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Sonntag, 20. November 2016

Das blaue Meer und Du (1959) Thomas Engel


Direktor Heidebrink (Hans Nielsen) lässt sich von Helga (Karin Dor) überreden...
Inhalt: Eigentlich wollte Dr. Fred Bürkner (Fred Bertelsmann) seinem Chef Heidebrink (Hans Nielsen) nur seine neueste Erfindung, eine Selbstbewusstseins-Pille, vorstellen, aber dieser hat andere Pläne mit ihm vor. Seine Tochter Helga (Karin Dor) und deren französische Freundin Suzy (Renate Ewert) hatten ihm gerade offeriert, nur per Anhalter an die jugoslawische Küste reisen zu wollen, wo sie einen Archäologie-Professor besuchen wollen. Für den sorgenden Vater Heidebrink eine Horror-Vorstellung, weshalb er den braven Fred zum Aufpasser der Mädchen ernennt. Dieser scheint ihm besonders geeignet, da er nicht zu bemerken scheint, dass ihm alle Frauen-Herzen in der Firma zufliegen.

...und Fred (Fred Bertelmann) soll es wieder richten
Der Plan scheint einfach. Fred fährt zu einem verabredeten Ort, wo Heidebrink seine Tochter und deren Freundin an der Straße aussteigen lässt, und nimmt sie mit. Zufällig hat er dasselbe Ziel. Doch ein anderer Fahrer kommt ihm zuvor, der nur zu gerne die hübschen jungen Frauen mitnimmt und Fred muss sehen, dass er ihnen auf den Fersen bleibt.






"Das blaue Meer" - Sehnsuchtsbegriff des Tourismusfilms

"Das blaue Meer" symbolisierte in den 50er Jahren das Fernweh der Deutschen nach südlichen Gestaden. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Arbeitsmarkts in den 50er Jahren und einem damit einhergehenden bescheidenen Wohlstand wuchs auch der Wunsch zu verreisen. Zuerst beschränkte man sich auf den Urlaub im eigenen Land - eine Entwicklung, auf die der "Heimatfilm" ab Mitte der 50er Jahre vermehrt mit der Betonung von Sehenswürdigkeiten und folkloristischen Elementen reagierte ("Die Fischerin vom Bodensee" (1956)) - aber schon wenige Jahre später strebten die Deutschen auch nach weiter entfernten Zielen. Über die Alpen nach Italien oder Jugoslawien, an das Mittelmeer.

Thomas Engels Film "Das blaue Meer und Du" war nach "Der lachende Vagabund" (1958) sein zweiter Film mit dem in den 50er Jahren erfolgreichen Sänger und Schauspieler Fred Bertelmann. Beide Filme, in denen Bertelmann als polyglotter Deutscher der Reiselust quasi voranschritt, wurden zu "Tourismusfilmen" in Reinkultur. Als Genre tritt der "Tourismusfilm" heute kaum in Erscheinung, da er sich vom Schlagerfilm nur wenig abgrenzte und sich stark an einem Zeitgeist orientierte, der sich vehement wandelte. Am Beispiel der fünf Filme, die zwischen 1957 und 1966 das "blaue Meer" (einmal die "blaue Adria") in ihrem Titel führten, zeichnet der Blog diese Entwicklung nach:

                 - "Unter Palmen am blauen Meer" (1957)
                 - "Das blaue Meer und du" (1959)
                 - "Mein Schatz komm mit ans blaue Meer" (1959)
                 - "Auf Wiedersehen am blauen Meer" (1962)
                 - "Komm mit zur blauen Adria" (1966) 

"Denk ich an Capri, dann denk ich auch an Tina, sie liebte einen Lord,
aber als sie mich sah, die schöne Signorina, lief sie ihm gleich fort, lief sie ihm gleich fort."

Fred Bertelmann als deutscher Tourist in "Der lachende Vagabund" (1958)
sang Fred Bertelmann in seinem Nummer 1-Hit von 1957 "Der lachende Vagabund“, auf dessen Basis auch der gleichnamige Film unter der Regie von Thomas Engel 1958 herauskam. Die Inszenierung dieses Lieds gleich in der ersten Szene des Films, sagt viel aus über das Männerbild der späten 50er Jahre. Mit einem großen Fotoapparat um den Hals, die Füße in Socken und Sandalen, schmetterte der Frauenschwarm das Lied vor der malerischen Kulisse eines Ortes an der jugoslawischen Adria-Küste. Ein Bild von einem deutschen Touristen, das der Betrachter vor Augen haben sollte, um die Charakterisierung des Hauptdarstellers in "Das blaue Meer und du" nachvollziehen zu können, der ein Jahr später unter der Leitung des nahezu identischen Kreativ-Teams entstand.

Bei den Anfangs-Credits noch mit einer anderen Blondine an der Seite...
Neben Regisseur Engel waren die Drehbuchautoren Fritz Böttger und Per Schwenzen, Kameramann Hans Hölscher und Produzent Willi Seyn erneut mit an Bord, diesmal unterstützt von Arthur Brauner. Zudem gab Hans Nielsen wieder einen Generaldirektor und Ursula Herking seine weibliche Begleitung. Doch anders als im "lachenden Vagabund" spielte Fred Bertelmann hier zu Beginn keinen Frauenhelden, sondern einen schüchternen Wissenschaftler, der mit einer Pille experimentiert, die Selbstbewusstsein verleihen soll. Nötig hätte er sie nicht, denn alle Frauen in der Fabrik von Generaldirektor Heidebrink (Hans Nielsen) sind Fred verfallen, der ihre schmachtenden Blicke und eindeutigen Angebote aber nicht wahrnimmt. Warum der Mann so gut bei den Frauen ankam? - Siehe oben.

...gilt Freds Aufmerksamkeit bald nur noch Helga
Doch selbst mit diesen Vorkenntnissen fällt der Zugang zu „Das blaue Meer und du“ nicht leicht, denn der Film wurde ganz auf einen Star zugeschnitten, dessen Film- und Sänger-Karriere Anfang der 60er Jahre schon beendet war und der auch im aufkommenden TV-Zeitalter kaum noch eine Rolle spielte. Im Gegensatz zur damals 21jährigen, ausnahmsweise einmal erblondeten Karin Dor, die in den 60er Jahren zum Kino-Star aufstieg, hier dem männlichen Helden aber noch als williges Love-Interest diente. An ihrer Seite stand mit der früh verstorbenen Renate Ewert eine weitere Schönheit, die sich für Chris Howland erwärmen sollte, der als einziger Solist neben dem Star gesanglich in Erscheinung treten durfte. Lieber gab Bertelmann allein den Titelsong viermal zum Besten.

 Helga landet mit Freundin Suzy (Renate Ewert) zuerst im falschen Auto
Diese Konzentration auf einen Star war im Schlagerfilm der späten 50er Jahre keineswegs unüblich, weshalb sich der Vergleich zu Peter Alexander aufdrängt und damit die Frage, warum dessen Popularität über Jahrzehnte andauerte und seine Filme heute noch beliebt sind? – Die Antwort darauf ist einfach. Alexander nahm sich selbst nicht allzu ernst. Im Gegensatz zu Bertelmann, dessen Versuch in „Das blaue Meer und du“ zu Beginn einen weltfremden Wissenschaftler zu mimen, krachend scheiterte. Daran änderte auch die Selbstbewusstseins-Pille nichts, die dem Ganzen einen ironischen Beigeschmack verleihen sollte. Ob mit oder ohne Pille – Dr. Fred Bürkner (Fred Bertelmann) blieb immer Herr der Lage.

Doch bald gibt es Anhalter-Romantik pur
Offensichtlich diente diese Vorgeschichte nur dazu, zu begründen, warum Direktor Heidebrink ausgerechnet ihn damit beauftragt, auf Tochter Helga (Karin Dor) aufzupassen, die sich partout nicht davon abbringen ließ, mit ihrer französischen Freundin Suzy (Renate Ewert mit falschem französischen Akzent) von Berlin per Anhalter an die jugoslawische Adria-Küste zu fahren. Schließlich schien der brave Mann gegenüber Frauen resistent zu sein. Da stellt sich nur die Frage, warum er in einem schicken, immer offenen Cabriolet statt mit einer braven Familienkutsche unterwegs ist? – So viel Coolness musste bei Bertelmann offensichtlich sein. Mit den Schüchternheitsanfällen, die Peter Alexander sehr überzeugend spielen konnte, hatte das nichts zu tun. Auch nicht als die beiden jungen Damen nach einigen Verwirrungen endlich neben ihm auf der Vorderbank Platz genommen hatten. Klar, dass sich Helga sofort in Fred verliebt.

Die ersten touristischen Ziele tauchen auf....
Das im Tourismus-Film beliebte Motiv, per Anhalter zu reisen, hatte in „Das blaue Meer und du“ seinen ursprünglichen Zweck verloren. Keine knappen Finanzen führten mehr zu der Wahl dieses Mittels wie in "Unter Palmen am blauen Meer" (1957), sondern allein die Abenteuerlust zweier junger Damen aus reichem Hause. Der moralische Zeigefinger ließ nicht lange auf sich warten. Erst geraten Helga und Suzy an einen geifernden Handlungsreisenden, dann an einen LKW-Fahrer, der ihnen die Leviten liest. Die pädagogische Wirkung verpuffte bei den beiden höheren Töchtern, da Fred in die Rolle des anständigen Autofahrers schlüpfte und ordentlich Anhalter-Romantik verbreitete, aber bei den Zuschauern, die den Trick kannten, sollte sie ankommen.

...und mit Christopher (Chris Howland) ein Mann für Suzy
Dank der ausführlichen Wegschilderung werden erst nach einer guten halben Stunde touristische Ziele sichtbar, dann aber gleich mit einem Aha-Effekt: die berühmte Brücke von Mostar, von wo aus die beiden jungen Frauen weiter an der Adria-Küste entlang zu Professor Petrovic fahren wollen, dem eigentlichen Ziel ihrer Reise. Gut, dass Fred zufällig denselben Weg hat. Weniger überzeugend ist die Drehbuch-Wendung, dass besagter Professor gerade zu einem Termin nach Dubrovnik fahren muss, obwohl er seine Gäste erwartet. Diese Gelegenheit nutzt sein Nachbar Christopher Greenwood (Chris Howland), um sich stattdessen als Archäologie-Gelehrter auszugeben, denn er hatte ein Bild von Suzy gesehen und hofft so, sie näher kennenzulernen. Dass beide Männer gegenüber den Frauen noch in Erklärungsnot geraten werden, ist da schon abzusehen, aber ein wenig Drama sollte noch in die Ferienidylle einziehen.

Der Urlaub kann beginnen
Anders als in "Unter Palmen am blauen Meer", der vor dem Hintergrund eines kleinen idyllischen Orts am Mittelmeer in Italien spielte, durfte Jugoslawien in „Das blaue Meer und du“ seine touristische Vielfalt ausspielen. Neben Sehenswürdigkeiten und Meeresblick sollten Bootsfahrten, Strandleben, Folklore-Veranstaltungen, Restaurants und Tanzabende bei Live-Musik (zur wenig jugoslawischen Musik der Nilsen-Brothers) Urlaubs-Feeling vermitteln. Eine Kulisse, vor der sich die zwei Paare schnell näher kommen. Auch Direktor Heidebrink und seine in ihn verliebte Chef-Sekretärin (Ursula Herking) fliegen aus Sorge noch hinterher – sie hatten von Fred ein paar Tage nichts gehört – um vor Ort dann ebenfalls in den Urlaubs-Modus zu verfallen.

Besuch in Dubrovnik inclusive
„Das blaue Meer und du“ wurde ein Tourismusfilm par excellence. Alltägliche Dinge oder reale Anlässe verschwanden zunehmend aus dem Fokus. Weder die zu Beginn eingeführte „Selbstbewusstseins-Pille“ (Fred schmeißt sie irgendwann weg, gebraucht hatte er sie sowieso nicht), noch der eigentliche Anlass für den Aufenthalt in Jugoslawien – der Besuch des Archäologie-Professors zwecks Weiterbildung – waren noch von Bedeutung. Selbst die Bedenken des Vaters hinsichtlich der Gefahren, die auf junge Mädchen auf einer solchen Reise lauern, hatten sich in Luft auf gelöst. Dabei passierte genau das, wovor er sich gefürchtet hatte: ein paar Kerle machten sich an seine Tochter und deren Freundin heran. Doch schließlich handelte es sich bei diesen um die männlichen Stars des Films - der „reale“ Hintergrund ihrer Rollen war da schon vergessen. Chris Howland wurde gar nicht erst einer angedichtet.

Das galt auch für die sonst im deutschen Unterhaltungsfilm gewohnten Happy-End-Zutaten. Mindestens eine angekündigte Hochzeit war zu erwarten, um die verliebten Blicke und sanften Küsse zu legitimieren. Darauf verzichtete „Das blaue Meer und du“ konsequent und endete wie er bei den Credits begonnen hatte – Fred Bertelmann singend vor traumhafter Kulisse mit einer Blondine an seiner Seite. Weitere Abwechslung in Zukunft nicht ausgeschlossen. 


 

"Das blaue Meer und Du" Deutschland 1959, Regie: Thomas EngelDrehbuch: Fritz Böttger, Per Schwenzen, Fred IgnorDarsteller : Fred Bertelmann, Karin Dor, Renate Ewert, Hans Nielsen, Ursula Herking, Chris HowlandLaufzeit : 88 Minuten

Mittwoch, 12. Juni 2013

Der grüne Bogenschütze (1961) Jürgen Roland

Inhalt: Julius Savini (Harry Wüstenhagen) veranstaltet Führungen für interessierte Touristen in der Villa seines Chefs Abel Bellamy (Gert Fröbe), um sein Gehalt ein wenig aufzubessern. Der schwerreiche Amerikaner weilt derweil in den USA und ahnt nichts von der Nebenbeschäftigung seines Sekretärs, wird aber durch das Missgeschick eines Besuchers darauf aufmerksam gemacht. Ein etwas zu neugieriger Mann entdeckt eine Geheimtür, die sich mit dem Arm einer Bogenschützen-Statue öffnen lässt, was ihm einen grünen Pfeil einbringt, der sich tödlich in seinen Rücken bohrt.

Wieder zurück in London reagiert Bellamy sehr erbost darauf, dass Savini fremde Menschen in sein Haus ließ. Zudem war ihm der Ermordete nicht unbekannt, dem es dank des grünen Bogenschützen nicht gelang, das Geheimnis zu entdecken, dass sich hinter der Tür verbirgt. Diese führt zu einer versteckten Wohnung im Kellergeschoss, in der Bellamy eine alte Frau gefangen hält. Entsprechend nervös reagiert er, als er erfährt, dass er neue Nachbarn hat. Ein Mr.Howett (Hans Epskamp) ist in die Villa gegenüber eingezogen, gemeinsam mit seiner Adoptivtochter Valery (Karin Dor), eine geborene Bellamy…


Wie geplant kam beim vierten Edgar Wallace-Film der Rialto Filmgesellschaft wieder Regisseur Jürgen Roland an die Reihe, erneut mit Drehbuchautor Wolfgang Menge und Hauptdarsteller Klausjürgen Wussow an seiner Seite. Doch diese Planmäßigkeit täuscht, denn "Der grüne Bogenschütze" wurde ihr letzter Wallace - Film, eine von Jürgen Roland frühzeitig getroffene Entscheidung, die der Umsetzung deutlich anzumerken ist. Angesichts der großen Zahl späterer Edgar-Wallace-Filme, die häufig unfreiwillig komisch oder bewusst überzeichnet wurden, ist es in Vergessenheit geraten, dass "Der grüne Bogenschütze" die für Edgar Wallace-Krimis typischen Eigenarten schon zu einem frühen Zeitpunkt ins Extreme steigerte.

Die Käuzchen schreien sich die Seele aus dem Leib und die Nebelmaschinen laufen am Limit, wenn Valerie Howett (Karin Dor) nachts ein Boot besteigt, um die finster gelegene alte Villa des reichen Abel Bellamy (Gert Fröbe) zu besuchen - mehr waberndes England-Feeling ist kaum möglich. Allein Gert Fröbe ist die Ansicht des Films wert, so dick trägt er als schwergewichtiger Amerikaner auf, der eine alte Frau (Hela Gruel) in einer geheimen Wohnung im Keller seines Hauses festhält und auch sonst vor keiner kriminellen Missetat zurückschreckt. Wann hat es im Wallace-Film je einen charismatischeren Bösewicht gegeben, der seine Gesinnung keinen Moment verbirgt und alle Menschen wie Dienstboten behandelt, dessen tatsächlichen Pläne aber im Unklaren bleiben ?

Autor Wolfgang Menge gab sich in seiner Überarbeitung des ursprünglich von Wolfgang Schnitzler verfassten Drehbuchs die größte Mühe, die Verwirrung auf die Spitze zu treiben. Puzzleartig reiht er Szene an Szene und führt eine Vielzahl an Personen ein, ohne erzählerische Stringenz zu entwickeln. Im Gegenteil, wird die Story immer undurchsichtiger, desto mehr Fakten aufgedeckt werden - eine ironische Überspitzung der typischen Wallace-Eigenart, am Ende die unwahrscheinlichste Lösung zu präsentieren. Der als Basis dienende Kriminalroman "The green archer", den Edgar Wallace 1923 veröffentlichte, ist wesentlich nachvollziehbarer erzählt und rechtfertigte auch den Titel "Der grüne Bogenschütze", der im Film dagegen nur eine untergeordnete Rolle spielte. Seine abschließende Enttarnung wird fast nebensächlich abgehandelt - ein klarer Verstoß gegen die Erwartungshaltung des Publikums und signifikant für die Intention der Macher.

Sowohl die "Stahlnetz" - Fernsehserie (1958 - 1968), als auch der wenige Jahre später entstandene "Polizeirevier Davidswache" (1964) lassen in ihrer sachlichen, der Realität verpflichteten Inszenierung deutlich werden, warum Jürgen Roland und Wolfgang Menge mit dem Wallace-Universum nicht warm werden konnten. Schufen sie mit "Der rote Kreis" (1960) noch einen Zwitter zwischen strukturiertem Kriminalfilm und Wallace-Elementen, der im Gesamtwerk einen seriösen Eindruck hinterlässt, sollte "Der grüne Bogenschütze" zur großen Abschiedssause werden. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, vermittelte diese vierte Wallace-Verfilmung innerhalb von weniger als zwei Jahren schon einen inflationären Charakter - gut aus Eddie Arents am Ende geäußerten Worten herauszuhören, der den plötzlich von außen kommenden Lärm damit erklärt, dass dort schon der nächste Wallace-Film entsteht. Für Arent das richtige Stichwort, denn er blieb der Serie treu, spielte aber in "Der grüne Bogenschütze" erstmals konsequent die Witzfigur, nachdem er in "Die Bande des Schreckens" (1960) schon Tendenzen in diese Richtung gezeigt hatte.

Für Klausjürgen Wussow als Inspector Featherstone blieb es dagegen der letzte Auftritt in einem Wallace-Streifen. Gegen seinen Machismo kam nicht einmal Joachim Fuchsberger an, denn die Verbindung zur schönen Valerie stellt er letztlich dadurch her, dass er ihre Mutter schon als seine Schwiegermutter betrachtet - Widerspruch zwecklos. Nicht einmal der Austausch von Zärtlichkeiten war noch notwendig, womit Roland die Geschlechter-Klischees der Reinl-Verfilmungen gelungen persiflierte, letztlich aber die Erwartungshaltungen des Publikums erneut nicht erfüllte.

Entsprechend hinterlässt "Der grüne Bogenschütze" im Wallace-Universum einen zwiespältigen Eindruck - dank des besonders schaurig finsteren Settings und der von Fröbe und Arent verkörperten Figuren, verbreitet der Film bestes Wallace-Feeling, welches die verwirrende Handlung mit ihren unerwarteten Brüchen dagegen nicht befriedigt. Erkennt man darin den Stilwillen seiner Macher, wird "Der grüne Bogenschütze" zu einer gelungenen Umsetzung, die sich selbst nicht ernst nimmt und die damaligen Klischees ironisch bricht - innerhalb des Wallace-Universums eine Ausnahme.

"Der grüne Bogenschütze" Deutschland 1961, Regie: Jürgen Roland, Drehbuch: Wolfgang Menge, Wolfgang Schnitzler, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Klausjürgen Wussow, Karin Dor, Gert Fröbe, Wolfgang Völz, Eddie Arent, Harry WüstenhagenLaufzeit : 89 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Jürgen Roland:

Donnerstag, 30. Mai 2013

Die Bande des Schreckens (1960) Harald Reinl

Inhalt: Als ein älterer Mann (Otto Collin) eine Bank betritt, um Geld abzuheben, steht plötzlich Inspector Long (Joachim Fuchsberger) vor ihm und bezeichnet ihn als den gesuchten Schwerverbrecher Clay Shelton. Zuerst bestreitet der Beschuldigte noch diese Anschuldigung, aber die ihm gestellte Falle schnappt zu und auch sein Fluchtversuch bleibt vergebens. Er wird zum Tode verurteilt, aber bevor er seinem Henker vorgeführt wird, wird ihm noch sein letzter Wunsch erfüllt – bis auf Mrs. Ravenstock (Elisabeth Flickenschild) sind alle an seiner Festnahme und Verurteilung beteiligten Personen versammelt. Trotz seiner Hinrichtung droht Shelton, sie danach der Reihe nach zu töten. Eine verwegene Behauptung, gegen die Inspector Long sogleich eine Wette eingeht.

Die er schon kurz danach zu verlieren scheint, denn er entgeht nur knapp einem Attentat. Im Gegensatz zu dem Schützen, den er ermordet auffindet. Zudem erfährt er von seinem Chef, Sir Archibald (Ernst F. Fürbringer), dass Shelton schon vor dem Vollzug der Todesstrafe vergiftet worden war. Der Täter kann sich nur unter den Anwesenden befunden haben. Long gibt seinen Plan auf, den Polizeidienst zu quittieren, sondern sucht einen Mörder, der scheinbar wieder aus dem Grab gestiegen ist, indem sich nur Steine und die Liste mit den zukünftigen Opfern befindet…


Planmäßig übernahm beim dritten Edgar Wallace-Film der Rialto Produktionsgesellschaft wieder Harald Reinl den Regiestuhl von Jürgen Roland, der zuvor "Der rote Kreis" (1960) gedreht hatte. Sie sollten sich abwechseln, aber Roland nahm nach "Der grüne Bogenschütze" (1961) seinen Abschied vom Wallace-Universum, weshalb dieser anfängliche Rhythmus nur kurze Zeit Bestand hatte und sich der Kreis der Regisseure sukzessive erweitern sollte.

Hatte der Täter in Reinls "Der Frosch mit der Maske" (1959) einen Froschstempel am Tatort hinterlassen und zierte der titelgebende rote Kreis die Opfer des Mörders im zweiten Edgar-Wallace-Film, ist es hier eine verkrampft in die Höhe gereckte Hand, die die Bedrohung versinnbildlicht, aber damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Erstmals wurde mit "Die Bande des Schreckens" einer der Wallace-Geschichten verfilmt, deren Opferkreis klar definiert ist - ein beliebtes Subgenre, dass Edgar Wallace mehrfach verwendete (unter anderen in "Das indische Halstuch" (verfilmt 1963)) und Agatha Christie mit "Und dann gabs keines mehr..." (Originaltitel "Ten little niggers") 1939 so exzellent umsetzte, dass sie damit den erfolgreichsten Kriminalroman aller Zeiten schuf. Der Vorteil dieser Konstellation liegt in der klaren Struktur, die die Spannung innerhalb eines begrenzten Personenkreises aufbaut und damit dem späteren Slasher-Film den Weg bereitete.

Die Konsequenz des Christie-Romans - ein in sich abgeschlossener Raum, der Täter muss sich unter den Anwesenden befinden - besaß der 1926 erschienene "The terrible people" noch nicht, denn Wallace erzählte vordergründig eine Gruselstory über einen hingerichteten Mörder. Clay Shelton (Otto Collin) wird in der ersten Szene des Films von Inspector Long (Joachim Fuchsberger) in einer Bank gefasst und wenig später seinem Henker vorgeführt. Zuvor wird ihm noch sein letzter Wunsch erfüllt, der ihm die Gelegenheit gibt, allen an seiner Festnahme und Verurteilung Beteiligten, persönlich ihren baldigen Tod zu versprechen. Auch wenn die Anwesenden - darunter der Richter, der Staatsanwalt und natürlich der zum Chefinspector beförderte Long - diese Drohung verständlicherweise nicht ernst nehmen, wirkt diese Szene konstruiert und unrealistisch, denn warum sollten sie einem verurteilten Mörder diese infame Gelegenheit geben ?

Zumal Long vorhat seinen Dienst zu quittieren, um seinen Vater (Fritz Rasp) bei dessen Bankgeschäften zu unterstützen. Doch nachdem ein Attentat auf ihn begangen wurde - der ihn verfehlende Schütze wurde daraufhin selbst ermordet - und er von seinem Chef Sir Archibald (Ernst F. Fürbringer) erfährt, dass Shelton schon vor seiner Hinrichtung vergiftet wurde, kann er den Fall noch nicht zu den Akten legen. Wer die Wallace-Romane kennt, weiß, dass der Autor niemals eine fantastische Lösung wählte, sondern auch für die unwahrscheinlichsten Fälle einen natürlichen Täter hervor zauberte. Das Spiel mit dem Geist von Shelton, in dessen Sarg sich nur Steine und eine Liste mit den zukünftigen Opfern befand, soll ein wenig Grusel verbreiten, aber zur Sache kommt Reinl in dem Moment, indem das Vorgeplänkel vorbei ist und sich die schon reduzierte Anzahl der von Shelton bedrohten Personen zu einem Golfturnier treffen - natürlich unter strenger polizeilicher Bewachung. Wagt es der Mörder trotzdem, sein schändliches Spiel weiter zu treiben?

Ausgehend von der literarischen Vorlage fehlt in "Die Bande des Schreckens" das in den ersten zwei Filmen betonte Londoner Flair mit schummrigen Bars und finsterer Hafengegend, denn die Handlung findet meist in mondänen Villen und in ländlichen Gegenden statt. Trotzdem schuf Reinl unter der Verwendung eines starken Hell/Dunkel-Kontrasts eine dichte Atmosphäre für die in der zweiten Hälfte des Films stringente Handlung, die ihre Situation zum Ende hin geschickt zuspitzt und mit einer nachvollziehbaren Lösung überrascht. Verlassen konnte er sich dabei auf die schon erfahrenen Mitstreiter Fritz Rasp, Dieter Eppler, Ulrich Beiger, Ernst F.Fürbringer und natürlich Eddie Arent, der hier seine Rolle als skurriler Polizeifotograf erstmals als komischer Side-Kick zum Helden interpretierte, nachdem er in den ersten beiden Filmen noch ernsthafter geblieben war.

Joachim Fuchsberger fährt nicht nur denselben Wagen, den er schon als amerikanischer Erbe in "Der Frosch mit der Maske" nutzte, er tritt auch genauso salopp auf. Diesmal ist er trotz seines Polizeiberufs ein Sohn aus reichem Haus, weshalb sein Werben um die schöne Nora Sanders (Karin Dor, damalige Ehefrau von Regisseur Reinl, die anders als ihre beiden Vorgängerinnen noch mehrfach die Wallace-Filme bereichern sollte) auch als adäquat angesehen werden kann, obwohl ihre Chefin Mrs. Ravenstock (Elisabeth Flickenschildt), die auch von Shelton bedoht wird, anderer Meinung ist. Die Theaterschauspielerin Flickenschildt, die ihre erfolgreiche Karriere während der Zeit des Nationalsozialismus begonnen hatte, wurde für die Verkörperung eines älteren, arrogant selbstbewussten Frauentyps, der trotz seiner damenhaften Attitüde kein Blatt vor den Mund nimmt, stilbildend im Wallace-Film.

Aus heutiger Sicht lässt sich ihre markante Erscheinung, deren bewusst übertriebenes Spiel Selbstironie spüren lässt, kaum wegdenken - damals wurde sie eindeutig negativ besetzt. Mit Ulrich Beiger als schmierigem Anwalt Mr.Henry, fehlte auch der Mann mittleren Alters nicht, der in selbstgefälliger Weise um die junge Schönheit wirbt - ebenfalls eine stark überzeichnete Wallace-Figur, die dem Liebespaar erwartungsgemäß nicht gefährlich werden konnte. In fast allen Wallace-Krimis kam eine Liebesgeschichte vor, aber sie war stärker mit der Handlung verzahnt und wurde langsamer entwickelt. Fuchsberger ging in seinen Rollen dagegen immer gnadenlos direkt vor, keinen Moment an seiner männlichen Überlegenheit zweifelnd. Karin Dor kokettiert zu Beginn anstandshalber mit ein wenig Widerstand, den sie aber bald aufgibt, um in den Armen des Helden zu landen.

"Die Bande des Schreckens" ist trotz typischer Logikschwächen einer der besseren Wallace-Krimis, zudem stimmig von Harald Reinl in Szene gesetzt, aber er ist auch signifikant für den großen Erfolg, den die Verfilmungen an der Kinokasse hatten. Durften auf der einen Seite eine Vielzahl an Morden stattfinden und finsterste Bösewichte angenehmen Grusel verbreiten, bleibt die Welt hier trotzdem noch überschaubar. Obwohl die Handlung in der Gegenwart stattfindet, wird die Todesstrafe bei Schwerverbrechen noch mit absoluter Selbstverständlichkeit angewendet. Auch jeder negative Charakterzug, ob selbstgefällig, geldgierig, eitel oder verlogen, verringert die Lebenserwartung erheblich. Dabei sind es diese zwiespältigen Figuren, die den Wallace-Kosmos erst ausmachen, denn sie gewähren einen kurzen Blick in menschliche Abgründe, um dem Betrachter am Ende das gute Gefühl zu vermitteln, dass die Wirklichkeit doch gar nicht so schlimm ist.

"Die Bande des Schreckens" Deutschland 1960, Regie: Harald Reinl, Drehbuch: Wolfgang Schnitzler, J.Joachim Bartsch, Edgar Wallace (Roman), Darsteller : Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Elisabeth Flickenschild, Dieter Eppler, Ernst F. Fürbringer, Ulrich Beiger, Fritz Rasp, Eddie ArentLaufzeit : 88 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Reinl: