Inhalt: Lord
Cavershott (Curt Goetz) ist ein begeisterter Napoleon-Forscher, dessen
luxuriöser Lebensstil diesem Hobby untergeordnet ist. Dabei vernachlässigt er
auch seine geliebte Gattin Josephine (Valerie von Martens), obwohl diese über
den passenden Vornamen verfügt.
Selbstverständlich begibt er sich enthusiastisch zu einer Reise nach Paris, wo sich die Napoleonforscher zu einem Kongress treffen, um über wichtige historische Details zu diskutieren. Zudem findet die Premiere einer von Cavershott finanziell unterstützten Napoleon-Revue statt, die sich originell und freizügig dem Thema "Napoleon" nähert. Lange Zeit verfolgt er diese Aufführung mit Wohlwollen, bis es plötzlich zum Eklat kommt. Der Regisseur hatte in einer optischen Umsetzung gewagt, hinter dem großen "N" für Napoleon einen "Punkt" vorzusehen. Erbost verlässt er den Saal - bis er besagtes "Pünktchen" (Else von Möllendorff) persönlich kennenlernt...
Selbstverständlich begibt er sich enthusiastisch zu einer Reise nach Paris, wo sich die Napoleonforscher zu einem Kongress treffen, um über wichtige historische Details zu diskutieren. Zudem findet die Premiere einer von Cavershott finanziell unterstützten Napoleon-Revue statt, die sich originell und freizügig dem Thema "Napoleon" nähert. Lange Zeit verfolgt er diese Aufführung mit Wohlwollen, bis es plötzlich zum Eklat kommt. Der Regisseur hatte in einer optischen Umsetzung gewagt, hinter dem großen "N" für Napoleon einen "Punkt" vorzusehen. Erbost verlässt er den Saal - bis er besagtes "Pünktchen" (Else von Möllendorff) persönlich kennenlernt...

Das sich die Nationalsozialisten um den beliebten Komödianten bemühten, lag nahe, aber Goetz konnte sich diesem Ansinnen erfolgreich entziehen, wobei ihm seine Schweizer Staatsbürgerschaft zu Hilfe kam, die er seinem früh verstorbenen Vater verdankte und die er zeitlebens behielt, obwohl er in Mainz geboren wurde und in Deutschland aufwuchs. Als er und seine Frau Valerie von Martens während eines USA-Aufenthaltes vom Beginn des 2.Weltkrieges überrascht wurden, kehrten sie nicht mehr nach Deutschland zurück. Kurze Zeit beteiligte sich Goetz an Drehbüchern für Hollywood-Produktionen, aber ihm gefiel die unpersönliche Machart nicht, weshalb er einen 5-Jahres-Vertrag ausschlug und sich lieber mit dem Hühnerzüchten beschäftigte. Um 1946 nach Europa - allerdings in die Schweiz - zurückzukehren.

Diese Sichtweise war auch der Tatsache geschuldet, dass in Deutschland komödiantische und in ihrer Aussagekraft weniger direkte Werke - zumindest in ihrer gesellschaftskritischen Relevanz - nicht ernst genommen wurden und werden. Während sich seine nach dem Krieg gedrehten Filme "Frauenarzt Dr. Prätorius" (1950) und "Das Haus in Montevideo" (1951) der bürgerlichen Doppelmoral immerhin noch kritisch-ironisch annahmen, schien ein Film wie "Napoleon ist an allem schuld" vordergründig wie eine alberne Spielerei - bar jeden realistischen Bezugs.

Dabei liegt in dieser Figuren-Konstellation Goetz' eigentliche Genialität. Die
Darstellung angesehener Würdenträger und Ehepaare aus besten Kreisen, die
das Leben wie ein großes Spiel betrachten, war ein deutlicher Affront gegenüber einer sich selbst sehr ernst nehmenden Gesellschaftsschicht. Das gelang ohne Herabsetzung der Protagonisten, weil
Goetz sie gleichzeitig ernst nahm. Lord Cavershott, sein bester Freund Lord
Cunningham (Paul Henckels), die französischen Freunde - etwa Professor Meunier
(Max Gülstorff) - und besonders Frau Josephine wirken bei aller Komik und ihren
menschlichen Schwächen immer intelligent und fähig, was sich allein schon an
den geschliffenen Dialogen zeigt.
Nicht die handelnden Personen werden der Lächerlichkeit preisgegeben - was den Nationalsozialisten bei der in Frankreich und England angesiedelten Handlung sicherlich gefallen hätte -, sondern die üblichen Objekte der Begierde : gesellschaftliches Ansehen und besonders der Militarismus, der selten so unverkrampft als unsinnige Spielerei entlarvt wurde. Natürlich verfällt Goetz nie in einen konkret anklagenden Ton, aber er leistet sich dafür eine Vielzahl von Freiheiten - die lässige Frivolität, die immer über dem Geschehen liegt, der Verzicht auf Konventionen, die greifbare körperliche Nähe unter Männern (so küsst der Lord seinen französischen Kollegen vor Begeisterung auf den Mund) und nicht zuletzt die emanzipierte Frauenrolle der Josephine.
Nicht die handelnden Personen werden der Lächerlichkeit preisgegeben - was den Nationalsozialisten bei der in Frankreich und England angesiedelten Handlung sicherlich gefallen hätte -, sondern die üblichen Objekte der Begierde : gesellschaftliches Ansehen und besonders der Militarismus, der selten so unverkrampft als unsinnige Spielerei entlarvt wurde. Natürlich verfällt Goetz nie in einen konkret anklagenden Ton, aber er leistet sich dafür eine Vielzahl von Freiheiten - die lässige Frivolität, die immer über dem Geschehen liegt, der Verzicht auf Konventionen, die greifbare körperliche Nähe unter Männern (so küsst der Lord seinen französischen Kollegen vor Begeisterung auf den Mund) und nicht zuletzt die emanzipierte Frauenrolle der Josephine.
Diese begreift ihr Verständnis für die Marotten ihres Mannes nicht als Unterordnung, sondern handelt im Gegenteil aus einer geistig
und moralisch kompetenten Position heraus, die von ihrem Mann bewundert wird.
Ein deutlicher Widerspruch zur damals von den Nationalsozialisten propagierten
Frauenrolle. Dass das Ehepaar kinderlos ist und sich den Nachwuchs ganz
unüblich, aber überzeugend gemeinschaftlich verschafft, betont noch
Goetz' Intention. In Form einer temporeichen Komödie, der nie der Charakter
einer Theateraufführung anhaftet, zeichnet er ein zutiefst humanistisches Menschenbild.
"Napoleon ist an allem schuld" Zeitlosigkeit zu attestieren, ist noch zu schwach, angesichts der Modernität und Liberalität in der hier abgelieferten Sprache und Handlung. Natürlich haben die Respektlosigkeiten an Brisanz in der Gegenwart verloren und wer nur die Story als solche betrachtet, könnte leicht dem Irrtum verfallen, nur eine übliche altdeutsche Komödie anzusehen. Doch für diese Sichtweise bedarf es einer hohen Ignoranz gegenüber den geschliffenen Dialogen und der sehr genauen Charakterzeichnungen, die nie in Einseitigkeit oder gar Verunglimpfung verfallen.
"Napoleon ist an allem schuld" Zeitlosigkeit zu attestieren, ist noch zu schwach, angesichts der Modernität und Liberalität in der hier abgelieferten Sprache und Handlung. Natürlich haben die Respektlosigkeiten an Brisanz in der Gegenwart verloren und wer nur die Story als solche betrachtet, könnte leicht dem Irrtum verfallen, nur eine übliche altdeutsche Komödie anzusehen. Doch für diese Sichtweise bedarf es einer hohen Ignoranz gegenüber den geschliffenen Dialogen und der sehr genauen Charakterzeichnungen, die nie in Einseitigkeit oder gar Verunglimpfung verfallen.
"Napoleon ist an allem schuld" Deutschland 1938, Regie: Curt Goetz, Drehbuch: Curt Goetz, Karl Peter Gillmann, Darsteller : Curt Goetz, Valerie Von Martens, Else Von Möllendorf, Paul Henckels, Max Gülstorff, Laufzeit : 88 Minuten
weitere im Blog besprochene Filme von Curt Goetz:
"Das Haus in Montevideo" (1951)
weitere im Blog besprochene Filme von Curt Goetz:
"Das Haus in Montevideo" (1951)
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