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Mittwoch, 19. März 2014

Mörderspiel (1961) Helmut Ashley

Inhalt: Sorgfältig versucht Klaus Troger (Harry Meyen) die Spuren seines Mordes an einer blonden Frau, die tot auf ihrem Bett liegt, zu verwischen, aber seine Bemühungen erweisen sich scheinbar als umsonst, als der bekannte Modeschöpfer von Hein Kersten (Götz George), einem jungen Architekten, erkannt wird, während er das Haus der Toten verlässt. Troger gelingt es, sich dessen Stillschweigen zu erkaufen, indem er ein amouröses Abenteuer vortäuscht, aber ihm ist klar, dass diese Lüge nur kurz Bestand hat, sobald die Zeitungen von dem erneuten Frauenmord berichten werden.

Um den Zeugen unauffällig beseitigen zu können, begleitet er Kersten auf eine mondäne Party, auf der sich auch seine Ehefrau (Magali Noël) befindet, die ihn offensichtlich betrügt und nur Verachtung für ihn übrig hat. Die übrigen Anwesenden, die sich zu den besten Kreisen zugehörig fühlen, suchen abendliche Ablenkung, weshalb die Idee, das „Mörderspiel“ zu veranstalten, mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen wird. An Hand von Spielkarten wird ausgelost, wer als Opfer, als Täter und als Polizist agiert, aber niemand rechnet damit, dass die Leiche echt ist…

"Mörderspiel" gehört zu den deutschen Filmen an der Schnittstelle zwischen Unterhaltungsfilm und Gesellschaftssatire, die fast zwanghaft dem Krimi-Genre zugewiesen wurden, um gar nicht erst in eine andere Richtung denken zu müssen. Das hat dem Ansehen des Films geschadet, dessen Qualitäten unter den typischen Erwartungshaltungen vieler Reszensenten begraben wurden, weshalb die am 07.03.2014 von der PIDAX herausgebrachte DVD die Möglichkeit bietet, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen (Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite).
















Als "Mörderspiel" 1961 in die bundesrepublikanischen Kinos kam, genügte es schon mit einem Mord an einer Frau zu beginnen, um Assoziationen an Hitchcock zu wecken - eine Werbebotschaft, die eine Erwartungshaltung schuf, an der der Film zu unrecht scheiterte. Auch der gleichnamige Kriminalroman von Max Pierre Schaeffer, der dem Drehbuch als Vorlage diente, ließ vermuten, dass es in Helmut Ashleys zweitem Film - wie schon in seiner ersten Regiearbeit "Das schwarze Schaf"(1960) - um die kriminalistische Suche nach einem Mörder ging, obwohl an dessen Identität vom ersten Moment des Films an kein Zweifel besteht. Zwar versuchen behandschuhte Hände die Spuren eines Tatorts in der Anfangsszene zu beseitigen, die konsequent aus der subjektiven Sicht des Mörders aufgenommen wurde, aber dazu äußert sich die Stimme Harry Meyens aus dem Off, weshalb sein Anblick in der Rolle des Modeschöpfers Klaus Troger keine Überraschung mehr bedeutet, als die Kamera ihre Perspektive wechselt.

Dieses vom Autoren-Team um Ashley hinzugefügte Vorspiel zur eigentlichen Handlung, die während einer Party der besseren Gesellschaft in einem modernen Loft spielt, unterschied den Film nicht nur von der literarischen Vorlage, sondern auch von typischer Genre-Kost, ist gleichzeitig aber der einzige Schwachpunkt des Films. Für einen mehrfachen Frauenmörder, dem die Polizei bisher ergebnislos nachjagt, handelt Troger viel zu amateurhaft, als er am frühen Abend aus dem Haus seines letzten Opfers tritt und prompt von dem jungen Architekten Hein Kersten (Götz George) gesehen und erkannt wird. Auch das es ihm nicht gelingt den Hausschlüssel zu entsorgen, ist unglaubwürdig - Kersten hört den Klang des fallenden Schlüssels und hebt ihn wieder auf. Regisseur Ashley bezweckte mit dieser leider nicht schlüssig durchdachten Idee eine Umkehrung der traditionellen Krimi-Handlung - nicht die Suche nach dem schon feststehenden Mörder sollte im Vordergrund stehen, sondern diejenige nach den Abgründen der Wirtschaftswunder-BRD.

An dem der PIDAX-DVD beigefügtem Nachdruck der "Illustrierten Film-Bühne" wird deutlich, dass Ashleys Intention schon beim Erscheinen des Films ignoriert wurde. Weder findet in dem Werbetext der Mord zu Beginn Erwähnung, noch der Fakt, dass Klaus Troger (Harry Meyen) nur deshalb auf die Party mitkommt, um den lästigen Zeugen unauffällig erledigen zu können. Der Tote während des "Mörderspiels" ist entsprechend ein Produkt des Zufalls, da ihn Troger mit Kersten in der Dunkelheit verwechselt. Damit nahm Ashley der Handlung jeden wesentlichen Aspekt einer typischen "Who done it"-Handlung, aber anstatt sich auf die entstehende Gesellschafts-Satire einzulassen, wurde Kritik an einer fehlenden Spannung geübt, die der Regisseur gezielt vermied. Der Blick sollte frei bleiben auf eine prototypische Ansammlung von angeblichen Erfolgstypen, die sich unfähig zur Selbstkritik in ihren geschwätzigen Posen gefallen.

"Mörderspiel" bemühte sich weder um Differenzierungen, noch leise Zwischentöne, aber für seine so brachiale, wie amüsante Abrechnung mit den Repräsentanten der "besseren" Gesellschaft - Geschäftsmann, Rechtsanwalt, Arzt, Architekt, Schauspieler, Journalist, Modeschöpfer - stand Ashley eine große Anzahl hervorragender Filmschaffender zur Verfügung. Co-Autor Thomas Keck hatte die Dialoge zu Wolfgang Neuss' Film "Wir Kellerkinder" (1960) geschrieben und war an "Der letzte Zeuge" (1960) von Wolfgang Staudte beteiligt, in dessen gesellschaftskritischen Film "Kirmes" (1960) Götz George und Wolfgang Reichmann zuvor die Rollen der Antipoden übernommen hatten. Reichmann glänzt hier als besoffener Arzt, aber besonders der als Sympathieträger besetzte George überrascht, indem er die hohle Fassade des äußerlich so jovialen Jung-Architekten entlarvt.

Auch Hanne Wieder ("Das Mädchen Rosemarie" (1958)) und Robert Graf ("Jonas" (1957)) stehen für das moderne deutsche Nachkriegskino, während die Fellini-Darstellerin Magali Noël ("La dolce vita" (Das süße Leben, 1960)) und der französische Mime Georges Rivière ("La vergine di Norimberga" (Die Gruft der lebenden Leichen, 1963)) zum internationalen Flair der deutsch-französischen Co-Produktion beitrugen. Bemerkenswert ist auch die Beteiligung von Eberhard Schröder als Regie-Assistent, der später zu einem wichtigen Protagonisten des Erotik-Films ("Die Klosterschülerinnen" (1972)) wurde. Ebenso lässt es sich nicht übersehen, dass mit dem zweifachen Oscar-Preisträger Sven Nykvist ("Fanny und Alexander" (1972)) ein Könner hinter der Kamera stand, der eine Handlung mit originellen Einstellungen einfing, die zuletzt Kriminalhandlung sein wollte. Angesichts der egozentrischen Selbstdarsteller, die hier die Szenerie beherrschen, wird der Serienmörder zur unscheinbaren Nebenfigur.

"Mörderspiel" Deutschland, Frankreich 1961, Regie: Helmut Ashley, Drehbuch: Helmut Ashley, Thomas Keck, Odo Krohmann, Max Pierre Schaeffer (Roman), Darsteller : Götz George, Harry Meyen, Wolfgang Reichmann, Robert Graf, Wolfgang Kieling, Hanne Wieder, Margot Hielscher, Magali Noel, Georges Rivière, Laufzeit : 76 Minuten


weitere im Blog besprochene Filme von Helmut Ashley:

Montag, 30. September 2013

Das Mädchen Rosemarie (1958) Rolf Thiele

Inhalt: Rosemarie Nitribitt (Nadja Tiller) hält sich in einem mondänen Frankfurter Hotel auf, um Kontakt zu wohlhabenden Herren aufzunehmen, die dort fernab ihrer Ehefrauen tagen, wird aber von dem Portier (Hubert von Meyerinck) des Hauses verwiesen. Dieser verdient sich etwas nebenbei, um selbst die zahlungskräftige Klientel mit einschlägigen Damen zu verkuppeln. Doch sein Rausschmiss kann nicht verhindern, dass sich Rosemarie vom Hinterhof aus mit dem Generaldirektor Bruster (Gerd Fröbe) für später verabredet. Als sie dessen aus der Garage fahrenden Mercedes 300 anhält und einsteigen will, trifft sie zu ihrer Überraschung auf Konrad Hartog (Carl Raddatz), der wie viele Herren den gleichen Wagentyp fährt. Da sie ihm auch gefällt, nimmt er sie stattdessen mit und beginnt mit ihr eine Liason. Er finanziert ihr ein Appartement, richtet und kleidet sie ein, während sie sich von ihren früheren Kumpanen Walter (Jo Herbst) und Horst (Mario Adorf) verabschiedet, die mit ihr eigentlich gemeinsame Sache machen wollten, weshalb sie wenig erfreut auf ihre Entscheidung reagieren.

Bald möchte sich Rosemarie nicht mehr mit der Rolle der heimlichen Geliebten abfinden, aber besonders Hartogs Schwester (Barbara Rütting) weiß zu verhindern, dass die gesellschaftlich nicht adäquate junge Frau an größeren Festivitäten teilnehmen kann. Nachdem sie Hartog erneut unter fadenscheinigen Gründen abgewimmelt hatte, begegnet sie dem französischen Industriellen Fribert (Peter van Eyck), der ihre Anziehungskraft sofort einzuschätzen weiß. Er verpasst ihr ein internationales damenhaftes Auftreten, worauf ihr die einflussreichen Männer reihenweise zu Füßen liegen – doch Fribert verfolgt dabei eigenmächtige Ziele…


Angesichts des inflationären Gebrauchs von "Kult" durch diverse Marketingabteilungen, wird die Austauschbarkeit und minimale Halbwertzeit heutiger mit diesem angeblichen Gütesiegel versehenen Produkte besonders im Vergleich zu den Ereignissen um eine Dame offensichtlich, die 1957 in Frankfurt/Main ermordet wurde - Rosemarie Nitribitt. Deutlich wird daran auch, dass die Verselbstständigung eines Namens und der damit zusammenhängenden Geschehnisse erst durch die Mythen entstehen, die sich darum ranken - obwohl der "Fall Rosemarie Nitribitt" zu einem festen Bestandteil der Annalen der Bundesrepublik Deutschland gehört und bis in die Gegenwart regelmäßige mediale Veröffentlichungen nach sich zieht, sind die realen Umstände kaum Jemandem bekannt, ganz abgesehen davon, dass der Mord bis heute nicht aufgeklärt wurde.

Dass sich Regisseur Rolf Thiele den Vorwurf der "Kolportage" gefallen lassen musste, als er nur wenige Monate nach Nitribitts Tod seinen Film "Das Mädchen Rosemarie" in die Kinos brachte, lag entsprechend nah, auch weil er damit unmittelbar ins Selbstverständnis der sich am eigenen Wirtschaftswunder delektierenden Politiker und Wirtschaftsbosse vorstieß. Mit dem Journalisten Erich Kuby nahm er zudem einen Drehbuchautoren mit an Bord, der sich als "Nestbeschmutzer von Rang" (Heinrich Böll) schon einen Namen gemacht hatte, und als links-liberaler Kritiker an der Regierungspolitik von vornherein unter Generalverdacht stand. Dabei hatte dessen Story über Leben und Tod der Rosemarie Nitribitt nur wenig mit der Realität gemein - weder interessierte er sich für ihre Vergangenheit, noch versuchte er, die näheren Umstände ihres Tode genauer zu beleuchten – sondern entwickelte die Geschehnisse um die Luxus-Prostituierte im Stil einer Satire. Eine notwendige Vorgehensweise, da jede größere Nähe zur Realität die Gefahr von falschen Verdächtigungen in einem schwebenden Verfahren hervorgerufen hätte.

Trotzdem versuchte das Auswärtige Amt die Teilnahme des Films am Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig zu verhindern, was den Bekanntheitsgrad noch zusätzlich erhöhte - die Folge davon waren ca. 8 Millionen Kinobesucher. Auch die Schwierigkeiten, die Rolf Thiele zuvor am Drehort in Frankfurt bekam, wirken aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar, da im Film Niemand direkt beschuldigt wird, sondern die generelle Kritik an Wirtschaftswunderwahn, Doppelmoral und Vergangenheitsverdrängung in eine kabarettistische Form verpackt wurde, die nicht zufällig an Filme wie "Wir Kellerkinder" (1960) erinnert - Co-Autor Jo Herbst, Mitglied der „Berliner Stachelschweine“, war am Drehbuch beider Filme beteiligt. Herbst spielte zudem einen Vertreter des Prekariats, aus dem Rosemarie (Nadja Tiller) stammt, und gab gemeinsam mit Mario Adorf einige Gesangsnummern zum Besten. Auch die übrigen Schauspieler  - Gert Fröbe, Hubert von Meyerinck, Werner Peters, Peter van Eyck, Arno Paulsen, Horst Frank, Helen Vita, Karin Baal und Hanne Wieder (die in ihrer Rolle in "Spukschloss im Spessart" (1960) auf die Nitribitt-Figur anspielte) – gaben in „Das Mädchen Rosemarie“ Kostproben beliebter Klischeetypen, besonders Werner Peters und Gert Fröbe waren auf den Typus des spießigen deutschen Kapitalisten geradezu abonniert.

So harmlos die damaligen Späße heute wirken, so deutlich lässt sich an der Reaktion auf den Film die sehr konservative Haltung der 50er Jahre ablesen. Allein das deutsche Industriekapitäne unverhohlen die Dienste von Call-Girls für sich beanspruchten – sehr gelungen die Rolle des Hotel-Portiers (Hubert von Meyerinck), der immer genügend Kandidatinnen in seinem Notizbuch führte, fein säuberlich nach optischen Qualitäten gekennzeichnet – genügte schon als Provokation, so wie das parallele Absingen des Liedes „Wir hamm den Kanal voll“ zu marschierenden Bundeswehrsoldaten als Affront gegen eine staatliche Institution betrachtet wurde. Besonders die Party im Haus des Großindustriellen Willy Bruster (Gert Fröbe) ist entlarvend in ihrem biederen Versuch, dekadent sein zu wollen, und wenn am Ende - nach dem Mord an der zunehmend störenden Rosemarie Nitribitt - die Armada der Mercedeslimousinen (im Volksmund mit dem Beinamen „Adenauer“ versehen) davon fährt, dann kamen Thiele und Kuby den damaligen Empfindungen schon sehr nah. Wie gut sie den Zeitgeist erfassten, lässt sich allein an der Geschwindigkeit erkennen, mit der sie den Film nach dem Mord in die Kinos brachten. Rudolf Jugert drehte mit „Die Wahrheit über Rosemarie“ (1959) nur ein Jahr später einen weiteren Film zu dem Thema, an den sich heute kaum noch Jemand erinnert.

Zudem prägt ihr Film bis heute das Bild der Nitribitt und der sie umgebenden Insignien – im Gegensatz zu der ehemaligen Miss Austria Nadja Tiller, war die echte Nitribitt keineswegs von ähnlich genereller Schönheit und ihre Anziehungskraft auf ihre Freier und Liebhaber beruhte auf einer menschlichen Dimension, die in Thieles plakativ gehaltenem Film lange Zeit nicht vorkommt. Das muss den Machern bewusst gewesen sein, denn im letzten Drittel schwenkt der Film zunehmend von der Satire in Richtung eines ernsthaften Dramas. Offensichtlich versuchte Autor Kuby auch die Tragik hinter der Figur der Nitribitt zu erfassen, die sich eine feste Beziehung und ein traditionelles Leben wünschte, womit er auch verhindern wollte, sie eindimensional als gewinnsüchtige Prostituierte zu charakterisieren. Dank Nadja Tillers überzeugendem Spiel bleibt sie die Sympathiefigur des Films – eine erstaunliche Position angesichts ihres gesellschaftlichen Ansehens – aber dem Film ging der konsequent übertriebene Stil verloren, mit der er die 50er Jahre Wirtschaftswunderzeit zuvor so amüsant seziert hatte.

Die letzte Szene wiederholt wieder den Beginn des Films – nur mit Karin Baal in der Rolle des leichten Mädchens, das im Hotel Kontakt sucht – womit die Macher den ewigen Kreislauf aus Macht und Ohnmacht betonen wollten. Ein in seiner Signalwirkung sozialkritisches Ende, das die zuvor größtenteils aus Musiknummern und überzeichneten Klischees bestehende Handlung aber schwächte und dem Film einen uneinheitlichen Charakter verlieh, weshalb "Das Mädchen Rosemarie" den Ruf der Kolportage nie verlor, anstatt für seinen entlarvenden Gestus anerkannt zu werden.

"Das Mädchen Rosemarie" Deutschland 1958, Regie: Rolf Thiele, Drehbuch: Erich Kuby, Jo Herbst, Rolf Thiele, Rolf Ulrich, Darsteller : Nadja Tiller, Peter van Eyck, Gert Fröbe, Carl Raddatz, Mario Adorf, Jo Herbst, Werner Peters, Hanne Wieder, Horst Frank, Karin Baal, Hubert von Meyerinck, Helen Vita, Arno Paulsen, Laufzeit : 97 Minuten


weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Thiele:

Samstag, 17. August 2013

Das Spukschloss im Spessart (1960) Kurt Hoffmann

Inhalt: Die fünf Räuber Onkel Max (Georg Thomalla), Hugo (Curt Bois), Jockel (Hans Richter), Toni (Paul Esser) und als einzige Frau Katrin (Hanne Wieder) sollen unter der Aufsicht von Von Teckel (Hubert von Meyerinck) hingerichtet werden, aber dem Volk ist diese Strafe nicht hart genüg. Sie fordern, die Fünf in dem alten Wirtshaus im Spessartwald einzumauern, damit sie dort elendig verhungern. Von Teckel ist einverstanden und sperrt sie scheinbar für immer hinter einer Mauer ein, aber er konnte nicht mit den intensiven Arbeiten am Ausbau des Autobahnnetzes in der jungen Bundesrepublik Deutschland rechnen, denen Jahrhunderte später das Wirtshaus zum Opfer fiel. Inzwischen zu Gespenstern geworden, wollen sie sich eine neue Bleibe suchen, weshalb sie sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau erinnern, das in der Nähe gelegen ist.

Dort lebt inzwischen deren Nachfahre Charlotte (Liselotte Pulver), die nicht nur das alte Gemäuer von ihrem Vater geerbt hatte, sondern auch dessen Schulden. Deshalb steht ihr das Wasser bis zum Hals und die Pfändung des Schlosses kurz bevor. Die Ankunft der Gespenster erzeugt des nachts seltsame Vorkommnisse im Schloss, weshalb sie und ihre Tante Yvonne (Elsa Wagner) froh sind, als mit Martin „Dings“ (Heinz Baumann) ein junger Mann vor der Tür steht, der behauptet, in der Nähe einen Unfall gehabt zu haben, weshalb er um eine Unterkunft für eine Nacht bittet. Sie ahnen noch nicht, dass sein Besuch geplant war, aber die Gespenster, die sich Charlotte als ihre Freunde vorstellen, erweisen sich bald als hilfreiche Gesellen…


Nach dem großen Erfolg mit "Das Wirtshaus im Spessart" (1958), der seine kabarettistischen Seitenhiebe auf die Bundesrepublik Deutschland mit einer komödiantischen Geschichte aus alten Räuber-Zeiten und viel Musik verband, ließ Regisseur Kurt Hoffmann mit "Wir Wunderkinder" (1958) einen Film folgen, der seine Kritik unmittelbarer und vor einem ernsthafteren Hintergrund formulierte. Zu verdanken waren die respektlosen Anspielungen auf die "Wirtschaftswunderjahre" in beiden Filmen dem Duo Wolfgang Neuss / Wolfgang Müller, das besonders in "Wir Wunderkinder" zu Hochform auflief. Nach einigen weiteren Filmen des viel beschäftigten Regisseurs (unter anderen "Das schöne Abenteuer" (1959), ebenfalls mit Liselotte Pulver), die an den Kinokassen deutlich schwächer abschnitten und heute nahezu unbekannt sind, griff Hoffmann bei "Das Spukschloss im Spessart" erneut auf die alte Erfolgsformel zurück.

Zwar waren außer Hauptdarstellerin Liselotte Pulver, Hans Clarin, Hubert von Meyrinck in seiner ewigen Rolle als preußischer Kommiskopp (auch wenn er hier einen Bonner Staatsbeamten mimt) und Paul Esser Niemand der früheren Besetzung aus "Das Wirtshaus im Spessart" wieder mit an Bord, aber mit Hanne Wieder, Curt Bois, Hans Richter und Georg Thomalla wurde geeigneter Ersatz gefunden. Allerdings nicht für Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, nach dessen Unfall-Tod auch auf Neuss verzichtet wurde - ein herber Verlust, der sich deutlich in der Qualität der ironischen Anspielungen niederschlägt, die in „Das Spukschloss im Spessart“ gröber und weniger wirkungsvoll ausfielen, obwohl die Handlung diesmal in der Gegenwart spielte - zeitweise sogar unmittelbar in Bonn am Rhein, der damaligen Hauptstadt der BRD.

Um einen Zusammenhang zum ersten Film herzustellen, transferierten die Drehbuchautoren Heinz Pauck und Günter Neumann fünf der Räuber aus dem Spessartwald in die Gegenwart, wo sie diesmal als Geister ihr Unwesen treiben sollten. Der Film beginnt noch in der Vergangenheit, wo die Räuber statt am Strang zu enden, im titelgebenden Wirtshaus eingemauert werden, um sie dort qualvoller sterben zu lassen - Initiator dieses Vorgangs ist natürlich Hubert von Meyerinck als zackiger Offizier. Doch ein paar Jahrhunderte später, als das Wirtshaus einer Autobahntrasse weichen muss, kommen die Fünf wieder frei, die als Gespenster "überlebt" haben. Sie erinnern sich an das Schloss der Comtesse Franziska von Sandau, die in Teil 1 am Ende den Räuberhauptmann heiratete, und freuen sich, sie dort wieder zu sehen. Tatsächlich handelt es sich um deren Ur-Urenkelin Charlotte (Liselotte Pulver), die sie ebenfalls sofort in ihr Herz schließen, womit sich der Kreis zwischen den beiden Filmen schließt.

Auch in „Das Spukschloss im Spessart“ sind es wieder die Räuber, die für die respektlosen Sprüche und Anspielungen zuständig sind und sich nicht an die damals gängigen Moralvorstellungen halten mussten. Hanne Wieder darf deshalb eine hemmungslos promiskuitiv handelnde Schöne mimen, die vor allem im Duett mit Prinz Kalaka, den Hans Clarin als hektischen, sexgeilen Trottel gibt, ihre Reize einzusetzen weiß. Besonders an dieser Konstellation wird der stark angestaubte Charakter des Films sichtbar. Clarins zwar nicht unsympathische, aber klischeehafte Verkörperung eines reichen Scheichs, der nach Deutschland kommt, um die Finanzierung einer Talsperre zu übernehmen, lässt kaum ein Vorurteil aus, so wie Hanne Wieders Darstellung einer selbstbewusst erotisch auftretenden Frau keine emanzipatorische Züge trägt, da ihr nur als Räuberin aus dem Mittelalter ein solches Benehmen zugestanden wurde. Liselotte Pulver, die in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch überzeugend in einer „Hosenrolle“ auftrat, verkörpert hier dagegen nicht nur Bravheit und Anstand pur, sondern wird in eine Liebesgeschichte mit dem jungen Martin Hartog (Heinz Baumann) verwickelt, die bemüht und konstruiert wirkt.

Deutlich wird daran auch, wie wenig „Das Spukschloss im Spessart“ letztlich riskierte. Für die wenigen konkreten Anspielungen – etwa wenn sich hinter dem Putz des Bonner Gerichtsgebäudes noch ein Hakenkreuz befindet, oder Hanne Wieder gegenüber Prinz Kalaka andeutet, es gäbe noch viel „Braune“ in Deutschland – sind ausschließlich die „Gespenster“ zuständig und als Karikatur auf den Bonner Beamten muss wie gewohnt einzig Hubert von Meyerinck herhalten. Dagegen wird das Potential um die Versteigerung des Schlosses der Comtesse - ein häufig gewähltes Motiv dieser Phase, siehe „Das Schloss in Tirol“ (1957) oder „Die Mädels vom Immenhof“ (1955) - verschenkt. Kaum hat Martin Hartog die bezaubernde Comtesse kennen gelernt, hat er seine ursprüngliche Intention, ihr Schloss unter einem Vorwand zu besuchen, um die Umbaumaßnahmen zu planen, schon vergessen. Er handelte im Auftrag seines Vaters, dessen Unternehmen Charlotte 100.000 Mark schuldet, weshalb die Pfändung kurz bevor steht. Eventuelle Seitenhiebe auf einen rücksichtslosen Kapitalismus wagte der Film natürlich nicht, denn nachdem sich Martin mit seinem Vater kurz entzweite, erweist sich dieser wenig später ebenfalls als anständiger Charakter, der Charlotte ihr Schloss nicht wegnehmen will. Als sich dann auch noch ein blöder US-Amerikaner findet, der 100.000 Mark für die fünf Gespenster bezahlt, um sie mit einer Rakete zum Mond zu schießen, ist nicht nur diese Schuld getilgt, sondern stellt sich auch die Frage, warum der Film nicht gleich mit hinauf geschossen wurde?

„Das Spukschloss im Spessart“, das sich selbst „Grusical“ nennt, da der Anteil an Gesangseinlagen gegenüber „Das Wirtshaus im Spessart“ deutlich gesteigert wurde, bedarf eines sehr nostalgischen Blicks, um sich an dem nur in seltenen Momenten ironischen, meist albernen und klischeehaften Treiben zu erfreuen – einzig die Tricks um die Gespenster können noch atmosphärisch überzeugen. Besonders Liselotte Pulver, deren erfrischendes Spiel immer auch selbstbewusste, emanzipatorische Züge trug, ist hier als nettes Mädel zu einseitig charakterisiert, während Heinz Baumann viel zu blass agiert, um nur einen Moment lang den knallharten Geschäftsmann zu verkörpern. Der Spagat zwischen kritisch-ironischen Anspielungen und einer unterhaltenden Komödie, der in „Das Wirtshaus im Spessart“ noch zeitweise gelang, wird in „Das Spukschloss im Spessart“ zu sehr an die Gespenster-Effekte und dem krampfhaften Bemühen, die Story im letzten Drittel noch nach Bonn zu versetzen, verschenkt, weshalb der Film den Eindruck eines Sammelsuriums hinterlässt, dessen Einzelteile nicht überzeugen können.

"Das Spukschloss im Spessart" Deutschland 1960, Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Günter Neumann, Heinz Pauck, Darsteller : Liselotte Pulver, Heinz Baumann, Georg Thomalla, Hanne Wieder, Hans Clarin, Hubert von Meyerinck, Hans Richter, Laufzeit : 97 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Kurt Hoffmann:
"Drei Männer im Schnee" (1955)
"Heute heiratet mein Mann" (1956)
"Das Wirtshaus im Spessart" (1958)
"Wir Wunderkinder" (1958)
"Schloss Gripsholm" (1963)
"Herrliche Zeiten im Spessart" (1967)