Montag, 29. April 2013

...und sowas muß um 8 ins Bett (1965) Werner Jacobs

Inhalt: Die weibliche Oberprima eines gehobenen Mädchen - Internats gilt als schwer erziehbar. Anstatt sich auf ihr Abitur vorzubereiten, interessieren sich die Schülerinnen ausschließlich für Spaß, Party und Klamotten. Besonders Margaret (Gitte), eine echte Prinzessin, hält nur wenig davon, sich auf ihre zukünftige Rolle als Repräsentantin ihres Landes vorzubereiten. Lieber hört sie Musik und geht Tanzen. Mehrere Lehrerinnen des ältlichen Kollegiums sind schon an der Oberprima gescheitert, die sie mit ihren Streichen in den Wahnsinn trieben.

Auch Dr. Eduard Frank (Peter Alexander), ein trotteliger Bücherwurm, der bisher nur Jungen unterrichtete, kommt den Mädchen wie gerufen, um mit ihm ihr Spielchen zu treiben. So fälschen sie Liebesbriefe der Turnlehrerin Angelika Weiß (Ingeborg Schöner), die sie Dr. Frank unterjubeln, der in die hübsche Kollegin verliebt ist. Zuerst scheint ihr Plan aufzugehen, aber Dr. Frank ist nicht so leicht auszuspielen, wie es äußerlich den Anschein hat…


Ein Film mit dem frivol klingenden Titel "...und sowas muss um 8 ins Bett" mit Peter Alexander in der Hauptrolle, Gunther Philipp als seinem komischen Side-Kick und der blutjungen Gitte, die seitdem sie "Einen Cowboy als Mann" wollte, zu großer Popularität gekommen war, bedeutete Mitte der 60er Jahre in Deutschland eine Lizenz zum Gelddrucken. Peter Alexander, obwohl schon fast 40 Jahre alt, spielte erneut seine unnachahmliche Rolle als vordergründig leicht seltsamer, pedantischer und schüchterner Trottel, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und letztlich mit jungenhaftem Wiener Charme doch den Erfolg (natürlich auch bei den Frauen) auf seiner Seite hat.

Unter Regisseur Werner Jacobs, Spezialist für deutsche Lustspiele mit Musikeinlagen, hatte er schon den Oberkellner im „Weißen Rössl“ (1960) gegeben und war als „Der Musterknabe“ (1963) in Heinz Rühmanns Fußstapfen getreten, um als Erwachsener noch einmal die Schulbank zu drücken. Damit lag die Rolle als Lehrer eines Jungengymnasiums mit Bücherwurm-Attitüde nah, der zudem über keinerlei Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht verfügt. Und wo steckt ein Komödienspezialist einen solchen Typen hin? - Natürlich auf ein Mädcheninternat mit sonst ausschließlich weiblichem Lehrkörper. Und da das noch nicht genügt, ausgerechnet als Klassenlehrer für die renitente Oberprima, die schon mehrere Lehrer vergrault hatte und in der sich eine "richtige" Prinzessin (Gitte) befindet, die ihr Abitur machen soll.

Damals wie heute hing der Erfolg beim Publikum von Peter Alexander ab, dessen immer gleiche Charakterisierungen seiner Rollen seit Mitte der 50er Jahre zu einer Marke geworden waren, die er souverän beherrschte und die ihm die Gelegenheit gibt, seine spezielle Art des Humors auszuspielen. Obwohl er mit strengem Seitenscheitel und Nickelbrille wie ein Oberstreber aussieht, gelingt es ihm, selbst in peinlichen Momenten noch sympathisch zu bleiben. Denn erwartungsgemäß hat die Oberprima nichts anderes vor, als Dr. Eduard Frank (Peter Alexander) ständig Streiche zu spielen, denen er auch hilflos gegenüber steht. Trotzdem wirkt er weder wie ein Opfer, noch lächerlich, da er trotz seines (mit der Zeit attraktiver werdenden) Aussehens konsequent und herzlich bleibt.

Vom Drehbuch wird dieser Eindruck noch mit der Rolle seines Partners Gunther Philipp betont, der hier den Zahnarzt Dr. Schäfer spielt. Äußerlich mit den Insignien des materiellen Erfolgs versehen, gibt Philipp hier - wie häufig in seinen Filmen - den selbstverliebten und eingebildeten Idioten. Als an Hand eines von den Schülerinnen gefälschten Briefes der Eindruck entsteht, dass die von Dr. Frank (Peter Alexander) begehrte Turnlehrerin (Ingeborg Schöner) in den Zahnarzt verliebt sein soll, hat dieser nichts Besseres zu tun, als sie bei einem vermeintlichen Rendezvous sofort in den Nacken zu küssen, was ihm eine entsprechend empörte Reaktion einbringt - ein Fehler, den Dr. Frank niemals begehen würde. 

Obwohl dieser selbst dank vermeintlicher Liebesbriefe glaubte, dass die Turnlehrerin ihm zugewandt wäre, behielt er immer einen respektvollen Abstand. Darin verdeutlicht sich dessen hehrer Charakter, da er vordergründig zwar wie ein Trottel agiert, bezüglich seiner sozialen Kompetenz aber traumwandlerisch sicher bleibt und damit nicht nur die Sympathien des Publikums gewinnt (die Peter Alexander sowieso schon gehörten), sondern auch der anderen Protagonisten im Film. Dank seines Charmes übersteht er sogar Szenen wie die, als ihm die "Prinzessin" beichtet, in ihn verliebt zu sein, ohne Fremdschäm-Anfälle zu erzeugen. Man muss Peter Alexander nicht mögen, aber in solchen Momenten wird es begreiflich, warum er über Jahrzehnte der erfolgreichste Entertainer in Deutschland war. Auch sind einige Szenen - wie etwa die, als er betrunken mit seinem Zahnarzt-Freund seinen Liebeskummer runterspült - immer noch witzig.

Diese Qualitäten können aber nicht übersehen lassen, dass es sich bei "...und sowas muss um 8 ins Bett" um ein kalkuliertes Produkt handelt, dass neben der vorhersehbaren Story noch ein sehr konservatives, klischeehaftes Frauenbild zeichnete, das trotz der frivolen Anspielung im Titel die sexuelle Verklemmtheit der frühen 60er Jahre noch deutlich widerspiegelte. Die als "Gegenspieler" antretende weibliche "Oberprima" besteht nur aus hübschen Mädchen mit Bikini-Figur, während sich der weibliche Lehrkörper – von der begehrten Turnlehrerin einmal abgesehen – aus „alten Jungfern“ zusammensetzt, die mit hoch getürmtem Dutt ein freudloses unbemanntes Dasein fristen. Die gesamte Konstellation hat den faden Beigeschmack eines lüsternen Altherrenhumors, der sich an den ausführlich zelebrierten "Jungmädchen" - Körpern delektieren kann, während er über die ältlichen Lehrerinnen lästern darf, denen selbstverständlich ein Mann zeigen muss, wie man eine Klasse leitet.

Peter Alexander selbst bleibt in seiner Rolle immer integer. Weder bringen ihn seine attraktiven Schülerinnen in Versuchung, noch macht er sich über die Kolleginnen lustig. Aber das soll nur ein wenig über die konservative Botschaft des Films hinwegtäuschen. Denn trotz aller Verrücktheiten machen die Mädchen am Ende erfolgreich ihr Abitur – offensichtlich weniger um zu studieren, sondern um als zukünftige Ehefrauen ihre gut verdienenden Männer zu unterstützen - die attraktive Turnlehrerin wird sofort geheiratet und der übrige weibliche Lehrkörper hat ein wenig Menschlichkeit hinzu gewonnen. Auch die Prinzessin erkennt abschließend ihre wahre Rolle und Verantwortung, womit die zuvor gezeigten Streiche und kleinen Verstöße gegen die guten Sitten zu den üblichen Verfehlungen der Jugend gerechnet werden. Das Publikum durfte sich darüber amüsieren, verlässt aber den Kinosaal mit dem Gefühl, dass in Deutschland noch alles seine Ordnung hat.

Auch in rein der Unterhaltung dienenden Filmen wie "...und sowas muss um 8 ins Bett" wurden die gesellschaftlichen Veränderungen der 60er Jahre zunehmend sichtbar, galt es für die Macher, nicht zu altmodisch zu inszenieren, weshalb schon Anklänge an eine freiere Sexualität und die weibliche Emanzipation sichtbar wurden. Allerdings ohne diese wirklich ernst zu nehmen, sondern nur als Aufmacher für eine noch zutiefst im konservativen Denken verharrende Zielgruppe.

"...und sowas muss um 8 ins Bett" Deutschland 1965, Regie: Werner Jacobs, Drehbuch: Eckart Hachfeld, Janne FurchDarsteller : Peter Alexander, Gunther Philipp, Gitte, Ingeborg Schöner, Loni Heuser, Rudolf Vogel, Laufzeit : 96 Minuten

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