Sonntag, 13. März 2016

Das Spukschloss im Salzkammergut (1966) Rolf Olsen, Hans Billian

Udo (Jürgens) und seine Eva (Gertraud Jesserer) im Beziehungs-Clinch
Inhalt: Nachdem Manfred (Schnelldorfer) Hannelore (Auer) nach drei Jahren in den USA und Zwischenstopp auf Mallorca mit seinem Alfa Spider am Flughafen abgeholt hatte, umkurven sie entspannt den Wolfgangsee und kommen auf alte Zeiten zu sprechen – genauer auf Udo (Jürgens) und dessen amouröses Abenteuer, das im Ehehafen endete.

Der Beginn klingt allerdings wenig vielversprechend, denn anstatt ihn auf seiner Tournee zu begleiten, wollte seine Freundin (Gertraud Jesserer) eine eigene Karriere als Schauspielerin starten. Ob so viel weiblichen Widerspruchsgeists, blieb Udo nur der Bruch und er gesellte sich allein zu seiner international besetzten Show-Truppe, die im selben alten Schloss am Neusiedler See landete wie die notorisch klamme Theatergruppe, der sich seine Freundin angeschlossen hatte. Klar, dass das nicht lange gut gehen konnte… 

Rückblick auf den 15.Hofbauer Kongress vom 07.01. bis 11.01.2016

"Das Spukschloss im Salzkammergut" erfreute am dritten Tag des 15. Hofbauer-Kongresses die Herzen mit seinem Mix aus Musik- und Heimatfilm sowie platter Komödie - ganz den populären Vorbildern "Das Spukschloss im Spessart" (1960) und Billians erster Regie-Arbeit "Übermut im Salzkammergut" (1963) verpflichtet, aus deren Titeln die Produktionsgesellschaft raffiniert einen "neuen" Titel zusammensetzte. Es wurde ihr letzter Akt, war aber insofern konsequent, weil auch der Film nichts Neues bot.

Das Filmplakat verweist auf ihre Absichten. Udo Jürgens sieht darauf deutlich "flotter" aus als in den Filmaufnahmen, die mehr als drei Jahre zuvor entstanden waren. Und als Stars wurden neben ihm Hannelore Auer und Manfred Schnelldorfer groß aufgeführt, die mit der eigentlichen Filmhandlung genauso wenig zu tun hatten, wie das "Spukschloss" im Salzkammergut steht. Sie sollten der Resteverwertung nur einen modernen Anstrich geben.






"Mercie, chérie" sang Udo Jürgens am 5. März 1966 in Luxemburg und gewann den 11. Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne für Österreich - vielleicht der entscheidende Grund, warum "Das Spukschloss im Salzkammergut" am 23. November 1966 noch das Licht der Kinoleinwand erblickte.

"Da steht Udo ganz groß drauf" meint Eva - wohl eine optische Täuschung...
Heimatfilm und Schlagerfilm waren in den frühen 60er Jahren eine Allianz eingegangen, um der darbenden Branche auf die Beine zu helfen, aber inzwischen war nur noch ein leises Röcheln zu vernehmen (siehe den Essay "Der Weg in die Moderne - der Heimatfilm der Jahre 1958 bis 1969 "). Udo Jürgens, dessen Karrierebeginn eng mit dem Schlagerfilm verbunden war ("Die Beine von Dolores" (1957)), hatte Anfang 1964 in "Unsere tollen Tanten in der Südsee" seinen letzten Filmauftritt, bevor er sich ausschließlich auf den Gesang konzentrierte. Der deutsche Verleihtitel "Siebzehn Jahr, blondes Haar" für die italienisch-deutsche Co-Produktion "La battaglia dei mods", September 1966 herausgekommen, war reiner Etikettenschwindel, erst in "Das Spukschloss im Salzkammergut" tauchte Udo Jürgens tatsächlich noch ein letztes Mal als Schauspieler aus der Versenkung auf.

...denn seine "Internationale Show-Gruppe" reist per Bus durch die Provinz
Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um die Entstehung des Films als Resteverwertung der "Music House" - Production Company am Ende ihrer kurzen Existenz zu erkennen. Udo Jürgens‘ einziger Song im Film "Das kann auch dir gescheh'n" stammte aus dem Jahr 1962, weshalb viel dafür spricht, dass Regisseur Rolf Olsen die von ihm erdachte Story um den Streit einer Schauspieltruppe und einer tingelnden Music-Show direkt nach "Hochzeit am Neusiedler See" abdrehte, der Ende 1963 in die Kinos kam. Die Besetzung um das Protagonisten-Paar Getraud Jesserer und Udo Jürgens sowie bekannte Darsteller wie Ruth Stephan, Mady Rahl, Oskar Sima oder Rudolf Schündler war bis in kleine Nebenrollen identisch, gedreht wurde jeweils vor dem Hintergrund des Neusiedler Sees im Burgenland und Rocco Granata  trat in beiden Filmen auf – auch sein 1966 gesungener „Tango d’amore“ stammte aus dem Jahr 1962. 


Von 1963 bis 1966 – ein Quantensprung

Hannelore Auer ganz 1966
Verräterisch sind auch die Angaben zum Drehbuch in den Credits. Idee und Ausführung stammten von Rolf Olsen, Hans Billian hatte es nur bearbeitet. Dass Olsen an der letztlichen Kino-Fassung von „Das Spukschloss im Salzkammergut“ aktiv beteiligt war, ist unwahrscheinlich. Obwohl fast gleichaltrig gibt es keinen weiteren Berührungspunkt in ihren umfangreichen Oevres. Dem erfahrenen Schlagerfilm-Spezialisten Billian blieb es allein überlassen, eine Modernisierung einzuleiten. Er montierte neben die handlungsintegrierten Musiknummern einige ortsfremde, aber aktuelle Schlager, darunter zwei von Peggy March. Sein größter Regie-Eingriff galt einer zusätzlichen Rahmenhandlung, mit der er den Film im Salzkammergut verortete und in die Gegenwart von 1966 versetzte. Zuerst sollten die Bilder eines Düsen-Jets internationales Flair vermitteln, bevor der Olympionike und Teilzeit-Sänger Manfred Schnelldorfer Hannelore Auer im Alfa-Spider um den Wolfgangsee kutschierte. Deren Lied „Nur mein Herz bleibt in Mallorca“ spielte nicht nur auf die zunehmende Reisefreude der Deutschen an, die frivol und selbstbewusst agierende Auer ließ auch die Protagonisten der Haupthandlung alt aussehen.

Udo und Gertraud ganz 1963
Gegen sie wirkte Udo Jürgens im Anzug mit akkuratem Haarschnitt entsprechend der altbackenen Story wie ein Musterschüler. Da kann Hannelore Auer in der Rahmenhandlung noch so oft „den Udo“ erwähnen, im Film hebt er sich nur durch seinen wenig sympathischen Umgang mit seiner Freundin Eva (Gertraud Jesserer) ab, deren Wunsch, als Schauspielerin berufstätig sein zu wollen, er lächerlich findet – der daraus entstehende Streit zu Beginn der Handlung war noch ganz dem traditionellen Geschlechter-Rollenbild zu verdanken. Dass Udo sich darüber hinaus nicht zu schade war, die geringen Erfolgsaussichten der kräftig dilettierenden Darsteller-Riege um seine Freundin am „Spukschloss“ zu torpedieren, war eine unnötige Dramatisierung dieser Thematik. Den Produzenten muss die dünne Story bewusst gewesen sein, weshalb sie den einzigen Höhepunkt des Films gleich zu Beginn schon vorwegnahmen – die zentral gelegene 2minütige Spukszene im Schloss, in der die Schauspieler die arroganten Musiker aus dem Schlaf schrecken. Vermutlich der einzige Grund neben Udo Jürgens‘ gewachsener Popularität, Olsens unveröffentlichte Filmrolle aus der Mottenkiste zu holen.

Die schauspielernde Konkurrenz
Bleibt nur noch die Frage, warum die so schmählich behandelte Verlobte am Ende ihren Udo doch heiratet? – Die Antwort findet sich im Jahr 1963, als der weibliche Wunsch nach einem eigenen Einkommen noch wenig populär war und Udos Verhalten als legitim galt. Nun ist 1966 nicht als Jahr des emanzipatorischen Durchbruchs in die Geschichte eingegangen, aber die Gesellschaft veränderte sich Mitte der 60er Jahre rasant und Hannelore Auers abschließende Verteidigung der Haltung Udos klang nur noch halbherzig – die Erwartung des Publikums an Typen, die cool und modern wirken wollten, hatte sich verändert. Es kann entsprechend ausgeschlossen werden, dass Udo Jürgens seine einmalige Wiederauferstehung auf der Leinwand begrüßte – auch für Manfred Schnelldorfer blieb es der letzte Auftritt in einem Kinofilm.

Das Händchen macht Schluss
Parallel feierte Rolf Olsen „heiße Nächte“ in Frankfurt, („In Frankfurt sind die Nächte heiß“ (1966)) und Billian beteiligte sich wenig später an der spanisch-deutschen Co-Produktion „Das Haus der tausend Freuden“ (1967), bevor er es „Pudelnackt in Oberbayern“ (1969) trieb. Hannerlore Auer ließ es derweil bei "Suzanne - die Wirtin von der Lahn" (1967) krachen. Auf die „Sex-Karte“ hatte Billian bei seiner Frischzellenkur noch verzichtet, zu brav kam Olsens 63er Vorlage daher. Irgendwie aus der Zeit gefallen, aber in der von Billian zusammengeschusterten Vielfalt ein wunderschöner Abgesang auf Heimat- und Musikfilm.

"Das Spukschloss im Salzkammergut" Deutschland 1966Regie: Rolf Olsen, Hans Billian, Drehbuch: Rolf Olsen, Hans Billian, Darsteller : Udo Jürgens, Gertraud Jesserer, Hannelore Auer, Manfred Schnelldorfer, Ruth Stephan, Oskar Sima, Mady Rahl, Ilse Peternell, Laufzeit : 82 Minuten

weitere im Blog besprochene Filme von Rolf Olsen

"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" (1964) 
"Heubodengeflüster" (1967) 
"Der Arzt von St.Pauli" (1968)

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