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Samstag, 11. März 2017

Freddy unter fremden Sternen (1959) Wolfgang Schleif


Freddy und Stefan (Christian Malachet) haben es nach Kanada geschafft
Inhalt: Am Hafen von Toronto versucht Freddy Ullmann (Freddy Quinn) den 10jährigen Waisenjungen Stefan (Christian Malachet) mit ins Land zu nehmen, aber das wird ihm von der kanadischen Einreisebehörde verweigert. Doch Stefan, der ohne Papiere als blinder Passagier mit Freddy von Hamburg per Schiff über den Ozean gekommen war, weiß sich zu helfen und schlüpft durch die Beine eines Grenzpolizisten. Gemeinsam besuchen sie die Niagara-Fälle, bevor sie sich zu der alten Holzhütte begeben, die Freddy von seinem Onkel geerbt hat. Diese erweist sich nur noch als zerfallene Ruine inmitten eines riesigen Grundstücks, aber Freddy und Stefan beginnen sofort tatkräftig mit dem Wiederaufbau. 

Henry O'Brien (Gustav Knuth) versucht vergeblich, Freddy zu beeinflussen
Es dauert nicht lange, bis auch die Nachbarn auf die Neuankömmlinge aufmerksam werden. Manuela (Vera Tschechowa), verwöhnte Tochter des reichen Großgrundbesitzers Henry O’Brien (Gustav Knuth), begegnet Freddy erstmals, als dieser mit dem Ruderboot über den See kommt und berichtet ihrem Vater, der den jungen Mann gleich darauf zu sich einlädt. Doch seine Gastfreundschaft ist nicht ohne Hintergedanken, denn O‘Brien steht kurz vor dem Ruin. Er hatte sich verspekuliert und die Bank droht ihm seinen Besitz zu pfänden. Einzig die Kupfervorkommnisse auf Freddys Grundstück könnten ihn noch retten, weshalb er versucht, ihm das Grundstück für wenig Geld abzukaufen. Doch Freddy denkt nicht daran, es herzugeben… 


Unter fremden Sternen

Es kommt der Tag, da will man in die Fremde.
Dort wo man lebt, scheint alles viel zu klein.
Es kommt der Tag, da zieht man in die Fremde,
und fragt nicht lang, wie wird die Zukunft sein.
Fährt ein weißes Schiff nach Hongkong,
hab‘ ich Sehnsucht nach der Ferne.
Aber dann in weiter Ferne,
hab‘ ich Sehnsucht nach zu Haus.
Und ich sag zu Wind und Wolken:
"Nehmt mich mit. Ich tausche gerne
all die vielen fremden Länder
gegen eine Heimfahrt aus!"
 








Freddy singt "Unter fremden Sternen", die aber...
Aldo von Pinellis Text zum Titelsong "Unter fremden Sternen" traf die Botschaft des Films so genau, dass die Handlung damit obsolet gewesen wäre, aber dann hätte das Publikum nicht nur auf einen singenden Freddy Quinn verzichten müssen, sondern auch auf einen, der Action kann. Quinn betätigte sich als Holzfäller, hoch zu Ross, beim Sprung in reißende Fluten und als Lebensretter aus einem brennenden Haus. Nebenbei gewinnt er noch einen Wettbewerb im Schießen. Auch wenn dieser nicht im Bild zu sehen ist, hätte Niemand an diesem Ergebnis gezweifelt. Auf einen Mann wie Freddy Ullmann hatte Kanada nur gewartet. Und die Frauen ganz besonders.

...gar nicht so fremdartig daher kommen
Nach dem großen Erfolg mit "Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) setzte sich Texter und Autor Aldo von Pinelli - gemeinsam mit Co-Autor Gustav Kampendonk und Regisseur Wolfgang Schleif - sofort an dessen Fortsetzung, um das von ihnen entworfene Profil eines bodenständigen Mannes, der mit der Gitarre unter dem Arm und einem Lied auf den Lippen den Widrigkeiten des Lebens gelassen begegnet, weiter zu schärfen. Dabei kamen ihnen die im Gegensatz zum Erstling deutlich großzügiger vorhandenen Produktionsmittel entgegen. Gedreht wurde in Technicolor, zum Cast gehörten mit Gustav Knuth und Dieter Eppler bekannte Namen, dazu mit Vera Tschechowa, Helga Sommerfeld und Hannelore Elsner eine Schar junger vielversprechender Darstellerinnen und als Drehorte standen Toronto, die Niagara-Fälle und das weitläufige Panorama der kanadischen Landschaft statt der engen Gassen St.Paulis im Brennpunkt.

Stefan wird mit Gugelhupf verwöhnt...
Von dort hatte sich Freddy auf den Weg „unter fremde Sterne“ gemacht, aber sieht man von der Skyline Torontos und ein paar einsamen Elchen ab, hielt sich das Nordamerika-Feeling in engen Grenzen. Der Handlungsort mit weitläufigen Seen, dichten Wäldern und schneebedeckten Bergen im Hintergrund unterschied sich nur gering von der Alpenlandschaft im Heimatfilm, Sprachgrenzen existierten nicht und die Menschen vor Ort pflegten vertraute Gebräuche. Trotz kleiner Anfangs-Schwierigkeiten gilt Freddy hier keinen Moment als „Fremder“. Im Gegenteil sorgt er bei einer Geburtstags-Feier als „Hillbilly“-Sänger für folkloristische Stimmung. Klar, dass ihn auch der Händler Miller (Benno Sterzenbach) und der Großgrundbesitzer O’Brien (Gustav Knuth), zwei alteingesessen Platzhirsche, sofort respektieren. Kanada hat hier die Anmutung eines Deutschlands mit kostümierten Cowboys und Western-Kulissen, weshalb Freddys tatsächliche Heimat erst gar nicht thematisiert wurde.

...und Freddy von den Frauen
„Freddy unter fremden Sternen“ entstand für ein Publikum, das die Vorgeschichte kannte. Selbst die Anwesenheit eines 10jährigen Jungen an der Seite eines knapp 30jährigen Mannes, der in Kanada einwandert, warf keinerlei Fragen auf. Wie selbstverständlich wird Stefan als Freddys kleiner Freund angesehen, von der Damenwelt mit Gugelhupf und Pudding gemästet und darf zu allen Gelegenheiten seine altklugen Kommentare abgeben. Dass Christian Malachet als einziges Überbleibsel aus "Freddy, die Gitarre und das Meer" erneut zur Besetzung gehörte, war neben der Handlungskontinuität seiner Funktion als Störenfried zu verdanken. Die Macher um Aldo von Pinelli trieben in „Freddy unter fremden Sternen“ dessen Schlag bei Frauen auf die Spitze. Neben Millers vier Töchtern, von denen sich vor allem Ellen (Helga Sommerfeld) ins Zeug legte – Hannelore Elsner in ihrer ersten Filmrolle betrachtete die Balz-Rituale eher spöttisch -, trat besonders Manuela (Vera Tschechowa) im Auftrag ihres Vaters O’Brien als Verführerin auf den Plan und sorgte sogar beim coolen Freddy für weiche Knie.

Wenn Freddy für folkloristische Einlagen sorgt, ...
Hinter Manuelas Ambitionen steht ein fieser Plan, denn ihr Daddy ist von der Pleite bedroht, weshalb er billig an Freddys Grundstück herankommen muss, unter dessen Oberfläche sich wertvolle Kupfervorkommen befinden. Zuerst schickte er seinen Verwalter Ted O’Connor (Dieter Eppler) und dessen Helfershelfer vor, um das „Greenhorn“ unter Druck zu setzen, aber so ließ sich Freddy erwartungsgemäß nicht aus der Ruhe bringen. Erst Manuela verfügt über die notwendigen Mittel, wird aber dank Stefans Eingreifen am Austausch konkreter Zärtlichkeiten gehindert. Als Grund muss Susi aus "Freddy, die Gitarre und das Meer" herhalten, die in Deutschland angeblich auf ihn wartet, obwohl keine Rückkehr eingeplant war. Ursprünglich sollte sie nachkommen, sobald Freddy eine Existenz in Kanada aufgebaut hätte, aber das erwähnt nicht einmal mehr der penetrante Stefan.

...betrachtet ihn auch Manuela (Vera Tschechowa) mit anderen Augen
Von Pinelli, Kampendonk und Schleif standen vor einem Dilemma. Einerseits war von Beginn an klar, dass ihr Star am Ende wieder in die Heimat zurückkehrt, andererseits sollte „Freddy unter fremden Sternen“ ein Wohlfühl-Film und kein Auswanderer-Drama werden. Nicht nur der alte O’Brien wird reumütig und beichtet Freddy von seinen finanziellen Schwierigkeiten, auch die gar nicht mehr eingebildete Manuela entdeckt ihre wahren Gefühle für den singenden Helden, der ihrem Vater das Leben gerettet hatte. Selbst die kanadische Polizei agiert ähnlich konstruktiv wie die deutsche im Vorgängerfilm und überführt Ted als den wahren Übeltäter, worauf sich Alle einigen können. Welchen Grund hätte Freddy also gehabt, die gar nicht so fremden Sterne wieder zu verlassen? - Dafür musste erneut Stefan in die Bresche springen, der wegen fehlender Einwanderungspapiere von der Polizei nach Deutschland zurückgeschickt werden soll. Als sein Freund kann Freddy ihn nicht im Stich lassen und begleitet ihn.

Abschlussbild mit Planwagen und Gitarre
Eine mehr als dünne Drehbuchwendung, die keiner näheren Betrachtung standhält. Wie hätte Freddy reagiert, wenn es Stefan zu Beginn des Films nicht gelungen wäre, am Hafen bei der Passkontrolle an den Beamten vorbei zu schlüpfen? – War es nicht viel zu riskant, ihn als blinden Passagier mit nach Kanada zu nehmen? – Jetzt, nachdem sich alles gefügt und O’Brien einen fairen Preis für Freddys Grundstück gezahlt hatte, geht es mit den Taschen voller Geld nach Deutschland zurück. Und prompt denkt Freddy wieder an Susi und die beiden Ossenkamps in Hamburg-St.Pauli, aber es bedarf schon sehr der 50er Jahre-Brille, um das angesichts der süßen Manuela und der schneebedeckten Wipfel im Hintergrund als Happy-End zu begreifen. Nicht ohne Grund endete "Freddy unter fremden Sternen" mit den beiden Protagonisten auf dem Bock eines Planwagens und Freddys Griff zur Gitarre - die im Titelsong beschworene "Heimfahrt" sparte man lieber aus. 

"Freddy unter fremden Sternen" Deutschland 1959, Regie: Wolfgang Schleif, Drehbuch: Aldo von Pinelli, Gustav Kampendonk, Darsteller : Freddy Quinn, Gustav Knuth, Vera Tschechowa, Dieter Eppler, Christian Machalet, Benno Sterzenbach, Helga Sommerfeld, Hannelore Elsner, Laufzeit : 92 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Wolfgang Schleif: 

"Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) 
"Freddy und die Melodie der Nacht" (1960)

Sonntag, 5. März 2017

Freddy, die Gitarre und das Meer (1959) Wolfgang Schleif

Freddy (Freddy Quinn) und Stefan (Christian Machalet) mussten von Bord gehen
Inhalt: Ein 10jähriger Junge (Christian Machalet) treibt sich im Hamburger Hafengebiet herum und nutzt einen unbeobachteten Moment, um an Bord eines Frachters zu gelangen. Er ahnt nicht, dass ihm Freddy (Freddy Quinn), der es sich unter der Plane eines Rettungsboots eingerichtet hatte, dabei zusieht. Doch als ein Kran seine Ladung in den Frachtraum absetzen will, kommt diese dem Jungen gefährlich nah, so dass Freddy ihm zur Seite springt und ihn wegzieht. Mit dem Ergebnis, dass Beide erwischt werden und von Bord verwiesen werden. Statt als blinder Passagier nach Kanada zu schippern, muss Freddy in einem Schuppen übernachten, in dem sich Stefan, der aus dem Waisenhaus abgehauen war, versteckt hält. 

Freddy gefällt Susi (Corny Collins)
Freddy ist dem Jungen deshalb nicht böse und will ihn nicht im Stich lassen. Als sie am kommenden Tag ein wenig Geld für etwas Essbares auftreiben wollen, hält Stefan einer Dame (Sabine Sesselmann) die Tür ihres Cabriolets auf, wofür er 50 Pfennig erhält. Dabei fällt dieser unbemerkt ein 50 Markschein aus dem Portmonee, den Stefan sofort an sich reißt. Aber Freddy ermahnt ihn und gibt ihn ihr wieder zurück. Eine Begegnung, an die sich die junge Journalistin sofort erinnert, als sie einige Stunden später erneut auf Freddy trifft, der im Lokal "Bei Onkel Max" einige Lieder singt, um ein wenig Geld zu verdienen. Susi (Corny Collins), die dort kellnert, hatte ihm und Stefan eine Bulette zukommen lassen und sich ein wenig mit Freddy angefreundet. Doch die angenehme Situation ändert sich, als Polizisten das Lokal betreten. Freddy ergreift die Flucht. 


In "Heimatlos" wurde Freddy Quinn noch von der weiblichen Protagonistin zugunsten eines anderen Mannes zurückgewiesen, ab "Freddy, die Gitarre und das Meer" stieg er endgültig zum Hauptdarsteller und Star auf, dem die Frauenherzen nur so zuflogen. Das betonten die diversen Filmplakate, die ihn wahlweise mit Sabine Sesselmann oder Corny Collins zeigten, und passte zu Freddys neuem Image als cooler Seemann, der den Widrigkeiten des Lebens mit der Gitarre in der Hand trotzt - eine Kreation, die auf die Autoren Aldo von Pinelli und Gustav Kampendonk zurückging, die gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Schleif die ersten drei Freddy-Filme innerhalb eines Jahres herausbrachten, deren großer Erfolg Quinns Image bis heute verfestigte.

Tatsächlich spielten die Macher nur mit der Aura eines Frauenhelden, denn Quinn blieb immer ein Muster an Anstand, der die Gelegenheiten selbstverständlich nicht ausnutzte. Mit Sabine Sesselmann, deren Porträt im Hintergrund des Filmplakats eine bedeutungsvolle Schwere vermitteln sollte, existiert im Film nicht einmal ein kleiner Flirt. Stattdessen erlebt Freddy seine Abenteuer mit einem 10jährigen Jungen, den er am Ende aus einem Waisenhaus befreit und als blinden Passagier mit nach Kanada nimmt. Bei solch menschlich nachvollziehbaren Umständen durft auch ein wenig über die Strenge geschlagen werden. 


"Freddy, die Gitarre und das Meer" wurde der "kassenstärkste Film deutsch" (goldener Bambi 1960) im Jahr 1959 und stand am Beginn einer Reihe von insgesamt zehn Freddy Quinn-Filmen innerhalb der kommenden fünf Jahre. Doch so selbstverständlich wie dieser Erfolg rückwirkend erscheint, war er nicht. Als Sänger seit seinem ersten Nummer 1-Hit "Heimweh" (1956) in Deutschland ein Star, war Quinn bis dahin im Kino nur in zwei Nebenrollen zu sehen. Zuletzt in dem Heimatfilm "Heimatlos" (1958), dessen gleichnamiger Titelsong für Quinn zu einem weiteren Nummer-1-Hit avancierte. Der Text stammte von Aldo von Pinelli, dem Impresario hinter einer Figur, die er gemeinsam mit Co-Autor Gustav Kampendonk und Regisseur Wolfgang Schleif zu einer Reife brachte, dass sie zum "Alter Ego" des aus Österreich stammenden Sängers wurde: der bodenständige, großherzige und weitgereiste Seemann, der seine Gitarre und die Einsamkeit des Meers jederzeit einer aufgeregten, materiell orientierten Gesellschaft vorzog.

Freddy bei Katja (Sabine Sesselmann) zu Hause - natürlich ganz züchtig
Den Machern musste das Risiko dieser Kreation bewusst gewesen sein, denn die Produktionskosten blieben verglichen mit seinem unmittelbaren Nachfolger "Freddy unter fremden Sternen" (1959) bescheiden - gedreht in Schwarz/Weiß, ohne große Co-Stars und mit einer auf das Hafengebiet von Hamburg beschränkten Location. Dabei bewiesen sie ein gutes Gespür sowohl für den damaligen Zeitgeist, als auch den Menschen Quinn. Dieser hatte, als er 1954 als 23jähriger von Jürgen Roland auf der Reeperbahn entdeckt worden war, schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit seinem irischen Vater war er als Kleinkind in die USA gezogen, später zu seiner Mutter nach Wien zurückgekehrt, bevor er schon als Minderjähriger jahrelang singend durch Südeuropa und Nordafrika gereist war. Quinn nahm man den Typus des selbstbewussten, jeder Situation gewachsenen Kerls ab, dessen zwischen Abenteuerlust und Biederkeit austarierter Charakter exakt den Nerv des Publikums traf.

Jan (Peter Carsten) hat Freddy wieder erkannt
Entsprechend angelegt ist auch die Handlung. Der von der Polizei wegen Totschlags in Genua gesuchte Freddy schlägt sich als blinder Passagier bis Hamburg durch, um von dort weiter nach Kanada zu gelangen, wo ihm sein Onkel ein großes Stück Land vererbt hat. Weil er Stefan (Christian Machalet), einem aus dem Waisenhaus geflohenen etwa 10jährigen hilft, wird er entdeckt und muss von Bord des Schiffes gehen, das ihn nach Nordamerika bringen sollte. Gemeinsam mit dem Jungen schlägt er sich in St.Pauli durch, übernachtet in einem heruntergekommenen Schuppen und versucht in einem Lokal mit seinem Gesang etwas zu verdienen. Dabei lernt er die Kellnerin Susi (Corny Collins) kennen, aber auch eine hübsche Journalistin (Sabine Sesselman) aus besten Hamburger Kreisen wird auf ihn aufmerksam. Sie will sein Talent als Sänger fördern und nimmt ihn mit zu sich nach Hause, was ihrem arroganten Verlobten gar nicht gefällt. Auch Susi reagiert eifersüchtig, aber Freddy hat noch ganz andere Probleme. Ein ehemaliger Kamerad (Peter Carsten) hat ihn wieder erkannt und droht ihn an die Polizei zu verraten.

"Mutter" Ossenkamp (Camilla Spira) steckt Fietjes (Ralf Wolter) Lohntüte ein
St.Pauli, Kriminalität, Frauen. Von Pinelli und Kampendonk entwarfen eine Story, die nach Sex und Gewalt klang, sich aber als familientauglicher Musikfilm entpuppte. Keiner der hier behaupteten Konflikte wird auch nur annähernd ausgespielt, mögliche Missverständnisse oder Animositäten lösen sich umgehend in Wohlwollen auf. Eine Inszenierung, die um Freddy die Aura eines Vagabunden und Abenteurers schuf, diesen aber am heimischen Küchenherd verortete. Hamburg-Reeperbahn, die Hafengegend, die schmalen Gassen, selbst das Tanzlokal, in dem Vicky Henderson die einzige nicht von Quinn gesungene Nummer zum Besten gab, wirken sauber und aufgeräumt. Dagegen war selbst Rühmanns "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" (1954) ein Ort finsterer Verruchtheit. Das Traumziel Kanada und der Blick über das Meer sollten Fernweh demonstrieren, aber das Lokal "Bei Onkel Max" des Ehepaars Ossenkamp, obwohl kinderlos von allen nur „Mutter“ (Camilla Spira) und „Vater“ (Walter Scherau) genannt, wird zum Rückzugort für Freddy und Stefan.

"Vater" Ossenkamp (Walter Scherau) lässt sich schnell von Susi und Stefan erweichen
Allein das Aldo von Pinelli seinem Hauptdarsteller mit Christian Machalet ein Kind an die Seite stellte, das dem Film altklug und redselig den Stempel aufdrückte, nahm der Handlung jede Chance auf eine dramatische Entwicklung. Freddy rückte sofort in die Rolle des großen Bruders, der den Kleinen nicht im Stich lassen konnte, weshalb es die beiden Frauen an seiner Seite schwer hatten. Das ist umso erstaunlicher, da Corny Collins ("Schmutziger Engel", 1958) und Sabine Sesselmann („Liebe kann wie Gift sein“, 1958) zuvor sexuell aktive Frauen gespielt hatten, hier an Hochgeschlossenheit aber kaum zu übertreffen sind. Collins als Kellnerin Susi ist ganz das einfache Mädchen, dass sich ein anständiger Kerl wie Freddy an seiner Seite wünscht – fleißig, zurückhaltend und dezent hübsch. Klar, dass er sie will, aber mehr als ein Kuss am Kai, als er sich von ihr gen Kanada verabschiedet, springt nicht für sie heraus. Trauer ist ihm wegen der Trennung nicht anzumerken, dagegen große Freude, als in seiner Schiffskajüte zu seiner Überraschung Stefan aus dem See-Sack springt.

Sein Verhältnis zu den Frauen ist signifikant für die Kunstfigur „Freddy“. Einerseits gehörte es zum Klischee des Abenteurers, dass ihm die Herzen der Frauen zufliegen, andererseits hätte eine intensive Beziehung, gar eine dramatische „Amour fou“, nicht nur dem Saubermann-Image widersprochen, sondern auch seinen Status als cooler Einzelgänger in Frage gestellt. Ein kleiner Junge an seiner Seite wurde akzeptiert, denn gehören sollte „Freddy“ allein dem Publikum.

Katja kann ihren Verlobten Lothar (Harry Meyen) beruhigen
Die Rolle der Journalistin Katja besaß darüber hinaus noch eine andere Funktion. Obwohl das Filmplakat eine emotionale Beziehung zwischen ihr und Freddy andeutete, durfte ihre Aufmerksamkeit allein seinem Gesangstalent gelten. Selbst als sie ihn mit zu sich nach Hause nimmt, wird jede größere Nähe ausgeschlossen. Betont wird dagegen ihr mondäner Hintergrund mit Villa, Sportwagen und Hausmädchen, der in keinem größeren Kontrast zur kleinbürgerlichen Welt der Ossenkamps stehen könnte, der hier selbstverständlich die Sympathien gehörten. Zwar agierte Sabine Sesselmann in ihrer Rolle freundlich – sonst hätte Freddy nichts mit ihr zu tun haben wollen - aber Harry Meyen als ihr Verlobter durfte die gesamte Palette von Arrogant bis Hochnäsig abdecken. Wenn Katja ihm am Ende zu verstehen gibt, dass Jemand wie Freddy bei ihr keine Chance hatte und sie auch dessen Gesangsaufnahmen wieder löscht, unterscheidet sie nichts mehr von ihm.

Wahre Freude - Stefan kommt mit nach Kanada
Diese Trennung zwischen den sozialen Schichten war ein weiterer Grund für den Erfolg der „Freddy“-Filme, die den Heimatfilm modern interpretierten (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969"). Hier die klar umrissene, vertraute Scholle, bevölkert mit Menschen, die trotz kleinerer Schwächen das Herz auf dem rechten Fleck haben, dort eine gebildete und auf Etikette wert legende Oberschicht. Auch dieser Kontrast wurde nicht übertrieben zugespitzt, denn das hätte den harmonischen Gesamteindruck gestört – selbst die Polizei ging hier ganz in ihrer Funktion als „Freund und Helfer“ auf - aber er machte deutlich, auf welcher Seite Freddy stand. Dass er in die weite Welt hinausfahren wollte, war kein Widerspruch. Ein Verbleiben zu Hause, wie es die frühen Heimatfilme propagierten, war nicht mehr zeitgemäß. Der Blick in die Fremde sollte das Hochhalten der eigenen Heimat legitimieren – eine Rolle, die Freddy stellvertretend für das Publikum einnahm. Am Ende von „Freddy, die Gitarre und das Meer“ begibt er sich auf die große Reise, aber das war noch nicht das Ende seiner Geschichte. 

"Freddy, die Gitarre und das MeerDeutschland 1959, Regie: Wolfgang Schleif, Drehbuch: Aldo von Pinelli, Gustav Kampendonk, Darsteller : Freddy Quinn, Corny Collins, Sabine Sesselmann, Christian Machalet, Peter Carsten, Walter Scherau, Camilla Spira, Harry Meyen, Ralf Wolter, Laufzeit : 89 Minuten 

weitere im Blog besprochene Filme von Wolfgang Schleif: 

"Freddy unter fremden Sternen" (1959) 
"Freddy und die Melodie der Nacht" (1960)

Freitag, 24. Februar 2017

Heimatlos (1958) Herbert B. Fredersdorf


Großstädter Conny Fürst (Peter Weck) interessiert sich für Barbara (Marianne Hold)...
Inhalt: Dass Barbara (Marianne Hold) Franz (Rudolf Lenz) liebt und ihre Hochzeit bevor steht, heißt nicht, dass sie sich allein auf ihre zukünftige Rolle als Hausfrau und Mutter beschränken will. Gegen den Willen ihres Vaters (Willy Rösner) und ihres Verlobten plant sie, ihre Freundin in München für ein paar Tage zu besuchen, und lässt sich auch von einem Fremden beim Volksfest ihres Heimatdorfs ansprechen. Barbara weiß selbstbewusst Grenzen zu ziehen, was den Großstädter Conny Fürst (Peter Weck) erst richtig reizt. Als Barbara am nächsten Tag im Bus nach München fährt, setzt er sich überraschend zu ihr und weicht ihr auch am Ziel nicht von der Seite. 

...was den einheimischen Herren (Joe Stöckel, Willy Rösner und Rudolf Lenz) missfällt
Im Glauben, ihn spätestens bei ihrer Freundin loszuwerden, fährt sie noch gemeinsam mit ihm im Taxi zu deren Elternhaus, muss dort aber erfahren, dass die Herrschaften überraschend abgereist sind, ohne sie noch rechtzeitig informieren zu können. Für Conny Fürst die Gelegenheit, seine Beziehungen und Ortskenntnisse zu nutzen. Da kein Bus mehr zurückfährt, bringt er sie erst in einer hochanständigen Pension bei einer strengen Oberst-Witwe unter, um mit ihr Abends schick auszugehen. Doch obwohl er seinen Charme zu Höchstform auflaufen lässt, wehrt Barbara seine Annäherungen ab und verbringt die Nacht allein. Nur glaubt das ihr eifersüchtiger Verlobter nicht, der ihr nachgefahren war, nachdem er erfahren hatte, dass sie nicht bei ihrer Freundin untergekommen war. Als Conny Fürst noch mit einem Blumenstrauß auftaucht, eskaliert die Situation… 

"Heimatlos" konnte mit einigen Stars aufwarten. Die Heimatfilm-Größen Marianne Hold und Rudolf Lenz standen an der Spitze eines Casts, der mit Joe Stöckel, Peter Weck, Willy Rösner, Werner Fuetterer und Helen Vita bis in die Nebenrollen prominent besetzt war. Dazu kam der schauspielerische Newcomer, aber aktuelle Schlager-Star Freddy Quinn in seiner zweiten Filmrolle und Sängerin Dany Mann mit einem kurzen Auftritt. Diese angesagte Darsteller-Riege täuscht darüber hinweg, dass sich die Popularität des Heimatfilms im Niedergang befand (siehe "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969"). Für Regisseur Fredersdorf wurde "Heimatlos" sein letzter Heimatfilm, ebenso für Joe Stöckel, der ein Jahr später mit 64 Jahren starb.

Mehr als die äußerlichen Anzeichen steht das Drehbuch für diesen schleichenden Prozess, denn der nicht weiter in Erscheinung getretene Autor E.A. Wildenburg kombinierte Heimatfilm-Klischees mit dem Ende der 50er Jahre angesagten "Moral"- oder "Halbstarken-Film" und stellte dem gestandenen Helden Rudolf Lenz einen großstädtischen Gauner und Verführer gegenüber. Dazu mit Freddy Quinn auch einen Sänger, dessen Filmkarriere noch bevor stand, die beispielhaft für den Wandel im Heimatfilm steht. Zwar konservativ und heimatverbunden bleibend, verlieh Quinn dem Heimatfilm ab "Freddy, die Gitarre und das Meer" (1959) ein internationales und mordernes Image. 


Anfangsszenario: Franz (Rudolf Lenz) und Barbara als Liebespaar...
Rudolf Lenz befand sich 1958 auf dem Höhepunkt seiner Helden-Karriere. Berühmt geworden mit dem österreichischen Film "Echo der Berge" (1954), der den Heimatfilm-Boom unter dem Titel "Der Förster vom Silberwald" erst richtig anfachte (siehe Im Zenit des Wirtschaftswunders - der Heimatfilm der Jahre 1955 bis 1957"), entstanden in den folgenden Jahren eine Vielzahl an Genre-Vertretern mit ihm in der Hauptrolle - darunter die Ganghofer-Verfilmungen "Das Schweigen im Wald" (1955), "Der Jäger von Fall" (1956) und "Der Edelweißkönig" (1957). Ebenfalls 1957 war auch eine Art Fortsetzung seiner Förster-Rolle in "Der Wilderer vom Silberwald" an der Seite seiner Dauerpartnerin Anita Gutwell herausgekommen, mit der er im Jahr darauf "Einmal noch die Heimat seh'n" drehte. Zwischen diesen beiden Filmen kam im Sommer 1958 „Heimatlos“ in die Kinos, bei dem Rudolf Lenz erstmals an der Seite von Marianne Hold spielte, der neben Gutwell populärsten Darstellerin dieser Phase im Heimatfilm. Doch obwohl er sie schon in der ersten Einstellung küsst, spielte er im Film nur die dritte Geige.

...aber der smarte Conny Fürst lässt nicht locker
Geplant war das nicht, denn selbstverständlich stand Lenz in den Credits neben Marianne Hold an erster Stelle und war als tüchtiger und heimatverbundener Besitzer eines Sägewerks in Tirol für die Rolle des anständigen Kerls vorgesehen, der die begehrte Maid erobert. Nur setzte die Handlung in "Heimatlos" mit diesem sonst am Ende stehenden Szenario ein, was erwarten ließ, dass es sich nicht wie üblich fortsetzen sollte. Eine Auto-Hupe, die rücksichtslos ein Blasorchester unterbricht, das gerade gen Festplatz marschierte, gibt das Signal für die Störung der Heimat-Idylle. Conny Fürst (Peter Weck) hatte sein Cabriolet mitten in die Menschenmenge gesteuert, um kurz daraus Barbara (Marianne Hold) bei dem jährlichen Volksfest ihres Heimatorts anzusprechen - ein Umstand, der bei ihrem Vater (Willy Rösner), dem Pfarrer (Joe Stöckel) und besonders bei ihrem Verlobten Franz (Rudolf Lenz) für Missstimmung sorgt. Und die schöne Barbara verärgert, die sich dieses Misstrauen der versammelten Männer verbittet.

Im Nachtclub lässt er Champagner springen...
Deutlich wird schon zu diesem frühen Zeitpunkt, dass mit der selbstbewusst auftretenden Barbara etwas nicht stimmen kann – so zumindest die übereinstimmende Meinung der Altvorderen. Während ihr Vater den Einfluss der Großstadt München beklagt, glaubt der Pfarrer, dass sie schnell wissen wird, wo ihr Platz ist, sobald sich Nachwuchs ankündigt. Doch weder sie, noch ihr zukünftiger Ehemann können Barbara davon abbringen, dass sie für ein paar Tage eine Freundin in München besuchen möchte. Eine junge Frau, die ihr Heimatdorf zurückgelassen hätte, um ihren Fuß in einen Großstadt-Moloch zu setzen, wäre wenige Jahre zuvor noch diskreditiert gewesen, aber auch im Heimatfilm war die Zeit nicht stehen geblieben. Der wachsende Wohlstand in den 50er Jahren hatte das Freizeitverhalten und die Mobilität verändert, die Entfernung zwischen den Tiroler Bergen und München war geschrumpft. Geradezu mit den Händen zu greifen ist deshalb das Bemühen der Macher um Regisseur Herbert B. Fredersdorf, Barbaras Reputation als anständige junge Frau nicht zu beschädigen – das Unheil musste von außen kommen.

...und im Hinterzimmer macht er krumme Geschäfte mit Hanuschke (Werner Fuetterer)
In Person des Großstädters, Bonvivants und - wie sich bald herausstellt - Ganoven Conny Fürst, weshalb die Leistung Peter Wecks in dieser Rolle nicht hoch genug einzuschätzen ist. Weck gelang der Spagat zwischen Charmeur und Hallodri so gut, dass Barbaras zunehmend schwächer werdender Widerstand gegenüber seinem hartnäckigen Werben verständlich wird, gleichzeitig seine Funktion als unlauterer Verführer junger Mädchen nicht in Frage gestellt wurde. Zwar bemühte das Drehbuch noch den Zufall – Barbaras Freundin war überraschend verreist und ihr eifersüchtiger Verlobter bezichtigt sie zu Unrecht der Unmoral und treibt sie damit erst in Connys Arme – aber das ändert nichts an Wecks Darstellung eines unterhaltsamen und im Kern sympathischen Typen. Der es auch ernst mit Barbara meint und sie heiraten will, aber nicht das einträgliche Geschäft des Autoschmuggels lassen kann, weshalb er vom Drehbuch schnöde fallen gelassen wird. Bei der Flucht erschossen, was Ende der 50er Jahre offensichtlich kein Problem war, obwohl Conny Fürst nie eine Waffe bei sich trug. Zurück blieb die schwangere, unverheiratete Barbara – und Auftritt Freddy Quinn!

Freddy (Freddy Quinn) und Gertie (Helen Vita) kümmern sich um Barbara
Zwar war Quinn schon zu den Anfangs-Credits mit seinem Hit „Heimatlos“ zu hören und spielte eine Nummer in Conny Fürsts Lieblings-Nachtclub, aber erst nach dessen Tod bekam seine Rolle Gewicht. Zuständig für die Liedtexte war erneut Aldo von Pinelli, auf dessen Drehbuchidee Quinns erste kleine Filmrolle in „Die große Chance“ (1957) zurückging und der später gemeinsam mit Regisseur Wolfgang Schleif und Co-Autor Gustav Kampendonk für dessen Aufstieg zum Filmstar („Freddy, die Gitarre und das Meer“ (1959)) verantwortlich werden sollte. Sein Einfluss auf die Figur des Freddy in „Heimatlos“ blieb aber gering, denn diese folgte allein der inneren Logik der Drehbuch-Konstruktion um Barbara. Schwanger und ohne Geld in der Großstadt zurückgelassen, droht ihr der endgültige Niedergang, als ausgerechnet der schmierige Nachtclub-Besitzer Hanuschke (Werner Fuetterer), der mit Fürst zuvor gemeinsame Sache gemacht hatte, ihr eine Anstellung anbietet. Doch mit dem Musiker Freddy und Helen Vita als resoluter Bardame mit Herz existieren auch positive Charaktere an diesem finsteren Ort, die die junge Frau unter ihre Fittiche nehmen.

Der Pfarrer (Joe Stöckel) begibt sich in die menschlichen Niederungen, um zu vermitteln
Leider vertiefte „Heimatlos“ diese spannende Situation nicht, sondern leitete mit einem großen Zeitsprung weiter in Richtung zu erwartender Entwicklung. Barbara verdient ihr Geld inzwischen mit einem eigenen Schneiderladen und geht in ihrer verantwortlichen Rolle als Mutter einer fünfjährigen Tochter auf. Freddy, wagt es endlich, ihr einen Heiratsantrag zu machen, nachdem er seinen ersten Plattenvertrag erhalten hatte, aber inzwischen ist Franz wieder aufgetaucht, der sein damaliges Benehmen bereut und sich wieder um seine frühere Verlobte bemüht. Barbara erwidert seine Gefühle, aber sie zögert, Franz von ihrer Tochter zu erzählen, auch weil sich dieser wiederholt über deren verstorbenen Erzeuger echauffiert. „Heimatlos“ ließe sich als Plädoyer für Toleranz begreifen, denn eine unverheiratete Mutter besaß Ende der 50er Jahre nur wenig Ansehen, aber dafür ist der Film zu bemüht, jeden Eindruck von Unmoral von Barbara fernzuhalten. Ihr Schicksal sollte hier beispielhaft für den Gegensatz Stadt/Land stehen - und daraus folgernd für Gefahr/Sicherheit bzw. Fremde/Heimat.

Mit seinem Holzhund kann Freddy nicht punkten...
Damit verband der Film ein klassisches Heimatfilm-Thema mit dem in dieser Phase populären „Moral-Film“, der die als negativ betrachteten Auswirkungen einer sich verändernden Sozialisation auf Moral und Geschlechterrollen anprangerte. Entsprechend rückt Franz die landschaftliche Schönheit der heimatlichen Bergwelt gegenüber den städtischen Mietskasernen ins rechte Licht und durfte Joe Stöckel in einer seiner letzten Rollen als warmherziger Pfarrer die heimatliche Toleranz betonen, mit der auch eine verlorene Tochter wieder aufgenommen wird. Nahezu perfide ist die abschließende Szene in der Großstadt, in der Franz der Tochter einen echten Hund schenkt und von ihr sofort als „Papa“ akzeptiert wird, während der abgewiesene Freddy mit einem Spielzeughund bei der Kleinen abstinkt. Nicht nur, dass dieser wie ein Depp dasteht, der Film ließ außen vor, dass Freddy seit Jahren Barbara als Freund zur Seite stand und deren Tochter von klein auf kannte.

...und das Happy-End nicht verhindern
Am Ende kehrt Barbara wieder in ihre Heimat zurück, nur spielte diese im Film - von schönen Bildern abgesehen - nur eine Nebenrolle. „Heimatlos“ erging es wie vielen Moral-Filmen in der Tradition von "Die Halbstarken" (1956) – die Welt, vor der sie warnen wollten, wirkte auf der Leinwand faszinierender als das fiktive Ideal. Dagegen konnte auch der Heimatfilm-Held Rudolf Lenz nicht anspielen, dessen Franz gegenüber dem charmanten Conny und dem Musiker Freddy wie ein altbackener Langweiler wirkt. Dass Barbara - von Marianne Hold mit sanftem emanzipatorischen Gestus verkörpert - wieder zu Franz zurückkehrte, entsprach zwar der Erwartungshaltung, überzeugte aber nicht. Der Zwiespalt des Films, die bisherige Ordnung bewahren zu wollen, gleichzeitig aber modische Stile zu bedienen, manifestierte sich in Freddy Quinns melancholischen Schlagern. Seine Texte betonten zwar den Wert von Heimat und Verlässlichkeit, aber seine Musik und sein auch an internationalen Vorbildern orientiertes Auftreten entsprachen dem Zeitgeist – Quinns Nummer 1-Hit „Heimatlos“ ist auch ein Abgesang auf den traditionellen Heimatfilm. 

"HeimatlosDeutschland 1958, Regie: Herbert B. FredersdorfDrehbuch: E.A.Wildenburg, Darsteller : Marianne Hold, Rudolf Lenz, Peter Weck, Freddy Quinn, Helen Vita, Joe Stöckel, Willy Rösner, Werner Fuetterer, Dany Mann, Laufzeit : 95 Minuten