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Donnerstag, 16. Januar 2014

Frühstück im Doppelbett (1963) Axel von Ambesser

Inhalt: Seit ihrer Hochzeit 1960 haben Henry (O.W.Fischer) und Liane (Liselotte Pulver) viel Zeit im gemeinsamen Doppelbett verbracht, besonders an den folgenden Hochzeitstagen, weshalb sich Liane auch an ihrem dritten Jahrestag auf ein gemeinsames Frühstück mit ihrem Mann freut. Doch weit gefehlt – weder gibt es besondere Speisen, noch Geschenke. Ihr Mann ist schon lange bei der Arbeit in seinem Zeitungsverlag und nur das Hausmädchen Cilly (Ruth Stephan) serviert wie gewohnt das tägliche Frühstück.

So schnell gibt Liane nicht auf, zieht sich schick an und geht ins Pressehaus ihres Mannes, ohne sich von dessen Vorzimmerdame (Edith Hancke) aufhalten zu lassen. Doch es hilft nicht, denn er hat den Hochzeitstag vergessen und will abends nur noch ins Bett, ohne zu begreifen, warum seine Frau den ganzen Tag so einen Aufriss macht. Erst am nächsten Tag evrsteht er ihr Verhalten und geht zum direkten Angriff über. Zuerst beschwert er sich bei ihr, nicht an ihr Jubiläum gedacht zu haben, um danach zerknirscht zu gestehen, sich im Datum vertan zu haben. Liane ist beruhigt und freut sich auf ein feudales Abendessen, worauf sie sich mit ausführlicher Schönheitspflege vorbereitet – doch ihr Mann versetzt sie, da er zu einem wichtigen Termin muss…

Die von der PIDAX am 17.01.2014 herausgebrachte DVD "Frühstück im Doppelbett" füllt nicht nur eine Lücke im umfangreichen Oevre Liselotte Pulvers, sondern gibt einen Einblick in die frühen 60er Jahre, der beweist, dass Fitness- und Gesundheitswahn oder die "sexuelle Revolution" schon früh in der Bundesrepublik ankamen. Der Film geriet trotz seiner prominenten Besetzung in Vergessenheit, da er sich sehr nah am damaligen Zeitgeschehen orientierte - genau das macht ihn heute wieder interessant.(Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).














Mit "Frühstück im Doppelbett" entriss die „Pidax film media ltd.“ erneut einen Film der Vergessenheit, der angesichts der beteiligten Künstler sofort die Frage provoziert, warum er zuvor in der Versenkung verschwand. Die Besetzung mit Liselotte Pulver, die im selben Jahr den Bambi als beste nationale Darstellerin verliehen bekam, O.W.Fischer, seit Beginn der 50er Jahre erfolgreich, dem dank der Karl-May-Filme sehr populären Lex Barker und der als "Sex-Bombe" bekannten Ann Smyrner erfüllte höchste Ansprüche, aber auch Regisseur Axel von Ambesser und Autor Ladislas Fodor gehörten zu den erfolgreichsten Vertretern ihrer Zunft. Fodor schrieb parallel die Drehbücher zu der "Mabuse" - Filmreihe und Von Ambessers ebenfalls mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle im Jahr zuvor herausgebrachter Film "Kohlhiesls Töchter" (1962) gehört heute noch zu den bekanntesten deutschen Filmkomödien dieser Zeit.

Doch Von Ambesser und Fodor verstanden "Frühstück im Doppelbett" nicht als reinen Unterhaltungsfilm, sondern als Gesellschaftssatire, die das Schicksal vieler zeitaktueller Filme ereilte - sie wurde schnell altmodisch. Während die Story um das junge Ehepaar Henry (O.W.Fischer) und Liane Clausen (Lieselotte Pulver), das in den Routinemodus verfällt und sich scheiden lassen will, wenig überraschend verläuft, vergeht kaum eine Minute, in der nicht irgendeine Anspielung auf gegenwärtige Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen geäußert wird - meist aus dem Mund O.W.Fischers in der Rolle eines Zeitungsverlegers (sein Vorname „Henry“ spielte auf Stern-Herausgeber und Chefredakteur „Henry Nannen“ an), aber immer aus einer konservativen Haltung heraus. Zwar geben sich die Eheleute Clausen modern, jonglieren mit neuen Partnern und gehen scheinbar leichtfertig mit einer Scheidung um, aber damit wollten die Macher nur aktuelle Strömungen in der jungen BRD persiflieren. Ernst meinten sie es damit nicht, denn geradezu penetrant betont der Film, dass es zu keinen sexuellen Interaktionen mit den geplanten Nachfolgern kommt – entsprechend rückständig erscheint der Film heute in seiner Betonung der klassischen Geschlechterrollen etwa im Vergleich zu dem im selben Jahr erschienenen Liebesfilm "Schloss Gripsholm".

Besonders Liselotte Pulver, die häufig moderne, selbstständig agierende Frauenrollen spielte, wirkt trotz ihres gewohnt frechen Mundwerks als verwöhnte Ehefrau, die sich nur um ihr Aussehen und die Wohnungseinrichtung kümmert, fehlbesetzt. Die Hausarbeit wird ihr von Cilly (Ruth Stephan) abgenommen und von Kindern ist nie die Rede, weshalb ihre Rolle ganz untypisch nicht der Identifikation diente. Möglicherweise konnten ihre Vorwürfe an den viel beschäftigten Ehemann, der glatt den dritten Hochzeitstag vergisst, das damalige Publikum noch überzeugen, aber aus heutiger Sicht wirken ihre Reaktionen unangemessen. Nachdem Henry am nächsten Tag noch gerade die Kurve bekommen hatte – er behauptet sich im Datum geirrt zu haben – versetzt er seine Frau beim geplanten Abendessen, weil er die einmalige Gelegenheit bekam, Nikita Chruschtschow, den Regierungschef der UDSSR, zu interviewen und es ihm vom Flughafen aus nicht mehr gelingt, sie zu benachrichtigen. Ihr folgendes Techtelmechtel mit dem Fitnesstrainer Victor (Lex Barker) und die plötzliche Scheidungsforderung, weil ihr Mann darauf äußerlich gelassen reagierte, wirken völlig überzogen, weshalb dieser Konstellation von Beginn an die Glaubwürdigkeit fehlte.

Entsprechend kann es nicht funktionieren, „Frühstück im Doppelbett“ auf eine reine Komödie zu reduzieren, viel mehr sollte der Film als das betrachtet werden, als das ihn Von Ambesser und Fodor beabsichtigten – als zugespitzte satirische Betrachtung der frühen 60er Jahre. Für diese These sprechen auch die künstliche, theaterartige Kulisse oder die Einblendungen von Nikita Chruschtschow, der angeblich direkt mit Henry kommuniziert. Keinen Moment versuchte der Film, real zu wirken – einmal findet Liselotte Pulver unter Fotografien Prominenter wie Franz-Josef Strauß, Konrad Adenauer oder Willy Brandt auch ein Fotos von sich in der Rolle der weniger schönen Kohlhiesl Tochter aus ihrem letzten Film. Die Macher planten einen Rundumschlag auf alle neuen Zeiterscheinungen, der beweist, dass fast alles, was heute noch populär ist, damals schon seinen Anfang nahm.

Lex Barkers, seinen sonstigen Heldentypus kontrastierende Rolle ist eine Verballhornung des beginnenden Fitness- und Gesundheitswahns, die in ihrer klischeehaften Ausgestaltung nichts an Aktualität verloren hat. Yoga, Gemüsesäfte und Schlankheitsmaschinen bestimmten schon die Freizeit der Besserverdienenden und was die Macher davon hielten, zeigte sich in ihrer Charakterisierung des Yoga- und Fitnesstrainers Victor, der ständig Lebensweisheiten von sich gibt, dabei sein Einkommen aber nicht vergisst. Zudem hat er keine Hemmungen, sofort nach Henrys Abwesenheit dessen Frau anzubaggern, um genauso schnell den Schwanz einzuziehen, als dieser vermittelt, nichts dagegen zu haben. War Victor zu Beginn noch ganz der charmante Draufgänger, wird er plötzlich zum ungeschickten Frischluftfanatiker, weshalb Liane die Nacht bei ihm auf dem Balkon in einem Schlafsack übernachten muss. Natürlich ohne Sex – idiotischer hätte man diese Figur kaum degradieren können.

Ann Smirnow als sexuell erfahrene Jung-Autorin Claudia, die ihren erotischen, autobiografischen Roman von Henry verlegen lassen will, kommt dagegen besser weg, aber ihre Rolle spielte ironisch auf die zunehmenden Sex-Welle seit Nabokovs Erfolg mit „Lolita“ an. Mehrfach verwendet Henry spöttisch den Begriff „Sexuelle Revolution“ in diesem Zusammenhang, der offensichtlich keine 68er-Erfindung war. Auch Bemerkungen zur „Spiegel“-Affäre oder über das fortgeschrittene Alter von Bundeskanzler Konrad Adenauer fallen, aber „Frühstück im Doppelbett“ kann seine konservative Gesinnung nicht verbergen. Besonders die wiederholt von der Hausangestellten Cilly vorgetragenen Klassenkampf - Parolen sollten, angesichts ihres gut bezahlten Arbeitsplatzes, nur der Lächerlichkeit preisgegeben werden – inclusive ihres angeblich allwissenden Arbeiterführer-Bruders.

Bei seinem Erscheinen traf der Film noch auf eine mehrheitliche Zustimmung, aber die fortschreitende Entwicklung der 60er Jahre überholte dessen keineswegs immer unzutreffende, aber zu einseitigen ironischen Seitenhiebe schnell – zwei Jahre später drehte Axel von Ambesser die Episode „Lolita“ zu der frühen Erotik-Komödie „Das Liebeskarussell“(1965). Für ein Publikum der 70er Jahre musste der Film schon altmodisch wirken - erst aus heutiger Sicht verbirgt sich dahinter dessen Stärke als stimmiges Zeitdokument der frühen 60er Jahre.

"Frühstück im Doppelbett" Deutschland 1963, Regie: Axel von Ambesser, Drehbuch: Ladislas Fodor, Darsteller : Liselotte Pulver, O.W.Fischer, Lex Barker, Ann Smirnow, Ruth Stephan, Edith Hancke, Laufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Axel von Ambesser:

Sonntag, 18. August 2013

Herrliche Zeiten im Spessart (1967) Kurt Hoffmann

Inhalt: Nachdem die fünf zum Mond geschossenen Gespenster und früheren Räuber Onkel Max (Rudolf Rhomberg), Hugo (Joachim Teege), Toni (Hans Richter), Roland (Klaus Schwarzkopf) und Kathrin (Kathrin Ackermann) nach jahrelangem Aufenthalt im All endlich den technischen Defekt an ihrer Rakete beseitigen konnten, landen sie ausgerechnet auf dem Dach des Hotels von Annelieses Vater Konsul Mümmelmann (Willi Millowitsch). Anneliese (Liselotte Pulver) erinnert sie an die Comtesse Franziska, der sie schon mehrfach in der Vergangenheit geholfen hatten, weshalb sie ihr sofort ihre Unterstützung anbieten.

Ihr ist ihr us-amerikanischer Bräutigam Frank Green (Harald Leipnitz) am Tag der Hochzeit abhanden gekommen, weshalb diese zu platzen droht. Obwohl er aus dem Militärdienst austreten wollte, wurde er von General Teckel (Hubert von Meyerinck) dazu verpflichtet, an einer Abhöraktion teilzunehmen. Die fünf ehemaligen Räuber schlagen vor, ihn mit ihrer Rakete noch rechtzeitig zu holen, weshalb sie gemeinsam mit Anneliese starten. Doch sie beherrschen die Technik nach wie vor nicht richtig, weshalb sie anstatt an dem Militärbunker im tiefen Mittelalter landen…


Regisseur Kurt Hoffmann drehte 1971, obwohl selbst erst 60 Jahre alt, mit "Der Kapitän" seinen letzten Kinofilm - nur noch einmal sollte er 1976 eine Arbeit für das Fernsehen abliefern, einem Medium, an dem er sich nicht weiter interessiert zeigte. Sein Ruf als innovativer Spezialist für gehobene Unterhaltungsfilme hatte in den 60er Jahren zunehmend gelitten, obwohl seine Filme an der Kinokasse nach wie vor erfolgreich liefen. Die Verfilmungen der Tucholsky-Romane "Schloss Gripsholm" (1963) und "Rheinsberg" (1967) waren sehr populär, dazu brachte er mit "Dr.Hiob Prätorius" (1965) und "Hokuspokus" (1966) zwei Curt-Götz-Stücke erneut auf die Leinwand - jeweils mit seinen zwei bevorzugten Darstellern Heinz Rühmann und Liselotte Pulver in den Hauptrollen - , die beide für ihre hohen Zuschauerzahlen ausgezeichnet wurden. Einen Erfolg, den er auch bei der Umsetzung des damals aktuellen und erfolgreichen Romans "Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung" (1968) von Eric Malpass wiederholte.

Trotzdem galt Hoffmann bei der Filmkritik als altmodisch, da sich sein gediegener Unterhaltungs-Stil seit den 50er Jahren nur wenig verändert hatte. Eine Ausnahme in seinem Oevre bildeten neben "Wir Wunderkinder" (1958) die Spessart-Filme "Das Wirtshaus im Spessart" (1958) und "Das Spukschloss im Spessart" (1960), die als musikalisch-kabarettistische Nummern-Revuen ein wenig über die Stränge schlagen durften und Seitenhiebe auf die gesellschaftlich-politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik austeilten. Dass Kurt Hoffmann gemeinsam mit Drehbuchautor Günter Neumann erneut zu der Spessart-Thematik griff, um mit "Herrliche Zeiten im Spessart" sieben Jahre nach dem zweiten Teil wieder die Räuber auf die Gegenwart loszulassen, kann nur als Versuch gewertet werden, sich inhaltlich und inszenatorisch den späten 60er Jahren zu nähern. Der Unterschied zum Vorgängerfilm "Das Spukschloss im Spessart" fiel entsprechend groß aus, nicht nur weil der Gesangsanteil auf ein Minimum reduziert wurde. Atmete die bundesrepublikanische Gegenwart damals noch den Zeitgeist der 50er Jahre, herrschte in "Herrliche Zeiten im Spessart" die Modernität der kommenden 70er Jahre - eklatant zeigt sich daran der gesellschaftliche Umbruch in den 60er Jahren.

Kein altes Wirtshaus oder ein verwunschenes Schloss bildeten mehr den Hintergrund, sondern ein moderner Hotelbau, der von Konsul Mümmelmann (Willy Millowitsch), Annelieses (Lieselotte Pulver) Vater, geleitet wird. Auch Liselotte Pulver, die hier mit Ende 30 einen ihrer letzten Kinoauftritte (und den letzten von zehn Filmen unter Kurt Hoffmann) absolvierte, bevor sie begann, hauptsächlich für das Fernsehen zu arbeiten, wirkte weniger mädchenhaft als in den Vorgängerfilmen, auch wenn ihre geplante Hochzeit mit dem US-Amerikaner Frank Green (Harald Leipnitz) den Rahmen für die episodenhafte Story abgibt. Dieser war auf Wunsch von Anneliese aus dem Militärdienst ausgeschieden, hatte aber die Rechnung ohne General Teckel (Hubert von Meyerinck) gemacht, womit die neben Liselotte Pulver zweite wesentliche Konstante der Spessart-Trilogie benannt ist. Während von Meyerinck, nach seiner Beamtenrolle in „Das Spukschloss im Spessart“, wieder in seine angestammte Rolle als fanatischer Militär schlüpfte, der Green zu sich beordert, womit er die Hochzeit gefährdet, konnte Liselotte Pulver nicht mehr die Rolle der Comtesse aus den zwei ersten Filmen annehmen, da sie diese in der Gegenwart von 1960 schon verkörpert hatte.

Trotzdem kommt es schnell zu der Widerbegegnung mit den fünf Räubern, die am Ende von „Das Spukschloss im Spessart“ als Gespenster zum Mond geschossen wurden. Auf Grund eines technischen Defekts mussten sie jahrelang im All verweilen, bis sie nach der Reparatur der Rakete ausgerechnet auf dem Hoteldach landen. Nur Hans Richter spielte erneut einen der fünf Räuber aus dem Vorgängerfilm, die ihr Gespensterdasein inzwischen wieder aufgegeben hatten. Aber um Logik musste sich das Drehbuch auch nicht kümmern, das die Rahmenhandlung nur dazu nutzte, die Protagonisten per Rakete durch die Zeit reisen zu lassen, um sie von der Vergangenheit bis in die Zukunft unterschiedliche Abenteuer erleben zu lassen, wo sie jedes Mal Hubert von Meyerinck als Militär und Harald Leipnitz als verhindertem Liebhaber begegnen sollten. Im Gegensatz zu „Das Spukschloss im Spessart“, das auch nur über einen rudimentären Handlungsfaden verfügte, ist diese filmische Anlage konsequenter, da der Episodencharakter klar herausgearbeitet wird.

Zudem gaben die von klamaukhaft bis komisch qualitativ sehr unterschiedlich angelegten Einzelstorys Kurt Hoffmann die Gelegenheit eine Vielzahl junger Schönheiten in erotischen Rollen auftreten zu lassen - Hannelore Elsner, Vivi Bach oder Gila von Weitershausen zeigten sich zwar leicht geschürzt, aber für barbusige Momente wurde trotzdem schon gesorgt, womit Hoffmann auf der Höhe der damals beginnenden „Nackt-Welle“ im Film angekommen war. Das galt allerdings weniger für die Satire, die sich ähnlich wie in den beiden ersten „Spessart“- Filmen von der harmlosen Seite zeigte. Galten die Anspielungen dort hauptsächlich damaligen bundesdeutschen Eigenheiten, ist die Thematik in „Herrliche Zeiten im Spessart“ zeitloser. Wie ein roter Faden spinnt sich die Kritik an militärischem Gehabe und dem menschlichen Drang, Konflikte auf dem Schlachtfeld auszutragen, durch die Rahmenhandlung und die jeweiligen Episoden – dabei auch geschickt die verbreitete Eigenart ironisierend, kriegerische Absichten in eine friedvolle Sprache zu kleiden – kommt dabei aber über einen konservativ geprägten Konsens nicht hinaus, der angesichts der heftigen Auseinandersetzungen um den sich parallel zuspitzenden Vietnam-Krieg nichts riskierte.

Sieht man von dieser sanft geäußerten Kritik am Militarismus einmal ab, bleibt eine Komödie zurück, die nur wenig aus dem deutschen Komödienallerlei der späten 60er/frühen 70er Jahre heraustrat, die mehr den deftigen als den filigranen Humor pflegten, wie er viele Filme Kurt Hoffmanns zuvor auszeichnete. Von dessen eleganten Stil ist hier nur noch wenig geblieben, weshalb es konsequent war, unter den geforderten Produktionsbedingungen nicht mehr weiter als Regisseur zu arbeiten. „Herrliche Zeiten im Spessart“ wurde kein schlechter Film, ist aber weder von eigenständigem, modernen Zuschnitt, noch verfügte er über die damals als altmodisch bezeichneten Qualitäten Hoffmanns, denen einige sehr gute Filme der Nachkriegszeit zu verdanken sind.

"Herrliche Zeiten im Spessart" Deutschland 1967, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Günter Neumann, Darsteller : Liselotte Pulver, Harald Leipnitz, Hannelore Elsner, Vivi Bach, Rudolf Rhomberg, Hubert von Meyerinck, Hans Richter, Laufzeit : 104 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)

Samstag, 17. August 2013

Das Spukschloss im Spessart (1960) Kurt Hoffmann

Inhalt: Die fünf Räuber Onkel Max (Georg Thomalla), Hugo (Curt Bois), Jockel (Hans Richter), Toni (Paul Esser) und als einzige Frau Katrin (Hanne Wieder) sollen unter der Aufsicht von Von Teckel (Hubert von Meyerinck) hingerichtet werden, aber dem Volk ist diese Strafe nicht hart genüg. Sie fordern, die Fünf in dem alten Wirtshaus im Spessartwald einzumauern, damit sie dort elendig verhungern. Von Teckel ist einverstanden und sperrt sie scheinbar für immer hinter einer Mauer ein, aber er konnte nicht mit den intensiven Arbeiten am Ausbau des Autobahnnetzes in der jungen Bundesrepublik Deutschland rechnen, denen Jahrhunderte später das Wirtshaus zum Opfer fiel. Inzwischen zu Gespenstern geworden, wollen sie sich eine neue Bleibe suchen, weshalb sie sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau erinnern, das in der Nähe gelegen ist.

Dort lebt inzwischen deren Nachfahre Charlotte (Liselotte Pulver), die nicht nur das alte Gemäuer von ihrem Vater geerbt hatte, sondern auch dessen Schulden. Deshalb steht ihr das Wasser bis zum Hals und die Pfändung des Schlosses kurz bevor. Die Ankunft der Gespenster erzeugt des nachts seltsame Vorkommnisse im Schloss, weshalb sie und ihre Tante Yvonne (Elsa Wagner) froh sind, als mit Martin „Dings“ (Heinz Baumann) ein junger Mann vor der Tür steht, der behauptet, in der Nähe einen Unfall gehabt zu haben, weshalb er um eine Unterkunft für eine Nacht bittet. Sie ahnen noch nicht, dass sein Besuch geplant war, aber die Gespenster, die sich Charlotte als ihre Freunde vorstellen, erweisen sich bald als hilfreiche Gesellen…


Nach dem großen Erfolg mit "Das Wirtshaus im Spessart" (1958), der seine kabarettistischen Seitenhiebe auf die Bundesrepublik Deutschland mit einer komödiantischen Geschichte aus alten Räuber-Zeiten und viel Musik verband, ließ Regisseur Kurt Hoffmann mit "Wir Wunderkinder" (1958) einen Film folgen, der seine Kritik unmittelbarer und vor einem ernsthafteren Hintergrund formulierte. Zu verdanken waren die respektlosen Anspielungen auf die "Wirtschaftswunderjahre" in beiden Filmen dem Duo Wolfgang Neuss / Wolfgang Müller, das besonders in "Wir Wunderkinder" zu Hochform auflief. Nach einigen weiteren Filmen des viel beschäftigten Regisseurs (unter anderen "Das schöne Abenteuer" (1959), ebenfalls mit Liselotte Pulver), die an den Kinokassen deutlich schwächer abschnitten und heute nahezu unbekannt sind, griff Hoffmann bei "Das Spukschloss im Spessart" erneut auf die alte Erfolgsformel zurück.

Zwar waren außer Hauptdarstellerin Liselotte Pulver, Hans Clarin, Hubert von Meyrinck in seiner ewigen Rolle als preußischer Kommiskopp (auch wenn er hier einen Bonner Staatsbeamten mimt) und Paul Esser Niemand der früheren Besetzung aus "Das Wirtshaus im Spessart" wieder mit an Bord, aber mit Hanne Wieder, Curt Bois, Hans Richter und Georg Thomalla wurde geeigneter Ersatz gefunden. Allerdings nicht für Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, nach dessen Unfall-Tod auch auf Neuss verzichtet wurde - ein herber Verlust, der sich deutlich in der Qualität der ironischen Anspielungen niederschlägt, die in „Das Spukschloss im Spessart“ gröber und weniger wirkungsvoll ausfielen, obwohl die Handlung diesmal in der Gegenwart spielte - zeitweise sogar unmittelbar in Bonn am Rhein, der damaligen Hauptstadt der BRD.

Um einen Zusammenhang zum ersten Film herzustellen, transferierten die Drehbuchautoren Heinz Pauck und Günter Neumann fünf der Räuber aus dem Spessartwald in die Gegenwart, wo sie diesmal als Geister ihr Unwesen treiben sollten. Der Film beginnt noch in der Vergangenheit, wo die Räuber statt am Strang zu enden, im titelgebenden Wirtshaus eingemauert werden, um sie dort qualvoller sterben zu lassen - Initiator dieses Vorgangs ist natürlich Hubert von Meyerinck als zackiger Offizier. Doch ein paar Jahrhunderte später, als das Wirtshaus einer Autobahntrasse weichen muss, kommen die Fünf wieder frei, die als Gespenster "überlebt" haben. Sie erinnern sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau, die in Teil 1 am Ende den Räuberhauptmann heiratete, und freuen sich, sie dort wieder zu sehen. Tatsächlich handelt es sich um deren Ur-Urenkelin Charlotte (Liselotte Pulver), die sie ebenfalls sofort in ihr Herz schließen, womit sich der Kreis zwischen den beiden Filmen schließt.

Auch in „Das Spukschloss im Spessart“ sind es wieder die Räuber, die für die respektlosen Sprüche und Anspielungen zuständig sind und sich nicht an die damals gängigen Moralvorstellungen halten mussten. Hanne Wieder darf deshalb eine hemmungslos promiskuitiv handelnde Schöne mimen, die vor allem im Duett mit Prinz Kalaka, den Hans Clarin als hektischen, sexgeilen Trottel gibt, ihre Reize einzusetzen weiß. Besonders an dieser Konstellation wird der stark angestaubte Charakter des Films sichtbar. Clarins zwar nicht unsympathische, aber klischeehafte Verkörperung eines reichen Scheichs, der nach Deutschland kommt, um die Finanzierung einer Talsperre zu übernehmen, lässt kaum ein Vorurteil aus, so wie Hanne Wieders Darstellung einer selbstbewusst erotisch auftretenden Frau keine emanzipatorische Züge trägt, da ihr nur als Räuberin aus dem Mittelalter ein solches Benehmen zugestanden wurde. Liselotte Pulver, die in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch überzeugend in einer „Hosenrolle“ auftrat, verkörpert hier dagegen nicht nur Bravheit und Anstand pur, sondern wird in eine Liebesgeschichte mit dem jungen Martin Hartog (Heinz Baumann) verwickelt, die bemüht und konstruiert wirkt.

Deutlich wird daran auch, wie wenig „Das Spukschloss im Spessart“ letztlich riskierte. Für die wenigen konkreten Anspielungen – etwa wenn sich hinter dem Putz des Bonner Gerichtsgebäudes noch ein Hakenkreuz befindet, oder Hanne Wieder gegenüber Prinz Kalaka andeutet, es gäbe noch viel „Braune“ in Deutschland – sind ausschließlich die „Gespenster“ zuständig und als Karikatur auf den Bonner Beamten muss wie gewohnt einzig Hubert von Meyerinck herhalten. Dagegen wird das Potential um die Versteigerung des Schlosses der Comtesse - ein häufig gewähltes Motiv dieser Phase, siehe „Das Schloss in Tirol“ (1957) oder „Die Mädels vom Immenhof“ (1955) - verschenkt. Kaum hat Martin Hartog die bezaubernde Comtesse kennen gelernt, hat er seine ursprüngliche Intention, ihr Schloss unter einem Vorwand zu besuchen, um die Umbaumaßnahmen zu planen, schon vergessen. Er handelte im Auftrag seines Vaters, dessen Unternehmen Charlotte 100.000 Mark schuldet, weshalb die Pfändung kurz bevor steht. Eventuelle Seitenhiebe auf einen rücksichtslosen Kapitalismus wagte der Film natürlich nicht, denn nachdem sich Martin mit seinem Vater kurz entzweite, erweist sich dieser wenig später ebenfalls als anständiger Charakter, der Charlotte ihr Schloss nicht wegnehmen will. Als sich dann auch noch ein blöder US-Amerikaner findet, der 100.000 Mark für die fünf Gespenster bezahlt, um sie mit einer Rakete zum Mond zu schießen, ist nicht nur diese Schuld getilgt, sondern stellt sich auch die Frage, warum der Film nicht gleich mit hinauf geschossen wurde?

„Das Spukschloss im Spessart“, das sich selbst „Grusical“ nennt, da der Anteil an Gesangseinlagen gegenüber „Das Wirtshaus im Spessart“ deutlich gesteigert wurde, bedarf eines sehr nostalgischen Blicks, um sich an dem nur in seltenen Momenten ironischen, meist albernen und klischeehaften Treiben zu erfreuen – einzig die Tricks um die Gespenster können noch atmosphärisch überzeugen. Besonders Liselotte Pulver, deren erfrischendes Spiel immer auch selbstbewusste, emanzipatorische Züge trug, ist hier als nettes Mädel zu einseitig charakterisiert, während Heinz Baumann viel zu blass agiert, um nur einen Moment lang den knallharten Geschäftsmann zu verkörpern. Der Spagat zwischen kritisch-ironischen Anspielungen und einer unterhaltenden Komödie, der in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch zeitweise gelang, wird in „Das Spukschloss im Spessart“ zu sehr an die Gespenster-Effekte und dem krampfhaften Bemühen, die Story im letzten Drittel noch nach Bonn zu versetzen, verschenkt, weshalb der Film den Eindruck eines Sammelsuriums hinterlässt, dessen Einzelteile nicht überzeugen können.

"Das Spukschloss im Spessart" Deutschland 1960, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Günter Neumann, Heinz Pauck, Darsteller : Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hanne Wieder, Hans Clarin, Hubert von Meyerinck, Hans Richter, Laufzeit : 97 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)

Mittwoch, 14. August 2013

Die Zürcher Verlobung (1957) Helmut Käutner

Inhalt: Die bisher wenig erfolgreiche Schriftstellerin Juliane Thomas (Lieselotte Pulver) beendet enttäuscht die Beziehung mit ihrem untreuen Freund Jürgen Kolbe (Wolfgang Lukschy) und fährt nach Berlin zu ihrem Onkel Dr.Julius Weyer (Werner Finck), einem Zahnarzt, um die Angelegenheit zu verdauen. Damit sie auf andere Gedanken kommt, dient sie sich als Zahnarzthelferin an, zeigt dabei aber nur wenig Engagement. Das ändert sich, als mit Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid) ein attraktiver Mann im Wartezimmer erscheint, der seinen Freund Paul Frank (Bernhard Wicki) begleitet, den die Zahnschmerzen zum Arzt trieben. Obwohl schon mit Alkohol beruhigt, erweist sich Frank wenig souverän im Patientenstuhl, während dessen Freund Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, weshalb sich Juliane Hals über Kopf in ihn verliebt.

Wieder zu Hause in Hamburg, nimmt sie dieses Erlebnis zum Anlass, ein Drehbuch zu schreiben. Den ungehobelten Paul Frank nennt sie darin „Büffel“ und aus ihrer Begegnung mit Dr. Berner lässt sie eine Liebesgeschichte entstehen - selbstverständlich mit Happy-End. Zu ihrer Überraschung wird ihr Drehbuch angenommen und sie soll bei dem Regisseur vorsprechen, bei dem es sich ausgerechnet um den besagten „Büffel“ handelt…


"Die Zürcher Verlobung" gehört zu den unverwüstlichen Komödien des Fernsehzeitalters, die meist an irgendwelchen Sonntagnachmittagen wiederholt werden, was der Reputation nicht unbedingt dienlich war. Dabei drehte Regisseur Helmut Käutner nach seinem Erfolg mit der Zuckmayer-Verfilmung „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) im Jahr darauf neben „Monpti“ noch eine zweite Komödie, die neben ihrem intelligenten, charmanten und witzigen Drehbuch nach dem Roman von Barbara Noack noch eine weitere, Mitte der 50er Jahre im deutschen Film, seltene Eigenschaft aufwies – sie befand sich auf der Höhe der Zeit, oder genauer, war ihr vielleicht sogar ein wenig voraus. Selten beschäftigte sich ein humorvoll angelegter Film dieser Phase so unmittelbar mit der bundesrepublikanischen Gegenwart und wurde zudem von Käutner, obwohl die Handlung unter Filmprominenz und Besserverdienenden angelegt ist, gleichzeitig selbstironisch und ohne kitschige Peinlichkeiten inszeniert.

Neben Liselotte Pulver, die zwischen den Kurt Hoffmann Filmen „Heute heiratet mein Mann“ (1956) und „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1957) erstmals mit Helmut Käutner zusammen arbeitete, wählte er nicht zufällig Bernhard Wicki für die Rolle des Regisseurs Paul Frank aus, dessen im Film vertretene Meinung viel über Käutners eigene Haltung verrät. Wicki hatte nicht nur in „Die letzte Brücke“ (1954) unter ihm seine erste Hauptrolle gespielt, er ging noch im selben Jahr bei den Dreharbeiten zu „Monpti“ als Assistent bei ihm in die Lehre, bevor er selbst mit „Die Brücke“ (1959) als Regisseur reüssierte – entsprechend viel Persönliches wird in „Zürcher Verlobung“ spürbar, von Käutner noch auf die Spitze getrieben, indem er selbst in einem Cameo-Auftritt als Journalist äußert, er fände es nicht gut, wenn ein Regisseur in seinem eigenen Film mitspielt. Auch Sonja Ziemann tritt als sie selbst auf und spielt darin mit ihrem Image, nicht die talentierteste zu sein.

Dieser hintergründige, selbstironische Humor zeichnet den gesamten Film aus, der nach außen hin eine scheinbar normale Liebesgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht Juliane Thomas (Liselotte Pulver), die in einem großen 50er Jahre - Wohnblock in Hamburg lebt. Zu Beginn sieht man sie enttäuscht Reliquien einer vergangenen Liebes-Affäre verbrennen, um dann - um Abstand zu gewinnen - nach Berlin zu ihrem Onkel, dem Zahnarzt Dr.Julius Weyer (Werner Finck), zu fahren, der sie mit den freundlichen Worten empfängt, wann endlich eine ihrer Beziehungen klappt und sie einen ordentlichen Job findet. Finck wiederholte damit seine Rolle als Zahnarzt in „Heute heiratet mein Mann“, in dem Liselotte Pulver ebenfalls eine selbstbewusste, junge Frau spielte, allerdings noch nicht mit der Konsequenz wie in „Die Zürcher Verlobung“. Die Szene, in der sich Lieselotte Pulver in knappem Negligé über ihren ins Nebenzimmer ausgelagerten Ex (Wolfgang Lukschy) beugt, um die Schallplatte auszumachen, während er versucht, sie zu sich ins Bett zu ziehen, erzählt eine andere Geschichte als im konservativ geprägten Heimatfilm oder moralisch genormten Komödien dieser Zeit – Sex vor der Ehe ist hier genauso selbstverständlich wie unsichere Arbeitsverhältnisse.

Ihre Erlebnisse als Zahnarzthelferin bei ihrem Onkel, hatte die selbstbewusste Juliane in einem Drehbuch umgesetzt, welches sie an diverse Produktionsgesellschaften geschickt hatte. Im Mittelpunkt ihrer Story stehen zwei Männer – Einer, den sie "Büffel" nennt, da er einen besonders unfreundlichen und gleichzeitig feigen Eindruck hinterließ, als er auf denkbar unvorteilhafteste Weise auf dem Zahnarztstuhl randalierte, und im Gegensatz dazu, dessen Freund und Begleiter Dr. Jean Berner (Paul Hubschmid), einem attraktiven Schweizer Arzt, in den sich die junge Frau sofort verliebt, weshalb sie aus dieser Begegnung eine romantische Liebesgeschichte entwickelte. Ihre Freude, als ihr Drehbuch angenommen wird, ist zuerst sehr groß, trübt sich aber, als sie sich bei dem Regisseur des geplanten Films vorstellt, bei dem es sich um Niemand Anderen als den von ihr beschriebenen "Büffel" handelt. Paul Frank (Bernhard Wicki), der sich gut getroffen findet, gefällt das Drehbuch gerade deshalb, hält aber die Liebesgeschichte für unrealistisch und kitschig – besonders das typische Happy-End lehnt er ab.

Von ihm darauf angesprochen, ob sie selbst in seinen Freund verliebt wäre, widerspricht Juliane diesem Verdacht und erfindet in ihrer Erklärungsnot einen anderen Mann, mit dem sie sich demnächst in Zürich verloben würde. Die Titel gebende „Zürcher Verlobung" ist entsprechend eine Fälschung, die der Film zum Anlass für eine Vielzahl an Diskussionen nimmt, die bis heute aktuell geblieben sind. Allein die Frage, ob sich die Story nach dem Willen des Publikums richten soll oder künstlerische Gesichtspunkte wichtiger sind, wird wiederholt aufgeworfen. Beide Haltungen gelten nicht als vereinbar und geben die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Film wider – während der Produzent von Julianes Liebesgeschichte sehr angetan ist und schon die Begeisterung des Publikums vor Augen hat, lässt Regisseur Paul Frank ständig das Drehbuch ändern, um die Story authentischer und realistischer werden zu lassen.

Trotz dieser Thematik blieb Käutner in „Die Zürcher Verlobung" schwerelos und siedelte die Handlung, deren Liebesgeschichte sich unerwartet und untypisch entwickelt, vor den verschneiten Berge um St.Moritz an. Und bewies damit, dass auch deutsche Komödien der 50er Jahre geistreich, witzig und modern wirken konnten.

"Die Zürcher Verlobung" Deutschland 1944, Regie: Helmut Käutner, Drehbuch: Helmut Käutner, Heinz Pauck, Barbara Noack (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Bernhard Wicki, Paul Hubschmid, Rudolf Platte, Wolfgang Lukschy, Werner Finck, Maria Sebaldt, Sonja Ziemann, Laufzeit : 103 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Käutner:

Mittwoch, 5. Juni 2013

Das Wirtshaus im Spessart (1958) Kurt Hoffmann

Inhalt: Obwohl der Moritatensänger (Rudolf Vogel) vor den Räubern im Spessart warnt und eine hohe Belohnung auf den Räuberhauptmann (Carlos Thompson) ausgesetzt ist, wagen sich die Wanderburschen Felix (Helmut Lohner) und Peter (Hans Clarin) in den finsteren Wald, ängstlich darauf vertrauend, dass sie als arme Schlucker nicht beraubt werden. Ganz anders sieht die Situation für die Comtesse Franziska von Sandau (Liselotte Pulver) und ihren Verlobten Baron Sperling (Günter Lüders) samt ihrer Begleitung aus, die mit ihrer Kutsche in eine Grube fahren und nicht mehr weiter können.

Zu ihrem scheinbaren Glück erscheinen wie zufällig Knoll (Wolfgang Neuss) und Funzel (Wolfgang Müller) an der Unglücksstelle, die ihnen den Tipp geben, die Nacht in einem nahe gelegenen Wirtshaus zu verbringen. Doch die beiden Räuber locken sie damit in die vorbereitete Falle, denn in dem abseits gelegenen Gasthaus taucht bald die Räuberbande mit dem Hauptmann an der Spitze auf, der sich ein ordentliches Lösegeld für die Comtesse erhofft. Um ihn zu täuschen, gibt sich Felix, der gemeinsam mit Peter auch im Wirtshaus untergekommen war, verschleiert als Comtesse aus, die selbst als Räuber verkleidet zu fliehen versucht. Doch als ihr klar wird, dass sie ihre Freunde damit im Stich lässt, schließt sie sich der Bande an…


Die Moritat um die Räuberbande im Spessart, die im 18.Jahrhundert spielen soll, war nicht nur die vierte Zusammenarbeit Kurt Hoffmanns mit Liselotte Pulver, sondern wurde einer der erfolgreichsten deutschen Filme der 50er Jahre, der folgerichtig mit „Spukschloss im Spessart“ (1960) und „Herrliche Zeiten im Spessart“ (1967) noch zwei Fortsetzungen nach sich zog, natürlich jeweils mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle. Ein Erfolg dieser Größenordnung funktionierte nur mit einem genauen Gespür für den damaligen Publikumsgeschmack, weshalb der Zahn der Zeit deutlich mehr an "Das Wirtshaus im Spessart" genagt hat, als an einem weniger kompatiblen Werk wie "Die Zürcher Verlobung", den Helmut Käutner ein Jahr zuvor mit Lieselotte Pulver drehte.

Der Grund für den Erfolg der Geschichte um Comtesse Franziska (Liselotte Pulver) lag in der idealen Kombination damals beliebter Genres. Beginnend mit einem Vogelhändler und Moritatenerzähler (Rudolf Vogel), der dem Geschehen eine erzählerische Klammer gibt, liegt ein Schwerpunkt auf dem Gesang, der nicht kitschig klingt, sondern in einer Art Sprechgesang zwischen komödiantischen, albernen und sanft kabarettistischen Momenten wechselt. Besonders die beiden Erz-Komiker Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, die hier als gutmütige, leicht trottelige Räuber in das Geschehen eingreifen, dürfen sich auf diese Weise über kleinbürgerliches Denken amüsieren.

Die historisch anmutende Kulisse vor dem Hintergrund von Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart, wirkt theatralisch künstlich mit betont schmutzigem Räuberlager und einem von waberndem Nebel umflorten düsteren Wirtshaus mitten im Wald. Eine bewusst herbei geführte Wirkung, denn trotz der gruseligen Atmosphäre macht Regisseur Hoffmann kein Geheimnis daraus, dass es sich hier um eine leicht abgedrehte Komödie handelt, deren Räubermilieu er für respektlose Bemerkungen und moralisch gewagte Konstellationen nutzte. Der dicke Pfarrer, der das Geschehen mit weisen Sprüchen und erhobenem religiösen Zeigefinger kommentiert, wirkt entsprechend deplaziert und lächerlich – eine sanfte Kritik an den kirchlichen Moralvorstellungen.

"Das Wirtshaus im Spessart" vermittelt aus heutiger Sicht ein so vieldeutiges, wie uneinheitliches Bild. Der historische Rahmen versucht trotz schöner Kostüme gar nicht erst authentisch zu wirken. Einerseits gibt es den Oberst eines Kavallerieregiments, dessen Auftritt an einen typischen preußischen Offizier (Hubert von Meyerinck) aus der Zeit von Wilhelm II. erinnert, obwohl der Film optisch früher angesiedelt ist, andererseits spielt Liselotte Pulver die junge Adlige in einer Mischung aus Rüpelhaftigkeit und Selbstbewusstsein, die für 1958 sehr modern war. Noch heute ist es gut nachvollziehbar, dass diese Mischung aus Märchen, gruseliger Räuber-Atmosphäre und Komödie mit vielen witzig frechen Sprüchen und Gesängen sehr gut ankam, besonders dank der burschikos, respektlosen Liselotte Pulver. Dazu werden Seitenhiebe auf das Militär, die Kirche, die adligen geldgierigen Führungskräfte und das Spießbürgertum im Allgemeinen abgegeben. Und zu alledem gibt es noch eine romantische Liebesgeschichte zwischen der Comtesse und dem Räuberhauptmann (Carlos Thompson).

Die Story selbst ist sehr einfach gehalten und liefert nur das Grundgerüst für die Gesänge und komödiantischen Szenen - und für die frivolen Momente zwischen unverheirateten Männlein und Weiblein. Leider geht dem wilden Treiben am Ende ein wenig die Luft aus, da auch „Das Wirtshaus im Spessart“ nicht ohne Happy-End auskommt und sich der Räuberhauptmann in Wirklichkeit als ganz lieber und dazu noch adliger Kerl entpuppt. Auch daran wird der Geist von 1958 sichtbar, der sich in einem akzeptierten Rahmen ein wenig Kritik leistet, letztlich aber doch die Erwartungshaltungen des Publikums an eine schöne unterhaltende Geschichte erfüllen will.

Trotz kleinerer Wagnisse wirkt "Das Wirtshaus im Spessart" heute altmodisch, da sich die kabarettistisch komödiantischen Anspielungen am damaligen Zeitgeist orientierten und inzwischen betulich und harmlos daher kommen. Auch den emanzipatorischen Ansatz hält der Film nicht durch, denn die lange Zeit in einer Hosenrolle agierende Liselotte Pulver akzeptiert am Ende ihre mädchenhafte Unterordnung, um die Erwartung an Romantik und die gewohnten Geschlechterrollen zu erfüllen. Die Räuberposse um eine Comtesse, die zusammen mit Freunden von Räubern entführt wird und als Mann verkleidet entfliehen kann, hat viel von ihrer damaligen Wirkung verloren, lässt aber den Spaß der Beteiligten an dem Film nach wie vor spüren, denn Kurt Hoffmann konnte eine Vielzahl komödiantischer Schauspieler von Hans Clarin, über Ralf Wolter bis Günter Lüders aufbieten. Und das damals führende Komikerpaar Neuss/Müller befand sich wie üblich in großartiger Spiellaune, weshalb "Das Wirtshaus im Spessart" auch heute noch bestens unterhalten kann.

"Das Wirtshaus im Spessart" Deutschland 1958, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Luiselotte Enderle, Kurt Hoffmann, Heinz Pauck, Darsteller : Liselotte Pulver, Carlos Thompson, Hans Clarin, Rolf Wolter, Günther Lüders, Helmut Lohner, Wolfgang Neuss, Wolfgang Müller, Rudolf Vogel, Ina Peters, Hubert von Meyerinck, Laufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:

"Quax, der Bruchpilot" (1941)
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Ich denke oft an Piroschka" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)

Sonntag, 31. März 2013

Heute heiratet mein Mann (1956) Kurt Hoffmann


Inhalt: Thesi Petersen (Liselotte Pulver) ist geschieden und lebt in einer kleinen Atelier-Wohnung über den Dächern Hamburgs. Die junge Mode-Designerin weiß ihren Charme einzusetzen und verkauft dem Chef eines Modehauses alle ihre Entwürfe, obwohl dieser sich zuerst ablehnend zeigt. Weniger souverän reagierte sie kurz zuvor, als sie von ihrem Zahnarzt (Werner Finck) erfuhr, dass ihr Ex-Mann (Johannes Heesters) erneut heiraten will.

Sie erinnert sich an ihre kleinlichen Streitigkeiten, die damals zur Scheidung geführt hatten, und plant, mit einem aufregenden Kleid unangemeldet zu der Verlobungsfeier gehen. Als sie am Nachmittag an der Alster spazieren geht, findet sie es angesichts der vielen Paare seltsam, allein zu sein, aber zufällig lernt sie über eine Bekannte Georg Lindberg (Paul Hubschmid), einen deutschen Diplomaten, und dessen Freund Niki Springer (Charles Regnier), einen Schriftsteller, kennen. Spontan beschließt sie, beide Männer zu der Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes mitzunehmen...


Die Kombination war vielversprechend - Komödienspezialist Kurt Hoffmann wählte mit Annemarie Selinkos Roman "Heute heiratet mein Mann" eine populäre Drehbuch-Grundlage für seinen neuen Film und besetzte wieder Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle, mit der er ein Jahr zuvor mit "Ich denke oft an Piroschka" einen großen Erfolg gefeiert hatte. Obwohl Kurt Hoffmanns leichter Inszenierungsstil und Liselotte Pulver als selbstbewusst auftretende junge Frau wie gewohnt überzeugen konnten, ist "Heute heiratet mein Mann" in Vergessenheit geraten zwischen ihrer "Piroschka"-Rolle und Helmut Käutners "Die Zürcher Verlobung" (1957), in dem sie erneut auf Paul Hubschmid treffen sollte. Zurecht, denn anders als den genannten Filmen und Hoffmanns kommendem Film mit Liselotte Pulver "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957), gelang es "Heute heiratet mein Mann" nicht, sich vom Mief der 50er Jahre zu befreien.

Dabei nimmt Liselotte Pulver als junge Mode-Designerin Thesi Petersen, die allein in einer Hamburger Dachwohnung lebt und ihr Leben lässig schmeißt, hier ihre moderne Frauenrolle aus "Die Zürcher Verlobung" schon vorweg, ebenso wie Werner Finck schon als Zahnarzt zu sehen ist, der zum Auslöser der weiteren Verwicklungen wird. Arglos und unwissend, wer sich gerade auf seinem Patientenstuhl befindet, ist er voll des Lobes für den Architekten des neuen Krankenhauses Robert Petersen (Johannes Heesters) und erwähnt dessen geplante Hochzeit mit der jungen Karin Nielsen (Gundula Korte), Tochter des wohlhabenden Unternehmers Karl Nielsen (Gustav Knuth). Erst als Thesi Petersen seine Praxis wieder verlässt, begreift er, dass sie die Ex-Frau ist, der er zuvor ganz selbstverständlich die Allein-Schuld an der ersten gescheiterten Ehe des Architekten gegeben hatte.

Scheidungen waren Mitte der 50er Jahre noch keineswegs an der Tagesordnung, weshalb der selbstverständliche Umgang damit überrascht, zudem kombiniert mit einer Frau, die in der jungen Bundesrepublik ihren eigenen Weg zu gehen scheint. Doch dieser zukunftsweisende Eindruck eines guten Beginns verschwindet schnell zugunsten einer altbackenen Story, die nur noch davon bestimmt wird, die geschiedenen Eheleute wieder zusammen zu bringen. Nachdem Thesi die Informationen von ihrem Zahnarzt erhalten hatte, spielen realistische Dinge wie ihr Job oder ihr Selbstverständnis als Frau keine Rolle mehr - sie will nur noch mit einem aufreizenden Kleid in die Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes platzen und dabei kommt ihr die Bekanntschaft mit den attraktiven Herren Georg Lindberg (Paul Hubschmid) und Niki Springer (Charles Regnier), die sie in einem Café an der Alster kennenlernt, gerade recht. Dass sie die Trennung von ihrem Mann noch nicht überwunden hätte, wie Georg angesichts dieser Aktion zurecht mutmaßt, weist Thesi weit von sich - eine Lüge, die Niemand glauben wird.

Die weiteren, den Großteil des Films einnehmenden Handlungsabläufe, lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Nach dem gelungenen Auftritt mit schickem Abendkleid und zwei sie begleitenden Männern auf der Verlobungsfeier, lässt sich Thesi von dem Diplomaten Georg Lindberg nach mehreren vergeblichen Versuchen doch dazu überreden, ihn zu heiraten und mit ihm nach Mexiko zu gehen, erkrankt glücklicherweise einen Tag vor der Abreise an Scharlach und wird täglich von ihrem Ex-Mann im Krankenhaus besucht. Nach wochenlanger Quarantäne trennt sie sich wieder von Georg, während auch ihr Ex seine Hochzeitsfeierlichkeiten absagt - es kommt zum erwartet guten Ende.

Die hier gezeigten Geschlechterrollen und die Eingriffe in Annemarie Selinkos literarische Vorlage, verraten noch eine deutliche Nähe zum konservativen Zeitgeist der 50er Jahre, worüber auch die gut aufgelegten Nebendarsteller und Hoffmanns schmissiger Stil nicht hinweg täuschen können. Selinko gliederte die 1940 erschienene Geschichte um ein geschiedenes Ehepaars in eine komplexe Handlung ein, die unmittelbar auf die damaligen Ereignisse in Europa reagierte. Der Widerstand gegen die Nationalsozialisten, dem sich Selinko später selbst anschloss, wurde bestimmend für die persönlichen Konsequenzen der Handelnden, auch für Thesis Rückkehr zu ihrem Mann. Dass Hoffmann auf die politischen Aspekte verzichtete und die Story als reine Komödie inszenierte, war legitim, nahm den Protagonisten aber ihre charakterliche Tiefe und ließ sie oberflächlich agieren.

Schon der Grund für das Scheitern der Ehe von Thesi und Robert, der in Rückblicken erzählt wird, ist in seiner Nichtigkeit eine Bestätigung der Vorurteile des Zahnarztes. Offensichtlich hatte Thesi als nicht arbeitende Hausfrau viel Zeit, um ständig die Einrichtung umzustellen, was zu Streitigkeiten mit ihrem Abends spät nach der Arbeit nach Hause kommenden Mann führte. Ein harmloses Wortgefecht genügte schon, damit sie ihre Koffer packte. Der Film verzichtet darauf, weitere Folgen einer Scheidung zu zeigen - eine für Frauen in den 50er Jahren noch einschneidende Konsequenz - um den Eindruck, ein sich immer noch liebendes Paar hätte sich aus geringfügigen Gründen getrennt, nicht zu gefährden. Noch unwahrscheinlicher ist Robert Petersens geplante Hochzeit mit der zwar hübschen, aber bieder-braven Karin Nielsen, die ständig von zwei alten Frauen bewacht wird. Die einzige sympathische Figur der Industriellenfamilie ist das von Gustav Knuth gespielte Familienoberhaupt, das sich ganz selbstverständlich eine junge Geliebte (Ingrid van Bergen) leisten darf und damit Lebensfreude ausstrahlt, während die Frauen nur vorwurfsvoll moralische Verfehlungen geißeln.

Während die Männer alle gut bezahlte Jobs haben und trotz ihres gehobenen Alters attraktiv sind - Johannes Heesters spielte mit 53 Jahren den "jungen" Architekten und Bräutigam, der 55jährige Gustav Knuth den "älteren" Liebhaber und zukünftigen Schwiegervater - werden die Frauen nur in die Kategorien jung und hübsch oder alt und knöchern unterteilt. Man könnte über die im Vergleich zu ihren Kolleginnen deutlich älteren männlichen Darsteller hinweg sehen, da nicht das tatsächliche, sondern das gespielte Alter maßgebend sein sollte, aber besonders Heesters wirkt mit seinen Verniedlichungen gegenüber seinen "Frauchen" wie ein typischer "Sugar-Daddy", was Liselotte Pulvers anfänglich selbstbewusstes Auftreten zunehmend relativiert und sie in die damals beliebte Rolle des lebenslustigen, aber noch etwas unreifen Dings verfällt. Wenigstens ihre geplante Hochzeit mit dem netten, aber natürlich langweiligen Georg brauchte Niemanden zu überzeugen - zu offensichtlich beruhte diese Entscheidung nur darauf, ihren Frust über die geplante Hochzeit ihres Ex-Mannes zu kanalisieren.

"Heute heiratet mein Mann" ist eine harmlose Filmkomödie, der die Entstehung in den 50er Jahren deutlich anzumerken ist. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wären die Voraussetzungen nicht so vielversprechend gewesen. Dass Annemarie Selinkos Vorlage nur auszugsweise genutzt wurde, war dem damaligen Zeitgeist zu verdanken, dem Regisseur Kurt Hoffmann und Liselotte Pulver in ihren Filmen allerdings häufig widerstanden - hier leider nicht.

"Heute heiratet mein Mann" Deutschland 1956, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius, Annemarie Selinko (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Paul Hubschmid, Charles Regnier, Gustav Knuth, Lina Carstens, Ingrid van Bergen, Werner Finck, Laufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)