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Montag, 5. August 2013

Das Geheimnis der gelben Narzissen (1961) Ákos Ráthonyi



Inhalt: Nachdem schon die dritte Frauenleiche in London aufgefunden worden war, der gelbe Narzissen auf den toten Körper gelegt wurden, glaubt Chefinspector Witheside (Walter Gotell) von Scotland Yard an einen psychopathischen Serienmörder. Doch der für eine internationale Fluggesellschaft arbeitende Agent Jack Tarling (Joachim Fuchsberger) denkt in eine ganz andere Richtung, nachdem Drogen entdeckt wurden, die in präparierten gelben Narzissen versteckt worden waren. Zudem kann es kein Zufall sein, dass die ermordeten jungen Frauen alle im Dunstkreis eines Nachtclubs beschäftigt waren, der dem reichen Geschäftsmann Raymond Lyne (Albert Lieven) gehört.

Lyne zeigt sich selbstverständlich unschuldig und kooperativ in der Zusammenarbeit mit der Polizei, abgesehen von einem verräterischen Telegramm, das auf eine Lieferung mit gelben Narzissen hinwies, aber plötzlich verschwunden ist. Selbst Lynes Sekretärin Anne Ryder (Sabine Sesselmann), die gegenüber Tarling das Telegramm zuvor noch erwähnt hatte, kann sich nicht mehr daran erinnern. Tarling und sein Mitarbeiter aus Hongkong, Ling Chu (Christopher Lee), verlegen ihre Nachforschungen deshalb immer mehr in das Umfeld des Nachtclubs, scheinen damit aber weitere Morde zu provozieren…


"Das Geheimnis der gelben Narzissen" war Mitte des Jahres schon die dritte Verfilmung eines Edgar-Wallace-Romans des Jahrgangs 1961und brach erneut den Besucherrekord, den erst wenige Monate zuvor der fünfte Edgar-Wallace-Film "Die toten Augen von London" aufgestellt hatte. Die Rialto Film, die in immer kürzeren Abständen neue Wallace-Filme produzierte, hatte sich wieder etwas Neues einfallen lassen, nachdem der ursprüngliche Plan, Harald Reinl und Jürgen Roland abwechselnd als Regisseure einzusetzen, mit Rolands Verzicht fallen gelassen werden musste. Bevor Reinl bei der siebten Rialto-Produktion "Der Fälscher von London" wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte, entstand "Das Geheimnis der gelben Narzissen" als erster Edgar-Wallace-Film in Großbritannien, was dem Film nicht nur ein internationales Ambiente verlieh, sondern die ausschließlich an Originalschauplätzen entstandenen Außenaufnahmen ungewöhnlich authentisch erscheinen ließ.

Der international tätige, ungarische Regisseur Ákos Ráthonyi übernahm die Aufgabe, den englisch-deutsch co-produzierten Film in zwei verschiedenen Fassungen herzustellen, die für den jeweiligen Markt mit drei national bekannten Darstellern in den Hauptrollen besetzt wurden - für Deutschland waren neben Newcomerin Sabine Sesselmann, mit Joachim Fuchsberger und Klaus Kinski zwei wichtige Wallace-Identifikationsfiguren am Start. Der restliche Cast, der an beiden Versionen mitwirkte, setzte sich etwa gleichberechtigt aus englischen und deutschen Darstellern zusammen, darunter mit Christopher Lee der bekannte englische Mime aus den Hammer-Film-Produktionen, sowie die im deutschen Film viel beschäftigten Albert Lieven und Ingrid van Bergen, die ihr verruchtes Lied "Bei mir ist alles Natur" auch in einer englischen Version sang. Während es für Ingrid van Bergen bei diesem einmaligen Engagement in einem Wallace-Krimi blieb, spielte Albert Lieven neben einem späten Auftritt in "Der Gorilla von Soho" (1968) noch die Hauptrolle in "Das Verrätertor" (1964).

Die außergewöhnlichen Umstände bei der Entstehung des Films, an dessen Drehbuch neben Egon Eis - wie immer unter dem Pseudonym Trygve Larsen - auch jeweils zwei deutsche und englische Autoren beteiligt waren, verliehen diesem eine hohe Werbewirksamkeit, die einen Teil des Erfolgs ausmachten. Besonders Christopher Lee konnte in seiner Rolle des geheimnisvollen chinesischen Ermittlers überzeugen, weshalb er in "Das Rätsel der roten Orchidee" (1962) ein Jahr und drei Wallace-Filme später sogar in der Hauptrolle besetzt wurde. "Das Geheimnis der gelben Narzissen"  wurde entsprechend zum Beginn einer experimentellen Phase in den deutschen Wallace-Verfilmungen, denn auch die zwischen den beiden Christopher Lee-Filmen entstandenen "Der Fälscher von London" (1961) und  "Die seltsame Gräfin" (1961) unterscheiden sich deutlich vom gewohnten Wallace-Film-Klischee.

Während die Idee einer englisch-deutschen Co-Produktion damals die Möglichkeit einer stimmigen Umsetzung des 1920 erschienenen frühen Wallace-Romans "The daffodil mystery" versprach, kehrte sich die allgemein positive Stimmung später ins Gegenteil. Das konsequent ernsthafte, die Originalstory geschickt modernisierende Drehbuch verzichtete nicht nur auf Eddie Arent als komischen Side-Kick - das einzige Mal in der frühen "Schwarz-Weiß"-Phase -  sondern auch auf eine übertrieben verwirrend gestaltete Handlung. Zwar geraten auch hier wieder  - wie bei Edgar Wallace gewohnt - unterschiedliche Interessen aneinander und ergeben ein tödliches Gemisch, aber die Nachforschungen von Joachim Fuchsberger als Agenten einer Fluggesellschaft, dessen Mitarbeiter aus Hongkong Ling Chu (Christopher Lee) und dem zuerst an einen psychopathischen Mörder glaubenden Chefinspector Witheside (Walter Gotell) verlieren nie den Zug zu einer Auflösung, die nicht an den Haaren herbeigezogen wirkt. Auch Klaus Kinskis frühe Darstellung eines psychisch gestörten Menschen - eine Steigerung seiner Rolle in "Die toten Augen von London" - verfügt hier noch über einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Auch optisch kann der Film - neben den körnigen Bildern eines nächtlichen London - mit den jeweils von Narzissen drapierten Leichen, schönen Frauen und einem erotischen Auftritt von Ingrid van Bergen überzeugen, verzichtete aber auf die gewohnt Nebel verhangenen, mit starkem hell-dunkel Kontrast versehenen Gruselszenen. Die Drogenthematik, besonders die Sucht der jungen Katya (Dawn Beret), wird nur oberflächlich als Hintergrund für die Kriminalstory genutzt, wie auch die Folterung durch Ling Chu verharmlost wird, aber sie sind Teil eines stimmigen Gesamtbilds, das ohne die typischen Relationen vieler Wallace-Krimis auskommt, die zwar mit gruseligen Schwerverbrechen schocken wollten, gleichzeitig aber moralischen Anstand predigten. Selbst Joachim Fuchsberger hält sich als Macho vom Dienst auffallend zurück, während Sabine Sesselmann nicht nur das beschützenswerte Opfer gibt.

Belohnt wurde diese gelungene zeitgenössische Umsetzung eines Wallace-Romans nicht, denn für die ab den 70er Jahren entstehende Fangemeinde wurde die Veröffentlichungspraxis im TV prägend, die sich nicht an der chronologischen Erscheinung der Filme orientierte, sondern an dem von Harald Reinl und Alfred Vohrer entwickelten typischen Wallace-Stil. Dagegen fällt "Das Geheimnis der gelben Narzissen" aus dem Rahmen, der auch nicht über die beliebten "trashigen" Elemente der späten Filme verfügt, sondern über eine seltene individuelle Qualität innerhalb des Wallace-Kosmos.

"Das Geheimnis der gelben Narzissen" Deutschland 1961, Regie: Ákos Ráthonyi, Drehbuch: Egon Eis, Gerhard F.Hummel, Horst Wendlandt, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Sabine Sesselmann, Albert Lieven, Ingrid van Bergen, Klaus Kinski, Christopher LeeLaufzeit : 91 Minuten

Donnerstag, 11. Juli 2013

Die toten Augen von London (1961) Alfred Vohrer

Inhalt: Erneut wird eine Leiche in der Themse gefunden, die keinerlei Gewaltspuren aufweist, weshalb die Polizei von „Tod durch Ertrinken“ ausgehen muss. Nur Inspector Holt (Joachim Fuchsberger) glaubt nicht an ein Unglück, da es sich jedes Mal um reiche ältere Herren aus Übersee handelte, die keine Verwandten mehr haben, dafür ihr Leben aber bei der selben Gesellschaft versichert hatten. Stephen Judd (Wolfgang Lukschy), der Chef des Unternehmens, wirkt nicht nur seriös, sondern zeigt sich auch ehrlich betroffen. Inspector Holt ahnt nicht, dass Judd von „Flimmer-Fred“ (Harry Wüstenhagen) erpresst wird, wundert sich aber über dessen Umgang – auch sein Sekretär Edgar Strauss (Klaus Kinski) ist ein alter Bekannter der Polizei.

Um einen Zettel mit Blindenschrift entziffern zu können, die sie bei einer der Leichen gefunden haben, holt sich die Polizei Nora Ward (Karin Baal) zur Hilfe, die als ehemalige Blinden-Betreuerin dazu in der Lage ist. Inspector Long glaubt, dass die „Bande der blinden Hausierer“ unter der Leitung des „Blinden Jack“ (Ady Berber) wieder aktiv ist, den er im Blindenheim vermutet. Doch Reverend Dearborn (Dieter Borsche), der das Heim seit einiger Zeit leitet, hat Jack schon länger nicht mehr gesehen…


Der fünfte von der Rialto produzierte Edgar-Wallace-Film brachte einige Neuerungen, die zu einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen der inzwischen etablierten Reihe führen sollten. Erstmals unterbrach mit Alfred Vohrer ein neuer Regisseur die bisher alternierende Besetzung von Harald Reinl und Jürgen Roland. Roland hatte mit seiner ironischen Umsetzung des vierten Wallace-Streifens "Der grüne Bogenschütze" (1961) seinen Abschied genommen und Reinl, der normalerweise an der Reihe gewesen wäre, kam erst wieder beim siebten Wallace-Film "Der Fälscher von London" (1961) zum Zuge, da das Drehbuch zum geplanten "Das Geheimnis der gelben Narzissen" (1961) - der dann als sechster Film herauskam - noch überarbeitet werden musste.

Neben Alfred Vohrer traten weitere Akteure ins Rampenlicht, die prägend für die Wallace-Reihe werden sollten, allen voran Klaus Kinski, der hier in der Rolle des Sekretärs eines Versicherungsunternehmens noch einen für seine Verhältnisse gemäßigten Charakter spielte. Abgesehen von seinem Auftritt in der weniger bekannten Wallace-Verfilmung "Der Rächer" (1960), die nicht von der Rialto produziert wurde, steht  "Die toten Augen von London" für den Beginn eines nervösen, zum Irrsinn neigenden Verbrecher -Typus, auf den Klaus Kinski noch in vielen weiteren Genre-Filmen festgelegt sein sollte. Auch Dieter Borsche und Karin Baal als "Love-Interest" von Joachim Fuchsberger - immerhin schon zum dritten Mal in der männlichen Hauptrolle besetzt - traten erstmals in einem Wallace-Film auf, blieben aber seltene Gäste der Reihe. Dagegen begann hier der ehemalige österreichische Freistilringer Ady Berber seine Karriere als "Monster vom Dienst", die ihm bis zu seinem frühen Tod 1966 noch einige Rollen in diversen Kriminalfilmen, darunter zwei weiteren Wallace-Streifen („Das indische Halstuch“, 1963), einbringen sollte.

Das Drehbuch zu "Die toten Augen von London" übernahm ein alter Bekannter, denn mit Egon Eis - wie immer unter dem Pseudonym Trygve Larsen auftretend - setzte wieder der schon für die ersten beiden Wallace-Filme verantwortliche Autor die 1924 erschienene Romanvorlage "The dark eyes of London" in ein filmisches Konzept um. Entsprechend konservativ und deutlich ernsthafter als "Der grüne Bogenschütze" näherte sich Alfred Vohrer seinem ersten Wallace-Film und setzte dabei verstärkt auf die typischen Merkmale der Reihe. Nebelschwaden, starker Kontrast der Schwarz-Weiß Bilder (im Vorspann wurde erstmals Farbe eingesetzt) und beliebte Orte wie dunkle Hafengegenden, verwinkelte Gassen oder anrüchige Nacht-Clubs bildeten den Hintergrund für eine klassische Story, in der es an Leichen nicht mangeln durfte. Selbst der obligatorisch besetzte Eddie Arent als Sgt. „Sunny“ Harvey wurde entgegen seinen beiden letzten Auftritten wieder deutlich zurückgefahren und gibt einen ernsthaften Polizeibeamten mit kleinen Schrullen.

Opfer werden reiche, ältere Herren aus Übersee, die über keine weitere Verwandtschaft verfügen, aber hohe Versicherungen auf ihr Leben abgeschlossen haben  – zwar gelten sie offiziell als ertrunken, aber ihr doch sehr präzises Profil lässt auf eine perfide Planung schließen. Inspector Larry Holt (Joachim Fuchsberger) begreift schnell, dass die Männer ermordet wurden, kann seinen Verdacht aber nicht beweisen. Eine Spur führt zu der Greenwich-Versicherung, bei der alle Toten ihr Leben abgesichert hatten, aber Stephen Judd (Wolfgang Lukschy), Rechtsanwalt und Chef des Unternehmens, dessen Bruder und Partner vor kurzem verstorben war, wirkt seriös und ist zudem Leidtragender der überraschenden Sterbefälle, da er gezwungen ist, die Versicherungssummen auszuzahlen. Bewegung kommt in die Angelegenheit als mit Gordon Stewart ein Mann in der Themse aufgefunden wird, der sein Erbe noch zuvor seiner Tochter vermacht hatte, die aber bei der Geburt gestorben sein soll, was nicht nur den Tätern zusätzliche Schwierigkeiten bereitet.

Trotz vieler undurchsichtiger Vorgänge und Nebenfiguren, gelang es Alfred Vohrer den Überblick zu bewahren, weshalb die Story nachvollziehbar bleibt, auch wenn die Zufälle sich wie gewohnt häufen. Selbst hinter Nora Ward (Karin Baal) - ursprünglich dem Inspector nur zur Seite gestellt, um die Zettel mit Blindenschrift zu entziffern, die den Leichen zugesteckt wurden und ihn auf die Spur des von Reverend Dearborn (Dieter Borsche) geleiteten Blindenheims bringen - verbirgt sich noch ein typisches Wallace-Geheimnis. Weniger geheimnisvoll entwickelte sich hingegen die Liebesgeschichte zwischen Nora und dem Inspector, der auf seine Macho-Allüren zwar größtenteils verzichtete, an Noras zukünftiger Rolle als Ehefrau und Mutter aber keinen Zweifel ließ – so viele Leichen auch die Themse herunter schwimmen, die moralische Ordnung blieb gewahrt.

Alfred Vohrer gelang mit „Die toten Augen von London“ ein großer Erfolg, der ihn zum wichtigsten und meist beschäftigten Regisseur der Reihe werden ließ. Er nahm die wesentlichen Standards der Reihe, die Harald Reinl schon in „Der Frosch mit der Maske“ (1959) etabliert hatte, wieder auf, und entwickelte sie konsequent weiter, dabei weniger auf Humor, als auf eine ernsthafte Handlung setzend. Kombiniert mit den „Toten Augen“, mit denen der „Blinde Jack“ (Ady Berber) und Reverend Dearborn in die Kamera starren, entstand eine gruselige Atmosphäre, die die konventionelle Story vergessen ließ.

"Die toten Augen von London" Deutschland 1961, Regie: Alfred Vohrer, Drehbuch: Egon Eis, Wolfgang Lukschy, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Karin Baal, Ida Ehre, Klaus Kinski, Dieter Borsche, Wolfgang Lukschy, Harry Wüstenhagen, Eddie Arent, Joseph Offenbach, Laufzeit : 95 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Alfred Vohrer:

"Schmutziger Engel" (1958) 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Der grüne Bogenschütze (1961) Jürgen Roland

Inhalt: Julius Savini (Harry Wüstenhagen) veranstaltet Führungen für interessierte Touristen in der Villa seines Chefs Abel Bellamy (Gert Fröbe), um sein Gehalt ein wenig aufzubessern. Der schwerreiche Amerikaner weilt derweil in den USA und ahnt nichts von der Nebenbeschäftigung seines Sekretärs, wird aber durch das Missgeschick eines Besuchers darauf aufmerksam gemacht. Ein etwas zu neugieriger Mann entdeckt eine Geheimtür, die sich mit dem Arm einer Bogenschützen-Statue öffnen lässt, was ihm einen grünen Pfeil einbringt, der sich tödlich in seinen Rücken bohrt.

Wieder zurück in London reagiert Bellamy sehr erbost darauf, dass Savini fremde Menschen in sein Haus ließ. Zudem war ihm der Ermordete nicht unbekannt, dem es dank des grünen Bogenschützen nicht gelang, das Geheimnis zu entdecken, dass sich hinter der Tür verbirgt. Diese führt zu einer versteckten Wohnung im Kellergeschoss, in der Bellamy eine alte Frau gefangen hält. Entsprechend nervös reagiert er, als er erfährt, dass er neue Nachbarn hat. Ein Mr.Howett (Hans Epskamp) ist in die Villa gegenüber eingezogen, gemeinsam mit seiner Adoptivtochter Valery (Karin Dor), eine geborene Bellamy…


Wie geplant kam beim vierten Edgar Wallace-Film der Rialto Filmgesellschaft wieder Regisseur Jürgen Roland an die Reihe, erneut mit Drehbuchautor Wolfgang Menge und Hauptdarsteller Klausjürgen Wussow an seiner Seite. Doch diese Planmäßigkeit täuscht, denn "Der grüne Bogenschütze" wurde ihr letzter Wallace - Film, eine von Jürgen Roland frühzeitig getroffene Entscheidung, die der Umsetzung deutlich anzumerken ist. Angesichts der großen Zahl späterer Edgar-Wallace-Filme, die häufig unfreiwillig komisch oder bewusst überzeichnet wurden, ist es in Vergessenheit geraten, dass "Der grüne Bogenschütze" die für Edgar Wallace-Krimis typischen Eigenarten schon zu einem frühen Zeitpunkt ins Extreme steigerte.

Die Käuzchen schreien sich die Seele aus dem Leib und die Nebelmaschinen laufen am Limit, wenn Valerie Howett (Karin Dor) nachts ein Boot besteigt, um die finster gelegene alte Villa des reichen Abel Bellamy (Gert Fröbe) zu besuchen - mehr waberndes England-Feeling ist kaum möglich. Allein Gert Fröbe ist die Ansicht des Films wert, so dick trägt er als schwergewichtiger Amerikaner auf, der eine alte Frau (Hela Gruel) in einer geheimen Wohnung im Keller seines Hauses festhält und auch sonst vor keiner kriminellen Missetat zurückschreckt. Wann hat es im Wallace-Film je einen charismatischeren Bösewicht gegeben, der seine Gesinnung keinen Moment verbirgt und alle Menschen wie Dienstboten behandelt, dessen tatsächlichen Pläne aber im Unklaren bleiben ?

Autor Wolfgang Menge gab sich in seiner Überarbeitung des ursprünglich von Wolfgang Schnitzler verfassten Drehbuchs die größte Mühe, die Verwirrung auf die Spitze zu treiben. Puzzleartig reiht er Szene an Szene und führt eine Vielzahl an Personen ein, ohne erzählerische Stringenz zu entwickeln. Im Gegenteil, wird die Story immer undurchsichtiger, desto mehr Fakten aufgedeckt werden - eine ironische Überspitzung der typischen Wallace-Eigenart, am Ende die unwahrscheinlichste Lösung zu präsentieren. Der als Basis dienende Kriminalroman "The green archer", den Edgar Wallace 1923 veröffentlichte, ist wesentlich nachvollziehbarer erzählt und rechtfertigte auch den Titel "Der grüne Bogenschütze", der im Film dagegen nur eine untergeordnete Rolle spielte. Seine abschließende Enttarnung wird fast nebensächlich abgehandelt - ein klarer Verstoß gegen die Erwartungshaltung des Publikums und signifikant für die Intention der Macher.

Sowohl die "Stahlnetz" - Fernsehserie (1958 - 1968), als auch der wenige Jahre später entstandene "Polizeirevier Davidswache" (1964) lassen in ihrer sachlichen, der Realität verpflichteten Inszenierung deutlich werden, warum Jürgen Roland und Wolfgang Menge mit dem Wallace-Universum nicht warm werden konnten. Schufen sie mit "Der rote Kreis" (1960) noch einen Zwitter zwischen strukturiertem Kriminalfilm und Wallace-Elementen, der im Gesamtwerk einen seriösen Eindruck hinterlässt, sollte "Der grüne Bogenschütze" zur großen Abschiedssause werden. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, vermittelte diese vierte Wallace-Verfilmung innerhalb von weniger als zwei Jahren schon einen inflationären Charakter - gut aus Eddie Arents am Ende geäußerten Worten herauszuhören, der den plötzlich von außen kommenden Lärm damit erklärt, dass dort schon der nächste Wallace-Film entsteht. Für Arent das richtige Stichwort, denn er blieb der Serie treu, spielte aber in "Der grüne Bogenschütze" erstmals konsequent die Witzfigur, nachdem er in "Die Bande des Schreckens" (1960) schon Tendenzen in diese Richtung gezeigt hatte.

Für Klausjürgen Wussow als Inspector Featherstone blieb es dagegen der letzte Auftritt in einem Wallace-Streifen. Gegen seinen Machismo kam nicht einmal Joachim Fuchsberger an, denn die Verbindung zur schönen Valerie stellt er letztlich dadurch her, dass er ihre Mutter schon als seine Schwiegermutter betrachtet - Widerspruch zwecklos. Nicht einmal der Austausch von Zärtlichkeiten war noch notwendig, womit Roland die Geschlechter-Klischees der Reinl-Verfilmungen gelungen persiflierte, letztlich aber die Erwartungshaltungen des Publikums erneut nicht erfüllte.

Entsprechend hinterlässt "Der grüne Bogenschütze" im Wallace-Universum einen zwiespältigen Eindruck - dank des besonders schaurig finsteren Settings und der von Fröbe und Arent verkörperten Figuren, verbreitet der Film bestes Wallace-Feeling, welches die verwirrende Handlung mit ihren unerwarteten Brüchen dagegen nicht befriedigt. Erkennt man darin den Stilwillen seiner Macher, wird "Der grüne Bogenschütze" zu einer gelungenen Umsetzung, die sich selbst nicht ernst nimmt und die damaligen Klischees ironisch bricht - innerhalb des Wallace-Universums eine Ausnahme.

"Der grüne Bogenschütze" Deutschland 1961, Regie: Jürgen Roland, Drehbuch: Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Gert Fröbe, Wolfgang Völz, Eddie Arent, Harry WüstenhagenLaufzeit : 89 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Jürgen Roland:

Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Bande des Schreckens (1960) Harald Reinl

Inhalt: Als ein älterer Mann (Otto Collin) eine Bank betritt, um Geld abzuheben, steht plötzlich Inspector Long (Joachim Fuchsberger) vor ihm und bezeichnet ihn als den gesuchten Schwerverbrecher Clay Shelton. Zuerst bestreitet der Beschuldigte noch diese Anschuldigung, aber die ihm gestellte Falle schnappt zu und auch sein Fluchtversuch bleibt vergebens. Er wird zum Tode verurteilt, aber bevor er seinem Henker vorgeführt wird, wird ihm noch sein letzter Wunsch erfüllt – bis auf Mrs. Ravenstock (Elisabeth Flickenschild) sind alle an seiner Festnahme und Verurteilung beteiligten Personen versammelt. Trotz seiner Hinrichtung droht Shelton, sie danach der Reihe nach zu töten. Eine verwegene Behauptung, gegen die Inspector Long sogleich eine Wette eingeht.

Die er schon kurz danach zu verlieren scheint, denn er entgeht nur knapp einem Attentat. Im Gegensatz zu dem Schützen, den er ermordet auffindet. Zudem erfährt er von seinem Chef, Sir Archibald (Ernst F. Fürbringer), dass Shelton schon vor dem Vollzug der Todesstrafe vergiftet worden war. Der Täter kann sich nur unter den Anwesenden befunden haben. Long gibt seinen Plan auf, den Polizeidienst zu quittieren, sondern sucht einen Mörder, der scheinbar wieder aus dem Grab gestiegen ist, indem sich nur Steine und die Liste mit den zukünftigen Opfern befindet…


Planmäßig übernahm beim dritten Edgar Wallace-Film der Rialto Produktionsgesellschaft wieder Harald Reinl den Regiestuhl von Jürgen Roland, der zuvor "Der rote Kreis" (1960) gedreht hatte. Sie sollten sich abwechseln, aber Roland nahm nach "Der grüne Bogenschütze" (1961) seinen Abschied vom Wallace-Universum, weshalb dieser anfängliche Rhythmus nur kurze Zeit Bestand hatte und sich der Kreis der Regisseure sukzessive erweitern sollte.

Hatte der Täter in Reinls "Der Frosch mit der Maske" (1959) einen Froschstempel am Tatort hinterlassen und zierte der titelgebende rote Kreis die Opfer des Mörders im zweiten Edgar-Wallace-Film, ist es hier eine verkrampft in die Höhe gereckte Hand, die die Bedrohung versinnbildlicht, aber damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Erstmals wurde mit "Die Bande des Schreckens" einer der Wallace-Geschichten verfilmt, deren Opferkreis klar definiert ist - ein beliebtes Subgenre, dass Edgar Wallace mehrfach verwendete (unter anderen in "Das indische Halstuch" (verfilmt 1963)) und Agatha Christie mit "Und dann gabs keines mehr..." (Originaltitel "Ten little niggers") 1939 so exzellent umsetzte, dass sie damit den erfolgreichsten Kriminalroman aller Zeiten schuf. Der Vorteil dieser Konstellation liegt in der klaren Struktur, die die Spannung innerhalb eines begrenzten Personenkreises aufbaut und damit dem späteren Slasher-Film den Weg bereitete.

Die Konsequenz des Christie-Romans - ein in sich abgeschlossener Raum, der Täter muss sich unter den Anwesenden befinden - besaß der 1926 erschienene "The terrible people" noch nicht, denn Wallace erzählte vordergründig eine Gruselstory über einen hingerichteten Mörder. Clay Shelton (Otto Collin) wird in der ersten Szene des Films von Inspector Long (Joachim Fuchsberger) in einer Bank gefasst und wenig später seinem Henker vorgeführt. Zuvor wird ihm noch sein letzter Wunsch erfüllt, der ihm die Gelegenheit gibt, allen an seiner Festnahme und Verurteilung Beteiligten, persönlich ihren baldigen Tod zu versprechen. Auch wenn die Anwesenden - darunter der Richter, der Staatsanwalt und natürlich der zum Chefinspector beförderte Long - diese Drohung verständlicherweise nicht ernst nehmen, wirkt diese Szene konstruiert und unrealistisch, denn warum sollten sie einem verurteilten Mörder diese infame Gelegenheit geben ?

Zumal Long vorhat seinen Dienst zu quittieren, um seinen Vater (Fritz Rasp) bei dessen Bankgeschäften zu unterstützen. Doch nachdem ein Attentat auf ihn begangen wurde - der ihn verfehlende Schütze wurde daraufhin selbst ermordet - und er von seinem Chef Sir Archibald (Ernst F. Fürbringer) erfährt, dass Shelton schon vor seiner Hinrichtung vergiftet wurde, kann er den Fall noch nicht zu den Akten legen. Wer die Wallace-Romane kennt, weiß, dass der Autor niemals eine fantastische Lösung wählte, sondern auch für die unwahrscheinlichsten Fälle einen natürlichen Täter hervor zauberte. Das Spiel mit dem Geist von Shelton, in dessen Sarg sich nur Steine und eine Liste mit den zukünftigen Opfern befand, soll ein wenig Grusel verbreiten, aber zur Sache kommt Reinl in dem Moment, indem das Vorgeplänkel vorbei ist und sich die schon reduzierte Anzahl der von Shelton bedrohten Personen zu einem Golfturnier treffen - natürlich unter strenger polizeilicher Bewachung. Wagt es der Mörder trotzdem, sein schändliches Spiel weiter zu treiben?

Ausgehend von der literarischen Vorlage fehlt in "Die Bande des Schreckens" das in den ersten zwei Filmen betonte Londoner Flair mit schummrigen Bars und finsterer Hafengegend, denn die Handlung findet meist in mondänen Villen und in ländlichen Gegenden statt. Trotzdem schuf Reinl unter der Verwendung eines starken Hell/Dunkel-Kontrasts eine dichte Atmosphäre für die in der zweiten Hälfte des Films stringente Handlung, die ihre Situation zum Ende hin geschickt zuspitzt und mit einer nachvollziehbaren Lösung überrascht. Verlassen konnte er sich dabei auf die schon erfahrenen Mitstreiter Fritz Rasp, Dieter Eppler, Ulrich Beiger, Ernst F.Fürbringer und natürlich Eddie Arent, der hier seine Rolle als skurriler Polizeifotograf erstmals als komischer Side-Kick zum Helden interpretierte, nachdem er in den ersten beiden Filmen noch ernsthafter geblieben war.

Joachim Fuchsberger fährt nicht nur denselben Wagen, den er schon als amerikanischer Erbe in "Der Frosch mit der Maske" nutzte, er tritt auch genauso salopp auf. Diesmal ist er trotz seines Polizeiberufs ein Sohn aus reichem Haus, weshalb sein Werben um die schöne Nora Sanders (Karin Dor, damalige Ehefrau von Regisseur Reinl, die anders als ihre beiden Vorgängerinnen noch mehrfach die Wallace-Filme bereichern sollte) auch als adäquat angesehen werden kann, obwohl ihre Chefin Mrs. Ravenstock (Elisabeth Flickenschildt), die auch von Shelton bedoht wird, anderer Meinung ist. Die Theaterschauspielerin Flickenschildt, die ihre erfolgreiche Karriere während der Zeit des Nationalsozialismus begonnen hatte, wurde für die Verkörperung eines älteren, arrogant selbstbewussten Frauentyps, der trotz seiner damenhaften Attitüde kein Blatt vor den Mund nimmt, stilbildend im Wallace-Film.

Aus heutiger Sicht lässt sich ihre markante Erscheinung, deren bewusst übertriebenes Spiel Selbstironie spüren lässt, kaum wegdenken - damals wurde sie eindeutig negativ besetzt. Mit Ulrich Beiger als schmierigem Anwalt Mr.Henry, fehlte auch der Mann mittleren Alters nicht, der in selbstgefälliger Weise um die junge Schönheit wirbt - ebenfalls eine stark überzeichnete Wallace-Figur, die dem Liebespaar erwartungsgemäß nicht gefährlich werden konnte. In fast allen Wallace-Krimis kam eine Liebesgeschichte vor, aber sie war stärker mit der Handlung verzahnt und wurde langsamer entwickelt. Fuchsberger ging in seinen Rollen dagegen immer gnadenlos direkt vor, keinen Moment an seiner männlichen Überlegenheit zweifelnd. Karin Dor kokettiert zu Beginn anstandshalber mit ein wenig Widerstand, den sie aber bald aufgibt, um in den Armen des Helden zu landen.

"Die Bande des Schreckens" ist trotz typischer Logikschwächen einer der besseren Wallace-Krimis, zudem stimmig von Harald Reinl in Szene gesetzt, aber er ist auch signifikant für den großen Erfolg, den die Verfilmungen an der Kinokasse hatten. Durften auf der einen Seite eine Vielzahl an Morden stattfinden und finsterste Bösewichte angenehmen Grusel verbreiten, bleibt die Welt hier trotzdem noch überschaubar. Obwohl die Handlung in der Gegenwart stattfindet, wird die Todesstrafe bei Schwerverbrechen noch mit absoluter Selbstverständlichkeit angewendet. Auch jeder negative Charakterzug, ob selbstgefällig, geldgierig, eitel oder verlogen, verringert die Lebenserwartung erheblich. Dabei sind es diese zwiespältigen Figuren, die den Wallace-Kosmos erst ausmachen, denn sie gewähren einen kurzen Blick in menschliche Abgründe, um dem Betrachter am Ende das gute Gefühl zu vermitteln, dass die Wirklichkeit doch gar nicht so schlimm ist.

"Die Bande des Schreckens" Deutschland 1960, Regie: Harald Reinl, Drehbuch: Wolfgang Schnitzler, J.Joachim Bartsch, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Elisabeth Flickenschild, Dieter Eppler, Ernst F. Fürbringer, Ulrich Beiger, Fritz Rasp, Eddie ArentLaufzeit : 88 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Reinl:

Dienstag, 14. Mai 2013

Der Frosch mit der Maske (1959) Harald Reinl


Inhalt: Wieder wurde ein Tresor professionell geknackt und die wertvollen Juwelen gestohlen, ohne das Inspektor Elk (Siegfried Lowitz) von Scotland Yard eine Spur hat. Einzig das Froschzeichen, das der Täter hinterließ, deutet auf die Bande des mit einer Froschmaske verkleideten Schwerverbrechers hin, dessen Taten die Bevölkerung schon lange in Unruhe versetzen. Doch Elk ist guter Hoffnung, ihm auf die Spur zu kommen, denn einem seiner Männer ist es nach einem Jahr gelungen, Mitglied in der Bande des Froschs zu werden. Nachdem diesem das Abzeichen auf den Unterarm gebrannt wurde, erfährt er vom Frosch, dass er sich um Ella (Elfie von Kalkreuth) und Ray Bennet (Walter Wilz) kümmern soll. Jeder Mann, der sich Ella nähert, soll getötet werden, aber der Polizist lässt sich nicht darauf ein und will den Frosch verhaften, was gleichbedeutend mit seinem Todesurteil ist.

Als Inspektor Elk seine Leiche außerhalb Londons entdeckt, kommen auch Richard Gordon (Joachim Fuchsberger) und sein Butler (Eddie Arent) hinzu, die selbst den Frosch verfolgen. Sie entdecken einen seltsamen Stiefelabdruck in der Nähe der Leiche und Gordon, reicher amerikanischer Erbe und Neffe des Chefs von Scotland Yard Sir Archibald (Ernst F.Fürbringer), folgt der Spur bis er auf John Bennet (Carl Lange) trifft, einen wortkargen Mann, den er mitnimmt und zu dessen Haus fährt. Dort begegnet er erstmals dessen Tochter Ella und deren Bruder Ray, den er mit seinem Sportwagen fahren lässt, um die hübsche Ella zum Bus bringen zu können. Doch Gordon wird bei seinem Flirt jäh unterbrochen, als ein Mann zwischen den Bäumen heraustritt und ein Messer auf ihn wirft. Er kann ihn überwältigen und entdeckt das Zeichen des Froschs an dessen Arm – offensichtlich ist Ella in die Sache verwickelt…


Als die Dreharbeiten der deutsch-dänischen Co-Produktion "Der Frosch mit der Maske" 1959 begannen, konnte zwar noch niemand voraussehen, das damit eine mehr als zehn Jahre andauernde Erfolgsgeschichte ihren Anfang nehmen sollte, die Rialto-Produktionsgesellschaft hatte aber schon weitere Verfilmungen der Edgar-Wallace-Kriminalromane geplant und sich die Rechte am Nachfolger "Der rote Kreis" gesichert, der 1960 herauskommen sollte. Entsprechend stabsplanmäßig wurden auch die Mitwirkenden verpflichtet. Regisseur Harald Reinl, in den 50er Jahren hauptsächlich im Heimatfilm-Genre aktiv ("Die Fischerin vom Bodensee" 1956) hatte seine Fähigkeiten, auch Actionfilme zu inszenieren, im Jahr zuvor mit den Kriegsfilmen "Die grünen Teufel von Monte Cassino" und "U47 - Kapitänleutnant Priem" bewiesen und war zudem vertraglich gebunden. Autor Egon Eis, der vor seiner Emigration aus Nazi-Deutschland das Drehbuch zur ersten Edgar-Wallace-Verfilmung von "Der Zinker" (1931) verfasst hatte, schrieb nach dem großen Erfolg von "Der Frosch mit der Maske" noch fünf weitere Drehbücher zu Edgar Wallace-Verfilmungen, deren Handlung er in die Gegenwart übertrug, unter dem Pseudonym Trygve Larson.

Auch die Darsteller  erfüllten die Anforderungen. Joachim Fuchsberger, seit der "08/15" - Trilogie ein Filmstar in Deutschland, und Dieter Eppler hatten unter Harald Reinl Hauptrollen in dessen Kriegsfilmen gespielt, Siegfried Lowitz hatte als Polizeioffizier in "Es geschah am hellichten Tag" (1958) überzeugt und Fritz Rasp hatte schon im "Zinker" von 1931 mitgewirkt. Ernst F.Fürbringer als Sir Archibald, Chef von Scotland Yard, wurde stilprägend für die spätere Filmreihe und die Besetzung von Eddie Arent als Butler sogar zu einer Institution. Die weiblichen Darstellerinnen blieben dagegen größtenteils austauschbar - hier verkörpert die spätere Fernsehansagerin Elfie von Kalkreuth (unter dem Pseudonym Eva Anthes) in einer ihrer wenigen Rollen das anständige Mädchen (zudem auch Love-Interest des Helden und gefährdetes Opfer), während Eva Pflug die Nachtclub-Sängerin und Hure gibt, die ihrer verdienten Strafe nicht entkommt.

Das Spiel mit der Unterwelt Londons - bestehend aus finsteren Spelunken, düsterer Hafengegend und nebligen Gassen, in denen gedungene Mörder und promiskuitive Flittchen ihr Unwesen treiben - übten im braven Deutschland der späten 50er/frühen 60er Jahre einen großen Reiz aus. Harald Reinl betonte diese Wirkung noch mit einem starken Licht/Schatten Kontrast und nutzte die Vorlage des Kriminalromans, um mit ungewohnter Härte vorzugehen - weniger die große Zahl an Morden, sondern besonders der Schnitt in die Kehle und eine im Kugelhagel sterbende Frau waren im deutschen Film neu. Trotz der seriösen Besetzung und der eindeutigen Moral des Films, konnte es an der Haltung des Feuilletons keinen Zweifel geben, welches die gesamte Reihe als klischeehaft und trivial einstufte. Mit diesem Urteil lagen die Kritiker keineswegs falsch, aber die Edgar-Wallace-Filme trafen den Nerv ihrer Zeit und ihre Entwicklung bis zu den frühen 70er Jahren spiegeln die parallel stattfindenden gesellschaftlichen Veränderungen anschaulich wider.

Entsprechend verstieß "Der Frosch mit der Maske" 1959 noch eher sanft gegen die moralischen Sitten. Die angebliche Hafenspelunke "Lolita-Bar" hat noch das Ambiente eines großstädtischen Nacht-Clubs für seriöse Paare und Eva Pflug bleibt als Verführerin des unerfahrenen und leicht beeinflussbaren Ray Bennet (Walter Wilz) dezent. Auch die Gewalttätigkeiten hinterlassen keinen konsequenten Eindruck, denn trotz des Schwerverbrechers mit der "Frosch-Maske", der schon viele Morde begangen hatte und auch den von Inspektor Elk (Siegfried Lowitz) eingeschleusten Polizeispitzel ohne zu zögern erschießt, verfällt Reinls Film jedesmal in den "harmlosen" Modus, sobald Joachim Fuchsberger als Held Richard Gordon im Bild auftaucht. Kurz nachdem er Ella Bennet (Elfie von Kalkreuth) kennengelernt hatte, die selbstverständlich sofort das Interesse des reichen amerikanischen Erben weckte, wird er von einem Messerangriff bedroht, der so dilettantisch ausgeführt wird, das Gordon gleich seine schlagkräftige Seite zeigen kann, die er noch mehrfach beweisen darf, während in anderen Situationen sofort geschossen wird.


Edgar Wallace 1925 erstmals erschienener Kriminalroman "The fellowship of the frog" gehört zu seinen umfangreichsten Werken, weshalb die knapp 90minütige Laufzeit nicht ausreichte, die Charaktere schlüssig unter einen Hut zu bringen, auch wenn sich das Drehbuch an die grundsätzlichen Abläufe hielt. Besonders der titelgebende "Frosch" kommt zu kurz, von dessen Verbrechen mehr in eingeblendeten Zeitungsausschnitten zu lesen ist, als das Reinl sie im Bild festhält. Im Zentrum des Geschehens stehen Ella und ihr Bruder Ray, die ohne ersichtlichen Grund vom "Frosch" bedroht werden, der dafür teilweise abenteuerliche Umwege einplant, während er sonst für seinen direkten professionellen Stil bekannt ist, den er aber nur bei der Bestrafung von Verrätern beweist. Zudem wirkt die zum Ende hin sich zuspitzende Situation übertrieben. Während zur Entstehungszeit des Romans die Todesstrafe in England noch üblich war, galt sie dort inzwischen als stark umstritten und wurde nur noch in extremen Ausnahmefällen ausgesprochen - ganz sicher nicht für den ungeschickt fingierten Mord in der "Lolita"-Bar.

Der Story gelingt es nicht, die unterschiedlichen Handlungsstränge zu einer schlüssigen Einheit zusammen zu fügen, weshalb die überraschende Lösung eher einer allgemeinen Verwirrtheit entspringt als einer logischen Herführung und viele Fragen unbeantwortet lässt. An dem Erfolg des Films konnte das nichts ändern, denn Reinls atmosphärische Umsetzung und sein gewagter Blick in die Unterwelt, übten eine hohe Faszination aus, die auch heute noch spürbar ist. "Der Frosch mit der Maske" wurde qualitativ noch von einigen Edgar-Wallace-Verfilmungen übertroffen, aber er setzte die wichtigsten Standards für die Reihe.

"Der Frosch mit der Maske" Deutschland, Dänemark 1959, Regie: Harald Reinl, Drehbuch: Egon Eis, J.Joachim Bartsch, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Elfie von Kalkreuth, Siegfried Lowitz, Dieter Eppler, Ernst F. Fürbringer, Jochen Brockmann, Fritz Rasp, Eddie ArentLaufzeit : 87 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Reinl:

Dienstag, 16. April 2013

Der rote Kreis (1960) Jürgen Roland


Inhalt: Der Deliquent wird zu einer Guillotine geführt, doch das Vorhaben, das Todesurteil gegen ihn zu vollstrecken, misslingt, da der betrunkene Henker einen Fehler macht. Acht Jahre später hält ein Erpresser London in Atem, denn Jeder, der seinen Forderungen nicht nachkommt oder ihn an die Polizei verraten will, wird ermordet. Als Zeichen hinterlässt er einen Papierstreifen mit einem roten Kreis.

Auch Lady Doringham (Edith Mill) wird Opfer des Erpressers, als dieser von ihr verlangt, das Kollier der Familie Doringham gegen ein Imitat einzutauschen. Er hat sie in der Hand, denn er weiß, dass sie ihren viel älteren Ehemann betrügt. Dagegen will sich der ebenfalls erpresste Mr. Beardmore (Thomas Alder) wehren und nicht mehr länger ansehen, wie Scotland Yard ergebnislos versucht, den Mörder zu fassen. Er beauftragt den erfolgreichen Privatdetektiv Derrick Yale (Klausjürgen Wussow) mit der Angelegenheit…


Schon die erste Szene macht deutlich, dass es sich bei dem Mörder, der nach jeder Tat sein Zeichen - einen roten Kreis - zurücklässt, um keinen Wahnsinnigen handelt, sondern um einen ruhig und kalkuliert vorgehenden Verbrecher. Mit wenigen Worten erklärt er Lady Doringham (Edith Mill), die gerade von ihrem Liebhaber kommt, was er von ihr verlangt. Der Tod droht ihr nur, wenn sie seine erpresserische Forderung nicht erfüllt - oder bei Verrat.

Zu Beginn erzählt "Der rote Kreis" noch eine kleine Vorgeschichte, die in Paris spielt, und den gescheiterten Versuch zeigt, einen Mann per Guillotine ins Jenseits zu befördern, weil der betrunkene Henker einen Nagel zu tief eingeschlagen hatte. Vordergründig wirkt die Szenerie fremdartig, ganz abgesehen davon, das es offen bleibt, warum der verurteilte Mörder daraufhin lebenslänglich bekam, was ihm erst die Gelegenheit gab, aus dem Gefängnis zu entkommen. Einzig die Stimme aus dem Off, die vermittelt, dass dieses Missgeschick 8 Jahre später 25 Morde zur Folge haben sollte, stellt die Verbindung zum weiteren Geschehen her.

Im Gegensatz zu diesem ersten Eindruck entwickelt sich die weitere Story sachlich und rational in der Einführung der Protagonisten. Wie schon in der ersten Edgar-Wallace-Verfilmung "Der Frosch mit der Maske" (1959) spielte Ernst F.Fürbringer den Chef von Scotland Yard, dem diesmal Karl-Georg Saebisch als kurz vor der Rente stehender Ermittler Inspektor Parr zur Seite steht. Sein ruhiges und seinem Alter entsprechendes Tempo bleibt für den gesamten Film bestimmend, was diesem zu Gute kommt, da die wenigen Actionszenen wesentlich deutlicher hervortreten, als in einigen späteren Filmen, die vor lauter Morden manchmal den Überblick verlieren.

Ganz so viele Tötungsdelikte können auf den Betrachter auch nicht mehr zukommen, da 19 ungeklärte Morde bereits geschehen sind, wie der Privatdetektiv Derrick Yale (Klausjürgen Wussow) Mr. Beardmore (Thomas Alder) mitteilt, der ihn wegen der Unfähigkeit der Polizei mit der Angelegenheit beauftragt hatte, nachdem er selbst vom "Roten Kreis" bedroht wurde. Eine offensichtlich peinliche Situation für die Polizei, allerdings stellt sich Yale als besonnener Zeitgenosse heraus, der nicht an Konkurrenz interessiert ist, sondern daran, seinen Mandanten zu schützen, weshalb er bereitwillig mit der Polizei zusammenarbeitet.

Regisseur Jürgen Roland bleibt seinem aus der "Stahlnetz" Fernsehserie bekannten geradlinigen, nachvollziehbaren Stil treu, auch bedingt durch die erneute Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Wolfgang Menge, so dass der Betrachter dem verwickelten Geschehen problemlos folgen kann. Zu diesem gesellen sich Mr.Beardmors`s Neffe Jack (Thomas Adler), die geheimnisvolle und schöne Renate Ewert als Thalia Parr, deren Chef Froyant (Fritz Rasp) und ein seltsamer Franzose namens Marles (Richard Lauffen), der wieder eine Verbindung zur Pariser Vorgeschichte herstellt. Und - wie in vielen späteren Edgar-Wallace-Filmen üblich - Eddie Arent als Sergeant Haggett, der erst zur Mitte der Laufzeit eingreift, da sich Roland viel Zeit lässt für die Zusammenführung der verschiedenen Handlungsstränge.

Besonders Renate Ewerts Rolle ist bemerkenswert modern gestaltet, da sie erstaunlich frivol und selbstbewusst agiert, und hier trotz ihrer Rolle als Love-Interest nicht zum typischen Opfer wird. Auch ihre Beziehung zu einem der Männer, die bei Edgar Wallace Filmen in der Regel schnell feststeht, bleibt bei der Vielzahl der Interessenten und ihrer bis zuletzt schwer einschätzbaren Rolle lange offen. Neben diesen Qualitäten fallen auch die gut inszenierten Action-Szenen auf, besonders der Mord an Lady Doringham, die den Fehler begeht, die Erpressung der Polizei zu melden.

Dank der Zusammenarbeit von Yale mit der Polizei wird es zunehmend eng für den Erpresser, dessen Spur zurück nach Paris führt, und es kommt zu einem Ende, dass an einen Agatha Christie-Krimi erinnert, wenn Inspektor Parr in Hercule-Poirot-Manier den Täter im Kreis der Verdächtigen mit einem Trick überführt. Selbst der fast versöhnliche Schluss, der noch einmal die Ermittler und den Gesuchten zusammenführt, hat wenig vom üblichen Getöse, das normalerweise zum Tod des Mörders führt. Ganz abgesehen davon, dass die Lösung trotz aller Konstruiertheit nachvollziehbar ist und bei aufmerksamer Betrachtung des Geschehens vorausgesehen werden kann.

Obwohl "Der rote Kreis" schon einige typische Elemente beinhaltet, unterscheidet er sich dank seiner Ernsthaftigkeit und Strukturiertheit von den späteren Filmen der Edgar-Wallace-Reihe. Selbst Eddie Arent albert noch nicht herum, sondern glänzt mit schwarzem Humor. Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass der zweite Edgar-Wallace-Film eher zu den unbekannten Filmen der Reihe gehört. Während der "Der Frosch mit der Maske" stilbildend für die späteren Filme wurde, überrascht es nicht, dass Jürgen Roland mit "Der grüne Bogenschütze" nur noch einen weiteren Film nach Edgar Wallace drehte, sondern stattdessen gemeinsam mit Wolfgang Menge Filme wie "Polizeirevier Davidswache" (1964) heraus brachte, deren Handlung eng an die Realität angelehnt wurde. Trotzdem ist "Der rote Kreis" auch für Wallace-Enthusiasten ein Erlebnis, weil er zwei Stile zusammenführte, die scheinbar nicht zusammengehören – eine schräge, plakative Handlung mit einem klassischen Krimi.

"Der rote Kreis" Deutschland, Dänemark 1960, Regie: Jürgen Roland, Drehbuch: Wolfgang Menge, Egon Eis, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Renate Ewert, Klausjürgen Wussow, Ernst F. Fürbringer, Karl-Georg Saebisch, Fritz Rasp, Edith Mill, Eddie ArentLaufzeit : 88 Minuten

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