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Montag, 31. Oktober 2016

Die zornigen jungen Männer 1960 Wolf Rilla


Inhalt: Während auf St.Pauli ein Pfarrer öffentlich vor einer großen Menschenmenge gegen die Verrohung der bürgerlichen Sitten anredet, befindet sich Fred Ploetz (Hansjörg Felmy), erfolgreicher Jung-Unternehmer einer Hamburger Werbe-Agentur, voll in seinem Element. Umgeben von hübschen Models feilt er an seiner nächsten Bilder-Strecke. Doch diesmal fällt ihm eine junge Frau ins Auge, die sich ihm nicht wie üblich an den Hals schmeißt. Die hübsche Studentin Kirsten (Gisela Tantau) ist so selbstbewusst wie anständig, eine Mischung die Fred ernsthaft zu interessieren beginnt. Er bemüht sich um sie und verliebt sich nach langer Zeit erstmals wieder, nachdem er zuvor ständig wechselnde weibliche Bekanntschaften bevorzugte.

Seine neue Liebe hält ihn aber nicht davon ab, einen wenig seriösen Auftrag von einem seiner wichtigsten Kunden, dem Unternehmer Pflueger (Hans Nielsen), anzunehmen. Er soll dafür sorgen, dass ein Oberarzt, dessen Forschungsarbeit Pflueger aus geschäftlichen Gründen ein Dorn im Auge ist, die Reputation verliert. Ploetz plant schon seine Vorgehensweise, aber als er feststellt, dass es sich bei dem Arzt Dr.Schneider (Horst Frank) um einen alten Kriegskameraden handelt, nimmt er Abstand von seinem Vorhaben. Doch Pflueger hat auch die attraktive Irene (Dawn Addams) auf Dr.Schneider angesetzt.

Es dauert etwas, bis Fred (Hansjörg Felmy) zornig wird
"The angry young men" ist ein stehender Begriff für eine gegen ihre Väter-Generation aufbegehrende männliche Jugend, im 50er Jahre Hollywood-Kino personifiziert durch James Dean und Marlon Brando, in Deutschland in abgeschwächter Form durch Horst Buchholz ("Die Halbstarken" (1956)). Bei den "zornigen jungen Männern" in Wolf Rillas Film von 1960 handelte es sich dagegen um Enddreißiger, beruflich schon situiert, aber noch ohne familiäre Bindungen. Geschuldet war diese Situation der besonderen Lage nach dem Ende des Krieges. Wiederaufbau und Wirtschaftswunder hatten zwar eine sich wandelnde Sozialisation zur Folge, die moralische Standards und Geschlechterrollen zu verändern begann, insgesamt war die bundesdeutsche Gesellschaft 1960 aber noch sehr konservativ. Allein Männer trafen geschäftliche Entscheidungen und um bei der älteren Generation ernst genommen zu werden, bedurfte es eines angemessenen gesellschaftlichen Status.

Anwalt Faber (Joachim Fuchsberger) verweigert die Glorifizierung der Armee
Stellvertretend stehen die drei Hauptfiguren für prägende Berufsgruppen der jungen Republik: der Leiter einer Werbe-Agentur, der Oberarzt und der Rechtsanwalt. Gespielt wurden sie von drei populären Darstellern - Hansjörg Felmy, Horst Frank und Joachim Fuchsberger - die real jünger waren als die von ihnen verkörperten Männer des Jahrgangs 1922, deren Freundschaft noch auf ihrer gemeinsamen Zeit als Soldaten während des Kriegs fußte. Nur Joachim Fuchsberger, Jahrgang 1927, wurde 1943 noch eingezogen, Felmy und Frank waren dafür zu jung. Deutlich wird an dieser Konstellation nicht nur, wie bindend diese gemeinsame Erfahrung mehr als ein Jahrzehnt später noch war, sondern dass sich daraus ein moralischer Anspruch ableitete. Als Fred Ploetz (Hansjörg Felmy) in dem Arzt, gegen den er im Auftrag des Großindustriellen Pflueger (Hans Nielsen) integrieren soll, seinen alten Kameraden Gerd Schneider (Horst Frank) wieder erkennt, nimmt er Abstand von seinem Vorhaben. Zuvor ausschließlich an Geld und Vergnügen interessiert, beginnt Ploetz umzudenken. Die gemeinsame Soldatenzeit wird zum Ausgangspunkt seiner Läuterung und zur Auflehnung gegen die Machenschaften des rücksichtlosen Geschäftemachers.

Partytime bei Fred...
Fred Ploetz steht nicht nur im Mittelpunkt der Handlung, sondern ist die einzige Figur, der eine Entwicklung zugestanden wird, auch wenn der Anlass dafür aus heutiger Sicht konstruiert wirkt. An ihm, dem Werbefachmann - ein Berufsbild, das erst durch die Wirtschaftswunderjahre und dem damit aufkommenden Konsum populär wurde - arbeitete sich der moralisch aufklärerische Gestus des Films ab. Ploetz ist ein Hallodri, der seine Werbe-Firma nicht nur für zahlreiche Frauenbekanntschaften nutzt, sondern sich Jedem andient, der ihn ordentlich bezahlt. Hemmungen kennt er nicht, was sich auch in seinen Partys zeigt, die er großzügig mit viel Alkohol und Sex veranstaltet. Den Auftrag seines Großkunden Pflueger, die Forschungsarbeit des Oberarztes verschwinden zu lassen, nimmt er sofort an. Darin hatte dieser nachgewiesen, dass die von Pfluegers Firma in Lebensmitteln verwendeten chemischen Zusatzstoffe krebsverursachend sind. Das hätte Einfluss auf ein neues, lückenhaftes Lebensmittelgesetz, dass der Bundestag verabschieden will. 

"Die Handlung und die Figuren des Films sind frei erfunden, sollten dennoch Ähnlichkeiten mit bestehenden Zuständen erkennbar sein, so sind diese wohl unvermeidlich" (zu Beginn des Films eingeblendete Texttafel)

...und dessen Erkenntnisse im Krankenhaus dank Dr.Schneider
Der gebürtige Berliner und englische Staatsbürger Wolf Rilla, der als Kind mit seinen Eltern 1934 aus Deutschland emigriert war, und im Gegensatz zu seinem Vater, dem Schauspieler Walter Rilla, nach dem Krieg nicht mehr zurückkehrte, schuf mit „Die zornigen jungen Männer“ seinen einzigen deutschen Film nach einem Drehbuch des Schriftstellers Wolf Berthold. Dieser wurde in den 50er Jahren bekannt für seine in Illustrierten veröffentlichten „Tatsachenromane“, die in ihrer Mischung aus Kolportage, Unterhaltung und Gesellschaftskritik den Nerv der Zeit trafen und heute ein authentisches Bild des damaligen Lebensgefühls vermitteln können. Nach seinen Vorlagen waren zuvor „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) über einen Serienmörder während der Zeit des Nationalsozialismus und der Anti-Kriegsfilm „Kriegsgericht“ (1958) entstanden, er entwarf aber auch ein zeitgenössisches Bild der Bundesrepublik in „Madeleine Tel.13 62 11“ (1958) und "Am Tag als der Regen kam" (1959), deren Schwerpunkt auf den sozialen Veränderungen nach dem Krieg lag.

Dr.Schneider (Horst Frank) erliegt der attraktiven Irene (Dawn Addams)...
Deren Mischung aus Gesellschaftskritik und moralischem Zeigefinger prägte auch „Die zornigen jungen Männer“. Die ernsthafte Thematik der Lebenmittelverunreinigung wird überdeckt von der Schilderung einer vergnügungssüchtigen Jugend. Die Offenlegung der Doppel-Moral des Staates, der eine Frau wegen „Beihilfe zur Unzucht“ verurteilen will, weil sie den Verlobten ihrer Untermieterin vor deren Hochzeit in ihrer Wohnung übernachten ließ, gleichzeitig aber gerne die Steuereinnahmen aus dem horizontalen Gewerbe einnimmt, wird kontrastiert von einem rückständigen Frauenbild. Diese ambivalente Haltung zeigte sich auch in den Charakterisierungen der Protagonisten. Horst Frank wird in seiner Rolle als Oberarzt zwar eine Schwäche für das weibliche Geschlecht zugestanden, die ihm beinahe zum Verhängnis wird, aber in seiner beruflichen Position bleibt er integer und standfest. Joachim Fuchsberger ist als Anwalt ganz charakterfester Profi. Ihre traditionellen Berufe werden nicht in Frage gestellt, das moderne Bild des Werbe-Grafikers, der sein Geld vor allem mit Fotos von leicht bekleideten Frauen zu verdienen scheint, dagegen schon.

...wie von Generaldirektor Pflueger (Hans Nielsen) beabsichtigt
Dass Hansjörg Felmy in seiner Rolle nicht vollständig demontiert wird, verdankt er dem Drehbuch-Trick, seine Verfehlungen in die Vergangenheit zu verlegen. Schon in einer der ersten Szenen des Films begegnet er der hübschen Studentin Kirsten (Gisela Tantau) und verliebt sich nach langer Zeit erstmals wieder, nachdem er in den Jahren zuvor nur wechselnde Affären hatte. Er beginnt eine ernsthafte Beziehung mit Kirsten und entdeckt sein Gewissen wieder. Trotzdem kommt er nicht ganz ungeschoren davon – so viel Strafe musste sein. Auch Hans Nielsen als gewissenloser Unternehmer Pflueger muss sich am Ende eine Niederlage eingestehen, aber der Film wagte nicht, die Rolle des Kapitalisten ernsthaft in Frage zu stellen. Als er erkennt, dass er diesmal an einen stärkeren Gegner gekommen ist, bewahrt er Contenance und zieht die Konsequenzen. Dass er bei seinem nächsten geschäftlichen Vorhaben mit mehr Skrupel vorgehen wird, ist deshalb nicht zu erwarten.

Die eigentlichen Verlierer in „Die zornigen jungen Männer“ sind die Frauen, genauer die beiden gegensätzlich gezeichneten weiblichen Protagonistinnen. Die englische Darstellerin Dawn Addams, im deutschen Film auf die Rolle der „Femme fatale“ festgelegt ("Die feuerrote Baronesse" (1959)), prostituiert sich im Auftrag Pfluegers, um den Oberarzt Schneider in eine verfängliche Situation zu bringen. Nach einer gemeinsamen Nacht klagt sie ihn fälschlich der Vergewaltigung an. Aus der Klemme hilft ihm dessen cooler Kamerad, Anwalt Dr.Jürgen Faber (Joachim Fuchsberger), der den Spieß einfach umdreht. Er macht sich an die attraktive Irene (Dawn Addams) heran, die sich in ihn verliebt und ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Bevor sie im Bett landen, klärt Faber sie über seine wahren Absichten auf und fordert sie auf, ihre Anklage wieder zurückzuziehen, wenn sie verhindern will, dass ihre Liason bekannt wird. Sie hat keine Wahl, denn als Frau wäre sie diskreditiert und vor Gericht unglaubwürdig.

Moralpredigt
Die Studentin Kirsten ist das genaue Gegenteil von Irene, ein anständiges Mädchen. Obwohl Fred es ernst mit ihr meint, begeht er in einer Stress-Situation bei einer seiner Partys den Fehler, sie wegen ihrer Bravheit zu provozieren. Sie solle sich ihre Komplexe abreagieren und mit ein paar Anderen schlafen – einen Vorschlag, den sie noch in der gleichen Nacht umsetzt. Fred reagiert geschockt, ist sich seiner Schuld aber bewusst und macht ihr keine Vorwürfe. Doch das hilft Kirsten nicht mehr, die gegen die moralischen Prämissen verstoßen hatte. Mitten im Verkehr steigt sie aus seinem Auto und verschwindet verzweifelt in der Menge. Die Botschaft an die weiblichen Betrachter war eindeutig. Schon zu Beginn des Films spricht ein auf St.Pauli gegen die Verrohung der Sitten öffentlich auftretender Pfarrer direkt die Frauen an, die mit 20 nur an ihr Vergnügen denken, mit 30 aber ohne Freunde alleine in einer Dachkammer hausen werden. 

„Ein Film voller Pseudoproblematik, der seine Illustriertenherkunft nicht verbergen kann.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Die zornigen jungen Männer“ wurde von der Filmkritik wenig positiv besprochen, aber das erklärt nicht, warum der unterhaltsame und abwechslungsreiche, zudem prominent besetzte Streifen fast vollständig aus dem Kino-Gedächtnis verschwand. So inkonsequent seine Mischung aus moralischem Zeigefinger und Gesellschaftskritik sein mochte, sie entsprach dem damaligen Zeitgeist. Deutlich wird in Wolf Rillas Film, dass die „sexuelle Revolution“ 1960 schon voranschritt. Freds Aufforderung an Kirsten griff früh einen Slogan aus den 68ern auf, wurde hier aber noch als negatives Beispiel eines dekadenten Lebenswandels hingestellt. Geholfen hat es nicht. Dem Film erging es wie vielen „Moral-Filmen“ seiner Zeit, die einerseits vor den Verwerfungen einer sich wandelnden Sozialisation warnten, gleichzeitig aber die Sex-Thematik als Aufhänger nutzten. Kombiniert mit der Kritik an einem Wirtschaftswunder-Kapitän – so dezent und wenig generell diese auch ausfiel – wagte sich Rilla damit gleich zweifach auf vermintes Feld. Offensichtlich zu früh, aber heute ein sehr guter Grund, den Film wieder zu entdecken. 

"Die zornigen jungen MännerDeutschland 1960Regie: Wolf RillaDrehbuch: Will Berthold (Roman), Darsteller : Hansjörg Felmy, Joachim Fuchsberger, Horst Frank, Dawn Addams, Hans Nielsen, Gisela Tantau, Armin Dahlen, Laufzeit : 83 Minuten

Montag, 15. Februar 2016

Geheimaktion Schwarze Kapelle (1959) Ralph Habib

Inhalt: Auf Grund einer Warnung des Kellners in seinem Lieblings-Lokal kann der regime-kritische Journalist Robert Golder (Peter van Eyck) knapp seiner Verhaftung durch die Gestapo entkommen, um kurz darauf trotzdem überwältigt und entführt zu werden. Verantwortlich dafür ist eine Widerstandsgruppe aus der Führungsebene der Wehrmacht, die ihn als Boten benötigt. Er soll einer Vertrauensperson im Vatikan die Pläne Hitlers für den Westfeldzug übermitteln, damit in den betroffenen Ländern Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. So soll eine weitere Eskalation des Krieges nach der Besetzung Polens verhindert werden und nach einer Absetzung Hitlers Friedensgespräche stattfinden.

Reichsführer SS Heinrich Himmler (Werner Peters) will das verhindern, kann aber den mit einem gefälschten Pass reisenden Golder nicht aufhalten, der unbeschadet nach Rom gelangt. Dort befindet sich eine Einsatztruppe der SS unter der Leitung von Hoffmann (Ernst Schröder), deren mörderisches Vorgehen aber argwöhnisch vom römischen Polizei-Präfekten (Gino Cervi) betrachtet wird. Deshalb sind sie gezwungen geschickt vorzugehen und setzen ihre beste Agentin (Dawn Addams) auf den Journalisten an…


"Geheimaktion schwarze Kapelle" erschien Ende der 50er Jahre in einer Phase, in der die Akzeptanz gegenüber Filmen, die sich mit der jüngeren Geschichte auseinandersetzten, stieg. Für Produzent Arthur Brauner bekanntes Terrain, aber der deutsch-italienisch-französischen Co-Produktion, die die PIDAX erstmals a23.12.2014 auf DVD herausbrachte, sind die Konzessionen deutlich anzumerken, die die Aufarbeitung des Nationalsozialismus damals noch erforderten.

Der erwähnte "Tatsachenbericht" über den Widerstand gegen Adolf Hitlers Kriegspläne verband unterschiedliche Aktionen zu einem Agenten-Stück mit Liebesaffäre, in dem keine reale Person außer dem Reichsführer SS Heinrich Himmler vorkam. Trotzdem hätte "Geheimaktion schwarze Kapelle" Anerkennung verdient gehabt, da sich der Film mit einem bis heute wenig bekannten Kapitel des Widerstands auseinandersetzte und gleichzeitig die veränderte Sozialisation Ende der 50er Jahre abbildete. (Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite). 



Schon Mitte der 50er Jahre waren Filme über den 1945 im KZ hingerichteten langjährigen Chef der deutschen "Abwehr" Wilhelm Canaris ("Canaris" (1954)) und das Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler in die Kinos gekommen - darunter der von Arthur Brauners CCC produzierte, mehrfach ausgezeichnete "Der 20.Juli" (1955) unter der Regie von Falk Harnack. "Geheimaktion schwarze Kapelle" berief sich auf ein weiteres Kapitel des Widerstands aus höchsten Kreisen der Wehrmacht. Der damalige Oberst und spätere Generalmajor Hans Oster hielt Kontakt zur obersten Heeresleitung und verriet Hitlers Pläne für den Westfeldzug an den niederländischen Militär-Attaché Bert Sas, um eine weitere Eskalation des Krieges nach der Besetzung Polens zu verhindern. Im Auftrag Osters und unter dem Schutz der „Abwehr“ versuchte parallel der Rechtsanwalt und Offizier der Wehrmacht Josef Müller - nach dem Krieg erster Vorsitzender der bayrischen CSU - über den Vatikan in Rom Kontakt zum britischen Botschafter aufzunehmen. Für den Fall, dass Hitler stürzt, sollte ein Friedensabkommen mit England vorbereitet werden.

Oster und viele seiner Mitstreiter wurden später von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt, aber ihr vergeblicher Versuch, die Nationalsozialisten aufzuhalten ist heute weit weniger bekannt als das Stauffenberg-Attentat. Noch unbekannter ist die deutsch-italienisch-französische Co-Produktion „Geheimaktion schwarze Kapelle“, obwohl Ende der 50er Jahre die Akzeptanz für eine kritische Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit stieg – Filme wie „Kriegsgericht“ (1959) mit Karlheinz Böhm oder Bernhard Wickis „Die Brücke“ (1959) erhielten hohe Anerkennung. Trotzdem galt die Thematik nach wie vor als heikel. Gut zu erkennen am Verhalten des Journalisten Robert Golder (Peter van Eyck), der die Geheim-Pläne für den Westfeldzug nur einem angesehenen Mitglied der Kirche überlassen will. Gebetsmühlenartig wiederholt er, kein Verräter am eigenen Volk sein zu wollen – ein Vorwurf, dem sich die Widerstandskämpfer noch in den 50er Jahren ausgesetzt sahen. Von Hans Oster sind die Worte überliefert:

„Man könnte nun sagen, dass ich ein Landesverräter sei, aber das bin ich in Wahrheit nicht. Ich halte mich für einen besseren Deutschen als all die anderen, die Hitler nachlaufen. Mein Plan ist und meine Pflicht sehe ich darin, Deutschland und damit die Welt von dieser Pest zu befreien.“ (Quelle: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Wikipedia)

Sieht man von dem geplanten Westfeldzug ab, unter dessen wiederholtem Aufschub durch Adolf Hitler die Glaubwürdigkeit des Widerstands litt, blieb im Film fast nichts von dieser realen Situation übrig. Autor Olaf Herfeldt hatte in seinem Roman die Übergabe der Angriffs-Pläne und den geheimen Treffpunkt in Rom zu einem Agenten-Thriller mit Liebesgeschichte vor pittoresker Kulisse kombiniert. Einzig der Reichsführer SS Heinrich Himmler (Werner Peters) als finsterer Strippenzieher im Hintergrund stand für die NS-Diktatur, seine Männer in Rom unter der Leitung von Hoffmann (Ernst Schröder) blieben dagegen austauschbare gedungene Mörder. Dieser weitgehende Verzicht auf ideologischen Ballast zeigte sich besonders bei den italienischen Protagonisten. Franco Fabrizi als aristokratischer Kontaktmann der Widerstandsgruppe mit schickem Cabriolet und Gino Cervi als römischer Polizeipräfekt walteten im Stil von Lebemännern. Zwar hing Benito Mussolinis Porträt im Polizei-Präsidium an der Wand, aber Erwähnung findet der „Duce“ im Film nicht. Im Gegenteil schien selbst der nach Gutdünken handelnde Präfekt schon im Widerstand gegen Nazi-Deutschland zu stehen.

Diese Konzession an die italienischen Co-Produzenten war möglicherweise ein Grund dafür, warum der Film in Deutschland wenig Reputation erfuhr, denn trotz der Freisprechung der obersten Heeresleitung von Schuld am kommenden Angriffs-Krieg – der Generaloberst (Werner Hinz) bleibt nach Beginn der West-Offensive gegen seine innere Überzeugung im Amt, um keinem Hitler-Gefolgsmann Platz zu machen – kamen die Bösewichte allein aus dem deutschen Lager. Dass die Hauptfigur souverän von Peter van Eyck verkörpert wurde, half nur bedingt, denn er legte seine Rolle gewohnt zwiespältig an: ein von den Ereignissen gebrochener, pessimistischer Charakter, der sich bedingungslos in die sexuell offensiv auftretende Tilla (Dawn Addams) verliebt, die als Agentin der SS auf ihn angesetzt wurde.

Zugunsten dieser Liebesgeschichte trat die ursprüngliche, mit dokumentarischen Aufnahmen über den Aufstieg Hitlers beginnende, politische Dimension des Films in den Hintergrund, auch weil der französische Regisseur Ralph Habib die Ereignisse in Rom im Stil der damaligen Gegenwart inszenierte. Nächtliche Partys, Strandleben in Ostia, die Nacktszene in der Umkleidekabine oder die gemeinsame Nacht in seinem Hotelzimmer – mit den späten 30er Jahren hatte das nur wenig zu tun. Betont wurde dieser Eindruck noch durch die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit der us-amerikanischen Schauspielerin Dawn Addams, deren Optik und ihr selbstbewusst, pragmatisches Auftreten einem modernen Frauenbild entsprachen. Addams, die als „Femme fatale“ kurz zuvor in „Die feuerrote Baronesse“ (1959) schon wenig aufregte, war mit ihrer reduzierten Erotik ideal besetzt, da sie trotz ihrer Rolle als Verführerin den moralisch geforderten Anstand wahrte – die notwendige Voraussetzung für die Akzeptanz des Liebespaars Golder/Tilla.

Trotzdem war diese Konstellation dem damaligen Publikum schwer zu vermitteln, wie am letzten Satz der Inhaltsangabe der „Filmbühne“ deutlich wird:

„Für Golder und Tilla bleibt nur noch die Hoffnung, das Glück ihrer Liebe in der Flucht nach Südamerika zu retten“ (Filmbühne Nr.5002, Beilage der Pidax-DVD)


Vielleicht wollte der Autor des Textes damit ein mögliches Happy-End konkretisieren, das die sonstigen historischen Umstände nicht hergaben, aber diesen Gefallen tat ihm der am Ende offen bleibende Film nicht. Für eine Aufarbeitung der realen Hintergründe des Widerstands gegen die Nationalsozialisten ist „Geheimaktion schwarze Kapelle“ historisch zu ungenau und zu unentschieden zwischen Polit-Thriller und Liebesgeschichte, aber als düsteres Zeitbild funktionierte er. Die desillusionierten Lebensentwürfe der beiden Protagonisten wiesen in ihrem Pessimismus schon in Richtung „Denn das Weib ist schwach…“ (1961), der ebenfalls auf Basis eines Drehbuchs von Hans Nicklisch entstand. Darin beschrieb er die Ernüchterung nach einem "Wirtschaftswunder"-Jahrzehnt mit großen sozialen Veränderungen – ein Einfluss der Gegenwart, Ende der 50er Jahre, der auch „Geheimaktion schwarze Kapelle“ anzumerken ist.

"Geheimaktion schwarze Kapelle" Deutschland, Italien, Frankreich 1959, Regie: Ralph Habib, Drehbuch: Hans Nicklisch, Olaf Herfeldt (Roman), Darsteller : Peter van Eyck, Dawn Addams, Werner Peters, Franco Fabrizi, Gino Cervi, Ernst Schröder, Werner Hinz, Laufzeit : 98 Minuten 

Sonntag, 14. September 2014

Die feuerrote Baronesse (1959) Rudolf Jugert

In Erinnerung an Joachim Fuchsberger, mit 87 Jahren gestorben am 11.09.2014 

Inhalt: Frühjahr 1944 - Bei einem Fliegerangriff auf Deutschland springt der englische Agent Tailor (Joachim Fuchsberger), dank seiner deutschen Mutter die Sprache perfekt beherrschend, heimlich in der Nähe Berlins ab, verletzt sich aber bei der Landung leicht an den Zähnen. Erwartet wird er von einem Mitglied einer Fronttheater-Gruppe, bei der er unerkannt unterkommen kann, um unauffällig in der Hauptstadt herauszufinden, wie weit die Entwicklung der Atombombe schon fortgeschritten ist.

Als Kontaktperson wurde ihm die Spionin Szaga de Bor (Dawn Addams) genannt, bekannt als Nachclub-Sängerin „Die feuerrote Baronesse“, die er in Berlin aufsucht. Obwohl sie ihm einen wichtigen Hinweis gibt, traut Tailor der frivolen Dame nicht, da zuletzt ein Agent enttarnt wurde. Um näheres über einen wenig überzeugenden Archäologen zu erfahren, der höchstwahrscheinlich zu dem Atomwaffen-Forscherteam gehört, begibt er sich in die Zahnarztpraxis von Professor Reimer (Hans Nielsen), seine Zahn-Verletzung nutzend. Dabei begegnet er der hübschen Zahnarzthelferin Juliane (Wera Frydtberg), mit der er anbandelt, obwohl er weiß, dass es sich um die Tochter des Oberst der Gestapo Urbaneck (Paul Dahlke) handelt, ahnt aber nicht, wie nah dieser ihm schon auf den Fersen ist…


Der Trench steht ihm schon gut
"Der Frosch mit der Maske" (1959) unter der Regie Harald Reinls startete nicht nur die Edgar-Wallace-Reihe, sondern gilt auch für seinen Hauptdarsteller Joachim Fuchsberger als Sprungbrett weg von den Musikkomödien und Heimatfilmen der 50er Jahre ("Mein Schatz ist aus Tirol", 1958), hin zu einem der führenden deutschen Kriminalfilm-Darsteller der 60er Jahre. Dass er gemeinsam mit Harald Reinl zuvor schon zwei Kriegsfilme drehte ("Die grünen Teufel von Monte Cassino" und "U47 - Kapitänleutnant Prien", 1958), die seinen kommenden Status als Action-Helden förderten, ist noch bekannt, vergessen hingegen ist die kurze Phase seiner Zusammenarbeit mit Regisseur Rudolf Jugert, mit dem er zwischen 1958 und 1960 drei Filme drehte.

Gehört "Eva küsst nur Direktoren" (1958) noch in die Kategorie leichter Komödien, leitete ihr Anfang 1959 und damit vor "Der Frosch mit der Maske" herausgekommener zweiter Film "Die feuerrote Baronesse" schon einen Imagewandel für Fuchsberger ein. Seine Rolle als englischer Agent Tailor, der in Nazi-Deutschland herauszufinden versucht, wie weit die Entwicklung einer Atom-Bombe fortgeschritten ist, bot Fuchsberger die Möglichkeit, sich sowohl als smarter Frauen-Typ, als auch als souveräner Held in den Vordergrund zu spielen – selbst die Gelegenheit, in Ruhe seine Pfeife zu rauchen, ließ er sich von den Nazi-Schergen nicht verderben, obwohl diese ihm besonders in der Person eines mit allen Klischees gewaschenen SS-Obersturmbannführer (von Werner Peters mit gewohnter Perfidität gespielt) zunehmend auf den Leib rücken.

Trotz der von Jugert eingefügten dokumentarischen Aufnahmen, beanspruchte der Film keine historische Authentizität, sondern ist reine Fantasie in der Schilderung eines Katz-und Maus-Spiels zwischen dem nach seinem Fallschirm-Absprung bei einer Fronttheater-Gruppe untergetauchten Tailor und Oberst Urbaneck (Paul Dahlke) von der Gestapo, der ihm schnell auf der Spur ist. Zwar ließ „Die feuerrote Baronesse“ in Tailors Liebesgeschichte mit Juliane Urbaneck (Wera Frydtberg), Tochter des Gestapo-Obersts, auch bitter-süße Momente zu, und spielte der angebliche Heldentod ihres gefallenen Bruders auf die Propaganda-Lüge um den Flieger-General Ernst Udet an – die am Ende entdeckte Wahrheit über den Tod seines Sohnes zerstört das Weltbild Urbanecks – aber eine kritische Haltung gegenüber der jüngeren Vergangenheit entfaltete der Film darüber hinaus nicht, sondern ordnete alles einer Spannungs-Schraube unter, deren stark kontrastierenden Schwarz-Weiß-Bilder und leicht verruchten Anspielungen nicht zufällig auf die Edgar-Wallace-Reihe hinwiesen.

Autor J.Joachim Bartsch, der die Agenten-Story erdachte, schrieb nicht nur die Drehbücher zu den zwei Reinl-Kriegsfilmen, sondern war auch an zwei frühen Wallace-Verfilmungen der Rialto-Film-Produktionsgesellschaft beteiligt (nach „Der Frosch mit der Maske“ noch "Die Bande des Schreckens", 1960), so dass von einer stilistischen Linie in Fuchsbergers Schaffen gesprochen werden kann, in der "Die feuerrote Baronesse" zwischen Kriegs- und Kriminal-Genre einen zentralen Platz einnahm. Zudem schrieb Bartsch auch das Drehbuch zu Jugerts kommender Kolportage über den Mord an der Edel-Prostituierten Rosemarie Nitribitt „Die Wahrheit über Rosemarie“ (1959), deren libertäres Sexualverhalten hier die Nachtclub-Sängerin Szaga de Bor (Dawn Addams) übernahm, deren rotes Haar für den Filmtitel verantwortlich war.

Ihre Gesangs-Nummer mit erotisch anzüglichem Inhalt erinnert schon an spätere Wallace-Gepflogenheiten, ebenso ihre zwielichtige Rolle als Kontaktperson für Tailor, der ihr nicht traut und sie für eine Doppelagentin hält. Zwar verdankt er ihr einen wichtigen Hinweis, der ihn zu dem Zahnarzt Professor Reimer (Hans Nielsen) führt, aber lieber fängt er etwas mit dessen hübscher Zahnarzthelferin an als mit der frivolen Szaga de Bor, die sich ihm unverhohlen anbietet (auch wenn Dawn Addams dafür etwas zu brav wirkt). Zudem treibt sie ihre Spielchen mit dem Obersturmbannführer, der ihr in verklemmter sexueller Abhängigkeit zu Willen ist. So bekannt diese Voraussetzungen klingen, gelang es Jugert, daraus eine klar strukturierte, schlüssige Handlung in atmosphärischen Bildern zu entwickeln, die mit überraschenden Pointen aufwarten kann. Zwar wies der von Joachim Fuchsberger verkörperte Typus schon deutliche Charakteristika seiner zukünftigen Rollen auf, aber in ihrer moralischen Sichtweise war „Die feuerrote Baronesse“ im Vergleich zu den Wallace-Filmen weniger konservativ.

"Die feuerrote Baronesse" Deutschland 1959, Regie: Rudolf Jugert, Drehbuch: J.Joachim Bartsch, Darsteller : Joachim Fuchsberger, Dawn Addams, Wera Frydtberg, Paul Dahlke, Hans Nielsen, Werner PetersLaufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rudolf Jugert: