Freitag, 10. Mai 2013

Das Herz der Königin (1940) Carl Froelich


Inhalt: Maria Stuart (Zarah Leander), ehemalige Königin von Schottland, ist seit vielen Jahren Gefangene der englischen Königin Elisabeth I. (Maria Koppenhöfer). Immer wieder versucht sie, diese mit Briefen von ihrer Unschuld zu überzeugen, aber Elisabeth liest ihre Briefe gar nicht erst, sondeern fällt das Todesurteil über sie.

In Gedanken lässt Maria Stuart nochmals die Zeit Revue passieren, als sie aus Frankreich in ihr Heimatland zurückkehrte, um Schottland zu regieren. Doch nicht nur das Volk lehnte sie ab, sondern auch die Machtinteressen der schottischen Lords sollten ihr das Leben schwer machen...


Als Zarah Leander 1940 "Das Herz der Königin" drehte, war sie schon zum großen UFA-Filmstar aufgestiegen, hatte es aber trotzdem verstanden, sich nicht zu sehr in der Nähe der Nazi-Machthaber aufzuhalten. Ihr Status erlaubte diese Eigenständigkeit, der auch darin deutlich wurde, dass sie im prüden Deutschland der 30er Jahre selbstbewusste und sexuell offensive Frauenfiguren spielen konnte. Trotzdem wäre es eine Illusion anzunehmen, dass sie den Propaganda-Interessen entkommen wäre, denn Joseph Göbbels, der sie persönlich sehr schätzte, wusste sie geschickt für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Die Rolle der "Maria Stuart" war Zarah Leander geradezu auf den Leib geschrieben. Die schottische Königin war nicht nur für ihre Schönheit berühmt, sondern hatte im französischen Exil, wo sie aufwuchs, musikalische Fertigkeiten gelernt. Als sie nach Schottland zurückkehrte, befand sie sich in Begleitung des italienischen Sängers David Riccio (Friedrich Benfer), der als ihr Privatsekretär arbeitete. Den rauen Gesellen im Norden der britischen Insel waren diese "französischen Sitten" äußerst suspekt, ebenso wie man der eher als emotional geltenden Königin die "harte Hand, die das Volk braucht" nicht zutraute. So konnte Zarah Leander quasi im historischen Sinn ihre Stärken ausspielen - ihr schöner Gesang, ihre emotionale, aber durchaus selbstsichere Art passten gut zu dem überlieferten Charakter der Maria Stuart.

"Das Herz der Königin" leistet sich dabei eine erzählerische Klammer, die Maria Stuart zu Beginn als Gefangene der englischen Königin Elizabeth I. (Maria Koppenhöfer) zeigt. Mehrfach hatte sie die Königin von ihrer Unschuld überzeugen wollen, aber diese hatte ihre Briefe ignoriert und verurteilte sie nach langer Gefangenschaft zum Tode. In Erwartung der Hinrichtung, lässt sie noch einmal ihr Leben seit der Ankunft in Schottland vor ihrem geistigen Auge ablaufen.

"Das Herz der Königin" hielt sich an die historischen Abläufe und versuchte, die damaligen Intrigen und Machtinteressen komplex zu schildern. In beeindruckenden, in ihrer Schwarz-weiß Schattierung dramatisch wirkenden Bildern entfaltet sich die Geschichte theaterartig. In einzelnen Szenen, die an nur wenigen Orten stattfinden, wird dialoglastig eine Situation aufgezeigt, die von Opportunismus und Hinterhältigkeit geprägt ist. Marias Halbbruder Jacob ( Walther Süssenguth), der in ihrer Abwesenheit das Land regierte, unterstützt zuerst seine Schwester, um später doch mit der englischen Königin gemeinsame Sache zu machen. Auch Lord Bothwell (Willy Birgel) hat eigensüchtige Interessen und täuscht sie. Einzig Maria Stuart und ihre Getreuen, besonders ihr Diener Olivier (Will Quadflieg), vermitteln einen ehrlichen Charakter.

Die Wahl Zarah Leander als schottischer Königin ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, wem das Publikum seine Sympathie schenken würde. So konnte es sich Regisseur Carl Froelich leisten, die Charaktere der Gegner Marias ohne Übertreibungen zu schildern. Trotzdem war Froelich an einer objektiven Betrachtung der damaligen Situation in Schottland keineswegs interessiert, sondern zeichnete unterschwellig das negative Bild einer rücksichtslosen, expansiven englischen Politik. Diese Intention war angesichts des parallel stattfindenden Kriegs mit England gewollt, so das Froelich - der seit 1939 der Reichsfilmkammer als Präsident vorstand - als Regisseur den Willen seines direkten Vorgesetzten Joseph Goebbels umsetzte.

Tatsächlich wurde Maria Stuart in vielen internationalen Produktionen häufig verklärt, so dass „Das Herz der Königin“ keineswegs als besonders negativ für die englische Krone heraus sticht. Schon immer mochte das Publikum - auch in der Hollywood-Umsetzung - die unglückliche Königin mehr als die scheinbar hartherzige, unattraktive Elisabeth, die zudem noch ohne Mann und Kinder blieb. Das Maria Stuart in der Realität ziemlich arrogant gewesen sein soll, ihren Halbbruder Jakob als „Bastard“ ansah, der es nicht wert war zu regieren, und auch ihre Mitwirkung beim Tod ihres zweiten Mannes nie wirklich aufgeklärt werden konnte, wird hier nicht berührt. Zarah Leander ist ganz in ihrem Element als emotionale, liebevolle Regentin, die nur selbstlos das Beste für ihr Volk will. Alle Unglücke, Morde und sonstigen tragischen Ereignisse lassen keinen Schatten auf ihren hehren Charakter fallen. Selbst die schon kurz nach dem "Unfalltod" ihres Mannes erfolgte erneute Trauung mit Lord Bothwell, die damals dazu führte, dass Maria Stuart zugunsten ihres zu diesem Zeitpunkt einjährigen Sohnes abdanken musste, wird hier als eine für sie erzwungene Situation geschildert.

Dagegen werden der englischen Königin bösartige Sätze wie „Alle, die uns helfen, werden getötet“ in den Mund gelegt, als sie weitere Lords nach Schottland schickt, die Maria Stuarts vordergründig stützen sollen, tatsächlich aber ihre Basis aushöhlen. Solche Sätze sollten konkret vermitteln, das man den Engländern nicht trauen kann. Das die erzählerische Klammer den Film mit der Hinrichtung Maria Stuarts beendet, überrascht schon nicht mehr, denn so wird sie noch zur Märtyrerin hochstilisiert. Trotz dieser Intention gehört "Das Herz der Königin" nicht zu den auffälligen Propagandawerken, da die negative Sicht auf die englische Vorgehensweise eher subtil geschildert wurde und die tatsächlichen Ereignisse kaum verfälscht, sondern nur sehr einseitig betrachtet wurden. Die größte Parteinahme verbirgt sich letztlich in der Besetzung der Hauptrolle mit Zarah Leander, denn dadurch waren die Sympathien von vornherein verteilt.

"Das Herz der Königin" Deutschland 1940Regie: Carl Fröelich, Drehbuch: Harald Braun, Jacob Geis, Darsteller : Zarah Leander, Willi Birgel, Maria Koppenhöfer, Axel Von Ambesser, Hans  Mierendorff, Erich Ponto, Will Quadflieg, Laufzeit : 105 Minuten


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