Posts mit dem Label Harald Philipp werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Harald Philipp werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 4. Mai 2015

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit (1961) Harald Philipp

Inhalt: Staatsanwalts Dr. Robert Kessler (Peter van Eyck) hat keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten Dr. Werner Rüttgen (Claus Holm), dass dieser den Mord an seiner Frau begangen hatte, um frei für seine Geliebte Helga Dahms (Susanne Rüttger) sein zu können, mit der er schon längere Zeit ein Verhältnis hatte. Doch Kesslers Ansicht basiert allein auf Indizien, weshalb die überraschende Zeugenaussage von Laura Beaumont (Eva Bartok), die kurz vor dem Ende seines Plädoyers im Zuschauerraum auftaucht, seine Argumentation zum Fallen bringt. Sie gibt dem Angeklagten ein Alibi.

Die Verhandlung wird unterbrochen, um die neue Sachlage prüfen zu können, aber Kessler muss sich der Haltung des Generalstaatsanwalts (Alfred Balthoff) beugen, der die Freilassung des Angeklagten anordnet. Kessler glaubt der Zeugin nicht, da er sie von früher her kennt, aber mit dieser Ansicht steht er allein. Als kurz darauf, der Angeklagte ebenfalls an einem angeblichen Selbstmord stirbt – tatsächlich hatte der Täter die Tabletten ausgetauscht – und einen Brief hinterlässt, der den Staatsanwalt beschuldigt, er hätte ihn in den Tod getrieben, gerät Kessler noch mehr unter Druck. Auf eigene Faust beginnt er zu ermitteln und wird mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert…


"Unter Ausschluß der Öffentlichkeit" , der von der PIDAX am 23.12.2014 erstmals auf DVD veröffentlicht wurde, scheint aus der Reihe der Sozialdramen der späten 50er / frühen 60er Jahre heraus zu stechen, um die sich die PIDAX zuletzt umfangreich kümmerte, aber das täuscht. Zwar gehört der Film äußerlich dem Justiz-Thriller oder Kriminal-Genre an und reiht sich damit in die Mabuse- und Edgar-Wallace-Filme ein, die Anfang der 60er Jahre sehr populär waren, aber allein schon die Tatsache, dass der Film nicht annähernd über den Bekanntheitsgrad typischer Kriminalfilme dieser Zeit verfügt - unabhängig von deren Qualität - deutet eine weitere Ebene an. Wesentlich konsequenter als etwa in den Edgar-Wallace-Filmen kombinierte Regisseur Harald Philipp die Handlung mit den sozialen Veränderungen nach dem Krieg in Deutschland, speziell hinsichtlich des Wandels in der Sexualität.(Die grünen Links führen zur Amazon-Bestellseite). 








Ein unbekannter Strippenzieher im Hintergrund, Mord, Spionage, Prostitution - und mitten drin ein engagierter Staatsanwalt, der versucht dieses Geflecht aufzulösen und den wahren Täter zu ermitteln. "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" beginnt wie ein klassischer Gerichtsfilm mit dem Plädoyer des Staatsanwalts Dr. Robert Kessler (Peter van Eyck), ändert aber schnell seinen Charakter in Richtung Kriminalfilm, als die überraschende Zeugenaussage der schönen Laura Beaumont (Eva Bartok) den vermeintlichen Mörder (Claus Holm) entlastet. Kessler muss ihn gegen seine Überzeugungen laufen lassen, will dieses Ergebnis, dass schwer seiner Reputation schadet, aber nicht hinnehmen. Doch mit seinen erneuten Nachforschungen wird er einem international agierenden Verbrecher-Ring zunehmend lästig und gerät selbst in Lebensgefahr.

Als "Unter Ausschluß der Öffentlichkeit" im Oktober 1961 in die deutschen Kinos kam, stand die Premiere des achten Edgar Wallace-Streifens "Die seltsame Gräfin" (1961) kurz bevor und lag Peter von Eycks Auftritt in "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960) schon mehr als ein Jahr zurück. Dessen Fortsetzung "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (1961) sollte ebenfalls noch im Oktober erscheinen, allerdings ohne Van Eyck, der erst im fünften Teil („Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“, 1963) wieder mitspielte. Der Eindruck entsteht, Regisseur und Drehbuchautor Harald Philipp wollte, nachdem er im Jahr zuvor zwei Kriegsfilme gedreht hatte ("Strafbataillon 999" und „Division Brandenburg“, 1960), ebenfalls auf die Gruselkrimi-Karte setzen, die sich damals großer Beliebtheit erfreute. Doch im Gegensatz zu den Wallace- und Mabuse-Filmen, die trotz erheblicher Qualitätsunterschiede im Film-Gedächtnis blieben und bis in die heutige Gegenwart wiederholt vermarktet und im Fernsehen gezeigt wurden, erreichte „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ nie deren Popularität.

Anders als die erfolgreichen Krimi-Reihen, deren Stories nur wenig Berührung mit der Realität aufwiesen, blieb Harald Philipp, der wie sein Co-Autor Fred Ignor in den 50er Jahren im Schlagerfilm aktiv war, mit seiner Story in der Gegenwart der BRD verankert. Zwar klingt die Aussage eines Beobachters der Gerichtsszene zu Beginn, der Staatsanwalt hätte die Geschworenen schon auf seine Seite gebracht, nach anglizistisch geprägter Dramatik, aber offensichtlich war es noch nicht im kollektiven Gedächtnis angekommen, dass es in Deutschland seit 1924 keine Geschworenen mehr gab. Für besonders schwere Delikte ist bis heute das „Schwurgericht“ zuständig, das nur noch mit dem Namen daran erinnert, aber der „Großen Strafkammer“ entspricht, der neben den zwei Schöffen drei Berufsrichter angehören. Im Film ist das gut an der Besetzung der Richterbank zu erkennen, so wie sich Harald Philipp auch sonst an die juristischen Gepflogenheiten hielt. Sowohl die Rolle des Generalstaatsanwalts (Alfred Balthoff), der den ehrgeizigen Dr. Kessler in die Schranken weist, als auch des Strafverteidigers (Leon Askin) kommen ohne Polemik oder eine zugespitzte Konfrontation aus. Nachdem die Zeugenaussage den Angeklagten entlastet hatte, wurde er selbstverständlich aus der Haft entlassen.

Auch die Wallace-Krimis nutzten die in den 60er Jahren entstehenden Freiräume für sexuell offensivere Elemente, trennten gleichzeitig aber streng zwischen Gut und Böse und betonten das moralisch einwandfreie Verhalten des Helden und seines jeweiliges Love-Interests. In dieser Hinsicht ist „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ mutiger und direkter. Schon die Anspielung Dr. Kepplers auf die Teilnahme des verheirateten Konzern-Chefs Generaldirektor Delgasso (Rudolf Fernau) bei Partys einer Model-Agentur, ließ wenig an der tatsächlichen Aufgabe der Mannequins zweifeln. Die Nackt-Szene, in der der schwule Fotograf (Ralf Wolter) die Vorzüge der Mädchen ablichtet, hätte jedem frühen Erotik-Film zur Ehre gereicht. Besonders aber die Ausarbeitung der Dreieck-Konstellation zwischen Dr. Kessler, seiner Verlobten Ingrid Hansen (Marianne Koch) und der überraschend auftretenden Zeugin Laura Beaumont, lässt Harald Philipps ernsthaften Umgang mit den Veränderungen der Sozialisation nach dem Krieg erkennen.

Schnell stellt es sich heraus, dass der Staatsanwalt mit der schönen Französin vor Jahren eine Affäre hatte, die unglücklich für ihn endete. Seiner Verlobten hatte er davon nichts erzählt, weshalb diese zuerst eifersüchtig reagiert. Daraus hätte sich erneut die Mär vom angeblich untreuen Helden entwickeln lassen, der am Ende als Unschuldslamm die zukünftige Ehefrau in die Arme schließen darf. Stattdessen knistert es zwischen Kessler und der Schönen wieder gewaltig, als er versucht herauszubekommen, warum sie mit der geschickt platzierten Zeugenaussage seine Reputation beschädigen wollte. Zudem verfiel Phillip nicht in den gewohnten Reflex, eine sexuell offensive Frau einseitig als Luder zu diffamieren, sondern betrachtete sie mit Sympathie. Das gilt auch für Ingrid Hansen als optisch bravem Gegenpol, die nicht nur als Journalistin jederzeit selbstbewusst agiert, sondern auch als Verlobte ihre eigenen Schlüsse zieht. Peter van Eyck blieb gewohnt souverän innerhalb dieses Spannungsfelds, dessen Modernität den Film über die übliche Krimi-Ware dieser Zeit hinaus hob.

Dass „Unter Ausschluß der Öffentlichkeit“ das Zusammenspiel dieser differenziert angelegten Charaktere, zu denen auch der großartige Wolfgang Reichmann in einer Nebenrolle als seltsam undurchsichtiger Freund gehört, mit einer Story um Industrie-Spionage und Call-Girl-Ring verband, führte zu einer falschen Erwartungshaltung. Der Krimi-Plot kommt nie richtig in Schwung und der Hintergrund für die Spionage-Tätigkeit spielt keine wirkliche Rolle. Im Subtext verbirgt sich, worum es Regisseur Philipp tatsächlich ging – um Sexualität und den Wandel der Geschlechterrollen. Die Öffentlichkeit wird zu Beginn noch ausgeschlossen, als die Geliebte (Susanne Rüttger) über ihr Verhältnis zu dem Angeklagten vor Gericht aussagt, aber diese Maßnahme wirkt veraltet angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der hier Prostitution, Erotikaufnahmen und unehelicher Sex als Teil der bundesrepublikanischen Wirklichkeit dargestellt werden. Die Auflösung am Ende, um wen es sich bei dem „großen Unbekannten“ handelt, kann entsprechend Niemand mehr überraschen. Sie folgt nicht den Regeln eines Verbrechers, sondern eines in seinem Selbstbewusstsein erschütterten Mannes:

„Wie oft war ich schon unglücklich - mir laufen sie nicht hinterher wie dir!“


"Unter Ausschluß der Öffentlichkeit" Deutschland 1961, Regie: Harald Philipp, Drehbuch: Harald Philipp, Fred Ignor, Darsteller : Peter van Eyck, Eva Bartok, Marianne Koch, Claus Holm, Wolfgang Reichmann, Werner Peters, Leon Askin, Ralf Wolter, Rudolf FernauLaufzeit : 96 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Philipp:

Mittwoch, 27. März 2013

Strafbataillon 999 (1960) Harald Philipp


Inhalt: Während des 2.Weltkriegs genügten kleine Verfehlungen, um wegen Hochverrats oder Feigheit vor dem Feind angeklagt zu werden, in der Regel gefolgt von einem schnell vollzogenen Todesurteil. Doch als der Russland-Feldzug ins Stocken kam, benötigte die Wehrmacht jeden gesunden Mann, weshalb das Strafbataillon 999 ins Leben gerufen wurde, wo wegen geringer Verbrechen vorbestrafte Männer, Kommunisten oder Deserteure versammelt wurden, die zu sogenannten "Himmelsfahrtkommandos" ins Feld geschickt wurden.

Auch Ernst Deutschmann (Georg Thomas), ein Bakteriologe, wurde zum Dienst in dem Strafbataillon verurteilt, weil man ihm Selbstverstümmelung vorwarf, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Tatsächlich unternahm er einen Selbstversuch, um ein Serum zu entwickeln, aber er stand der SS im Wege, weshalb Dr.Kukil (Ernst Schröder), ein ehrgeiziges Parteimitglied, ein entsprechendes Gutachten verfasste. Im Lager trifft er auf weitere, ähnlich bestrafte Soldaten wie den ehemaligen Offizier Von Bartlitz (Werner Hessenland), der gegen den Befehl seiner Vorgesetzten gehandelt hatte, als er mit einem Rückzug das Leben seiner Soldaten rettete. Sie und die anderen verurteilten Kameraden geraten in die Fänge des Hauptfeldwebels Krüll (Werner Peters), der als Schleifer gefürchtet ist...


Als "Strafbataillon 999" 1960 in die deutschen Kinos kam, war das Urteil über den Film schon gesprochen. Die Geschichte basierte auf einem Roman des zwar sehr erfolgreichen, aber vom Feuilleton missachteten Vielschreibers Heinz G.Konsalik, dessen Werke zur Trivialliteratur gezählt werden - eine Einschätzung, die den Autor selbst nicht störte, da er sich seiner großen Leserschaft sicher sein konnte. Auf Grund dieses Erfolges war ein Jahr zuvor mit "Der Arzt von Stalingrad" erstmals einer seiner Romane verfilmt worden, aber diesmal schrieb Konsalik auch am Drehbuch, gemeinsam mit Wolfgang Menge, der bei der Fernsehserie "Stahlnetz" (ab 1958) schon ein gutes Händchen für kontroverse Stoffe bewiesen hatte.

Trotzdem wurde der Film nicht als seriöse Auseinandersetzung mit der Thematik begriffen, obwohl das "Strafbataillon 999" einen hohen Bekanntheitsgrad während des Krieges besaß und bis dahin noch keine historische Aufarbeitung erfahren hatte. Tatsächlich hatte es Konsalik mit der Realität nicht immer genau genommen, wie eine historische Studie Jahrzehnte später feststellen sollte. Er hatte die Situation übertrieben, indem er behauptete, die Männer wären ständig schikaniert und teilweise unbewaffnet an die Front geschickt worden, obwohl die Einheiten auch seriös befehligt wurden, und er hatte den Widerstands-Geist des Strafbataillons nicht erwähnt. Hitler musste die Division (die damals schon trotz ihrer Größe "Bataillon" genannt wurde) mehrfach verlegen oder zurückziehen lassen, da sie - von den politischen Häftlingen unterwandert - Angriffsstrategien verriet oder in großer Zahl zum Gegner überlief.

Zudem hatte Konsalik zur Identifikation einige edle Charaktere entworfen, die nicht nur aus fadenscheinigen Gründen verurteilt worden waren, sondern trotz dieser ungerechten Behandlung jederzeit mutig und fair - auch gegenüber ihrem Heimatland - blieben. Ähnlich wie in der "08/15" - Trilogie von 1954/55 machen zwar feige und sadistische Vorgesetzte den Soldaten das Leben schwer, aber Nazis gab es in der Wehrmacht offensichtlich keine. Einzig zu Beginn, als der Arzt Ernst Deutschmann (Georg Thomas) zu Unrecht wegen Selbstverstümmelung in Berlin verurteilt wird - er hatte im Selbstversuch ein von ihm entwickeltes Serum getestet - werden die Insignien der Machthaber sichtbar, während unter den Soldaten weder Hitlergruß, noch sonst irgendwelche Elogen an den "Führer" zu existieren scheinen.

Auch Sonja Ziemann, der einzige Star des Films, hatte - von kleinen Zugeständnissen an ein weibliches Publikum einmal abgesehen - vor allem die Funktion, den Unterschied zwischen den Schreibtischtätern in Berlin und den tapferen Kämpfern an der Front noch zu betonen. Julia Deutschmann (Sonja Ziemann) versucht die Verurteilung ihres Mannes wieder aufheben zu lassen und muss sich dabei mit dem windigen Arzt und Parteimitglied Dr. Kukill (Ernst Schröder), dessen Gutachten ausschlaggebend für das Urteil war, und dem zuständigen Standartenführer der SS auseinandersetzen. Doch während ihr Mann in Russland in Lebensgefahr gerät und Bomben über Berlin fallen, haben die Herren nur Augen für die schöne Julia, die sie mit eindeutigen Absichten bedrängen.

Der Vorwurf einer historisch ungenauen Darstellung und die Verharmlosung der Rolle der Wehrmacht ist gerechtfertigt, aber darüber hinaus macht "Strafbataillon 999" wenig falsch. So plakativ und mit einfachen Mitteln zuspitzend Konsalik vorgeht, so beeindruckend konkret ist der Film. Schon die ersten Szenen, die beispielhaft die Rigorosität zeigen, mit der die Männer zum Tode oder zum "Strafbataillon 999" verurteilt werden - letztlich gleichbedeutend mit einem Todesurteil - sind von schockierender Wirkung und beleuchten kritisch die unmenschliche Vorgehensweise der Gesetzesvertreter. Auch die Offiziere im Strafbataillon halten sich nicht zurück in ihrer Verachtung für die "Verbrecher", die in ihrer Einheit Dienst schieben müssen, und haben keine Probleme damit, sie in Todeskommandos zu verheizen - Nachschub steht ja genügend zur Verfügung.

Zwar gibt es mit Oberleutnant Obermaier (Heinz Weiss) eine menschlich anständige Ausnahme, aber dem gegenüber steht mit Hauptfeldwebel Krüll (Werner Peters) ein kleingeistiger Feigling, der als sadistischer Schleifer die Soldaten schikaniert. Entscheidend für die Wirkung des Films und seine für die Entstehungzeit Ende der 50er Jahre erstaunlich kritische Haltung, ist nicht diese vertraute Konstellation, sondern das der Film keine Konzessionen an die damaligen (und heutigen) Publikumserwartungen macht. Die langen Kriegshandlungen zum Ende des Films verdeutlichen nur die ausweglose Situation, in die die Soldaten geschickt wurden, und vermitteln keine heroischen Gefühle. Im Gegenteil verhöhnt das konsequente Ende jeden anständigen Gestus und lässt keinen Zweifel an einem Menschen verachtenden System.

"Strafbataillon 999" Deutschland 1960, Regie: Harald Phillip, Drehbuch: Wolfgang Menge, Harald Philip, Heinz G.Konsalik (Roman), Darsteller : Sonja Ziemann, Werner Peters, Georg Thomas, Ernst Schröder, Heinz Weiss, Laufzeit : 104 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Harald Philipp: