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Sonntag, 10. August 2014

Holiday in St.Tropez (1964) Ernst Hofbauer

Inhalt: Das Hotelier-Ehepaar Marisa (Elma Karlowa) und Carlos Fonti (Kurt Großkurth) schaut verdutzt, als die Handwerker sich aus dem Staub machen und sie mit einem unbewohnbaren Kasten am Mittelmeer zurücklassen, für den ihre Nichte Vivi (Vivi Bach) schon Kunden anwirbt. Ihr Freund Theo Reich (Gerd Vespermann) betreibt ein Reisebüro und bereitet sich schon darauf vor, mit einer großen Zahl Gäste demnächst ins Hotel zu ziehen, um dort die Sommerferien zu verbringen. Parallel haben zwei junge Frauen eigene Pläne. Die 18jährige Carola (Margitta Scherr) büxt aus, um ihren Eltern einen Schrecken einzujagen, weil sie nur an ihre Geschäfte denken, und Heidi Kirschmann (Ann Smyrner), eine einfache Angestellte ihres Vaters (Rudolf Prack), staffiert sich als reiche Frau auf der Suche nach einem ebenso vermögenden Herrn aus.

Sie alle begegnen sich am Mittelmeer wieder – teils per Schiff, teils auf vier Rädern angereist – und werden mit dem unfertigen Hotelbau konfrontiert. Doch kein Problem. Theo Reich kauft von seinem letzten Geld ein paar Zelte und die Sommerfrische kann bei Gesang, Spaß und Liebeleien beginnen…




Für Ernst Hofbauer stand "Holiday in St.Tropez" am Beginn seiner Karriere als Regisseur - sein erster Film "Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X" (1964) erschien erst kurz zuvor im Kino - das Metier des Schlagerfilms befand sich dagegen am Ende einer langen Erfolgsgeschichte. Im Gegensatz zum Heimatfilm, dessen Gesangsnummern mehr den folkloristisch-heimatlichen Charakter betonen sollten, und als kultureller Gegenentwurf zu den beliebten Operetten-Filmen kamen die Schlagerfilme dem Bedürfnis entgegen, aktuelle Stars mit ihren Hits nicht nur hören, sondern auch in Aktion sehen zu können. Schon einer der ersten dieser Hitparaden-Vorläufer mit dem bezeichnenden Titel "Schlagerparade" (1953) schuf die Grundstruktur, an der sich die Nachfolger orientierten. Eine belanglos-komödiantische Story gab den Hintergrund für die Integrierung einer möglichst großen Anzahl an Musiknummern, vorgetragen von verschiedenen beliebten Interpreten.

Im Gegensatz zum Heimatfilm bedienten die Schlagerfilme früh die Sehnsucht nach fernen Ländern. Stars wie Vico Torriani ("Straßenserenade" (1953)) oder Caterina Valente ("Große Star-Parade" (1954)) verbreiteten gemäßigtes internationales Flair und drehten Mitte der 50er Jahre eine Vielzahl ähnlich angelegter Filme. Auch deutsche Sänger wie Peter Alexander ("Liebe, Tanz und tausend Schlager" (1955)) oder Conny Froboess ("Der lachende Vagabund" (1958)) starteten auf diese Weise ihre Film- und späteren Fernseh-Karrieren, ebenso wie die Dänin Vivi Bach, die erst spät zum Musikfilm-Genre ("Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1960)) stieß, als die Konkurrenz des Fernsehens zunahm, das schneller auf Hitparadenerfolge und aktuelle Musikrichtungen reagieren konnte. Trotzdem kam Bach, die in Deutschland den Ruf einer „dänischen Bardot“ genoss, in der ersten Hälfte der 60er Jahre noch zu einigen Auftritten und erfüllte auch in Ernst Hofbauers zwei Schlagerfilmen – im Jahr darauf folgte noch „Tausend Takte Übermut“ (1965), ebenfalls nach einem Drehbuch Hans Billians – die Erwartungshaltung der Zuschauer als blond strahlender Mittelpunkt.

An „Holiday in St.Tropez“ lassen sich zwei aktuelle Strömungen der frühen 60er Jahre ablesen, auf die Hofbauer in seinen späten Genre-Vertretern geschickt reagierte - der zunehmende anglo-amerikanische Einfluss auf die Musikbranche und die Reiselust der Deutschen, die in den Sommerferien in Scharen über die Alpen gen Mittelmeer fuhren. Denn Hofbauer war kein Anfänger, hatte als Regie-Assistent von Franz Marischka schon früh Erfahrung bei „Liebe, Sommer und Musik“ (1956) gesammelt und dessen „Schlagerparade 1961“ (1961) für eigene Kontakte genutzt. Mit Vivi Bach, Gus Backus, Billy Mo sowie Rex Gildo beim Nachfolgefilm „Tausend Takte Übermut“ verpflichtete er vier der Hauptakteure für seine eigenen Filme, gab dazu der 15jährigen US-Amerikanerin Peggy March, die nach einem Nummer 1 Hit in den USA („I will follow him“) in den deutschen Markt einsteigen wollte, eine Chance und reagierte auf die Erfolge des englischen Jazz-Klarinettisten Acker Bilk, der Anfang der 60er Jahre zwei veritable Instrumental-Hits („Le petite fleur“) verzeichnen konnte. Auch Manfred Schnelldorfer, erst im Winter zuvor Olympiasieger im Eiskunstlauf geworden, durfte erstmals unter Hofbauer seine Fähigkeiten als Schlagersänger beweisen – eine damals beliebte Form, sportliche Erfolge zu vermarkten.

Neben diesen Stars gehörten auch die obligatorischen „Hupfdohlen“ zum Ensemble, hier als züchtige Internatsschülerinnen unter einer gestrengen Gouvernante (Alice Treff) auftretend, die aber jede Gelegenheit zu leichter Bekleidung nutzten, um zu beat-ähnlichen Rhythmen das Tanzbein zu schwingen. Wie Hofbauer und Billian das unter einen Hut bringen wollten? – In dem sie es nicht so genau nahmen. So wurde die jugoslawische Adria-Küste, vor deren felsiger Kulisse die Handlung gedreht wurde, kurzerhand nach Italien versetzt, um das gewohnte Amore- und Cinzano-Feeling zu verbreiten, was aber auch einen französischen Polizisten nicht davon abhielt, an den jugoslawischen Gestaden Streife zu laufen. Von St.Tropez ist im Film absolut nichts zu sehen, aber im Titel machte sich der berühmte Badeort definitiv gut. Konkret findet Deutschland zwar nur zu Beginn und größtenteils in einem Reisebüro statt, dessen umtriebiger Chef Theo Reich (Gerd Vespermann) Reisen in ein mondänes (italienisches) Hotel vermittelt, das sich dann vor Ort als unbewohnbare Bruchbude erweist, aber deutsch ist im Film letztlich alles – die mit Akzent vorgetragenen Liedtexte, die Camper-Mentalität (sämtliche geprellten Urlauber geben sich mit der Unterbringung in Zelten zufrieden), die Witze und die Vorurteile.

Schon in der ersten Szene, wenn die italienischen Bauarbeiter die beiden Hotel-Besitzer im Stich lassen, um als Gastarbeiter in Deutschland „richtig Geld“ zu verdienen, bediente gängige Klischees, die vor allem in der Story um Heidi Kirschmann (Ann Smyrner) die schönsten Blüten trieben. Nicht nur das die attraktive Heidi plant, sich einen Millionär zu angeln, indem sie sich ein Mercedes-Cabriolet leiht und sich optisch entsprechend aufbretzelt, um ihr Verkäuferinnen-Image loszuwerden, auch der italienische Lover ist natürlich nicht weit, bei dem es sich folgerichtig nur um einen Hochstapler handeln kann. Bestraft wird die gute Heidi für ihr egoistisches Ansinnen nicht - zumindest nicht nach den Regeln zeitgenössischer Komödien. Sie landet im Ehehafen beim braven Reisebüro-Besitzer, womit alles seine schönste Ordnung hat. Aber was kann man von einem Filmstoff anderes erwarten, bei dem die 18jährige Tochter Carola (Margitta Scherr) aus reicher BRD-Wirtschaftswunder-Familie abhaut und auf „Gammler“ macht, um endlich einmal gemeinsam mit ihren vielbeschäftigten Business-Eltern (Mady Rahl und Rudolf Prack) Urlaub machen zu können?

Trotz dieser kleinbürgerlichen Avancen und dem konsequenten Ausspielen altbackener Witze, überrascht das muntere Treiben, dass Hofbauer jederzeit unterhaltsam und ohne allzu große Peinlichkeiten vor dem Zuschauer ausbreitete und das viel von den sozialen Veränderungen in dieser Zeit verriet. Besonders aus dem Kindermund der zwei frechen Gören, deren Jargon sich von heutigen Heranwachsenden nur rudimentär unterscheidet, lässt sich heraushören, dass die Zeiten nicht mehr zurückgedreht werden konnten, auch wenn das multiple Happy-End noch Ordnung vorgaukeln wollte. Wirklich ernst nahmen die Macher die Chose sowieso nicht und befriedigten die Erwartungshaltung mit Mittelmeer-Länder-Mix, Kleinkunst-Potpourri und einen Gag-Dichte, die Fehlschüsse verzieh.

"Holiday in St.Tropez" Deutschland 1964, Regie: Ernst Hofbauer, Drehbuch: Hans Billian, Max Rottmann, Darsteller : Vivi Bach, Gerd Vespermann, Ann Smyrner, Rudolf Prack, Mady Rahl, Gus Backus, Edith Hancke, Hannelore Auer, Margitta ScherrLaufzeit : 84 Minuten

Abendlicher Eröffnungsfilm beim 13. Hofbauer-Kongress zu Nürnberg vom 24. bis 28.07.2014

weitere im Blog besprochene Filme von Ernst Hofbauer:

"Tausend Takte Übermut" (1965)
"Schwarzer Markt der Liebe" (1966)
"Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970)

Donnerstag, 5. September 2013

Wenn abends die Heide träumt (1952) Paul Martin

Inhalt: Seit ihrer gemeinsamen Zeit als Kampfflieger im 2.Weltkrieg sind Peter (Rudolf Prack) und Karl (Victor Staal) unzertrennliche Freunde. Da sie nichts anderes gelernt haben, als mit Fliegerbomben umzugehen, arbeiten sie als Sprengmeister und entschärfen die vielen nicht explodierten Bomben, die täglich bei Bau- und Aufräumarbeiten gefunden werden. Ein so gefährlicher, wie gut bezahlter Job, weshalb Peter meist Ablenkung bei Glücksspiel und Alkohol sucht und davon träumt, dass sie irgendwann wieder fliegen dürfen.

Sein Freund Karl möchte dagegen endlich seine langjährige Verlobte Helga (Margot Trooger) heiraten, die in seinem in der Lüneburger Heide gelegenen Heimatort lebt. Gemeinsam haben sie sich ein paar Tage frei genommen, um Karls Mutter (Margarete Haagen) zu besuchen, aber auch damit Peter endlich die Verlobte seines Freundes kennenlernt – eine Begegnung, die Alles verändern wird…


Paul Martin war ein aus Österreich-Ungarn stammender Regisseur, der gleich zu Beginn seiner Film-Karriere an zwei Klassikern des frühen deutschen Tonfilms mitwirkte - bei "Bomben auf Monte Carlo" (1931) mit Hans Albers und Heinz Rühmann, sowie "Der Kongress tanzt" (1931) mit Willy Fritsch und Lilian Harvey. Mit der damals sehr populären Harvey verbanden Martin bald mehr als nur kollegiale Gefühle, weshalb es nicht überrascht, dass er in einem ihrer nächsten Filme  "Ein blonder Traum" (1932) erstmals für die Regie verantwortlich war. Bis zu ihrer Trennung 1938 arbeitete er fast ausschließlich mit Lilian Harvey zusammen, mit der er 1936 mit "Glückskinder" einen weiteren großen Erfolg feierte. Paul Martin inszenierte vor allem leichte Komödien und Musikfilme (unter anderen mit Zarah Leander "Das Lied der Wüste" (1939)), eine Vorliebe, die er auch nach dem Krieg mit Filmen wie "Du bist Musik"(1956) mit Catarina Valente oder "Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens" (1966) mit Peter Alexander fortsetzte.

Obwohl er bei 63 Produktionen Regie führte, ist Paul Martin inzwischen in Vergessenheit geraten, was folgerichtig noch mehr für einen seiner wenigen dramatischen Filme gilt, den er in der Nachkriegszeit drehte. Zudem kam der Schwarz-Weiß-Film mit dem klingenden Namen "Wenn abends die Heide träumt" in die Kinos, der sich damit namentlich an den erfolgreichen Heimatfilm "Grün ist die Heide" (1951) anhängte, womit er ein Stigma erhielt, dass er nicht mehr ablegen konnte. Selbst die bisher einzige Video-Veröffentlichung des Films in den 80er Jahren weist ihn als reinen "Heimatfilm" aus, obwohl er nur wenige der Genre-Kriterien erfüllte. Schon das der Film in Schwarz-Weiß gedreht wurde, widerspricht dem Versprechen einer "träumenden Heide", die nur als schemenhafter Hintergrund erkennbar wird. Zwar gibt es mit dem Bürgermeister-Ehepaar Knauer (Albert Florath und Fita Benkhoff) auch zwei komische Figuren, aber auf die üblichen folkloristischen Einlagen verzichtete der Film fast vollständig. Sogar Beppo Brem ist hier in einer seiner wenigen ernsten Rolle zu sehen, auch wenn sein bayrisches Gemüt ständig mit ihm durchgeht.

Neben dem Hintergrund der Lüneburger Heide weist "Wenn abends die Heide träumt" noch eine weitere wichtige Parallele zu "Grün ist die Heide" auf, denn Rudolf Prack, einer der großen Stars des deutschen Nachkriegskinos, spielte auch hier die männliche Hauptrolle. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten, denn Prack verkörperte keinen Förster ("Grün ist die Heide") oder Künstler ("Schwarzwaldmädel" (1950)), sondern den Sprengmeister Peter Gelius, der sein Geld mit dem Entschärfen von so genannten "Blindgängern" - nicht explodierten Fliegerbomben - verdient. Zudem stand ihm mit Victor Staal als seinem besten Freund und Kollegen Karl Odewig ein populärer männlicher Darsteller zur Seite, der ein emotionales Gleichgewicht zu Prack herstellte, womit die üblichen eindeutigen Identifikationen vermieden wurden und Martin, der auch für das Drehbuch verantwortlich war, Mut zur Komplexität bewies.

Allein die ausführliche Schilderung der Bombenentschärfungen inmitten der Ruinen, begleitet von Polizeiabsperrungen, Evakuierungen und Sirenen-Alarm, widersprachen in ihrer an den Krieg erinnernden Realität den Heimatfilm-Regeln und verfügen heute noch über einen erstaunlich authentischen Charakter, wie er im deutschen Nachkriegsfilm selten zu sehen war. Die damit verbundenen Gefahren wirken zwar herunter gespielt, wenn Karl Odewig (Victor Staal) und Peter Gelius (Rudolf Prack), lässig mit Zigarette im Mundwinkel an den Zündern hantieren, aber die Todesgefahr bleibt trotz des vorherrschenden Galgenhumors gegenwärtig. Besonders Prack kann hier einmal gegen sein sonstiges Saubermann-Image anspielen, hat immer einen Flachmann dabei und vertreibt sich seine Zeit am liebsten beim Glücksspiel. Er macht auch kein Geheimnis daraus, dass er die gefährliche Arbeit wegen der guten Bezahlung nur ungern aufgeben möchte.

Genau darum bittet ihn Karls Mutter (Margarete Haagen), die finanziell dazu beitragen möchte, dass sich die beiden Männer mit einer Tankstelle und KFZ-Werkstatt selbstständig machen können, um nicht weiter ihr Leben riskieren zu müssen. Für Karl wäre das eine wichtige Entscheidung, da er bald heiraten möchte, aber seiner Mutter ist bewusst, dass er diese nur gemeinsam mit seinem Freund treffen wird. Doch da ist noch Helga (Margot Trooger), Karls Verlobte, der Peter Gelius das erste Mal begegnet, wodurch sich die bisherigen Beziehungsebenen verschieben. Margot Trooger hatte zwar in ihrem ersten Film "Lockende Sterne" (1952) schon einmal an der Seite Pracks gespielt, aber nach "Wenn abends die Heide träumt" wurde sie in keinem der typischen Unterhaltungsfilme der 50er Jahre mehr besetzt. An Schönheit konnte sie es problemlos mit Sonja Ziemann und Co. aufnehmen, aber ihr Typus war zu individuell - nicht ohne Grund ist sie heute vor allem durch ihre Rolle als Fräulein Prysselius in "Pippi Langstrumpf" (1969) bekannt - was dem Film sehr zu Gute kam.

Es ist zudem nur schwer vorstellbar, dass Sonja Ziemann, die mit Prack das damalige Filmtraumpaar verkörperte, die Rolle der Helga gespielt hätte, die gegen die damaligen moralischen Anstandsregeln verstieß. Nicht nur, dass sie sich als Verlobte von Karl in dessen besten Freund verliebt, sie verbringt auch eine Nacht mit ihm. Die daraus folgenden Konsequenzen beschreiten nie den verlogenen Weg, wie er im deutschen Film dieser Zeit üblich war. Als Helga die Verlobung mit Karl konsequenterweise lösen will, relativieren sowohl ihre Mutter, als auch ihre zukünftige Schwiegermutter ihr Verhalten als normal und undramatisch - Moralpredigten gibt es hier keine. Selbst Karl, dem sie beichtet, dass sie mit einem anderen Mann zusammen war, reagiert zwar traurig, aber keineswegs vorwurfsvoll. Allerdings ahnt noch Niemand, dass es sich bei ihrem Geliebten um Peter handelt, der für alle unerklärlich plötzlich nach Argentinien auswandern will. Nur Helga hatte er zuvor deutlich gemacht, dass er seinem Freund auf keinen Fall die Frau wegnehmen will.

Das Lexikon des internationalen Films schrieb:  „Ein seichter Unterhaltungsfilm um Liebe, Freundschaft und Berufsethos, der eine Vertiefung seiner Problematik erfolgreich vermeidet“ - ein Kritikpunkt, der auch auf die meisten heutigen Filme zuträfe, hier aber - im Zeitkontext betrachtet - nicht gerechtfertigt ist. Der von Paul Martin geschickt aufgebaute Konflikt ließe sich auch durch eine tiefer gehende Betrachtung nicht lösen, denn der frühere Zustand kann nicht wieder hergestellt werden - ein Bruch zwischen den alten Freunden wäre unvermeidbar. In oberflächlichen Dramen oder Komödien wird meist eine neue Partnerin für den zuvor Geschmähten aus dem Hut gezaubert, als ob das den Vertrauensverlust ungeschehen macht, aber Martin konzentriert sich hier ganz auf die Männerbeziehung, die er am Ende publikumswirksam idealisiert, um die Konsequenz einer harten Entscheidung zu vermeiden.

Diese Konzession an das Publikum lässt nicht übersehen, dass "Wenn abends die Heide träumt" der Realität sehr viel näher kam, als es im deutschen Unterhaltungsfilm der 50er Jahre üblich war. Auch wenn über die Diktatur kein Wort verloren wird, ist der Krieg hier noch gegenwärtig. Die Bombenentschärfer bei ihrer Arbeit und die Bilder grauer Städte, die von der Polizei evakuiert werden, um die Bomben vorsichtig über menschenleere Straßen transportieren zu können, prägen sich ebenso ein, wie Menschen, die nicht nach den Anstandsregeln leben, die gerade im Heimatfilm der 50er Jahre propagiert wurden. "Wenn abends die Heide träumt" erzählte eine Geschichte aus Deutschland und verstand sich als Unterhaltungsfilm, aber er vermittelte auch eine Ahnung vom wirklichen Leben in dieser Zeit. Nicht erstaunlich, dass er heute nahezu unbekannt ist - im Gegensatz zu dem deutlich schwächeren, aber viel erfolgreicheren "echten" Heimatfilm "Am Brunnen vor dem Tore" , der im selben Jahr herauskam.

"Wenn abends die Heide träumt" Deutschland 1952, Regie: Paul Martin, Drehbuch: Paul Martin, Juliane Kay, Tibor Yost, Darsteller : Rudolf Prack, Victor Staal, Margot Trooger, Margarete Haagen, Fita Benkhoff, Beppo Brem, Albert FlorathLaufzeit : 98 Minuten 

Freitag, 29. März 2013

Krambambuli (1940) Karl Köstlin


Inhalt: Der herumziehende Gelegenheitsarbeiter Thomas Werndl (Rudolf Prack) entdeckt zufällig einen jungen Hund, der weggelaufen war, und nimmt ihn mit sich. Weil dieser so begeistert an seinem Glas riecht, nennt er ihn "Krambambuli", nach dem Wacholderschnaps, den er zuvor daraus getrunken hatte. Schon kurz darauf will ihm ein Wirt Krambambuli abkaufen, aber als Werndl darauf den Hund ansieht, entscheidet er sich gegen einen Verkauf.

Ein Jahr später sind Krambambuli und er ein eingespieltes Duo, was auch daran deutlich wird, dass der Hund für Beide die Nahrung stiehlt. Als er dabei von Anna (Viktoria von Ballasko) ertappt wird, entschließt sich Werndl spontan an deren Hof eine Arbeit als Knecht anzunehmen. Allerdings hat ihre Mutter (Elise Aulinger) hier das Sagen, die ihn zwar einstellt, aber nicht gerne sieht, wie er mit Anna herumturtelt. Diese soll nämlich den Jäger Barthel Raunegger (Sepp Rist) heiraten...


Marie von Ebner-Eschenbachs 1883 erschienene Novelle "Krambambuli" bot sich für diverse Interpretationen geradezu an, denn ihre Geschichte über eine bedingungslose Treue, ließ sich mit wenigen Veränderungen ideologisch nutzen. Entscheidend dafür ist die Gewichtung unter den einzelnen Parteien, die unterschiedliche Charaktere und damit gesellschaftliche Haltungen repräsentieren.

Bei Ebner-Eschenbach steht die Figur des Jägers im Mittelpunkt, der einem Landstreicher einen Hund für 12 Flaschen Wacholderschnaps der Marke "Krambambuli" abkauft, wodurch der Hund erst seinen Namen erhält. Die Beziehung zwischen Hund und Jäger erfährt eine Vielzahl von Beanspruchungen - erst der harte, disziplinierte Erziehungsprozess bis der Hund sich dem Jäger unterordnet, dann die Wegnahme durch die Gräfin, die den Hund für ihren Mann beansprucht, die Rückkehr von Krambambuli zu dem Jäger, nachdem er beim Grafen jedes Futter verweigerte, bis zum Duell des Jägers mit dem wildernden Landstreicher. Krambambuli - zwischen beiden Männern hin und her gerissen – entscheidet sich wieder für seinen früheren Herrn, obwohl dieser ihn für Schnaps verkauft hatte.

Ebner-Eschenbach betonte damit eine Entscheidung, die schwer nachvollziehbar ist. Liebe und Treue sind bedingungslos, so die Aussage, mit der Ebner-Eschenbach den eigenen, frühen Verlust ihrer Mutter verarbeitete. Selbst die liebevollste Stiefmutter konnte später nicht mehr dieselbe instinktive Nähe herstellen. Nachdem Krambambuli bei dem erschossenen Wilderer verweilt, lässt der Jäger enttäuscht von ihm ab - eine Entscheidung, die er gegen seine eigenen Gefühle fällt. Später, nach langen Irrwegen, stirbt Krambambuli auf seiner Türschwelle, bevor ihn der Jäger, der ihn inzwischen zu finden versuchte, retten kann. Bei Ebner-Eschenbach gibt es am Ende nur Verlierer.

Über diese Konsequenz verfügt keine der Verfilmungen, weshalb es überrascht, dass die erste, während der Zeit des Nationalsozialismus 1940 entstandene Filmversion, nicht nur dem literarischen Original noch am nächsten kommt, sondern die hier vorgenommenen Veränderungen stilbildend für die späteren Verfilmungen blieben. Der entscheidende Unterschied liegt in der Gewichtung des Landstreichers, die bei Ebner-Eschenbach bewusst funktional, ohne tiefere emotionale Ausarbeitung, angelegt war. Durch die starke Diskrepanz – hier der zwar strenge, aber sehr liebevolle und anständige Charakter des Jägers, dort der Landstreicher und Wilderer, der seinen Hund für Alkohol verkauft – entsteht erst der tiefe Eindruck einer Treue, die über den von Menschen ersonnenen Regeln von Recht und Moral steht. Diesem Konzept unterwarf sich keine der Verfilmungen, die im Gegenteil jeweils betonten, welch inniges Verhältnis der Landstreicher zu seinem Hund entwickelte.

Entsprechend vermittelt der Beginn  in „Krambambuli“ das Gegenteil von Ebner- Eschenbachs Intention. Nachdem Thomas Werndl (Rudolf Prack) sich des jungen Hundes angenommen hatte, den er jaulend auf der Straße antraf, geht er mit ihm hungrig in ein Wirtshaus, ohne über Geldmittel zu verfügen. Nachdem er sich zuvor schon heimlich eine Wurst eingesteckt hatte, nutzt er das Interesse des Wirtes an dem Hund, um noch weiteres Essen abzustauben. Der Wirt bietet ihm fünf Gulden für „Krambambuli“ – wie ihn Werndl kurz vorher taufte, nachdem er an dessen Schnapsglas leckte – lässt sich sogar auf sechs Gulden hoch handeln, aber Werndl schlägt das Geschäft nach einem Blick in das Gesicht des Hundes aus, obwohl das Geld für ihn ein Vermögen wäre. Der Film greift damit das Motiv des Verkaufs zwar auf, wandelt aber die Sympathien zugunsten des Landstreichers und Gelegenheitsarbeiters.

Die zweite stilbildende Veränderung betrifft die Rolle des weiblichen Geschlechts. Anders als in Ebner-Eschenbachs Novelle, in der die Frauen nur eine Nebenrolle spielen, wird der Konflikt zwischen Jäger und Landstreicher noch dadurch zugespitzt, dass sie um dieselbe Frau werben. Thomas Werndl lernt Anna (Viktoria von Ballasko) kennen, als diese seinen Hund dabei ertappt, wie er eine Wurst stiehlt. Spontan bewirbt er sich um eine Stelle als Knecht auf dem Bauernhof, die er auch von Annas Mutter (Elise Aulinger) erhält. Diese sieht es allerdings nicht gern, das Thomas um Anna wirbt, denn sie hat ihre Tochter dem Jäger (Sepp Rist) versprochen, der im Gegensatz zu dem Vagabunden eine anständige Partie darstellt. Im Gegensatz zu der späteren Verfilmung der Novelle („Heimatland“ 1955), begeht „Krambambuli“ noch nicht den Fehler, die Rolle des Hundes zugunsten der Auseinandersetzung um die Frau zu vernachlässigen. Zu einer echten Konfrontation wegen Anna kommt es nicht, da sie frühzeitig eine klare Entscheidung fällt, und die Männer nur zu Gegenspielern unter unglücklichen Umständen werden.

Bemerkenswert ist, dass die Figur des Gelegenheitsarbeiters 1940 nicht dafür genutzt wurde, ihn als Störenfried einer bürgerlichen Gesellschaft heraus zu stellen wie es in der Nachkriegszeit in „Heimatland“ geschah. Rudolf Prack, der in beiden Filmen mitwirkte, wurde in den 50er Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Popularität, als Jäger besetzt, während er hier noch den Vagabunden spielte, der zwar ein Außenseiter bleibt, aber dessen Werdegang als Verkettung tragischer Ereignisse dargestellt wurde. Ähnliches, nur mit umgekehrten Vorzeichen, lässt sich auch über seinen Gegenspieler, den Jäger, feststellen. Kein böses Wort über den Nebenbuhler hört man von ihm, auch nicht gegenüber Anna, deren kurze Irritation er akzeptiert. Doch anders als in der literarischen Vorlage, in der der Hund eine sofortige Anziehungskraft auf den Jäger ausübte, kümmert er sich erst um diesen, nachdem ihn Anna in ihre Obhut bekam, da der Vagabund ins Gefängnis musste. Dieses Motiv, das bei Ebner-Eschenbach nicht vorkommt, blieb später auch in „Heimatland“ erhalten, um so den Charakter einer höheren Gewalt zu betonen, durch den es zur Trennung zwischen Krambambuli und seinem Herrn kommt. Ebner-Eschenbachs Intention einer nicht nachvollziehbaren Treue des Hundes zu seinem Herrn wurde damit unterlaufen.

Die negative Rolle obliegt stattdessen dem weiblichen Geschlecht. Besonders Annas Mutter als diktatorische Bäuerin, die auch ihren sympathischen Bruder unterdrückt, erfüllte das Klischee einer herrischen Alten, die einem braven Kerl die Luft zum Atmen nicht gönnt. Entsprechend gestaltet sich auch die Szene, die zum Bruch zwischen Anna und Thomas und damit letztlich zu dessen Niedergang führt. Während Mutter und Tochter am Sonntag zur Kirche gehen, nutzen der Onkel und Thomas den friedlichen Moment, um gemeinsam ein Glas Most zu trinken, den die Bäuerin ausnahmsweise aus dem Keller holen ließ. Vom ungewohnten Glück berauscht, trinken die Männer ein Glas nach dem anderen und werden entsprechend angetrunken angetroffen. Dass dieser harmlose Moment den Anlass für die Bäuerin bietet, Thomas vom Hof zu weisen, macht deutlich, wer hier als Auslöser für dessen Unglück angesehen werden sollte.

Diese Geschlechterrollen verweisen am ehesten auf den Entstehungszeitraum während der Zeit des Nationalsozialismus. Sämtliche männliche Rollen behielten trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere einen sympathischen Gestus, während das weibliche Geschlecht nur in der Figur der blonden Anna das Klischee der guten Ehefrau erfüllte. Selbst daran, dass Thomas zum Wilderer wird - der einzige Grund, warum er mit dem Jäger in Konflikt gerät - , trägt allein die verführerische und selbstverständlich dunkelhaarige Kathrein (Paula Pfluger) die Schuld, die den armen Kerl dazu verleitet, ihr billiges Wildbret für ihr Restaurant zu schießen.

Trotz dieser unterschwelligen Ausrichtung, die dem generellen, auch noch in den 50er Jahren vorhandenen Zeitgeist entsprach, blieb „Krambambuli“ vor allem in der Betonung der Rolle des Hundes erstaunlich nah an Ebner-Eschenbachs Vorlage. Die Konfrontation des Jägers mit der Konsequenz, dass eine strenge Erziehung kein Garant dafür ist, Vertrauen und Liebe zu erwerben, und damit der Zwang, seine eigenen Wertevorstellungen in Frage zu stellen, erhob diese Interpretation über seine Nachfolger. Einzig der Mut fehlte, die Entscheidung des Hundes für den Vagabunden ohne nachvollziehbaren Grund zu akzeptieren. Trotz dieser Anpassung an den Publikumsgeschmack verzichtete der Film auf ein billiges Happy – End und vermittelte auch eine Ebene des Scheiterns.

"Krambambuli" Deutschland 1940, Regie: Karl Köstlin, Drehbuch: Friedrich Perkonig, Marie von Ebner-Eschenbach (Novelle)Darsteller : Rudolf Prack, Sepp Rist, Victoria von Ballasko, Elise Aulinger, Paula Pfluger, Laufzeit : 73 Minuten

Montag, 18. März 2013

Grün ist die Heide (1951) Hans Deppe

Inhalt: Der Oberförster (Josef Sieber) ist verzweifelt, da ein Wilderer in seinem Revier sein Unwesen treibt und er ihm nicht auf die Schliche kommt. Der junge Förster Walter Reiner (Rudolf Prack), der erst vor wenigen Wochen seine Stelle antrat, ist da wesentlich erfolgreicher und hätte den Wilderer beinahe auf frischer Tat ertappt.

Doch die Spur, die er verfolgte, führte ihn ausgerechnet zum nahe gelegenen Landschloss, in der die angesehene Familie Lüdersen zu Hause ist. Hier wohnt auch Helga (Sonja Ziemann), die hübsche Tochter von Lüder Lüdersen (Hans Stüwe), der bei seinem Bruder Gottfried untergekommen ist. Reiner hat ihren Vater in Verdacht, aber er bekommt zusehends Gewissensbisse, da er sich in dessen Tochter verliebt hat...


Erst seit 1968 werden die Besucherzahlen in den deutschen Kinos gezählt, da zuvor keine genauen Erhebungen gemacht wurden. Trotzdem steht es unzweifelhaft fest, dass die Zuschauerzahlen, die gerade deutsche Filme in den 50er Jahren erzielten, von zeitgenössischen Filmen kaum noch erreicht werden können. 1951, als "Grün ist die Heide" von etwa 16 Millionen Menschen gesehen wurde, gab es nur wenige alternative Unterhaltungsmöglichkeiten, aber das allein erklärt nicht den großen Erfolg dieses Films.

Die Gattung des 50er Jahre "Heimatfilms", die mit "Grün ist die Heide" ihre frühe Blüte erlebte (siehe "Die erste Boom-Phase - der Heimatfilm der Jahre 1951 bis 1954"), gilt heute als konservativ veraltet und filmisch uninteressant - quasi ein Relikt aus einer Zeit, mit dem man sich höchstens noch aus historischen Gründen beschäftigt. Eine unberechtigte Sichtweise, spiegelt die Gattung nicht nur das Lebensgefühl ihrer Zeit wider, sondern gibt es innerhalb des Genres große Qualitätsunterschiede. Besonders an "Grün ist die Heide" wird das erkennbar - ein Film, der viele Nachfolger erzeugte, die nicht annähernd dessen Dichte und Atmosphäre erreichten.


Unabhängig davon, wie man zu der Wilderer-Thematik steht, muss man Drehbuchautor Bobby E. Lüthge gute Arbeit bescheinigen. Er kombinierte aktuelle gesellschaftliche Probleme der Nachkriegszeit mit einer Liebesgeschichte und reicherte dieses Konglomerat mit heimatlicher Musik und Landschaftsbildern an, die in starkem Kontrast zur damaligen Realität in Deutschland standen. Dabei griff er auf Motive seines eigenen Drehbuchs zum 1932 entstandenen Original "Grün ist die Heide" zurück. Zwar fußte dieses ebenfalls auf den von dem Großstädter Hermann Löns geschriebenen Texten über die Lüneburger Heide, besaß aber nicht dessen Realitätsbezug - ein entscheidender Unterschied, der mit zum Erfolg des 1951er Remakes beitrug. 

Über der gesamten Handlung steht immer die Vertriebenen-Thematik und der damit verbundene Verlust der Heimat, der nicht nur die Bewohner der ehemaligen Ostgebiete betraf, sondern viele Menschen, die im Krieg ihre Wohnung oder Haus verloren hatten. Das gilt auch für Lüder Lüdersen (Hans Stüwe) und seine Tochter Helga (Sonja Ziemann), die nach der Vertreibung bei seinem Cousin und Gutsbesitzer Gottfried Lüdersen (Otto Gebühr) untergekommen sind. Der Film macht kein Geheimnis daraus, dass es sich bei Lüder Lüdersen um den Wilderer handelt, der schon lange vom Oberförster ergebnislos verfolgt wird. Doch sein zukünftiger Nachfolger Walter Rainer (Rudolf Prack), der gerade erst die Stelle angetreten hat, erwischt den Wilderer beinahe auf frischer Tat. Als er bei der Verfolgung an den Gutshof gelangt, wird er brüsk zurückgewiesen, angesichts der Unterstellung, es könnte sich bei dem Wilderer Jemand aus dem ehrwürdigen Hause handeln. Zudem begegnet der junge Förster noch Tochter Helga, für die er sich schnell begeistert, weshalb er unverrichteter Dinge wieder davon geht.

Von der Tochter zur Rede gestellt, gesteht ihr Vater, nur beim Jagen glücklich sein zu können, da er dann wieder das Gefühl der Heimatverbundenheit in Erinnerung an die eigenen Wälder empfinden kann. Auch wenn Helga ihm das Gewehr abnimmt und er versprechen muss, es nie wieder zu tun, steht außer Zweifel, dass Niemand im Publikum ihn deshalb verurteilt haben wird, obwohl es sich bei den Lüdersens um Mitglieder einer privilegierten Klasse handelte, die nur wenig mit den Problemen gemein hatte, die der Durchschnittsbürger damals bewältigen musste.

Die Stimme des Volkes spricht dagegen durch die drei Landstreicher Hannes (Hans Richter), Nachtigall (Kurt Reimann) und Tünnes (Ludwig Schmitz), die im Film die heimliche Hauptrolle einnehmen und nicht ohne Grund in gleicher oder ähnlicher Formation in anderen Filmen erneut antraten. Dank ihrer respektlosen Art, die das Geschehen teilweise auch ironisch kommentiert, verzeiht man die Romantisierung des Landstreichertums. In Anspielungen weisen die Drei mehrfach auf gesellschaftliche Probleme hin (zum Beispiel die schwierige Arbeitssituation), um sofort wieder einen Witz darüber zu machen. Die Akzeptanz, die sie bei der bürgerlichen Gesellschaft genießen, ist unrealistisch, aber da sie für die besten musikalischen Einlagen zuständig sind (bei dem Sänger Kurt Fröhlich handelte es sich um einen bekannten Opern-Tenor) entsteht für das Publikum ein Gleichgewicht zwischen der ärmlichen Grundsituation und der gleichzeitigen Meinungshoheit. Als die Drei Lüdersen helfen, dessen Gewehr in Sicherheit bringen und selbstverständlich kein Wort darüber verraten, ist das positive Urteil über den vertriebenen Landadeligen schon gesprochen.

Dagegen entwickelt sich die eigentliche Story über die langsam entstehenden Gefühle zwischen Helga und dem Förster linear und überraschungsarm und ist als reines Starvehikel für die damals seit Hans Deppes erstem Heimatfilm-Erfolg nach dem Krieg "Schwarzwaldmädel" (1950) sehr populären Sonja Ziemann und Rudolf Prack zu verstehen. Letztlich erweist sich diese Einfachheit als vorteilhaft für den Film, der vor allem von den vielen kleinen musikalischen und humorigen Einlagen und der optisch sehr schön in Szene gesetzten Lüneburger Heide lebt. Das ein Zirkusmitarbeiter, der dazu keinen gültigen deutschen Pass besitzt, am Ende als Bösewicht herhalten muss, verdeutlicht nur die allgemein verbreitete sehr konservative Stimmung, die auch in der unverhohlenen Haltung verborgen ist, die vom Wiedererhalt der ehemals deutschen Ostgebiete ausgeht. Das gemeinsame Singen des "Riesengebirge"-Liedes war sicherlich ein Höhepunkt des Films.

Aus heutiger Sicht verfügt der Film über viele veraltete, teils reaktionäre Elemente, deren Bedeutung inzwischen entweder überholt oder deren Attraktivität kaum noch vorhanden ist. Nur schwer vorwerfen kann man dem Film, dass er mit seiner Idealisierung des Landlebens, den Betrachter von seinem tristen Alltag ablenken wollte, denn letztlich haben populäre Filme auch heute keine andere Aufgabe. Unter diesem Gesichtspunkt ist "Grün ist die Heide" sehr gelungen, denn selten gelang eine ausgewogenere Mischung aus Starverehrung, dramatischer Geschichte, ironischem Witz und musikalischen Einlagen im deutschen Heimatfilm.

"Grün ist die Heide" Deutschland 1951, Regie: Hans Deppe, Drehbuch: Bobby E. Lüthge, Hermann LönsDarsteller : Sonja Ziemann, Rudolf Prack, Maria Holst, Willy Fritsch, Oskar Sima, Otto Gebühr, Hans Richter, Laufzeit : 87 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Hans Deppe:

"Schloss Hubertus" (1934)


Thematisch weiterführender Link:

"Vom Bergdrama zur Sexklamotte - der Heimatfilm im Zeitkontext" (Grundlagen des Heimatfilm Genres)