, denn Tremper lässt mehrfach eine junge Frau fragen, was denn damals „mit dem Hitler oder so...“ gewesen wäre, womit sich der Regisseur auf ein vermintes Feld wagte. Sein abwechslungsreicher, unterhaltender, sehr authentischer Film zeigte die Deutschen Mitte der 60er Jahre ohne Schönfärberei und Idealismus, verzichtete aber auch auf Kritik oder einen intellektuellen Überbau, womit er Unterhaltungsfilm und Dokumentation geschickt vermischte. Doch es half nicht, dem Film die gerechtfertigte Seriösität zu verleihen – allein dass eine junge Frau hier wie ein „Playgirl“ agierte, genügte schon zur Provokation, ganz abgesehen von den vielen sehr genau getroffenen Verhaltensmustern der Deutschen, an denen sich bis heute nur wenig geändert hat.

"Playgirl" Deutschland 1966, Regie: Will Tremper, Drehbuch: Will Tremper, Darsteller : Eva Renzi, Paul Hubschmid, Harald Leipnitz, Umberto Orsini, Elga StassLaufzeit : 85 Minuten


weitere im Blog besprochene Filme von Will Tremper: