Donnerstag, 21. Mai 2015

CAN - der Sound von 1970

Die fünf „Can“ – Filme 1970/71

Zwischen der Veröffentlichung ihres ersten Studio-Albums „Monster Movie“ August 1969  und ihrer zweiten LP „Tago Mago“ Februar 1971 erlebte die Kölner Rock-Band „Can“ einige einschneidende Veränderungen. Nach dem die 500 Stück umfassende, im Eigenvertrieb hergestellte erste Auflage von „Monster Movie“ nach kurzer Zeit vergriffen war, wurde sie in größerer Zahl von „United Artists“ neu verlegt. Dieser überraschende Erfolg brachte „Can“ nicht nur eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit, sondern ließ ihre Popularität erheblich anwachsen. 1968 hatten sie in der Band-Formation erstmals eine Filmmusik zu „Kamasutra – Vollendung der Liebe“ geschrieben, der 1969 im Zuge der allgemeinen Sexual-Aufklärungswelle in die deutschen Kinos kam, aber erst ihr Richtungswechsel hin zu einem rockigeren Stil brachte den Durchbruch und innerhalb eines Jahres die Mitwirkung an fünf deutschen Filmproduktionen, die mit der psychedelich-progressiven Musikausrichtung der Band eine stilistische Einheit eingingen.

Malcolm Mooney und Irmin Schmidt
Im September 1970 erschien die LP „Can Soundtracks“, auf der diese kurze, intensive Schaffensphase zusammengefasst wurde. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Malcolm Mooney, der us-amerikanische Sänger mit dem sie „Monster Movie“ eingespielt hatten, nicht mehr zur Band. Er war in die USA zurückgegangen und Damo Suzuki, ein japanischer Performance-Künstler, war mit seiner heiseren, stärker die rhythmischen Aspekte der „Can“-Musik unterstützenden Stimme an seine Stelle getreten. Entsprechend dieses innerhalb 1970 vollzogenen Wechsels drückte er drei der fünf Film-Scores seinen persönlichen Stempel auf, während zwei noch von Mooneys blues-artiger zwischen Falsett und Bass changierender Stimme geprägt wurden. Die übrige Besetzung – Holger Czukay (Bass), Irmin Schmidt (Keyboard), Jaki Liebezeit (Schlagzeug) und Michael Karoli (Gitarre) - blieb zwar stabil, passte ihren Stil aber den sehr unterschiedlichen Sängern an.

Holger Czukay und Damo Suzuki
Die Reihenfolge der musikalischen Komposition stimmt nicht mit der Veröffentlichung der Filme überein. „Großer blaugrauer Vogel“ (Regie Thomas Schamoni), noch mit Malcolm Mooney eingespielt, kam erst April 1971 in die Kinos, ein halbes Jahr nach der Platten-Veröffentlichung. Auf deren Hülle steht deshalb „Bottom“, denn so lautete der Arbeits-Titel. Dagegen hatte die mit Damo Suzuki aufgenommene Musik für „Deadlock“ und „Deep End“ schon im Herbst 1970 Film-Premiere gefeiert, nur „Mädchen mit Gewalt“ war Februar 1970 noch vor Mooneys Ausstieg erschienen. Unabhängig von ihrer individuellen Ausrichtung atmeten alle fünf Filme die Aufbruchstimmung der frühen 70er Jahre und stellten sowohl inhaltlich, als auch optisch bisherige Sehgewohnheiten in Frage.

Zuordnung der Sänger noch mit der falschen Nummerierung
Doch vergleichbar mit der Musik von „Can“, die bis heute eine weit höhere Wertschätzung im englischsprachigen Ausland erfährt als in Deutschland, gerieten die Filme schnell in Vergessenheit. 1974/75, als ich ihre Platten während der „Deutschrock“-Welle für mich entdeckte, basierte der öffentliche Ruf von „Can“ allein auf der Single „Spoon“, die es als Filmmusik zum TV-Dreiteiler „Das Messer“ (1971) (später auch auf „Ege Bamyasi“ (1972) veröffentlicht) zu einmaligen Hitparaden-Ehren gebracht hatte. Die fünf Filmtitel auf der „Soundtrack“-Plattenhülle hatten dagegen schon damals einen exotischen Klang, ohne Aussicht auf einen direkten Bezug zum Filmerlebnis. Entsprechend hinterließ „Can-Soundtracks“ weder den Eindruck eines typischen Filmmusik-Albums, noch einer Compilation - trotz der zwei Sänger -, sondern behielt als verbindendes Unikat zwischen „Monster Movie“ und „Tago Mago“ seine Eigenständigkeit. Erst mehr als 40 Jahre nach ihrer Entstehung sind alle fünf Filme wieder allgemein zugänglich, hier unter dem Bindeglied „Can“ zusammengefasst.

"Mädchen mit Gewalt" (19.02.1970) - Roger Fritz
"Deep End" (01.09.1970) - Jerzy Skolimowski
"Deadlock" (15.10.1970) - Roland Klick
"Großer graublauer Vogel" (09.04.1971) - Thomas Schamoni
"Cream - Schwabing Report" (29.08.1971) - Leon Capetanos

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