Sonntag, 31. März 2013

Heute heiratet mein Mann (1956) Kurt Hoffmann


Inhalt: Thesi Petersen (Liselotte Pulver) ist geschieden und lebt in einer kleinen Atelier-Wohnung über den Dächern Hamburgs. Die junge Mode-Designerin weiß ihren Charme einzusetzen und verkauft dem Chef eines Modehauses alle ihre Entwürfe, obwohl dieser sich zuerst ablehnend zeigt. Weniger souverän reagierte sie kurz zuvor, als sie von ihrem Zahnarzt (Werner Finck) erfuhr, dass ihr Ex-Mann (Johannes Heesters) erneut heiraten will.

Sie erinnert sich an ihre kleinlichen Streitigkeiten, die damals zur Scheidung geführt hatten, und plant, mit einem aufregenden Kleid unangemeldet zu der Verlobungsfeier gehen. Als sie am Nachmittag an der Alster spazieren geht, findet sie es angesichts der vielen Paare seltsam, allein zu sein, aber zufällig lernt sie über eine Bekannte Georg Lindberg (Paul Hubschmid), einen deutschen Diplomaten, und dessen Freund Niki Springer (Charles Regnier), einen Schriftsteller, kennen. Spontan beschließt sie, beide Männer zu der Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes mitzunehmen...


Die Kombination war vielversprechend - Komödienspezialist Kurt Hoffmann wählte mit Annemarie Selinkos Roman "Heute heiratet mein Mann" eine populäre Drehbuch-Grundlage für seinen neuen Film und besetzte wieder Liselotte Pulver in der weiblichen Hauptrolle, mit der er ein Jahr zuvor mit "Ich denke oft an Piroschka" einen großen Erfolg gefeiert hatte. Obwohl Kurt Hoffmanns leichter Inszenierungsstil und Liselotte Pulver als selbstbewusst auftretende junge Frau wie gewohnt überzeugen konnten, ist "Heute heiratet mein Mann" in Vergessenheit geraten zwischen ihrer "Piroschka"-Rolle und Helmut Käutners "Die Zürcher Verlobung" (1957), in dem sie erneut auf Paul Hubschmid treffen sollte. Zurecht, denn anders als den genannten Filmen und Hoffmanns kommendem Film mit Liselotte Pulver "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" (1957), gelang es "Heute heiratet mein Mann" nicht, sich vom Mief der 50er Jahre zu befreien.

Dabei nimmt Liselotte Pulver als junge Mode-Designerin Thesi Petersen, die allein in einer Hamburger Dachwohnung lebt und ihr Leben lässig schmeißt, hier ihre moderne Frauenrolle aus "Die Zürcher Verlobung" schon vorweg, ebenso wie Werner Finck schon als Zahnarzt zu sehen ist, der zum Auslöser der weiteren Verwicklungen wird. Arglos und unwissend, wer sich gerade auf seinem Patientenstuhl befindet, ist er voll des Lobes für den Architekten des neuen Krankenhauses Robert Petersen (Johannes Heesters) und erwähnt dessen geplante Hochzeit mit der jungen Karin Nielsen (Gundula Korte), Tochter des wohlhabenden Unternehmers Karl Nielsen (Gustav Knuth). Erst als Thesi Petersen seine Praxis wieder verlässt, begreift er, dass sie die Ex-Frau ist, der er zuvor ganz selbstverständlich die Allein-Schuld an der ersten gescheiterten Ehe des Architekten gegeben hatte.

Scheidungen waren Mitte der 50er Jahre noch keineswegs an der Tagesordnung, weshalb der selbstverständliche Umgang damit überrascht, zudem kombiniert mit einer Frau, die in der jungen Bundesrepublik ihren eigenen Weg zu gehen scheint. Doch dieser zukunftsweisende Eindruck eines guten Beginns verschwindet schnell zugunsten einer altbackenen Story, die nur noch davon bestimmt wird, die geschiedenen Eheleute wieder zusammen zu bringen. Nachdem Thesi die Informationen von ihrem Zahnarzt erhalten hatte, spielen realistische Dinge wie ihr Job oder ihr Selbstverständnis als Frau keine Rolle mehr - sie will nur noch mit einem aufreizenden Kleid in die Verlobungsfeier ihres Ex-Mannes platzen und dabei kommt ihr die Bekanntschaft mit den attraktiven Herren Georg Lindberg (Paul Hubschmid) und Niki Springer (Charles Regnier), die sie in einem Café an der Alster kennenlernt, gerade recht. Dass sie die Trennung von ihrem Mann noch nicht überwunden hätte, wie Georg angesichts dieser Aktion zurecht mutmaßt, weist Thesi weit von sich - eine Lüge, die Niemand glauben wird.

Die weiteren, den Großteil des Films einnehmenden Handlungsabläufe, lassen sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Nach dem gelungenen Auftritt mit schickem Abendkleid und zwei sie begleitenden Männern auf der Verlobungsfeier, lässt sich Thesi von dem Diplomaten Georg Lindberg nach mehreren vergeblichen Versuchen doch dazu überreden, ihn zu heiraten und mit ihm nach Mexiko zu gehen, erkrankt glücklicherweise einen Tag vor der Abreise an Scharlach und wird täglich von ihrem Ex-Mann im Krankenhaus besucht. Nach wochenlanger Quarantäne trennt sie sich wieder von Georg, während auch ihr Ex seine Hochzeitsfeierlichkeiten absagt - es kommt zum erwartet guten Ende.

Die hier gezeigten Geschlechterrollen und die Eingriffe in Annemarie Selinkos literarische Vorlage, verraten noch eine deutliche Nähe zum konservativen Zeitgeist der 50er Jahre, worüber auch die gut aufgelegten Nebendarsteller und Hoffmanns schmissiger Stil nicht hinweg täuschen können. Selinko gliederte die 1940 erschienene Geschichte um ein geschiedenes Ehepaars in eine komplexe Handlung ein, die unmittelbar auf die damaligen Ereignisse in Europa reagierte. Der Widerstand gegen die Nationalsozialisten, dem sich Selinko später selbst anschloss, wurde bestimmend für die persönlichen Konsequenzen der Handelnden, auch für Thesis Rückkehr zu ihrem Mann. Dass Hoffmann auf die politischen Aspekte verzichtete und die Story als reine Komödie inszenierte, war legitim, nahm den Protagonisten aber ihre charakterliche Tiefe und ließ sie oberflächlich agieren.

Schon der Grund für das Scheitern der Ehe von Thesi und Robert, der in Rückblicken erzählt wird, ist in seiner Nichtigkeit eine Bestätigung der Vorurteile des Zahnarztes. Offensichtlich hatte Thesi als nicht arbeitende Hausfrau viel Zeit, um ständig die Einrichtung umzustellen, was zu Streitigkeiten mit ihrem Abends spät nach der Arbeit nach Hause kommenden Mann führte. Ein harmloses Wortgefecht genügte schon, damit sie ihre Koffer packte. Der Film verzichtet darauf, weitere Folgen einer Scheidung zu zeigen - eine für Frauen in den 50er Jahren noch einschneidende Konsequenz - um den Eindruck, ein sich immer noch liebendes Paar hätte sich aus geringfügigen Gründen getrennt, nicht zu gefährden. Noch unwahrscheinlicher ist Robert Petersens geplante Hochzeit mit der zwar hübschen, aber bieder-braven Karin Nielsen, die ständig von zwei alten Frauen bewacht wird. Die einzige sympathische Figur der Industriellenfamilie ist das von Gustav Knuth gespielte Familienoberhaupt, das sich ganz selbstverständlich eine junge Geliebte (Ingrid van Bergen) leisten darf und damit Lebensfreude ausstrahlt, während die Frauen nur vorwurfsvoll moralische Verfehlungen geißeln.

Während die Männer alle gut bezahlte Jobs haben und trotz ihres gehobenen Alters attraktiv sind - Johannes Heesters spielte mit 53 Jahren den "jungen" Architekten und Bräutigam, der 55jährige Gustav Knuth den "älteren" Liebhaber und zukünftigen Schwiegervater - werden die Frauen nur in die Kategorien jung und hübsch oder alt und knöchern unterteilt. Man könnte über die im Vergleich zu ihren Kolleginnen deutlich älteren männlichen Darsteller hinweg sehen, da nicht das tatsächliche, sondern das gespielte Alter maßgebend sein sollte, aber besonders Heesters wirkt mit seinen Verniedlichungen gegenüber seinen "Frauchen" wie ein typischer "Sugar-Daddy", was Liselotte Pulvers anfänglich selbstbewusstes Auftreten zunehmend relativiert und sie in die damals beliebte Rolle des lebenslustigen, aber noch etwas unreifen Dings verfällt. Wenigstens ihre geplante Hochzeit mit dem netten, aber natürlich langweiligen Georg brauchte Niemanden zu überzeugen - zu offensichtlich beruhte diese Entscheidung nur darauf, ihren Frust über die geplante Hochzeit ihres Ex-Mannes zu kanalisieren.

"Heute heiratet mein Mann" ist eine harmlose Filmkomödie, der die Entstehung in den 50er Jahren deutlich anzumerken ist. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wären die Voraussetzungen nicht so vielversprechend gewesen. Dass Annemarie Selinkos Vorlage nur auszugsweise genutzt wurde, war dem damaligen Zeitgeist zu verdanken, dem Regisseur Kurt Hoffmann und Liselotte Pulver in ihren Filmen allerdings häufig widerstanden - hier leider nicht.

"Heute heiratet mein Mann" Deutschland 1956, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius, Annemarie Selinko (Roman), Darsteller : Liselotte Pulver, Johannes Heesters, Paul Hubschmid, Charles Regnier, Gustav Knuth, Lina Carstens, Ingrid van Bergen, Werner Finck, Laufzeit : 91 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Das Spukschloss im Spessart" (1960)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)

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